OJS Bayreuth
Not a member yet
    277 research outputs found

    Die doppelte Triade: Wotan – Loge – Erda/Wagner – Freud – Butler

    Get PDF
    Dieser Aufsatz unterzieht Richard Wagners Rheingold einer Relektüre, die sich auf die darin enthaltenen Momente moderner Konzepte hin-sichtlich Inhalt und Handhabung der gesanglichen Disposition konzentriert. Diese sind, erstens, die Destabilisierung des Ich-Begriffes und, zweitens, Freuds Konzept der drei Instanzen (Ich, Es und Über-Ich) die das Selbst beherrschen. Einen dritten Schwerpunkt macht Wagners Idee eines androgynen Systems jenseits des Dualismus von Männlichkeit/Weiblichkeit aus, wie es von Judith Butler beschrieben wird. Eine Analyse der dramatischen Funktion und Gesangspartien – in Hinblick auf die oben genannten Prämissen – der Charaktere Wotan, Loge und Erda soll dabei aufzeigen, ob und wie Richard Wagner, ein Musikdramatiker des 19. Jahrhunderts, als Protomodernist und somit als Wegbereiter der Moderne gewertet werden kann.This essay offers a reading of Richard Wagner’s Rhinegold as a work in which important tendencies of modernity are prefigured in the opera’s narratological and vocal dispositions. These tendencies are, first of all, the destabilization of an intact identity and, second, the Freudian-based concept of the three aspects of the psyche, the id, the ego, and the super-ego, which govern the individual self. A third focus is on Wagner’s ideas of an androgynous system beyond the dualism of maleness/femaleness, as described by Judith Butler. With these premises, an analysis of the opera’s dramatic function and vocal parts for the characters Wotan, Loge, and Erda shows whether Richard Wagner, as an author-composer of the late nineteenth century, can be regarded as a protomodernist and thus a pacesetter for modernity

    Zur so genannten gegengeschlechtlichen Besetzungspraxis. Nebst einer Besprechung der aktuellen Publikationen von Knaus sowie Beghelli und Talmelli

    No full text
    Zur so genannten gegengeschlechtlichen Besetzungspraxis. Nebst einer Besprechung von Kordula Knaus, Männer als Ammen – Frauen als Liebhaber. Cross-gender casting in der Oper 1600 bis 1800, Stuttgart 2011 und Marco Beghelli und Raffaele Talmelli, Ermafrodite armoniche. Il contralto nell\u27Ottocento, Varese 2011

    The Watermill Center. A Laboratory for Performance. Robert Wilson\u27s Legacy, hrg. von José Enrique Macián, Sue Jane Stoker und Jörn Weisbrodt, Stuttgart: Daco 2012.: Rezension

    Get PDF
    Ulrike Hartung, Rezension zu: The Watermill Center. A Laboratory for Performance. Robert Wilson’s Legacy, hrg. von José Enrique Macián, Sue Jane Stoker und Jörn Weisbrodt, Stuttgart: Daco 2012, in: ACT – Zeitschrift für Musik & Performance 3 (2012), Nr. 4

