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Klimawandel und Insektenfauna : Heuschrecken und Tagfalter im Gletschervorfeld Morteratsch
Als unmissverständliches Zeichen des Klimawandels gelten die Rückzüge der Gletscher. Die Fläche, welche durch den Gletscherrückgang eisfrei wird, bietet eine einmalige Möglichkeit, die Neubesiedlung von Flora und Fauna zu untersuchen. Die Tagfalter- und Heuschreckenfauna wurde im Gletschervorfeld des Morteratschgletschers (Gemeinde Pontresina GR) untersucht. Dabei soll die Frage beantwortet werden, wie die Artzusammensetzung von Tagfaltern und Heuschrecken im Gletschervorfeld vom Alter der Eisfreiheit und der Vegetationsstruktur beeinflusst wird. Als Kartiermethode wurde ein Transekt gewählt. Für jeden Fund wurden folgende Vegetationsparameter in einem Umkreis von 10 m bzw. 5 m geschätzt: Gesamtdeckung Vegetation, Sträucher/Bäume, Kräuter/Gräser, offene Bodenstellen und Steine.
Das Gletschervorfeld wurde anhand der Gletscherstände in Schritten von 20 Jahren in Kategorien der Eisfreiheit eingeteilt (1-20, 21-40, 1-60, 61-80, 81-100, 101-120, >120 und Referenztransekt). Für jede Kategorie wurden Shannon-Index, Evenness, Artenzahl und Individuenzahl berechnet. Um die Ähnlichkeit der Artgemeinschaften für jede Kategorie der Eisfreiheit darzustellen und um zu analysieren, welche Arten mit welchen Vegetationsparametern assoziiert sind, wurde eine Principal Component Analysis (PCA) in R durchgeführt.
Im Gletschervorfeld wurden 35 Tagfalterarten mit 382 Individuen und 6 Heuschreckenarten mit 264 Individuen gefunden. Der Shannon-Index erreicht bei den Tagfaltern bei 61-80 Jahren Eisfreiheit seinen Höchstwert (2.56) und nimmt gegen ältere Kategorien wieder leicht ab. Bei den Heuschrecken ist der Shannon-Index auf dem Referenztransekt am höchsten (1.28) und im Gletschervorfeld treten nur zwei Arten dominant auf (Gomphocerus sibiricus, Podisma pedestris). Die PCA der Alterskategorien der Eisfreiheit ergab, dass ein Grossteil der Tagfalter mit den Kategorien 61-80 und 81-100 Jahren der Eisfreiheit assoziiert sind. Bei den Vegetationsparametern sind die Gesamtdeckung der Vegetation und Kräuter/Gräser am relevantesten. In den Jahren 1-20 der Eisfreiheit wurden keine Tagfalter/Heuschrecken gefunden.
Der Fund von 35 Tagfalterarten weist auf die hohe Diversität von alpinen Lagen hin. Tagfalter haben eine hohe Mobilität; das Fehlen in den Jahren 1-20 der Eisfreiheit ist also nicht dadurch zu erklären. Da das Vorkommen von Tagfaltern aber eng mit dem Blütenangebot verknüpft ist, ist davon auszugehen, dass dieses das Vorkommen im Gletschervorfeld bestimmt. Das Alter der Eisfreiheit dient demnach als grobe Einschätzung des Entwicklungsstadiums der Vegetation bzw. des Blütenangebotes. Gletschervorfelder sind bei steigenden Temperaturen besonders für kalt-adaptierte Tagfalter und Heuschrecken ein wichtiger Rückzugsort. Um die dafür wichtige floristische Vielfalt der Wiesenhabitate zu erhalten ist ein aktives Management notwendig, mit dem Ziel, das Einwachsen von Sträuchern/Bäumen zu verhindern. Für weiterreichende Aussagen über die mittelfristigen Auswirkungen des Klimawandels ist ein Monitoringprogramm in alpinen Regionen bzw. Gletschervorfeldern notwendig.The retreat of the glaciers is an unmistakable sign of climate change. The area that is becoming ice-free as a result of glacier retreat offers a unique opportunity to study the recolonization of flora and fauna. The butterfly and grasshopper fauna were studied in the glacier forefield of the Morteratsch glacier (near Pontresina GR). The aim of this study is to answer the question of how butterflies and grasshopper communities are influenced by the time of deglaciation and the vegetation structure. A transect was chosen as the sampling method. The following vegetation parameters were estimated for each find within a radius of 10 m or 5 m: total vegetation cover, shrubs/trees, herbs/grasses, open ground patches and stones.
