Momentum Quarterly (Journal)
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Re-Embedding Finance: Democratic Funds as a Lever for a Sustainable and Solidary Economy
Demokratische Fonds bieten ein neuartiges Instrument zur Integration nicht-pekuniärer Erträge – wie ökologische Nachhaltigkeit, soziale Kohäsion oder kulturelle Teilhabe – in Investitionsentscheidungen. Sie reagieren auf strukturelles Marktversagen und eröffnen Wege zur Demokratisierung von Kapitalallokation. Durch ein tokenbasiertes System erhalten Bürger*innen gleichberechtigte Mitbestimmungsrechte über öffentliche Investitionen. Der Beitrag entwickelt ein institutionelles Design, das Elemente von Sovereign Wealth Funds, Crowdfunding und Liquid Democracy verbindet. Demokratische Fonds ermöglichen so eine wertebasierte, partizipative Steuerung wirtschaftlicher Ressourcen und fördern gesellschaftliche Teilhabe, makroökonomische Stabilität und die sozial-ökologische Transformation.Democratic Funds offer an institutional model to integrate non-pecuniary returns—such as ecological sustainability, social cohesion, or cultural value—into investment decisions. They respond to structural market failure and open new paths to democratize capital allocation. Through a token-based system, citizens gain equal rights to influence public investments. This article develops a design combining elements of sovereign wealth funds, crowdfunding, and liquid democracy. Democratic Funds enable value-based and participatory governance of economic resources, fostering social inclusion, macroeconomic stability, and socio-ecological transformation
Stadtproteste. Eine gegenhegemoniale Intervention in der neoliberalen Stadt?
This article presents the results of the Hamburg \u27Right to the City\u27 movement, which was analysed applying he hegemony discourse analysis of the Essex School (1991) against a radical democratic background. With the intention of revealing its programmatic structure and determining discursive identity in the political space, whereby a selected text corpus of the movement from the period 2017–2021 was analysed. This made it possible to determine the identity and its arrangement in the political space. Within the discourse, numerous demands are articulated that aim to deepen democratic rights and give citizens the power to act in the form of collective self-organisation. The objective is to convey the questions of how the Hamburg ‘Right to the City’ movement challenges the current order of neoliberal urban planning and constitutes a counter-design to the established hegemonic order through its programmatic profile. Based on the articulation of various radical democratic and urban political demands, alternative models in the field of urban planning are demonstrated. With the goal to establish a just city and to move closer to the right to the city for all.Der vorliegende Beitrag zeigt Ergebnisse der Analyse der Hamburger ‚Recht auf Stadt‘ Bewegung, welche mit der hegemonietheoretischen Diskursanalyse der Essex School (1991) vor einem radikaldemokratischen Hintergrund untersucht wurde. Dies geschah mit der Intention, deren programmatische Struktur aufzuzeigen und diskursive Identität im politischen Raum zu bestimmen, wobei ein ausgewählter Textkorpus der Bewegung aus dem Zeitraum 2017–2021 analysiert wurde. Dadurch konnte die Identität und deren Anordnung im politischen Raum bestimmt werden. Innerhalb des Diskurses werden zahlreiche Forderungen artikuliert, welche auf eine Vertiefung demokratischer Rechte und auf die Handlungsmacht der Bürger*innen in Form von kollektiver Selbstorganisation abzielen. Die Ergebnisse zeigen, wie die ‚Recht auf Stadt‘ Bewegung die aktuelle Ordnung der neoliberalen Stadtplanung infrage stellt und durch ihr programmatisches Profil einen Gegenentwurf zur etablierten hegemonialen Ordnung konstituiert. Auf Basis der Artikulation verschiedener radikaldemokratischer und stadtpolitischer Forderungen werden alternative Modelle im Bereich der Stadtplanung aufgezeigt. Dies geschieht mit dem Ziel, einer gerechten Stadt und dem Recht auf Stadt für alle einen Schritt näher zu kommen
The economy for the common good as an alternative economic model for a more sustainable and fair future? Ananalysis of the implementation in the Bavarian towns Kirchanschöring and Postbauer-Hengn