    Editorial 2012/3: Über Wagner

    No full text
    Das Jahr 2013 wird musikalisch ganz im Zeichen Richard Wagners stehen. Die Klassikbranche, die Feuilletons und die Wissenschaft feiern dann den 200. Geburtstag des Bayreuther Meisters. Unser vorliegendes Heft dürfte eine der ersten Publikationen sein, die sich mit Wagner im Kontext dieses Jubiläums beschäftigt. Viele weitere werden folgen. Dieses Heft ist Teil der Initiative www2013:(WagnerWorldWide 2013), die von Thurnau ihren Ausgang nahm: Mit der Ringvorlesung, die an der Universität Bayreuth im Wintersemester 2011/2012 stattgefunden hat, wird die Stafette im Juni über Shanghai (China) nach Bern (Schweiz), dann zur University of South Carolina in Columbia (South Carolina, USA) und schließlich, im Dezember 2013, wieder zurück nach Thurnau weitergereicht. Die Idee ist, wissenschaftlich zu untersuchen, wofür Wagner in unserem heutigen Leben, unserer heutigen Zeit einsteht. Wagner interessierte das Neue, weshalb wir uns bemühen, aktuelle Wege der Verbreitung und quasi eine Art Demokratisierung der Wissenschaft zu finden: Die Ringvorlesung findet sich auf YouTube und das Wagnerheft von Act ist – wie immer, das kann man nun beim dritten Heft von Act schon sagen – Open Access zugänglich. Im Rahmen von www2013: fand die dritte Ausschreibung für den Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft statt, zu der uns eine große Reihe von interessanten Beiträgen erreichte. Zwei dieser Beiträge werden im vorliegenden Heft publiziert. Simone Fohr-Manthey führt eine große Breite an Themen zusammen. Stimm- und Geschlechterfragen bezieht sie auf die Psychoanalyse Freuds sowie auf aktuelle Thesen der Gender studies (Judith Butler) und analysiert auf dieser Grundlage anhand von drei Figuren aus Wagners "Rheingold" eine ebenso originelle wie in dieser Konstellation neuartige Deutung. Der Thurnauer Preis für Musiktheaterwissenschaft ging an Hélène Benoit-Otis für eine Studie, welche die Bedeutung von historiographischen Prozessen deutlich macht und akribisch belegt, wie sich im Kontext der nationalen Debatten um 1880–90 der Diskurs um Wagner weiter auflädt beziehungsweise dieser von politischen und nationalen Fragen bestimmt ist. Der dritte Beitrag stand nicht im Kontext des Preises, er dokumentiert ausführlich die große Nähe von Oper, Film und die Einbindung dieser in das kulturelle und soziale Umfeld anhand der "Holländer"-Inszenierung von Christoph Schlingensief in Manaus (Brasilien). Anna-Catharina Gebbers stützt sich hier auf Interviews mit Beteiligten und hält so wesentliche Aspekte dieser Produktion fest. Das Projekt www2013: wird nun um die Welt ziehen. Unmittelbar vor uns steht eine Reise nach Shanghai an das dortige Conservatory of Music, wo der Kollege Nicholas Vazsonyi und ich eingeladen sind, im Rahmen einer Konferenz in Vorträgen und Workshops Wagner heute und www2013: im asiatischen Raum zur Diskussion zu stellen. Die Vorbereitungen für Konferenzen in Bern zu WagnerWorldWide:Europe und Columbia zu WagnerWorldWide:America laufen auf Hochtouren. Besonders hinweisen möchte ich auf den Call for Papers zu unserer abschließenden Konferenz im Dezember 2013 in Thurnau. Ergebnisse all dieser Veranstaltungen werden in einer großen Publikation festgehalten werden: dann sicherlich eine der letzten zu diesem Großereignis. Das Heft enthält zwei Rezensionen, die thematisch frei sind. Besonders auf den ausführlichen Text von Saskia Maria Woyke möchte ich hinweisen, weil in dieser Doppelrezension das Format eines Review Essays sehr schön greifbar wird. In diesem Fall ist der Text zwar sehr ausführlich ausgefallen. Wir möchten unsere Leser aber anhalten, uns Vorschläge für ähnliche Rezensionen zu machen. Das Besondere an diesem Format ist die Möglichkeit, die besprochenen Bücher im Kontext des aktuellen Forschungsstandes oder eigener Forschungsanliegen zum jeweiligen Thema ausführlich zu diskutieren. Die nächsten Hefte von Act sind in Planung, zunächst zum Thema "Ars Acustica", wo der Call for Articles am 15. Juni 2012 ausläuft sowie ein weiteres Heft zum Thema "Improvisierte Musik analysieren und deuten". Seien Sie aufmerksam! Wir freuen uns auf interessante Vorschläge für Beiträge. Anno MungenThe year 2013 will be devoted to the music of Richard Wagner. The classical music industry, feature pages of journals and magazines, and scholarship will celebrate the 200th anniversary of the birth of the master of Bayreuth. Our present issue may be one of the first publications to deal with Wagner in the context of this bicentennial. Many more will follow. This issue is part of the initiative www2013: (WagnerWorldWide 2013), which takes its point of departure from Thurnau. It began with the lecture series at the University of Bayreuth in the winter semester 2011–12. In June 2012 the baton will be passed to Shanghai, China, thereafter to Bern, Switzerland, and then to the University of South Carolina in Columbia, South Carolina, before returning to Thurnau in December of 2013. The idea is to instigate scholarly investigation into how far Wagner extends into our lives today, into our present time. Wagner himself was interested in what was new. For this reason, we are trying to find current ways of disseminating and, in a sense, democratizing scholarship. The lecture series is available on YouTube, and this Wagner issue of Act, the journal’s third issue, is – as always – available as Open Access. The third call for applications for the Thurnau Prize for Music Theater Studies was held within the framework of www2013:, for which a large number of interesting articles was submitted. Two of these articles are published in the present issue. Simone Fohr-Manthey brings together a wide range of topics. She draws on Freudian psychoanalysis as well as on current theories in gender studies from the twentieth century (Judith Butler) in discussing voice and gender issues and on this basis analyzes three characters from Wagner’s Rhinegold to arrive at an original reading as well as a new type of interpretation. The Thurnau Prize for Music Theater Studies was awarded to Hélène Benoit-Otis for a study that shows clearly the importance of historiographical processes and that meticulously demonstrates how, in the context of national debates around 1880–90, the discourse on Wagner was recharged, in other words, determined by political and national questions. The third article was not submitted in connection with the Thurnauer Prize, yet it shows with scrupulous documentation the closeness of opera, film, and the integra¬tion of these in the cultural and social spheres based on the production of The Flying Dutchman by Christoph Schlingensief in Manaus, Brazil. Anna-Catharina Gebbers based her study on interviews with the participants and thereby has come to grips with essential aspects of this production. Project www2013: will now circle the globe. Immediately ahead is a trip to Shanghai and the Conservatory of Music there, where my colleague Nicholas Vazsonyi and I have been invited to discuss www2013: in the Asian world in connection with a conference of lectures and workshops on Wagner today. Preparations for the conferences WagnerWorldWide:Europe to be held in Bern and WagnerWorldWide:America, scheduled for Columbia, S.C., are in full swing. I would especially like to draw attention to the Call for Papers for the final conference in December 2013 in Thurnau. The results of all of these events will be published in a single large volume, surely one of the last outcomes of this ambitious project. The current issue contains two reviews that are thematically free. I would like to draw special attention to Saskia Maria Woyke’s detailed text, because in this double review, the format of a review essay is beautifully carried out. In this case the subject is indeed dealt with at length. We would like to encourage our readers to make pro¬posals for similar reviews. The special feature of this format is the opportunity to discuss in detail the books being examined in the context of current research concerns or of the reviewer’s personal research interest in the respective theme. The coming issues of Act are already being planned. The next will be on the theme "Ars Acustica," for which the deadline for article submissions is 15 June 2012. This issue will be followed by a number on the theme of "Analyzing and Interpreting Improvised Music." Please take note. We are looking forward to interesting proposals for contributions. Anno Munge

