Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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    Rezeptionsprobleme der Max Weber’schen Charismathese in der amerikanischen Political-Leadership-Forschung – eine programmierte Verwirrung?

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    Max Webers Charismathese stellt innerhalb der vielfältigen Ansätze, die den Anspruch stellen, Political-Leadership-Forschung zu betreiben, einen wichtigen Referenzpunkt dar. Doch der Export des Konzeptes in die USA führte zur Inkorporierung in behavioristische und andere positivistische Theoriebezüge um den Preis seiner völligen Entstellung oder zur Weiterentwicklung jener sozialpsychologischen Anteile der charismatischen Bindung, die Weber gerade nicht aufgegriffen hatte.Dieser Artikel versucht der Frage nachzugehen, ob dies nur dem Unverständnis positivistischer Verfahren gegenüber der verstehenden Soziologie anzulasten ist oder ob nicht bereits der originären Charismathese grundsätzliche Dilemma der Sozialwissenschaft im Umgang mit der systematischen Integration psychologischer Faktoren in politische und soziologische Analysen anhaften, die Max Weber selbst nicht mehr lösen konnte und die sich im Mangel einer tragfähigen Subjekttheorie auch in der Leadership-Forschung fortsetzen

    Feldforschung „intim“: Von Erlebnissen, Bedeutungen und Interpretationspraxis in der Politikfeldanalyse

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    Interpretative Ansätze in der Politikfeldanalyse schreiben dem Austausch von Bedeutungen eine zentrale Rolle zu. Im Austausch von Bedeutungen formulieren Institutionen Agenden und versuchen diese zu implementieren. Durch die Konzeption des „Diskurses“ beziehen die Ansätze eine intensive Auseinandersetzung mit Text und Kommunikation mit ein. Der vorliegende Aufsatz diskutiert die Interpretationspraxis, die aus der Interpretativen Politikfeldanalyse hervorgeht. Mittels der analytischen Figur des „Sprachmodus“ wird geschildert, wie ForscherInnen aus den Erlebnissen während der Feldforschung analytische Kategorien der Bedeutung entwickeln. Diese Entwicklung wird anhand der französischen Gesetzesdebatte rund um „das Ende des Lebens“ illustriert, das zwischen 2003 und 2005 eine emotional aufgeladene Debatte hervorrief. Besondere Beachtung schenkt der Artikel dem Adjektiv „intim“, das in zwei miteinander verwobenen Bedeutungsdimensionen in den Fokus rückt: einerseits mit Bezug auf emotionell geladene Ereignisse, die zum Gegenstand der Politikfeldanalyse selbst werden, und andererseits als ein Blick in die Strategien der interpretativen ForscherInnen

    The EU and its Internal Outsiders. The French Deportation of Roma in the Summer of 2010 – an Infringement of the Lisbon Treaty?

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    This paper discusses the expulsion of non-national Roma by the French government in the summer of 2010. It does so by concisely portraying the social background of Roma as the biggest minority group in the EU and the lacking methods of integration within EU borders. The discussion therefore centers on the legal framework of the European Union, which is supposed to grant fundamental rights and the prohibition of discrimination to EU citizens. The actual method of control remains to be the infringement procedure initiated by the EU Commission. This paper consequently elaborates not only on its structure, but ultimately discusses the question of the infringement procedure’s effectiveness in the context of the Roma deportation. In essence the paper highlights the dilemma of balancing the difficulty of integration within the EU and simultaneously upholding fundamental rights that were granted to all EU citizens.This paper discusses the expulsion of non-national Roma by the French government in the summer of 2010. It does so by concisely portraying the social background of Roma as the biggest minority group in the EU and the lacking methods of integration within EU borders. The discussion therefore centers on the legal framework of the European Union, which is supposed to grant fundamental rights and the prohibition of discrimination to EU citizens. The actual method of control remains to be the infringement procedure initiated by the EU Commission. This paper consequently elaborates not only on its structure, but ultimately discusses the question of the infringement procedure’s effectiveness in the context of the Roma deportation. In essence the paper highlights the dilemma of balancing the difficulty of integration within the EU and simultaneously upholding fundamental rights that were granted to all EU citizens