Im Jahr 2010 veröffentlichte der österreichische Aktivist Christian Felber sein Konzept einer auf das Gemeinwohl ausgerichteten Wirtschaftsordnung. In Bayern veröffentlichten die Kommunen Kirchanschöring und Postbauer-Heng eine auf Felbers Vorschlag basierende Gemeinwohl-Bilanz. In der vorliegenden Forschungsarbeit wurde die Bilanzierung in Kirchanschöring und Postbauer-Heng auf Basis des Policy-Cycles (Politikwissenschaftliches Phasenmodell zur Analyse politischer Prozesse) hinsichtlich ihrer Umsetzungsstrategien untersucht und der Erfolg der jeweiligen Prozesse bewertet. Dabei wurde festgestellt, dass sich die Abläufe bei der Bilanzerstellung in Kirchanschöring und Postbauer-Heng grundsätzlich ähneln. Als ein zentraler Unterschied wurde die Einbeziehung der politischen Ebene in die jeweiligen Umsetzungsphasen ausgemacht. In beiden Gemeinden konnten Hindernisse auf dem Weg zur Zertifizierung überwunden und Folgemaßnahmen eingeleitet werden, weshalb beide Gemeinwohl Bilanzierungsprojekte als Erfolge zu bewerten sind.In 2010, the Austrian activist Christian Felber published his concept of an economic order geared towards the common good. In Bavaria, the municipalities of Kirchanschöring and Postbauer-Heng published a common good balance sheet based on Felber’s suggestion. In this research work, the certification process in Kirchanschöring and Postbauer-Heng was examined based on the policy cycle (political science phase modell for the analysis of political processes) regarding their implementation strategies. Furthermore, the success of the respective processes was evaluated. It was found that the processes involved in preparing the balance sheet in Kirchanschöring and Postbauer-Heng are mostly similar. The inclusion of the political level in the respective implementation phases was identified as a central difference. In both communities, obstacles on the way to certification were overcome and follow-up measures were initiated, which is why both projects can be viewed as successes
„Keinen Millimeter nach rechts” – Herbert Grönemeyer and Germany’s Free Democratic Basic Order
The article analyses the socio-political motifs in the song lyrics of the German popular musician Herbert Grönemeyer from a political science perspective. As a qualitative content analysis of his song lyrics shows, Grönemeyer pictures the fundamental pillars of Germany’s free democratic order – human dignity, the democracy principle and the rule of law – as normative ideals worthy of protection, while he explicitly names opposing actors and tendencies as dangers. The overall picture shows that Herbert Grönemeyer not only expresses this political stance in his song lyrics, but also continuously intervenes in civil society as a public intellectual in the sense of Antonio Gramsci. In this way, he actively participates in the struggle for public opinion and ultimately helps to secure the hegemony of the free democratic basic order.Der Beitrag untersucht aus einer politikwissenschaftlichen Perspektive die gesellschaftspolitischen Motive in den Liedtexten des deutschen Popularmusikers Herbert Grönemeyer. Wie eine Qualitative Inhaltsanalyse seiner Liedtexte zeigt, vertritt Grönemeyer die vom Bundesverfassungsgericht festgestellten Grundpfeiler der freiheitlichen demokratischen Grundordnung – Menschenwürde, Demokratieprinzip und Rechtsstaatsprinzip – in seinen Liedern als schutzwürdige normative Ideale, während er sie bekämpfende Akteur:innen und Tendenzen explizit als Gefahren benennt. In der Gesamtschau zeigt sich, dass Herbert Grönemeyer diese politische Haltung nicht nur in seinen Liedtexten zum Ausdruck bringt, sondern sich durch die vielfältigen Kontexte der Aufführung seiner (politischen) Lieder und deren Rahmung durch politische Statements selbst kontinuierlich als öffentlicher Intellektueller im Sinne Antonio Gramscis in die Zivilgesellschaft einmischt. Damit beteiligt er sich aktiv am Kampf um die öffentliche Meinung und trägt letztlich dazu bei, die Hegemonie der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu sichern
The regional groups Fridays for Future Berlin and Budapest – The influence of regime quality on the collective action
Als bedeutende soziale Bewegung im Kampf gegen den Klimawandel zeichnet sich Fridays for Future (FFF) durch die verwendeten Handlungsweisen aus, da die Bewegung neben klassischen Mobilisierungsmechanismen (wie z. B. Streiks) auch auf unübliche Instrumente (wie z. B. Flashmobs) zurückgreift, wobei sich die Verwendung je nach regionalem Kontext unterscheidet. Anhand von sieben theoretisch motivierten Leitfadeninterviews mit Aktivist*innen aus zwei europäischen Regionalgruppen – Berlin und Budapest – wird der Frage nachgegangen, welche Rahmenbedingungen das Handeln von FFF leiten. Auf Basis der Interviewdaten kann das divergierende interne und externe Handeln beider Regionalgruppen auf die unterschiedliche Regimequalität zurückgeführt werden: FFF-Berlin kann wegen der ausgeprägten Demokratiequalität Deutschlands über Mechanismen des politischen Systems agieren. FFF-Budapest hingegen generiert infolge der Einschränkungen im politischen System in Ungarn primär auf individueller Ebene