ForAP: Forschungsergebnisse von Absolventen und Promovierenden der Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften
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Demokratisierung durch Kulturtransfer: Frankreichs Kulturpolitik der frühen Nachkriegszeit in der Besatzungshauptstadt Baden-Baden
Die französische Besatzungspolitik in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnet sich durch ein Übermaß an kulturellen Initiativen aus – gerade im Vergleich mit anderen Besatzern. Auch wenn dies auf den ersten Blick ein sehr positives Licht auf Frankreich wirft, war der Fokus auf die Kultur ein zentraler Aspekt der französischen Umerziehungsmission in Deutschland. Um die Wirksamkeit dieser Initiativen objektiv zu beurteilen, wird zunächst ein Bewertungsschema erarbeitet, das anschließend auf konkrete Beispiele kultureller Institutionen in der Besatzungshauptstadt Baden-Baden angewendet wird
Tabukomplex Sternenkinder: Subjektive Wahrnehmung und gesellschaftliche Bewertung aus der Perspektive betroffener Mütter
Der folgende Beitrag soll einen Einblick in die gesellschaftliche Bewertung und Wahrnehmung aus Sicht von Müttern geben, die ein Sternenkind bekommen haben. Darunter versteht man ein Kind, das kurz vor, während oder nach der Geburt verstirbt. Das Themenfeld des gesellschaftlichen Umgangs mit dem Sterben und insbesondere dem Sterben mit einem jungen Gesicht soll dabei aus subjektiver Sicht betroffener Mütter beleuchtet werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Kommunikation und Interaktion vonund mit betroffenen Müttern und ihrem Umfeld
Mehrsprachiges Sprechen in der Novelle D’r Herr Merkling un sini Deechter (1913) der Elsässer Schriftstellerin Marie Hart
Der Einsatz von Mehrsprachigkeit in der Novelle ist thematisch eng an die deutsche Reichslandzeit Elsaß-Lothringens (1871–1918) bzw. die historische Di-/Triglossie-Situation der Grenzregion rückgebunden. Damit ist der Sprachwechsel nicht nur binnenfiktional verankert, sondern zugleich an eine extern-pragmatische Ebene geknüpft. Die Analyse der mehrsprachigen Figurenrede zeigt, dass die französischen Insertionen im elsässischen Dialekt Ausdruck der spezifischen elsässischen Doppelkultur sind und der sozialen Grenzziehung dienen. Das code-switching vom Elsässischen ins Standarddeutsche ermöglicht, sich vom geäußerten Inhalt, beispielsweise dem preußischen Schulsystem, zu distanzieren und dient mitunter der Provokation. Der Wechsel von der Mundart ins Französische wird zur Ostentation der französischen Gesinnung eingesetzt und dient der soziokulturellen Segregation
Artificial Enough to Become Genuine? Gender Politics in Angela Carter’s The Infernal Desire Machines of Doctor Hoffman
The following essay aims at examining the artificiality of social gender construction as depicted in Angela Carter’s 1972 novel The Infernal Desire Machines of Doctor Hoffman. With the inclusion of her later, theoretical work, The Sadeian Woman (1979), I will argue that the novel wants to raise awareness for prevailing patriarchal structures to facilitate change towards a gender-equal society. At the same time, Desire Machines offers a first glimpse at what a then liberated society could look like
Häuser, Treppen, Türen: Erkundungen im semi-öffentlichen Raum eines Wohnblocks in Bukarest
Der Block als Form des städtischen Wohnens steht für pragmatisches Bauen und Leben. Mit Blick auf die bauliche Gestaltung und die Genese der bis heute bestehenden Blockviertel Bukarests wird der Mikrokosmos Plattenbau hier als Marker für sozio-politische Veränderungen verstanden. Paradigmatisch für den Sozialismus stehend, sollen Rückschlüsse auf den Einfluss von Ideologie(n) damals und heute genutzt werden, um auf diesen lebensweltlichen Verhandlungsrahmen sozialen Lebens und seiner materiellen Ausdrücke zu blicken. Die hier ins Zentrum gerückten Zwischenräume sind Treppenhäuser und Flure als geteilte Bereiche ohne klare Zuordnung, an denen sich aus vermeintlich banalen Alltagsgegenständen und Gesprächen zwischen Tür und Angel Transformation nachzeichnen und dokumentieren lässt
Körperinszenierungen. Der Wandel des Frauenbilds in den Werbekampagnen der Marke Gucci zwischen 2010 und 2020
Werbung, die durch Massenmedien viele Menschen erreicht, zeigt Werte und Bilder, die das jeweilige Unternehmen vermitteln will und soll zugleich gezielt das Kaufverhalten der Konsumenten beeinflussen. Gerade die Modewerbung vermittelt dabei immer auch Genderbilder. Der vorliegende Beitrag analysiert die Werbekampagnen der Modemarke Gucci zwischen 2010 und 2020 und arbeitet heraus, wie sich das Frauenbild von einer freizügigen, erotischen und sehr weiblichen Darstellung hin zum Androgynen verändert hat. Beispielhaft dafür ist eine Veränderung im Schnitt der Kleidung, der sich von der Betonung des weiblichen Körperbaus, wie es in den ersten Jahren des Zeitraums der Analyse üblich war, entfernt
