ForAP: Forschungsergebnisse von Absolventen und Promovierenden der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
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Im Namen der Gerechtigkeit. Tötungsverbrechen und ihre mediale Aufbereitung in der NDR-Serie Morddeutschland
Im True-Crime-Format Morddeutschland des Senders NDR werden reale Tötungsdelikte, die sich im Norden Deutschlands zugetragen haben, journalistisch aufbereitet. Anhand der Sendereihe wird aufgezeigt, wieMedienschaffende Kriminalitätsphänomene konstruieren und welche Ziele sie mit ihrer Darstellung verfolgen. Die Untersuchung basiert auf einer qualitativen Inhaltsanalyse dreier Episoden sowie einem qualitativen, leitfadengestützten Experteninterview, das mit dem Erfinder des Formats, Björn Platz, geführt wurde. Der folgende Beitrag untersucht, welche Kriminalitätswirklichkeit in Morddeutschland aufgebaut wird, welche Elemente dabei eine besondere Rolle spielen und welche Funktion Polizei und Justiz zugeschrieben wird. Im Fokus steht dabei die Frage, wie Sachlichkeit und Emotionalität bei der medialen Aufbereitung der Tötungsverbrechen gegeneinander abgewogen werden
Hipster Racism - What\u27s Irony Got to Do With It?
This essay interrogates the radical political potential concealed within American hipster culture. It seeks to illuminate the current decline of white hipster’s critical habitus, which historically has been conveyed throughirony. Contemporary white hipsters seem to rely on nostalgia rather than irony, which can culminate in hipster racism, instead of promoting progressive, liberal lifestyles. This development mirrors a larger shift in American society in which the muddled boundaries between entertainment and politics have become highlighted. To illustrate these developments, the article offers a case study of Gavin McInnes’s hipster performance. McInnes, a comedian and cofounder of the renowned hipster magazine Vice, utilizes hipster culture and irony for promoting right-wing causes from within his fraternal organization Proud Boys. While McInnes rejects allegations of racism, this article argues from a performance studies perspective that this allegedly satirically performed racism still exploits inequality, promotes white supremacy, and has an equally if not more detrimental effect on McInnes’s audience as conventional racism by de-sensitizing people’s awareness of discriminatory practices
"What\u27s happened to the American dream?" Intertextualität und Interpiktorialität in der Graphic Novel Watchmen
In konventionellen Superheldencomics retten Superman, Batman & Co. die Welt. In der 1986/87 erschienenen Graphic Novel Watchmen hingegen wird anhand intertextueller und interpiktorialer Referenzen das allgegenwärtige Comicgenre sowohl subvertiert als auch weiterentwickelt. Denn die Superhelden aus Watchmen entsprechen nicht dem Stereotyp von selbstlosen, moralisch einwandfreien Übermenschen, sondern erweisen sich als mehrdimensionale Figuren, wie der vorliegende Beitrag zeigen soll. Exemplifiziertwird dies anhand des Themenkomplexes vom American dream, mit dem die Protagonisten eng verbunden sind, indem sie für die US-amerikanische Regierung im Vietnamkrieg kämpfen, dessen Legitimation die Graphic Novel immer wieder hinterfragt. Dabei wird gleichzeitig die Ideologie patriotischer Prätexte, wie Captain-America-Comics, entlarvt, die stark von Kriegspropaganda geprägt sind. Watchmen verdeutlicht durch die Verschränkung von Verweisen auf andere Texte sowie auf den soziokulturellen Kontext, dass sich Superheldentum von Politik nicht trennen lässt und absolute Macht nie einem Einzelnen zugestanden werden darf – auch wenn dieser über besondere Fähigkeiten verfügt
Remaking Machismo - von Fack ju Göthe zum mexikanischen No manches Frida
Der Artikel untersucht das deutsche Premake Fack ju Göhte und sein ebenfalls erfolgreiches mexikanisches Remake No manches Frida auf den Kulturtransfer von Genderstereotypen. Durch die wiederholte Inszenierungbietet das Remake eine Kontrastfolie zur Untersuchung von Genderkonstrukten. So lässt sich beobachten, dass beide Filme machistische Figuren zeichnen: Der männliche Protagonist erfüllt jeweils Stereotype der Stärke,Aggressivität und Beherrschtheit, die weiblichen Figuren spiegeln Frauenbilder geprägt vom „Heilige-Hure“-Gegensatz wider. Das mexikanische Remake scheint die Stereotype in der Adaption allerdings zu verstärken und weniger selbstironisch zu verwenden. Der mexikanische Machismo, inklusive seiner Frauenbilder, wird dabei dem europäischen gegenübergestellt
Trolle 2.0 - Eine exemplraische Analyse von Hate Speech in den sozialen Netzwerken
