merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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Mini-Handbuch Digitale Resilienz: Herausforderungen einer (hoch)-dynamischen Arbeitswelt
Dreier, Rolf/Kelle-Gilles, Nina Charlotte/Keller, Katrin/Kindt, Angelika/Scheufele, Ines (Hrsg.) (2022). Mini-Handbuch Digitale Resilienz. Herausforderungen in einer (hoch-) dynamischen Arbeitswelt. Weinheim: Beltz. 190 S., 29,95 €.
Was passiert in Zeiten der Krise, Zeiten von Veränderung und in Zeiten der Verflechtung von beruflichen und privaten Aktivitäten? Wie lässt sich mit den Herausforderungen dieser Phänomene umgehen? Bei diesen Herausforderungen, die meist eine Entscheidungs- und Handlungsnotwendigkeit mit sich ziehen, wird oft von ‚digitaler Resilienz‘ gesprochen. Um diesen noch recht neuen Begriff der digitalen Resilienz greifbarer zu machen, betrachten die Autor*nnen des ‚mini-handbuch Digitale Resilienz‘ einige Themengebiete rund um diese Thematik intensiv.
Gegliedert ist der Band in fünf Themengebiete: ‚Auf in eine neue Welt – Herausforderung und Gelegenheit zugleich‘; ‚Wenn das Leben Zitronen reicht, mache Limonade daraus – Annäherungen an Resilienz‘; ‚Herausforderung Führung – weg von der Hierarchie hin zu einer zukunftsorientierten Arbeitskultur 4.0‘; ‚Permanente Veränderung nachhaltig meistern‘ und ‚Wie ich lernte, die Veränderung zu lieben!‘ Gleich zu Beginn des Buches beleuchtet Personalentwicklerin Ines Scheuffele die Veränderungen, die das 21. Jahrhundert für das Arbeitsleben mit sich bringt, kombiniert mit einer Betrachtung der unterschiedlichen Generationen auf dem Arbeitsmarkt und einem Blick auf das, was es mit Krisen im digitalen Zeitalter auf sich hat. Am Ende dieses Kapitels taucht auch die Definition ‚digitaler Resilienz‘ aus Sicht der Autor*innen auf, welche die Basis für das Buch bildet: „Unter digitaler Resilienz werden die Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit von Menschen und Organisationen verstanden, sich digitalen Entwicklungsprozessen anzupassen und digitalen Krisen widerstandsfähig entgegenzutreten, die eigene Handlungsfähigkeit zu erhalten und zu erweitern sowie das eigene Krisenmanagement daran orientiert auszurichten.“ (S. 46). Im zweiten Teil des Buches werden von Katrin Keller (Professorin für Gesundheitspädagogik und Personalentwicklung) verschiedene Facetten von Resilienz vorgestellt und erklärt, wieso Haltung in diesem Kontext von hoher Bedeutung ist. Auch Teamentwicklung und teambasierte bzw. organisationale Resilienz werden erläutert. Im folgenden Kapitel widmet sich Nina Charlotte Kelle-Gilles, Projektmanagerin und Gründerin, den Herausforderungen, denen sich Führungskräfte in einer digitalen Arbeitswelt stellen müssen. Weiterhin gibt sie einen Einblick in die Begrifflichkeit der ‚New Work‘, auch in Bezug auf Digitalisierung und belegt die These: „Resilienz + Führung = zukunftsorientierte Arbeitskultur“ (S. 112). Im vierten Teil des Bandes setzt sich Rolf Dreier, Führungskraft für Hochschuldigitalisierung, damit auseinander, welche Wechselwirkung zwischen Widerstandsfähigkeit und Widerstandstätigkeit herrscht und wieso eine Berücksichtigung beider Begrifflichkeiten so wichtig ist. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, wie durch die Kombination von Widerstandsfähigkeit und -tätigkeit sowie Anpassungsfähigkeit und -tätigkeit die gewünschte Wirksamkeit erzielt wird. Beraterin und Coach Angelika Kindt legt im letzten Kapitel dar, wie man (digitalen) Veränderungen positiv begegnet und sie dadurch leichter annehmen und in das eigene Leben integrieren kann.
