Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft (Journal)
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    Katharina Bluhm (2023): Russland und der Westen. Ideologie, Ökonomie und Politik nach dem Ende der Sowjetunion

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    Benjamin A. Schupmann (2024): Democracy despite Itself: Liberal Constitutionalism and Militant Democracy

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    A brief history of neutrality under international law in Europa up to the First World War

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    „Neutrality“ is a basic concept of political and social language and probably finds its most prominent application in the field of international law and international relations. Both European international law scholarship and state practice slowly developed a more positive attitude during the early modern period, which expanded in the course of the 19th century to become recognized as an institute of positive international law. Neutrality was defined in terms of international law, remained controversial in many details of international law policy and yet was unanimously seen as a „basic principle“ of international relations. This shift in perception processed historical experiences of conflict of state practice and lead to a codification of international law inthe course of the 19th century. Nevertheless, there remained a tension between legal positions and the actual power imbalance in international relations, which made the status of neutral states appear precarious. The question of legally permissible neutrality under international law was also contrasted with a political perspective, according to which non-neutrality sometimesappears more desirable. The relationship between neutrality and impartiality was also assessed inconsistently. With the outlawing of war after the First World War and the ban on the use of force under the UN Charter, the perception and assessment of neutrality changed once again. It came under greater pressure to justify itself in the face of demands for solidarity among states against violators of peace who were to be sanctioned.„Neutralität“ ist ein Grundbegriff der politisch-sozialen Sprache und findet seinen vermutlich prominentesten Anwendungsbereich im Feld des Völkerrechts und der internationalen Beziehungen. Sowohl die europäische Völkerrechtswissenschaft als auch die Staatenpraxis entwickelte während der Frühen Neuzeit langsam eine positivere Haltung dazu, die sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer Anerkennung als Institut des positiven Völkerrechts ausweitete. Neutralität wurde völkerrechtswissenschaftlich definiert, blieb dabei in vielen völkerrechtspolitischen Details umstritten und wurde doch übereinstimmend als ein „Grundgesetz“ der internationalen Beziehungen gesehen. Diese Wahrnehmungsverschiebung verarbeitete historische Konflikterfahrungen der Staatenpraxis und mündete im Verlauf des 19. Jahrhunderts in einer völkerrechtlichen Kodifikation. Gleichwohl blieb ein Spannungsverhältnis zwischen Rechtspositionen und dem tatsächlichen Machtgefälle in den internationalen Beziehungen, die den Status von neutralen Staaten prekär erscheinen ließen. Auch wurde die völkerrechtliche Frage juristisch erlaubter Neutralität mit einer politischen Betrachtungsweise kontrastiert, wonach Nicht-Neutralität manchmal wünschenswerter erschien. Uneinheitlich bewertet blieb auch das Verhältnis von Neutralität zu Unparteilichkeit. Mit der Ächtung des Krieges nach dem Ersten Weltkrieg und dem Gewaltverbot unter der UN-Satzung veränderte sich die Wahrnehmung und Bewertung der Neutralität nochmals. Sie geriet wieder stärker unter Rechtfertigungsdruck gegenüber der Forderung nachSolidarität unter den Staaten gegenüber Friedensbrechern, die zu sanktionieren sind

    Eine Debatte über Österreichs Neutralität: Warum sie notwendig ist und wie sie geführt werden sollte

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    In Österreich ist man von einer Debatte über den Zustand und die Zukunft der Neutralität immer noch weit entfernt. Dervorliegende Artikel erörtert, warum eine politische Debatte über die Neutralität dringend nötig ist und wie eine solche Debatteangelegt sein sollte, um fundierte Entscheidungen über die Zukunft der Neutralität zu ermöglichen. Er argumentiert, dassdie Debatte notwendig ist, weil sich die äußeren Rahmenbedingungen der Außen- und Sicherheitspolitik Österreichs sowieder rechtliche Rahmen der Neutralität grundlegend verändert haben, während die politische Diskussion über das Wesen undden Wert der Neutralität zunehmend verebbt ist. Hinsichtlich der Beschaffenheit einer vitalisierten Debatte argumentiert derBeitrag, dass diese sich stärker als bisher auf Evidenz aus Wissenschaft und Praxis stützen, klarer zwischen verschiedenenZugängen zu diesem Thema unterscheiden (Neutralität als Instrument, Grundprinzip, Bezugspunkt und Konfliktpunkt) undjenseits des Kreises von Expert:innen und Praktiker:innen in die Gesellschaft ausgedehnt werden sollte. Als Ausgangspunkt fürdas Schwerpunktheft zum Thema „Zustand und Zukunft der österreichischen Neutralität“ gibt der Artikel schließlich auch einenÜberblick über die nachfolgenden Artikel dieses Schwerpunkthefts

    Stefanie Mayer / Judith Goetz (2023): Global Perspectives on Anti-Feminism: Far-Right and Religious Attacks on Equality and Diversity

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    Monika Mokre / Maria Six-Hohenbalken (2024): In/Visibility of Flight. Images and Narratives of Forced Migration