Einfluss, um so einen ‚Bottom-up‘-Wandel hervorzurufen.As an important social movement in the fight against climate change, Fridays for Future (FFF) is characterised by the methods of collective action, as in addition to traditional mobilisation mechanisms (such as strikes), the movement also resorts to unusual instruments (such as flash mobs), whereby their use differs depending on the regional context. Based on seven theoretically motivated guided interviews with activists from two European regional groups – Berlin and Budapest – the question of which contexts influence the actions of FFF is investigated. Based on the interview data the divergent internal and external actions of the two regional groups can be attributed to the regime quality: FFF-Berlin can act through mechanisms of the political system due to the distinct quality of democracy in Germany. FFF-Budapest on the other hand generates influence primarily on an individual level due to the restrictions in the political system in Hungary in order to bring about ‘bottom-up’ change
"Our tears are not for sale!" Decolonizing the hegemonic order of knowledge on racism
Der Beitrag hat zum Ziel, ausgehend von einer postkolonialen Kritik auf historische und gegenwärtige Formen der hegemonialen Wissensordnung für eine intersektional orientierte dekoloniale Praxis in der deutschsprachigen Rassismusforschung anzuregen. In diesem Zusammenhang wird das Konzept der Intersektionalität mit dekolonialen Perspektiven in Dialog gebracht und dafür plädiert, eine communityübergreifende, solidarische Widerstandspraxis zwischen den verschiedenen diskriminierten Gruppen in der Dominanzgesellschaft zu gestalten. Im Mittelpunkt des Beitrags steht die These, dass die Rassismusforschung in Deutschland von einer intersektional orientierten dekolonialen Praxis der Wissensproduktion profitieren kann. Eine herrschaftskritische, widerständige und intersektionale Wissensproduktion trägt zur Dekolonialisierung hegemonialer Rassismusforschung bei.Drawing on a postcolonial critique of historical and contemporary forms of the hegemonic order of knowledge, this article aims to foreground an intersectional oriented decolonial practice in research on racism in Germany. In this context, it brings the concept of intersectionality into dialogue with decolonial perspectives on racism and pleads for creating a cross-community practice of resistance and solidarity between the various discriminated groups in the dominant society. This article argues that research on racism in Germany can benefit from intersectional oriented decolonial knowledge production. An intersectional perspective aims to produce critical, resistant and decolonial knowledge on racism
Insolvency trends and the economy before the outbreak of the pandemic
In the years leading up to the outbreak of the COVID-19 pandemic in the spring of 2020, both in Austria and internationally, a continuous decline in corporate insolvencies could be observed across different economic phases. This empirical development seems to contradict the previous theoretical assumption of an anticyclical response of insolvency figures to cyclical impulses. This raises the question of whether the development of insolvencies had already decoupled from economic growth before the outbreak of the pandemic and whether alternative factors such as the low interest rate policy or the emergence of "zombie companies" have a decisive influence. Using time-series analysis methods, we find no empirical evidence of a decoupling of insolvencies and insolvency contingency development for Austria until the outbreak of the pandemic. Insolvency contingency cases and payments continue to react anticyclically, i.e. they tend to fall during economic upturns and rise during economic downturns.In den Jahren vor Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Frühjahr 2020 war sowohl in Österreich als auch international ein kontinuierlicher Rückgang der Unternehmensinsolvenzen über unterschiedliche Konjunkturphasen hinweg zu beobachten. Diese empirische Entwicklung scheint den bisherigen Annahmen einer antizyklischen Reaktion des Insolvenzgeschehens auf konjunkturelle Impulse zu widersprechen. Dies wirft die Frage auf, ob sich die Insolvenzentwicklung bereits vor Ausbruch der Pandemie von der wirtschaftlichen Wachstumsdynamik abgekoppelt hat und ob alternative Faktoren wie die Niedrigzinspolitik oder das Auftreten von "Zombie-Unternehmen" einen maßgeblichen Einfluss ausüben. Mit zeitreihenanalytischen Methoden finden wir für Österreich bis zum Ausbruch der Pandemie keine empirische Evidenz für eine Entkoppelung von Insolvenz- und Insolvenz-Entgeltsicherungsfällen. Die Insolvenzentgeltsicherungsfälle und -auszahlungen reagieren nach wie vor antizyklisch, d.h. in konjunkturellen Hochphasen tendenziell rückläufig und in konjunkturellen Abschwungphasen tendenziell ansteigend