    Silent Sound Art: Performing the Unheard

    Get PDF
    Dieser Beitrag ist eine Reflexion über die so genannte Silent Sound Art. Beispielhaft hierfür sind die Arbeiten von Peter Ablinger und Akio Suzuki, die im Zusammenhang mit einer teilweise historisch hergeleiteten Annahme eines teilnehmenden Subjekts in der Installationskunst interpretiert werden sollen. Hierbei wird der Schwerpunkt auf Kunstbewegungen und ausgewählte Werke aus den späten 1950ern bis in die frühen 1970er gelegt, namentlich von John Cage, George Brecht und La Monte Young. This article is a reflection on silent sound art, exemplified here by the works of Peter Ablinger and Akio Suzuki, in the context of a partially historical con-sideration of the participatory subject in Installation Art, with a primary focus on artistic movements and selected works from the late 1950s to the early 1970s by John Cage, George Brecht, and La Monte Young

    Malte Friedrich, Urbane Klänge. Popmusik und Imagination der Stadt , Bielefeld: Transcript 2010: Rezension

    Get PDF
      Dominic Larue, Rezension zu: Malte Friedrich, Urbane Klänge. Popmusik und Imagination der Stadt, Bielefeld: Transcript 2010, in: ACT – Zeitschrift für Musik & Performance 2 (2011), Nr. 2

