merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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Jugendschutz in Online-Games
Die Schwerpunktanalyse ‚Jugendschutzrelevante Aspekte in Online-Games‘ der Medienanstalten bestätigt in 47 Fällen einen Anfangsverdacht auf einen Verstoß gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV). Als vorwiegende Problemfelder wurden abweichende Altersangaben, Kostenrisiken und die Förderung exzessiver Nutzung identifiziert. Die Alterseinstufungen von identischen Games im Google Play Store und im Apple Store variieren im Schnitt um mehr als 3,5 Jahre, wie die Studie zeigt. Bei nur zehn Prozent der Spiele stimmt die Einstufung überein. Auf Steam wurden 34 Angebote ausgemacht, die nach dem Jugendschutzgesetz nicht oder falsch gekennzeichnet waren.
Auch in zunächst kostenlosen Angeboten wird oft enormer Kauf- und Werbedruck aufgebaut, mitunter in Form von glücksspielähnlichen Elementen. In 23 Fällen wurde interessenschädigende Werbung oder unzulässige Kaufaufrufe an Kinder oder Jugendliche nachgewiesen. Zudem können Push-Nachrichten, öffentliche Bestenlisten und Belohnungen für tägliches Spielen und Ähnliches exzessives Nutzungsverhalten fördern. Sie sind allerdings existenzieller Bestandteil zahlreicher Online-Games, darunter auch expliziter Kinderspiele. Zudem deckt die Untersuchung unzulässige und jugendgefährdende Inhalte, wie zum Beispiel Pornografie, verfassungsfeindliche Kennzeichen, Verharmlosung der nationalsozialistischen Ideologie sowie zu Gewalt, Selbstjustiz und Hass anreizende Inhalte auf.
Die Schwerpunktanalyse der Landesmedienanstalten wurde unter anderem im Auftrag der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) durchgeführt. Dabei wurden 389 Spiele durch ein mehrstufiges Verfahren recherchiert, von denen 68 exemplarische Angebote vertiefend geprüft wurden. Auswahlkriterien waren unter anderem Reichweite, Aktualität, Wirkungsrisiko, Anfangsverdacht und Schwere des Verstoßes. Im Fokus stehen die Angebote der großen App-Stores und Spiele-Plattformen.
www.kjm-online.d
Auf dem Weg zur Taxonomie des hybriden Unterrichts: Mediendidaktische Herausforderungen
Warum berichten Lehrende wie Lernende gleichermaßen von dem Gefühl der Leere im Distanzunterricht? Warum ist die scheinbar fehlende Präsenz aller Beteiligten immer wieder Thema in dieser Debatte? In diesem Beitrag soll dieser Bedarf anhand der mediendidaktischen Theoriebildung, aber insbesondere an der Empirie von Fernstudierenden diskutiert werden. Die Verallgemeinerung auf den Fernunterricht ist deswegen möglich, da es um die Aktivierung und die Integration der Einzelnen in die Lerngruppe geht. An diesem Punkt stellen sich pädagogische und ethische Fragen einer virtuellen Lehr-und Lernkultur, die der Artikel von Thomas Hanstein ‚Antinomien in digitalisierten Lernarrangements‘ online auf merz-zeitschrift.de in den Blick nimmt
#27 – Gesundheit und Medien Teil 4: Hannah Sandstede, Serious Game über Euthanasie, und Steff Brosz zu Self-Tracking im Freizeitsport
Die Reihe zu ‚Gesundheit und Medien‘ wird mit zwei tollen Projekten abgerundet. Hannah Sandstede stellt das Serious Game ‚Spuren auf Papier‘ vor. Das Game thematisiert die Euthanasie zur NS-Zeit und wir sprechen unter anderem darüber, wie ein solches Thema angemessen in einem Spiel behandelt werden kann und warum gerade dieses Medium dabei ein unglaubliches Potenzial besitzt. Mit Steff Brosz sprechen wir (ab 12:15) über das medienpädagogische Projekt ‚Self-Tracking im Freizeitsport‘. In diesem Projekt des JFF – Institut für Medienpädagogik wurde eine Serie kompakter Methoden zum bewussten und reflektierten Gebrauch von Fitness-Trackern entwickelt, die im Vereinssport sowie im Sportunterricht an Schulen eingesetzt werden können.
