merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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    #48 – Für Demokratie, gegen Polarisierung. Impulse für die politische Medienbildung Teil 2: Céline Wendelgaß, Bildungsreferentin der Bildungsstätte Anne Frank

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    Unsere Reihe zur Politischen Medienbildung geht weiter. In dieser Folge begrüßen wir Céline Wendelgaß, die in der Bildungsstätte Anne Frank zwei Projekte verantwortet: "Radikale Reflexion" sowie "Hidden Codes". Während es beim ersten Projekt um nachhaltige Präventionsstrategien gegen vereinfachte Weltbilder und Antisemitismus in der extremen Linken geht, ist "Hidden Codes" ein preisgekröntes Serious Game zum Thema Radikalisierungsprävention. Wir sprechen mit Céline über diese Projekte und über die Chancen und Herausforderungen der Verbindung von Medien und politischen Inhalten. Bildungsstätte Anne Frank: Radikale Reflexion (bs-anne-frank.de) Hidden Codes (hidden-codes.de) Bildungsstätte Anne Frank: „Hidden Codes“ – Digitales Lernspiel zur Radikalisierungsprävention (bs-anne-frank.de

    Zukunft der Beratung: Gespräch mit Marc Weinhardt, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Trier

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    Welche Kriterien sind für die Auswahl von Tools zur Online Beratung ausschlaggebend? Welchen Stellenwert hat die Suchtproblematik bei der Nutzung von Sozialen Medien in der Beratung? Und mit Blick in die Zukunft: Sind Beratungssituationen auch mit Unterstützung von AR, VR und KI denkbar? Diesen und anderen Fragen gehen Daniela Stix und Marc Weinhardt in ihrem Gespräch nach

    TikTok als (Des-)Informationsraum für Jugendliche

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    Fast 20 Prozent der Suchergebnisse auf TikTok sind laut Untersuchungen von Newsguard Fehlinformationen. Dies ist besonders kritisch, wenn man bedenkt, dass TikTok mittlerweile eine der meistgenutzten audiovisuellen Plattformen im Netz ist und hauptsächlich von Jugendlichen genutzt wird. Immer häufiger werden auf der App politische Inhalte verbreitet. Dies ermöglicht jungen Menschen einerseits, sich zu informieren und an politisch-gesellschaftlichen Debatten zu partizipieren, andererseits birgt dies aber auch die Gefahr, dass Desinformation, Hasspropaganda und Verschwörungstheorien weiterverbreitet werden können. Denn TikTok bietet aufgrund seiner plattformspezifischen Logik die idealen Bedingungen für antidemokratische Akteur*innen. Der Algorithmus bevorzugt skandalöse und provokante politische Inhalte – die Emotionen wie Empörung und Angst auslösen – vor solchen, die schlichte und nüchterne Informationen verbreiten. Polarisierende Inhalte generieren die meiste Aufmerksamkeit und weisen die höchste Interaktionsrate auf. Zudem gehört zur Logik der App, dass Nutzer*innen nur noch personalisierte Inhalte auf der Startseite angezeigt bekommen und damit in sogenannte Filterblasen geraten können. Diese kontinuierliche Bestätigung kann zu einer Radikalisierung der eigenen Meinung führen. Die Amadeu Antonio Stiftung hat deshalb eine Handreichung veröffentlicht, die sich genau mit diesen Themen beschäftigt. Es werden unter anderem konkrete Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Hass und Desinformation auf TikTok diskutiert, mit einem besonderen Fokus auf Jugendliche und die Jugendarbeit. Denn oft fehlt es Multiplikator*innen der sozialen, pädagogischen und bildungspolitischen Arbeit an konkreten Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Verschwörungserzählungen und Hassrede in Sozialen Medien. Vor allem in Bezug auf TikTok als jüngste der relevanten Plattformen herrschen häufig noch Berührungsängste und Wissenslücken. Deshalb werden in der Broschüre auch grundlegende Funktionen und Mechanismen von TikTok erklärt. Zu den darüber hinaus gegebenen Handlungsanregungen gehören die Thematisierung von Sozialen Medien samt ihrer Chancen und Gefahren, beispielsweise anhand des sogenannten Dagstuhl-Dreiecks, die Förderung der Kompetenzen Jugendlicher im Bereich der Recherche und der Informationsbewertung, um Desinformation erkennen und richtigstellen zu können und Aktivitäten zur Vorbeugung von Fehlinformation (Prebunking). www.amadeu-antonio-stiftung.d

