merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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    Transnationale Räume und mediale synthetische Praktiken: Sozialität im Wandel

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    Mit dem Konzept skopische Medien, das um akustische Medien erweitert wird, widmet sich der Text den globalen medialen Praktiken von Migrant*innen. In deren grenzüberschreitender Kommunikation wird unter anderem Distantes hör- und sichtbar gemacht, es zeigen sich neue Formen von Präsenz, es werden verschiedene Zeit- und Raumzonen miteinander verknüpft, kurz, es entstehen synthetische Wirklichkeiten. Im Kontext dieser Wirklichkeiten bilden sich neue Sozialformen wie ein neuer Typus von Familie: die Weltfamilie. Die digitale Durchdringung neuer Sozialformen sorgt dafür, dass diese gesamtgesellschaftliche Brisanz gewinnen

    Die Mandate medienpädagogischer Professionalität

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    Die Medienpädagogik ist ein vielfältiges Arbeitsfeld, in dem eine Vielzahl professioneller Akteur*innen in Praxis, Forschung und Transfer tätig sind. Die Bedingungen ihres professionellen Handelns verändern sich stetig. Im trans- und interdisziplinären Feld der Medienpädagogik stellt sich daher die Frage, wie übergreifende Maxime der Professionalität formuliert werden können. Im Sammelband Umrisse einer Pädagogik des 21. Jahrhunderts im Kontext der Digitalisierung suchen 20 Autor*innen in 16 Beiträgen Antworten. Die Artikel sind in Arbeitsgruppen des GEW Bundesforums Bildung in der digitalen Welt entstanden und eröffnen eine Bandbreite aktueller theoretischer und praktischer Überlegungen in diversen Handlungsfeldern der Medienpädagogik. Dazu werden theoretische, ethische und praktische Herausforderungen der Digitalisierung unter dem Primat der Pädagogik formuliert und explizit Forderungen an die Politik abgeleitet. Die Beiträge durchzieht deutlich eine politische Dimension. Die Hürden des föderalen Bildungssystems werden aufgegriffen und Forderungen an Bund und Länder abgeleitet. Diese umfassen unter anderem die Finanzierung und Verstetigung medienpädagogischer Bildungsangebote, die Verbesserung digitaler Teilhabemöglichkeiten und die Demokratisierung der (digitalen) Bildung in der Medienpädagogik. Es wird aber auch das politische Mandat der Medienpädagogik zur Medienkompetenzförderung deutlich. Besonders sichtbar wird dieses Mandat in den Beiträgen über die schulischen Handlungsfelder. Hier setzen sich die Autor*innen kritisch mit der KMK-Strategie Bildung in der Digitalen Welt und ihren Implikationen auseinander. Die Beiträge zeigen außerdem auf, dass sich in medienpädagogischen Handlungsfeldern durch die digitale Transformation vielfältige theoretische und ethische Fragen eröffnen. Kapitel 2 wendet sich der bildungstheoretischen Ebene zu. Es wird diskutiert, inwiefern sich die Voraussetzungen des Lernens durch die Integration digitaler Technologien in Lernsettings verändern, wie die wachsenden Orientierungsanforderungen an Subjekte in fragilen Medienumgebungen adressiert werden können und welche medienpädagogischen Kompetenzen in einer Kultur der