Zeitgeschichte Open - Repositorium des IFZ
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Perspektiven der zeithistorischen Forschung
Diktaturen sind ein zentraler Gegenstand zeithistorischer Forschung, der seit einigen Jahren nochmals an Relevanz und Aktualität gewinnt. Aber von welchem Stand kann die Diktaturforschung heute ausgehen? Welche neuen Wege sollte sie einschlagen? Was unterscheidet eine Diktatur von anderen politischen Systemen, wo lassen sich Gemeinsamkeiten und Übergänge erkennen? Der Band gibt pointiert und diskursiv Antworten auf diese Fragen. Nach zwei einführenden Aufsätzen beschäftigen sich jeweils ein Impulsbeitrag und ein Kommentar mit den Schwerpunkten Gesellschaft, Wirtschaft, Institutionen, Kultur, Gender, Vergleich/Verflechtung und Gewalt
Gustav von Kahr, Christian Frank und die Abgründe des Heimatschutzes
Am 30. Juni 1934 erschien ein Trupp Nationalsozialisten vor der Münchner Wohnung Gustav von Kahrs. Sie brachten den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, Generalstaatskommissar, Regierungspräsidenten von Oberbayern und Präsidenten des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs in ihre Gewalt, misshandelten ihn schwer und verschleppten ihn in das Konzentrationslager Dachau. Dort wurde er ermordet. Genauso erging es an diesem Abend der Führung der SA sowie anderen einst mächtigen Männern der Weimarer neuen Rechten. In der sogenannten ‚Röhm-Aktion‘ rechnete Adolf Hitler mit seinen innerparteilichen Konkurrenten sowie mit früheren Mitstreitern ab, die sich seinem Machtanspruch in den Weg gestellt hatten, brachte die "nationale Revolution" zu einem Ende und festigte das nationalsozialistische Regime. Gustav von Kahr gehörte zu den frühen Unterstützern der NS-Bewegung. Als Generalstaatskommissar in Bayern war er im Herbst 1923 in Pläne eines rechten Putsches gegen die Weimarer Republik involviert, hatte sich im Verlauf des von Hitler ohne Absprache angezettelten Putschversuches vom 9. November dann aber gegen diesen gestellt. Dafür bezahlte er 1934 mit seinem Leben.
Christian Frank, Anstaltsseelsorger an der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee, starb dagegen an den Folgen einer offenen Lungentuberkulose am 8. Juli 1942 ruhig in Kaufbeuren. Die Umstände des Todes stehen sinnbildlich für das jeweilige Leben, das die beiden Männer geführt haben: Gustav von Kahr an den Schalthebeln der Macht in Bayern, ein führender Kopf der neuen Rechten in den ersten Jahren der Weimarer Republik, verbissen bemüht um die Sicherung von Ruhe und Ordnung mittels militärischer bzw. paramilitärischer Gewalt. Christian Frank seit 1894 in Kaufbeuren, ganz der Heimatpflege verschrieben, als Herausgeber und Redakteur der Zeitschrift „Deutsche Gaue“, als Führer des „Vereins ‚Heimat‘“, als heimatkundlicher Lehrer und Forscher
Die Integration der PDS in das politische System der Bundesrepublik Deutschland 1990-2005
Die Integration der PDS war lange Zeit eine der großen Streitfragen der deutschen Politik. Von vielen als kommunistisch und extremistisch geschmäht, gelang es der Partei in relativ kurzer Zeit, ihre Isolation aufzubrechen und sich schließlich als gesamtdeutsche Kraft im linken politischen Spektrum zu etablieren. Der Weg von der ostdeutschen "Staatspartei" zur systemoppositionellen "Nachfolgepartei" und schließlich zur gesamtdeutschen "Linkspartei" war weder einfach noch geradlinig. Wie verlief diese Entwicklung und wie veränderte sich der öffentliche Diskurs um die Partei? Die "PDS-Frage" war dabei mehr als ein politisches Streitthema. Vielmehr spiegelten sich in ihr Grundfragen der zeitgenössischen Auseinandersetzung: um die Verfasstheit des vereinten Deutschlands, um das Erbe des 20. Jahrhunderts und um die Zukunft der Republik in einem vermeintlich postideologischen und neoliberalen Zeitalter