Publikationsserver der PHTG (Pädagog. Hochschule Thurgau)
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Informelles Lernen und heimliches Curriculum in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung
Neben Lerngelegenheiten, die infolge der offiziellen Rahmenbedingungen und Regelungen zur Lehrpersonenbildung angeboten werden, zeigen sich implizite, von den Akteurinnen und Akteuren selbst initiierte Lernprozesse (informelles Lernen) oder auch ihnen unbewusste, institutionelle und individuelle Intentionen innerhalb des Systems (heimliches Curriculum). Linien bislang in der Forschung nur wenig bearbeiteter Aspekte werden aufgespürt, der Forschungsstand resümiert und Perspektiven aufgezeigt
Die Rolle der Lehrer-Schüler-Beziehung in der Motivation von Schüler:innen: Ein vergleichender Ansatz zu Tipkers Beziehungsmodellen und Loosers Konzept der motivationalen Unterstützung
Die vorliegende Masterarbeit untersucht wie vier historisch hergeleitete Modelle der LehrerSchülerBeziehung die Lernmotivation das Engagement und die Selbstwirksamkeit von Jugendlichen der Sekundarstufe I beeinflussen Ausgangspunkt ist die Leitfrage Wie beeinflussen die verschiedenen Modelle der LehrerSchülerBeziehung die motivationale Unterstützung und das Engagement der Schülerinnen und Schüler Die Arbeit folgt einem qualitativvergleichenden Vorgehen zur Beantwortung dieser Frage Es wird die Auswertung von acht Kerntexten die normative Theorien MetaAnalysen und mikrointeraktionale Studien kombinieren inkludiert Für die Forschungsfragen relevante Passagen wurden paraphrasiert axial kodiert und quellenübergreifend verglichen um dadurch Muster herauszuarbeiten Zu den Hauptergebnissen gehören dabei (a) die Interpretation des PartnerschaftsModells als Motivationsantrieb Nur dieses Modell bedient Autonomie Kompetenz und Eingebundenheit gleichzeitig und erzielt dadurch die höchste Selbstwirksamkeit Tiefenmotivation und aktive Beteiligung (b) Die Interpretation der professionellen Distanz als Steuerkomponente Distanz wirkt nicht beziehungshemmend sondern verstärkend Wo Lehrpersonen klare Rollengrenzen wahren steigt der motivationale Ertrag des PartnerschaftsModells fehlt Distanz erodieren Struktur und Engagement (c) Warm demanding fungiert als vermittelnder Mechanismus Hohe Leistungserwartungen können nur dann einen positiven Effekt auf die Selbstwirksamkeit ausüben wenn sie in ein warmes respektvolles Klassenklima eingebettet sind die autoritäre Führung ohne Wärme wird kontrollierend erlebt (d) Passung bestimmt Tiefenmotivation Lernende zeigen Tiefenmotivationbasierte Herangehensweisen nur dann wenn das erlebte Beziehungsmodell ihren individuellen Präferenzen entspricht Fehlpassung führt zu oberflächlichem Lernen oder Rückzug Aus diesen Ergebnissen werden Implikationen für die Praxis abgeleitet Sie legen nahe dass (a) Beziehungsarbeit als professionelle Kernkompetenz verstanden werden muss Lehrpersonen sollten ihr Beziehungsangebot regelmässig gemäss den drei psychologischen Grundbedürfnissen analysieren und anpassen (b) Distanz und Wärmesignale sollten bewusst ausgeglichen eingesetzt werden um eine glaubwürdige autoritative Präsenz aufzubauen (c) Warm demanding Strategien müssen gezielt trainieren das 2-3-3-Raster von Eckstein und Wettstein einsetzen um Beziehungsklima Regelklarheit und kognitive Aktivierung systematisch zu beobachten und zu überprüfen
Wissen vs. Glauben: Was Kinder unter diesen Konzepten verstehen und wo sie den Unterschied sehen
