merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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#80 - Ist die Demokratiekompetenz von Kindern und Jugendlichen gefährdet? | Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz
In dieser Folge sind Isabell Rausch-Jarolimek und Martin Müsgens von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) zu Gast. Wir sprechen darüber, was Demokratiefähigkeit überhaupt bedeutet und warum und wodurch sie gerade bei jungen Menschen momentan gefährdet ist.
Zur BzK
„Die Erderwärmung wird immer schlimmer" (Junge, 19 Jahre): Was Kinder und Jugendliche zur Klimakrise wissen
Für eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) wurden 1.468 Kinder und Jugendliche (im Alter von 6 bis 19 Jahren) in Deutschland zu ihrem Wissen über die Klimakrise sowie zu eigenen und politischen Handlungsmöglichkeiten befragt
Sexualisierte Gewalt Online technisch erkennen und bekämpfen
Junge Menschen begegnen zunehmend und immer früher sexualisierter Gewalt online. Im Artikel werden sowohl Phänomene als auch deren Dimensionen betrachtet und technische Verfahren sowie Anwendungsfälle vorgestellt, die aufzeigen, welchen Beitrag Technikeinsatz zur Vorbeugung und Bekämpfung dieser illegalen Praktiken leisten kann. Dies trägt dazu bei, die persönliche Integrität von Kindern zu schützen
Hörspiel und Podcast selber machen für Dummies Junior: Ponce Kärgel, Marco (2025). Hörspiel und Podcast selber machen für Dummies Junior. Weinheim: Wiley-VCH. 208 S., 18,00 €.
Schon beim ersten Durchblättern lädt das Buch mit seiner ansprechenden Gestaltung zum Entdecken ein. Die vielfältigen Möglichkeiten eines Hörspiels oder Podcasts spiegelt das Buch auch in seiner Gestaltung wider. Es bietet Kindern ab zehn Jahren einen umfangreichen, anspruchsvollen und dennoch kleinschrittigen Einstieg in die Welt der Audioaufnahmen und -produktion – von Skripterstellung über Equipment-Auswahl und Aufnahme bis hin zur Veröffentlichung.
Die reich bebilderten Seiten veranschaulichen jeden Schritt anhand von Beispielen aus der Praxis. Der Autor empfiehlt vorzugsweise kostenlose Programme. Bei der Anschaffung des benötigten und empfohlenen Equipments – wie einem Mikro fon, einem Audio-Interface oder einem Schallschutz – kann es allerdings etwas teurer werden. Dies ist jedoch bei der Hörbuchaufnahme kaum zu verhindern, wenn ein gewisser Qualitätsstandard erreicht werden soll. Zudem ist das Erlernen des Umgangs mit der Hard- und Software Teil der Herausforderung eines solchen Medienprojekts. Im letzten Kapitel ‚Was noch so geht‘ garantieren zahlreiche kreative Anregungen, dass keine Langeweile bei der Hörspielproduktion aufkommt. So etwa der Vorschlag, eine Slideshow zu erstellen, bei der man seine Audioproduktion mitlaufen lässt, oder ein Hörspiel nur mit Geräuschen und ohne Stimmen zu erstellen, einen Audioguide wie in einem Museum zu erstellen oder gar ein Gemälde zu vertonen. Das Buch richtet sich an Kinder und Jugendliche. Doch auch Pädagog*innen oder Eltern, die mit Heranwachsenden ein Medienprojekt zum Thema Hörspiel und Podcast durchführen wollen, haben mit diesem Lernkurs einen sehr gut aufgebauten Leitfaden zur Hand
#83 - Fachredaktionstalk | Medienpädagogik und Klimakrise
Die Klimakrise ist eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit – und auch eine Aufgabe für die Medienpädagogik. In einer Welt, die zunehmend von technologischen und ökologischen Umbrüchen geprägt ist, muss sich auch unsere Disziplin mit Fragen der Nachhaltigkeit, Desinformation und digitalen Handlungsräume auseinandersetzen. Tina Drechsel und Prof. Dr. Angelika Beranek berichten im Interview, wie sie die aktuelle Ausgabe mit Blick auf medienpädagogische Verantwortung, kreative Zugänge und die Lebensrealität junger Menschen entwickelt haben.
Hier geht\u27s zu unserer neuen Ausgabe 25/02 Medienpädagogik und Klimakrise
Spieletipps zur Nutzung im pädagogischen Bereich
Die Fachredaktion stellt drei Spiele vor:
"Join the Comfortzone",
"Bad News",
"Heave Ho"
Lasst sie halluzinieren!