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    Aktive und engagierte Neutralitätspolitik Österreichs: Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung als konkretes Beispiel

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    Österreich benötigt als Reaktion auf die „Zeitenwende“ des russischen Angriffs auf die Ukraine einen intensivierten außen- und sicherheitspolitischen Diskurs. Nachdem die Neutralität politisch weitgehend außer Streit gestellt ist, wird sie wohl auf absehbare Zeit den sicherheitspolitischen und verfassungsrechtlichen Handlungsrahmen darstellen. Österreich sollte neben einer notwendigen Stärkung der Kapazitäten des Bundesheeres daher auch einen deutlich erhöhten Fokus auf die zahlreichen nicht-militärischen sicherheitspolitischen Themen legen, die die menschliche Sicherheit der europäischen Nachbarschaft und damit auch die Sicherheit Europas stark beeinträchtigen und bei denen die Neutralität keinerlei einschränkende Wirkung entfaltet. Dies sollte sich durch ein größeres Anspruchsniveau und mehr Ressourcen manifestieren. Für die nicht-militärischen Sicherheitsherausforderungen bietet der traditionelle Fokus der österreichischen Außen- und Sicherheitspolitik der Stärkung des Völkerrechts, des Multilateralismus und internationaler Organisationen breites Betätigungsfeld. Österreich hat in den letzten drei Jahrzehnten eine zentrale Rolle bei internationalen Diskussions- und Verhandlungsprozessen über Landminen, Streumunition, die nukleare Abrüstung und zur Stärkung des humanitären Völkerrechts eingenommen. Der Einsatz für Fortschritte bei Abrüstung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung ist ein Ausdruck einer interessengeleiteten Sicherheitspolitik und ein wichtiger Teilaspekt einer, aktiven und engagierten Neutralitätspolitik. Die proaktive inhaltliche Positionierung Österreichs in diesem Bereich bietet ein Beispiel, wie dies im verfassungsrechtlichen Rahmen der Neutralität erfolgreich und sichtbar umgesetzt werden kann.In response to the “turning point” of the Russian attack on Ukraine, Austria needs an intensified foreign and security policy discourse. Since neutrality is not put into questions by any political party, it will probably constitute the security policy and constitutional framework for action for the foreseeable future. In addition to the necessary strengthening of the capacities of the Federal Army, Austria should also place a significantly increased focus on the numerous non-military security policy issues that severely affect the human security of the European neighborhood and thus also the security of Europe and in which neutrality does not have any restrictive effect. This should manifest itself through a higher level of aspiration and more resources. The traditional focus of Austrian foreign and security policy on strengthening international law, multilateralism and international organizations offers a broad field of activity for non-military security challenges. Over the last three decades, Austria has played a central role in international discussions and negotiation processes on landmines, cluster munitions, nuclear disarmament and the strengthening of international humanitarian law. This commitment to progress in disarmament, arms control and nonproliferation is an expression of an interest-driven security policy and an important aspect of an active and committed neutrality policy. Austria\u27s proactive positioning in this area offers an example of how this can be successfully and visibly implemented within the constitutional framework of neutrality

    Austrian Neutrality from the Perspective of the Catholic Peace Ethics

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    This article discusses Austrian neutrality from the perspective of Catholic peace ethics. In a first step, Austria\u27s independence in 1955, a peace-oriented understanding of neutrality and a certain opportunistic tendency are named as three reasons for the Austrian population\u27s strong support for neutrality, which are then critically discussed in a second step from the perspective of peace ethics. This is done above all by contrasting the approaches of Carl Schmitt, who wants to preserve neutrality as an instrument of containment in a world of war, and Hans Kelsen, who wants to secure peace through law and can therefore no longer give neutrality a place in an order of collective security. The Catholic peace ethics is closer to Kelsen than to Schmitt. Neutrality is neither good in itself nor fundamentally pacifist. However, it can contribute to peace under certain circumstances. In a final section, two proposals for a new understanding of Austrian neutrality within Europe are considered, with Austria\u27s support for the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons and a possible increased focus on methods of social defense.Dieser Beitrag diskutiert die österreichische Neutralität aus der Sicht der katholischen Friedensethik. In einem ersten Schritt werden mit der 1955 gewonnenen Unabhängigkeit Österreichs, einem auf Frieden ausgerichteten Neutralitätsverständnis und einer gewissen opportunistischen Tendenz drei Gründe für die große Zustimmung der österreichischen Bevölkerung zur Neutralität genannt, die dann in einem zweiten Schritt aus friedensethischer Sicht kritisch diskutiert werden. Dies geschieht vor allem mittels einer Gegenüberstellung der Zugänge von Carl Schmitt, der die Neutralität als Hegungsinstrument in einer Welt des Krieges bewahren will, und von Hans Kelsen, der den Frieden durch Recht sichern will und deshalb in einer Ordnung kollektiver Sicherheit der Neutralität keinen Platz mehr einräumen kann. Die katholische Friedensethik steht näher bei Kelsen als bei Schmitt. Die Neutralität ist weder an sich gut noch grundsätzlich pazifistisch. Sie kann aber unter bestimmten Umständen zum Frieden beitragen. In einem abschließenden Abschnitt werden mit Österreichs Unterstützung des Atomwaffenverbotsvertrags und einer möglichen verstärkten Hinwendung zu Methoden der sozialen Verteidigung zwei Vorschläge für ein neues Verständnis der österreichischen Neutralität innerhalb Europas angedacht

