Medienwelten – Zeitschrift für Medienpädagogik
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Editorial: Medienpädagogik vorgestellt
Die dritte Ausgabe von Medienwelten hat sehr viel länger auf sich warten lassen als wir geplant hatten. Wir als Herausgeber haben die Zeit jedoch genutzt, um noch ein weiteres, ergänzendes Konzept für die Zeitschrift zu entwickeln. In loser Folge sollen Sonderausgaben von Medienwelten unter dem Titel Medienpädagogik vorgestellt erscheinen. Hier können sich Kolleginnen und Kollegen mit einem medienpädagogischen Themenschwerpunkt ihrer Wahl präsentieren und eine Ausgabe von Medienwelten als Ko-Herausgeber/-in mitverantworten. Wer ein solches Konzept vorschlägt, sieht sich mit Erwartungen konfrontiert und steht gewissermaßen in einer Bringschuld. Als ein wesentliches Thema der medienpädagogischen Lehre an der TU Dresden präsentiert Ralf Vollbrecht daher in dieser Ausgabe das Thema Filmbildung und narrative Pädagogik
Einleitung: Medienpädagogik vorgestellt. Filmbildung und narrative Pädagogik (TU Dresden)
Medienpädagogik vorgestellt. Filmbildung und narrative Pädagogik (TU Dresden
Der Spielfilm als Gegenstand pädagogischer Analyse. Methodisches Konzept und Gliederung der Veranstaltung (1981)
Im Kontext der Theorie-Praxis-Debatten am Ende der 1970er Jahre und der wirtschaftlichen Durchsetzung der Videotechnik auch im privaten Freizeitbereich entwickelte Dieter Baacke ein theoretisch sorgfältig begründetes didaktisches Seminar-Konzept zum „Spielfilm als Gegenstand der pädagogischen Analyse“. Im vorliegenden Beitrag, der erstmals 1981 publiziert wurde, stellt Baacke dieses Konzept vor und reflektiert seine ersten Seminarerfahrungen mit diesem Ansatz. Sein Hauptanliegen war es, vermeintlich trockenes pädagogisches Theoriewissen über das Medium lebensweltnaher und erfahrungsgesättigter Filmerzählungen den Studenten nahe zu bringen und ein tieferes Verständnis für pädagogische Zusammenhänge zu erzielen.In the context of contemporary theory-practice debates in the late 1970s and economic enforcement of video technology in the private recreational area Dieter Baacke developed a theoretically substantiated didactic concept for „Spielfilm als Gegenstand der pädagogischen Analyse“ (feature film as an object of pedagogical analysis). In the present article, which was first published in 1981, Baacke introduces this concept and reflects on his first seminar experience with this approach. His main concern was to convey apparently boring educational theory knowledge through the medium of Film narratives of everyday life and to achieve a deeper understanding of educational contexts
Identifikation und Akzeptanz. Eignungskriterien für die medienpädagogische Filmarbeit mit Kindern – ein Seminar-Modell der Fachhochschule Münster (1998)
Dieter Baacke hat in seinem Artikel von 1981 für das Lernen aus Spielfilmen in der Pädagogik argumentiert. Peter Pleyer und Horst Schäfer haben dazu in den 1990er Jahren ein Seminar-Modell konzipiert, das Schäfer hier vorstellt. Das Seminar geht von dem handlungsorientierten Ansatz der Medienpädagogik zur Aneignung von Medienkompetenz – als Teilbereich kommunikativer Kompetenz – aus, die sich als kritischer, reflektierter, selbstbestimmter und kreativer Umgang mit Medien versteht. Kinder sind mit Medien vertraut; ihre Wirklichkeit ist durch die Erfahrung medialer Wahrnehmungen geprägt. Die medienpädagogische Filmarbeit setzt sich mit dieser visuellen Wahrnehmung auseinander und vermittelt über die Rezeption zielgruppengerechter Filme Fähigkeiten ästhetischer Urteilsbildung, Kritikfähigkeit, Erkenntnisse über Medienwirkungen und Hilfen zur Bewältigung medialer Einflüsse.In his article from 1981 Dieter Baacke has argued for learning from films in pedagogy. In addition, Peter Pleyer and Horst Schäfer have designed a seminar model in the 1990s, which Schäfer introduces here. The seminar is based on the action focused approach of media pedagogy for the acquisition of media literacy (Medienkompetenz) as a critical, reflective, self-determined and creative dealing with media. Children are familiar with media; their reality is shaped by the experience of media perceptions. The media pedagogical film education deals with these visual perceptions by means of the reception of films which are geared to the target group, and it promotes skills of aesthetic judgment, critical faculty, knowledge about media effects, and helps to deal with media influences
