merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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Digital Streetwork: Grenzenlose Jugend(Sozial-)Arbeit im grenzenlosen Raum des Internets?
Im Rahmen von Digital Streetwork werden Jugendliche und junge Erwachsene auf verschiedenen Online-Plattformen aufgesucht, beraten und begleitet. Die Fachkräfte, die in diesem Arbeitsfeld tätig sind, bewegen sich bei ihrer Arbeit innerhalb von drei zentralen Spannungsfeldern. Dabei werden Ansätze zur Bearbeitung der damit verbundenen neuartigen Herausforderungen deutlich
Von aktiver Medienarbeit zur aktiven Arbeit mit Medien? Konstanten, Wandel und aktuelle Entwicklungen
In diesem Artikel stellen wir der Aktiven Medienarbeit die Entwicklung hin zu einer vielstimmigen aktiven Arbeit mit Medien gegenüber. Dabei legen wir eine Reihe von Beobachtungen dar, die eine Pluralisierung und bisweilen auch Entgrenzung beschreiben. Keinesfalls geht es darum, unterschiedliche Ansätze der praktischen Medienarbeit gegeneinander aufzuwiegen. Unser Ziel ist vielmehr, Einblicke in die Heterogenität von Herangehensweisen zu geben, die heute auch außerhalb der Medienpädagogik bestehen
Steckbrief: ,Like, Follow, Comment - Influencer*innen im Netz\u27: Webhelm Methodenpaket
Influencer*innen haben vieles zu bieten. Sie lassen ihre Follower*innen an ihrem Leben teilhaben und liefern Unterhaltung, Inspiration und Orientierung. Jugendliche können in Influencer*innen vielfältige Vorbilder finden, gleichzeitig steckt auch ein Geschäftsmodell dahinter. Die meisten bekannten Content Creator*innen dienen als Werbefiguren – in ihren Postings verschwimmen die Grenzen zwischen persönlichen Empfehlungen und bezahlten Werbeinhalten. Jungen Menschen kann es so mitunter schwerfallen, dieses Geschäftsmodell zu durchschauen. Um Jugendliche zur Reflexion über Influencer*innen anzuregen und ihnen das dahinterstehende Geschäftsmodell zu erläutern, ist im Rahmen des Projekts webhelm – kompetent online ein sogenanntes Starterkit entstanden. Dabei handelt es sich um eine Projektbox, die pädagogischen Fachkräften alle Materialien liefert, die sie für einen zweitägigen Workshop zum Thema Influencer*innen benötigen. Enthalten sind Methodenbeschreibungen, Hintergrundinformationen und Anschauungsmaterialien.
Die Materialien des Starterkits sind in zwei Einheiten gegliedert. Die erste Einheit legt den Fokus auf das Berufsbild und das Geschäftsmodell von Influencer*innen. In reflexiven und aktiven Methoden setzen sich die Teilnehmenden intensiv und differenziert mit Influencer*innen und ihrem Berufsbild auseinander. Sie haben die Möglichkeit, über ihre liebsten Influencer*innen zu reflektieren, beschäftigen sich mit deren Glaubwürdigkeit und lernen, welche Marketing-Strategie damit verbunden ist. Begriffe wie ‚Nano- oder Mega-Influencer*innen‘ werden erklärt und die rechtliche Lage bezüglich Werbekennzeichnung erläutert. Außerdem werden die Teilnehmenden selbst aktiv: Im Rahmen eines Rollenspiels dürfen sie fiktive Influencer*innen verkörpern und sich mit kreativen Ideen für einen fingierten Werbedeal bewerben. Diese aktive Methode bringt ihnen den Arbeitsalltag von Influencer*innen näher und zeigt, wie viel Arbeit und Aufwand hinter deren Postings steckt. Die zweite Einheit des Starterkits widmet sich dem Thema Geschlechter- und Rollenbilder. Das Spannungsfeld zwischen Erfolg und einseitigen Rollenbildern wird verständlich erläutert. Auch die Möglichkeit, Social Media als Sprachrohr für Vielfalt zu nutzen, wird den Teilnehmenden nähergebracht. Hierbei kommt erneut eine praktische Methode zum Einsatz: Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, gestalterisch kreativ zu werden und ein Kampagnenplakat zum Thema Vielfalt zu gestalten.
