Heidelberg University Publishing
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Negotiating States of Mind: The Transformation of Psychiatric Knowledge in Imperial Germany and Meiji Japan
Negotiating States of Mind untersucht den Niedergang von ‚Melancholie‘ als wissenschaftlichem Begriff und zeichnet die konzeptuellen Umbrüche nach, die das psychiatrische Denken im späten 19. Jahrhundert grundlegend verändert haben. Der Rahmen ist globalgeschichtlich. Die Studie setzt mit der Einführung europäischer psychiatrischer Konzepte und Diagnosepraktiken im Meiji-zeitlichen Japan an und zeigt auf, wie gesellschaftliche Hierarchien, institutionelle Zwänge und quantitative Methoden das Verständnis von Geisteskrankheiten weltweit nachhaltig geprägt haben. Anhand detaillierter Fallstudien geisteskranker Soldaten aus dem Russisch-Japanischen Krieg (1904-05) untersucht sie zudem die praktischen Auswirkungen diagnostischer Verschiebungen auf die Vergabe von Invalidenrenten und weist somit auf die direkten Folgen konzeptueller Veränderungen hin.Negotiating States of Mind examines melancholia\u27s demise as a scientific concept, tracing the conceptual changes that transformed psychiatric thinking in the late nineteenth century. Focusing on Meiji Japan\u27s adaptation of European psychiatric concepts and diagnostic practices, this global intellectual history highlights how social hierarchies, institutional pressures, and quantitative methods shaped our understanding of mental illness. Through detailed case studies of mentally impaired soldiers from the Russo-Japanese War (1904-05), it investigates the impact of diagnostic changes on disability pension decisions, revealing real-world effects of conceptual change
Economies of the Edge: Frontier Zone Processes at Regional, Imperial, and Global Scales (300 BCE–300 CE)
Dieser Band eröffnet eine neue Perspektive auf die trans-eurasische Konnektivität zwischen 300 v. Chr. und 300 n. Chr. Im Fokus stehen Grenzräume als zentrale Schauplätze wirtschaftlicher Interaktion und Transformation. Jenseits klassischer Zentrum-Peripherie-Modelle und statischer Vorstellungen von „Seidenstraßen“-Routen untersuchen die Beiträge, wie imperiale Expansion, regionale politische Ökonomien und dezentrale Handelsnetzwerke den Fernhandel prägten. Archäologische, textliche und numismatische Fallstudien zeigen Grenzregionen als dynamische Räume von Innovation, Aushandlung und interimperialer Verflechtung.This volume offers a new perspective on trans-Eurasian connectivity between 300 BCE and 300 CE. It focuses on border regions as key sites of economic interaction and transformation. Beyond classic center-periphery models and static notions of ‘Silk Road’ routes, the contributions examine how imperial expansion, regional political economies and decentralised trade networks shaped long-distance trade. Archaeological, textual and numismatic case studies reveal border regions as dynamic spaces of innovation, negotiation and interregional entanglements
Images, Gestures, Voices, Lives. What Can We Learn from Paleolithic Art?
Das Konzept der „paläolithischen Kunst“ und ihre Erforschung haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Der moderne Begriff der „Kunst“ ist kulturübergreifend und diachron problematisch. Das Phänomen lässt sich nicht auf die materielle visuelle Kultur reduzieren, sondern hat auch akustische, haptische und andere dynamische Aspekte. Sie muss als eine Vielfalt von Prozessen verstanden werden, die sowohl das Alltägliche als auch das Außergewöhnliche umfassen können. In diesem Band nähern sich Archäologen, Philosophen und Anthropologen der „paläolithischen Kunst“ aus verschiedenen Blickwinkeln, einschließlich ihrer Konzeptualisierung, Ästhetik, Beziehungen zur Kunstgeschichte und zur Art brut. Die Beiträge befassen sich mit der Herausforderung durch die Materialität, mit evolutionären Aspekten, mit der körperlichen Nachstellung durch Schauspieler und digitalen Technologien als Mittel zur Interpretation von Kunstobjekten sowie mit dem Schutz des kulturellen Erbes. Der Band bietet innovative Einblicke in vergangene Praktiken und zeitgenössische Ideen und Ansätze im Zusammenhang mit der paläolithischen Kunst, die auf sorgfältiger empirischer Forschung in Verbindung mit reflektierten und anspruchsvollen theoretischen Ansätzen basieren.The concept of ‘Palaeolithic art’ and its study have changed considerably in recent decades. The modern notion of ‘art’ is cross-culturally and diachronically problematic. The phenomenon cannot be reduced to material visual culture, but also has acoustic, haptic and other dynamic aspects. It must be understood as a variety of processes that can encompass both the everyday and the extraordinary. In this volume, archaeologists, philosophers and anthropologists approach ‘Palaeolithic art’ from different perspectives, including its conceptualisation, aesthetics, relations to art history and art brut. The contributions deal with the challenge of materiality, evolutionary aspects, physical re-enactment by actors, digital technologies as a means of interpreting art objects, and the protection of cultural heritage. The volume offers innovative insights into past practices and contemporary ideas and approaches related to Palaeolithic art, based on careful empirical research combined with reflective and sophisticated theoretical approaches