    Affirmative Action und Integration von MigrantInnen

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    Integrationspolitiken für MigrantInnen in Ländern wie Deutschland, Österreich oder anderen vergleichbaren europäischen Ländern wirken hauptsächlich auf die Rahmenbedingungen der strukturellen Integration. Es werden Rahmenbedingungen für die Anschlussfindung an die Mainstream-Gesellschaft geschaffen, die sich im Wesentlichen auf rechtliche Bedingungen, sprachliche und fachliche Qualifikationen sowie Beratungsleistungen beschränken. Durch die Analyse konkreter Beispiele sowie in Bezug auf theoretische Diskussionen wird aufgezeigt, dass Affirmative-Action-Maßnahmen für Minderheiten oder MigrantInnen, wie sie in verschiedenen Ländern der Welt seit Jahrzehnten umgesetzt werden, darüber hinausgehen. Affirmative-Action-Maßnahmen verändern gesellschaftliche Strukturen mit der Absicht, neben der Veränderung der Rahmenbedingungen zugunsten benachteiligter Gruppen auch soziale Kontakte und Beziehungen zwischen privilegierten und diskriminierten Gruppen, zwischen alteingesessenen und neu zugewanderten Bevölkerungsgruppen herzustellen und dadurch die soziale Dimension der Integration von MigrantInnen zu fördern

    Aus der Casting-Show an die Schwelle. Theoretisierungen politischer Handlungsfähigkeit in der Postdemokratie in Raul Zeliks Roman "Der Eindringling"

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    Die Rückgewinnung politischer Handlungsfähigkeit gehört zu den zentralen Aspekten gegenwärtiger Theoretisierungen von Postdemokratie. Der Beitrag diskutiert diese Frage mithilfe einer Lektüre von Raul Zeliks Roman Der Eindringling (2012) und untersucht, wie dieser Text – anhand des Themas aktueller „postpolitischer“ Jugend- und Popkulturen – Narrative fehlender Handlungsfähigkeit modifiziert. Der Aufsatz fokussiert dabei auf die Metapher der Schwelle, einen Begriff, den Zelik auch in nicht-fiktionalen Texten verwendet, um emanzipative Perspektiven zu theoretisieren. Im Eindringling wird er als Schritt aus „hermetischen“ Verhältnissen mit der Erzählung von Subjektivierung, sinnlicher Erfahrung und politischer Emotion, als Voraussetzung kollektiver Praxis, verknüpft. Neben dem spezifischen postdemokratischen „Problemhorizont“ wird damit allgemeiner nach dem produktiven Beitrag von fiktionalen Narrativen für politische Theorie gefragt.How to recuperate perspectives of political agency and emancipation is one of central issues in current theories of post-democracy. By reading Raul Zelik’s novel Der Eindringling (2012) and its portrayal of present ‘post-political’ youth and pop cultures, the article asks how narratives of restricted agency and absent collective political action are updated and challenged by the text. It discusses how the theshold metaphor is used in the novel to theorize current perspectives of political emancipation in ‘hermetic’ times. The metaphor is also employed by Zelik in some of his non-fictional texts, in Der Eindringling, however, it is conjoined with a literary account of subjectivization, feelings, and political emotions, that are crucial to political movement and agency. Thus, alongside its’ post-democratic ‘problem horizon’, the article investigates into the productive contribution and ‘textual co-operation’ (M. Löffler) of fictional narratives to political theory

    Anti-Pluralismus im Mainstream: Antiziganismus und Homophobie in Postings in Online-Zeitungen

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    Der Beitrag geht der Frage nach, inwiefern antipluralistische Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft – im Sinne eines dort stattfindenden Diskurses – verankert sind. Dazu werden Postings auf krone.at und derstandard.at untersucht, die sich mit Beiträgen zu Roma und Homosexuellen beschäftigen. Die dort geäußerten Vorstellungen zeigen, dass diesen marginalisierten Gruppen stereotype Verhaltensweisen zugeschrieben und sie als Bedrohung für die Mehrheitsgesellschaft stilisiert werden. In Bezug auf die Roma zeichnen sich eher einhellige ablehnende Äußerungen ab, die teilweise in menschenverachtenden Aussagen münden. Berichterstattungen über Homosexuelle führen zu einem stark polarisierenden Diskurs in den Postings, der neben Verachtung auch wachsende gesellschaftliche Akzeptanz zum Ausdruck bringt. Antipluralismus ist damit im Diskurs in Mehrheitsgesellschaft akzeptiert. Eine fiktive Bedrohung durch marginalisierte Gruppen wird dazu genutzt, gesellschaftlichen Pluralismus, der eine Grundlage moderner Demokratien darstellt, abzulehnen.The article deals with the question to what extend anti-pluralist attitudes are rooted within society. By analyzing postings on krone.at and derstandard.at that deal with Roma and homosexuals this article demonstrates that these marginalized groups are presented as threats to society in general. With regard to Roma, rather unanimous negative comments are displayed sometimes close to hate speech. Coverage of homosexuals leads to an extremely polarized discourse. While some-times commenters express deep contempt towards homosexuals other show a growing acceptance. On the whole, anti-pluralism is part of the mainstream. Marginalized groups are presented as a fictitious threat in order to reject pluralism, a core element of modern democracies

    Visuelle Repräsentationen antipluralistischer Politik am Beispiel der Islam- und Muslimenfeindlichkeit