The glacier forefield was divided into ice-free categories (1-20, 21-40, 1-60, 61-80, 81-100, 101-120, >120 and reference transect) based on glacier levels in 20-year increments. Shannon index, evenness, number of species and number of individuals were calculated for each category. A Principal Component Analysis (PCA) in R was performed to visualize the similarity of species communities for each ice-free category and to analyse which species are associated with which vegetation parameter.
In the glacier forefield, 35 butterfly species with 382 individuals and 6 grasshopper species with 264 individuals were found. The Shannon index for butterflies reaches its highest value (2.56) at 61-80 years of deglaciation and decreases slightly towards older categories. For grasshoppers, the Shannon index is highest on the reference transect (1.28). Only two species (Gomphocerus sibiricus, Podisma pedestris) were dominant in the glacier forefield itself. The PCA of the ice-free categories revealed that the majority of butterflies are associated with the categories 61-80 and 81-100 years of deglaciation. Among the vegetation parameters, total vegetation cover and herbs/grasses are the most relevant. No butterflies/grasshoppers were found in years 1-20 of deglaciation.
The butterfly species richness of 35 indicates the high diversity of alpine ecosystems. Butterflies are highly mobile, so their absence in years 1-20 of deglaciation cannot be explained by this. Since the occurrence of butterflies is closely linked to the availability of flowers, it can be assumed that this determines their occurrence in the glacier forefield. The age of deglaciation therefore serves as a rough estimate of the development stage of the vegetation and thus the availability of flowers. Glacier forelands are an important refuge for cold-adapted butterflies and grasshoppers in particular as temperatures continue to rise. To preserve the floristic diversity of meadow habitats, active management is necessary with the aim of preventing the encroachment of shrubs and trees. Sound statements about the effects of climate change are only possible with a monitoring program in alpine regions or glacier forefields
Exploiting the potential of photovoltaics on Swiss roof surfaces for systems commissioned from January 2023
Der vorliegende Bericht untersucht die Ausschöpfung des PV-Potenzials auf Gebäuden mit PV-Anlagen auf Dachflächen in der Schweiz, die im Jahr 2023 oder 2024 installiert wurden. Dazu wird die real gebaute Anlagengrösse jeweils mit der theoretischen Anlagengrösse verglichen, wobei die theoretische Anlagengrösse auf einer virtuellen Modulbelegung beruht. Es wurde eine Stichprobe von 150 Gebäuden untersucht, worauf sich 441 für PV geeignete Dachflächen befinden. Die Gebäude unterteilen sich in drei verschiedene Grössenkategorien anhand der potenziell installierbaren Nennleistung ( 150 kWp).
Die Ausschöpfung des Potenzials bei Anlagen mit Inbetriebnahme im Jahr 2023 oder 2024 unterschied sich zwischen den Grössenkategorien von Gebäuden stark: Auf Gebäuden mit einer potenziellen Nennleistung unter 30 kWp wurden die Potenziale durchschnittlich zu 93 % ausgeschöpft, wogegen die Ausschöpfung zwischen 30 und 150 kWp im Mittel bei 76 % lag. PV-Anlagen auf Gebäuden mit Potenzial über 150 kWp schöpften durchschnittlich 58 % des Potenzials aus. Es handelt sich hierbei um flächengewichtete Mittelwerte mit einem Fehlerbereich von ± 7.5 % (95 % Konfidenzintervall). Werden diese grössenspezifischen Ausschöpfungsgrade auf alle für PV geeigneten Dachflächen in der Schweiz übertragen, würde schlussendlich 79 % des Potentials umgesetzt. Dieser Wert ist wesentlich höher als eine vergleichbare Studie für die Jahre 2017 bis 2021 zeigte (damals 50 %).