    Goschler, J. (2023). Sprachbildung für alle. Eine Streitschrift. Dudenverlag. 62 S., 10,00 €

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    Sprachliche Kompetenz ist eine der Voraussetzungen für gesellschaftliche Beteiligung und beruflichen Erfolg. Aber warum ist das überhaupt so und inwiefern ist das gerecht? Wie kann die sprachliche Bildung von Kindern und Jugendlichen gefördert werden und welche Voraussetzungen sind im Bildungswesen dafür vonnöten? Der schmale, aber gehaltvolle Band macht den Zusammenhang von sprachlicher Kompetenz und Partizipation am sowie Erfolg im Bildungssystem sehr deutlich. Er plädiert dabei vor allem für die Sensibilisierung für das Thema bei allen Beteiligten – pädagogischen Fachkräften genauso wie Eltern. Dabei kritisiert Goschler vor allem, dass Sprachbildung immer noch als Privatsache angesehen wird, wodurch Bildungsungerechtigkeit meist erst entsteht. Nach einem kurzen Exkurs in die Diskriminierung von mehrsprachigen Kindern und die (Bildungs-)Nachteile, die dadurch entstehen, widmet sich die Autorin den sprachlichen Varietäten mit dem Fokus auf Bildungssprache. Abschließend behandelt Goschler Sprachbildung als Aufgabe von Bildungsinstitutionen und wie sie dieser Aufgabe gerecht werden können. Ihr Plädoyer ist dabei die Schaffung eines stärkeren Bewusstseins bei Lehrkräften für den Zusammenhang zwischen sprachlichem und fachlichem Lernen. Anhand von ganz konkreten Beispielen wird dieser sehr gut erklärt und in die Praxis transferiert. Medienpädagog*innen können viele Anregungen finden, sowohl für die Projektarbeit in der Praxis als auch für verschiedene Veröffentlichungsformen. Das Fazit der Publikation zeigt die gesamtgesellschaftliche Relevanz des Themas auf: „Ohne eine durchgängige Sprachbildung für alle, die sich durch alle Bildungs- und Ausbildungswege hindurchzieht, werden wir viele Bildungsziele unserer Gesellschaft nicht erreichen“ (S. 61). Und damit wird auch die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Sprachbildung klar. Goschler, J. (2023). Sprachbildung für alle. Eine Streitschrift. Dudenverlag. 62 S., 10,00

    Die ambivalente Ökonomisierung von Medien in Zeiten der Digitalisierung: Editorial