Prediger der Transformation: Alain von Lille und die Pariser Schulen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts
Um 1200 entstand in Paris eine neue Institution des Lehrens und Lernens: die Universität. Doch wie kam es dazu, dass Lehrende sich zu einer Gemeinschaft zusammenschlossen und ihre Tätigkeit reglementierten? Ein bislang unterschätzter Akteur in diesem Transformationsprozess war der Magister Alain von Lille, dessen Predigtwerk hier erstmals umfassend vor diesem Hintergrund ausgewertet wird. Anders als lange angenommen, war er kein in die Jahre gekommener Gelehrter, der das Ende des alten Bildungsideals beklagte. Vielmehr versuchte er die im Wandel begriffenen schulischen Gemeinschaften zu stabilisieren, indem er sie auf gemeinsame Ziele, Methoden und Werte verpflichtete.Vers 1200, une nouvelle institution d’enseignement et d’apprentissage voit le jour à Paris: l’Université. Mais qu’est-ce qui a motivé les maîtres à se regrouper en une communauté et à réglementer leur activité? Un personnage jusqu’ici sous-estimé dans ce processus de transformation fut Alain de Lille, dont l’œuvre de prédication est ici évaluée pour la première fois de manière complète dans ce contexte. Contrairement à l’idée qui a longtemps prévalu, il n’était pas le savant vieillissant qui déplorait la fin de l’érudition. Au contraire, il a tenté de stabiliser les communautés scolaires en mutation en les engageant sur des objectifs, des méthodes et des valeurs communs.
Around 1200, a new institution of teaching and learning emerged in Paris: the university. But how was it possible that teachers came together to form a community and regulate their activities? A hitherto underestimated agent in this transformation process was the master Alan of Lille, whose preaching work is comprehensively analysed here for the first time against this background. Contrary to what has long been assumed, he was not an ageing scholar who lamented the end of old learning. Rather, he attempted to stabilise the changing school communities by committing them to common goals, methods and values
Contested Solidarities: Agency and Victimhood in Anglophone Literatures and Cultures
Dieser Sammelband befasst sich mit vielfältigen Formen der Unterdrückung und den von ihr Betroffenen im Globalen Süden, ohne auf eine vorauseilende Normativität zurückzugreifen, die eine sofortige Identifizierung von Opfern und Tätern verspricht. Er erforscht kritische, selbstreflexive und ‚entzauberte‘ Formen von Solidarität, im Kontrast zu organischen, pauschalisierten oder ‚verzauberten‘ Solidaritäten. Darüber hinaus werden Literatur und Kultur jenseits des gewohnten viktimologischen Rahmens als Schauplätze widerspenstiger, unerwarteter und unvorhersehbarer Handlungsmöglichkeiten untersucht. Die Aufsatzsammlung liefert dafür beeindruckende Beispiele, die sich mit einer breiten Palette von Erzählformen befassen – von Romanen, Kurzgeschichten, Life Writing und Gedichten bis hin zu Performances, Dokumentarfilmen, Filmen und Museumsausstellungen – und eine ebenso breite Palette von Kontexten abdecken: von Kamerun, Äthiopien, Ghana und Indien über Kenia, den Nahen Osten, Polen und Sri Lanka bis hin zu Südafrika, Großbritannien, den USA und Simbabwe.This volume responds to the multiple forms of oppression and their manifold casualties in the Global South, without taking recourse to a preemptive normativity promising instant identification of victims and perpetrators. It explores critical, self-reflexive, and disenchanted rather than organic, blanket, or mesmerized forms of solidarity. It further investigates literature and culture beyond habitual victimological frameworks as sites of unruly, unexpected, and unpredictable agency. The edited collection of essays provides impressive examples of such work engaging with a wide array of narrative forms—from novels, short fiction, life writing, and poetry to performance, documentary, film, and museum exhibitions—cutting across an equally wide array of contexts ranging from Cameroon, Ethiopia, Ghana, and India to Kenya, the Middle East, Poland, Sri Lanka, South Africa, the UK, the USA, and Zimbabwe.