    Human embryonic stem cell research – a marginal and yet unpleasant problem for Austrian (bio)politics

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    Research with embryonal stem cells (ESCs) is burdened by a socio-moral conflict, which implies equally the duty to protect human (embryonic) life and the duty to help sick people. In Austria, research with ESCs is not regulated by law. Because of their necessary destruction it is prohibited to use surplus ART-pre-embryos to generate ESCs. Contrary to this, the import of ESCs for research is allowed. Despite numerous regulatory requests of opponents and supporters of the ESCs-research these divergences were not subjected to any political agreement. The question is why politicians avoided to target this regulation. To clarify this attitude, I investigated statements on stem cell research of politicians that were submitted in the context of five outstanding events with the help of the Critical Discourse Analysis by the linguist Siegfried Jäger. The result was that most politicians from ÖVP, FPÖ, BZÖ rejected this research and avoid discussions by framing, blocking or suppressing. Politicians from the SPÖ negated such discussions, differently from the Greens. An important reason for all parties was the concern that latent political issues such as abortion, ART (because of surplus pre-embryos), etc. may trigger an up-to-date. Therefore, most involved politicians preferred non-decision making to keep the unregulated status quo.Die Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen (hES-Zellen) ist durch einen gesellschaftlich-moralischen Wertekonflikt belastet, der die Pflicht, menschliches Leben zu schützen, und die Pflicht, kranken Menschen zu helfen, gleichermaßen impliziert. In Österreich ist die hES-Zellenforschung nicht geregelt. Die Gewinnung von hES-Zellen aus bei artifizieller Reproduktion (ART) überzähligen Frühembryonen ist wegen deren dafür notwendigen Zerstörung verboten. Nicht verboten ist dagegen der Import von hES-Zellen für Forschungszwecke. Trotz zahlreicher Regelungsaufforderungen von GegnerInnen wie BefürworterInnen der hES-Zellenforschung kamen die zuständigen PolitikerInnen diesem Auftrag nicht nach. Um dieses Verhalten nachvollziehen zu können, untersucht dieser Beitrag mit Hilfe der Kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger in Print- bzw. elektronischen Medien veröffentlichte Statements, die PolitikerInnen im Rahmen von fünf bedeutenden Anlässen zur hES-Zellenforschung abgegeben hatten. Die Analyse zeigt, dass involvierte PolitikerInnen von ÖVP, FPÖ und BZÖ die hESZellenforschung aus moralischen Gründen ablehnten und Diskussionen mittels Framing, Blockieren oder Unterdrücken zu vermeiden suchten. SPÖ-PolitikerInnen negierten diese Diskussionen weitgehend, nur die Grünen engagierten sich dafür. Alle Parteien blieben zudem zurückhaltend, um zusätzliche Diskussionen zu latenten politischen Problemen wie Fristenlösung, ART (u.a. wegen der überzähligen Frühembryonen), etc. zu vermeiden. Resümee dieser Untersuchungen ist, dass die involvierten PolitikerInnen ein non-decision making zur Erhaltung des für sie „bequemeren“ ungeregelten Status quo bevorzugten.

    Die österreichische Neutralität zwischen Strategie und Identität

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    This paper explores explanations for the continued insistence on Austria’s neutrality in the face of a changing international environment. It argues that tensions between a specific Austrian role conception in international politics and the challenges of a changing international environment became particularly visible in the context of Austria’s application process for membership in the EC/EU. During this period, two broad narrative frames developed which continue to be present until today: on the one side, the minimization of the legal and political impact of neutrality, and on the other side the insistence on neutrality as a core principle of Austria’s grand strategy, albeit without concepts for an innovative neutrality policy. The article also suggests research approaches that may be amenable to stimulating qualitative public debate about neutrality.Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, wie sich das Festhalten Österreichs an der Neutralität trotz sich verändernder internationaler Rahmenbedingungen erklären lässt. Der Beitrag argumentiert, dass im Kontext des österreichischen Beitrittsprozesses zur EG/EU ein Spannungsverhältnis zwischen dem Verständnis einer traditionellen österreichischen Rolle in der Welt und neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen entstand. In diesem Zusammenhang bildeten sich zwei Narrative heraus, die sich bis heute verfolgen lassen: einerseits die Minimierung der rechtlich-politischen Wirkung der Neutralität und andererseits das Festhalten an der Neutralität, allerdings ohne innovative neutralitätspolitische Konzepte. Der Beitrag weist auch auf politikwissenschaftliche Forschungsansätze hin, welche Impulse für die Weiterentwicklung der öffentlichen Diskussion zur Neutralität geben können

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