Zeitgeschichte Open - Repositorium des IFZ
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Ideologie und regionale Herrschaftspraxis des Sicherheitsdienstes der SS und seines Netzwerks am Beispiel Sachsens
Die V-Männer des von Reinhard Heydrich geführten Sicherheitsdienstes (SD) stellen einen der letzten weißen Flecken der Topografie des NS-Terrors dar. Carsten Schreiber gibt nach jahrzehntelangen Spekulationen erstmals Auskunft über Aufgaben, Funktion und Umfang dieses geheimdienstlichen Netzwerks und über die Sozialstruktur der V-Männer. Empirische Basis ist ein beispielloser Quellenfund: die Personalkartei des Dresdner SD-Abschnittes mit den Namen aller 2746 V-Leute im Land Sachsen. Sie führt vor Augen, wie bereitwillig sich gesellschaftliche Eliten aus Wirtschaft und Verwaltung anwerben ließen. Der Verfasser deckt das geheime Netzwerk des Sicherheitsdienstes auf, um dieses sowohl innerhalb der deutschen Gesellschaft als auch im Gefüge der nationalsozialistischen Herrschaftsinstanzen zu verorten. Der SD, jene titelgebende "Elite im Verborgenen", war ein gefährliches Amalgam aus Geheimdienst und totalitärer Weltanschauungselite. In Anknüpfung an die neuesten Forschungstrends der "Täterforschung" stellt diese Arbeit, über ihr Thema hinaus, einen gewichtigen Beitrag zur Sozial- und Herrschaftsgeschichte des "Dritten Reiches" dar.
Carsten Schreiber, geboren 1971, war bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität Leipzig. Heute arbeitet er als Abteilungsleiter in einem großen US-Unternehmen
Wahrnehmung und Wirkung des Ersten Weltkriegs auf die parlamentarische Rechte im Frankreich der 1920er Jahre
Michael Hoffmann untersucht den Einfluss des Ersten Weltkriegs auf die Geburt einer gemäßigten parlamentarischen Rechten in Frankreich, die zum ersten Mal alle bürgerlich-nationalen Kräfte in einer Fraktion und ab 1924 in einer Partei, der Fédération Républicaine, gruppiert. Der Autor konzentriert sich besonders auf das Verhältnis von politischer Kultur und Parteibildungsprozess, da sich die parlamentarische Rechte aus zwei verschiedenen Traditionslinien speist, einer nationalliberalen und einer konservativ-katholischen. Die „liberal-konservative Sammlung“ entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem Pfeiler der republikanischen Ordnung, was die Akzeptanz der laizistischen Republik durch die Katholiken voraussetzte.
Michael Hoffmann, geboren 1974, Historiker, ist Gymnasiallehrer für Geschichte und Latein am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart
Neue Studien zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden
Nicht immer ging die Initiative zum Mord an den Juden vor Ort allein von den Deutschen aus.
Bei der nationalsozialistischen Mordpolitik gegen die Juden kam es in allen Teilen des besetzten Europas zur unheilvollen Verknüpfung von Kollaboration und Völkermord. Auch ohne fremde Hilfe hätte die Shoah singuläre Dimensionen angenommen, doch erhöhten die Zuarbeit und Mithilfe einheimischer Bürokraten, Polizisten und antisemitischer Aktivisten die Effizienz der deutschen Täter. Nicht immer ging die Initiative vor Ort allein von den Deutschen aus. Die Kenntnis über diesen gewichtigen Aspekt der Holocaustgeschichte ist noch fragmentarisch, wird in jüngster Zeit aber durch neue Forschungen erheblich erweitert. Dieser Band führt exemplarische Länderstudien zusammen und richtet den Blick gleichermaßen auf den Westen wie den Osten Europas. Wassili Grossmans Reportage "Ukraine ohne Juden" aus dem Jahr 1943 ergänzt die Untersuchungen um ein eindrucksvolles Zeitzeugnis.
Wassili Grossmanns Reportage "Ukraine ohne Juden" aus dem Jahr 1943 ergänzt die Untersuchungen um ein eindrucksvolles Zeitzeugnis
Die Geschichte der Stalin-Note in Dokumenten der sowjetischen Führung
Endgültige Klarheit in der "Notenschlacht": Viele Zeitgenossen hielten die seit 1949 bestehenden zwei deutschen Staaten für kurzfristige Provisorien. Das Jahr 1952 schien eine Chance der Wiedervereinigung zu bieten, doch am Ende stand die Vertiefung der Spaltung. Seit mehr als fünf Jahrzehnten wird darüber debattiert, ob der in der Stalin-Note vom 10. März 1952 enthaltene Vorschlag eines vereinten und neutralisierten Deutschland eine realistische Alternative war. Die Akten der sowjetischen Führungsspitze, die Peter Ruggenthaler zu dieser Frage erstmals ausgewertet hat, geben eine eindeutige Antwort: Stalins Einigungsangebot war nicht ernst gemeint, sondern ein Störmanöver gegen die Wiederbewaffnung Westdeutschlands. Selbst gegenüber Österreich war die Sowjetunion bis zum Ende der "Notenschlacht" nicht zu einer Neutralisierungspolitik bereit. Stalin und der SED ging es von Anfang an um die Konsolidierung der DDR. Der jahrzehntelange Streit um die Stalin-Note ist mit der vorliegenden Dokumentation entschieden. Peter Ruggenthaler, geboren 1976, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung, Graz
Die deutschen Kreditinstitute in Polen und die Ausraubung der polnischen und jüdischen Bevölkerung 1939 - 1945
Deutsche Banken, Sparkassen und Genossenschaften wurden bereits kurz nach dem Überfall auf Polen im Herbst 1939 in den annektierten polnischen Gebieten und im Generalgouvernement aktiv. Neben dem Alltagsgeschäft verdeutlicht Ingo Loose besonders die Kooperation der Banken bei der Enteignung und der „Germanisierung“ des Eigentums der polnischen und jüdischen Bevölkerung und deckt ihre Verstrickungen in die Finanzierung der Ghettos, der Siedlungs- und Deportationsprojekte, des Zwangsarbeitereinsatzes, der Rüstungsproduktion sowie des Holocaust auf. Loose zeigt die jeweiligen Handlungsspielräume, aber auch die Perspektive der von der NS-Wirtschaftspolitik betroffenen Opfer von Enteignung, Deportation und Ermordung.
Ingo Loose, geboren 1971, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin
Die DDR im internationalen System 1949 - 1989. Veröffentlichungen zur SBZ-/DDR-Forschung im Institut für Zeitgeschichte
Die Außenpolitik der DDR war einerseits durch Vorgaben der Sowjetunion und andererseits durch indirekte Einflüsse der Bundesrepublik eingeengt und bestimmt. Als weiterer Faktor kam die DDR-Innenpolitik hinzu. Innerhalb dieses dynamischen Koordinatendreiecks musste Außenpolitik konzipiert und durchgeführt werden. Daraus ergaben sich, wie Hermann Wentker in seiner Gesamtdarstellung der ostdeutschen Außenpolitik darlegt, erhebliche Schwankungen des außenpolitischen Gewichts der DDR zwischen 1949 und 1989. Thematisiert werden Heteronomie und Autonomie der auswärtigen Politik Ost-Berlins sowie Perzeptions- und Entscheidungsprozesse der DDR-Führung. Hermann Wentker, geboren 1959, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Leipzig, ist Leiter der Abteilung Berlin des Instituts für Zeitgeschichte, München-Berlin