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    Hoppla, ohne es zu wollen, habe ich zugestimmt, dass die Online-Plattform, auf der ich mich gerade befinde, Cookies einsetzt – und damit implizit mein Einverständnis zur Sammlung und Verarbeitung meiner persönlichen Daten gegeben. Möglich war das durch die Verwendung der Dark-Patterns-Technologie. Diese bringt Nutzer*innen mit Hilfe von Designelementen dazu, ihre Zustimmung zu Vorgängen im Internet zu geben, ohne dass sie sich dessen unbedingt bewusst sind. Dark Patterns sind nur eine Möglichkeit, wie Anbieter im Internet an die Daten von Nutzer*innen kommen. Und wenn sie diese Daten einmal haben, dann ist der Weg frei, sie zielgerichtet weiterzuverarbeiten. Die Daten von Nutzer*innen sind eine wichtige und wertvolle Währung für kommerzielle Akteure im Internet. Wenn es um die Verbindung von Ökonomie und Medien geht, sind sie der wichtige Faktor. Warum? Zunächst einmal ist es sinnvoll, sich ein wenig genauer anzuschauen, was eigentlich hinter dem Begriff der Ökonomie steckt bzw. was unter Ökonomisierung zu verstehen ist. Ökonomisierung ist einer der wichtigsten gesellschaftlichen Mehrebenenprozesse, der die Struktur und Dynamik der späten Moderne, des digitalen Kapitalismus (Fuchs, 2023), prägt. Ökonomisierung meint differenzierungstheoretisch betrachtet (Hedtke, 2014) das imperialistische, kolonialisierende Übergreifen ökonomischer Logiken in andere Systeme und Lebenswelten von Menschen. Zu diesen Logiken gehört das Schema Zahlung – Nichtzahlung, die Quantifizierung und damit zwangsweise Vereinheitlichung von Sachverhalten und der Export des homo oeconomicus als Leitbild. Schließlich werden alle Beziehungen marktförmig modelliert. Im Gefüge der Systeme erfolgt also eine Aufwertung der ökonomischen Logik und diese realisiert sich in erster Linie in den Organisationen der Teilsysteme; sprich in den Krankenhäusern, Universitäten, Redaktionen und Produktionsstudios. Allerdings ist dies kein linearer Prozess, weil die Eigenlogiken der anderen Systeme und Organisationen sich daran reiben und abarbeiten. Schon früh indes hat es solche Beziehungen zwischen den noch um endgültige Ausdifferen zierung ringenden Systemen, Medien auf der einen, und Wirtschaft auf der anderen Seite, gegeben. Spätestens mit dem Buchdruck haben die großen Druckhäuser und die medienrhetorisch versierten Theologen gezeigt, dass gutes Marketing zu ökonomischem Gewinn durch Medien führen kann (Kaufmann, 2022). Sie nutzten großflächig die Tatsache, dass zwar die Erstproduktion von Medienprodukten kostenintensiv ist, aber die nachfolgenden Skalenvorteile diesen Anfangsnachteil mehr als wettmachen. Im Interview zeigt Friedrich Krotz auf, wie sich das entwickelt hat, warum Gutenberg eigentlich den Buchdruck erfunden hat und wie die Entwicklung anschließend weiterging. Er macht deutlich, dass die Ökonomisierung von Medien insbesondere hinsichtlich der Weiterentwicklung der Technik und den damit einhergehenden Bildungschancen für die Menschen ein großes positives Potenzial enthält. Dieses Potenzial gilt es verantwortungsvoll zu nutzen, und zwar umso mehr vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft. Denn mit dem stetigen Zuwachs an neuen Medientechnologien und -formaten sowie deren Vermarktung entstand zum einen eine Aufmerksamkeitsökonomie (Franck, 2007). Angesichts der Überfülle des Medienangebots und der zunehmenden Notwendigkeit einer werbemäßigen Refinanzierung sind die Anbieter darauf angewiesen, wahrgenommen zu werden, um überleben zu können. Das damit verbundene Buhlen um Clicks und Abos schlägt sich zum Teil in Qualitätseinbußen nieder und kann dazu führen, wie das Beispiel Dark Patterns zeigt, dass Wege gesucht werden, die für die Nutzenden nicht mehr so leicht zu erkennen sind. Zum anderen forcieren die Digitalisierung und die Sozialen Medien nochmals die Ökonomisierung jedweder Kommunikation und die Ausbeutung der User*innen durch informatorische Arbeit. Vor allem führen sie auch zu einer Hypersingularisierung (Reckwitz, 2017) und einer zunehmenden Konsumorientierung sowie einer an Verhaltensvorhersagen orientierten Kontrolle des ökonomischen Denkens und Handelns von Menschen aller Altersgruppen (Zuboff, 2018), die durch die Sammlung ihrer persönlichen Daten möglich wird. Wo in dieser Entwicklung die Fallstricke für