Viele grafisch abgesetzte Übungen, Zusammenfassungen, Beispiele und vor allem zahlreiche Literatur- und Linktipps ergänzen die jeweiligen Kapitel und regen dazu an, sich mit dem einen oder anderen Thema noch intensiver zu beschäftigen. Dem interdisziplinären und intergenerationellen Autor*innenteam ist es gelungen, den Begriff ‚digitale Resilienz‘ greifbar zu machen und ihn aus ganz verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Anregungen dürften alle Menschen finden, die in sich verändernde (digitale) Prozesse eingebunden sind, sowie Führungskräfte, die diese Prozesse sinnvoll und nachhaltig in ihren Einrichtungen gestalten wollen
Kircheldorff, Cornelia (2022). Gut vernetzt oder abgehängt? Gelingendes Altern in der digitalen Welt. Stuttgart: Kohlhammer. 132 S., 19,00 €
Der demografische Wandel in Deutschland ist in vollem Gange. Die Altersstrukturen verändern sich kontinuierlich. So geschieht aktuell eine Überalterung der Bevölkerung. Gleichzeitig wird die Zeit durch die Digitalisierung immer schnelllebiger. Wer hier mithalten will, muss immer offensiver und konstruktiver im Umgang mit Veränderungen sein. Hieraus ergeben sich Handlungsbedarfe: Es gilt die ältere Generation abzuholen und zu begleiten, damit diese mit den digitalen Entwicklungen Schritt halten kann.
‚Gut vernetzt oder abgehängt?‘ beleuchtet die Handlungsoptionen und Herausforderungen im sozialen, pflegerischen und gerontologischen Bereich. Neben allgemeinen Betrachtungen des Lebens im Alter in der digitalen Welt, nimmt die Autorin Cornelia Kircheldorff anhand von Fallbeispielen die Bedarfslage in den Blick. So nimmt sie etwa das Potenzial digitaler Medien bei der Alltagsgestaltung in der nachberuflichen Phase in den Blick, wie Beratungs- und Bildungsangebote sowie die Möglichkeiten zur sozialen Vernetzung. Außerdem geht es auch um die Handlungsmöglichkeiten durch digitale Technologien bei altersbedingten Einschränkungen und in Pflegesettings. Im Folgekapitel werden Denkanstöße gegeben, wie soziale Alterskategorien überdacht, technikorientierte Kompetenzen vermittelt und digitale Souveränität ermöglicht werden sollten. Hier werden auch ethische Fragen und Dilemmata beleuchtet. Das Buch enthält abschließend eine Auflistung von Anlaufstellen und Organisationen. Weiterführende Links verweisen auf Angebote für ältere Menschen im Bereich Technik und Digitalisierung.
Das Buch ist ein hilfreicher Ratgeber für Personen in der Altenpflege gleichermaßen wie Angehörige und ältere Menschen selbst, die mit den Entwicklungen Schritt halten wollen
Knaus, Thomas/Junge, Thorsten/Merz, Olga (Hrsg.) (2022). Lehren aus der Lehre in Zeiten von Corona. Mediendidaktische Impulse für Schulen und Hochschulen. München: kopaed. 280 S., 19,80 €.
Wie können die Erkenntnisse aus der digitalen Lehr- und Lernpraxis während der Pandemie für die Zukunft sinnvoll weiterentwickelt werden? Diese Frage stellen sich die Herausgeber*innen des Bandes ‚Lehren aus der Lehre in Zeiten von Corona‘. Um Antworten zu finden, lassen sie Medienpädagog*innen, Lehrkräfte, Forschende und Studierende zu Wort kommen, die ein Sammelsurium kreativer Lehr- und Lernprozesse vorstellen, kritisch reflektieren und weiterdenken. Entstanden sind die Artikel auf Grundlage des Call for Papers der Ludwigsburger Beiträge zur Medienpädagogik, der im Februar 2021 veröffentlicht wurde und eine enorme Resonanz erhielt.
Die Beträge sind so vielfältig und breit gefächert wie das Themenfeld digitale Lehre selbst: Sie beziehen sich auf die Online-Lehre an Hochschulen, Erfahrungen mit neuen Lehr-Lern-Formaten sowie onlinebasierter Zusammenarbeit und Forschung und nehmen Distanzunterricht in Schulen sowie in der Lehrer*innenbildung in den Blick. Dennoch haben sie alle gemein, dass sie über gelungene Lehre nachdenken und den Leser*innen spannende Anregungen an die Hand geben, wie zum Beispiel zur Umsetzung des Modells ‚Flipped Classroom‘, den Perspektiven von Schulanfänger*innen im Homeschooling oder über das Konzept der Online-Lehre an Hochschulen.