Diese Arbeit setzt sich mit Wissen und Glauben auseinander. Es wird sich die Frage gestellt, wie Kinder diese beiden Konzepte definieren. Im Zuge dessen wird auch nach dem Unterschied der beiden Konzepte gefragt. Für die Beantwortung dieser Fragestellung wird sich der qualitativen Forschungsmethode bedient. Mit dieser können die Aussagen der Kinder optimal in den Fokus genommen werden. Ausgehend von einer Literaturrecherche wird der Interviewleitfaden für ein problemzentriertes Interview erstellt. Mit diesem Leitfaden werden Kinder aus der dritten Klasse befragt. Die Interviews werden transkribiert und mit der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Aus der Datenerhebung und -auswertung geht hervor, dass Kinder Wissen als etwas Sicheres betrachten und Glauben im Gegensatz dazu etwas Unsicheres ist, welchem vertraut werden muss. Der Unterschied zwischen den beiden Konzepten sehen die Kinder klar in der Sicherheit der Information. Dies steht im Kontrast zur Literatur, in welcher Wissen und Glauben nicht vollständig voneinander getrennt werden können
Raum der Zugehörigkeit - Wie Erstklasskinder im Churermodell Zugehörigkeit erleben und gestalten: Im Rahmen der Studienpartizipation des Forschungsprojekts «Zugehörigkeit in der Kindheit»
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Kinder, die nach dem Churermodell unterrichtet werden, Zugehörigkeit im Schulalltag herstellen und inwiefern der Raum dabei eine unterstützende Rolle spielt. Aufbauend auf theoretischen Konzepten zu Zugehörigkeit als dynamischen, sozialen und räumlich gebundenen Prozess wurde eine empirische Untersuchung im Rahmen des Projekts «Zugehörigkeit in der Kindheit» durchgeführt. Zwei Erstklasskinder wurden über mehrere Monate mittels teilnehmender Beobachtung begleitet. Die erhobenen Feldnotizen wurden nach dem Prinzip der Grounded Theory ausgewertet. Dabei wurden drei zentrale Kernkategorien identifiziert: Zugehörigkeit im Klassenzimmer, Raum als Strukturgeber für Zugehörigkeit und Übergänge als Zugehörigkeitsmechanismus. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder Zugehörigkeit insbesondere über verbale und nonverbale Interaktionen wie Sprache, Blickkontakt und Nähe herstellen, jedoch auch Ausschlüsse und das Grenzen setzen erfahren. Der Raum, insbesondere Elemente wie der Kreis, der Beratungstisch und die freie Wahl des Arbeitsplatzes, bieten wichtige Bezugspunkte für Zugehörigkeit und ermöglichen es den Kindern, aktiv über Zugehörigkeit zu entscheiden. Die Studie zeigt auf, dass das Churermodell durch seine Struktur Zugehörigkeit fördert. Gleichzeitig bleiben Fragen offen, welche konkreten räumlichen Gestaltungsmerkmale Zugehörigkeit im schulischen Kontext besonders fördern oder behindern
Welche Präkonzepte zum NoS-Aspekt Kreativität haben Kinder im 2. Kindergartenjahr?: Conceptual Change im Kontext von Natur, Mensch, Gesellschaft
In dieser Arbeit werden die Präkonzepte von Kindern im zweiten Kindergartenjahr zum NoS-Aspekt Kreativität untersucht. Ziel ist es, zu erfassen, welche Vorstellungen Kinder in diesem Alter sowohl vom Kreativitätsbegriff im Allgemeinen als auch von Kreativität in der Wissenschaft haben. Darüber hinaus wurde auch das Verständnis des Begriffs Wissenschaft erhoben, da es eine zentrale Rolle für die Einordnung kreativer Tätigkeiten im wissenschaftlichen Kontext spielt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Entwicklung eines geeigneten Interviewleitfadens. Es wurden zehn Kinder interviewt, davon fünf für die Analyse ausgewählt. Insgesamt wurden vier Versionen des Interviewleitfadens eingesetzt, die im Laufe der Datenerhebung weiterentwickelt wurden. Die fünf analysierten Interviews basieren auf diesen vier unterschiedlichen Leitfäden, wurden jedoch vollständig in die Auswertung einbezogen, da sie inhaltlich relevante Aussagen zur Forschungsfrage enthielten. Im Verlauf zeigte sich, dass visuelle Hilfsmittel wie Bilder die kindlichen Vorstellungen beeinflussen können, weshalb die vierte Version des Leitfadens ohne solche Unterstützung gestaltet wurde. Aus der Erhebung