aliceOpen – Der Publikationsserver der Alice Salomon Hochschule Berlin
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Wozu mich als Psychologin mit Philosophie und Gesellschaft beschäftigen?
Dieser Artikel soll eine möglichst leicht zugängliche Einführung in das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft geben, so wie dieses von der Kritischen Psychologie gefasst wird. Zentral ist hierbei, dass individuelles Verhalten, Fühlen und Denken als gesellschaftlich vermittelt verstanden wird. Diese gesellschaftliche Vermitteltheit als zentrales Charakteristikum menschlichen Lebens ist evolutionär entstanden und bedeutet, dass psychische Prozesse nur adäquat vor dem Hintergrund einer Gesellschaftstheorie verstanden werden können. Im zweiten Teil des Artikels wird auf verschiedene Ebenen der wissenschaftlichen Erkenntnis eingegangen und erklärt, inwiefern implizite philosophische und gesellschaftstheoretische Ebenen stets eine Rolle bei psychologischer Forschung spielen und warum Kritische Psychologie sich auf verschiedenen Ebenen kritisch gegenüber bürgerlicher Psychologie positioniert.This article aims to give an easily understandable introduction to how critical psychology conceptualizes the relationship between an individual and society. The central point is that individual behaviour, emotion and cognition are understood as being mediated by society. This »societal mediatedness« as a core characteristic of human life has evolved in the course of evolution and means that psychological processes can only be understood adequately with an appropiate understanding of society. In the second part of the article, diff erent levels of scientifi c understanding will be introduced and it will be explained how implicit philosophical and sociological assumptions always play a role in psychological research and why critical psychology criticizes bourgeois psychology on different levels
Nutzerorientierte familiäre Gesundheitsförderung – Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Netzwerk Gesunde Kinder
Mit dem Netzwerk Gesunde Kinder (NGK) verfügt das Land Brandenburg – als einziges aller 16 Bundesländer – über ein flächendeckendes Angebot der familiären Gesundheitsförderung, dessen Effekte durch Reihenuntersuchung, wie z. B. einer erhöhten Impfquote bei Netzwerkkindern sowie einer erhöhten Inanspruchnahme kinderärztlicher
Untersuchungen, messbar sind. Kernstück des NGK sind unbürokratische Hilfen und Unterstützungsleistungen durch Familienpatenschaften,
ergänzt um Vernetzung und regionale Angebote zu Kompetenzentwicklung und Selbstorganisation von Familien. Der vorliegende Beitrag skizziert Hintergründe, Methoden und Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung durch die Berlin School of Public Health in 2018 und 2019. Dabei wird die Zufriedenheit mit den Netzwerkangeboten dargestellt, sowie Auskunft gegeben über Perspektiven Brandenburger Eltern auf ihre Bedarfe und Bedürfnisse in den ersten Jahren des Familienlebens
Reflexionskartenset Perspektivwechsel
Das Reflexionskartenset ist Ergebnis des Forschungsprojektes ElfE-Eltern fragen Eltern. Gesundheitliche Chancengleichheit gemeinsam mit Kita-Familien zu erforschen und zu verbessern, war übergreifendes Ziel des Projekts. Rund 20 Elternforschende haben als zentrales Thema dafür die Kommunikation zwischen Eltern und Kita-Fachkräften untersucht. Insgesamt 27 qualitative Leitfadeninterviews wurden von Eltern in der ersten Förderphase des Projektes (2015-2018) im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf und in Lauchhammer/Brandenburg geführt. Zunächst wurden daraus fünf Karten entwickelt, erprobt und evaluiert und im Dialog von Eltern und Kita-Fachkräften in der zweiten Förderphase (2018-2020) weiterentwickelt. Nun liegen insgesamt 12 Karten zu unterschiedlichen Begebenheiten im Kita-Alltag vor zu Themen wie pädagogischen Fragen, dem Informationsaustausch, Bringe- und Abholzeiten, der Selbstbestimmung der Kinder sowie der Eingewöhnung und dem Übergang in die Schule. Ausgangspunkt jeder Karte ist ein aus Elternsicht geschildertes Alltagsbeispiel aus den Interviews. Eine farbige Illustration lockert die Darstellung zusätzlich auf. Nach den Erfahrungen der beteiligten Kita-Fachkräfte schildern die Beispiele Herausforderungen in der Kommunikation mit Eltern. Dabei werden auch Dilemmasituationen aufgezeigt, in denen die Perspektiven der Eltern ebenso wie die der Fachkräfte nachvollziehbar sind und Berechtigung haben. Daher sollen die Fragen auf den Karten helfen, einen besseren Umgang mit solchen Situationen zu finden. Platz für eigene Notizen gibt es auch.