Kinder und Jugendliche sollen in der Lage sein, den Wahrheitsgehalt von KI-Botschaften kritisch zu beurteilen. Das Halluzinieren ist eine der großen medienpädagogischen Herausforderungen in immer komplexeren Medienwelten. Problematisiert man die Halluzinationen jedoch lediglich als die Abwesenheit von Wahrheit, drohen wir die Wahrhaftigkeit KI-generierter Kommunikation zu übersehen.
Seit wann werden Medienbotschaften so streng an ihrem Wahrheitsgehalt bemessen? Als Quentin Tarantino in Inglourious Basterds Hitler killte, rief wohl niemand „Fake News!“. Auch die Facebook-Profile der Charaktere von Berlin – Tag und Nacht werden als Fiktion akzeptiert. Selbst als das Katzen-Marmeladenbrot-Paradoxon (Marmeladenbrot landet immer auf der Marmeladenseite; Katzen immer auf den Füßen – was passiert, wenn man ein Marmeladenbrot auf eine Katze bindet?) intensiv im Internet diskutiert wurde, kam niemand auf die Idee, dass Kinder und Jugendliche in der Lage sein müssten, dieses wunderbare Gedankenexperiment kritisch zu beurteilen. Keines dieser Beispiele braucht Wahrheit, hinter jedem verbirgt sich je- doch eine medienbezogene Wahrhaftigkeit.
Aber wer halluziniert hier eigentlich? Vor einiger Zeit schloss eine Keynote auf einer wissenschaftlichen Tagung zu KI in der Bildung ernsthaft mit der These, dass diese neue Technologie dazu führe, dass Lehrkräfte letztlich mehr Zeit für Kreativität und menschliche Interaktionen hätten. Klar, wenn die Maschinen die Hausarbeiten korrigieren, die sie zuvor geschrieben haben, können wir die Schule als Ort der Bildung und Entfaltung wiederentdecken. Bis dahin werden die knappen Lehrkräfte wohl ihre frei gewordene Zeit darin investieren, noch mehr Unterrichtsstunden zu bestreiten.
Wenn man die strikte Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit an die Seite stellt, ist das Halluzinieren die interessanteste Fähigkeit generativer KI. In meinen Seminaren zu KI in der Bildung lasse ich Studierende über vermeintliche Zitate von Adorno, McLuhan oder Bourdieu diskutieren – ohne zu Beginn offenzulegen, dass die Aussagen generiert wurden. Sobald ich sie darüber aufkläre, reagieren die Studierenden oft mit einer Mischung aus Scham und Misstrauen. Die interessante Frage lautet dann: Warum können wir eine Diskussion über eine Aussage führen, die von einer Maschine stammt – egal ob sie wahr ist oder nicht?
Hier zeigt sich der Moment, in dem uns das Medium selbst als Botschaft entgegentritt. Generative KI ist ein kulturelles Echolot: Sie sendet sprachliche Signale in die Tiefen kollektiver Datenbestände, von wo sie als verzerrte Echos zurück an die Oberfläche menschlicher Kommunikation reflektiert werden. Dabei ist nicht jede Botschaft wahr. In den Echos generativer KI steckt jedoch Wahrhaftigkeit, die uns herausfordert, neue Lesarten zu entwickeln und den Sinn von Botschaften über ihren Wahrheitsgehalt hinaus zu finden.
Deshalb: Lasst sie halluzinieren
Internationale Studie: ICILS 2023
Die digitalen Kompetenzen von Achtklässler*innen in Deutschland liegen weiterhin über dem internationalen Durchschnitt (Deutschland: 502 Punkte, international: 476 Punkte). Dennoch zeigt die ICILS 2023 einen signifikanten Rückgang: Während die Werte in den vergangenen zehn Jahren stabil waren (2013: 523 Punkte, 2018: 518 Punkte), sind sie erstmals deutlich gesunken. Nur 1,1 Prozent der Jugendlichen erreicht die Leistungsspitze, gut vierzig Prozent verfügen lediglich über Grundkenntnisse. Die Kompetenzen variieren stark nach besuchter Schulform. Schüler*innen an Gymnasien erzielten mit 559 Punkten ein wesentlich höheres Kompetenzniveau als an anderen Schulformen (472 Punkte). Weiterhin zeigen sich deutliche Unterschiede bezogen auf soziale und herkunftsspezifische Faktoren. Mit mehr als 90 Prozent sieht ein Großteil der Achtklässler*innen in Deutschland die Schule als den Ort, der ihnen das Lernen mit digitalen Medien ermöglichen sollte, und äußert hohe Motivation beim Lernen mit digitalen Medien. Gleichzeitig besucht nur etwa ein Zehntel (10,2 Prozent) der Achtklässler*innen eine Schule, an der adaptive Lernsysteme für Lehrkräfte und die Schüler*innen verfügbar sind (international: 23,5 Prozent, EU: 20,5 Prozent). Der Anteil der Lehrkräfte, die digitale Medien täglich im Unterricht nutzen, hat sich seit 2013 zwar enorm gesteigert (2013: 9,1 %, 2018: 23,2 %, 2023: 69,9 %), im internationalen Vergleich wird bei der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften in Bezug auf Digitalisierung jedoch Entwicklungsbedarf deutlich.