Verbraucher*innen liegen, damit beschäftigt sich Verena Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Sie zeigt auf, welche Wege der Werbung sich im Internet entwickelt haben und warum sie für die Nutzer*innen oft so schwer zu erkennen sind. Dank der unzähligen persönlichen Daten, die wir regelmäßig im Internet zur Verfügung stellen, lassen sich unsere Bedürfnisse sehr genau analysieren. Genau hier setzen die Akteur*innen an und genau damit erreichen sie auch, dass wir nicht mehr so genau hinschauen. Das in diesem Text nun schon mehrfach bemühte Verfahren der Dark Patterns ist einer dieser Wege. Rudolf Kammerl und sein Team haben für die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien die Bedeutung von Dark Patterns und Digital Nudging in Sozialen Medien untersucht. Sie stellen fest, dass Dark Patterns in fast allen Angeboten, die bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind – seien es Apps oder Spiele –, vorkommen. Neben älteren Personen und Menschen mit geringerer formaler Bildung sind es aber gerade Kinder, die sich besonders schwertun, diese Mechanismen zu erkennen, was das Thema für den Verbraucher- und Jugendmedienschutz, aber auch für die Medienpädagogik besonders virulent macht. Die Bedeutung, die die Verbindung von Medien und Ökonomie für die Bildung und ihre Verbreitung haben kann, wurde bereits angesprochen. Während aber die (kostengünstige) Verfügbarkeit von Informations- und Bildungsmedien nicht hoch genug bewertet werden kann, birgt die Digitalisierung zunehmend die Gefahr, dass Bildung von ökonomischen Interessen bestimmt wird. Mit diesem Thema setzt sich die Initiative Bildung und Digitaler Kapitalismus auseinander. In einem gerade erst erschienenen Positionspapier wirft die Initiative einen kritischen Blick auf das Verhältnis zwischen Kapitalismus und digitalen Technologien und skizziert das Verhältnis zwischen Digitalem Kapitalismus und Bildung. Daraus entwickelt sie bildungspolitische Perspektiven und Forderungen. Gregor Eckert und Nina Grünberger sind Teil der Initiative. In ihrem Beitrag gehen sie auf das Vorgehen bei der Erarbeitung des Positionspapiers ein, bei dem unter anderem Wert darauf gelegt wurde, dass möglichst unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt wurden, und erläutern außerdem zentrale Begriffe des Textes. Insgesamt wird sehr deutlich, dass das Verständnis der Ökonomisierung der Medien und die Durchdringung des Zusammenspiels und der Verflechtungen zwischen Medien und Ökonomie vor dem Hintergrund unserer heutigen mediatisierten und digitalisierten Welt eine wesentliche Voraussetzung für einen kompetenten Einbezug digitaler Medien in eine souveräne Lebensführung sind und insofern ein zentraler Inhalt für die praxisorientierte Medienpädagogik. Wie dies umgesetzt werden kann, damit setzen sich die Beiträge von Charlotte Horsch, Tina Drechsel und Valentin Dander auseinander. Charlotte Horsch stellt das webhelm-Starterkit zum Thema Influencer*innen vor, das pädagogische Fachkräfte dabei unterstützt, mit Jugendlichen zu Influencer*innen und dem dahinterstehenden Geschäftsmodell zu arbeiten. Tina Drechsel stellt zwei Methoden vor, wie im Rahmen des Projekts ACT ON! – Aufwachsen zwischen Selbstbestimmung und Schutzbedarf die Reflexion ökonomischer Strategien und Strukturen unterstützt wird. Valentin Dander hat sich im Rahmen eines Praxis-Forschungs-Projekts damit auseinandergesetzt, wie das komplexe Themenfeld Daten und digitaler Kapitalismus mit Jugendlichen ab 14 Jahren umfänglich bearbeitet werden kann und dafür Methoden entwickelt. In einer kritischen Reflexion der Erprobung dieser Methoden stellt er fest, dass diese von pädagogischen Fachkräften positiv bewertet wurden, die teilnehmenden Jugendlichen aber immer wieder an Grenzen kamen. Vor diesem Hintergrund plädiert er dafür, Erfahrungen und Methoden aus der kritischen ökonomischen und politischen Bildung sowie Methoden aus dem Bereich der Critical Data Literacies in medienpädagogische Bildungssituationen einzubeziehen. Bei der Vorbereitung dieses Themenschwerpunkts zeigte sich, wie komplex und zum Teil schwer zu fassen und zu durchschauen das Thema Medien und Ökonomie ist. Wir hoffen, wir können mit den gewählten Perspektiven und Texten Anregungen zum Weiterdenken und Weiterdiskutieren geben und wünschen eine spannende Lektüre