Das Starterkit bietet pädagogischen Fachkräften eine niedrigschwellige Möglichkeit, mit ihrer Zielgruppe umfassend zu Influencer*innen und dem dahinterstehenden Geschäftsmodell zu arbeiten. Fachkräfte aus Bayern können die Projektbox kostenfrei bestellen, außerdem stehen alle Materialien online zum Download bereit. webhelm ist ein Info-Angebot für pädagogische Fachkräfte und interessierte Erwachsene, welches sich der Frage widmet, wie Kinder und Jugendliche sich Online-Medien aneignen und wie sie dabei von Fachkräften und Eltern unterstützt werden können. Im Rahmen des Projekts werden bayernweit Workshops mit Kindern und Jugendlichen, Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte sowie Elternabende angeboten. Auf der Online-Plattform webhelm.de finden pädagogische Fachkräfte neben hilfreichen Artikeln und medienpädagogischen Methoden auch Materialien, die sich für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen anbieten. webhelm ist ein Projekt des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in Kooperation mit der Aktion Jugendschutz – Landesarbeitsstelle Bayern e. V. und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.
https://webhelm.d
Steckbrief: ACT On! Methoden zum Themenbereich Ökonomie und Medien
ACT ON! ist ein medienpädagogisches Forschungs- und Praxisprojekt, in dem sich alles um das Aufwachsen zwischen Selbstbestimmung und Schutzbedarf bei der Nutzung von Online-Medien dreht. Um Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren und sie zu einer Reflexion ökonomischer Strategien und Strukturen im digitalen Raum anzuregen, wurden im Projekt ACT ON! – Aufwachsen zwischen Selbstbestimmung und Schutzbedarf verschiedene Methoden und Materialien entwickelt. Zwei werden an dieser Stelle exemplarisch vorgestellt.
Methode 1: Youtube-Shop
Aus dem Vorhaben, sich nur ein Video auf YouTube anzuschauen, können schnell zwei Stunden werden. YouTube möchte seine Nutzer*innen so lange wie möglich auf der Plattform halten und erreicht dies durch Empfehlungsalgorithmen sowie gezielte Strategien der YouTuber*innen. In der Methode Der YouTube Shop werden diese Inhalte spielerisch erarbeitet. Jugendliche setzen sich dabei zunächst mit ihrer eigenen YouTube-Nutzung auseinander. Anschließend schlüpfen sie in die Rollen von Verkäufer*innen und Kund*innen eines fiktiven YouTube-Shops. Ziel der Verkäufer*innen ist es, die Kund*innen möglichst lange im Shop zu halten – dies erreichen sie durch Empfehlungen von YouTube-Videos, die den Interessen der Kund*innen entsprechen.
Methode 2: Terminpuzzle
Der Alltag von YouTuber*innen kann stressig sein. Dies wird aus der Rezeptionsperspektive von Kindern und Jugendlichen jedoch häufig anders eingeschätzt. Beim Terminpuzzle befüllen Kinder und Jugendliche in der Rolle von fiktiven YouTuber*innen ihren Terminkalender. Im Anschluss wird diskutiert. Die Methode regt an, gemeinsam darüber nachzudenken, wie der Alltag von YouTuber*innen aussieht. Aus Produktionsperspektive setzen sich die Kinder und Jugendlichen spielerisch und kreativ damit auseinander, wie viel Aufwand hinter einem YouTube-Kanal steckt und welche Kompetenzen für diesen Beruf wichtig sind. Der Fokus der Methode liegt auf der Plattform YouTube, kann jedoch auf andere Plattformen übertragen werden. Hierfür können Szenarien und Puzzleteile angepasst werden.
