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Akzeptanz von Vielfalt im Unterricht fördern
Die Heterogenität in den Schulklassen hat in den letzten Jahren zugenommen. Darin steckt eine immense Herausforderung für die Lehrkräfte. Doch sie können einiges tun, um die Haltung aller Beteiligten sowie ihre Kompetenzen zum Umgang mit Vielfalt zu verbessern
Literarisches und wissenschaftliches Schreiben: Potenziale und Wechselwirkungen – zur Einführung
Beim Schreiben kann man alles falsch, aber nie alles richtig machen. Im literarischen und wissenschaftlichen Schreiben sind Regeln wichtig, aber vielmehr noch die Kreativität. Auch ein Fachtext erzählt, und ein Roman antwortet auf Fragen. Betreuende von wissenschaftlichen Arbeiten, Schreibcoachs und Lektor*innen zeigen in ihren Beiträgen, dass kreatives Schreiben in allen Formaten ein unverzichtbares Denk-, Lern- und Ausdrucksinstrument ist. - In der Einführung werden die Wechselwirkungen ausgelotet
Entwicklung multiprofessioneller Kooperation in Ganztagesschulen – ein Aushandlungsprozess über die Zeit
Die qualitative Längsschnittstudie untersucht die Entwicklung multiprofessioneller Kooperation in drei gebundenen Ganztagesschulen über zwei Jahre. In diesem Prozess sind formelle und informelle Kooperationsgefäße unabdingbar. Der Vergleich der Gruppendiskussionen zeigt, dass Aushandlungsprozesse in den Schulen stattfinden und die Zuständigkeiten im sozialen Kontext konstruiert werden. Alle Teams entwickeln eine eigene Form der multiprofessionellen Kooperation und die Ausdifferenzierung der Zuständigkeiten sowie die gemeinsame Orientierung variieren je nach Standort. Stabilität in den institutionellen Rahmenbedingungen sowie zeitliche Ressourcen können die Entwicklung multiprofessioneller Kooperation entscheidend mitbestimmen.The qualitative longitudinal study examines the development of multi-professional collaboration in three all-day schools over a period of two years. In this process formal and informal opportunities for collaboration are indispensable. The comparison of the group discussions shows that different negotiation processes take place in the all-day schools and that responsibilities are constructed in the social context. All teams develop their own form of multiprofessional collaboration and the differentiation of responsibilities as well as the common orientation vary depending on the all-day school. Stability in the institutional framework and time resources can have a decisive influence on the development of multiprofessional collaboration
Schulversuch Spitalacker: Fünf Lektionen am Vormittag
Schweizweit wurden die allgemeinen Blockzeiten im Rahmen des HarmoS-Konkordats vereinheitlicht. Der Kanton Bern hat sie zusätzlich im Volksschulgesetz verankert. Die kantonale Gesetzgebung bein-haltet den Vormittagsunterricht von vier Lektionen und je nach Alter der Schüler*innen unterschiedlich viel Nachmittagsunterricht. Im Rahmen des «Schulversuchs Spitalacker – 5-Lektionen am Vormittag» wurden per Schuljahr 2020 die Unterrichtszeiten von 08.00 bis 12.15 Uhr am Vormittag für alle Schul-stufen vereinheitlicht. Diese Veränderung führte dazu, dass sich der Vormittag insbesondere für die Kinder des Zyklus 1 (Kindergarten-2.Klasse) um eine Lektion verlängert und der Nachmittagsunterricht wegfällt. Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive ist zu erwarten, dass solche strukturellen An-passungen intendierte und nicht-intendierte Folgen auf unterschiedlichen Ebenen haben (Strategie, Struktur & Kultur). Zum Beispiel könnten vor allem die jüngsten Schüler*innen unter Müdigkeit, Kon-zentrationsschwäche und Erschöpfung leiden. Gleichzeitig müssen die Gestaltung des Unterrichts, die eingesetzten Sozialformen und Pausenzeiten an die neuen Blockzeiten angepasst werden.
Das Forschungsteam der PHBern begleitete im Auftrag der Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern (BKD) dieses schulstandort-spezifische Reformvorhaben über den Zeitraum von zwei Jahren. Mit einer Fragebogenerhebung bei Schüler*innen, Eltern und Lehrpersonen (3 Erhebungszeitpunkte) und deren quantitativen Auswertung, wurde Grundlagenwissen geschaffen, um beurteilen zu können, in-wiefern sich Aspekte des Erlebens des Schulalltags – zum Beispiel hinsichtlich Lernfreude und Wohl-befinden – verändern. Zudem wurden in strukturierten Gruppeninterviews mit Vertreter*innen des El-ternrats und der Lehrpersonen die Chancen und Herausforderungen jährlich (2 Erhebungszeitpunkte) vertieft diskutiert.
Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass die Anpassung der Blockzeiten in der Schule ein strategi-scher Entscheid von Schulleitung und Elternrat war, um die schon laufenden Entwicklungen der Schule zu unterstützen. Dazu gehören die Einführung der Basisstufe mit Ankommenszeit für die Schüler*innen des Zyklus 1, Aufhebung der 5-Minuten-Pausen, die Einführung des Churer-Modells sowie die Eröff-nung von Ganztagesschulklassen am Standort. Die Lehrpersonen stellen in den ersten zwei Jahren nach der Anpassung der Blockzeiten positive Veränderungen des Unterrichts und des Lernens der Schüler*innen fest. Sie begrüssen, dass sich die strikte Aufteilung in 45-Minuten Lektionen durch die neue Strukturierung des Stundenplanes aufweicht und die Schüler*innen länger an einem Thema ar-beiten können. Für die Eltern wurde vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert. Je-doch beklagen einige, dass neu die Nachmittagsbetreuung zusätzlichen Kosten für die Familie verur-sacht. Die befragten Schüler*innen schliesslich sind mit den angepassten Blockzeiten grundsätzlich zufrieden: Sie gehen gerne in die Schule und vor allem die Älteren freuen sich über den späteren Unterrichtsstart. Zu bedenken ist, dass die Müdigkeit der Kinder im Zyklus 1 vor dem Mittag über die drei Erhebungszeitpunkte zunimmt. Die Daten weisen auch daraufhin, dass sich in der Zeit von 2020 bis 2022 die Kinder mit diesen Unterrichtszeiten von Messzeitpunkt zu Messzeitpunt zunehmend weni-ger gut am Mittag erholen können. Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Evaluation des Schulversuchs «5-Lektionen am Vormittag» auf, dass die Veränderung aus Sicht aller Akteur*innen nach den beiden Einführungsjahren gut verankert ist und für viele Anfangsschwierigkeiten bereits Lösungen gefunden wurden. Diese Anpassung der Blockzeiten ist als ein umfassendes Schulentwicklungsvorhaben zu verstehen, das im Kontext der hier beschriebenen Schule durchaus als erfolgreich bezeichnet werden kann. Herausforderungen hinsicht-lich Kosten, Angebot und Erholungsmöglichkeiten der Kinder müssen weiter beobachtet und entspre-chende Massnahmen ergriffen werden
Erfassung grafomotorischer Fähigkeiten im schulischen Kontext Erweiterung des Screenings GRAFOS für die erste und zweite Schulklasse
Zusammenfassung: Grafomotorische Fähigkeiten sind zentral für das Erlernen einer leserlichen und automatisierten Handschrift und für schulischen Erfolg. Mit dem grafomotorischen Screening GRAFOS1 (Sägesser & Eckhart, 2016) können die zentralen Prädiktoren der Grafomotorik – visuomotorische Integration und Feinmotorik – anhand der Genauigkeit, mit der geometrische Formen abgezeichnet werden, erfasst werden. Das Ziel war es, das Screening um fünf komplexere Formen zu erweitern. Das Screening soll dadurch einerseits Anwendung finden in der Verlaufsdiagnostik von älteren Kindern, andererseits eine zuverlässige Erfassung interindividueller Unterschiede im gesamten Leistungsspektrum ermöglichen. Anhand einer Stichprobe von N = 474 Kindern im Alter von 6–9 Jahren wurden die zentralen Testgütekriterien des erweiterten Screenings untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schwierigkeit des Screenings erhöht werden konnte und visuo- und feinmotorische Fähigkeiten im gesamten Leistungsspektrum objektiv, reliabel und valide erfasst werden können. Die Identifikation von Kindern mit grafomotorischem Förderbedarf anhand des erweiterten Screenings wird in einer aktuellen Normierung an einer repräsentativen Stichprobe differenziert untersucht.Abstract: Graphomotor skills are crucial to acquiring legible and fluent handwriting and are closely related to early academic achievement. The graphomotor screening GRAFOS (Sägesser & Eckhart, 2016) measures children’s visuomotor integration and fine motor skills – the central predictors of graphomotor skills – by evaluating the accuracy of copies of different geometric shapes. This study extends the current GRAFOS Screening by five more complex shapes to make it applicable for follow-up diagnostics in older children and for reliably measuring interindividual differences at all performance levels. We investigated test statistics (objectivity, reliability, and validity) and item statistics of