Das Kartenset ist u.a. gedacht zur Verwendung in
- Teambesprechungen und gemeinsamen Reflexionen,
- internen wie externen Fortbildungen,
- Auswertung spezifischer Alltagssituationen wie Eingewöhnung und Entwicklungsgespräche,
- der Ausbildung von Kita-Fachkräften,
- der internen Konzeptentwicklung.
Ziel ist, einen Perspektivwechsel anzuregen und somit einen Beitrag zu leisten für einen respektvolleren Umgang, mehr Augenhöhe und gegenseitige Wertschätzung in der Beziehung zwischen Erzieher_innen und Kita-Eltern
Ethische Aspekte in der partizipativen Forschung - Reflexion von Herausforderungen und möglichen Beeinträchtigungen für Teilnehmende
Durch die aus dem Anspruch auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit resultierenden besonderen Beziehungen stellen sich ethische Fragen in der partizipativen Forschung anders als in der nicht partizipativen Forschung. Der Beitrag illustriert anhand des Forschungsprojektes „ElfE – Eltern fragen Eltern“, was genau unter dem Prinzip der Schadensminimierung in der partizipativen Zusammenarbeit verstanden werden kann und welche Herausforderungen sich stellen
Stellungnahme der Professor*innen des Studiengangs Erziehung und Bildung in der Kindheit der Alice Salomon Hochschule Berlin zum Lockdown von Kitas und Grundschulen in der Corona Krise
Die Professor*innen des Studiengangs Erziehung und Bildung in der Kindheit (EBK) der Alice Salomon Hochschule Berlin positionieren sich in der vorliegenden Stellungnahme zum Lockdown von Kitas und Grundschulen in der Corona Krise. Als Vertreter*innen eines der ersten kindheitspädagogischen Studiengänge in Deutschland, befürworten sie unter Achtung des Infektionsschutzes und des Schutzes von Risikogruppen eine schrittweise Öffnung von Kitas und der Ganztagsbetreuung an Schulen unter ausdifferenzierten Bedingungen. Sowohl aus Gründen des Kinderschutzes als auch aus Gründen der Bildungsgerechtigkeit sehen sie die fortgesetzte weitgehende Schließung von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen gesellschaftlich nicht zu verantworten, da sie im Widerspruch zu den von Deutschland 1992 ratifizierten Kinderrechten, hier insbesondere dem Recht auf Schutz vor Gewalt und dem Recht auf Bildung, steht. Sie bringen damit eine kindheitspädagogische Perspektive in die Entwicklung von Konzepten aus dem Lockdown ein, welche bislang in der Diskussion fehlte
Der Sinn der Sache?
Wenn Motivation als Steuerungsobjekt in der Theorie und Praxis gesetzt wird, begegnen sich subjektive und objektive Aspekte menschlicher Tätigkeit und aus diesem Grund ist die Motivationsforschung ein zentrales Feld, um Subjektivität zu verstehen. Allerdings wird Motivation in den Mainstream Motivationstheorien, wie der Selbstbestimmungstheorie (Ryan & Deci), sozial-kognitive Ansätze (wie Bandura), Anerkennungstheorie (wie z.B. Cooperrider) und Literatur zu motivierender Gesprächsführung (Miller & Rollnick), individualisiert und die Dichotomie zwischen Selbstbestimmung und sozialer/gesellschaftlicher Bedingtheit reproduziert und zeigen pragmatische Tendenzen, Motivation zu einer technischen Frage zu verkürzen. Um diese Probleme zu exemplifizieren und an ihnen zu arbeiten, erarbeiten wir eine kritisch-psychologische und semiotische Reartikulation einer Schulverweisstudie (Krivekov, 2013), die Motivation als zentrales Konzept setzt. Wir hoffen mit diesem Artikel, die Motivationsforschung dazu zu bringen, ›den Sinn der Sache‹ im Auge zu behalten.When Motivation is set as intervention object in theory and practice, subjective and objective aspects of human activity encounter one another and therefore, motivation research is a central field for understanding subjectivity. However, dominating motivation research, such as self-determination theory (Ryan & Deci), social-cognitive approaches (e.g. Bandura), recognition theory (Cooperider), and literature on motivational interviewing (Miller & Rollnick), individualizes motivation, reproduces the dichotomy between self-determination and social/societal conditioning and shows pragmatic tendencies reducing motivation to a technical question. In order to exemplify and work on these problems, we develop a Critical psychological and semiotic re-articulation of a school expulsion study (Krivekov, 2013) which applies motivation as central concept. Our hope is with this article to bring back meaning into motivation research
Dialogkarten Eltern, Erzieher*innen, Kinder: Wir wachsen zusammen
Dialogkarten für gute Gespräche in der Kita
Unter dem Motto: „Eltern, Erzieher*innen, Kinder: Wir wachsen zusammen“ wurde ein Set von insgesamt sieben Dialogkarten entwickelt. Kita-Eltern und pädagogische Fachkräfte können ein Gesprächsanliegen mithilfe der Karten ankündigen und einen gemeinsamen Termin zum Austausch vereinbaren.
