Zeitgeschichte Open - Repositorium des IFZ
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Moskau und die KPD 1928 - 1933
Bislang galten die deutschen Kommunisten der Weimarer Republik als gehorsame Befehlsempfänger Moskaus, die peinlich darauf bedacht waren, nicht von der Linie der Komintern abzuweichen. Dass die Beziehungen zwischen KPD und Komintern jedoch sehr viel widersprüchlicher und komplexer waren, zeigt nun Bert Hoppe auf der Basis von jüngst zugänglich gewordenen Dokumenten aus osteuropäischen Archiven. Hoppe schildert nicht nur, wie Stalin die Politik der KPD beeinflusste, indem er sein System persönlicher Gefolgschaft auf die deutsche Partei übertrug – er zeigt auch, dass das Verhältnis zwischen den deutschen und sowjetischen Kommunisten häufig von Missverständnissen und Argwohn, die aus ihrer unterschiedlichen politischen Sozialisation erwuchsen, geprägt war. Diese Faktoren, so kann Hoppe nachweisen, führten schließlich zu dem paradoxen Ergebnis, dass der sowjetische Diktator seinen Willen in Streitfällen zwar stets gegen die KPD-Spitze durchsetzen konnte, die Moskauer Führung ihre Politik bezüglich der deutschen Partei letztlich aber als eine durchgehende Reihe von Misserfolgen betrachten musste.
Bert Hoppe, geboren 1970, 1999-2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin, Schwerpunkt Zeitgeschichte. Er lebt und arbeitet in Berlin
Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44
Wehrmacht in der NS-Diktatur: In der Debatte über die Wehrmacht und ihre Verbrechen blieb der Kriegsschauplatz im Westen weitgehend ausgespart. Dabei hatten die Kämpfe der Wehrmacht gegen die Westalliierten und die französische Widerstandsbewegung während der Jahre 1943/44 kriegsentscheidende Bedeutung. Inwieweit gelang es der deutschen Führung, auch im Westen einen „Weltanschauungskrieg“ zu entfesseln? Welche Rückwirkungen hatten die Erfahrungen im Ostkrieg auf die Kämpfe in Frankreich? Gab es Unterschiede zwischen Wehrmacht und Waffen-SS? Existierten an der Truppenbasis Handlungsspielräume, die sich sowohl in die eine wie die andere Richtung nutzen ließen? Peter Lieb erörtert diese Fragen erstmals auf breiter Quellengrundlage und schließt damit eine große Forschungslücke. Die Arbeit wurde mit dem Prix Guillaume Fichet - Octave Simon und dem Werner-Hahlweg-Förderpreis ausgezeichnet. "Peter Liebs umfangreiche, gründlich recherchierte und klar argumentierende Untersuchung über die deutsche Westfront 1943/44 ist ein gewichtiger Beitrag zu aktuellen Kontroversen und Polemiken über die ’Verbrechen der Wehrmacht‘, deren Hauptaugenmerk fast ausschließlich auf die Balkanländer, Polen und Russland gerichtet war und Nordafrika und Frankreich vernachlässigte.":Prof. Dr. Michael Burleigh: Dr. Peter Lieb ist Senior Lecturer im Department of War Studies an der Royal Military Academy Sandhurst und Research Fellow an der University of Salford (Großbritannien)
Der historische deutsche Osten in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik (1961 - 1982)
Streit um das Berliner "Zentrum gegen Vertreibungen" - die Vorgeschichte der Kontroverse. Hat die Vertreibung von Millionen Deutschen aus Ostmitteleuropa nach 1945 in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik einen angemessenen Platz gefunden? Manfred Kittel zeigt, dass Differenzierungen notwendig sind: In den 1960er Jahren zeichnete sich mit wachsender Kritik an der ostpolitischen Haltung der Landsmannschaften in Medien und intellektuellen Milieus eine zunehmende Entfremdung vom historischen deutschen Osten ab. Da aber noch alle Parteien um die Wählerstimmen der Vertriebenen rangen, blieb der erinnerungskulturelle Wandel begrenzt. Erst nach dem „Machtwechsel“ in Bonn 1969 mehrten sich in Bund, Ländern und Kommunen die Symptome der Verdrängung
Die Führungsgremien der Christlich-Sozialen Union 1946 bis 1955
Die Lehr- und Krisenjahre der CSU: Es ist heute fast vergessen, dass die CSU nicht immer die bayerische Staats- und Mehrheitspartei gewesen ist, als die sie in der Rückschau oft erscheint. Vor allem in den ersten Nachkriegsjahren stand die Partei auf tönernen Füßen und hatte mit erbitterten inneren Auseinandersetzungen zu kämpfen – und auch mit dem politischen Gegner. Die hier erstmals veröffentlichten Dokumente lassen einen Blick hinter die Kulissen der Parteiführung zu. Sie machen die Flügelkämpfe zwischen Josef Müller, Fritz Schäffer und Alois Hundhammer nachvollziehbar, den Aufstieg von Franz Josef Strauß, das Ringen mit der Bayernpartei oder den Umgang mit Skandalen wie der Affäre um das bayerische Landesentschädigungsamt und seinen Präsidenten Philipp Auerbach. Diese Edition ist unverzichtbar für alle, die mehr über die Lehr- und Krisenjahre der CSU in Erfahrung bringen wollen. Dr. phil. Jaromír Balcar war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin sowie an den Universitäten München, Bremen und Erlangen-Nürnberg. Er arbeitet zur Zeit an einem DFG-finanzierten Forschungsprojekt zur Wirtschaftslenkung in Böhmen und Mähren 1938-1951 an der Universität München. Dr. Thomas Schlemmer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