the extended GRAFOS Screening in a sample of N = 474 children aged 6–9. The results confirmed the intended increase of difficulty of the Screening and indicated promising item and test statistics in 1st- and 2nd-grade children. Children with graphomotor and psychomotor difficulties performed significantly lower on the Screening, indicating the potential to identify children with graphomotor difficulties in 1st and 2nd grades. Further, we investigate the identification of children with graphomotor difficulties in more depth in an ongoing standardization study of the extended GRAFOS Screening
Offenheit der Aufgabenstellungen und Strukturiertheit des Unterrichts im Technischen Gestalten
Gemeinsam vom Einsatz digitaler Medien in Kitas profitieren. Was Inklusion, Heterogenität und Chancengerechtigkeit mit digitalen Medien zu tun haben
Immer mehr Kinder mit Behinderungen haben die Möglichkeit, eine Regelkita zu besuchen; oft nutzen diese Kinder digitale Hilfsmittel zur Unterstützung. Dadurch werden digitale Medien in den Kitas präsenter. Die MEKiSmini-Studie zeigt, dass Fachpersonen aus Kitas, die 20 und mehr Prozent Kinder mit Behinderungen begleiten, gegenüber digitalen Medien aufgeschlossener sind als Mitarbeitende aus anderen Kitas; davon profitieren auch Kinder ohne Behinderungen. Werden digitale Medien in Kitas auch in der Arbeit mit den Kindern und den Eltern zum Thema, wirkt dies der Benachteiligung von Kindern aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien entgegen. Bewusst eingesetzt können digitale Medien einen Beitrag zur Inklusion aller Kinder leisten
«Ich hatte einen Aha-Effekt». Berns Kindergärtnerinnen und ihr Kampf um bessere Entlohnung
Der Beruf der Kindergärtnerin hat sich in den letzten 40 Jahren stark verändert. Von einem reinen Frauenberuf mit geringer Besoldung und einer freiwilligen Bildungsstufe bis hin zur Integration in das obligatorische Volksschulsystem haben weitreichende Veränderungen stattgefunden. Man kann diese Veränderungen als eine erfolgreiche Umsetzung einer «pädagogischen Vision»1 beschreiben. Man kann sie aber auch als einen harten Kampf der Kindergärtnerinnen um gesellschaftliche und bildungsadministrative Anerkennung, um berufliche Unabhängigkeit und um die Sprengung geschlechterspezifischer Ungerechtigkeiten beschreiben.
Der hier vorliegende Beitrag zeichnet den politischen Kampf um eine bessere Besoldung der Berner Kindergärtnerinnen nach. In einem ersten Teil wird die geschlechterspezifische Ausformung des Berufes in der Deutschschweiz skizziert, um danach den Besoldungs-Kampf der Kindergärtnerinnen in verschiedenen Kantonen zu beschreiben. Kernstück des Artikels ist ein Interview mit Myriam De Jesus, die 2003/4 öffentlich wirksam für bessere Löhne für die Berner Kindergärtnerinnen kämpfte. Sie war wohl zum richtigen Moment am richtigen Ort und konnte als junge Frau dann den Erfolg feiern, für den viele Frauen seit den 1960er-Jahren gearbeitet und gekämpft hatten. Eine kurze Analyse zu den Auswirkungen dieses bildungspolitischen Kampfes runden den Beitrag ab
If the party is good, you can stay longer—effects of trait hedonic capacity on hedonic quantity and performance
Research suggests that people’s capacity to successfully pursue hedonic goals is at least as important for well-being as trait self-control. Extending this research, we tested whether trait hedonic capacity is related to more time spent with hedonic goal pursuit (i.e., hedonic quantity) and whether this explains its positive relationship with well-being. Second, we explored whether this may come at a cost for people’s performance. Results show that people with higher trait hedonic capacity do spend more time with hedonic goal pursuit (Study 1 and 2). However, hedonic quality not hedonic quantity accounts for its positive relationship with well-being. Further, people higher vs. lower in trait hedonic capacity perform equally well in their studies (Study 2) and their jobs (Study 3 and 4). Thus, trait hedonic capacity seems to allow people to invest more time into their hedonic goals in a way that does not jeopardize their academic and job performance