Digitalität zu entwickeln sind. Weitere Beiträge wenden sich der ethischen Dimension zu und diskutieren beispielsweise die Ausbreitung kapitalistischer Strukturen und Datafizierung im Bildungsbereich. Um den Herausforderungen zu begegnen, wird das Primat der Pädagogik angesichts digitaler Spaltung und ungleicher Teilhabechancen in der demokratischen Gesellschaft kritisch diskutiert. Neben der politischen Dimension und den disziplinären Verortungen eröffnen die Buchbeiträge tiefe Einblicke in die vielfältigen Handlungsansätze der Medienpädagogik. Hier rücken insbesondere die in Kapitel 3 dargestellten Praxisfelder in den Fokus. Bereits in der Krippe und im Kindergarten ist es beispielsweise relevant, mediale Bildungsprozesse und die kritisch-reflexive Auseinandersetzung von Kindern mit Alltagstechnologien zu fördern. Die Schulsozialarbeit eröffnet inklusive und demokratische Räume, in denen sie Heranwachsende bei der souveränen und selbstbestimmten Aneignung von Medien unterstützt. Betrachtet man das Feld der Erwachsenenbildung, sind medienpädagogische Angebote bisher rar gesät. Dabei ist Medienbildung als Teil der beruflichen Aus -und Weiterbildung für die Arbeitswelt hoch relevant. Auch für ältere Menschen werden bisher nur wenige Angebote bereitgestellt. Das Buch zeigt, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Akteur*innen im Feld der Medienpädagogik tätig ist. Alle erheben den Anspruch, die digitale Transformation mitzugestalten – und tun dies auch. Die vielfältigen Perspektiven und die politischen Forderungen, die daraus abgeleitet werden, bleiben jedoch disparat. Ein Orientierungsangebot, das Feld der Medienpädagogik zu ordnen, die politischen Forderungen zu bündeln und sie als gesellschaftliche Akteurin zu adressieren ist das aus der Sozialen Arbeit bekannte Trippelmandat1 professionellen Handelns: Übergreifend wird in den Beiträgen deutlich, dass die Medienpädagogik durch Bund und Länder erstens ein politisches Mandat zur Förderung der Medienkompetenz aller Zielgruppen erhält. Zweitens zeigen die Buchbeiträge, dass die Medienpädagogik ein Mandat durch ihre Adressat*innen erhält, sich für eine gelingende digitale Teilhabe innerhalb bestehender gesellschaftlicher Strukturen einzusetzen. Das dritte Mandat entsteht aus der theoretisch und ethisch begründeten Fachlichkeit der Medienpädagogik, die sich angesichts ihrer politischen Dimension und des digitalen Wandels stets weiterentwickelt. Über eine solche Bestimmung medienpädagogischer Fachlichkeit ist es möglich, die Disziplin und Profession der Medienpädagogik als eine gesellschaftliche Akteurin und strategische Partnerin der GEW weiterzuentwickeln. Ziel ihres professionellen Handelns ist die Sicherstellung digitaler Teilhabe aller durch den souveränen und selbstbestimmten Umgang mit Medien und Partizipationsmöglichkeiten am digitalen Wandel zu eröffnen. 1Definition von Ronald Lutz unter www.socialnet.de/lexikon/Tripelmandat [Zugriff: 10.03.2023] Schorb, Bernd/Bensinger-Stolze, Anja/Schell, Fred/Dusse, Birgita/Antritter, Wolfgang (Hrsg.) (2022). Umrisse einer Pädagogik des 21. Jahrhunderts im Kontext der Digitalisierung. München: kopaed. 208 S., 18,00 €