    Playing the Tune: Video Game Music, Gamers, and Genre

    Get PDF
    Dieser Artikel nähert sich dem Gegenstand Computerspielmusik über einen genre-basierten Ansatz, wobei davon ausgegangen wird, dass zwei für Computerspiele genrespezifischen Ebenen in der Musik wirksam sind: das interaktive Genre (der Spieltypus/interaktive Mechanismus) und das umgebungsbedingte Genre (das Setting des Spiels). Die Interaktion zwischen diesen beiden Ebenen erzeugt die Musik des Spiels. Untersucht man Spiele innerhalb desselben interaktiven Genres, selbst wenn das umgebungsbedingte Genre deutlich unterschiedlich ist, können wir ähnliche Beziehungen, Funktionen und Methodologien von Computerspielmusik aufdecken. Drei interaktive Genres werden im vorliegenden Artikel kurz genauer betrachtet (survival horror games, strategy games, fighting games), um zu veranschaulichen, wie die musikstrategischen Ähnlichkeiten die Spielgenres durchweben.This article proposes a particular approach to video game music by advocating a genre-based enquiry. Two generic levels are active in video game music: "interactive genre" (the type of game/interactive mechanism) and "environmental genre” (the "setting" of the game). The interaction between these levels produces the game\u27s music. By examining games within the same interactive genre, even if the environmental genre is markedly different, we can begin to uncover similar concerns, functions and methodologies of game music. Three interactive genres are briefly examined (survival horror games, strategy games, fighting games), in order to demonstrate how musical-strategic similarities can be seen to weave through game genres

    Chaos in the Cosmos: The Play of Contradictions in the Music of Katamari Damacy

    Get PDF
    Auf den ersten Blick ist Katamari Damacy (Namco, 2004) ein simples und heiteres Computerspiel. Dennoch steckt es voller thematischer Verwicklungen und Komplikationen, die eine Reihe von ethischen und ästhetischen Fragen aufwerfen, beispielsweise die Beziehung von Kindheit und Schrecken, zwischen Vater und Sohn sowie von digital und analog; darüber hinaus werden all die Verwicklungen, die diese Paarungen bestimmen, geschickt von der Musik des Spiels unterstrichen. Der Artikel spürt einem musikalischen Thema nach, welches als idée fixe des Spiels fungiert und im Verlauf mehrerer Levels des Spiels musikalisch umgestaltet wird. Weil die Musik das Potenzial besitzt die Spielerperformance zu beeinflussen, kann selbst non-diegetische, nicht-dynamische Computerspielmusik tiefgreifend andere Funktionen haben als non-diegetische Filmmusik.At first glance, Katamari Damacy (Namco, 2004) is a simple and cheery video game. Yet the game is full of thematic complexities and complications, which raise a number of ethical and aesthetic problems, including the relationships between childhood and terror, father and son, and digital and analog; furthermore, the complexities governing each of these pairs are cleverly underscored by the game\u27s music. The article traces a musical theme that serves as the game\u27s idée fixe which is transformed in the music across several of the game\u27s levels. Because the music has the potential to affect player performance, even non-diegetic, non-dynamic video game music can serve profoundly different functions than non-diegetic film music

