Tübingen Open Journals (Univ. Tübingen)
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New Religious Spaces in the Megacity
Der Artikel nimmt mittels der Methode der virtuellen Ethnographie eine kontex-tualisierte Analyse der Repräsentation eines aktuellen Bauprojekts einer brasilianischen Neopfingstkirche, der Igreja Universal do Reino de Deus, vor. Im Fokus der Analyse stehen dabei die Webseiten dieser Kirche. Der Kirche zufolge handelt es sich bei diesem Projekt um einen Wiederaufbau des biblischen Tempel Salomos. Ausgehend von einer theoretischen Herangehensweise, die medienbezogene und räumliche Religionstheorien mit einer sozialwissenschaftlichen Raumtheorie verbindet, zeigt der Artikel zum einen, wie durch einen solchen Bau religiöse Räume für die Gläubigen erschlossen werden und letztere dazu aufgefordert werden, hierdurch das Transzendente sinnlich zu erfahren. Darüber hinaus werden die Relevanz dieses Bauvorhabens für das institutionelle Projekt der Kirche, deren räumliche Strategien und die Beziehung des Bauprojekts zu den Ansprüchen der Kirche auf religiöse Universalität erörtert
Ancient Minds Not Conscious
Julian Jaynes zufolge hat sich Bewusstsein spät in der Menschheitsgeschichte entwickelt. Zuvor hatte der Mensch keinen bewussten Zugriff auf mentale Inhalte. Die Organisation des Geistes basierte auf der Zusammenarbeit zweier Bereiche der bikameralen Psyche (d.h. zwei mentale ›Räume‹): Es erschienen Halluzinationen von den Stimmen von Göttern, die immer dann zum Vorschein traten, wenn ein bestimmtes Stresslevel überschritten wurde (beispielsweise beim Fällen von Entscheidungen), deren Befehle von der anderen Seite sogleich ausgeführt wurden. Diese Form mentaler Organisation lässt sich in antiken Texten wie der Ilias belegen. Dieser Artikel stellt Jaynes Theorie vor, liefert eine religionswissenschaftliche Analyse seiner Interpretation der Ilias und diskutiert abschließend die Implikationen von Jaynes Arbeit in Bezug auf die Religionswissenschaft. According to Julian Jaynes, consciousness has developed only recently in the history of mankind. Before man gained conscious access to mental content, the organizational structure of the mind had rested upon the working together of two parts, the »bicameral psyche« (i.e. two mental ›rooms‹). The hallucinated voice of a god appeared whenever a certain stress-level was reached (e.g. when decision-making was due) which again made the human side of the »bicameral mind« execute the god’s command. This mentality is reflected in texts of antiquity such as the Iliad. In this paper we present Jaynes’ theory, analyze his interpretation of the Iliad, and discuss implications for the scientific study of religion
Kaarina Aitamurto, Scott Simpson, Modern Pagan and Native Faith Movements in Central and Eastern Europe
Rezensiertes Werk: Kaarina Aitamurto, Scott Simpson, Modern Pagan and Native Faith Movements in Central and Eastern Europe. Acumen Pub, Durham, 2013, 352 S., ca. 87,45 € ISBN: 978-1-84465-662-
Udo Tworuschka, Einführung in die Geschichte der Religionswissenschaft
Rezensiertes Werk: Udo Tworuschka. 2015. Einführung in die Geschichte der Religionswissenschaft. Einführung Theologie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 160 Seiten, 17.‒ €. ISBN 978-3-534-26376-
Dagmar Fügmann, Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland
Rezensiertes Werk: Dagmar Fügmann, Zeitgenössischer Satanismus in Deutschland: Weltbilder und Wertvorstellungen im Satanismus, Tectum, Marburg, 2008, 398 Seiten, 29.90 €. ISBN: 978-382882101
What is the Point of Religionswissenschaft? Bericht zur Tagung »Wissenschaftlichkeit und Normativität in der Religionswissenschaft - Religionswissenschaft als Akteurin im öffentlichen Religionsdiskurs« Tagung des Arbeitskreises Mittelbau und Nachwuchs (AKMN) der DVRW. An der Universität Potsdam, Deutschland, 20. - 22. September 2018.