Scopic Regimes und die Konstruktion von Wahrnehmung in der modernen Drohnenkriegsführung
Der vorliegende Beitrag untersucht die Wirkung von Scopic Regimes auf das Individuum sowie das Militär als Kollektiv im Kontext der modernen Drohnenkriegsführung. Im Gegensatz zur biologischen Funktion des Sehens geht es bei Scopic Regimes primär um die sozio-technologischen Einflüsse auf das visuell Vermittelte, also den Kontext, in dem gesehen wird. UAVs (unmanned aerial vehicles) stellen auf diesem Forschungsgebiet ein richtungsweisendes Novum dar, dem in der kontemporären deutschsprachigen Forschungsliteratur bisher wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Gegner der Technologie bringen oftmals das Argument an, dass bewaffnete Drohnen die Hemmschwelle zum Töten herabsetzen würden. Scopic Regimes bieten hier einen ersten Ansatz zur Erforschung der Effekte des aus der Distanz gewonnenen Überwachungsmaterials und wie dieses den militärischen Entscheidungsprozess sowie die moderne Kriegspsychologie beeinflusst. Die möglichen Wirkungsweisen von Scopic Regimes sollen am Beispiel der zeitgenössischen Kriegsfilme Eye in the Sky (2015) und Good Kill (2014) veranschaulicht werden
Journalist und Ästhet: Eine Analyse von Nachtweys Krisenfotografien
Krisen- und Kriegsfotografen wie James Nachtwey nehmen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft ein, da sie uns Informationen über ferne Konflikte liefern und diese durch ihre Fotografien für uns erfahrbar machen. Nachtweys opferzentrierter Blick und die Komposition seiner Bilder bringen dabei viele Herausforderungen auf ethischer, fotografischer und journalistischer Ebene mit sich. Wie ästhetisch ansprechend darf das Foto eines leidenden oder toten Menschen sein? Und kann eine ansprechende fotografische Komposition der Informationsvermittlung dienen? Um diese und weitere Fragen zu beantworten, untersucht der Beitrag, was Fotojournalismus leisten muss und stellt dar, welche Rolle Information, Ästhetik und Ethik dabei spielen. Dabei wird auf den vermeintlichen Dualismus von Ästhetik und Information, auf das kommunikative Potential von Nachtweys Bildern und den Vorwurf des Voyeurismus eingegangen
Interkulturelles Spanischlernen: Reformation des Fremdsprachenerwerbs?
Fremdsprachenerwerb heißt nicht mehr nur Vokabular und Grammatik zu lernen. In den vergangenen Jahren sind die interkulturellen Kompetenzen in den Fokus der Lehre gerückt. Jedoch erschweren die vielfältigenMaterialien, der komplexe Kulturbegriff und die Multidisziplinarität den Didaktiken bis heute die Entwicklung einheitlicher Konzepte zur Vermittlung interkultureller Kompetenzen. Lehrwerke schöpfen ihr Potenzial nicht aus und bedürfen zusätzlicher Elemente, um den Ansprüchen des modernen Spracherwerbs gerecht zu werden. Stand bislang das fachliche Wissen über die andere Kultur beim Spracherwerb im Vordergrund, soll die Lehre heute auf die Handlungsfähigkeit des Lernenden in interkulturellen Situationen abzielen. Am Beispiel der Materialsammlung Interkulturelle Kompetenz – Spanisch. Erkennen – verstehen – handeln zeigt der folgende Artikel, welche Schwierigkeiten bisher mit der Entwicklung geeigneten didaktischen Materials verbunden sind und welcher Mehrwert entsteht, wenn die Strukturen des klassischen Unterrichts aufgebrochen, vorhandene Lehrwerke modernisiert und die interkulturelle Handlungsfähigkeit ausgebaut wird
Mate als immaterielles Kulturerbe des Mercosur. Das Potenzial einer grenzüberschreitenden Kulturerbepolitik für die Zusammenarbeit im Staatenbund
Im November 2018 wurde das Sistema Cultural de la Yerba Mate zum immateriellen Kulturerbe des Mercado Común del Sur (Mercosur) erklärt. Als von den indigenen Guaraní überliefertes Kulturgut sind die Bräuche, Objekte und kulturellen Praktiken rund um den Matetee ein Teil der kollektiven Identität und der Erinnerungskultur in weiten Teilen des südamerikanischen Staatenbundes. Diese Länder vereinen im Handel mit Mate ihre grenzüberschreitenden Kompetenzen, wollen gleichzeitig aber ihre nationale Souveränität aufrechterhalten. Der Beitrag untersucht zum einen die potenzielle Expansion der Matekultur in Form von Kulturtourismus und Kulturexport. Andererseits werden die Risiken, die durch schwach reglementierte Produktionsprozesse und Export entstehen, thematisiert. Daraus soll sich schließlich ableiten, wie ein geteiltes Kulturerbe die Zusammenarbeit im Staatenbund fördern kann