    Editorial 2011/2: Musik spielen - Computerspiele und Musik

    Get PDF
    November 2010. Wir befinden uns in einem Kino. Die Lichter sind soeben gelöscht worden und wie zu Beginn so vieler Filme ertönt das musikalische Thema von "Universal". Doch heute ist etwas anders. Obwohl der Film noch nicht einmal begonnen hat, ist der Großteil der Zuschauer bereits elektrisiert. Wieso? Der Grund ist der Sound dieses Universal-Themas, es ist aufgemacht in der 8-Bit-Ästhetik früher Computerspiele. Der heutige Film, Scott Pilgrim vs. the World, der auf der Comicbuchserie "Scott Pilgrim" basiert, benutzt die Computerspielästhetik sowohl auf der visuellen als auch der inhaltlichen Ebene und verwendet ebenfalls die Musik von Computerspielen. Während einer Traumsequenz, als leichte, glöckchenartige Musik ertönt, flüstert jemand neben uns mit verzückter Stimme: "Oh, das ist aus Zelda!" In einem Interview für das Magazin "Wired" kommentiert der Regisseur Edgar Wright diese Szene wie folgt:   We had to get his [des Rechteinhabers Shigeru Miyamoto] permission to use this piece of music from The Legend of Zelda for that dream sequence. So when I was writing to Nintendo to get permission, I was saying: "This music is like nursery rhymes to a generation."1 Und damit hat er Recht: Computerspiele blicken inzwischen auf eine etwa 50jährige Geschichte zurück und mehrere Generationen sind bereits mit Computerspielen, ihrer Ästhetik sowie ihren Sounds und ihrer Musik aufgewachsen. Auch in anderen Medien, neben den Computerspielen, finden sich Referenzen auf Computerspielmusik oder wir hören sogar die Musik selbst, zum Beispiel wenn die Protagonisten Turk und JD aus der Fernsehsitcom "Scrubs" begleitet von dem typischen Spielsoundtrack "Space Invaders" mit ihren Assistenzärzten spielen (Staffel 7, Folge7); wenn der Charakter Peter Griffin in der Comicfernsehserie "Family Guy" mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton "Dance Dance Revolution" spielt, wenn der Schweizer Künstler Guillaume Reymond (von der NOTsoNOISY creative agency) im Rahmen seines Projktes "Game Over" Computerspielklassiker mit Menschen in Kinosälen inszeniert2, oder wenn wir einer Show der Dubai-Fontäne am Lake Burj Khalifa beiwohnen, die von dem Song "Baba Yetu" aus "Sid Meier’s Civilization IV" untermalt wird. Computerspielmusik wird vor großem Publikum in Konzerthallen aufgeführt, sei es im Rahmen von darauf spezialisierten Tourproduktionen wie die Konzertreihe "Video Games Live" (www.videogameslive.com) oder "Play! A Video Game Symphony" (www.play-symphony.com) oder in speziellen Konzertreihen von ständigen Orchestern, wie dem WDR-Rundfunkorchester Köln (z.B. www.symphoniclegends.com). Auch in der Werbung begegnen wir Computerspielmusik, wenn zum Beispiel das bekannte "Tetris" Thema in einer deutschen Autowerbung benutzt wird, um auf das Spiel zu verweisen und das großzügige Platzangebot im Kofferraum des Autos zu bewerben. Auf diese Weise kommen auch Menschen mit Computerspielmusik in Berührung, die nicht einmal selbst spielen. Das aktuelle Jahr 2011 hatte gerade erst begonnen, als ein Markstein in der Geschichte der Computerspielmusik gesetzt wurde: Am 13. Februar gewann Christopher Tins bereits genannter Song "Baba Yetu" als erstes für ein Computerspiel komponiertes Stück einen Grammy Award in der Kategorie "Best Instrumental Arrangement Accompanying Vocalist(s)" – bezeichnenderweise nicht in der Kategorie "Film/Television/Media". Der Song ist das Menüthema des Spieles und wurde im Original von der "Stanford Talisman a capella Group" gesungen. Der Text ist die Swahili-Version des "Vater unser" (das offizielle Video kann auf der Website des Komponisten eingesehen werden www.christophertin.com). Im Lichte all dieser Beispiele scheint es kaum übertrieben festzustellen, dass Computerspiele, ihre Ästhetik und ihre Musik längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und unsere Kultur stark beeinflussen. Die wissenschaftliche Forschung reagiert bereits auf diese Phänomene, indem ein immer größeres Interesse für die Game Studies zu verzeichnen ist, insbesondere dem Gebiet der Computerspielmusik wird in jüngster Zeit immer größere Aufmerksamkeit gewidmet. Obwohl bereits von Karen Collins, Kristine Jørgensen, Zach Whalen, Kiri Miller, Axel Stockburger, Mark Grimshaw und vielen weiteren Wissenschaftlern eifrig vorangetrieben steckt die Computerspielmusikforschung noch immer in den Kinderschuhen und ist, wie Karen Collins auf der letztjährigen Konferenz "Music and the Moving Image"3 in New York in ihrer Keynote betonte, auf der Suche nach Vokabular, Analysetechniken und passenden Herangehensweisen an den Gegenstand. Mit dieser Ausgabe unseres Online-Journals ACT möchten wir zu dieser Diskussion beitragen. In seinem Artikel "Playing the Tune" schlägt Tim Summers einen genrebasierten Ansatz vor und analysiert beispielhaft drei verschiedene Genres (survival horror games, strategy games, fighting games), um zu zeigen wie musikalisch-strategische Ähnlichkeiten die Spielgenres durchweben. Jason Brame bietet in seinem Artikel "Thematic Unity Across a Video Game Series" einen an Schenker angelehnten Analyseansatz, um strukturelle und motivische Beziehungen zwischen den verschiedenen Themen aufzuspüren, die in der The Legend of Zelda-Reihe auftauchen. Der Beitrag "Chaos in the Cosmos: The Play of Contradictions in the Music of Katamary Damacy" von Steven Reale folgt dem musikalischen Thema, welches als idée fixe des Spieles fungiert und im Verlauf mehrerer Levels des Spiels musikalisch umgestaltet wird. Melanie Fritsch   1 http://www.wired.com/magazine/2010/06/ff_cerawright/all/1 (Zugriff: 25. Mai 2011). 2 http://www.notsonoisy.com/gameover/ (Zugriff: 25. Mai, 2011). 