ist hervorgegangen, dass Kinder im 2. Kindergartenjahr Kreativität häufig mit künstlerischen Tätigkeiten verbinden und eine klare Unterscheidung zwischen Kreativität im Allgemeinen und der Rolle von Kreativität in der Wissenschaft nur schwer herstellen können. Einige der Kinder gaben an, dass Wissenschaftler erfinden oder forschen, wobei der Begriff Wissenschaft selbst oft unklar blieb. Die Erkenntnisse liefern wertvolle Hinweise für die frühkindliche Förderung von Kreativität in der Wissenschaft und betonen die Bedeutung von altersgerechten Erklärungen und Konzepten in der Bildungsarbeit
Stressfaktoren und Stressbewältigungsstrategien Jugendlicher einer urbanen Sekundarschule
In dieser Arbeit wurde eine Umfrage unter 418 Jugendlichen einer kleinstädtischen Sekundarschule auf Stressbelastung, Stresssymptome und Stressbewältigung ausgewertet. Die Umfrage basiert auf dem Stress- und Coping- Inventar von Satow. Die Umfrageergebnisse decken sie weitestgehend mit den Ergebnissen anderer grossen Studien wie beispielsweise der HSBC-Studie durchgeführt von «Sucht Schweiz». Die Stressbelastung insgesamt ist moderat einzustufen, wobei einige wenige Schülerinnen und Schüler von sehr hoher Stressbelastung berichten. Diese zeigen auch multiple Stresssymptome. Die Ergebnisse zeigen, dass Mädchen insgesamt höhere Stresssymptomwerte aufweisen als Knaben. Die Werte steigen bei beiden Geschlechtern leicht signifikant im Verlauf der Pubertät. Die Copingstrategie «soziale Unterstützung» bleibt während der Jugendphase annähernd konstant
Bildung in der Nachkriegszeit: Bildungsprozesse bei Flüchtlingen und Vertriebenen vor dem Hintergrund der Migrationsbewegungen
In der vorliegenden Masterarbeit wird der Frage nachgegangen, wie Menschen mit Fluchterlebnissen oder Vertreibung in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs Bildungsprozesse durchliefen. Dazu wurde zunächst der historische Hintergrund anhand von Literatur erarbeitet. Das Ende des Krieges und dessen Auswirkungen auf die Nachkriegszeit wurden beschrieben und Fluchtbewegungen in Ostmitteleuropa aufgezeigt. Integration in den Besatzungszonen sowie die Situation im Bildungswesen wurden thematisiert, als auch die Lage im Raum Konstanz. Im Vergleich zu den historischen Informationen stehen vier als Erzählungen dokumentierte Einzelschicksale. Daraus wurden Fallrekonstruktionen erarbeitet. Vergleichend wurden Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und mit der Literatur in Verbindung gesetzt. Insgesamt zeigt sich bei allen ein Bestreben, trotz der Kriegsumstände, durch Eigeninitiative und Fleiss, in Schule und Ausbildung, etwas in ihrem Leben zu erreichen. Alle Interviews zeigen auf, dass sich Bildung und Bindungen positiv auf die individuellen Lebenswege auswirkten und die Befragten sich alle trotz des Verlusts der Heimat eine neue Lebensgrundlage schaffen konnten. Diese Zeitzeugenberichte sowie die Erkenntnisse dieser Arbeit sollen Menschen einen Einblick in die damalige Zeit und einen Perspektivenwechsel ermöglichen, und dadurch die Möglichkeit haben, ihr Verständnis für aktuelle Zeitgeschehen zu erweitern
Nachhaltigkeit in den Medien: Videoanalyse an Werbevideos der Migros
Nachhaltigkeit ist ein gegenwärtiges Thema, mit welchem nicht nur jedes Unternehmen, sondern auch jede einzelne Person konfrontiert ist. Wie Nachhaltigkeit verstanden und thematisiert wird, wird stark von den Medien beeinflusst. Ein Unternehmen, welches sich bereits seit mehreren Jahren stark mit der Thematik der Nachhaltigkeit auseinandersetzt, ist die Migros. Durch ihre Werbevideos macht sie auf ihr Bestreben nach Nachhaltigkeit aufmerksam. In der vorliegenden Arbeit wird analysiert, wie Nachhaltigkeit in Medien repräsentiert wird. Dabei leitet die folgende Forschungsfrage die