Blick in die Wissenschaft
Not a member yet
146 research outputs found
Sort by
"Ich bin schwarz und dennoch bin ich schön.": Quantentechnologie für das 21. Jahrhundert
Die Quantenwelt ist faszinierend anders. Teilchen sind in ihr wie Wellenkämme; sie bewegen sich in fester Materie fort wie auf einem Ozean, der von den vielen anderen Teilchen gebildet wird. Und ganz wie die Wasserwelle in einem Teich oder die Radiowelle inmitten der Großstadt, so werden auch Teilchenwellen an Hindernissen gestreut, sie überlagern sich und bilden Muster. Diese Interferenz ist ein Markenzeichen der Quantennatur jeder Materie. Freilich ist die Entfernung zweier Wellenberge, die „Wellenlänge“, sehr gering. Für die Ladungsträger in fester Materie, die Elektronen, entspricht sie typischerweise ein Promille der Wellenlänge des Lichtes. Daher ist die Quanteninterferenz experimentell nur schwer aufzuspüren. Infolgedessen sind Quanteneffekte in Materie bisher nur unter Laborbedingungen direkt zu beobachten, d. h. für tiefe Temperaturen und sehr kleine Proben
Dramatische Vergegenwärtigung im öffentlichen Raum: Zur liturgischen Symbolik des Palmsonntags
Die meisten Feste christlicher Liturgie verstehen sich als Vergegenwärtigung biblischer Geschichte. Es ist allerdings nicht selbstverständlich, dass dies in spielerischer Dramatisierung narrativer Texte geschieht. Das nach der Konstantinischen Wende aufblühende Pilgerwesen an die Heiligen Stätten in Jerusalem und Umgebung hat maßgeblich zu einer Spiritualität des Nachvollzugs „passend zu Zeit und Ort“ beigetragen. In der Performanz liturgischen Feierns wurden Chronologie und Topographie des biblischen Geschehens rasch auch andernorts repräsentiert. Mit ihrer öffentlichen Präsenz und ihrer reichen und überaus dynamischen Symbolik wurden die charakteristischen Feiern des liturgischen Jahres nicht nur gesellschaftlich relevant und kulturgeschichtlich produktiv; sie sind auch eine bevorzugte Quelle liturgischer Theologie genauso wie ein Spiegel von Tendenzen populärer Praxis. Dabei ist häufig eine zunehmende Partikularisierung und Materialisierung der Frömmigkeit festzustellen. Neben dem städtischen Raum und den künstlerischen Ausdrucksformen stellen insbesondere die Prozessionsgesänge einen noch lange nicht gehobenen Schatz interdisziplinärer Forschung dar, die an der Universität Regensburg lange Traditionund im Forum Mittelalter einen privilegierten Kontext hat
Das Konzentrationslager - das ganz Andere? Geschichtsbild, Wahrnehmungsprozesse und die Literatur der Überlebenden
Die Konzentrationslager des NS-Regimes erscheinen zumeist als das ganz Andere − Sonder-Orte jenseits der Gesellschaft und jenseits des Begreifbaren. Diese Wahrnehmung hat viele Gründe: Strukturen, zeitliche Entwicklungen und Sachverhalte sind sehr kompliziert und je nach Lager anders. Gewalt trat darin so massiv und ungezügelt auf, dass es emotional schwierig ist, sich mitdiesem Teil der Geschichte zu befassen. Abwehrbewegungen aufgrund von Schuldgefühlen kommen hinzu. Auch besteht zu kollektiver Gewalt eher Distanz, da der individuelle Anknüpfungspunkt fehlt. Sind nicht die Vorstellungen von KZ-Haft primär durch Bilder gleich aussehender, ausgemergelter Gestalten in gestreifter Kleidung geprägt? Die Literatur der Inhaftierten hat hier eine eigene Bedeutung: Sie eröffnet die Möglichkeit, individuelle Erfahrungen nachzuvollziehen und Vorgänge im Detail zu verstehen. Die Sichtung und Analyse französischer Berichte zum KZ Flossenbürg hat in diesem Zusammenhang u. a. zum Ziel zu untersuchen, welche Funktionen Erinnerungsliteratur für das Geschichtsbild hat, auch für die Vorstellung des Ausnahmecharakters von Konzentrationslagern. Recherchen, Analysen und Kontextualisierung geschehen dabei in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürgund deren Leiter Dr. Jörg Skriebeleit