Spuren auf Papier
Self-Tracking im Freizeitspor
Früher war das Internet irgendwie besser
In letzter Zeit habe ich so eine romantisierte Erinnerung an die Anfänge des Internets. Dabei denke ich nicht an die Zeit der ersten E-Mail irgendwann in den 70ern. Ich bin 34 Jahre alt, damals war ich noch tot. Vielmehr denke ich an die Zeit, als das Internet in den 90ern auch in Haushalten wie dem unseren relevant wurde. Bei uns hat damals mein technisch versierter Vater das Internet eingerichtet. Mit einem lauten Modem und einer AOL-CD. An diesem großen, grauen Klotz von PC, der eigentlich vorrangig zum Lernen für die Kinder angeschafft wurde. Haha. Gelernt haben wir einiges. Nur eben etwas anderes als das, was sich unsere Eltern so vorgestellt hatten.
Da war es also: das Internet. Neu und unerforscht. Geheimnisvoll und voller Überraschungen. Wild surften wir Naseweise drauflos. Doch ohne ein bestimmtes Ziel und eine Vorstellung der Möglichkeiten verloren wir schnell wieder die Lust. Das Internet war damals gar nicht besser als heute. Es war vor allem langsamer. Nach und nach lernten wir, wonach man suchen sollte. Mit einem konkreten Ausflugsziel wurde die Sache spannender. Ich erinnere mich an sogenannte YouTube Partys. YouTube wurde vor allem anhand der heißen Tipps anderer bedient. Und weil das Laden einzelner Videos mindestens dreimal so lange dauerte wie das Video selbst, wurden bei einer Session mindestens vier Videos parallel auf einzelnen Tabs vorgeladen. Das hatte etwas sehr Gemeinschaftliches.
Ich erinnere mich an die süße Jugendsünde Filesharing. Die heiße Ware kostenloser Musik und Filme. Sorgfältig kuratiert und sortiert lagerte sie auf meiner Festplatte. So konnte ich mich auch ohne die finanziellen Mittel eines Privatiers fühlen wie ein belesener Liebhaber und Sammler kultureller Güter. Achtsam pflegte ich meine Musik- und Filmsammlung. Heute konsumiere ich im Internet vor allem das, was mir der seelenlose Algorithmus meiner personalisierten Startseiten vorschlägt. Das empfinde ich einerseits als sehr praktisch, andererseits als sehr unpersönlich.
Das Netz fühlt sich heute vollgestopft mit Möglichkeiten, Meinungen, sinnlosen Diskussionen, Hass und Langeweile an. Content besteht zu 50 Prozent aus der Reaktion auf bereits bestehenden Content. Wenn ich das Smartphone genervt weg lege, vermisse ich das alte Internet; das unschuldige, langsame, achtsame.