Die repräsentative Studie ist eine international vergleichende Schulleistungsuntersuchung, koordiniert von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA). Sie untersucht computer- und informationsbezogene Kompetenzen von Achtklässler*innen weltweit. Im Jahr 2023 nahmen weltweit 35 Länder teil, davon 22 EU-Mitgliedstaaten. Für Deutschland befragte ein Konsortium unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Eickelmann (Universität Paderborn) 5.065 Schüler*innen, 2.302 Lehrkräfte sowie Schulleitungen und IT-Koordinator*innen an 230 Schulen. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.
https://waxmann.co
Lernende und ihre emotionalen Anliegen in der Interaktion mit Chatbots
In der Studie werden 1.242 Chatnachrichten von Kindern (8–11 Jahre) mit einem KI-gestützten Chatbot auf einer Lernplattform analysiert. Die Ergebnisse zeigen: Kinder nutzen den Bot nicht nur als Lernhilfe, sondern auch als emotionales Gegenüber. Vielfältige Ausdrucksformen, von Nähe über Unsicherheit bis zu Gesprächswünschen, verdeutlichen die soziale Adressierung und eröffnen neuePerspektiven auf digitale Lernkommunikation.
The study analyzes 1,242 chat messages from children aged 8 to 11 interacting with an AI-supported chatbot on a learning platform. The results show that children use the bot not only as a learning aid but also as an emotional counterpart. A wide range of expressions, from seeking closeness to showing uncertainty and initiating conversations, highlights the social addressing and opens up new perspectives on digital learning communication
Deutsche Jugendliche besonders häufig vor dem Bildschirm
Im internationalen Vergleich verbringen Jugendliche in Deutschland ab 15 Jahren besonders viel Zeit vor Bildschirmen. Das hat die aktuelle Studie How’s Life for Children in the Digital Age? der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) ergeben. Ihre Bildschirmzeit übersteigt häufig die von Gesundheitsorganisationen empfohlene Zeit von zwei Stunden pro Tag. Diese übermäßige Nutzung kann unter anderem zu Depressionen und Einsamkeit führen. Auf der Grundlage aktueller länderübergreifender Daten (u. a. PISA 2022) gibt der Bericht einen Überblick über das Leben von Kindern, die innerhalb der OECD-Länder (38 Mitgliedsländer, darunter viele europäische Staaten, aber auch Länder aus Asien, Amerika und Australien) aufwachsen. Dabei werden sowohl die Herausforderungen als auch Chancen des Medieneinflusses beleuchtet. Im Fokus der Studie stehen jene Strategien, die zu einer Verbesserung des Wohlbefindens von Kindern führen und Medienkompetenz fördern.
Eine zentrale, insbesondere an die Politik gerichtete Forderung des Berichts ist, ganzheitliche, rechtebasierte und sektorübergreifende Konzepte zu entwickeln, welche die Sicherheit von Kindern im On- und Offlineraum sicherstellen. Zusätzlich sind die Datenerhebungs- und Überwachungsmöglichkeiten zu verbessern. Risiken wie Cybermobbing sollen besser nachvollzogen und reduziert werden. Für die konkrete gesellschaftspolitische Umsetzung bedeutet das, wirksame(re) Regulierungen zu schaffen, Technologien und Dienstleistungen mit Fokus auf der Sicherheit von Kindern zu unterstützen, Kinder und ihre Perspektiven in politische Gestaltungsprozesse einzubeziehen, Medienkompetenz stärker zu fördern sowie Beratungsmöglichkeiten für Eltern und Betreuende zu schaffen.
Der Bericht wurde vom OECD Centre on Well Being, Inclusion, Sustainability and Equal Opportunity (WISE Centre) erstellt und 2025 veröffentlicht.
https://oecd.org/en/publication