Auskommen und Vorratshaltung seit dem Mittelalter: Die Rechnungsbücher des Regensburger St. Katharinenspitals
Eine Auswertung der in ihrer Art einzigartigen Rechnungsbücher des St. Katharinenspitals wird erlauben, weitaus zuverlässiger Entwicklungslinien des Lebensstandards in der süddeutschen Region nachzuzeichnen, als dies bislang möglich erschien. Themengebiete sind geschichtswissenschaftliche Fragen wie die Entwicklung der Löhne und Preise, der materielle Lebensstandard über die Berechnung von Reallöhnen, die schichtenspezifische Einkommensverteilung etwa im Vergleich von Tagelöhnern, Handwerkern, Schreibern und Führungskräften, Schuldverhältnisse, die personelle Vernetzung des Spitals mit Stadt und Umland, fortschreitende Bürokratisierung, Rechnungslegung als Informations- und Kommunikationsmittel oder auch Ausbildung und sozialer Status der Schreiber. Die für Regensburg zu erhebenden Preise erlauben in Kombination mit denen für andere Orte detaillierte Untersuchungen z. B. zu Preisdifferenzen und Marktintegration, also zunehmender (über)regionaler Verflechtung – auch dies Themen, die in der internationalen wirtschaftshistorischen Forschung derzeit sehr aktuell sind. In Verbindung mit narrativen Quellen wie z. B. der Korrespondenz zwischen dem Spitalmeister und dem Kastenbereiter, Protokollen, Chroniken und Ähnlichem, ermöglichen die Rechnungsbücher des St. Katharinenspitals, die Erwartungsbildung der Verantwortlichen nachzuvollziehen und Erfolg bzw. Misserfolg ihrer Planungen anhand der dokumentierten Folgen abzulesen
Aufstand der Ausgegrenzten oder Suche nach Sinn? Westliche Dschihadisten und ihre Motive
Die Terrorismusforschung ist seit 2001 zu einem der dominantesten Zweige in der Politikwissenschaft geworden. Neben der politischen Geschichte und der Binnensoziologie terroristischer Organisationen sind früh auch die individuellen Motive für das Engagement in entsprechenden Gruppen untersucht worden. Jenseits von Metabegründungen wie Sinnsuche sind der Rachesucher, der Status- bzw. Identitätssucher und der Thrill-Sucher die am häufigsten auftretenden Idealtypen. Unabhängig von ideologischem Zuschnitt und historischen Entstehungsumständen unterscheiden sich die Gründe für den Beitritt zu terroristischen Gruppen aber nicht wesentlich von anderen Formen abweichenden Sozialverhaltens
Der Wald vor lauter Bäumen: Aristoteles, Sophokles und die Wirtlichkeit
Die modernen Wirtschafts- und Politikwissenschaften gründen in der immer ausschließlicher unhinterfragten Annahme, wonach es ihre leitende Aufgabe sei, ein Wissen zur Regelung und Steuerung ökonomischer und politischer Prozesse bereitzustellen. Dagegen halten philosophische und dichterische Texte der Antike ökonomisches und politisches Wissen bereit, dessen vorrangiges Ziel es ist, überhaupt auszuloten, was als ökonomisch und politisch gelten darf. Obwohl oder vielleicht gerade weil sich die dabei zutage tretenden antiken Auffassungen von Ökonomie und Politik als unzeitgemäß erweisen, können sie dem heutigen ökonomischen und politischen Denken und Handeln – und nicht nur ihnen – einen Anhalt bieten zur Besinnungauf ihre Grundannahmen. Dahingehend wollen die folgenden zwei Beispiele aus der antiken griechischen Philosophie und Dichtung einen gegenüber weiten Teilen der Moderne grundsätzlicheren, wirtlich zu nennenden Sinn des ökonomischen und politischen Wissens vorstellen
Panta rhei: Wie wir chemische Reaktionen verstehen und beschreiben
Veränderung ist die einzige Konstante im Universum und so auch in der Chemie. Denn Chemie ist die Wissenschaft der stofflichen Umwandlung, einerseits in der Natur, andererseits in der gezielten Synthese von Verbindungen, wie sie in Materialien, Werk- und Wirkstoffen gebraucht werden. Das zielgerichtete Design dieser verschiedenartigen Strukturen beruht dabei auf empirisch hergeleiteten Modellen, die nicht nur eine retrospektive Erklärung der beobachteten Phänomene liefern, sondern insbesondere Vorhersagen über die zu erwartenden Produkte ermöglichen sollen. Die Modelle, die sich in der Chemie etabliert haben, sind außerordentlich mächtige Werkzeuge. Und dennoch: Sie sind nicht omnipotent, denn sie beschreiben in den seltensten Fällen die Reaktivitäts-Selektivitätsfragen einer Experimentalreihe in Gänze. Es scheint immer das berüchtigte „eine Experiment zu viel“ zu geben, das den bis dahin beobachteten Trend zu stören scheint. Mit dem Einzug immer empfindlicherer Messmethoden und verbesserter Algorithmen in die Computerchemie treten die Grenzen der etablierten, empirischen Modelle nicht nur immer deutlicher zu Tage, sondern es eröffnet sich auch die Chance, die physikalischen Grundlagen der abweichenden Ergebnisse zu verstehen. Wir sind daran interessiert, mit Hilfe der Methoden der modernen physikalisch-organischen Chemie genau diese Grenzen zu identifizieren, zu charakterisieren und in Form verbesserter Modelle zu verschieben. Dabei ist ein Aspekt von besonderer Bedeutung: die Dynamik der Moleküle. Was genau darunter zu verstehen ist, und wie man vorgeht, um ein Reaktionsgeschehen „einzufangen“, skizziert dieser Beitrag.Change is the only constant in the universe as well as in chemistry: Chemistry is the science of material transformation, on the one hand in nature, on the other hand in the targeted synthesis of compounds, as they are needed in materials, materials and active ingredients. The purposeful design of these diverse structures is based on empirically derived models, which not only provide a retrospective explanation of the observed phenomena, but in particular make predictions about the expected products possible. The models that have established themselves in chemistry are extraordinarily powerful tools. Nevertheless: They are not omnipotent, because they rarely describe the reactivity-selectivity issues of an experimental series in their entirety. There always seems to be the infamous "one experiment too much" that seems to disturb the trend observed so far. With the advent of more sensitive measurement methods and improved algorithms in computational chemistry, the boundaries of established, empirical models are not only becoming increasingly apparent, but also opening up the opportunity to understand the physical fundamentals of divergent outcomes. We are interested in using the methods of modern physico-organic chemistry to identify, characterize and shift these boundaries in the form of improved models. One aspect of particular importance is the dynamics of the molecules. This article outlines what exactly is meant by this and describes how to proceed to capture a reaction
Blick in die Wissenschaft 38: Forschungsmagazin der Universität Regensburg
Heft 38 unseres UR-Forschungsmagazins informiert unter anderem über die Neurobiologie von Stress und Angsterkrankungen: Mehrere Autorinnen und Autoren des UR-Graduiertenkollegs Neurobiology of Emotion Dysfunctions sind in Beiträgen zum Thema vertreten. Außerdem erfahren Sie Interessantes zu digitalem Papier, den »Jägern verlorener Schätze«, zur Bedeutung von Feinmotorik und kognitiver Entwicklung von Kindern, zu Strategic Litigation, zu chemischen Prozessen, über Heideggers Schwarze Hefte und die Echte Arnika.
Der elektronische Zugang für Studierende und Mitglieder der Universität Regensburg ist kostenfrei; externe Interessierte können beim Universitätsverlag eine kostenpflichtige Version erwerben. Die Printversion können Sie hier bestellen
Filmreife Festkörperforschung: Wie mit Supercomputern neue Materialien für Solarzellen entdeckt werden
oai:ojs.pkp.sfu.ca:article/2Die Entdeckung neuer Materialien war schon immer eng mit technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verknüpft. Die Einteilung der Urgeschichte in Stein-, Bronze- und Eisenzeit, also jener Materialien, welche die Menschheit für Werkzeuge und Waffen genutzt hat, ist ein Beispiel dafür. Unsere Ära wird oft als das Silizium-Zeitalter bezeichnet, weil Silizium essentiell für die Entdeckung und Entwicklung elektronischer Bauteile wie Transistoren war, auf welchen die gesamte Informationstechnologie basiert. Silizium spielt auch immer noch eine wichtige Rolle in der Entwicklung von Solarzellen, welche Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln können. Weltweite Forschungsbestrebungen sind heute darauf ausgerichtet, neue Materialien zu entdecken, um diese Zellen effizienter zu machen, indem man also mehr Energie aus dem Sonnenlicht gewinnt. Diese Suche nach neuen Materialien wird unter anderem durch quantentheoretische Berechnungen mit hochparallelen Supercomputern vorangetrieben: riesige, ganze Hallen füllende Hightech-Geräte, mit denen aller Voraussicht nach schon bald Filme von atomaren und elektronischen Prozessen auf der Nanoskala aufgenommen werden
Gott und die Welt: Forschung im internationalen Spitzenbereich an der Universität Regensburg
Mit der Gründung der Universität Regensburg vor etwas mehr als 50 Jahren war der Auftrag verbunden, die damals drei existenten bayerischen Landesuniversitäten in München, Erlangen-Nürnberg und Würzburg zu entlasten und gleichzeitig die Begabungsreserven des ostbayerischen Raums zu erschließen. Von Anfang an war es jedoch nicht das Ziel, eine Universität mit lediglich regionaler oder nationaler Ausrichtung zu schaffen, sondern einen Standort mit internationaler Strahlkraft für Spitzenforschung und forschungsbasierte Lehre aufzubauen. Dabei wurde der Universität eine stark forschungsorientierte Ausrichtung bereits in ihren Anfängen von Prof. Hansjochem Autrum, dem damaligen Vorsitzenden der Hochschulplanungskommission in Bayern und Vizepräsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), in die Wiege gelegt. Es entwickelten sich in den Folgejahren vielfältige und vertrauensvolle Beziehungen zwischen der DFG und der Universität Regensburg. „Gott und die Welt sind ihre Forschungsfelder“, stellte Hubert Markl, damaliger Präsident der DFG, in seinem Grußwort zur 25-Jahrfeier des Gründungsbeschlusses fest. Daraus haben sich bis heute eine Reihe exzellenter Forschungsfelder entwickelt, die hier kurz vorgestellt werden sollen. Besonders erwähnenswert sind dabei die strukturbildenden und wettbewerblich eingeworbenen Fördermittel, beispielsweise aus Förderprogrammen der Europäischen Union, der DFG mit ihren Sonderforschungsbereichen, Forschungsgruppen und Graduiertenkollegs sowie herausragende wissenschaftliche Preise. Zusammen mit der Entwicklung der außeruniversitären Forschung am Standort belegen sie exemplarisch den bisherigen Werdegang der Forschungsaktivitäten an der noch immer jungen Universität Regensburg. Sie weisen aber auch auf Weichenstellungen hin, die die Universität Regensburg als modernen, forschungsstarken und national wie auch international angesehenen und gesuchten Partner weiterentwickeln und stärken sollen