Der Kriegseintritt Italiens im Mai 1915
Am 23. Mai 1915 erklärte das Königreich Italien seinem Verbündeten und Erzfeind Österreich-Ungarn nach monatelangem Tauziehen den Krieg. Die Beteiligung am Ersten Weltkrieg auf Seiten der Entente führte zum Triumph über das Habsburgerreich und zur Annexion weiter Gebiete einschließlich Südtirols, aber auch zu schrecklichen Verlusten an Mensch und Material sowie zum Aufstieg des Faschismus. Während im kollektiven Gedächtnis der betroffenen Länder immer noch die alten Denkmuster vom „italienischen Verrat“ bzw. vom „gerechten Krieg“ vorherrschen, bemühen sich italienische, deutsche und österreichische Historiker endlich gemeinsam um ein differenziertes Bild. Dieser Sammelband diskutiert die Ursachen und Wirkungen des italienischen Intervento von 1915 in neuer Sicht und leistet damit einen Beitrag zum wissenschaftlichen Dialog zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern, der noch längst nicht beendet ist
Die Entstehung des Bundessozialhilfegesetzes von 1961
Das Bundessozialhilfegesetz (BSHG) von 1961 reformierte die traditionelle Fürsorge grundlegend. Nach der Rentenreform von 1957 war es die zweite große sozialpolitische Neuerung der Ära Adenauer. Erstmals garantierte das BSHG einen Rechtsanspruch auf Hilfe und sicherte nicht nur ein Existenzminimum, sondern auch die Mittel für ein Leben, "das der Würde des Menschen entspricht". Friederike Föcking untersucht die Entstehung dieses für den bundesdeutschen Sozialstaat grundlegenden Gesetzes von den ersten Reformansätzen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg an. Mit ihrer Darstellung der Entwicklung der Fürsorge in den Westzonen und der jungen Bundesrepublik erschließt die Studie Neuland auf dem Gebiet der Forschung zur Geschichte der Sozialpolitik der Bundesrepublik.
Friederike Föcking, geboren 1964, lebt und arbeitet in Hamburg
Der NS-Propagandist Hans Fritzsche (1900 - 1953)
Millionen von Deutschen war in den Jahren des Zweiten Weltkriegs die Stimme Hans Fritzsches vertraut. Er war der bekannteste Kommentator im deutschen Rundfunk, doch darin erschöpfte sich seine Rolle nicht: Schon seit 1933 übte der Journalist, der seine ersten Erfahrungen im Medienkonzern des Deutschnationalen Alfred Hugenberg gesammelt hatte, Schlüsselfunktionen in der Nachrichtenpolitik des Propagandaministeriums aus. Im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess stellvertretend für seinen Chef Goebbels angeklagt, wurde er zwar freigesprochen, anschließend jedoch von einer Spruchkammer zu neun Jahren Arbeitslagerhaft verurteilt. 1950 vorzeitig entlassen, starb er 1953 an Krebs. Max Bonackers Biographie von Hans Fritzsche schildert nicht nur den Lebensweg eines Propagandisten, sondern bietet zugleich eine Analyse zentraler Aspekte der Presse- und Rundfunkpolitik des NS-Regimes. Max Bonacker, geboren 1962, wurde mit seiner Studie über Hans Fritzsche und die Nachrichtenlenkung des NS-Regimes an der Universität Hamburg promoviert. Er arbeitet bei der Finanzbehörde in Hamburg
Aufzeichnungen des Brechtforschers und Theaterkritikers in der DDR 1945 - 1991
Ein bayerischer Kommunist in der DDR: Ernst Schumachers Leben vollzog sich jenseits gängiger Schablonen. In Bayern geboren (1921) und aufgewachsen, ab 1949 überzeugter Kommunist, siedelte er 1962 dauerhaft in die DDR über. Dort machte er sich als Brechtforscher, Hochschullehrer und Theaterkritiker einen Namen. Trotzdem verließ ihn das Heimweh nach Bayern nie. Schumacher hat stets gesamtdeutsch gedacht und die Teilung Deutschlands kritisiert – auch als Honecker sie akzeptierte. Zugleich hatte er stets die außereuropäische Welt im Blick – besonders das aufsteigende China. Ernst Schumachers autobiographische Aufzeichnungen aus fünf Jahrzehnten sind ein eindrucksvolles Dokument erlebter und erlittener Geschichte. Michael Schwartz, geboren 1963, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, Abteilung Berlin sowie Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster