merz Zeitschrift für Medienpädagogik
Not a member yet
    2802 research outputs found

    Humor-Ein machtvolles Instrument, um Ernstes zu thematisieren: Ein Gespräch mit Maximilien Van Aertryck und Axel Danielson, Plattform Produktion

    No full text
    In ihrem neuesten Film ‚And the king said what a fantastic machine‘ setzen sich Axel Danielson und Maximilien Van Aertryck mit unserer von Medien durchdrungenen Welt auseinander. Was passiert, wenn die Selbstverliebtheit der Menschheit und ein ungezügelter Markt auf 45 Milliarden Kameras treffen? Es ist eine Chronik darüber, wie in nur 200 Jahren über das erste Einfangen des Bildes eines Hinterhofs eine Multi-Millionen Content Industrie entstanden ist, sowie ein humorvolles medienpädagogisches Lehrstück. MERZ Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Projekt über die Medienwirksamkeit von Bildern zu verwirklichen? DANIELSON Wir alle in Plattform Produktion arbeiten eng zusammen, wie in einer Art Filmkollektiv, unser Produzent, Ruben Östlund, ist auch Regisseur (Triangle of sadness, 2022). Wir waren alle zu unterschiedlichen Zeiten auf der gleichen kleinen Filmschule in Gotheburg. Und als ich als Lehrer dort war und Max als Student, haben wir gleich entdeckt, wie ähnlich wir die Kamera nutzen. Die Kamera hat die fantastische Eigenschaft, soziale Interaktion einzufangen – wie wir uns zueinander verhalten, wie wir uns gegenüber der Kamera verhalten, und unser jeweiliger Weg, Wirklichkeit zu transportieren. VAN AERTRYCK Wir glauben, dass die Bilder, die wir konsumieren, beeinflussen, wie wir die Welt sehen und dementsprechend auch unser Verhalten. MERZ Die Kamera als soziale Funktion also? VAN AERTRYCK Ja, das ist eine Passion von uns allen in der Firma, der Einfluss des fotografischen Bildes und des bewegten Bildes auf die Gesellschaft als Ganzes. MERZ And the king said what a fantastic machine besteht fast zu 95 Prozent aus Archivmaterial, seit wann sammelt ihr das? MERZ And the king said what a fantastic machine besteht fast zu 95 Prozent aus Archivmaterial, seit wann sammelt ihr das? VAN AERTRYCK Mindestens seit zehn Jahren – es war ein Stück weit an den Aufstieg von YouTube geknüpft: Plötzlich war es möglich, kurze Filmclips herunterzuladen und wir wollten zusammen darüber diskutieren, sie unseren Freund*innen und Familien zeigen, Vorlesungen darüber halten. Uns fiel dabei auf, dass zuerst die Clips kamen, wie Menschen imitieren, was sie gesehen haben, im TV zum Beispiel. MERZ Spätestens seit der Nutzung von Social Media für politischen Einfluss, sowie dem Anstieg von autokratischen Tendenzen ist der mediale Einfluss mehr ins Rampenlicht gerückt. War das der auschlaggebende Moment, diesen Film zu realisieren? VAN AERTRYCK Das war mehr oder weniger vor fünf Jahren: unsere Wahrnehmung, dass die Welt mehr und mehr polarisiert ist, dass die Demokratie in der Welt tatsächlich auf dem Rückzug ist. Was in uns ein Gefühl der Dringlichkeit ausgelöst hat, war die Analyse, dass diese Tendenzen durch bestimmte Faktoren noch zugespitzt werden: Und zwar die Art und Weise, wie wir das bewegte Bild in der Gesellschaft nutzen in Verbindung mit dem fehlenden Wissen darüber, wie wir gut informiert bleiben und nicht in diese individualistischen Blasen rutschen; Blasen, die von den Algorithmen noch gefördert werden. Also sagten wir: Lass uns einen Film zu Medienkompetenz machen – aber es soll wirklich lustig und unterhaltsam sein. MERZ Der Wunsch, Medienkompetenz zu stärken war also besonders im Fokus des Films? DANIELSON Ja, Medienkompetenz wird zunehmend wichtiger. Zum Beispiel die Fragen, was sollte Basis-Wissen in einer Demokratie sein oder was sollten alle wissen, wenn wir nach demokratischen Prinzipien leben wollen. Wie wir dieses gemeinsame Wissen vermitteln, ist eng verwoben mit dem demokratischen System, das wir haben. Aus unserer Sicht werden dieses Bedürfnis und daraus entstehende Konsequenzen selten mitgedacht, sobald Bilder entstehen. Wir als Filmemacher haben das Interesse und praktisches Wissen darüber, daher wollten wir gewisse Konzepte auf den Tisch bringen. Zum Beispiel die Perspektive – es gibt immer eine Perspektive – und, dass man wahrscheinlich mehrere Perspektiven braucht, um umfängliches Verständnis für eine Sache zu bewirken. Es gibt immer einen Bildausschnitt – und es gibt immer etwas außerhalb eines Ausschnitts. Zum Beispiel der Clip, in dem der ISIS-Krieger ein Propaganda-Video drehen will und dabei über seinen Text stolpert – dieses Material haben wir in einem 10-Sekunden-Clip in den Nachrichten gefunden. Es