    Noppenberger, Anke/Bohnstedt, Antje (2023): Henry: Handy gut, alles gut? Bilderbuchgeschichten. München: Don Bosco Medien. Bildkarten und Begleitheft, 18,00 €.

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    Ein eigenes Smartphone besitzen inzwischen etwa sieben Prozent der Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren. Rund 54 Prozent sind es bei den Zehn- bis Elfjährigen. Am Beispiel von kleinen, bunten Monstern, etwa Henry und seinem Schokoladen-Handy, wird in der kindgerechten Bildergeschichte erzählt, wie „übermäßiger Spielekonsum auf Kosten des Schlafes, der Aufmerksamkeit und der Leistungsfähigkeit gehen kann“ (S. 7). Die ansprechend illustrierten, großformatigen dreizehn Bildkarten sollen Gesprächsanlässe über den Medienkonsum stiften und zum Erzählen animieren. Sie eignen sich für die pädagogische Arbeit mit Kindern zwischen fünf und zehn Jahren in Kindertagesstätten, Grundschulen oder Familien. Aufgegriffen werden durch die dargestellten Erlebnisse der Monster unter anderem Ängste, die ausgelöst werden, wenn die Kinder mit erschreckenden Inhalten aus dem Internet konfrontiert werden. Ebenso wird auf ein Medienverhalten eingegangen, das sozialen Druck oder Mobbing entstehen lässt oder gar zu einer exzessiven Nutzung führt. Gleichzeitig werden Möglichkeiten für einen maßvollen und bewussten Medienumgang aufgezeigt, damit das Smartphone nicht zum ‚Zeitfresser‘ wird. Im Begleitheft widmet sich Sozialpädagogin und Erzieherin Anke Noppenberger in zwei Schwerpunktkapiteln den Chancen und Gefahren von Smartphones in Kinderhänden. Dabei nimmt sie Bezug auf einschlägige wissenschaftliche Studien und Fachliteratur, was sie auch für medienpädagogische Anfänger*innen oder Lai*innen verständlich erläutert. Der präventive Charakter der pädagogischen Handreichung zeigt sich über die kleine Monster-Geschichte hinaus durch eine Palette von kreativen Ideen. Sie sollen unkompliziert und unterhaltsam das Üben mit dem ersten mobilen Endgerät und den Alltag damit erleichtern: Sei es durch einen altersgerecht verständlichen Vertrag, um die Nutzungsdauer des Handys zu regeln, oder das Gestalten einer Ruhebox für das Gerät während der medienfreien Zeit

    Erkenntnisse zur Entwicklung exzessiver Internetnutzung und zur Gaming Disorder

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    Zu Phänomen einer suchtähnlichen Nutzung von Internetanwendungen und Online-Games sind in den letzten Jahren zahlreiche Forschungsbeiträge erschienen. Unter Berücksichtigung des Forschungstandes und mit Fokus auf Ergebnisse der Längsschnittstudie zu Verläufen exzessiver Internetnutzung in Familien (VEIF) werden zentrale Ergebnisse zusammengefasst und diskutiert

    Gegenöffentlichkeit in kommerziellen Plattformen und digitalen Infrastrukturen

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    Wurden Phänomene der Gegenöffentlichkeit früher mit den Begriffen Partizipation und Emanzipation in Verbindung gebracht, stehen Alternativmedien heute häufig prototypisch für identitäre und demokratiefeindliche Kommunikationsprozesse. Der Essay nimmt die aktuelle Gemengelage zum Anlass, die umfassende digitale Transformation sowohl von Meinungsbildung als auch des Menschseins zu skizzieren. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Plethora an digitalen Plattformen und deren Logiken und Mechanismen ein. Der Beitrag schließt mit einem Plädoyer für eine stärkere Berücksichtigung dieser Kontexte in der Aktiven Medienarbeit

    KIM-Studie 2022

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    48 Prozent der 6- bis 13-Jährigen dürfen allein das Internet nutzen. WhatsApp und das Ansehen von Filmen und Videos machen den größten Teil der Internetnutzung aus. 68 Prozent der Eltern nutzen keine technischen Möglichkeiten des Jugendmedienschutzes. Dies sind Ergebnisse der KIM-Studie 2022. Fernsehen und digitale Spiele zählen mit jeweils 18 Prozent zur liebsten Freizeitbeschäftigung mit Medien. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen zur regelmäßigen Mediennutzung wider. Insbesondere Spiele am Smartphone werden von Kindern eher allein genutzt (71 %). Auch das Surfen im Internet (58 %), Spielen am Tablet (56 %) und Fernsehen (53 %, egal über welchen Verbreitungsweg) machen Kinder überwiegend allein. Fast alle der 6- bis 13-Jährigen (99 %) haben technisch die Möglichkeit, zu Hause das Internet zu nutzen. 70 Prozent tun dies auch, größtenteils für das Ansehen von Filmen, Videos und Serien (71 %) sowie für WhatsApp (70 %). YouTube und Suchmaschinen nehmen mit 64 Prozent einen wichtigen Teil der Internetnutzung von Kindern ein. Die Lieblingsapps: WhatsApp (48 %), YouTube (30 %), TikTok (28 %), Instagram (13 %) und Snapchat (8 %). Die Mehrheit der Eltern ist sich bewusst, dass das Internet neben Gefahren (80 %) auch Chancen (86 %) für Kinder birgt, Neues zu lernen. Knapp die Hälfte (48 %) lässt das eigene Kind das Internet ohne Aufsicht nutzen. Die Verantwortung, Kindern den richtigen Umgang mit Medien zu zeigen, sieht der Großteil bei sich als Eltern und in der Schule. Viele Eltern (79 %) wünschen sich Medienkompetenz als Schulfach. Ein Drittel der Eltern prüft, wie lange ihr Kind am PC, Laptop, Tablet oder Handy ist. Zwei Drittel der Eltern verwenden keine technischen Möglichkeiten des Jugendmedienschutzes wie Filter oder Sicherheitseinstellungen. 36 Prozent kennen gar keine Filter- und Schutzprogramme für die Internetnutzung. Für 31 Prozent sind diese zu teuer. Für die KIM-Studie 2022 wurden rund 1.200 Kinder und deren Haupterzieher*innen im Zeitraum von September bis Oktober 2022 zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt. Durchgeführt wurde die Studie vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest als Kooperation der beiden Medienanstalten von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, gemeinsam mit dem Südwestrundfunk (SWR). https://mpfs.de/studien/ kim-studie/202