Auf theoretische, empirische oder auch erfahrungsbasierte Weise setzen sich die Autor*innen mit ihren Projekten und Domänen auseinander und legen anschaulich dar, dass sich „in Krisen […] auch kreative Wege zur Weiterentwicklung auftun [können]“ (S. 9). Damit bieten sie Pädagog*innen, Wissenschaftler*innen, Studierenden und allen Interessierten einen Mehrwert für eine Unterrichtspraxis und -forschung in nahenden Post-Corona-Zeiten
Stichwort: doomscrolling
Doomscrolling bezeichnet das exzessive Suchen nach und Konsumieren von negativen Nachrichten im Netz. Das englische Wort doom kann mit Verhängnis oder Unglück übersetzt werden, während es beim Scrollen um die Bewegung auf einer Internetseite oder um das Durchgehen eines Feeds in Sozialen Medien wie Facebook, Instagram oder TikTok geht. Gerade akute Krisen wie der Beginn der Corona-Pandemie 2020, der Sturm auf das Kapitol in Washington 2021 oder der Krieg in der Ukraine 2022 verunsichern viele Menschen und lassen sie in Sorge oder in einem Gefühl der Ohnmacht zurück. Das darauffolgende ständige Suchen nach neuen Nachrichten bzw. Aktualisieren von Feeds und Apps hat mehrere Ursachen: Es gibt Rezipient*innen das Gefühl, auf der Mikroebene etwas zu tun, auch wenn sie auf der Makroebene ohnmächtig sind. Dazu kommt das Bedürfnis, ein gewisses Maß der Kontrolle über die Situation zu erreichen, in diesem Fall mit Informationen. Doch mehr Informationen bringen nicht immer mehr Sicherheit. Außerdem spielt das weit verbreitete Phänomen des Negativity Bias eine Rolle, also der Effekt, dass die meisten Menschen sich von negativen Ereignissen und Emotionen stärker beeinflussen lassen als von positiven. Manche Menschen vernachlässigen darüber ihren Alltag bzw. lassen ihn von schlechten Nachrichten dominieren, was der mentalen Gesundheit schaden kann. Deshalb wird von Psycholog*innen empfohlen, sich in Krisensituationen auch Auszeiten von Nachrichten zu nehmen oder sich ganz auszuklinken, wenn man merkt, dass man zu sehr darunter leidet
Wenn Mediennutzung zur Bewältigungs- und Überlebensstrategie wird: Ein Gespräch mit Philipp Benz-Verhülsdonk, Drogenhilfe Köln
Lassen sich stoffgebundene Süchte und exzessiven Mediennutzung vergleichen? Wie arbeitet die Drogenhilfe Köln mit Menschen, deren Medienkonsum aus den Fugen geraten ist? Welche Rolle spielt die Diagnose ‚Sucht‘? Diesen und weiteren Gedanken gehen Philipp Benz-Verhülsdonk und Mareike Schemmerling in ihrem Gespräch nach.
Weiterführende Links
www.ansprechbar-koeln.dewww.drogenhilfe-koeln.dewww.smartkids-koeln.d
Mediensucht und Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie hat den historisch gewachsenen Diskurs um Mediensucht stark angeheizt. Im Beitrag wird Mediensucht definiert und auf Basis wissenschaftlicher Studien werden aktuelle Ergebnisse zur Mediennutzung und Mediensucht von Kindern und Jugendlichen vor und während der Pandemie vorgestellt. Die zeitlos hohe Bedeutung von Medienkompetenzförderung und Förderung (medienbezogener) Selbstregulationsfähigkeit wird am Beispiel aktueller Herausforderungen herausgearbeitet
Präventive Angebote zur exzessiven Mediennutzung: Am Beispiel des Jugendmedienzentrums Connect in der Stadt Fürth
Eltern und pädagogische Fachkräfte stellen bei einigen Kindern und Jugendlichen ein erhöhtes Nutzungsverhalten in Bezug auf Medien fest, mit Tendenz zum exzessivem Medienhandeln. Der reine Entzug kann aufgrund der digitalisierten Gesellschaft keine Lösung sein, es bedarf vielmehr präventiver Angebote, in denen Kinder und Jugendliche entsprechende Fähigkeiten und Kompetenzen ausbauen und einen förderlichen Umgang mit Medien im Alltag erlernen. Am Beispiel des Jugendmedienzentrums Connect der Stadt Fürth werden Konzepte vorgestellt, wie dies auf vielfältige Art gelingen kann
Eleftheriadi-Zacharaki, Sofia/Hebing, Sönke/Manstetten, Gerald/Paganini, Simone (Hrsg.) (2022). Vom Umgang mit Fake News, Lüge und Verschwörung. Interdisziplinäre Perspektiven. Baden-Baden: Nomos. 178 S., 39,00 €.