war sehr kurz geschnitten, damit Zuschauer*innen darüber lachen können, wie über einen Patzer. Bei solchem Material wollten wir sofort die Quelle finden und nach sehr langer Recherche ist uns das gelungen und wir haben den 25-minütigen Original Clip gefunden. MERZ Es gibt sehr viel Material in dem Film, das nicht einfach zu finden gewesen sein kann. Wie seid ihr vorgegangen, wie habt ihr zum Beispiel dieses Material recherchiert? VAN AERTRYCK Das ist ähnlich wie beim Filmdreh. Wir fühlen uns wie Jäger, die nach dem perfekten Moment suchen, den wir einfangen oder der schon eingefangen wurde. Daher suchen wir immer nach dem Rohmaterial, meistens über sehr viele Netzwerke und über Gespräche mit vielen Menschen. In diesem Beispiel fanden wir einen amerikanischen Forscher, der eine ganze Datenbank mit Terroristen-Videos hatte. Hintergrund des ISIS-Videos ist, dass der Clip im Jemen gedreht wurde. Im Jemen sind ISIS und Al Quaida stark verfeindet. Al Quaida hat ein ISIS-Camp überfallen, einen ganzen Haufen Festplatten von den geflohenen ISIS-Soldaten gefunden und da war dieses Rohmaterial drauf. Dann hat Al Quaida das Material ins Internet hochgeladen, um die ISIS-Soldaten zu diskreditieren. Das alles ist geradezu absurd, aber es fängt auch die gesamte Schönheit und die tragisch-komischen Aspekte des Lebens ein. Wenn du etwas in einem anderen Rhythmus ansiehst, als in Schlagzeilen oder in einem TikTok-Rhythmus, in das so vieles heutzutage gepresst wird, dann erhältst du eine ganz andere Deutung davon, was sich vor der Kamera abspielt. Das ist das Schöne, das Publikum tatsächlich über die Komplexität des Lebens und der menschlichen Natur nachdenken zu lassen. Indem wir gegen die Art und Weise angehen, in der so vieles in den Massenmedien dargestellt wird, fördern wir Medienkompetenz. MERZ Wie war eure Perspektive auf den Gestaltungsprozess für so viel unterschiedlichen Inhalt? DANIELSON Natürlich ist es ein Ziel, ein Projekt künstlerisch auf hohem Niveau zu gestalten – es wird eine Komposition, erhält eine Dramaturgie. Dabei wollten wir unbedingt Humor als wichtiges Stilmittel einsetzen. Wenn man ernste Dinge thematisiert, ist Humor ein machtvolles Instrument. Der humanistische Blickwinkel war ebenso wichtig: Wir wollten die Menschen nicht vom gezeigten Verhalten entfremden und sagen „diese Leute verhalten sich falsch“, sondern realistischer sein. Wir sind alle Teil eines stark wirtschaftlich ausgerichteten Systems, indem unser Verhalten sehr intensiv von Algorithmen getrieben wird – sowohl, wie wir sie gestalten, als auch wie wir sie konsumieren. Und natürlich wollten wir auf lange Sicht mit dem Film darauf aufmerksam machen, dass dieses Instrument Kamera so mächtig ist, dass wir nicht glauben, die Ethik im Umgang damit kann nur von fünf großen Konzernen entschieden werden. Es ist mehr eine Frage für die Bürger*innen. MERZ Ihr habt euch dafür entschieden, diesen Film für den Kinosaal zu kreieren. Warum dieses Format? DANIELSON Der Kinosaal ist ein großartiger Platz für uns Bürger*innen, um fotografische Bilder und die Reaktionen darauf gemeinsam zu erleben. Diese Bilder werden produziert und verbreitet mit der Absicht, dass sie individuell konsumiert werden. Von Anfang an wollten wir diese Bilder auf eine große Leinwand in einem Raum bringen, um eine gemeinsame Sprache dafür zu entwickeln, was wir sehen. Was bedeuten diese Bilder? Darauf haben wir keine Antwort, aber wir wollen sie nutzen, um eine Diskussion über die Antworten anzuregen. VAN AERTRYCK Es gibt einen Unterschied, ob du Bilder auf deinem Smartphone oder im Kino konsumierst, und das hat nicht nur mit großer Leinwand und gutem Sound zu tun. Es geht um die gemeinsame Erfahrung. Der Raum und der große Bildschirm sind Teil der Erfahrung. Es ist zusätzlich auch unsere Wertschätzung gegenüber diesem Raum, den wir lieben, und ein Vorschlag dazu, was wir denken, das dort gezeigt werden sollte. MERZ Was wollt ihr bei euren Zuschauer*innen bewirken? DANIELSON Reflexion – wir wollen kritisches Denken inspirieren; nicht das kritische Denken, das zu Dogmen führt oder zur Verbannung von Medien. Wir glauben an Bildung, Erziehung und an Inspiration. Wenn wir diese polarisierte Welt ändern wollen, diese Welt von richtig oder falsch, wahr oder unwahr, dann benötigen wir mehr Wissen darüber, wie jedes Bild entsteht. Wir wissen aus Erfahrung, dass jeder Mensch Anteile von Gut und Böse in sich trägt, aber bei Bildern tendieren wir zu einer radikalen Idee von Wahrheit über die Welt. Wir wollen auf humorvolle Weise das Bewusstsein darüber erweitern