Die Freude ist mir irgendwie abhandengekommen. Ich konsumiere so viele Inhalte und bin gleichzeitig so unzufrieden wie nie zuvor. Fest steht: Mein Internetkonsum muss wieder mehr retro werden. Weniger überflüssiges Angebot und mehr persönlich Ausgewähltes. Gestern zum Beispiel, habe ich das Internet auf eine fast schon klassische Art und Weise benutzt. Ich habe mir ein Live Konzert meiner Lieblingsband angesehen. Auf Leinwand. Ohne Second Screen. Eineinhalb Stunden lang. Das hat sich schon fast nach dem guten alten Internet angefühlt
#32 – Sprache in den Medien Teil 5: Prof. Dr. Konstanze Marx zu Sprache in den Sozialen Medien
Wir schließen die ‚Sprache in den Medien‘-Reihe mit einem ganz spannenden Thema: Sprache in den Sozialen Medien. Die Professorin für Germanistische Sprachwissenschaft Dr. Konstanze Marx setzt sich aus sprachwissenschaftlicher Perspektive mit Sprache im digitalen Raum auseinander. Neben den negativen Aspekten wie Cybermobbing und Hatespeech, die bei dem Thema schnell aufkommen, erzählt sie im Interview mit Kati Struckmeyer auch von den vielen tollen Entwicklungen, die durch die Kommunikation im digitalen Raum entstanden sind
Mediensucht – Ein Thema für die Medienpädagogik?! Impulse für das Zusammenspiel von Medien, Mediensucht und Mediensuchtprävention. Editorial
Wie die Mediennutzung von jungen Menschen und deren Bezugspersonen eingeschätzt wird, ist oft im erheblichen Maße abhängig von deren persönlicher Einstellung dem jeweiligen Medium gegenüber. Jedes Medium scheint in der Geschichte seine eigene verlorene Generation zu generieren. Der immer wieder – anhand spezifischer medienhistorischer Phänomene – aufflackernde Diskurs um suchtartige Nutzung unterschiedlicher Medien nimmt in der Corona-Pandemie mit neuer Intensität Fahrt auf. Unter ‚Mediensucht‘ wird dabei ein exzessiver Umgang mit einzelnen oder mehreren elektronischen bzw. digitalen Medien verstanden. Der Begriff wird als Sammelbegriff für vieles gebraucht – häufig wird unter anderem zwischen Computerspielsucht, Social-Media-Sucht, Onlinesucht, Computersucht, Handysucht unterschieden. Dabei ist der Übergang von durchschnittlicher über exzessive bis zur suchtartigen Mediennutzung fließend.
Auffallend ist in aktuellen Diskussionen der oft undifferenzierte Fokus auf die reinen Nutzungszeiten. Zunahmen der Nutzungsdauer von Bildschirm- und Onlinemedien werden im Kontext der Corona-Pandemie mit Nachdruck kommuniziert. Diese erhöhen die Sorge von Eltern und Pädagog*innen. Die reine Quantität der Nutzung sagt jedoch wenig bis gar nichts darüber aus, ob Kinder und Jugendliche den Bereich des selbstbestimmten, funktionalen und kompetenten Medienhandelns verlassen, der ihnen beispielsweise Teilhabe an Bildung und soziale Kontakte ermöglicht.
Vielmehr müssen zur Diagnose von konkreten Mediensüchten spezifische Kriterien wie Kontrollverlust, Vernachlässigung anderer Lebensinhalte und Alltagsaktivitäten sowie die Fortsetzung des Verhaltens trotz negativer Konsequenzen über einen längeren Zeitraum festgestellt werden. Auch wird in der Diskussion häufig übersehen, dass Lockdown, Homeschooling und die Einschränkung alternativer Freizeitaktivitäten unweigerlich zur Erhöhung der Nutzungszeiten führen müssen. Den positiven Aspekten wie dem E-Learning, der Weiterführung sozialer Kontakte und Beziehungen wird zwar Rechnung getragen, die Risikoperspektive dominiert jedoch.
So fordert beispielsweise die DAK-Gesundheitsstudie eine „Präventionsoffensive gegen Mediensucht“ (Thomasius 2021). Die Autor*innen tun dies mit Rekurs auf die beeindruckend hohe Zahl von 700.000 Kindern und Jugendlichen in Deutschland, deren Gaming- und Social-Media-Nutzung als riskant oder pathologisch eingestuft wird. Eine differenzierte Betrachtung des Zusammenspiels von Medien, Mediensucht und Mediensuchtprävention ist daher notwendiger denn je.
