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    Vom "Primat der Anwesenheit" zu: "Erst entwerfen, dann fragen"

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    Wie sollen Architekt*innen den Raum betreten, in dem sie tätig werden, den sie transformieren möchten? Es liegt nahe, das Handeln an den Paradigmen von Angemessenheit und achtsamer Beobachtung auszurichten. Aber tut es das wirklich? Folgt nicht vielmehr aus der Verantwortung gegenüber der drohenden ökologischen Katastrophe und in Anbetracht sich zuspitzender gesellschaftlicher Fragen, dass Architekt*innen vielmehr mit freundlichen und gut gelaunten Zumutungen ins Feld gehen? Und dass sie genau damit die teils disruptiven Veränderungsprozesse mit anstoßen? Dies mag vermessen erscheinen in einer Zeit, die eben dieses Verhalten vergangenen Episoden der Architekturgeschichte – insbesondere der Moderne – immer noch zum Vorwurf macht. Aber gerade deshalb gründet die folgende Methode auf einer Mischung aus wohldosiertem Aktivismus, wissenschaftlichen Methoden und einem optimistischen in die Welt-hinaus-Entwerfen. Sie soll damit prüfen, welche Bereitschaft zu konkreten Veränderungen besteht

    Angemessenheit – Editorial

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    In der Architektur gilt es, zahlreiche konkurrierende Belange in größtmöglichen Einklang zu bringen. Die Aufgabe und Kunst des Architekten / der Architektin besteht darin, diese gegeneinander abzuwägen und dabei das richtige Maß zu finden. Bei der Platzierung des Bauwerks in einem Kontext müssen Standortfaktoren wie Klimazone, Topografie, städtebauliches, architektonisches und sozial-ökonomisches Umfeld Beachtung finden. Bei der Konzeption des Baukörpers sind Fragen der Ökonomie und Funktionsverteilung, der Materialwahl, des konstruktiven Aufwandes und der Bestimmung des ästhetischen und repräsentativen Anspruchs einzubinden

    St. Engelbert in Köln-Riehl

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    Unter den Bauten des Dominikus Böhm gehört St. Engelbert in Köln-Riehl sicherlich zu den am häufigsten betrachteten und analysierten Kirchen. Es überrascht, dass hierbei nahezu unerwähnt blieb, dass das Gebäude nie in vollem Umfang fertiggestellt wurde und zahlreiche Räume ohne Ge-staltung blieben; die Rekonstruktion der ursprünglichen Planung zeigt die gelungene vollumfängliche Disposition eines frühen Gemeindezen-trums. Auch wenn mit akuten Lücken in der Finanzierung des Kirchen-baus eine einfache Erklärung für die fehlende Vollendung des Gebäudes zu finden ist, muss Frage nachgegangen werden, welche Auswirkungen dies auf den Planungsprozess und die Entwicklung des Gebäudes hatte. Es offenbart sich, dass Böhm den Umstand, stets nur Teile einer Ausge-staltung zu planen und somit einen begonnenes Werk sukzessive weiter-zuentwickeln, aktiv nutzte, um die Kirchengemeinde als Bauherrin und das Kölner Erzbistum als genehmigende Institution zur Realisierung des Projektes zu bewegen. Das Fragmentarische der Entwicklung wird so ei-nerseits zur rhetorischen Chance und andererseits zur Grundlage einer ar-chitektonischen Haltung, die vor dem Hintergrund des überzeitlichen An-spruchs der Kirche die eigene zeitliche Bedingtheit anerkennt

    Das Fragment

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    In künstlerischen, philosophischen und literarischen Diskursen wird das Fragment verhandelt als ein ästhetischer Begriff, der den Aufbruch zu einer modernen Ästhetik signalisiert. Im Zuge seiner Genese verändern sich Funktion und Form des Fragmentbegriffs von einem kulturkritischen, zeitdiagnostischen Instrument hin zu einer eigenständigen Kategorie, die in ihrer Funktion über die Negation der Totalität hinausreicht und zur A"rmation des Offenen, Instabilen und Ambiguen als Qualitäten eines kontingenten Werkbegriffs führt. Auch ein Teil des modernen Architekturdiskurses konzentriert sich auf Werkbegriffe, in denen Forderungen nach Abgeschlossenheit, Totalität und Unversehrtheit architektonischer Werke zugunsten eines neuen, ungleich komplexeren Werkverständnisses aufgegeben werden. Eine besondere Interpretation und Umsetzung des Fragments als Phänomen #ndet sich im Werk des deutschen Architekten Hans Hollein (1934–2014), insbesondere in seinem Entwurf für das Museum Abteiberg in Mönchengladbach