Das gesamte PV-Potenzial auf Dachflächen in der Schweiz wird derzeit je nach Gebäudegrösse unterschiedlich stark genutzt. Bei Gebäuden unter 30 kWp sind mittlerweile 13 % des Potenzials erschlossen. Bei Gebäuden zwischen 30 und 150 kWp wird das Potenzial mit 8 bis 10 % noch weniger stark genutzt, wogegen das Potential für grössere Gebäude (> 300 kWp) schon zu 16 % ausgeschöpft wird. Gründe für die unterschiedliche Ausschöpfung des Potenzials werden in der Art der Gebäude vermutet. In der Kategorie zwischen 30 und 150 kWp befinden sich viele Wohngebäude mit drei oder mehr Wohnungen (teilweise Stockwerkeigentum), wodurch sich die Komplexität beim Bau und bei der Abrechnung des Stroms erhöht. Über alle Kategorien hinweg wird das Gesamtpotenzial der Schweiz mit den bis Mai 2025 gemeldeten Anlagen zu 11.6 % genutzt.
Auf den Gebäuden, die bisher noch über keine PV-Anlage verfügen, besteht ab 2025 ein verbleibendes PV-Potenzial von rund 56 TWh auf Dächern, wenn für zukünftige Anlagen ein Modulwirkungsgrad von 24% angenommen wird. Würden die Potenziale weiterhin ausgeschöpft wie zwischen 2023 und 2024, wäre damit voraussichtlich ein Potenzial von 44 TWh/a erschliessbar (zusätzlich zu den bis Mai 2025 bereits gemeldeten PV-Anlagen mit einer Ertragserwartung von 6.5 TWh/a). Damit wären die Zielwerte des Stromgesetzes in Bezug auf den Ausbau der neuen Erneuerbaren Energien theoretisch allein auf Dachflächen erreichbar. Ob dieser hohe Ausschöpfungsgrad gehalten werden kann, ist jedoch ungewiss: Seit 2025 haben die Rückliefertarife für PV-Strom tendenziell abgenommen und werden vermutlich weiter abnehmen. Damit wird erneut ein Anreiz für Anlagen mit hohem Eigenverbrauch geschaffen und kleinere Anlagen könnten tendenziell bevorzugt werden. Ausserdem stellt sich die Frage, ob PV-Anlagen zukünftig auf allen geeigneten Dachflächen in der Schweiz realisiert werden können. Individuelle Überlegungen von Gebäudebesitzenden (z.B. wirtschaftliche oder ideologische), raumplanerische Vorgaben oder bauliche Aspekte (Tragfähigkeit, Statik) usw. werden das realisierbare Potenzial reduzieren. Zuletzt müsste die Zubaurate der letzten Jahre kurzfristig stark gesteigert werden, damit die Zielwerte des Energiegesetzes für 2035 erreicht werden können
Dietary challenges and desired support strategies in patients with severe mental illness : insights from a qualitative focus group study
Objectives: Patients with severe mental illnesses (SMI), such as schizophrenia and depression, face significant challenges in maintaining healthy dietary habits. However, in practice, easily accessible and available options for nutritional support in psychiatric settings remain lacking. This study aimed to identify the specific difficulties faced by these patients and explore the types of support they find most beneficial.
Methods: Using a qualitative, participatory approach we conducted six focus groups with 4–9 patients from the Psychiatric University Hospital Zurich between September and December 2023. The interviews were guided by a pre-developed discussion guideline and analyzed using MAXQDA with qualitative content analysis based on Graneheim and Lundman’s approach. A deductive-inductive method was chosen for coding the transcripts.
Results: A total of 38 patients (50% female, 23–61 years, 92% with depression, 5% with schizophrenia, 3% did not state the diagnosis) described a range of difficulties related to meal preparation and cooking, emotional eating, and medical factors, all compounded by overarching problems regarding daily structure and feelings of resignation. Participants were open to a variety of support options, with preference for practical hands-on support from mental health professionals to help translate their knowledge into action (e.g. support with shopping or meal planning). Participants wanted to be actively asked about nutrition problems.
