Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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Rational Choice: Ein kritisches Plädoyer für Theorien der rationalen Entscheidung
Weltweit gesehen ist Rational Choice (RC) in der Politikwissenschaft derzeit das dominante Forschungsprogramm. Dieser Beitrag stellt dieses Forschungsprogramm kurz vor und setzt sich dann mit der Kritik an 1.) der empirischen Plausibilität der Rationalitätsannahme, 2.) den Resultaten der empirischen RC Forschung und 3.) der vermeintlich mangelnden Fähigkeit von RC, handlungsanleitend zu sein, auseinander. Teilweise wird diese Kritik wiederlegt, teilweise wird argumentiert, dass die alternativen Ansätze, die von den Kritikern propagiert werden, in vielerlei Hinsicht problematisch sind. Der Beitrag endet mit einer kurzen Diskussion von vier Stärken des RC Ansatzes, die zusammen erklären, warum sich RC als ein progressives Forschungsprogramm erwiesen hat, das in allen Bereichen der Politikwissenschaft wichtige Erkenntnisse liefert
Free movement and the emergence of European social citizenship
Can we observe the emergence of an independent social citizenship, or does (still) the economic logic of EU integration prevail? This article offers a well-founded empirical investigation into this topical issue. It characterizes personal free movement as central to EU citizenship and analyzes the complete jurisdiction of the EU on FoM of social assistance, carving out to what extent social citizenship elements are dissolved from their national basis and redeployed at EU-level. It argues that, in the individual dimension of social citizenship, a simultaneity of partial denationalizing and supranationalizing effects are observable that do not give way to a clear post-national construction of social citizenship and which come at the cost of the collective dimension of social citizenship
Zwischen arabischem Frühling und saudisch-iranischem Winter
In dem Beitrag wird die Darstellung des arabischen Frühling in europäischen Medien kritisch beleuchtet. Ein genauerer Blick auf die Machtkonstellationen in der Region ermöglicht es, den aktuellen Stand der Dinge realistisch einzuschätzen.This essay critically assesses the media coverage in Europe of the Arab Spring. Looking more closely at the constellations of power in that region, a realistic evaluation of the state of the play can be gained
WählerInnendaten und das Ground Game in der Obama Kampagne 2012
Abstract: In this paper, I examine how President Obama won the 2012 campaign utilizing a variety of online tools – Email, Microsites, interactive Infographics, supporter journey – to collect and analzye voter and supporter data. Retelling the history of the campaign from early 2012 with discussions about Women’s Health and Tax Fairnes to the final days of the Get Out The Vote campaign, I discuss how and why the Obama Campaign had an advantage with those tools and how they informed the „ground game“ that put him over the top. Abstract: Im folgenden Beitrag untersuche ich, wie Präsident Obama die Präsidentschaftswahl 2012 gewonnen hat, indem er mit Hilfe von unterschiedlichen Online Werkzeugen – von Email, Microsites, interaktiven Infografiken und der sogenannten „supporter journey“ – WählerInnen- und UnterstützerInnendaten sammelte und analysierte. Den Ablauf der Kampagne nacherzählend – vom Frühjahr 2012 mit Diskussionen rund um Frauengesundheit und Steuergerechtigkeit bis zu den letzten Tagen der Get Out The Vote Kampagne – diskutiere ich warum die Obama Kampagne einen Vorteil mit diesen Werkzeugen hatte und wie sie die Schlussmobilisierung informierten, die Obama zum Sieg verhalf
Zum Verhältnis von Kritik und Disziplinarität. Wissenschaftstheoretische Argumente für eine kritische und kritisch-realistisch fundierte Orientierung der Politikwissenschaft
Der vorliegende Artikel versteht sich als Intervention in eine in der ÖZP geführte Debatte über die Zukunft der Disziplin Politikwissenschaft. Sein Ziel ist es, zwischen der von Ulrich Brand und Helmut Kramer lancierten Konzeption eines kritischen Projekts und den maßgeblich von Thomas König präsentieren forschungspolitischen Präliminarien zu vermitteln. Zu diesem Zweck wird zuerst eine Reformulierung des Gehalts eines kritischen Projekts vorgeschlagen, die auf einen „starken Kritikbegriff“ aufbaut. In Folge wird im Verweis auf den Critical Realism und wissenschaftstheoretische Überlegungen zur Disziplinenformierung einer Positionsbestimmung von Politikwissenschaft als Disziplin und kritischem Projekt zugearbeitet
Die Politik der Zugehörigkeit: ein sozialwissenschaftliches und künstlerisches Forschungsprojekt im Wiener Gemeindebau
In diesem Diskussionsbeitrag möchten wir das Forschungsprojekt Living Rooms: The Art of Mobilizing Belongings präsentieren und die Frage aufwerfen, wie sich die politische Mobilisierung von Zugehörigkeit durch einen interdisziplinären Zugang zwischen Politikwissenschaft und Kunst beobachten und analysieren lässt. Unser Anliegen ist es, sowohl inhaltliche Antworten zu skizzieren als auch zu einer produktiven Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Inter- bzw. Transdisziplinarität beizutragen. This article presents the research project Living Rooms: The Art of Mobilizing Belongings, which analyzed the political mobilization of belonging in Viennese social housing complexes from an interdisciplinary perspective combining artistic and social sciences methods and approaches. In doing so, we address substantive issues on the politics of belonging and discuss the challenges and opportunities posed by adopting a transdisciplinary approach at the interface between arts and sciences.