Bemerkenswert ist, dass bis vor knapp zehn Jahren keine Form von Mediensucht in einem der einschlägigen medizinischen Manuale geführt und definiert wurde. Felix Reer und Thorsten Quandt legen in ihrem Beitrag entsprechend dar, wie Mediensüchte derzeit definiert werden und welche Risikofaktoren für das Zustandekommen einer suchtartigen Mediennutzung ausschlaggebend sind. Sie geben damit eine Hilfestellung für eine differenziertere Unterscheidung zwischen intensiven und suchtartigen Nutzungsweisen. Neben dieser Grundlegung widmen sie sich der Frage, welchen Einfluss Corona in Hinblick auf eine Ausbreitung suchartiger Mediennutzungsformen hat(te).
Klaus Lutz und Ulrike Wagner nehmen in ihrem Artikel den Stellenwert von Medien im Aufwachsen junger Menschen und konkret der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben in den Blick. Sie fordern, dass das Eingrenzen von Mediennutzungszeiten und damit verbundenen Konflikte im Erziehungsalltag viel stärker aus der Perspektive von Kindern und Jugendlichen gesehen werden müssen. Sie legen folglich einen Fokus auf die zentrale Rolle des Medienhandelns in der Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Ein Steckbrief des GG – E-Sport und Gaming Jugendzentrum dient anschließend als Beispiel für ihr angeführtes Praxisvorhaben.
Mareike Schemmerling hat das Gespräch mit Philipp Benz-Verhülsdonk gesucht. Er arbeitet in der psychosozialen (Sucht-)Beratung für Einzelpersonen, Angehörige und Familien bei der Drogenhilfe Köln. In ihrem Austausch widmen sie sich beispielsweise der Frage, inwiefern sich stoffgebundene Süchte und exzessiven Mediennutzung vergleichen lassen und welche Rolle die Diagnose ‚Sucht‘ im Beratungskontext spielt. Benz-Verhülsdonk gibt darüber hinaus Einblicke in seinen Beratungsalltag.
Auf Basis wissenschaftlicher Studien stellt Karin Knop – nach einer Begriffsbestimmung und einem Exkurs zur Geschichte der Mediensüchte – aktuelle Ergebnisse zur Mediennutzung und Mediensucht von Kindern und Jugendlichen vor und während der Corona-Pandemie vor. Die Befunde zieht Knop heran, um die zeitlos hohe Bedeutung von Medienkompetenzförderung und die Förderung von (medienbezogener) Selbstregulationsfähigkeit und achtsamem Medienhandelns am Beispiel exzessiv-funktionaler bis pathologischer Mediennutzung zu verdeutlichen.
Am Beispiel des Jugendmedienzentrums Connect stellt Florian Seidel präventive Praxisaktivitäten vor. In einer von digitalen Medien durchdrungenen Welt exzessiver und suchtartiger Mediennutzung mit Abstinenz zu begegnen ist für ihn kein zielführender Ansatz. Er beschreibt vielmehr die Bedeutung medienpädagogischer Angebote, in denen Kinder und Jugendliche im Sinne eines handlungsorientierten Ansatzes notwendige Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln können. Ausgehend von Formaten wie FürthCraft und MakerKids geht er auf Potenziale ein, welche medienpädagogische Gamingaktivitäten zur Prävention von problematischen Medienhandeln bieten. Zwischendurch kommen an verschiedenen Stellen immer wieder Jugendliche selbst zu Wort, in Form von markanten Statements aus dem ACT ON!-Jugendpodcast Was geht ... ?.
Nicht zuletzt möchten wir mit diesem Titelthema auch Einblicke geben, wie Jugendliche selbst ihr Medienhandeln erleben, beschreiben, reflektieren, problematisieren und sich damit auseinandersetzen, was eine zuträgliche oder problematische, gar suchtartige Nutzungsweise darstellt
Trendstudie 2022: Jugend in Deutschland
Die meisten Jugendlichen in Deutschland sind sehr vom Krieg in Europa schockiert und befürchten, die Angst davor könne zum Dauerzustand werden. Durch die Pandemie sind viele von ihnen psychisch vorbelastet – so die Studie Jugend in Deutschland in ihrer Sommerausgabe. Obwohl die Corona-Pandemie die Lebenssituation der meisten jungen Menschen verschlechtert hat, erweist sich diese Gesellschaftsgruppe als besonders rücksichtsvoll.