3 Karen Collins, "Implications of Interactivity: Where Do We Go From Here?", Keynote auf der Konferenz   "Music and the Moving Image", NYU Steinhardt, New York, May 25, 2010. Slides unter: http://www.gamessound.com/ (Zugriff: 18. März 2011).November 2010. We are in a cinema. The lights have been turned off, and, as at the start of so many movies, the "Universal" theme begins. But something is different today. Although the movie has not yet begun, most of the audience is already mesmerized. Why? The reason has to do with the sound of the theme we are hearing, which is presented in the 8-bit aesthetic of early video games. This evening\u27s movie, Scott Pilgrim vs. the World, based on the graphic novel series Scott Pilgrim, uses video game aesthetics on both visual and narrative levels and also features music from video games. During a dream sequence, when light, tinkling music is heard, someone next to us whispers in an enraptured voice: "Oh my, this is from Zelda!" In an interview for the magazine Wired, the director Edgar Wright comments on this scene as follows: We had to get his [i.e. the holder of rights Shigeru Miyamoto\u27s] permission to use this piece of music from The Legend of Zelda for that dream sequence. So when I was writing to Nintendo to get permission, I was saying, "This music is like nursery rhymes to a generation."1 And he is absolutely right: Since video games go back some fifty years now, several generations have been raised entirely on video games, their aesthetics and their sound and music. Also in other media besides video games, we find references to video game music or even hear the music itself, for example, when the protagonists Turk and JD from the TV sitcom Scrubs play Space Invaders with their interns (season 7, episode 7) accompanied by the game\u27s characteristic soundtrack; likewise, when the character Peter Griffin from the animated TV series Family Guy plays Dance Dance Revolution with former U.S. President Bill Clinton (season 5, episode 13), or when Swiss artist Guillaume Reymond (of the NOTsoNOISY creative agency) performs video game classics with humans in his "Game Over" project,2 or when we watch a performance of the Dubai Fountain at Burj Khalifa Lake accompanied by the song Baba Yetu from Sid Meier\u27s Civilization IV. Video game music is performed in concert halls in front of huge audiences of young people. Sometimes this takes place within the framework of specialized projects, such as the "Video Games Live" series (www.videogameslive.com) or "Play! A Video Game Symphony" (http://www.play-symphony.com/). Other times it is heard in the concert series of a resident orchestra, such as the WDR Rundfunkorchester Köln (e.g. http://www.symphoniclegends.com/). Similarly, we encounter video game music in advertisements, such as when the Tetris theme is used in a German car commercial to refer to the eponymous game and thus emphasizes the space available in the trunk of this car. In these ways, even people who do not play video games listen to their music. The current year 2011 had only just begun when a milestone was reached in the history of video game music: On February 13, Christopher Tin\u27s aforementioned song, Baba Yetu, became the first piece composed for a video game to win a Grammy Award in the category "Best Instrumental Arrangement Accompanying Vocalist(s)" – significantly, not in the category "Film/Television/Media." The song is the game\u27s menu theme and was originally performed by the Stanford Talisman a cappella group. Its lyrics are the Swahili version of the Lord\u27s Prayer (the official video is available on the composer\u27s website: http://www.christophertin.com). In light of all of these examples it hardly seems an exaggeration to say that video games, their aesthetics and their music have arrived in the midst of our society and are strongly influencing our culture. Scholarly research is responding to this influence by becoming more and more interested and involved in game studies, particularly, in the field of video game music, which has begun to arouse growing enthusiasm. Pioneered by Karen Collins, Kristine Jørgensen, Zach Whalen, Kiri Miller, Axel Stockburger, Mark Grimshaw, and many others, research into video game music is still in its early days, so to speak, and, as Karen Collins pointed out in her keynote speech at last year\u27s conference "Music and the Moving Image",3 is in search of a proper vocabulary, analytical techniques and fitting approaches to the subject. With this issue of Act, we would like to contribute to this discussion. In his article "Playing the Tune," Tim Summers proposes a genre-based approach to video game music by briefly examining three different genres (survival horror games, strategy games, fighting games) in order to demonstrate how musical-strategic similarities can be seen to weave through game genres. Jason Brame offers a Schenkerian-like analysis in his article "Thematic Unity Across a Video Game Series" to identify structural and motivic relationships between the various themes, which appear throughout theLegend of Zelda video game series. The article "Chaos in the Cosmos: The Play of Contradictions in the Music of Katamari Damacy" by Steven Reale traces the musical theme that serves as the game\u27s idée fixe as it appears and is transformed in the music. Melanie Fritsch   1 http://www.wired.com/magazine/2010/06/ff_cerawright/all/1 (accessed May 25, 2011). 2 http://www.notsonoisy.com/gameover/ (accessed May 25, 2011). 3 Karen Collins, "Implications of Interactivity: Where Do We Go From Here?", keynote speech presented at the "Music and the Moving Image" conference, NYU Steinhardt, New York, May 25, 2010. Slides are available on: http://www.gamessound.com/ (accessed March 18, 2011)