    Das Positionspapier ,Bildung und digitaler Kapitalismus\u27: Hintergründe zur Entstehung und zu einigen zentralen Begriffen

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    Das Positionspapier ‚Bildung und digitaler Kapitalimus‘ (2023) der gleichnamigen Initiative ist hinsichtlich seines Entstehungsprozesses und der Wahl des inhaltlichen Fokus unique. Diese Besonderheit steht im Zentrum des Beitrags, der als Ergänzung und nicht als kritische Diskussion gelesen werden will. Im Artikel wird über Limitationen für eine kritische Rezeption und die Besonderheit des demokratischen Entstehungsprozesses des Positionspapiers reflektiert. Ebenso werden zentrale Formulierungen differenzierter betrachtet

    ,Der\u27 digitale Kapitalismus als Gegenstand von Medienbildung mit Jugendlichen

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    Wie engmaschig sind Digitaltechnologien sowie Elemente einer Kultur der Digitalität mit kapitalistischen Wirtschaftsmechanismen verflochten? Wie ist also der digitale Kapitalismus zu beschreiben und zu analysieren? Im Anschluss an theoretisch-konzeptionelle Herausforderungen des Verstehens werden inhaltliche und konkret praktische Herausforderungen in der methodischen Übersetzung des Komplexes Digitalität und Kapitalismus zum Thema, insbesondere für den Kontext der Jugendmedienbildung, formuliert.1 (1) Dieser, hier leicht gekürzte Text, wurde für den GMK-Band im Nachgang zum Forum Kommunikationskultur 2022 verfasst und ist dort in voller Länge nachzulesen: Bröckling, G., Fries, R., Kalwar, T. & Narr, K. (i.V.; geplant für 2023). Mit Medienbildung die Welt retten?! Medienpädagogik in einer Kultur der Digitalität. Schriftenreihe Schriften zur Medienpädagogik (Bd. 59). kopaed