    Medien und Wirtschaft: Die Rolle der Verbraucher*innen in einer vernetzten Welt

    No full text
    Medien und Wirtschaft beeinflussen Verbraucher*innen in der vernetzten Welt. Neue Geschäftsmodelle und personalisierte Werbung verwenden Nutzendendaten, um Kaufentscheidungen zu beeinflussen. Influencer*innen-Marketing lockt mit Reichweite und Bezahlung, birgt jedoch Risiken wie Manipulation, gefälschte Empfehlungen und Datenschutzprobleme. Hier wird aufgezeigt, wie Verbraucher*innen sensibilisiert werden können, um bewusste Entscheidungen zu treffen

    KI - Immer und Überall?

    No full text
    Zahn, Angelika/ Hesse, Lena (2023): Was ist Künstliche Intelligenz? Wo sie uns im Alltag begegnet und wie sie funktioniert. Weinheim/ Basel: Beltz & Gelberg. 90 S., 16,00 €. Von klein auf begegnen Kinder in ihrem Alltag bereits Künstlicher Intelligenz (KI) und Algorithmen. In einem verständlichen Kinderbuch erklärt Autorin und Journalistin Angelika Zahn, wie KI funktioniert. Gezeigt wird, wie ein Tagesablauf vom Aufstehen und Zähneputzen bis zum Ins Bett gehen etwa durch diverse Apps durchgetaktet sein kann. Nicht immer muss KI als Roboter daherkommen, sie steckt auch im Smartphone oder inzwischen sogar im Kühlschrank. Erzählt wird auch die Geschichte der KI, angefangen beim Mathematiker Alan Turing in den 1930er-Jahren über einen Schachcomputer, der einen Schachweltmeister bezwingen konnte, bis hin zum Durchbruch von Sprachassistenten. Altersgerechte Erklärtexte vermitteln Kindern ab acht Jahren die Welt von Künstlicher Intelligenz: Was genau ist eigentlich ein Algorithmus? Wie wird KI die Arbeitswelt verändern? Welche Gesetze sind für einen verantwortungsbewussten Umgang erforderlich? Wie kann KI für Schule und Lernen oder für Gesundheit und Medizin genutzt werden? Herzstück des Bandes sind die farbenfrohen und fröhlichen Illustrationen, die an kleine Comics erinnern und Szenen aus dem Alltag von Heranwachsenden und Erwachsenen abbilden. Bei der Lektüre, ob in Kindertagesstätte, Schule oder Familie, erinnert das Buch an einen Mix aus Lach- und Sachgeschichten. Es eignet sich, um Kindern Informationen für einen immer smarteren und digitalen Alltag zu vermitteln. Chancen und Herausforderungen der KI, die schon seit geraumer Zeit in einschlägigen medienwissenschaftlichen und medienpädagogischen Publikationen sowie Sachbüchern für Erwachsene diskutiert werden, sind nun auch für Kinder verständlich zwischen zwei Buchdeckeln erschienen. Handelt es sich bei KI doch um eine Technik, die zukünftig unsere Gesellschaft vermutlich mehr verändern wird, als wir es heute schon vorausahnen können. Viel Gutes für die Menschheit könne KI bringen, prognostiziert Autorin Angelika Zahn in ihrem Fazit. Jedoch knüpft sie dies an eine Bedingung: „Vorausgesetzt, sie wird klug und verantwortungsvoll eingesetzt“ (S. 90)