Science, Culture, and Postcolonial Narratives
Vom Klimawandel bis zu globalen Pandemien – die widersprüchliche Rolle der Naturwissenschaft in postkolonialen Kontexten betrifft einige der drängendsten Fragen, mit denen sich postkoloniale Gesellschaften konfrontiert sehen. Naturwissenschaften sind Teil der Geschichte kolonialer Unterdrückung, aber auch mit der Hoffnung auf Fortschritt und Emanzipation verbunden; sie können zur Zerstörung, aber auch zur Erhaltung der Umwelt beitragen. Dieser Band befasst sich mit der kulturellen Imagination der Wissenschaft und problematisiert die Rolle von Narrativen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften und Kultur. In einem Brückenschlag zwischen postkolonialen Studien, Literature and Science Studies und verwandten kritischen Traditionen untersuchen die Beiträge kulturelle Narrative und literarische Texte von Utopien des 19. Jahrhunderts über postkoloniale Wissenschaftsromane bis hin zu zeitgenössischer Science Fiction.From climate change to global pandemics, some of the most vexing questions facing postcolonial societies are entangled with the contradictory role of science in postcolonial contexts. Science is connected to histories of colonial oppression but also to promises of improvement and emancipation; it may be the cause of environmental degradation but also its remedy. This volume engages with the cultural imagination of science and problematises the role of narrative at the intersection of culture and the sciences. Bridging postcolonial studies, literature and science studies, and other traditions, the contributors examine cultural narratives as well as texts from 19th-century utopianism to postcolonial \u27science novels\u27 and contemporary science fiction
Caesarius von Heisterbach: Libri VIII miraculorum – Die „Acht Wunderbücher“: Auswertung, Edition, Übersetzung und Kommentar
Der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach (ca. 1180–1240) gehört zu den bekanntesten Autoren des Mittelalters. Seine „Acht Wunderbücher“ (Libri VIII miraculorum) sind eine Sammlung von Material zur Belehrung, Erbauung und Abschreckung: Erzählungen über Heilige und Dämonen, über Menschen und Tiere, über kleine Wunder und große Unglücke. In seinen Geschichten nimmt Caesarius das Publikum mit auf eine Reise, die vom Rheinland bis ins Baltikum und nach Jerusalem führt. So entsteht ein facettenreiches Panorama der politischen, sozialen und religiösen Entwicklungen im 13. Jahrhundert.
Die Neu-Edition der „Acht Wunderbücher“ bietet eine kommentierte Fassung des lateinischen Textes, erstmals eine deutsche Übersetzung sowie eine Auswertung des Werkes und seiner handschriftlichen Überlieferung.The Cistercian Caesarius of Heisterbach (ca. 1180-1240) is one of the most renowned authors of the Middle Ages. His \u27Eight Books of Miracles\u27 (Libri VIII miraculorum) are a collection of instructional, edifying and deterrent narratives, encompassing tales of saints and demons, of humans and animals, of minor miracles and major misfortunes. Through his narratives, Caesarius transports his audience on a journey from the Rhineland to the Baltic and to Jerusalem, offering a multifaceted depiction of the political, social and religious developments in the 13th century.
The new edition of the \u27Eight Books of Miracles\u27 comprises an annotated version of the Latin text, a new German translation, and an analysis of the work and its manuscript tradition
Deutsch-Französische Geschichte: 6: Diesseits und jenseits der Nation: Deutsch-französische Verflechtungen 1815-1870
Das 19. Jahrhundert gilt als Zeitalter der Verwandlung. In Deutschland und Frankreich ist der Zeitraum von 1815 bis 1870 von vielfältigen politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen bestimmt, die mit dem Prozess der Nationsbildung zu tun haben. Der Fokus des Bandes liegt jedoch nicht auf nationalen Entwicklungspfaden. Vielmehr beleuchtet er, im Sinne einer histoire croisée, transnationale Verflechtungen, die Frankreich und Deutschland wechselseitig geprägt haben. Dabei wird gezeigt, wie sich die Prozesse auf vielfältigen Ebenen entfalteten: von Politik und Wirtschaft über Bildung und Forschung bis hin zu Medien, Vereinen und den Künsten. Auch prä- und postnationale Entwicklungen werden in den Blick genommen. So entsteht ein vielschichtiges Bild, das die bisherigen Vorstellungen einer „Erfindung der Nation“ zugleich erweitert und relativiert.Le XIXe siècle est souvent considéré comme une époque de profondes transformations. En Allemagne et en France, la période de 1815 à 1870 est marquée par des évolutions politiques, sociales et culturelles diverses, liées au processus de formation nationale. L’ouvrage ne suit toutefois pas les trajectoires nationales en tant que telles. Il s’attache plutôt, dans une perspective d’histoire croisée, aux interconnexions transnationales qui ont façonné réciproquement la France et l’Allemagne. Il montre comment ces dynamiques se sont déployées à plusieurs niveaux – politique, économique, éducatif, scientifique, médiatique, associatif et artistique. Des phénomènes pré- et postnationaux sont également pris en compte. L’ensemble propose ainsi une lecture nuancée du siècle qui élargit et relativise les conceptions établies de „l’invention de la nation“.