    Die Rolle der Medienpädagogik im nächsten Internet

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    Ball, Matthew (2022). Das Metaverse. Und wie es alles revolutionieren wird. München: Vahlen. 328 S., 24,90 €. Mit der Entwicklung neuer Technologien sind stets Projektionen über die Zukunft der Menschheit verbunden. Die gesellschaftliche Etablierung solcher Technologien folgt einer gezielten Disruptionsdynamik, die von den Tech-Konzernen ausgeht. Matthew Ball – selbst Akteur in der Tech-Branche – entwickelt in Das Metaverse seine Vorstellungen vom ‚nächsten Internet‘: eine integrierte Plattform, die alle Nutzer*innen, Angebote und Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten in einem digital-vernetzten Raum zusammenfassen und erweitern soll. Im ersten von insgesamt drei Teilen des Buches setzt sich Ball mit der Frage auseinander, was das Metaverse sein wird und was es leisten soll. Ball definiert das Metaverse hier als „massiv skaliertes und interoperables Netzwerk von in Echtzeit gerenderten virtuellen 3D-Welten, die synchron und dauerhaft von einer praktisch unbegrenzten Anzahl von Nutzern mit einem individuellen Gefühl der Präsenz und mit einer Kontinuität der Daten wie Identität, Geschichte, Berechtigungen, Objekte, Kommunikation und Zahlungen erlebt werden können“ (S. 43). Im zweiten Teil beschäftigt sich der Autor dann mit den Problemen bei der Entwicklung dieser integrierten Plattform. Bei der Verwirklichung sieht er Videospiele als treibende Kraft, die Nutzenden schon jetzt vielfältige Erlebniswelten eröffnen. Um das Gefühl der Präsenz herzustellen, ist es wichtig, dass die Verarbeitung der Daten im globalen Internet möglichst verzögerungsfrei abläuft. Eingeschränkte Server-Ressourcen und die physikalischen Grenzen der Lichtgeschwindigkeit bei der Datenübertragung stehen dem (noch) im Weg. Um möglichst vielen Menschen einen Zugang zum Metaverse zu eröffnen, muss zudem Hardware entwickelt werden, die die Datenmenge verarbeiten und eine hohe Grafikqualität darstellen kann. Außerdem sollte sie bezahlbar sein. Die größere Herausforderung sieht Ball jedoch in der Entwicklung technischer und ökonomischer Standards. Betrachtet man die gegenwärtige Landschaft digitaler Plattformen im Netz, bestehen diese aus weitgehend getrennten Social-Media-Angeboten, Gamingwelten und Konsumplattformen. Im Metaverse soll es jedoch möglich sein, „sich als Neymar zu verkleiden, einen Baby-Yoda- oder Air-Jordan-Rucksack zu tragen, den Dreizack von Aquaman in der Hand zu halten und virtuell Stark-Industries zu erkunden“ (S. 148). Dazu müssen Standards vereinbart werden, die die Eigenschaften eines digitalen Körpers, seiner Kleidung und Accessoires und seine Interaktionsmöglichkeiten mit der Umwelt definieren. Darüber hinaus sind die Besitz- und Verwertungsrechte und deren Monetarisierung zu klären. Apple und Google blockieren diese Entwicklung als mächtige Marktteilnehmer durch die Zentralisierung von Angeboten. Im dritten Teil wendet sich Ball der Frage zu, wie das Metaverse die Gesellschaft verändern wird. In seiner Vision liegt dessen Wert im integrierten Meta-Business, in dem neben Bildung, Lifestyle und Unterhaltung auch Sexarbeit, Mode und Industrie vereint werden. Der Autor geht davon aus, dass wenige Unternehmen diesen Markt dominieren werden. Um diesen zu regulieren, fordert er Gesetze, die auf das Metaverse zugeschnitten sind. Angesichts der zunehmenden Regionalisierung des Internets durch nationalstaatliche Gesetzgebungen wird es im Metaverse wohl keine einheitlichen Regeln geben – womit das Metaverse als global integrierte Plattform eine Vision bleiben wird. Das Buch gibt einen tiefen Einblick in die ökonomische und technische Logik des kommerziellen Internets, die die Entwicklungspfade des Metaverse darstellen. Die Parallelen zur Entwicklung kommerzieller Spiele und mobiler Endgeräte helfen dabei, die Herausforderungen zu verstehen. Der Autor zeigt, wie GAFAM1 durch Marktmacht die Entstehung des Metaverse noch verhindern. Es wird deutlich, dass die Vision eines global ausgedehnten, interoperablen Netzwerks nur verwirklicht wird, wenn es gelingt, dezentrale Technologien (Stichwort Blockchain) zu etablieren und supranational zu regulieren. Balls zentrale Prämisse ist, dass das Metaverse in jeder Hinsicht durch Menschen erschaffen wird. Das gilt für die Regeln der Physik, die Verteilung virtueller Güter und die Möglichkeiten, an der Ausgestaltung dieser Welt zu partizipieren. Sollte sich dieser Raum eines Tages tatsächlich zum Lebensmittelpunkt für viele Menschen entwickeln, kommt der Medienpädagogik eine enorme Bedeutung zu. Denn das Metaverse wird in jeder Hinsicht ein hyperkommerzialisierter Raum sein, in dem die Relationen von Menschen und virtuellen Objekten einer ökonomischen Logik unterworfen sind. Es ist ein Raum, in dem sich die Gesellschaft nicht unbedingt durch demokratisch legitimierte und staatlich durchgesetzte Regeln oder universelle Menschenrechte konstituieren wird. Die Aneignung des Metaverse, die Partizipation an seiner Ausgestaltung und die Möglichkeiten, in ihm Bildungsräume zu initiieren, werden noch mehr als im Plattformkapitalismus einer radikalen Marktlogik unterworfen sein. Um die Disruptionsdynamik neuer Technologien zu überwinden ist es daher wichtig, dass wir Balls Metaverse kritisch rezipieren und die neoliberale Eigenlogik eines solchen hyperkommerzialisierten Raums schon jetzt antizipieren. 1 Google, Amazon, Facebook, Apple, Microsof