    re:publica 2023

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    Sommerzeit ist Festivalzeit. Aber wie lässt sich ein Festival mit einem ernsthaften Nachdenken über komplexe digitale und gesellschaftspolitische Transformationsideen verbinden? Die re:publica zeigt Jahr um Jahr, dass das geht. Unter dem plakativen Motto Cash – schließlich lässt sich selbst die beste Idee selten ohne Geld verwirklichen – fand vom 5. bis 7. Juni 2023 die 17. re:publica in Berlin statt. Auf 26 Stages und einem weitläufigen Areal wurde drei Tage lang in Kreuzberg diskutiert, gerungen, gelacht und der Atem angehalten. Die Vielfalt der Themen, die in zehn verschiedenen Tracks aufbereitet waren, beeindruckte nicht nur den*die Erstbesucher*in. Auch unter langjährigen Konferenztreuen war man sich einig, dass die Mischung gelungen war: Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Verantwortung, Technolo - gie und Wissenschaft, Medien, Arbeitswelten, Stadt und Land, Lernen und Wissen waren nur ein paar Themenfelder, die reichlich Stoff für spannende Vorträge und Diskussionen boten. So sprach die Soziologin Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung über Cash, Gender Gap und gesellschaftliche Ungleichheiten. Dabei machte sie anhand von einschlägigen Studien eindrücklich deutlich, dass wir von einer Erwerbstätigkeitsgesellschaft zu einer Tätigkeitsgesellschaft kommen müssen. Wenn wir nicht Cash gegen Care, Care gegen Health, Väter gegen Mütter ausspielen wollen, dann brauchen wir eine Gleichstellungspolitik, die die tatsächlichen Realitäten anerkennt und ihr politisches Handeln daran ausrichtet, so Allmendinger. Gleichstellungspolitik dürfe sich dann nicht mehr primär auf Frauen beziehen, sondern müsse die Menschen an sich in den Blick nehmen. Für eine funktionierende Gesellschaft müssen Erwerb, Care-Arbeit und Ehrenamt in eine flexible Balance gebracht werden. Um Frauen als revolutionärer Stein des Anstoßes ging es auch in weiteren beeindruckenden Keynotes. Gilda Sahebi und Natalie Amiri schilderten unter dem Titel Frau, Leben, Freiheit – dem politischen Slogan der iranischen Freiheitsbewegung – eindrücklich die dramatische Lage der Menschen im Iran. Wer glaubt, es seien Proteste der Frauen, irre, machten die beiden Journalistinnen deutlich. Die Bewegung ging von Frauen aus, mittlerweile ist sie zu einer geschlechts- und milieuübergreifenden Revolution geworden, bei der nichts Geringeres als die Frage der Demokratisierung des Irans auf dem Spiel steht. Mahsa Alimardani, die als Forscherin seit mehr als zehn Jahren Fragen zu Menschenrechten, Technologie und der freien Meinungsäußerung untersucht, widmete sich im selben Themenfeld der Perspektive, wie Technologie dabei helfen kann, die Menschenrechte im Iran zu stärken und den Stimmen der Bevölkerung Gehör zu verschaffen. Mit exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen übernahm Tupoka Ogette das Mikrophon und gab sehr emotionale Einblicke in Lebensrealitäten, Perspektiven und Herausforderungen Schwarzer Frauen in Deutschland. Die Notwendigkeit und