The 19th century is widely regarded as an era of profound transformation. In both Germany and France, the period between 1815 and 1870 was shaped by diverse political, social, and cultural developments associated with the process of nation-building. This volume, however, does not limit itself to national narratives. Rather, adopting the approach of histoire croisée, it investigates the transnational entanglements that mutually influenced France and Germany. It demonstrates how these dynamics played out across multiple domains—from politics and economics to education, science, media, civil society, and the arts. The volume also considers pre-national and post-national trajectories. The resulting analysis offers a nuanced perspective that both expands and critically reframes prevailing conceptions of the “invention of the nation"
Künstlersignatur und Artefakt: Schriften, Materialien, Praktiken aus transkultureller Perspektive. 6. Jh. v. Chr. bis 15. Jh. n. Chr.
In der umfangreichen Forschung zu Signaturen von Künstlern und Künstlerinnen wurde den materialen, topologischen und praxeologischen Dimensionen bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der vorliegende Band schlägt eine Verschiebung des Erkenntnisinteresses von einer Fokussierung auf den Text hin zu Präsenzeffekten und Praktiken vor. Er untersucht kulturübergreifend die Bezüge von Text, Schrift, Material, Technik und Bild zu den sakralen und profanen Handlungen, in denen die namenstragenden Artefakte eingebunden waren. Das spezifische Potential von Signaturen wird darin deutlich, wie sie Präsenz als wirksame Anwesenheit behaupten: Sie können zu Betrachtung und Gebrauch auffordern und dies mit Selbstreflexion und Ansprache, oft dem Spiel mit dem Betrachter, verbinden, nicht zuletzt dadurch, dass sie die Materialien und Techniken thematisieren, die das Aussehen des Artefakts bestimmen. In the extensive research on artists\u27 signatures, little attention has been paid to their material, topological, and praxeological dimensions. This volume proposes a shift in focus from the texts themselves to how their effects and practices relate to the category of presence. It examines the cross-cultural relationships between text, writing, material, technique, and image, as well as the sacred and profane activities in which signed artifacts were involved. The unique potential of signatures becomes clear in the way they assert presence: they can invite contemplation and use and can combine this with self-reflection and interaction, often playing with the viewer, not least by addressing the materials and techniques that give the artefact its appearance
»Émigrés« an der Grenze: Flucht, Exil und Migrationsregime in Frankreich und Westeuropa im Zeitalter der Revolutionen 1789–1815
In den Wirren der Französischen Revolution entschlossen sich zehntausende Menschen zur Flucht in das grenznahe Ausland. Wer waren diese Flüchtlinge, die seit 1789 von den Revolutionären unter der Bezeichnung émigrés geächtet wurden? Wie gelang es ihnen, die Grenze zu überqueren und im Exil zu überleben? Welche Mittel setzten Frankreich und seine Nachbarstaaten ein, um diese Mobilität zu kontrollieren? Jort Blazejewski untersucht Motive, Verläufe und Erscheinungsformen dieser Gewaltmigration anhand zahlreicher Quellen. Die Studie eröffnet neue Perspektiven auf eine der größten Fluchtbewegungen der Vormoderne und deckt unbekannte Krisenerscheinungen des europäischen Revolutionszeitalters auf.Dans le chaos de la Révolution française de 1789, plusieurs milliers de personnes décident de fuir vers les pays limitrophes. Qui étaient ces réfugiés, mis au ban par les révolutionnaires sous le nom d’émigrés? Comment ont-ils réussi à franchir la frontière et à survivre à l’exil? Quels moyens la France et les pays voisins ont-ils mis en œuvre pour contrôler la mobilité de ces populations? Jort Blazejewski retrace les motifs, le déroulement et les manifestations de cette migration violente à l’aide de nombreuses sources. Cette étude ouvre de nouvelles perspectives sur l’un des plus grands mouvements de fuite de l’époque pré-moderne et révèle des phénomènes de crise inconnus de l’ère révolutionnaire européenne.
In the chaos of the violent upheaval of 1789, tens of thousands of people decided to flee to neighbouring countries. Who were these refugees, ostracised by the revolutionaries as émigrés? How did they manage to cross the border and survive their exile? What means did France and its neighbouring states use to control mobility? Jort Blazejewski traces the motives, processes and manifestations of this forced migration using numerous sources. The study opens up new perspectives on one of the largest refugee movements of pre-modern times and uncovers unknown crisis phenomena of the European revolutionary era