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    The contribution focuses on visual representations of anti-Islam and anti-Muslim politics, the latter being an example of current anti-pluralism. Interpretative and reconstructive methods are applied to the analysis of selected political ads used by rightwing populist and rightwing-extremist political parties and initiatives from Austria, Germany and Switzerland. Emphasis is placed on the trans-nationality of political imagery, in particular on those images which have meanwhile reached iconic status.Im Zentrum des Beitrages stehen ausgewählte visuelle Repräsentationen islamfeindlicher/ antimuslimischer politischer Inhalte und Botschaften, die gesellschaftlichen Pluralismus und gesellschaftspolitische Vielfalt prinzipiell in Frage stellen. Mittels interpretativer und rekonstruktiver Methoden wurde wurde ausgewählte politische Werbung rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien in Österreich, der Schweiz, und Deutschland analysiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf transnationalen Eigenschaften der politischen Bildsprache, insbesondere solcher Bilder, die inzwischen ikonenhaften Status erlangt haben

    Integration und Desintegration qua Leistung – zu den Ambivalenzen eines zentralen Anerkennungsprinzips der modernen Gesellschaft

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    Der Beitrag verfolgt die These, dass das Leistungsprinzip in der Geschichte der modernen Gesellschaft immer sowohl integrierende als auch desintegrierende Wirkungen entfaltet hat. Dies liegt in der Unterbestimmtheit und den Ambivalenzen der grundlegenden Idee von Leistung begründet. Zu seiner konkreten Anwendung bedarf dieses Prinzip immer der Interpretation im Kontext einer je spezifischen historischen Situation – also politischer Aushandlungen, was als sozial anerkennungswürdige Leistungen gelten soll und Integrationschancen eröffnet. Dabei werden jedoch auch blinde Flecken produziert, die Leistungsbeiträge entwerten bzw. sozial unsichtbar machen. Dies hält die gesellschaftlichen „Kämpfe um Anerkennung“ (Axel Honneth) in Gang.Der Beitrag entfaltet diese Argumentation sowohl ideengeschichtlich-theoretisch als auch empirisch, basierend auf eigenen Forschungen zu aktuellen Deutungskonflikten rund um ‚Leistung‘ in der Erwerbsarbeit

    Die meritokratische Neugestaltung der österreichischen Integrationspolitik zwischen Rhetorik und Policy

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    Waren politische Debatten zur Integration von MigrantInnen lange Zeit durch einen Fokus auf Kultur und Werte gekennzeichnet, gewinnen „leistungsorientierte“ Zugänge zunehmend an Relevanz. Die österreichische Integrationspolitik nach der Einführung eines Staatssekretariats für Integration (2011-2013) zeigt anschaulich, wie ein solcher Zugang zum Leitprinzip einer Regierungspolitik werden kann. Der Beitrag geht dem Ansatz „Integration durch Leistung“ in einer Analyse von Rhetorik und Policy nach. Er untersucht einerseits das Leistungsnarrativ und sein Verhältnis zum bisherigen Integrationsdiskurs und stellt aufbauend darauf dar, ob bzw. wie diese diskursive Neuausrichtung in Policies übersetzt wurde. Dabei zeigt sich, dass sich der Ansatz zentral auf traditionelle Leistungskriterien der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik stützt, darüber hinaus aber nur partielle Erweiterungen des Leistungsbegriffs beinhaltet. Diese Gegenüberstellung erlaubt schließlich, immanente Ambivalenzen eines Leistungskonzeptes für die Integration von MigrantInnen aber auch seine Inklusions- und Exklusionspotentiale zu diskutieren

    Mainstreaming climate change adaptation in a federal state setting: Policy changes in the flood protection and tourism sectors in Austria?

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    While mainstreaming climate change adaptation in unitary states is mainly concerned with integrating respective concerns horizontally across sectors, federal states such as Austria or Germany add a significant vertical dimension to the challenge. Since provinces in these countries have noteworthy competencies, mainstreaming climate change adaptation in a federal state setting also requires that adaptation concerns are coordinated or integrated across na-tional, regional and local levels of government. So far, it is unclear whether powerful provinces make the mainstreaming of climate change adaptation easier or more difficult.  The pre-sent paper addresses this gap by analysing in how far two highly vulnerable yet markedly dif-ferent sectors (i.e. flood protection and tourism) embrace climate change adaptation at and across various levels of government in Austria. On the one hand, the paper shows that both sectors struggle with adaptation issues in their own ways. On the other hand it shows that the Austrian federal political system can (but does not have to) prove helpful for mainstreaming adaptation, mainly because provinces fulfil important coordination and support functions that link federal guidance and local actions. It concludes that the effects of federalism on climate change adaptation cannot be generalised but that they depend on the issue at stake

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