Analyse: Wie wird das Thema Nachhaltigkeit in Werbespots der Migros repräsentiert? Um diese Forschungsfrage beantworten zu können, werden drei Werbevideos der Migros mithilfe eines Einstellungsprotokolls analysiert. Dabei wird jede einzelne Kameraeinstellung genau beschrieben. Zudem wird untersucht, wie Aspekte der Nachhaltigkeit sprachlich oder durch Visualisierung transportiert werden. Ein zentraler Analysepunkt ist, wie die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch und sozial) gezeigt und gewichtet werden. Die Analyse hat ergeben, dass die Migros in den drei ausgewählten Werbevideos mehrheitlich ökologische Aspekte thematisiert. Die ökonomischen und sozialen Dimensionen der Nachhaltigkeit, werden kaum behandelt. Ausserdem stellt die Migros Nachhaltigkeit in diesen drei Werbevideos als einfach und kinderleicht dar. Die drei analysierten Videos informieren alle über den M-Check. Dies ist eine Nachhaltigkeitsskala, die nachhaltiges Einkaufen in der Migros auf eine einfache Weise möglich machen soll. Die Videos scheinen auf den ersten Blick sehr informativ. Nach genauer Analyse stellt sich jedoch heraus, dass diese Videos nicht nur informieren, sondern vor allem auch zur Werbung dienen
Unterricht während des 2. Weltkrieges in der Schweiz: Rollen und Aufgaben der Schule und der Lehrpersonen während der Aktivdienstzeit
Mit der Generalmobilmachung der Schweizer Armee im September 1939 veränderten sich die Rahmenbedingungen für das Schulwesen radikal Ausfälle durch Aktivdienst Kohleknappheit sowie der gesellschaftliche Auftrag zur Geistigen Landesverteidigung stellten Lehrpersonen und Schülerinnen bzw Schüler vor erhebliche Herausforderungen Diese Masterarbeit untersucht wie die Schweizerische Lehrerzeitung SLZ und ihre Sonderhefte in den Jahren 1939 – 1945 die Rolle von Schulen und Lehrpersonen darstellte und inwieweit diese offiziellen Darstellungen mit persönlichen Aufzeichnungen aus den Kantonen Thurgau Zürich und St Gallen übereinstimmen oder von ihnen abweichen Die zentrale Forschungsfrage lautet Wie thematisierten standespolitische Organe die Rolle von Schulen und Lehrpersonen während des Aktivdienstes und des Zweiten Weltkriegs 1939 – 1945 und wie spiegeln sich diese Darstellungen in persönlichen Aufzeichnungen aus den Kantonen Thurgau Zürich und St Gallen wider Methodisch wurde eine systematische Stichwortsuche Mobilisation Dienst Aufgabe Rolle ua in allen SLZ Heften von 1939 bis 1945 durchgeführt Parallel wurden Tagebücher Briefe und Zeitzeugenberichte aus den Staatsarchiven TG ZH und SG digital erfasst und chronologisch geordnet Anschliessend erfolgte eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring 2022 mit induktiver Kategorienbildung gefolgt von einer vergleichenden Analyse der codierten SLZ Beiträge und persönlichen Dokumenten Die SLZ betonte fünf Leitmotive Gemeinschaftssinn Zugehörigkeit Disziplin Solidarität und Stolz bzw Dienst am Vaterland Schule wurde als aktives Instrument der Geistigen Landesverteidigung inszeniert Schulgarten Altstoffsammlung Wochenbatzen Aktionen Briefe an Soldaten Den Lehrpersonen wurde eine Doppelfunktion zuteil Fachkräfte trotz Ressourcenknappheit und moralische Vorbilder im Aktivdienst Kriegsbezogene Themen Wehrkunde Luftschutz wurden von der SLZ praxisnah aufbereitet und zur Umsetzung empfohlen Persönliche Zeugnisse zeigen jedoch dass viele propagierte Angebote und Massnahmen nur punktuell realisiert wurden Die Analyse verdeutlicht ein Spannungsfeld zwischen pädagogischen Idealvorstellungen und praktischer Realität Offene Fragen und weiterführende Gedanken betreffen regionale Unterschiede weitere Oral History Interviews standardisierte Vergleichsstudien zur Zeit des Krieges und die seltene Überlieferung von persönlichen Tagebüchern von Lehrpersonen