Sie sind in der Mehrheit bereit, Hygienemaßnahmen weiter zu befolgen, 84 Prozent sind nach eigenen Angaben geimpft. Dennoch, Jugendliche stehen unter permanentem Stress. Der wichtigste Halt ist für die meisten die Familie; kaum eine*r glaubtan einen Gott im Sinne traditioneller Religionsgemeinschaften. Es ist ihnen sehr wichtig, dass ihr Beruf zur persönlichen und privaten Lebensqualität beiträgt. Das Einkommen soll für ein gutes Leben reichen, jedoch haben die jungen Menschen wenig Interesse an Karrieremöglichkeiten und Verantwortungsübernahme. Sie ziehen es vor, am Arbeitsplatz tätig zu sein statt im Homeoffice. Und wissen, dass sie sich um ihre Altersvorsorge selbst kümmern müssen. Dadurch zeigen sich große Umbrüche im Sparverhalten.
Die repräsentative Studie basiert auf einer Online-Befragung von 1.021 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren zwischen März und April 2022.
www.simon-schnetzer.com/jugend-in-deutschland-trendstudie-sommer-202
Ein Filme-Machen-Mutmach-Buch
Kaiser, Sissi/ Neuhuber, Juliana (Hrsg.) (2022). Und bitte los! Einfach gemeinsam Filme machen. München: kopaed. 163 S., 18 €.
Mit dem Handbuch Und bitte los! Einfach gemeinsam Filme machen von Sissi Kaiser und Juliana Neuhuber gelingen Filmprojekte bestimmt. Auf 163 bildreichen Seiten gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Kopiervorlagen und Checklisten zum erfolgreichen Filme-Machen. Zudem liefert das Buch viel Filmwissen genauso wie medienpädagogische Methoden. Zahlreiche Fotografien veranschaulichen beispielsweise Einstellungsgrößen und illustrieren die einzelnen Kapitel und QR-Codes leiten auf Video-Beispiele weiter, die die Inhalte noch anschaulicher machen. Die Herausgeberinnen und Gründerinnen von FAME * Filmen Als MEthode liefern damit ein Handbuch für alle, die gerne selbst einmal ein Filmprojekt umsetzen wollen. Dabei werden junge Filmschaffende genauso angesprochen wie pädagogische Fachkräfte, wobei es durch den Aufbau mit Informationen zu Filmwissen wie auch Technik keinerlei Vorwissens bedarf. „Filmemachen ist etwas, das Menschen nachhaltig verbindet. Etwas, worüber sie noch Jahre später gemeinsam lachen oder ins selige Erinnern fallen“, so die Herausgeberin Sissi Kaiser zur Motivation für das Kreativ-Werden mit dem Medium Film. Im ‚Vorspann‘ heben die beiden Herausgeberinnen hervor, welche vielfältigen Möglichkeiten die filmische Auseinandersetzung mit Themen bietet und dass Filme-Machen neben der künstlerisch-performativen Kompetenz und der Medienkompetenz auch die sozial-emotionale sowie etwa die kommunikative Kompetenz fördert.