Discussion: The findings highlight the complex interplay of cognitive, emotional, and practical barriers to healthy eating in patients with SMI. There is a need for integrated nutritional support within psychiatric care, emphasizing the importance of practical, personalized, and proactive interventions
Fehlerannotation von DaF/DaZ-Texten : Einsatzmöglichkeiten der Korpora LeKoBe und LeKoDe-CH in der Forschung und der Ausbildung
Die subjektive Seite der Kriminalität : zur Entwicklung der Kriminalitätsfurcht und des Strafbedürfnisses in der Schweiz
Ontological representation of experiments in electrochemistry and synthetic chemistry
This talk presents a high-level abstraction model designed for the ontological representation of chemical experiments. Using two distinct and complex use cases, high-throughput electrochemical testing and automated organic synthesis, the presenters demonstrate how this model can capture diverse experimental scenarios. The primary goal is to engage the audience in a discussion to identify and address common challenges, as well as to pinpoint any gaps or weaknesses in the model
Equal mobility for all? Transactional perspectives on mobility for persons with disabilities in Switzerland
Community mobility matters for participation, health, and well-being. It is shaped by person-related, environmental, and activity-related factors that are deeply intertwined
Technoeconomic feasibility of integrated organics processing facilities with anaerobic digestion and composting : an analytical framework for regional Australia
To facilitate development of sustainable municipal organic processing in Australia, this research assessed feasibility and benefits of integrated composting and anaerobic digestion processing facilities. The paper reports on development of a decision support analytical framework for techno-economic feasibility of four different scenarios based on seven organic processing facility options with reference to a case study scenario in Southeast Queensland, Australia. Under the conditions of the case study entered into the techno-economic decision support framework, the following ideal outcome was recommended: Firstly, development of a new organics processing facility should consider integrated processing and co-location with a high energy consumer industry to maximise product value and economic benefits. Results show 28% improvement in financial returns over the single technology composting facility. Secondly, both new and existing composting facilities would benefit from receiving co-mingled food and garden organics for processing through a biogas facility. Although food made up just 37% of the feedstock, it was the largest source of methane, contributing 74% of the total gas yield. Lastly, facilities would benefit from implementation of biogas upgrading to sell biomethane and carbon dioxide alongside compost. Results revealed biomethane export has potential for a 77% financial gain over a compost facility but biomethane must be valued at retail values and will be more difficult to achieve. The current waste levy imposed by the local authority in the regional case study is key to providing incentive to divert organic waste from landfill, but suitable product pricing would drive further expansion to produce energy products
TRANSFER : Ausgabe 2/2025
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Supervised prehabilitation in patients scheduled for spinal surgery : a scoping review
Introduction: Prehabilitation before spinal surgery may enhance patients' ability to withstand physical and mental stress during the perioperative period. It has the potential to reduce complications, accelerate recovery, and deliver sustainable, patient-relevant improvements. However, high-quality evidence remains limited, and it is unclear which prehabilitation concepts, training protocols, and outcomes are most effective for different patient groups.
Purpose: To evaluate the current state of research on preoperative interventions before spinal surgery, including the representation of subgroups, types of surgical procedures, and prehabilitation concepts. Additionally, it examines the outcomes analyzed and the methodologies employed in existing studies.
Study design Scoping review based on a systematic literature search.
Methods A comprehensive database search in MEDLINE/PubMed, EMBASE (Ovid), CINAHL (EBSCO), Cochrane Library, Physiotherapy Evidence Database, Web of Science and Scopus was conducted. Exercise- and/or education-based prehabilitation concepts were identified, and findings were clustered and summarized according to PRISMA reporting standards.
Results Thirty-six reports from 23 studies (50% RCTs), evaluating prehabilitation programs in terms of feasibility, experiences, and effects on physical performance, self-reported function, pain, psychological outcomes and health-economic factors were included. These studies encompassed 2964 participants scheduled for spinal surgery and reported a wide range of preoperative interventions, settings, and adherence rates. Prehabilitation focused primarily on education (87%) and exercise (35%), either independently or in combination. Most authors have concluded that preoperative interventions benefit patients awaiting spinal surgery, particularly by improving self-reported function, disability, and pain in both the short and long term. However, the findings also highlight the variability in outcomes, strengths, limitations, and recommendations across studies. Notably, 76% of the authors advocated for preoperative preparation, emphasizing the importance of structured, personalized programs and the need for further large-scale clinical trials.
Conclusion Based on the current evidence, preparation for spinal surgery is recommended, provided that it is individualized, multimodal, and interdisciplinary, and addresses patients' specific impairments, resources, and expectations. Future research should focus on identifying subgroups defined by biopsychosocial risk factors that may influence short- and long-term perioperative outcomes