Anomia, Deprivation und Werteorientierung zur Vorhersage rechtsextremistischer Einstellungen – Eine empirische Studie mit Repräsentativdaten aus Deutschland
Das Thema Rechtsextremismus unterliegt in den europäischen Gesellschaften immer wieder konjunkturellen Diskussionsphasen in Politik, Gesellschaft und Medien. Diese Diskurse, in der Regel ausgelöst durch spektakuläre Ereignisse, thematisieren immer auch Gründe für die Entstehung von rechtsextremistischen Einstellungen (RE). Zur Erklärung der Genese von RE zählen u.a. Einflüsse des sozialen Wandels, die Wahrnehmung von Ungleichgewichtszuständen oder die Ausprägung bestimmter Wertorientierungen. Diese Phänomene sind auch Gegenstand verschiedener empirischer Studien, wobei die kausalen Zusammenhänge zwischen den Einflussfaktoren oft unberücksichtigt bleiben. Dies gilt umso mehr für die Integration von demografischen Variablen wie Schulbildung oder Alter. Diesem Umstand wird in der vorliegenden Studie Rechnung getragen, indem ein theoretisch abgeleitetes Gesamtmodell unter Einbezug der kausalen Beziehungen zwischen den unabhängigen Variablen formuliert und anschließend unter Anwendung von Strukturgleichungsmodellen empirisch überprüft wird
Wissenschaft von der Politik vor der Politikwissenschaft?
Die Reformphase der 1960er und 1970er Jahre ist das zentrale Scharnier der Wissenschaftsgeschichte der Zweiten Republik. Auch für die Politikwissenschaft ist dies der Fall – nicht nur, weil die Disziplin hierzulande erst damals institutionalisiert wurde. Im vorliegenden Text geht es uns jedoch um die Vorgeschichte, genauer gesagt um die Beleuchtung der Hintergründe, warum eine Wissenschaft von der Politik in Österreich so spät institutionalisiert wurde. Wir wenden uns daher dem Zustand des Wissenschaftsbetriebs der ersten zwei Dezennien der Zweiten Republik zu und überprüfen anhand wissenschaftstheoretischer Orientierung, konkreter wissenschaftlicher Praktiken und Formen der Institutionalisierung die verschiedenen historischen Formen der Auseinandersetzung mit Politik in der österreichischen Wissenschaft. Der Text ist ein Beitrag zum laufenden Jahresschwerpunkt "40 Jahre ÖZP". The academic reform in the 1960s and 1970s were formative years for the history of science in the Second Republic of Austria. Political Science, as a discipline, was particularly affected - not the least because this was the time when the discipline was, finally, institutionalized. This article, however, examines the background why the study of politics and policy in Austria was formalized so late. While often-neglected in the literature, the first two decades academic life of the in the renewed republic are of particular interest to us. What forms of academic (or, scientific) engagement with politics and policy can we find in this pre-discipline era? This question is tackled along three different layers in the contemporary academic framework, firstly epistemological trends, secondly academic practices, and thirdly early forms of institutionalization. The article is part of the ongoing special topic on "40 years of ÖZP" in 2012
Strukturelle Macht: Eine dritte Machtquelle?
ZusammenfassungDer Artikel stellt die gängige Vorgehensweise in Frage, internationale Machterscheinungen dichotomisch in Kategorien von „hard power“ und „soft power“ zu erfassen und zu erklären. Die Beobachtung einer zunehmenden Entkopplung der internationalen Durchsetzungsfähigkeit der Staaten von den für sie verfügbaren Machtkapazitäten reflektierend, vermutet der Verfasser die Existenz einer dritten Machtquelle (vorläufig in Anlehnung an Susan Strange als strukturelle Macht bezeichnet), deren Ursprung und Wirkungsweise wissenschaftlich noch nicht ausreichend erkannt und erforscht wurden. Dabei wird die Hypothese vertreten, dass es diese dritte Machtquelle ist, die die Wirkungen der bekannten Größen hard power und soft power relativieren kann und folglich auch Staaten in Ermangelung von Kapazitäten in den klassischen Machtkategorien zu politischen Erfolgen verhilft