In Und bitte los! werden die Erfahrung aus 15 Jahren cross-medialer Arbeit von FAME in Workshops, Lehrgängen und Seminaren festgehalten. Aus dem Erfahrungsschatz des FAME-Teams sind zahlreiche kurze wie auch lange Methoden und Konzepte dargestellt. Nach einer grundlegenden Einführung in Einstellungsgrößen und Aufgaben am Set sowie einem Lexikon der Filmbegriffe beginnt das Buch mit konkreten Anleitungen, wobei diese nach ‚spontan und mit wenig Zeit‘ über ‚mit Vorbereitung und wenig Zeit‘ bis hin zu ‚mit Vorbereitung und viel Zeit‘ aufgelistet sind. So findet jede*r schnell die passende Idee für ihr*sein eigenes Projekt. Die einzelnen Methoden werden hierbei leicht verständlich Schritt für Schritt beschrieben. Dabei steht die Niedrigschwelligkeit der Angebote im Fokus. So braucht es für die Umsetzung von Projekten keine teure Technik: In den Anleitungen ist von „Smartphone oder ähnliches Gerät mit Kamerafunktion und Tonaufnahmemöglichkeit“ die Rede und auch im weiteren Verlauf werden einfache und kostengünstige Möglichkeiten aufgezeigt. Neben einer Toolbox mit Hinweisen dazu, was benötigt wird, gibt es Tipps von den Profis, worauf es besonders zu achten gilt oder auch, wie die einzelnen Konzepte abgewandelt werden können.
Neben den Anleitungen werden hilfreiche Informationen zum Rahmen von Filmprojekten gegeben. Hier finden sich etwa Hilfestellungen zur Finanzierung sowie zur Bewerbung von Projekten. Nach den grundlegenden Vorbereitungen für ein Filmprojekt wird im Kapitel ‚Geschichte‘ ausführlich auf die Story-Gestaltung beim Filme-Machen eingegangen. Dabei werden Grundlagen zu Formen und Genres gegeben und erklärt, was es bei einem Drehbuch zu beachten gilt und wie mit einem Storyboard gearbeitet wird. Im Kapitel ‚Departments‘ wird anschließend auf die verschiedenen Aufgaben und Funktionen am Set eingegangen, wobei hier neben der Rolle der Regie beispielsweise auch als Aufgabe des Lichtdepartments die Grundlagen der Beleuchtung am Set beschrieben werden.
Hier wird etwa, wie an vielen Stellen des Buchs, anhand von Fotografien der richtige Einsatz von Licht passend zur Szene erklärt. Damit am Ende aus der Idee und dem daraus entstandenen Filmmaterial auch ein guter Film wird, gibt es im Anschluss Tipps zur Postproduktion. Neben einer Auflistung von Gratis-Schnittprogrammen wird hier auch Videoschnitt für ‚absolute beginners‘ erklärt. Außerdem wird auch auf Nachvertonung und Filmmusik eingegangen. Mit diesem Wissen kann der eigene Film nur gelingen. Und damit beim Drehen auch für das leibliche Wohl gesorgt ist, liefert das Buch auch noch Inspirationen für das Catering am Set.
Neben der Funktion als Handbuch für Filmprojekte bietet das Buch einen tiefen Einblick in die Arbeit und den Erfahrungsschatz der Herausgeberinnen. So werden alle Konzepte und Methoden anhand von Beispielen aus der eigenen Praxis erklärt, wodurch die Arbeit von FAME * Filmen Als MEthode präsentiert wird. Die Schritt-für-Schritt-Anleitungen zu konkreten Ideen könnten hier teilweise die eigene Kreativität der angehenden Filmschaffenden beschneiden. Andererseits können sie auch wertvolle Impulse geben. Das Buch eignet sich folglich sehr für filmisch unerfahrene Personen und nimmt sicherlich auch die Hemmschwelle vor eigenen Filmprojekten. Trotzdem sollten in der Filmarbeit mit Kindern und Jugendlichen in erster Linie immer deren Ideen berücksichtigt und umgesetzt werden. Für Multiplikator*innen gibt es in den Anleitungen Hinweise darauf, mit welcher Gruppengröße und welchen Zielgruppen welche Projekte gut umgesetzt werden können. Teilweise gibt es in den Tipps auch Modifikationen für die Arbeit mit jüngeren Kindern