    Stadt-Fragmente

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    Mindestens 8000 Glasnegative hinterließ der französische Fotograf Eugène Atget (1857–1927) am Ende seines Lebens nach fast 30 Jahren, in denen er auf den Spuren des vieux Paris jene Teile der Stadt festhielt, die von der Haussmannisierung im 19. Jahrhundert unberührt geblieben waren. Mithilfe des “schwerfälligen Photo-Apparat[s] mit Balgauszug, 18 x 24, ohne Markenname[n] und mit Linear-Linsen ausgestattet“1 zog Atget tagtäglich im Morgengrauen aus, um die neu angelegten, großen Boulevards zu verlassen und in den nebenliegenden Gassen ein Bild der Stadt Paris zu erzeugen, wie es de facto nicht mehr gegeben war. Seine Fotografien folgen demnach einer Idee der Fragmentierung der Stadt, die sich einerseits im Spannungsfeld von Zeigen und Nicht-Zeigen zu erkennen gibt, zum anderen bildimmanent als piktorale Fragmentierungen zum Ausdruck kommt. Ergänzend zur etablierten Forschung2 verfolgt der Beitrag vergleichend die temporalen Modi Operandi des Fragmentarischen und deren Implikationen in Atgets Fotografien aus bildwissenschaftlicher Perspektive

    Alle unsere Gestern

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    Die Rotterdamer Kunsthal von OMA/Rem Koolhaas ist eine im Werk OMAs unübertroffene Demonstration der Möglichkeiten des Fragmentarischen und zugleich dessen Kritik und Abgesang. Der Gestus des Bruchstückhaften als Form – das collageartige, oft dialektische Nebeneinander divergierender Ordnungen, Konstruktionen, Materialien und Zitate – ist Bedingung ihrer diskursiven Qualität. Über die Neuausrichtung von OMA hinaus, reflektiert die Kunsthal einen Übergang von epochalen Dimensionen: vom geteilten Europa des Kalten Krieges zur Europäischen Union und Globalisierung; von westlichem Defätismus zum „Ende der Geschichte“; vom Wohlfahrtsstart zu neoliberaler Reform; von postmoderner Architektur zu Diagramm und Ikone

    Classification

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    Perceiving the fragment in relation to the whole, this text looks at frag-ments as key points which reveal two different approaches of classification within the scope of scientific understanding: Giovanni Morelli, a 19th cen-tury scholar having a medical background, studied the practice of connois-seurship within the framework of modern science. His method gives a prio-rity to the fragments of paintings as traces of a ‘lost original’. This effort to systematize true judgement can be read in parallel to Durand’s Recueil et Parallèle des Edifices de tout Genre, a book prepared for his lectures at the École Polytechnique to make engineers acknowledged with architecture. In Durand’s ordering, the fragment reveals itself as constitutive element. While he eliminated particularities for the sake of a ‘whole’, Morelli used particularities in order to make a statement about the ‘whole’.The Fragment and the Whol

    Fragment – Editorial

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    Mutti in L.A.

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    Mein Vater litt an Demenz und ist Ende August 2021 verstorben. Ich plane schon lange eine Arbeit über ihn. Er fuhr von 1961-1973 zur See, die längste Zeit in den USA auf der Argo, dem Firmenschiff der Ralph M. Parsons Corporation. Desweiteren heuerte er im Nahen Osten auf verschiedenen Frachtern der iranischen Staatsrederei an und hat Regionen bereist, die heute das Weltgeschehen prägen. (USA, Mexiko, Persischer Golf, Arabisches Meer etc.) Er brachte von diesen Reisen ca. 3 Std. 8mm Film, ca. 1200 Dias, Souvenirs und Anekdoten mit, doch wollte er mir diese Zeit seines Lebens nie anvertrauen. Mit zunehmender Demenz schwand die Möglichkeit Gespräche über seine Vergangenheit auf See zu führen. Nach seinem Tod im letzten Sommer habe ich nun das Material vollständig an mich genommen. Ein 8 mm Film trägt die Aufschrift: “Mutti in L.A.” und dokumentiert wie er seine Mutter aus Westdeutschland in die USA eingeflogen hat und mit ihr durchs Land gereist ist. Dies ist momentan der Arbeitstitel meines Projekts, welches ein Buch werden soll. Der Text ist die fragmentarische Erzählung die aus der zufälligen Reihenfolge der 1197 Dias generiert wird. Zusätzlich gibt es eine kleine Auswahl an Bildmaterial

    Die Verlockung des Fragments: Fügungen der Grabungs- und Restaurierungsgeschichte von Madīnat al-Zahrā\u27 (Spanien)

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    Welche Faktoren beeinflussen den wissenschaftlichen Umgang mit dem historischen Fragment? Der Aufsatz beleuchtet einführend die Facetten des Fragmentarischen in der archäologischen Bauforschung und hinterfragt am Beispiel der im 19. Jahrhundert einsetzenden Erforschung der archäologischen Stätte Madīnat al-Zahrā\u27 in Spanien, wie unter wechselnden politischen Systemen einerseits die fragmentarisch in situ freigelegten Architekturbefunde und andererseits die aus ihrem Kontext gelöst gefundenen Bauteile und Bauornamente methodisch behandelt und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Dabei offenbart sich nicht nur der Zusammenhang mit gesellschaftlichen Wertvorstellungen, sozioökonomischen Rahmenbedingungen und der Theoriebildung des Kulturerbeerhalts in Spanien und Europa, sondern auch der prägende Einfluss der Fachsicht einzelner Forscherpersönlichkeiten

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