Typen der Zeiterfahrung im Film „Das Ende des Regenbogens“
Am Beispiel einer Filmanalyse zum Film „Das Ende des Regenbogens“ wird gezeigt, wie sich mit medienpädagogischen Mitteln pädagogische Themen erschließen lassen. Für den biografie-theoretischen Kontext des Filmseminars ist hier als Interpretationsperspektive die Zeiterfahrung von Jugendlichen gewählt worden.At the example of a film analysis to the film „Das Ende des Regenbogens“ (The End of the Rainbow) is shown how with media-educational means educational subjects can be opened. For the biography-theoretical context of the film seminar the time experience of young people has been chosen here as an interpretation perspective
Die Bedeutung von Idolen für Jugendliche der Dresdner Gothic-Szene
Die Autorin untersucht in einer qualitativen Studie die Aneignung von medialen Bezugspersonen im Jugendalter mit Fokus auf die Einbindung von Musikidolen in die Lebenswelt junger Gothics. Ihre These ist, dass bei Gothics im Unterschied zu Fans von Mainstream-Musikern der Populärkultur übergreifende Wert- und Lebensstilorientierungen vorliegen. In ihrem theoretischen Überblick über das Forschungsfeld geht die Autorin auch auf Aneignungsmodi und die individuellen Funktionen von Stars für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben im Jugendalter insbesondere für die Identitätsbildung ein. Nach einer schriftlichen Befragung zur Sondierung des Feldes wird die Hauptstudie vorgestellt, die ausführliche Interpretation eines qualitativen Interviews mit einem Jugendlichen der Dresdner Gothic-Szene. Diese Fallstudie ist nicht nur wegen der biografischen Besonderheiten und schwierigen Lebensumstände des Jugendlichen aufschlussreich – es gelingt der Autorin auch, ihre These einer ganzheitlichen Verwendung von Musik-Idolen bei Gothics beispielhaft aufzuzeigen.In this qualitative study the authoress researches the adoption of media attachment figures in the adolescence, focusing the inclusion of music idols in the lifeworld (Lebenswelt) of young goths. Her hypothesis is that for goths, in contrast to fans of musicians in other facets of popular culture, there are overarching value and lifestyle orientations. In her theoretical overview of the research field, the authoress describes adoption modes and also contemplates on the individual functions of stars concerning the way of coping with development tasks in adolescence – especially concerning the development of identity. After an exploring survey the main study is presented – a detailed case interpretation of an interview with an adolescent member of the goth scene of Dresden. This case study is interesting not only because of the biographical characteristics and difficult circumstances of life – the authoress also succeeds to demonstrate her hypothesis of the holistic usage of a music idol
Konzepte der Filmbildung und der pädagogische Widerwille gegen den Seh-Sinn
Gängige Konzepte der Filmbildung werden vorgestellt und in ihren pädagogischen Implikationen diskutiert. Dabei wird kritisch auf das Kanon-Konzept eingegangen sowie auf den vom Autor favorisierten Ansatz, Spielfilme auch als Gegenstand einer narrativen Pädagogik zu verstehen.Concepts of “Filmbildung“ (film education) and educational aversion to the visual sense Common concepts of film education are presented and discussed in their pedagogical implications. In particular, the canon concept is presented as well as the approach favored by the author to understand films as a subject of a narrative educational theory
