Momentum Quarterly (Journal)
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Freedom, Equality – and Event? Criticising and deepening theories of “radical democracy”
Die politischen Proteste gegen die Austeritätspolitiken europäischer Regierungen, die Occupy-Bewegung in den USA und die Aufstände des „arabischen Frühlings“ haben alle Fragen nach der Demokratie, ihren aktuellen Defiziten aber auch zukünftigen Möglichkeiten wieder aufgeworfen. Vor dem Hintergrund dieser erneuten Problematisierungen der demokratischen Frage stellt dieser theoretische Beitrag einige Ansätze und Denkfiguren vor, die einem radikaldemokratischen Strang der Demokratietheorie zugerechnet werden können und denen gemein ist, dass sie die westlich-liberale Identifikation von Demokratie mit regelmäßigen Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft zurückweisen. Demgegenüber sei für diese poststrukturalistischen wie neomarxistischen Theorien Demokratie keine Herrschaftsform, sondern der praktische, kämpferische Einsatz für die gesamtgesellschaftliche Ausdehnung des „demokratischen Versprechens“ nach Freiheit und Gleichheit aller – was den Bereich der Ökonomie wesentlich umfasst. Dieser Text verortet sich innerhalb dieser Konzeption demokratisierender Praktiken, wobei er hervorhebt, dass letztere auch wesentlich über singuläre, politische Ereignisse vorangetrieben werden.The European protests against austerity policies, the occupy-movement in the USA and the revolts of the „arab spring“ have all raised the question about democracy, its actual deficits but also its future possibilities. Against this empirical background of problematising democracy this theoretical article introduces some approaches and figures that can all be attributed to theories of radical democracy. These neomarxist and poststructuralist theories reject the western-liberal identification of democracy with periodic votes, constitutional legality and market economy. Democracy would not be a form of government but rather a practical and collective struggle for the extension and universalisation of the “democratic promise” of freedom and equality for all people – including also the field of economy. This article captures this emancipatory point of view and argues for a concept of democratising practices which can also emerge in the form of singular, political events every now and then
On the Economic View of Equality
Ökonomik fällt durch ihren Grundvorbehalt gegen Gleichheit der Verteilungsergebnisse auf, zumal Belohnung für erwünschtes Verhalten systemnotwendig erscheint. Denn perfekte Anreize legen Verantwortlichkeiten fest und schützen Transfergeber_innen vor relativer Deprivation. Extrinsische Motivation für Leistung auf dem Markt setzt somit Ungleichheit voraus; andererseits kann selbst bei vollkommenem Wettbewerb die Verteilung stark polarisiert und die Gesellschaft dadurch schlechtergestellt sein: ein Dilemma. Eine dogmatische Rückschau auf ökonomische und benachbarte Denkschulen beleuchtet sehr unterschiedliche Verteilungssichtweisen: eine Tendenz zur Nivellierung der Verteilung oder einen Automatismus zur Herstellung von Leistungsgerechtigkeit, die Möglichkeit zum Reicherwerden auf Grund einer bestimmten Klassenzugehörigkeit, die Ächtung reiner Besitzeinkünfte, die Hoffnung auf Wachstum, das ohne aktive Umverteilung größere Gleichheit mit sich bringt, gleicher machende staatliche Umverteilung als Freiheitseinschränkung oder als Schaffung von Freiheit im Sinn von Gleichberechtigung, Ermöglichung und Risikominimierung. Gleichheit im Verteilungsergebnis passt nicht in unser Wirtschafts- und Gesellschaftskonzept; vielmehr ist der Weg das Ziel. Die Aufgabe der Ökonomik liegt darin, die sozialökonomischen Folgen einer Verteilung empirisch aufzuzeigen und in naheliegende Systemtheorien einzuarbeiten. Lobbyistische Politik verschließt die Augen vor jener Chancengerechtigkeit, welche die mainstream-Ökonomik mehr oder weniger stillschweigend voraussetzt, aber stärker beforschen sollte. Eine merkliche Politikänderung würde eine wesentlich andere Kultur der politischen Kommunikation und strategischen Vorgangsweise verlangen.Economics is known for its basic reservation against equality as rewarding desired behaviour appears necessary for system workability: Incentives pin down responsibilities and protect donors from deprivation. Extrinsic motivation for market performance requires inequality, whereas even competition can produce strongly uneven distribution and thus disadvantage society: a dilemma. A dogmatic hindsight onto economic and adjacent schools of thought will highlight quite divergent rationales of distribution: a tendency towards equalisation versus an automatism for guaranteeing performance justice, the possibility of getting richer due to the belonging to an economic class, the ostracism of pure income from wealth, the hope for economic growth that brings along more equality without active redistribution, governmental redistribution as a constraint on freedom versus a creation of freedom in the sense of equal rights, empowerment and risk minimisation. Equality does not fit into our conception of economy and society; rather, the distributive process is the aim. The economists’ task is to scrutinise empirically the social economic consequences of a distribution and incorporate findings into manifest system theories. Opportunistic politics disregards equal chances that mainstream economics assumes more or less tacitly but should investigate more thoroughly. Substantial policy change would require an essentially different culture of public communication and strategic procedure