    Medienhandeln in Familien

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    Oberlinner, A., Bamberger, A., Winter, C. & Eggert, S. (2023). Medienhandeln in pädagogisch begleiteten Familien. Ressourcen Bedarfe Unterstützung. München: kopaed. 16,80 €, 118 S. Die Art und Weise, wie Medien innerfamiliär genutzt und konsumiert werden, fällt unter Berücksichtigung der individuellen Lebenslagen von Familien sehr unterschiedlich aus. Gerade wenn sich Familien mit Mehrfachbelastungen konfrontiert sehen, stellt sich Medienerziehung zumeist als große Herausforderung dar. Zugleich sind es auch diese Familien, zu deren Bedarfen aus wissenschaftlicher Perspektive wenig bekannt ist. Dieses Forschungsdesiderat hat die Studie Medienhandeln in pädagogisch begleiteten Familien zum Anlass genommen, um die Bedeutung von digitalen Medien für die soziale Teilhabe von pädagogisch begleiteten Familien zu untersuchen. Die zentralen Erkenntnisse wurden nun veröffentlicht1. Die Grundlage der Publikation bildet eine Auseinandersetzung mit den Studienergebnissen zur Lebenswelt der Familien, die in Verbindung mit den empirischen Ergebnissen zur Medienausstattung, konkreten Nutzungspraktiken und dem medienerzieherischen Handeln in den befragten Familien betrachtet werden, um daraus abzuleiten, welche Rolle digitale Medien im familiären Alltag spielen. In diesem Kontext wird schließlich auch auf konkrete Herausforderungen eines souveränen Medienumgangs für die Beteiligten eingegangen, insbesondere auf familiär bedingte Belastungs- und Benachteiligungsstrukturen, welche eine vollumfängliche Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben erschweren können. Auch die Perspektive der begleitenden sozialpädagogischen Fachkräfte wird aufgegriffen, um darzustellen, welche Zielsetzungen mit der Erziehungsunterstützung verfolgt werden und an welchen Stellen Ansatzpunkte im Hinblick auf die fachliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Medienhandeln bestehen. Anhand von ausgewählten Positiv-Beispielen wird ausgeführt, wie Fachkräfte stärker für die Notwendigkeit einer pädagogischen Begleitung der Medienerziehung in Familien sensibilisiert und beim Transfer ihrer fachlichen Reflexionsprozesse in die Praxis unterstützt werden können. Insgesamt zeigt der Bericht auf, welche Potenziale digitale Medien für Familien bieten können, wenn ihre Bedarfe bei pädagogischen Unterstützungsstrukturen berücksichtigt werden und wie innerfamiliär eine kritisch-reflexive Beschäftigung mit digitalen Medien trotz Mehrfachbelastungen gelingen kann. Schließlich liefert das Buch besonders für pädagogische Fachkräfte wertvolle Impulse zur Förderung medienpädagogischer Kompetenzen von Familien und der weiterführenden Beschäftigung mit Spannungsfeldern medienerzieherischen Handelns, die zukünftig im Rahmen der pädagogischen Arbeit noch stärker berücksichtigt werden müssen. 1 Die Studie wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) gefördert

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