    Betz, Joachim/Schluchter, Jan-René (Hrsg.) (2023). Schulische Medienbildung und Digitalisierung im Kontext von Behinderung und Benachteiligung. Weinheim/ Basel: Beltz Juventa. 414 S., 48,00 €

    No full text
    Mit diesem Werk setzen die Herausgeber Impulse für Konzepte und Modelle der Medienbildung mit Menschen mit Behinderungen im Kontext von Schule und Unterricht. Dabei stehen unter anderem die Verbindungslinien von medien-, sonder- und inklusionspädagogischen Ansätzen für das Handlungsfeld Schule im Fokus, die bisher wenig erschlossen sind. Der Band ist in vier Schwerpunkte aufgeteilt: Behinderung – Bildung – Wissenschaft, Orientierungen im Horizont einer Diversität von Behinderung, Übergreifende Perspektiven im Horizont einer Diversität von Behinderung und Professionalisierung auf Ebene der Lehrer*innenbildung. Mit dieser Ausrichtung legen die Herausgeber eine Bestandsaufnahme aktueller – und gewachsener – Diskurse im Schnittfeld von Digitalisierung, Medienbildung mit Menschen mit Behinderungen und Inklusion/Inklusiver Bildung dar und zeigen hierbei Perspektiven für Theorie und Praxis auf. Die Bearbeitung digitaler Ungleichheiten entlang von Behinderung und ihre Entfaltung in der Gesellschaft spielen dabei eine große Rolle. Hervorzuheben ist das erste Kapitel ‚Zwischen Klassismus und Ableismus – wie Wissenschaftssprache Ableismus produziert‘ von Andrea Schöne, Journalistin und Speakerin. Sie wirft grundlegende Fragen auf, welche Leser*innen nachhaltig beschäftigen dürften: „Wer darf forschen und wer nicht? Welche behinderten Menschen haben Zugang zu höherer Bildung? Wie stark sind Ableismus und Klassismus miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig sogar?“ (S. 14). Weitere interdisziplinäre Autor*innen zeigen auf, wo Handlungsbedarf besteht und ein Umdenken erforderlich ist, aber auch welche beispielhaften Projekte, Initiativen und Forschungsarbeiten es schon gibt. Der Band ist ein Grundlagenwerk für alle pädagogisch Tätigen, denn Inklusion ist in der UN-Behindertenrechtskonvention festgeschrieben. Es muss aber noch viel getan werden, damit sich das auch im Alltag widerspiegelt

    Kennt jemand bindungstheoretische Ansätze zu Technik? – Ich frag’ für ’ne Freundin...