    Thematic Unity Across a Video Game Series

    Get PDF
    Die Musik des japanischen Komponisten Koji Kondo für Super Mario Bros.(Nintendo, 1984) und The Legend of Zelda (Nintendo, 1986) gehört zu den Computerspielmusiken mit dem höchsten Wiedererkennungswert. Anhand der Analyse des motivischen Materials zeigt dieser Artikel am Beispiel eines musikalischen Elements, dem Overworld Theme aus jedem der Hauptteile der Zelda-Serie, wie es Kondo gelang, eine Einheitlichkeit durch das ganze Zelda-Franchise zu kreieren und trotzdem jeden Spielscore einzigartig zu gestalten. Mit einem an Schenker angelehnten Analyseansatz wird versucht, strukturelle und motivische Beziehungen zwischen den verschiedenen Themen aufzudecken. Der Artikel schließt mit einer Betrachtung semiotischer Implikationen der musikalischen Analyse und ihrer Auswirkung sowohl auf andere Aspekte der Zelda-Serie als auch auf die Analyse von Computerspielmusik insgesamt.Composer Koji Kondo\u27s music for both Super Mario Bros. (Nintendo, 1984) and The Legend of Zelda (Nintendo, 1986) is among the most recognized video game music ever written. Through the use of motivic and prolongational analysis, this article demonstrates how Kondo created a unity across the entire Zelda franchise, while making each game\u27s score unique by examining one musical element, the overworld theme, from each of the main entries in the Zelda series. Schenkerian analysis is used to identify structural and motivic relationships between the various themes. This article concludes with an examination of semiotic implications of this analysis and its impact on other aspects of the Zelda series and game music analysis as a whole

    213

    full texts

    277

    metadata records
    Updated in last 30 days.
    OJS Bayreuth
    Access Repository Dashboard
    Do you manage Open Research Online? Become a CORE Member to access insider analytics, issue reports and manage access to outputs from your repository in the CORE Repository Dashboard! 👇