Im öffentlichen Kommunikationsraum sozialer Netzwerke werden komplexe soziale Konflikte auf das eindeutig lesbare Oppositionspaar Like / Dislike reduziert. Als relevant werden hierbei jene Inhalte gewertet, die vieleReaktionen generieren – positive wie auch negative. Diese Umgebung bietet eine große Bühne für Trolle, die sich mittels provokanter und pejorativer Sprache Gehör verschaffen. Die Zuschreibungen an diese Störenfriede sind veränderlich. Ein Bild aggressiver, psychopatischer Einzeltäter ist veraltet. In einer Zeit, in der sich immer mehr User*innen in verschiedenen Kontexten in einer Art Ansteckungseffekt dem vorherrschenden Duktus anschließen, braucht es einen neuen Trollbegriff. Trolle 2.0 sind User*innen, die sich – je nach Gemütslage und kurzfristigem Ziel, bewusst oder unbewusst – dem diffamierenden Umgangston in sozialen Netzwerken anschließen. Hierbei müssen auch einmalige emotionale Entladungen eingeschlossen werden. Nur so kann Hate Speech in sozialen Netzwerken als gesamtgesellschaftliches Phänomen erfasst werden. Denn die unheilvolle Wirkung der massenhaften Verwendung von Hate Speech durch Trolle 2.0 liegt darin, dass Hass zum gängigen Umgangston lanciert
Die Rolle der Frau in vorehelichen Paarbeziehungen zwischen 1945 und 1968
Der vorliegende Beitrag untersucht die Rolle der Frau in vorehelichen Paarbeziehungen zwischen 1945 und 1968 auf der Basis von zwei qualitativen Interviews. Die Aussagen der beiden um 1940 geborenen Frauen werden im Licht der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg gedeutet. Im Vordergrund der Analyse stehen dabei die Themenfelder Kennenlernen, Sexualmoral, Sexualität und Verhütung
Triphidor - Ein Dichter auf den Spuren Homers: Eine Darstellung seiner Poetologie und Metapoetik
Nach vernichtender Kritik der klassischen Philologen des 19. und anfänglichen 20. Jahrhunderts gegenüber beinahe aller epigonaler, d.h. spätantiker, griechischer Literatur, insbesondere des spätantiken griechischen Epos, wurde erst in den letzten Jahrzehnten ihr Wert und ihre verkannte Ästhetik herausgearbeitet. Ausgehend von diesem fruchtbaren Boden der jüngeren Philologie wird in dieser Arbeit erforscht, in welchem Verhältnis der latecomer Triphiodor zu den beiden klassischen epischen Traditionen steht und wie er seine epigonale Stellung und somit überhaupt das Wesen seiner Dichtung innerhalb seines Werkes zur Darstellung bringt: Auf jeweils seine eigene Weise knüpft er an die zwei Traditionsstränge des antiken Epos, nämlich das archaische Epos Homers und Hesiods sowie das hellenistische Epos nach Kallimachos und Apollonios Rhodios, zugleich an. Durch diese Vereinigung beider Traditionsstränge schaffen die Dichter neuartige Epen mit doppelter Leseebene – homerisch-klassisch und hellenistisch-intellektuell; dadurch können beide Typen von Lesern der griechischen Welt des 3. und 4. Jahrhunderts zugleich bedient werden: die laienhafte Mittelschicht und die gebildete Oberschicht
Self-Made Women: How American Mill Girls Contributed to the Discourse of American Labor Exceptionalism
The enduring weakness of the American labor movement in comparison to its European counterparts continues to be one of the most intensely discussed and researched questions in the context of (European-)American Studies. Commonly, scholars answer this puzzle with the concept of American exceptionalism, arguing that a number of supposedly uniquely American cultural traditions led to a situation where the yearning for classbased actions simply was not as strong as in European countries. What is often neglected in this discussion are studies, which evaluate accounts of American workers in terms of whether they actually bought into this ideology of exceptionalism themselves. This study fills this research gap by demonstratinghow Lucy Larcom and Harriet H. Robinson, two mill girls from the early industrial town of Lowell in Massachusetts, constructed a discourse of American exceptionalism in their autobiographies. It is especially notable that their exceptionalist discourse is one based on their experience as part of the first group of working women in the United States
Inseln des Raumes, des Denkens und der Zeit. Eine Reise vom Mittelalter bis in die Gegenwart
Wer heute eine Inselreise unternimmt, der sehnt sich zumeist danach, den Alltag hinter sich zu lassen, Entspannung und Erholung zu finden. Dass eine Inselfahrt jedoch in physischer wie in kognitiver Hinsicht durchaus auch mühsam und anstrengend zu sein vermag, offenbart der Blick auf literarische Inseldarstellungen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Erweist sich die Insel selbst in der mittelalterlichen Literatur als Erkenntnisort, der einen hohen Grad an Sensibilität für Raumformen erfordert, so gerät die Insel im Laufe der Jahrhunderte zunehmend zu einem Signalraum, der utopische und dystopische Gehalte in sich aufnimmt. Die Suche nach Idealität, nach Entwicklung und nach Sinn führt den Reisenden dabei immer wieder an die Grenzen seiner Erfahrungswelt, die sich insbesondere durch technische und wissenschaftliche Neuerungen stetig erwei-tert. Inseln sind infolge dieser Fortschritte nicht nur auf einer horizontalen, sondern auch auf einer vertikalen Raumachse verortet und erobern sogar die Dimension der Zeit. Anhand ausgewählter literarischer und filmischer Inseldarstellungen lassen sich die Reise der Insel vom Mittelalter bis in die Gegenwart, der Wandel ihrer Codierungen sowie die Relation von Insel und Mensch nachvollziehen