Der Begriff Fake News umgibt uns täglich, sei es im privaten oder im öffentlichen Bereich. Was genau hinter dem Begriff steht, wird in der Publikation Vom Umgang mit Fake News, Lüge und Verschwörung näher beleuchtet. Es folgt eine Abwägung, inwiefern sich der Ausdruck Fake News als Instrument zur Analyse aktueller und historischer Diskurse eignet. Dafür werden konkrete Beispiele zu Verschwörungstheorien aus den Bereichen Geschichte, Politik und Journalismus herangezogen.
Schließlich wird beantwortet, welche Intentionen hinter der Verbreitung von Fake News stehen, wie diese Informationen das Weltbild verändern und was sie über unsere Gesellschaft aussagen. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Abschnitt werden historische und aktuelle Beispiele von verschiedenen Autor*innen beleuchtet. Anschließend geht es um Analysen auf der Metaebene. Es werden beispielsweise Lüge und Täuschung im Bereich der Politik betrachtet. Der dritte Teil besteht aus einem Fazit.
Für Medienpädagog*innen ist besonders der Beitrag ‚Fake News und Verschwörung in digitalen Medien‘ interessant. Dabei geht es um Mechanismen, welche die Verbreitung von Falschinformationen vereinfachen und verstärken. Außerdem werden mangelhafte Qualitätskontrollen und Monetarisierung absichtlicher Falschinformationen thematisiert
Studie: Mehr Transparenz von Medienintermediären erforderlich
Transparenzvorschriften sollen die Funktionsweise von Google, YouTube, Instagram und Co. für Nutzer*innen nachvollziehbar machen. Es herrscht jedoch erheblicher Nachholbedarf, wie eine von den Medienanstalten in Auftrag gegebene Studie zeigt.
Für Nutzer*innen bedeutet Transparenz im Netz auch, nachvollziehen zu können, warum ihnen bestimmte Inhalte auf Ergebnisseiten von Suchmaschinen- oder Videoplattformen angezeigt werden. Über 80 Prozent der Befragten sind an solchen Informationen interessiert. Die Suche nach den Transparenzangaben erwies sich bei den untersuchten Medienintermediären Google, YouTube und Instagram aber als schwierig – laut gesetzlichen Vorgaben sollten sie „unmittelbar erreichbar“ sein: Im Vergleich schneidet Google am besten ab, wenn auch nur 16 Prozent die Angaben finden, ohne auf einer der beiden nötigen Navigationsebenen zu scheitern. Bei YouTube sind es elf Prozent. Bei Instagram waren sechs Klicks nötig, nur vier Prozent schafften das, ohne auf mindestens einer der Seiten zwei Mal an der falschen Stelle zu klicken. Dies spiegelt sich in der subjektiven Bewertung der Auffindbarkeit der Transparenzangaben wider. Die Gestaltung des Links (Platzierung, Größe, Erkennbarkeit) wurde bei Google am besten bewertet. Bei der Verständlichkeit der Angaben herrscht ebenfalls Nachbesserungsbedarf: 41 Prozent der Befragten attestierten ein hohes Verständnis nach dem Lesen der beiden Instagram-Texte, 32 Prozent bei YouTube, 20 Prozent bei Google. Die Studie ist eine repräsentative Online-Befragung von 3.000 Nutzer*innen im Frühjahr 2022.
www.die-medienanstalten.d
Medienpädagogik intersektional gedacht
Ausgangspunkt für diesen Beitrag ist ein Mädchenzentrum für Mädchen* of Colour, in dem seit Anfang 2022 ein medienpädagogisches Projekt umgesetzt wird. Das Projekt steckt noch in der Anfangsphase, dennoch habe ich als verantwortliche Medienpädagogin bereits erste Erkenntnisse darüber gewonnen, welche Rolle Medienpädagogik zukünftig für meine feministische, rassismuskritische Mädchenarbeit spielen kann – und welche nicht. Aus diesen Überlegungen ergibt sich ein (kritischer) Blick auf ein überwiegend privilegiertes medienpädagogisches Verständnis, auf die Rolle pädagogischer Fachkräfte, aber auch auf potenzielle Chancen