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»Ernsthafte Genauigkeit und ehrende Strenge«: Musikkritik und -analyse um 1800
Die Studie untersucht Werkanalysen in deutschsprachigen Musikzeitschriften der 1760er- bis 1820er-Jahre unter besonderer Berücksichtigung ihres publizistischen und theoretischen Kontextes. Wie kaum ein anderes Format jener Zeit bündeln diese Texte den Facettenreichtum des Nachdenkens über Musik: Überlegungen zu Ästhetik, Theorie und Geschichte der Musik gehen in vielen Werkkritiken miteinander einher, die Analyse fungiert als Demonstrationswerkzeug für diese vielfältigen Beziehungen. So sind die musikkritischen Werkanalysen um 1800 nicht nur Konzentrate musikalischer Diskursfelder der Zeit, sondern geben zudem Aufschluss über eine wichtige Phase in der Geschichte der musikalischen Analyse und Interpretation.This study examines musical analyses in German-language music journals from the 1760s to the 1820s with regard to their journalistic and theoretical context. Like hardly any other format of the time, these texts bundle the many facets of thinking about music: aesthetics, theory and the history of music are related to each other in many reviews of works, linked and illustrated by analysis as a tool of demonstration. Thus, these texts are not only distillations of musical discourses of the time, but also provide information about an important phase in the history of musical analysis and interpretation
„Stets korrekt und human“: Der Umgang der westdeutschen Justiz mit dem NS-Völkermord an den Sinti und Roma
Das Buch gibt erstmals einen systematischen Überblick zu einem bislang vernachlässigten Bereich der justiziellen Aufarbeitung des NS-Systems: dem Umgang mit den Verbrechen an den Sinti und Roma in westdeutschen NSG-Verfahren unter Einbezug des Tatraums Osteuropa. Die akribisch recherchierte Studie stellt zahlreiche Verfahren vor. Sie informiert über die rechtlichen Voraussetzungen des westdeutschen justiziellen Sonderwegs, zeichnet den Verfahrensgang nach und fragt nach den Rollen der Beschuldigten und Zeugen sowie des Justizpersonals. Im Mittelpunkt steht das als Großverfahren neben dem ersten Auschwitz-Prozess geplante Sammelverfahren zum „Zigeunerkomplex“ (1958–1970), das entgegen seinem Anspruch kaum Resonanz entfaltete und heute weitgehend vergessen ist.This book deals with a neglected area of the judicial reappraisal of the Nazi regime: the handling of the crimes against the Central and Eastern European Roma minority in West German NSG trials. It provides a comprehensive insight and overview, informs about the legal prerequisites of the West German judicial special path, and presents the course of proceedings and the roles of the defendants, witnesses and judicial personnel for a number of proceedings. The focus is on the joint trial on the “Zigeunerkomplex” (“Gypsy Complex”, 1958–1970), which was planned as a major trial alongside the first Auschwitz trial and which, contrary to its goal, had little impact and is now forgotten
Die Räume der Witwe: Architektur und Funktion fürstlicher Witwensitze in der Frühen Neuzeit, 1450–1650
Fürstliche Witwen traten an den Höfen des Heiligen Römischen Reichs als Mütter, Beraterinnen und Mäzeninnen in Erscheinung. Ihnen stand eine angemessene finanzielle Versorgung zu. Als repräsentatives Zentrum wurde der fürstlichen Witwe und ihrem Hof ein Schloss als Witwensitz zugewiesen. Das Buch wirft erstmals einen kunsthistorischen Blick auf den Ausbau und die zeremonielle Nutzung fürstlicher Witwensitze vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Im Fokus stehen dabei Funktionswandel und Umnutzung der Schlösser. Die Analyse ausgewählter Beispiele zeigt, wie die