#39 – Medien. Mediensucht. Mediensuchtprävention. Teil 1: Der Fachredakteur*innen-Talk
Der immer wieder aufflackernde Diskurs um suchtartige Nutzung unterschiedlicher Medien nimmt in der Corona-Pandemie mit neuer Intensität Fahrt auf. Auffallend ist dabei der oft undifferenzierte Fokus auf die reinen Nutzungszeiten. Vielmehr müssen zur Diagnose von konkreten Mediensüchten aber spezifische Kriterien wie Kontrollverlust, Vernachlässigung anderer Lebensinhalte und Alltagsaktivitäten sowie die Fortsetzung des Verhaltens trotz negativer Konsequenzen über einen längeren Zeitraum festgestellt werden. Außerdem wird in der Diskussion häufig übersehen, dass Lockdown, Homeschooling und die Einschränkung alternativer Freizeitaktivitäten unweigerlich zur Erhöhung der Nutzungszeiten führen müssen. Im neuen Heft wird das Zusammenspiel von Medien, Mediensucht und Mediensuchtprävention differenziert betrachtet. Die Fachredaktion des Hefts, Mareike Schemmerling, Klaus Lutz und Karin Knop, spricht im Interview darüber, warum es so wichtig ist, ‚Sucht‘ in Zusammenhang mit Medien genauer zu beleuchten.
Hier geht\u27s zu unserer neuen Ausgabe 22/4 Medien. Mediensucht. Mediensuchtprävention
JIMPLUS 2022 Fake News und Hatespeech
Sexualität (53 %), Art der Körperform (47 %) und Hautfarben (41 %) sind laut der neuen JIMplus Zusatzstudie die drei Hauptinhalte von Hate speech. Obwohl Gefühle wie Wut, Trauer und der Wunsch einzugreifen am stärksten ausgelöst werden, ignorieren die meisten Jugendlichen Hatespeech oder blockieren lediglich den*die Absender*in auf der Plattform, fand die Studie JIMplus Fake News und Hatespeech heraus.
Ähnlich ist es bei Fake News. Zwar sind zwei Drittel der Befragten aktiv und prüfen zumindest gelegentlich die Richtigkeit von Informationen. Jeder Vierte dagegen überprüft Fake News jedoch selten. Zur Kontrolle von zweifelhaften Nachrichten suchen die meisten Jugendlichen nach anderen Quellen (59 %). Als weitere wichtige Instanz beim Überprüfen von Nachrichten gelten die Eltern (49 %). Trotz der Wahrnehmung von Falschnachrichten ist das Ignorieren die verbreitetste Handlungsstrategie. Die Studie macht auch deutlich, dass Jugendliche einen klaren Zusammenhang zwischen Fake News und Hass im Internet sehen. Außerdem steigt der Kontakt mit beiden Phänomenen mit zunehmendem Alter. Die Befragten nehmen einen deutlichen Einfluss von Hatespeech auf die Gesellschaft und auf ihr eigenes Handeln wahr. Ein Drittel der Jugendlichen traut sich aus Angst vor negativen Reaktionen nicht mehr seine Meinung öffentlich zu posten. Hinzu kommt, dass 70 Prozent die Befürchtung haben, dass zunehmender Hass im Internet den Schul- bzw. Ausbildungsalltag verändert.
Die Studie verdeutlicht die Bedeutung eines medienkompetenten Umgangs mit kritischen Inhalten im Internet. Es liegt auch in der Verantwortung der Anbieter, selbst aktiv gegen die Verbreitung von Fake News und Hassrede vorzugehen. Die Durchführung der Zusatzstudie JIMplus erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk (SWR). Im Frühjahr 2022 wurdeninsgesamt 36 Jugendliche von 14 bis 19 Jahren mithilfe von Tagebüchern und Online-Fokusgruppen befragt. Anschließend folgte eine repräsentative Online-Befragung von 12- bis 19- Jährigen in ganz Deutschland.
www.mpfs.de/studien/jim-studie/jimplus-202