    No full text
    Tamagotchi, Furby, Pou – die Faszination für Technik, die gleichzeitig umsorgt werden kann, war irgendwie schon immer mein Ding. Ich hätte nicht gedacht, dass ich eine ähnlich tiefe Bindung zu meinem Staubsaugerroboter habe. Als er mit in meine Wohnung zog, habe ich ihm ein Nestchen gebaut bzw. seine Ladestation mit Strom und ausreichend Platz versorgt, drückte seinen einzigen Knopf und daraufhin zog er los, um die Wohnwelt zu erkunden. Etwas planlos und zuweilen hilflos, aber immerhin nützlich und irgendwie niedlich. Er gebraucht fleißig seinen Bumper, seine kleine Stoßstange, um wahlweise gegen Möbel, Mauern oder seine Menschen zu fahren – immer wieder. Da er rot ist, erinnert er mich an einen Marienkäfer. Insbesondere dann, wenn er mal wieder herzzerreißend mehrfach piepst, weil er sich eines seiner Bürstenbeinchen ausgerissen hat. Liebevoll lege ich ihn dann auf den Rücken, streichele kurz das staubbedeckte Bäuchlein sauber, kämme die Bürsten von den Haaren frei und montiere das Beinchen wieder. Verschwindet er unter dem Sofa und wird dort müde bzw. reicht der Akku aufgrund seines Alters nicht mehr so lange, dann presse ich mich fest auf den Boden, rede ihm in der Dunkelheit gut zu und fluche ein bisschen, weil er nicht hört bzw. die Fernbedienung noch nie gut funktioniert hat. Nach vier gemeinsamen Jahren, in denen der kleine Kerl fleißig Staubmäuse gefangen hat, sollte ein smarteres Modell her. ‚Der Neue‘ fordert WLAN- und GPS-Zugang – na gut, wegen mehr Präzision hatte ich ihn ja auch adoptiert, äh, angeschafft: Also sagte ich meinem Router Obi-Wlan-Kenobi, dass ihn nun ein Droide suchen würde. Das Smartphone mutiert zur Fernbedienung und zeigt, wie ‚der Neue‘ die Wohnung mit seinem Laser vermisst. Obwohl ich ihm durchs erste Zimmer hinterhergedackelt bin, hat er meine Hilfe nicht nötig. Die restliche Erkundungstour macht er ohne mich und ich kann ihn via Smartphone verfolgen. Er beendet seinen ersten Reinigungsvorgang und zeigt an, dass er in 47 Minuten 33 Quadratmeter gesaugt hat und schlägt vor, dass er das jeden Freitag machen könnte. Ich sitze wehmütig auf dem Sofa. Mein neues Gerät, es braucht mich nicht. Trotz toller Putzperformance bin ich nicht sicher, ob ich es mag: Es spricht in Schlagworten oder kurzen Sätzen mit mir. Lässt keinen Raum mehr für meine Interpretationen der Pieptöne. Vielleicht möchte mir der technische Fortschritt sagen, dass ich mich ebenfalls weiterentwickeln und erwachsen werden sollte – mit Hilfe der App taufe ich ‚den Neuen‘ auf den Namen: Drecko Malfoy

    #51 – Social Media in der Beratung Teil 1: Stefanie Bötsch über Suchtberatung per Podcast

    No full text
    Mit dieser Folge startet unsere neue Reihe zu Social Media in der Beratung. Den Anfang macht Sozialarbeiterin und Suchtberaterin Stefanie Bötsch. Sie hostet den wissenschaftsbasierten Podcast Psychoaktiv rund um das Thema Alkohol und andere psychoaktive Substanzen. Wir sprechen mit Stefanie über ihre Arbeit, die besonderen Herausforderungen und Potenziale digitaler Beratungsformate sowie darüber, wie sie die Schnittstelle von Suchttherapie, Information und auch Beratung in ihrem Podcast gestaltet. Psychoaktiv - Der Drogen und Alkohol Podcast   Weitere Informationen gibt es in unserer neuen Ausgabe 23/2 Social Media in der Beratung

    Wie gehen Jugendliche mit konfliktreichen Situationen auf Instagram um?