Selbstbild und mediale Fremdwahrnehmung. Eine Analyse der Berichterstattung über die Schwarze Szene in Leipziger Volkszeitung und BILD-Zeitung
Die Studie gibt zunächst einen Überblick über den Forschungsstand in Deutschland zur „Schwarzen Szene“. Neben der Vorstellung von Geschichte und Entwicklung der Gothic-Szene steht eine umfassende Stilanalyse im Mittelpunkt, die Zeichen und Symbole dieser Jugendkultur vorstellt und auf deren Verwendung eingeht. In einer empirischen Untersuchung nimmt die Autorin einen doppelten Vergleich vor: Zwischen dem Selbstbild der Szene und ihrer medialen Fremdwahrnehmung sowie zwischen den jeweiligen Mediendarstellungen in zwei unterschiedlich ausgerichteten Zeitungen, der Leipziger Volkszeitung und der BILD-Zeitung. Anhand von qualitativen und quantitativen Daten gibt die Autorin differenzierte Einblicke in die medial auffällige, aber in ihren Binnendifferenzierungen dennoch wenig bekannte Schwarze Szene.First, the study provides an overview of the current state of research in Germany concerning the „black scene”. After the presentation of the history and development of the scene a comprehensive stylistic analysis is focused, which also introduces signs and symbols of this youth culture as well as their usage. In an empirical analysis the authoress draws a comparison in two ways: first between the self-perception of the scene on the one hand and the medial perception on the other hand, and secondly concerning the different medial representation in two different newspapers – the Leipziger Volkszeitung and the BILD-Zeitung. Based on qualitative and quantitative data, the authoress provides a complex insight into the goth scene, which is medial striking but nevertheless little known in its internal differentiations
Die kleine böse Randnotiz: Gouvernementalität im Rundfunksystem
Ausdruck zielführender Gouvernementalität ist auch die verfassungsrechtlich umstrittene Neuordnung der Rundfunkbeiträge in Deutschland. Seit Jahresbeginn 2013 ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk bekanntlich eine an die Wohnung gekoppelte Zwangsabgabe der Bürgerinnen und Bürger („Fünfzehnter Rundfunkänderungsstaatsvertrag“). Zwangsfernsehen bedeutet nun nicht, dass man tatsächlich gezwungen wird, öffentlich-rechtliches Fernsehen zu sehen, sondern nur, dass man es bezahlen muss, auch wenn man es nicht sieht. Grund ist insbesondere der Bildungs- und Informationsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Filmsprache und Filmanalyse in der Medienpädagogik
In der Praxis der Filmseminare mit Studentinnen und Studenten hat sich gezeigt, dass diese meist nicht über hinreichendes Vorwissen für Filmanalysen verfügen und ihnen auch die Fachbegriffe im Bereich der filmischen Gestaltungsmittel fehlen. Da die Filmanalyse-Seminare allein schon wegen der jedes Universitäts-Zeitraster sprengenden Filmlänge sinnvollerweise als Blockveranstaltungen durchgeführt werden, bekommen die Studenten zur Vorbereitung und als Hilfmittel für eigene Filmanalysen eine grundständige Einführung. Dieses Basiswissen über „Filmsprache und Filmanalyse in der Medienpädagogik“ ist in den letzten zwanzig Jahren immer wieder optimiert worden und wird in der vorliegenden Fassung an der TU Dresden und der Universität Duisburg/Essen eingesetzt.The experience with film seminars for students has shown that these mostly do not dispose of enough foreknowledge for film analyses and they also lack the technical terms of the cinematic means. Since the length of films blows up each university time slot pattern, and therefore the seminars are conducted as block events, the students get an introduction from scratch in an orientation session as basic knowledge and tools for their own film analysis. This basic knowledge of "film language and film analysis in the media education" has been optimized again and again in the last twenty years and is used in the present version at the TU Dresden and the University of Duisburg/Essen