Die Praxis- und Forschungsmodule von ACT ON! fokussieren seit 2015 das Online-Handeln von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 14 Jahren. Die Projektergebnisse stehen auf dem Projektblog allen Interessierten frei zur Verfügung. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und findet im Rahmen der Initiative Gutes Aufwachsen mit Medien statt.
https://act-on.jff.d
Trauer und Turnschuh: Ein Podcast zur deutschen Erinnerungskultur
S. Fischer Verlag (2023). Trauer & Turnschuh. Podcast, kostenfrei, diverse Podcast-Plattformen
Die „emotionale Afterhour der Vergangenheit“, so nennen Hadija Haruna-Oelker und Max Czollek im Trailer ihren Podcast Trauer und Turnschuh, in dem sie einmal im Monat darüber reden, was ihrer Meinung nach aus unserer Vergangenheit vergessen und verdrängt wurde, und was das mit unserer Gesellschaft macht. Sowohl Haruna-Oelker also auch Czollek sind Bestsellerautor*innen. Czollek brachte 2018 mit Desintegriert euch! eine Streitschrift heraus, die große Beachtung fand und viel diskutiert wurde. Haruna-Oelker zeichnet für Die Schönheit der Differenz. Miteinander anders denken verantwortlich, das 2022 erschienen ist. In Trauer und Turnschuh reden die beiden über das Erinnern, vor allem aber auch über das Vergessen, nämlich das Vergessen der Geschichten, die nicht erzählt werden, weil sie nicht in die deutsche Erinnerungskultur ‚passen‘. Damit das Thema nicht zu schwer erscheint, reden Czollek und Haruna-Oelker sehr locker und meist leicht zugänglich darüber – dafür steht auch der Turnschuh im Titel. In der ersten Folge wird zu Beginn der sprachliche Unterschied zwischen Vergangenheit, Geschichte und Erinnerung ausdifferenziert, der eine der Grundlagen des Podcasts ist. Vergangenheit wird von Haruna-Oelker und Czollek als die Masse der Dinge, die passiert sind, verstanden. Geschichte wiederum als das, was wir davon auswählen und erzählen, verbunden mit einer bestimmten Dramaturgie. Erinnern schließlich ist sehr individuell und wird gleichzeitig gesellschaftlich verhandelt. Die beiden Podcast-Hosts machen es sich zur Aufgabe, das Erinnern ‚zu stören‘, indem sie den Fokus vor allem auf die Leerstellen des Erinnerns richten, und finden in weiteren Folgen verschiedene Antworten darauf, warum das Erinnern so wichtig ist.
Nachdem in der ersten Folge verschiedene Schlaglichter auf ganz unterschiedliche Themen und Begriffe gesetzt wurden, geht es in der zweiten Folge sehr konkret um das Sterben von Täter*innen. Der mediale Fokus liege immer auf den Opfern, so dass Haruna-Oelker und Czollek versuchen, die dadurch entstehende Lücke zu schließen, und die Frage der Täter*innen und ihrer Bestrafung zu beleuchten. Sie sehen in der Erzählung der Opfer eine Ersatzerzählung, die etabliert wurde, um die ausbleibende Strafe der Täter*innen nicht thematisieren zu müssen. Dazu befragen sie den Juristen und Philosophen Achim Dörfer, der die juristische Perspektive der Gerechtigkeit einbringt. Folge 3 und 4 widmen sich den Spezifika der ost- bzw. westdeutschen Erinnerungskultur. Dabei wird zum Beispiel auf den kommunistischen Widerstand und die DDR-Migrationsgesellschaft sowie bürgerlich-mittige Kulissen, postnationalsozialistische Befindlichkeiten und postmigrantische Aufbrüche in der Bundesrepublik Deutschland eingegangen. In Folge 5 widmen sich Haruna-Oelker und Czollek dem Kolonialismus und der Erinnerung daran. Sie wollen ein größeres Bild als allgemein üblich zeichnen, indem sie den Nationalsozialismus mit dem Vorkapitel des Kolonialismus verbinden. An der Neuperspektivierung dieser Zusammenhänge wirkt die Historikerin Manuela Bauche mit. In Folge 6 mit dem Titel Was lernst du da? Unterricht und Gegenwartsbewältigung geht es darum, wie die bisher diskutierten Themen an Heranwachsende vermittelt werden können. Mit der Politikwissenschaftlerin und Gymnasiallehrerin Michal Schwartze sprechen Haruna-Oelker und Czollek über antisemitismus- und rassismuskritischen Lernstoff und Leerstellen dazu im Curriculum. Weiter diskutieren sie, was nötig ist, um Geschichte zu vermitteln und wie dabei kein rassistisches oder antisemitisches Framing reproduziert wird. Ein komplexes Thema, aus dem die Hörenden viel Wissen und neue Perspektiven gewinnen können. Hervorzuheben sind auch die Shownotes der jeweiligen Folgen. Wer sich weiter belesen, Wissen vertiefen und zusätzliche Perspektiven gewinnen möchte, findet hier viele Inspirationen. Haruna-Oelker und Czollek haben die Mission, mit ihrem Podcast viele Menschen zu erreichen, und wollen deshalb nicht elitär in der Sprache sein. Das gelingt leider nicht immer. Trotzdem ist der Podcast sehr hörenswert und man kann gespannt sein, welche Themen noch behandelt werden.
Trauer & Turnschuh ist Teil der Initiative Wissen Erinnern Fragen1 der S. Fischer Verlage.
1 https://fischerverlage.de/wissen-erinnern-fragen-tagun
Nur noch eine Episode … Binge-Watching zwischen vertieftem Sehvergnügen und reuevollem Exzess
Binge-Watching, die exzessive Nutzung mehrerer aufeinander folgender Episoden von Serien, wird auf Basis des internationalen Forschungsstandes beleuchtet. Nach Definition des Phänomens werden die Motive und Wirkungen dieser Nutzungsweise von Streamingangeboten vorgestellt. Die Befunde zu dem Spektrum zwischen erhöhtem Rezeptionsgenuss und unkontrollierter Sucht werden in Implikationen für die medienpädagogische Praxis überführt
Zündel, Jana (2022). Fernsehserien im medienkulturellen Wandel. Herbert von Halem. Köln. 380 S., 34,00 €
Wo hört Fernsehen auf und wo beginnt Streaming? Im Rahmen ihrer Dissertation untersucht die Autorin Jana Zündel an TV- und Streaming-Serien sowie an deren Paratexten (Recap, Vorspann und Abspann) den Transformationsprozess des Fernsehens. Sie unterscheidet zwischen Serien im Zeitalter von Pay-TV, DVD-Boxen und Video-on-Demand und beschreibt anhand dieser Differenzierung die ökonomische und institutionelle Vielfalt des Mediums insgesamt. In der Publikation wird hinterfragt, ob Serien, die auf Plattformen wie Netflix gestreamt werden können, überhaupt noch Fernsehen sind. Außerdem wird dargestellt, wie Fernsehen im Zuge seiner geänderten Nutzungsformen einen grundsätzlichen Wandel durchläuft, an dessen Ende ein Hybridmedium steht. Die Studie erweitert den gegenwärtigen Stand der Forschung zu Fernsehen und Streaming. Insgesamt ist das Werk in zwei Teile gegliedert. Nach einer Einführung, in der Fragen zum Status der Fernsehserie und des Fernsehens geklärt werden, beginnt der erste Teil mit dem Titel Transformationen der Fernsehserie und des Fernsehens. Es geht hier unter anderem um mediale und diskursive Stadien der Serie sowie einen multiperspektivischen Blick auf das Fernsehen. Im zweiten Teil Der Fernsehrezeptionswandel durch das Brennglas serieller Paratexte betrachtet werden die Transformationsprozesse anhand von Recap, Intro und Episodenabspann tiefgehender untersucht. Das letzte Kapitel Fernsehen ist, was du daraus machst? beschreibt die Verantwortung des Individuums bei der Auswahl und Nutzung von Fernsehinhalten. Es wird daran erinnert, dass wir bis zu einem gewissen Grad die Kontrolle darüber haben, wie wir Medien nutzen, und dass positive und negative Auswirkungen abhängig sind von unseren Entscheidungen und Prioritäten. Ein spannender Impuls für Medienpädagog*innen wie auch generell für den laufenden Diskurs über die Rolle des Fernsehens in unserer Gesellschaft und die individuelle Verantwortung im Umgang mit diesem.