    No full text
    Um für sie unerwünschte Nutzungssituationen zu vermeiden, zeigen sich Heranwachsende mitunter sehr kreativ, indem sie eigene, in der App nicht vorgesehene Möglichkeiten ausloten, sich selbst vor Risiken zu schützen. So ein Ergebnis des aktuellen ACT ON!-Monitorings. Neben dem Einrichten mehrerer Accounts gehört das Verdecken von Gesichtern bei der Aufnahme oder Bearbeitung von Fotos dazu, oder die Angabe falscher Daten bei Registrierungsprozessen. Instagram zählt zu den beliebtesten und häufig genutzten Social-Media-Apps Jugendlicher. Wenn sie dort etwas Negatives erlebt haben, greifen Jugendliche zum Selbstschutz auf die App-eigenen Funktionen wie Blockieren, Melden und Löschen zurück. Vor allem das Blockieren kritisch angesehener Accounts ist eine Standardreaktion Jugendlicher und wird sogar als essenziell angesehen, um die Nutzung von Instagram ihren Konditionen entsprechend anzupassen. Als problematisch einzustufen ist, dass Jugendliche die Verantwortung für negative Online-Erlebnisse in hohem Maße sich selbst zuschreiben, und die entsprechenden Risiken auf der Plattform als quasi naturgegeben hinnehmen. Die Jugendlichen reagieren häufig mit Vermeidung, um möglichst wenig Angriffsfläche etwa für Belästigungen, Bots oder unerwünschte Kontaktanfragen zu bieten. Positiv interpretiert kann dies – vor dem Hintergrund vorausschauenden Medienhandelns – auch als medienkompetent eingeschätzt werden. Um Jugendliche in Konfliktsituationen zu einem souveränen und selbstbestimmten Medienumgang zu befähigen, sind fortwährende Unterstü tzungsangebote und Präventionsmaßnahmen erforderlich, die neben individuellen Bewältigungsmechanismen auch strukturelles Wissen vermitteln. Die Studie des Projekts ACT ON! des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis geht der Frage nach, wie Jugendliche unter demBlickwinkel von Teilhabe- und Schutzbedürfnissen mit der bildorientierten Plattform Instagram umgehen. http://act-on.jff.d

    Alles sozial?! Beziehungen in der aktiven Medienarbeit

    No full text
    Eine der Prämissen der Aktiven Medienarbeit ist die Gruppenarbeit. Wie verändert sich das Agieren in Gruppen, wenn zentrale Produktionsschritte online, vernetzt und asynchron ablaufen? Welche Bedeutung hat das Soziale in einer Aktiven Medienarbeit, die sich in Zeiten des Agierens in Sozialen Netzwerken und der Gestaltung hybrider Lernsettings teilweise neu erfinden muss? Der Beitrag setzt sich mit dem Handeln Jugendlicher in vernetzten und globalen Lebenswelten, der Bedeutung von interaktiven Produktions- und Präsentationsräumen sowie der Verbindung von sozialem und demokratischem Lernen auseinander

    Geier, Fabian/Rosengrün, Sebastian (2023): Digitalisierung. Die 101 wichtigsten Fragen. München: Verlag C.H.Beck. 160 S., 14,00 €

    No full text
    Die ‚eine‘ Digitalisierung gibt es nicht. Das veranschaulichen 101 Antworten zu mannigfaltigen Fragen der beiden Philosophen Fabian Geier und Sebastian Rosengrün. Die beiden Autoren plädieren dafür, die Digitalisierung nüchtern zu betrachten: „Wann und wo ist Digitalisierung sinnvoll? Welche Vorteile entstehen, welche Nachteile, welche Abhängigkeiten?“ (S. 35). Dabei richten sie sich auch ausdrücklich an die Lesenden selbst: „Fangen Sie damit an“, appellieren sie etwa, als es um den Schutz der Privatsphäre online geht. Die Digitalisierung ist weder Dämon noch Heilsbringer, das wird im Zuge der Lektüre deutlich. Der Mensch muss bei der Digitalisierung im Mittelpunkt stehen. So braucht es klare Regeln und Sanktionen für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Das ist eine der essenziellen Botschaften der jeweilig in sich schlüssigen über hundert Kurzkapitel. Hier verknüpfen die Autoren unterhaltsam technische, gesellschaftliche und politische Hintergründe mit ethischen Reflexionen. In zwölf Schwerpunkten widmen sie sich etwa Themen wie Digitalgeschichte, Sicherheit, Algorithmen, Digitalwirtschaft oder digitaler Lebenswelt. Dort geben sie Einblicke in Programmiersprachen oder diskutieren, wie neutral Plattformen sein sollten. „Es geht um die Bildung des Urteilsvermögens“, schreiben die beiden Wissenschaftler in ihrem Vorwort (S. 11). Die Technikphilosophen wollen zum Verstehen und Nachdenken anregen, um so einen reflektierten und souveränen Umgang mit KI und Digitalisierung zu ermöglichen. Gleichzeitig wollen sie Lust auf Technik und Digitalisierung wecken. Das leicht zu lesende Sachbuch ist dabei nicht, wie man vermuten möchte, hochwissenschaftlich abgehoben. Selbst technische und philosophische Lai*innen können daraus ebenso Erkenntnisse gewinnen wie auch Expert*innen. Gerade deshalb eignet sich der Band, der technisches Wissen und angewandte ethische Reflexion verknüpft, als Lektüre sowie digital- und medienethisches Nachschlagewerk für den medienpädagogischen Alltag