Der andino-katholische Synkretismus im urbanen Bolivien am Beispiel der Motorfahrzeugsegnungen: Die Rituale der Bendición und der Ch'alla im Verständnis von bolivianischen Fahrzeugführern
Der vorliegende Artikel basiert auf einer dreimonatigen Feldforschung im Jahre 2017 und trägt zum Bruch mit einer in religionswissenschaftlichen und anthropologischen Studien zu Lateinamerika verbreiteten Verlustperspektive bei, indem er nicht nach "Authentischem" sucht, sondern nachzeichnet, wie die Bevölkerung im heutigen Bolivien eine moderne Errungenschaft wahrnimmt und interpretiert. Mittels partizipierenden Observationen an bolivianischen Motorfahrzeugsegnungen und narrativen und semi-strukturierten Interviews mit verschiedenen Fahrzeugführern (leider konnte keine Fahrzeugführerin interviewt werden, da diese im bolivianischen Verkehr stark unterrepräsentiert sind) wird nachgewiesen, dass zwei Segnungsmethoden für ein sicheres Vorwärtskommen im bolivianischen Verkehr praktiziert werden: Die von katholischen Priestern ausgeführte Bendición und die von den Fahrern selbst oder von einem professionellen Yatiri getätigte Ch’alla. Die dokumentierten Rituale werden mit dem andino-katholischen Synkretismusmodell nach Ina Rösing verglichen und ihrer These, dass die andine Religiosität mit der Urbanisierung verloren gehe, gegenübergestellt. Die diesen Ritualen zugesprochene Effizienz für Schutz vor Unfällen und Pannen, und die Angst vor negativen Konsequenzen bei nachlässigen Segnungen zeigen, dass im heutigen Bolivien die Logik der Reziprozität weitverbreitet ist, und auch "moderne" Technologien, wie das Motorfahrzeug, von der bolivianischen Bevölkerung im Symbolsystem des andino-katholischen Synkretismus interpretiert werden. Based on empirical research in 2017 and contributing to a break with a perspective of losses that is widespread in the work on Latin America by anthropologists of religion, this article doesn’t focus on "authenticity", but analyzes how the population in today's Bolivia perceives and interprets a modern achievement. The article builds on data from participatory observations on motor vehicle blessing rituals in Bolivia and on narrative and semi-structured interviews with various drivers. It demonstrates that two blessing rituals are performed to be protected when driving in Bolivia: The bendición by Catholic priests and the ch'alla per-formed by the drivers themselves or by a professional yatiri. I compare the collected data to the model of andino-catholic syncretism by Ina Rösing and contrast it with her thesis that the Andean religiosity is getting lost due to urbanization. The efficiency attributed to these rituals for protection against accidents and incidents, and the fear of negative consequences when not performing them show that in today's Bolivia the logic of reciprocity is widespread and that also "modern" technologies, such as the motor vehicle, are interpreted by the Bolivian population inside the symbol system of andino-catholic syncretism
Teilnehmenden-Interview der Workshopreihe des Projekts Mapping Religionswissenschaft
Für diesen Beitrag interviewte ich im April 2021 drei Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Statusgruppen des Faches über ihre Erfahrungen mit der Workshop-Reihe des Projekts. Sie berichten, wie sie von der Reihe erfahren haben, wie sie die Arbeitsatmosphäre bei einzelnen Workshops wahrgenommen haben und welchen Mehrwert sie für sich gezogen haben. Darüber hinaus reflektieren sie die Bedeutung von Online-Formaten für die fachliche Vernetzung während und nach der Pandemie. On April 13th, 2021 I interviewed three participants from different groups in the discipline about their experiences with the project’s workshop-series. They share how they came across the series, how they experienced the workshop-atmosphere and how they profited from it. Additionally, they reflect upon the advantages and disadvantages of online-formats for academic networking during and potentially after the pandemic
Horror Vacui: Mapping Religionswissenschaft in der alltäglichen Dystopie
Die Pandemie hat die Büros der religionswissenschaftlichen Institute entleert und auch zwischen den privaten Arbeitszimmern einen zunehmend leeren Raum geschaffen. Die ohnehin schon weit verbreitete Tendenz zum Solo-Arbeiten im (mehr oder weniger) stillen Kämmerlein wurde Corona-bedingt noch gesteigert. Um der Vereinsamung der religionswissenschaftlichen Erkenntnisbildung zu entkommen, wurde mit dem Mapping-Projekt eine Gelegenheit geschaffen, alte Verbindungen neu zu denken, neue zu schaffen und so an einer Kartierung des Gegenstandes und des Faches zu arbeiten. Diese wäre zwar auch schon vorher möglich gewesen, doch bedurfte offenbar des Anstoßes durch die alltägliche Dystopie. Vor diesem Hintergrund erinnert der vorliegende Beitrag an die grundsätzliche Unterscheidung und unausweichliche Gleichzeitigkeit von Karte und Territorium - Beschreibung und Gegenstand - die nicht nur der religionswissenschaftlichen Kartierung und Erkenntnisbildung notwendig innewohnt. The pandemic emptied the offices of the religious studies institutes and also created an increasingly empty space between private workrooms. The already widespread tendency to work solo in (more or less) quiet private workspaces has been increased due to the corona-crisis. In order to escape the one-sidedness of the religious studies knowledge formation, the mapping project created an opportunity to rethink old connections, to create new ones and thus to work on a mapping of the subject and the discipline. This would have been possible before, but obviously was fueled by the everyday presence of dystopia. Against this background, the present article reminds of the fundamental distinction and inevitable simultaneity of map and territory - description and object - which is not only inherent in mapping and knowledge formation in the field of religious studies