gleichzeitige Erschöpfung Betroffener, immer wieder vom erlittenen Alltagsrassismus zu erzählen, war im vollbesetzten Auditorium mit Händen zu greifen. People of colour in einer weißen Mehrheitsgesellschaft sind wichtige Laut-Sprecher*innen, die zeigen, dass Rassismus nur dekonstruiert werden kann, wenn er als gesamtgesellschaftliches Problem begriffen wird, das zum Handeln herausfordert. Natürlich gaben sich auf einer gesellschaftspolitischen Konferenz dieser Art auch diverse Bundesminister*innen das Mikrophon in die Hand. So durfte Volker Wissing Fragen zum aktuellen Stand der Digitalstrategie beantworten, Robert Habeck widmete sich der ökologischen Transformation, Claudia Roth entwickelte Ideen zur Kulturpolitik nach Corona und Christian Lindner musste ein Gespräch zur Finanzierung unserer Zukunft überstehen. So weit, so erwartbar – auch in den politisch vorhersehbaren Antworten. Deutlich spannender waren die politischen Gespräche abseits der großen Bühnen. Gute Tradition auf diesem Digitalfestival ist es von Anfang an, sich in einem der zahlreichen Spaces auf Augenhöhe zu begegnen und jenseits hier - archischer Unterschiede die Diskurse der Bühnen fortzusetzen. Hier wird diskutiert, gerungen und gelacht, hier werden Kontakte geknüpft, Ideen weitergesponnen und Visionen vorangetrieben. Und so beginnen nicht selten viele Mails und Textnachrichten nach der Konferenz mit den Worten „bezugnehmend auf unser Gespräch auf der re:publica …“ Zwei Specials hatte die re:publica auch in diesem Jahr wieder zu bieten: Mit dem Media Summit wurde ein inhaltlicher Bereich geschaffen, der alles rund um Bewegtbild bündelte. Hier wachsen Content Creation und gesellschaftspolitische Diskurse zusammen, denn gerade letztere kommen nicht ohne ein gutes Storytelling aus. Auf der einen Tag überlappenden Tincon stand die junge Generation im Zentrum. Bei der Konferenz für digitale Jugendkultur ging es um Interessen und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen. Und dass sie etwas zu sagen haben, machten sie auf unschlagbare Weise deutlich: In Maker - spaces, Hands-ons, Diskussionsrunden und auf Podien. Dabei waren die thematische Vielfalt, die Komplexität und Professionalität, mit der Menschen zwischen 13 und 25 Jahren ihre Themen präsentierten, hoch beeindruckend. Bleibt zu guter Letzt nur die Frage, wie man ein Digitalfestival mit 25.000 Besucher*innen und 608 Sessions im Sommer 2023 ohne ChatGPT gestalten kann? Die Antwort dürfte nicht überraschen: Gar nicht! Denn natürlich kam kaum ein Talk ohne den Bezug zu digitalen Trendthemen wie KI aus. So wichtig diese Perspektive ist, so wohltuend war es aber auch, dass die fortschreitende Digitalisierung als ein Element gesamtgesellschaftlicher Transformationsaufgaben gesehen wurde. Auf der re:publica stand die Gesellschaft im Zentrum und nicht die KI. Viele Vorträge sind als Videomitschnitt abrufbar. https://re-publica.com/d

    Apraku, Josephine (2023). Mein Workbook zu Rassismus. Für eine alltägliche und tiefgehende Auseinandersetzung. Berlin: familiar faces. 160 S., 24,00 €