Witwen ihrer neuen Rolle als unabhängige Verwalterinnen ihrer Ämter auch baulich und räumlich Ausdruck verliehen.Dowagers played an active role in politics and culture at the courts of the Holy Roman Empire. They were mothers, advisers and patrons of the arts. The rulers had to provide them with an appropriate dowry and a residence. For the first time, the book describes the architecture and the ceremonial use of dower residences from the 15th to the 17th century from an art historical point of view. Focusing on functional changes and conversion of the castles, the author shows how the dowagers expressed their new independence in an architectural and spatial way
Baden-Baden, Sommerhauptstadt Europas: Eine deutsch-französische Beziehungsgeschichte, 1840–1870
Zwischen Mitte der 1840er-Jahre und dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 avancierte der Kurort Baden-Baden zum führenden Modebad Europas und zu einem bedeutenden interkulturellen Zentrum. Der ausgeprägte französische Einfluss brachte der Stadt auf beiden Seiten des Rheins den Ruf einer »französischen Kolonie« und einer »Filiale von Paris« ein, wobei dies unterschiedlich interpretiert wurde. Eva Zimmermann geht der Entwicklung dieses einzigartigen Ortes der deutsch-französischen Kulturbeziehungen im Spannungsfeld zwischen Kosmopolitismus und erstarkendem Nationalismus nach. Sie analysiert die vielfältigen Faktoren, die zur Entstehung der »Sommerhauptstadt Europas« beitrugen, und identifiziert Phänomene und Grenzen des Austauschs und Kulturtransfers, welche die gesamte Bäderkultur prägten. Entre le milieu des années 1840 et la guerre franco-prussienne de 1870–1871, la ville thermale de Baden-Baden s’est imposée comme la première destination à la mode en Europe et comme un carrefour interculturel majeur. L’influence française particulièrement marquée a valu à la ville, des deux côtés du Rhin, la réputation de » colonie française « et de » filiale de Paris «, même si cela a été interprété de manières différentes. Eva Zimmermann se penche sur l’évolution de ce lieu unique quant aux relations culturelles franco-allemandes dans un contexte de tensions entre cosmopolitisme et nationalisme croissant. Elle analyse les multiples facteurs qui ont contribué à l’émergence de la »capitale d’été de l’Europe« et identifie les phénomènes et les limites des échanges et des transferts culturels qui ont façonné l’ensemble de l’expérience thermale.
Between the mid-1840s and the Franco-Prussian War of 1870/71, the spa town of Baden-Baden emerged as Europe\u27s leading fashion destination and a significant intercultural hub. On both sides of the Rhine, the city gained a reputation as a “French colony” and a “branch of Paris”, albeit with varying connotations. Eva Zimmermann delves into the development of this unique site of German-French cultural relations amidst the dynamics of cosmopolitanism and growing nationalism. She analyzes the diverse factors that contributed to the emergence of the “Summer Capital of Europe” and identifies phenomena and limitations of exchange and cultural transfers that shaped the entire spa experience
Die Räume der Witwe: Architektur und Funktion fürstlicher Witwensitze in der Frühen Neuzeit, 1450–1650