Das Dialogkartenset ist Ergebnis einer Workshopreihe („Eltern stärken Eltern“ – ElsE), die im Zeitraum 2018-2020 als Teil des Forschungsprojektes ElfE im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf durchgeführt wurde. Sieben Eltern, drei Kita-Fachkräfte, zwei Wissenschaftlerinnen der Alice Salomon Hochschule Berlin sowie eine Fachkraft aus einem Familienzentrum im Bezirk haben in 2*8 Workshoptreffen am Thema „Eltern (an)hören“ zusammengearbeitet. Während der Workshops berichteten die Eltern von ihren Erfahrungen mit Kita-Erzieherinnen und -Erziehern. Ziel der Workshopreihe war es, die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita-Fachkräften zu stärken.
Im Rahmen der Workshopreihe fand eine Fokusgruppe statt, an der Eltern, Fachkräfte und Wissenschaftlerinnen beteiligt waren. Die Teilnehmenden verfassten auf Grundlage der Fokusgruppe ein Thesenpapier. Folgende zentrale Thesen wurden bei der Gestaltung der Karten berücksichtigt:
1) akute Situationen aus dem Familien- oder Kitaalltag,
2) regelmäßige Entwicklungsgespräche,
3) Wahrnehmung und Wertschätzung pädagogischer Arbeit von Eltern und Erzieher*innen sowie
4) eine Blanko-Karte für weitere Anliegen.
Mit Unterstützung des Texters Thomas Avenhaus und dem Grafiker Michal Zak wurden ansprechende Karten gestaltet, welche die formulierten Gesprächsanlässe aus den Fokusgruppen aufgreifen. In der ersten Variante werden die Gesprächsanlässe in Kombination mit Teddybären-Portraits dargestellt, in der zweiten stehen die Sätze gut gestaltet für sich. Beide Varianten wurden jeweils für die Gruppe der Erzieher*innen und die der Kita-Eltern zielgruppenorientiert aufbereitet und transportieren einladende Botschaften. Das Dialogkartenset will einen Beitrag für einen respektvolleren Umgang, mehr Augenhöhe und gegenseitige Wertschätzung zwischen Erzieher*innen und Kita-Eltern leisten. Es dient als Anregung, auch unter schwierigen Voraussetzungen, beispielsweise wenn der persönliche Kontakt eingeschränkt ist, das Zustandekommen eines Dialoges zu unterstützen
Wie funktioniert partizipativ forschen?
Das Workshop-Format „Eltern stärken Eltern (ElsE)“ ist Teil der zweiten
Förderphase des partizipativen Forschungsprojektes „ElfE – Eltern fragen Eltern: Vom Modellprojekt zum Transfer in die Fläche“. In dem Format werden Anliegen der sozialen und gesundheitlichen Chancengleichheit zur Sprache gebracht und gemeinsam mit Eltern, Fachkräften und kommunalen Verantwortlichen Möglichkeiten für konkrete Verbesserungen gesucht. Die Federführung für die Gestaltung und Umsetzung der Workshops lag bei den Eltern – über ihre Erfahrungen mit diesem Rollenwechsel berichten zwei der Peerforschenden