Zündel, Jana (2022). Fernsehserien im medienkulturellen Wandel. Herbert von Halem. Köln. 380 S., 34,00
Generationsübergreifende konjunktive Erfahrungen im unterrichtlichen Medienhandeln
Der Artikel geht der Frage nach, ob und wie die normative Orientierung gegenüber dem digitalen Wandel das unterrichtliche Medienhandeln von Lehrpersonen verschiedener Generationen prägt. Anhand einer Studie wird gezeigt, dass entsprechende handlungsleitende Orientierungen generationenübergreifend vorliegen. Als mögliche Gründe werden generationenübergreifende konjunktive Erfahrungen und die professionelle Entwicklung der Lehrkräfte diskutiert.The article discusses whether and how normative orientations towards digital transformation influence teachers of different generations in their media use in classroom teaching. Based on research findings, it is shown that these orientations influence teaching practices across generations. Intergenerational conjunctive experiences and teachers’ professional development are discussed as possible reasons for this phenomenon
Polarisierung der Gesellschaft: Erkenntnisse aus der Jugendforschung. Gespräch mit Klaus Hurrelmann
Wie gehen Jugendliche mit der Herausforderung gleichzeitiger Krisen um? Was benötigen sie an Unterstützung im familiären Umfeld, in der Schule, in der Gesellschaft? Und welche Rolle können Medienpädagogik und politische Bildung dabei spielen? Diesen und weiteren Fragen gehen Klaus Hurrelmann und Dagmar Hoffmann in ihrem Gespräch nach
Steckbrief: Institut für E-Beratung
Seit über zehn Jahren beforscht und entwickelt das Institut für E-Beratung die Onlineberatung zu Themen der psychosozialen, Bildungs- oder auch Gesundheitsberatung. Im Rahmen der Digitalisierung bildet Onlineberatung einen wichtigen Baustein für ein niedrigschwelliges und zukunftsorientiertes Beratungsangebot für Menschen in besonderen Lebenslagen. Gegründet wurde das Institut an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm von Prof. Richard Reindl. Die methodische Fundierung der Onlineberatung war das erste Anliegen des neuen Instituts. So wurde zunächst eine erste studentische Zusatzausbildung begründet und wenig später das erste Hochschulzertifikat Onlineberatung. Beide Kurse sind bis heute sehr gut nachgefragt.
Die technischen Formen der Beratung haben sich im Laufe der Zeit verändert. Heute haben ein reflektiver, längerer Mailaustausch und ein lebendiges Forum Konkurrenz bekommen von schnelleren Kurztexten über Messenger. Vor allem in der Coronakrise ist der Videochat beliebt geworden. Jede Beratungsmethode verlangt Zusatzwissen und besondere Kompetenzen. Das Feld der Onlineberatung ist inzwischen von einer großen Vielfalt an wissenschaftlichen Publikationen und Weiterbildungsangeboten geprägt. Sowohl in der Forschung als auch bei der Entwicklung hochwertiger Weiterbildungsangebote setzt das Institut für E-Beratung bis heute Maßstäbe in der deutschsprachigen Fachcommunity. Mit der Vielfältigkeit der Beratungsmethoden sind die Übergänge zwischen den Methoden wichtiger geworden. So passen viele Beratungsstellen ihre Beratungskonzepte an und integrieren digitale Angebote in den Beratungsalltag. Diese neue Entwicklung wird am Institut in einer verstärkten Nachfrage nach Workshops zum Aufbau ‚technischer Beratungskonzepte‘ deutlich. Zwar entwickelte das Institut mit der EBS – E-Beratungssoftware eine umfassende und datensichere Softwarelösung, die solche fachlichen Transformationsprozesse ermöglichen kann, mindestens ebenso wichtig ist jedoch, dass aus der fachlichen Perspektive der Sozialen Arbeit ein stimmiges Konzept zur Integration digitaler und analoger Unterstützungsangebote und -methoden entwickelt wird.
Hinzu kommt die digitale aufsuchende Arbeit als neuer Forschungsschwerpunkt. Streetwork im Netz ist aufsuchende Soziale Arbeit in Internetforen und über Social Media Kanäle, ergänzt durch geschützte Online-Kanäle für datensichere Beratung. Empirisch fundierte Erkenntnisse zu wirksamen Methodenund sinnvollen Haltungen der Fachkräfte in diesem neuen Bereich sind ein wichtiges Ziel der Forschungstätigkeit des Instituts. Um den gewinnbringenden Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis sicherzustellen, fließen die Forschungsergebnisse zeitnah in Fort- und Weiterbildungsangebote ein.
Professor Robert Lehmann hat als neuer akademischer Leiter einen weiteren Schwerpunkt in die Institutsarbeit eingebracht: Künstliche Intelligenz (KI) in der Sozialen Arbeit. KI verändert in den nächsten Jahren alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, auch die Praxis der Sozialen Arbeit. In der Lebenswelt der Klient*innen ist sie bereits voll angekommen. Um hier handlungsfähig zu bleiben, ist es notwendig gerade auch aus der Perspektive der Sozialen Arbeit belastbare Wissensbestände aufzubauen. Die Aktivitäten des Instituts zielen darauf, die Chancen und Risiken von KI in Feldern der Sozialen Arbeit zu verstehen (z. B. KAIMo [1]) und außerhalb kommerzieller Interessen selbst zu gestalten (z. B. CASoTex [2] und E-Beratungsdatensatz [3]). Weiterhin werden die experimentellen Prototypen als Entlastungsangebote (Chatboterstellung [4], Empowering Learning [5], Smart Hospital [6]) in die psychosoziale Arbeit integriert. Ein umfangreiches KI Gutachten über die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher-Intelligenz-Software in aufsuchenden, digitalen Angeboten der Migrationsberatung liefert einen Überblick über die Entwicklungstendenzen und die Möglichkeiten zur Förderung des verantwortungsvollen Einsatzes von KI im Bereich der Migrationsberatung in Deutschland.
Kostenfrei zugänglich für die Fachwelt der Sozialen Arbeit stellt das Institut über die virtuelle Hochschule Bayern ein umfangreiches Bildungsangebot im Kurs ‚KI und Soziale Arbeit‘ bereit, um schnell und hochwertig über den Stand der Forschung zu diesem Thema zu informieren und eine profunde Einschätzung der Potenziale aus der Perspektive der Sozialen Arbeit zu ermöglichen. Das Institut forscht auch in den kommenden Jahren weiter zu Trends, Wirkung und Qualität von Onlineberatung und technischen Innovationen, die die Praxis der Sozialen Arbeit unterstützen können, coacht soziale Träger bei der Implementierung von Onlineberatung und unterhält einen breiten Qualifizierungsbereich. Jeden September veranstaltet das Institut das Fachforum Onlineberatung, in der sich Fachkräfte zu aktuellen Entwicklungen in der Branche austauschen.
• [1] FORSCHUNGSPROJEKT: Kann ein Algorithmus im Konflikt moralisch kalkulieren?
• [2] FORSCHUNGSMETHODE: Computergestützte Analyse Sozialwissenschaftlicher Texte mit Hilfe maschineller Lernverfahren
• [3] FORSCHUNGSPROJEKT: Erstellung eines öffentlichen Datensatzes für die Untersuchung maschineller Lernverfahren in der psychosozialen Online-Beratung
• [4] DREI FORSCHUNGSPROJEKTE: Der virtuelle Klient, Digitale Assistenz in der psychosozialen Beratung, Interactive Artificial Intelligence
• [5] FORSCHUNGSPROJEKT: Empowering Learning – Ermöglichung adaptiven Lernens in der beruflichen Weiterbildung
• [6] FORSCHUNGSPROJEKT: Smart Hospital: Ambulante Onlinebegleitung bei Harnleitersteinen
www.e-beratungsinstitut.d