Fürstliche Witwen traten an den Höfen des Heiligen Römischen Reichs als Mütter, Beraterinnen und Mäzeninnen in Erscheinung. Ihnen stand eine angemessene finanzielle Versorgung zu. Als repräsentatives Zentrum wurde der fürstlichen Witwe und ihrem Hof ein Schloss als Witwensitz zugewiesen. Das Buch wirft erstmals einen kunsthistorischen Blick auf den Ausbau und die zeremonielle Nutzung fürstlicher Witwensitze vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Im Fokus stehen dabei Funktionswandel und Umnutzung der Schlösser. Die Analyse ausgewählter Beispiele zeigt, wie die Witwen ihrer neuen Rolle als unabhängige Verwalterinnen ihrer Ämter auch baulich und räumlich Ausdruck verliehen.Dowagers played an active role in politics and culture at the courts of the Holy Roman Empire. They were mothers, advisers and patrons of the arts. The rulers had to provide them with an appropriate dowry and a residence. For the first time, the book describes the architecture and the ceremonial use of dower residences from the 15th to the 17th century from an art historical point of view. Focusing on functional changes and conversion of the castles, the author shows how the dowagers expressed their new independence in an architectural and spatial way
Die kognitive Perspektive: Wie Menschen über die Welt sprechen. Festschrift zu Ehren von Christiane von Stutterheim
Christiane von Stutterheim spannt in ihrer wissenschaftlichen Arbeit den Bogen von der Sprachtypologie über die Satz- und Textproduktion bis zu Fragen des Zweit- und Fremdsprachenerwerbs. Ihr besonderer Beitrag für die Forschung liegt in der Betonung der Linguistik als wichtige Teildisziplin der Kognitionswissenschaften. Die Festschrift versucht mit ihren Beiträgen die Breite von Christiane von Stutterheims Forschungstätigkeit widerzuspiegeln.Christiane von Stutterheim\u27s scientific work ranges from language typology to sentence and text production, to questions of second and foreign language acquisition. Her particular contribution lies in emphasizing linguistics as an important contributor to cognitive science. The Festschrift attempts to reflect the breadth of Christiane von Stutterheim\u27s research activities
Menschen in ihrer Gegenwart: Die Fülle spätmittelalterlichen Lebens im Spiegel der Apostolischen Pönitentiarie
Dieser Band mit ausgewählten Aufsätzen von Arnold Esch und Ludwig Schmugge aus über dreißig Jahren Forschungsarbeit hat Quellen zum Gegenstand, die aus den Beständen der Apostolischen Pönitentiarie stammen, des obersten Buß- und Gnadenamts der katholischen Kirche – genauer gesagt Register, die diese ‚Behörde‘ über von ihr positiv beschiedene Bittschriften (Suppliken) aus allen Regionen der lateinischen Christenheit führte. Was sind das für Quellen und warum sollte man sie studieren? Wie wurden sie entdeckt und erschlossen? Welche neuen Perspektiven eröffnen sich durch ihre Analyse? Zu diesen Fragen geben die Beiträge beider Autoren Antworten und Anregungen.Questa raccolta di saggi, frutti di ricerche svolte da Arnold Esch e Ludwig Schmugge nell’arco di oltre trent’anni, esplora le fonti provenienti dall’archivio della Penitenzieria apostolica, il supremo tribunale della Chiesa cattolica in materia di indulgenze e dispense. Più precisamente, si tratta dei registri di tutte le suppliche che, arrivate da tutto il mondo della cristianità latina, vennero accolte positivamente. Che tipo di fonti sono e perché andrebbero studiate? Come sono state scoperte e rese accessibili alla ricerca? Quali nuove prospettive si aprono attraverso la loro analisi? Dalle risposte dei due autori si possono trarre interessanti suggerimenti.
This volume of selected essays by Arnold Esch and Ludwig Schmugge, the fruit of over thirty years of research, deals with sources from the archives of the Apostolic Penitentiary, the Catholic Church’s supreme tribunal of penitence and mercy – more precisely, with the registers that this ‚dicastery‘ kept on petitions from all regions of Latin Christendom, which were positively decided upon by it. What new perspectives does their analysis open up? The contributions by both authors provide answers and suggestions to these questions.