    Ein Podcast für jede Lebenslage

    No full text
    Heute ist nicht mein Tag. Ich trete müde in die Pedale meines Drahtesels. Am S-Bahnsteig krame ich Smartphone und Kopfhörer aus dem Rucksack. Jetzt brauche ich erstmal eine ordentliche Portion Motivation! Zielsicher klicke ich mich durch Spotify zu einer meiner Lieblings-Podcasterinnen: Michelle Obama. Sie spricht über Berufstätigkeit, Muttersein, Politik, Freundschaft und Mentoring. Die Landschaft zieht an mir vorbei, um mich herum Reisende, Berufstätige, Schulkinder. „We all have a light“ – das nehme ich ihr sofort ab und fühle mich durch ihre kraftvollen Worte und ihren klugen Humor schon viel beschwingter. Im Büro angekommen schnappe ich in der Küche ein paar Wortfetzen auf: „Frankreich, Polizeigewalt, Proteste“. Au Backe, habe ich da etwas nicht mitbekommen? Das muss ich mir auf der Rückfahrt gleich mal anhören. Was jetzt? – diese Frage stellt sich der Nachrichtenpodcast und erklärt mir in wenigen Minuten das Wichtigste zur aktuellen Lage. Gleichzeitig ploppt eine Nachricht auf meinem Handy auf. Meine Freundin berichtet von Selbstzweifeln. Puh, das kenne ich. Für solche Probleme gibt’s nur eines: Die Lösung, den Psychologiepodcast. Alle Folgen habe ich schon durchgehört und kenne mich theoretisch bestens aus mit Prokrastination, Perfektionismus und Parentifizierung. Schnell teile ich die Folge zum Selbstwert mit ihr. Überhaupt liebe ich es, alle möglichen Stichwörter in Spotify einzugeben: „Wackelzahnpubertät“, „Gewaltfreie Kommunikation“, „Mental Load“ und „Rassismuskritik“, oder auch „Italienisch auf Reisen“ und „Vogelstimmen erkennen“. Zugegeben kommt dabei nicht immer das heraus, was ich mir erhoffe. Es ist auch einiges an Esoterik, Geschwurbel und Selbstvermarktung dabei. Mitunter Skurriles. Gebe ich „Mauersegler“ ein, bekomme ich den Podcast GUT ZU VÖGELN angezeigt. Einschalten lohnt sich, wer begeisterten Hobby-Ornitholog*innen beim Plaudern über Federvieh zuhören möchte. Das ist für mich 1-A-Unterhaltung und ich verpasse keine Folge. Dafür zeige ich meinen Dank mittels 5-Sterne-Bewertungen oder einer E-Mail an das Redaktionsteam. Denn gute Podcasts machen mein Leben reicher. Besonders schätze ich persönliche Geschichten, die mir unter die Haut gehen. Ungeschminkte Wahrheiten bei Eltern ohne Filter, Coaching-Sitzungen bei den Alltagsfeministinnen, gruselige Verbrechen oder auch den Anruf deines Lebens bei Telephobia. Podcasts erweitern meinen Horizont, kitzeln an meinen Emotionen und lassen mich nachts einschlafen. Hierzu empfehle ich AUGEN ZU. Wenn Giovanni di Lorenzo und Florian Illies über Kunst philosophieren, werden meine Lider ganz schwer. Nur nicht vergessen, den Sleeptimer einzustellen! Sonst werde ich plötzlich von Bibi und Tina aus dem Schlaf gerissen, weil unser Vorschulkind mal wieder meinen Spotify-Account verwendet hat. Höchste Zeit, die Einstellungen zu überprüfen … das mache … ich dann … morgen. Zzzz

    0

    full texts

    2,802

    metadata records
    Updated in last 30 days.
    merz Zeitschrift für Medienpädagogik
    Access Repository Dashboard
    Do you manage Open Research Online? Become a CORE Member to access insider analytics, issue reports and manage access to outputs from your repository in the CORE Repository Dashboard! 👇