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    Kurz nach Erscheinen des Kartensets Lasst uns über Rassismus reden! folgt nun Mein Workbook zu Rassismus der Autor*in und Trainer*in für intersektionale rassismuskritische Bildungsarbeit Josephine Apraku. Schon die Gestaltung – klar und bunt – macht große Lust hineinzublättern. Neben intensiven Reflexionsaufgaben bietet das Workbook wichtiges Hintergrundwissen zum Wirken von Rassismus sowie aus dem Forschungsbereich Racial Identity Development. Apraku fordert dazu auf, „radikale Verantwortung“ für den eigenen Lernprozess zu übernehmen und gibt Lesenden viel Wichtiges dafür an die Hand. Das Workbook kann auch als Notizbuch genutzt werden, weshalb es viel Platz für eigene Gedanken bietet. Apraku zeigt in Mein Workbook zu Rassismus Wege auf, wie Lesende – entsprechend ihrer Eigenschaften und ihrer durch Rassismus geschaffenen Position (je nachdem, ob man selbst Rassismus erfährt oder durch ihn Privilegien erhält) – aktiv gegen Rassismus eintreten können. Es richtet sich explizit an Persons of Color und weiße Menschen, und ist sowohl für die individuelle Weiterbildung zu Rassismus als auch zur Gruppenarbeit geeignet, zum Beispiel in Medienprojekten mit Jugendlichen ab 13 Jahren

    Lutz, Klaus (2023). Mein Alltag, die Medien und ich - Glossen und Tipps eines Medienpädagogen. München: kopaed. 105 S., 12,00 €

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    Mit Humor und Satire beleuchtet Klaus Lutz in seinem neuen Buch Mein Alltag, die Medien und ich aktuelle Themen rund um Medien als treue Alltagsbegleiter. Bei seinem Werk handelt es sich um eine Sammlung von Glossen und Tipps aus dem Leben eines erfahrenen Medienpädagogen, der auf hunderten Elternabenden, in unzähligen Projekten und zahlreichen Fortbildungen einen reichen Erfahrungsschatz angesammelt hat. Die kurzen Texte werden ergänzt von witzigen Karikaturen des Nürnberger Künstlers Gymmick. Zunächst wirft Lutz einen Blick zurück in die Vergangenheit, als die gedruckte Zeitung noch ein politisches Statement war. Das zweite Kapitel widmet sich Eltern und dem Umgang mit der Mediennutzung des eigenen Kindes. Anschließend daran geht es um den Einsatz von Medien und Technik während der Corona Pandemie. Die Medienerziehung stellt nicht nur Eltern, sondern auch Fachkräfte vor Herausforderungen. So wird in den Kapiteln Kampf mit der Technik und Alltag deutlich, welche Bedeutung es hat, auch die eigene Medienkompetenz stetig weiterzuentwickeln. Am Ende seines Buches liefert Lutz medienpädagogisch wertvolle Ratschläge zu einem selbstbestimmten Umgang mit Medien für ‚mediengestresste‘ Eltern. Dabei gilt vor allem die Maxime: (Medien-)Erziehung ist anstrengend, aber ohne Druck zum Perfektionismus lässt sie sich meistern. Insgesamt vereint das Buch auf humorvolle Art und Weise Alltagsbeobachtungen eines Medienpädagogen und Themen wie Mediennutzung und Medienerziehung. Die Ratschläge sind gleichermaßen für Eltern und Fachkräfte der Medienpädagogik relevant. Sie regen auf fundierte, aber auch augenzwinkernde Weise dazu an, den Medienkonsum von Kindern kritisch zu begleiten, um eine gute Medienerziehung zu ermöglichen

    Was geht auf Social Media?