Being Single in the City: Cultural Geographies of Gendered Urban Space in Asia
Was bedeutet es, eine alleinstehende Frau in Indien oder China zu sein? Singles sind auf dem Vormarsch, auch in Asien. Es gibt eine ambivalente Faszination für die alleinstehende Frau als neuen Typus der selbstbewussten, kompetenten „Lifestyle-Surferin“ und engagierten Karrieremacherin. Und doch wird die alleinstehende Frau auch stigmatisiert, diskriminiert oder als jemand stereotypisiert, der soziale Normen herausfordert. Orte sind wichtig für das Singledasein: dieses Buch konzentriert sich insbesondere auf urbane Räume Indiens, des chinesischen Festlandes und Hongkongs. Schließlich manifestieren sich hier soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Transformationen, werden neue Lebensmöglichkeiten erprobt und lebhaft diskutiert.What does it mean to be a single woman in India or China? Being single is an advancing trend, also in Asia. There is an ambivalent fascination with the single woman as a new type of empowered, pleasure-seeking, competent lifestyle-surfer, and dedicated career-maker. And yet, the single woman is also stigmatized and isolated, discriminated against or stereotyped as someone who challenges social norms. Place matters for singlehood. This book focuses on the urban fabric of India, mainland China, and Hong Kong. For it is here that social, economic, cultural, and political transformations become manifest and new possibilities of living are tested and vividly contested
Stadtgeschichte(n): Stadt und Kultur in Mittelalter und Früher Neuzeit
Der Titel ‚Mittelalterliche Stadtgeschichte(n)‘ evoziert die zweifache Bedeutung des Wortes ‚Stadtgeschichte(n)‘ als Ereignis und als Erzählung. Zum einen geht es um das Geschehen an sich, zum anderen um das über dieses Geschehen Berichtete und Erzählte, also die Stadtgeschichtsschreibung sowie die in der Stadt produzierte Literatur.
Der Sammelband vereint Beiträge, die nach der Repräsentation der Stadt in Literatur, Kunst und Historiografie sowie nach einer spezifisch städtischen Kultur in Mittelalter und Früher Neuzeit fragen. Dazu werden aus dem umfassenden Corpus solche Quellen herausgegriffen, in denen Topografie und Institutionen, Bauten und Bewohner explizit zur Sprache kommen und zum Gegenstand der Erzählung, des Lobs und der Geschichtsdarstellung werden. Ziel ist es, ältere Ansätze der Sozialgeschichte mit jüngeren, wie etwa imagologischen Ansätzen zu verbinden. The title \u27Medieval urban history/stories\u27 evokes the dual meaning of the word as an event and as a narrative. On the one hand, it is about the event itself, and on the other, about what is reported and narrated about this event, i.e. urban historiography and the literature produced in the city. This anthology brings together contributions that examine the representation of the city in literature, art and historiography as well as a specifically urban culture in the Middle Ages and early modern period. To this end, sources are selected from the extensive corpus in which topography and institutions, buildings and inhabitants are explicitly addressed and become the subject of narration, praise and historical representation. The aim is to combine older approaches to social history with more recent ones, such as imagological approaches.
Religion, Recht und Säkularisierung in der Frühen Neuzeit: Zur kulturellen Signatur der westlichen Christenheit
Die stimulierende Polarität von Religion und Recht bestimmt von Anfang an die Geschichte des Christentums. Sie verbindet sich im Mittelalter mit dem Ringen von geistlicher und weltlicher Gewalt und seit der Reformationszeit mit dem Streit der sich herausbildenden Konfessionen. Nicht zuletzt dadurch kommt es zu einem dauernden Wechselspiel von säkularisierenden Tendenzen und Bestrebungen einer religiösen Intensivierung. Beides wirkt sich auf die Rechtsentwicklung aus, vielfach katalytisch-verstärkend oder beschleunigend, in einzelnen Situationen sogar impulsgebend, mitunter aber auch hemmend. Im Miteinander dieser Polaritäten wird das Eigentümliche des westlichen Christentums sichtbar.The stimulating polarity of religion and law has determined the history of Christianity from the very beginning. In the Middle Ages, it is associated with the struggle between spiritual and secular power and, since the Reformation, with the dispute between the emerging denominations. Not least because of this, there is a constant interplay between secularizing tendencies and efforts to intensify religion. Both have an effect on the development of the law, often catalytically reinforcing or accelerating it, in some situations even providing a stimulus, but sometimes also inhibiting it. In the coexistence of these polarities, the peculiarity of Western Christianity becomes visible