For the „high performers“ and „us Austrians“: A media discourse analysis of social policy reforms of the ÖVP/FPÖ government 2017-2019 in Austria
When inaugurated in December 2017, the ÖVP/FPÖ coalition in Austria presented far-reaching plans for reforming social policies and the labour market in its government programme. While many of these plans failed due to the early collapse of the coalition in May 2019 others have been adopted. This article will focus on two of these reforms, namely regarding working hours policy and social assistance policy. More precisely, we ask in a comparative perspective on policies which discursive frames or frames of interpretation played a role in media discussions about the reforms mentioned. We examine the media discussions on the basis of three Austrian daily newspapers and with the help of a specific discourse-analytical approach. This suggests that the discursive framing in the two policy fields is characterized by far-reaching differences. We interpret these differences against the background of debates in political science regarding the social and labour market policy profile of so-called Populist Radical Right Parties when entering a coalition with conservative parties. Die im Dezember 2017 in Österreich angelobte ÖVP/FPÖ-Koalition formulierte in ihrem Regierungsprogramm weitreichende Reformvorhaben im Bereich der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Während die Umsetzung vieler dieser Vorhaben am vorzeitigen Ende der Regierung im Mai 2019 scheiterte, erfuhren andere eine Realisierung. Im Rahmen des Artikels setzen wir uns mit zwei dieser Reformen in der Arbeitszeitpolitik sowie Sozialhilfepolitik auseinander. Konkret fragen wir in politikfeldvergleichender Perspektive, welche diskursiven Frames bzw. Deutungsrahmen in medialen Diskussionen um die angesprochenen Reformen eine Rolle spielten. Die medialen Diskussionen untersuchen wir anhand dreier österreichischer Tageszeitungen und mithilfe eines spezifischen diskursanalytischen Ansatzes. Dabei zeigt sich, dass die diskursive Rahmung in den zwei Politikfeldern weitreichende Differenzen aufwies. Diese interpretieren wir vor dem Hintergrund der politikwissenschaftlichen Debatte um sogenannte Populist Radical Right-Parteien und ihr sozial- und arbeitsmarktpolitisches Profil beim Eintritt in eine Koalitionsregierung mit bürgerlich-wirtschaftsliberalen Parteien
Diversität in der Berufsorientierung der Polytechnischen Schule: Tragen Schulbücher der Diversität der Schüler:innen Rechnung?
The polytechnic school (PTS) was established by law in Austria in 1962 in connection with the extension of compulsory schooling to nine years in the education system and started in the school year 1966/67. As a compulsory type of pre-vocational school, it is primarily intended for those students who wish to pursue an apprenticeship, but it is also possible to continue attending a secondary school. The PTS therefore has an important function in terms of vocational and educational orientation. This raises the question of the extent to which stereotypes are reproduced or challenged. As the PTS is characterised by a high degree of cultural diversity in terms of migration background, especially in urban areas, the current question is whether and how this is taken into account. One empirical indicator of this is the representation of young people, their interests and career aspirations in textbooks. In summary, it can be said that the gender debate has been well addressed, while there is still some catching up to do in terms of diversity.Die Polytechnische Schule (PTS) wurde in Österreich 1962 im Zusammenhang mit der Ausweitung der allgemeinen Schulpflicht auf neun Jahre im Bildungssystem gesetzlich verankert und im Schuljahr 1966/67 begonnen. Als berufsvorbereitender Pflichtschultyp ist sie primär für jene Schüler:innen gedacht, die danach eine Lehre anstreben, allerdings ist auch ein weiterführender Schulbesuch möglich. Der PTS kommt somit eine wichtige berufliche und schulische Orientierungsfunktion zu. Es stellt sich daher die Frage, inwiefern stereotype Bilder reproduziert oder aufgebrochen werden. Da die PTS vor allem im städtischen Bereich von hoher kultureller Diversität bezüglich des Migrationshintergrundes geprägt ist, stellt sich aktuell die Frage, ob und wie diese berücksichtigt wird. Ein empirisches Indiz dafür ist die Darstellung von Jugendlichen, ihren Interessen und Berufswünschen in Schulbüchern. Als Resümee lässt sich festhalten, dass die Genderdebatte gut aufgegriffen ist, während hinsichtlich der Diversität noch ein gewisser Nachholbedarf besteht