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    Influencing, Desinformation, Filterblasen, Algorithmen, Datennutzung – alles Phänomene, die im Kontext von Social Media immer wieder aufkommen und mit denen nicht nur Jugendliche, sondern auch pädagogische Fachkräfte konfrontiert werden. In der neuen Ausgabe Was geht? wird hinter die Kulissen von Social Media geblickt. Was geht? ist eine Publikationsreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, die speziell für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen in der Sekundarstufe I und in der offenen Jugendarbeit entwickelt wurde. Bestandteil der Publikationsreihe sind immer ein Schüler*innenheft und eine pädagogische Handreichung. In der aktuellen Ausgabe geht es um die Chancen und Herausforderungen von Social Media sowie darum, das eigene Nutzungsverhalten kritisch zu hinterfragen. Kinder und Jugendliche sollen mittels der Materialien möglichst spielerisch und einfach einen Zugang zu Social Media erhalten. Elemente des Schüler*innenhefts sind zum Beispiel ein Quiz, Testimonials, Wissensmodule, Videotipps und Bildergeschichten. Durch themenspezifische Reflexionsfragen können pädagogische Fachkräfte mit Heranwachsenden Diskurse anregen und so Reflexionsprozesse anstoßen. Das pädagogische Begleitheft beinhaltet Hintergrundinformationen zu Social Media und erklärt die Bedeutung der Plattformen und ihrer Inhalte. Darüber hinaus gibt es in Kombination mit dem Schüler*innenheft zahlreiche Vorschläge und Möglichkeiten für die pädagogische Arbeit zu dem Thema. Das Themenheft wurde im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung vom JFF – Institut für Medienpädagogik konzipiert und erstellt. https://bpb.de/shop/materialien/wasgeh

    Umgang mit mediatisierter sexualisierter Gewalt

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    Immer öfter werden Kinder und Jugendliche mit sexualisierter Gewalt in digitalen Medien konfrontiert. Umso wichtiger ist es, Fachkräfte über einen adäquaten Umgang damit zu informieren. Die Ergebnisse des Praxis-Forschungsprojekts ByeDV, das im Verbund mit der DGfPI e. V. zwischen Mai 2021 und April 2023 durchgeführt wurde, wurden nun in Form von vier kompakten Broschüren veröffentlicht, die sich thematisch mit dem Umgang mit mediatisierter sexualisierter Gewalt befassen. Die erste der je 24 Seiten langen Broschüren soll Fachkräften wichtige Informationen zum Grundwissen und zur Haltung gegenüber der Thematik vermitteln. Grundlegende Begriffe wie ‚mediatisierte sexualisierte Gewalt‘ werden erläutert. Außerdem stehen wichtige Aspekte der Hilfeleistung in Fällen sexualisierter Gewalt im Internet im Fokus. In der zweiten Broschüre wird die Prävention in den Vordergrund der Betrachtung gestellt. Wie kann Präventionsarbeit die (mediale) Lebensrealität junger Menschen einschließlich etwaiger Vorerfahrungen mit sexualisierten Grenzverletzungen adäquat berücksichtigen? Welche Inhalte sollte Präventionsarbeit vermitteln? Mit welchen Präventionsbotschaften können junge Menschen erreicht werden? Die dritte Broschüre beschäftigt sich dann mit den Qualitätskriterien zum konkreten Umgang mit Missbrauchsabbildungen. Die Broschüre bietet inhaltlich-konzeptionelle Weiterüberlegungen zu Hilfsangeboten und der Implementierung gemeinsamer Verfahrenslinien im Umgang mit Missbrauchsabbildungen. Der Schwerpunkt dieser Broschüre liegt auf der (Krisen-)Intervention. Es werden Impulse und Orientierung zur direkten Arbeit mit den Betroffenen angeboten. Dabei geht es unter anderem um die Fragen: Was bedeutet das Erleben mediatisierter sexualisierter Gewalt ganz konkret? Wie kann (Krisen-)Intervention gelingen? Was ist zu tun, wenn Betroffene sich selbst und Dritte gefährden? Was brauchen Eltern, um ihre Kinder trotz eigener Belastungen zu entlasten? Die Broschüren enthalten wichtige Impulse für die alltägliche medienpädagogische Arbeit und den fachlichen Austausch mit Kolleg*innen. https://byedv.d

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