merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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Gemeinsam gegen Hass im Netz
Chebli, S. (2023). Laut. Warum Hate Speech echte Gewalt ist und wie wir sie stoppen können. Goldmann. 236 S., 18,00 €.
Sawsan Chebli ist SPD-Politikerin und vielen aus der Zeit als stellvertretende Sprecherin des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier im Auswärtigen Amt bekannt. Ihre aktuelle Publikation zu Hate Speech ist ihr erstes Buch und versteht sich als Aufruf an die Gesellschaft, sich sowohl im Netz als auch auf der Straße mit Demokratiefeind*innen auseinanderzusetzen, lauter zu sein, sich einzumischen und Stellung zu beziehen. Chebli hat das Buch mit der Kulturjournalistin Miriam Stein als Co-Autorin verfasst. Im Zentrum von Laut steht das Thema digitale Gewalt, das von Chebli intersektional angegangen wird. So beleuchtet sie die verschiedenen Motivationen, aus denen heraus digitale Gewalt in Form von Mehrfachdiskriminierung stattfindet: Vor allem Sexismus, Klassismus und Rassismus (in diesem Fall antimuslimischer Rassismus) spielen dabei eine Rolle. Chebli reflektiert dabei auch immer ihre eigene Biografie, beschreibt eindrucksvoll ihre Erfahrungen und verbindet sie mit Implikationen für die Gesellschaft. Außerdem lässt sie Erkenntnisse aus Interviews mit Expert*innen einfließen, so zum Beispiel mit der Publizistin und Politikerin Marina Weisband, mit der Geschäftsführerin von HateAid Anna-Lena von Hodenberg, dem Netzexperten Sascha Lobo, der EU-Abgeordneten Alexandra Geese, der Politikerin Renate Künast und dem Rechtsanwalt Chan-jo Jun. Weiterhin kann man Auszüge aus Interviews mit dem deutschen Team des US-Technologiekonzerns Meta lesen.
Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, die sich jeweils in fünf Kapitel gliedern. Der erste Teil heißt Digitale Gewalt ist echte Gewalt – Was meine Shitstorms über den Zustand unseres Landes aussagen. Anhand eigener Erfahrungen geht die Autorin hier nacheinander auf Hate Speech in Form von Sexismus, Klassismus und Rassismus ein. Als Frau, Politikerin, Tochter palästinensischer Geflüchteter und Muslima steht Chebli quasi im Auge des Hate-Speech-Tornados. Das zeigt sich auf erschreckende Weise, wenn man als Leser*in nachvollzieht, wie und aus welchen Gründen sich ein Shitstorm über ihr zusammengebraut hat, und welche Auswirkungen das hatte. Vor allem die immer wiederkehrende Unterstellung, man habe als Opfer eines Shitstorms selbst übelste Beschimpfungen provoziert, ist verstörend. Der zweite Teil, Digitale Gewalt ist eine humanitäre Krise – was wir dagegen tun können, beschreibt die Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft nun steht. Dass digitale Gewalt sich nicht auf den digitalen Raum beschränkt, sondern Gewalttaten im Alltagsleben der Betroffenen nach sich ziehen kann, dafür gibt es leider zahlreiche Beispiele aus den letzten Jahren. Der Mord an Walter Lübcke ist nur ein trauriges und katastrophales Beispiel dafür, dass Hass im Netz sehr leicht ins reale Leben übergeht, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, und die Problematik zu wenig ernst genommen wird.
Chebli plädiert deshalb zuallererst für das Lautsein und das Netzwerken aller am Netz beteiligten, um Demokratiefeind*innen und Gewalttäter*innen nicht den Raum zu überlassen. Darüber hinaus fordert sie aber auch klare politische Maßnahmen. „Social-Media-Unternehmen, die digitale Desinformationen in ihren Systemen stehen lassen, die Persönlichkeitsrechte verletzen oder sogar mit Gewalt, mit dem Tod drohen, sollten nicht länger Geld mit dem Traffic verdienen, den der Hass generiert“ (S. 178). Um das umzusetzen und den Hass besser unter Kontrolle zu bekommen, fordert Chebli unter anderem eine europäische digitale Plattformaufsicht, welche die Regeln des im Juli 2022 in Kraft getretenen europäischen Digital Services Act konsequent durchsetzt und eine unabhängige Prüfung von Plattformen beauftragt. Weiterhin fordert Chebli die schnellere Löschung von Hasskommentaren sowie eine effektive Strafverfolgung bei Verstößen gegen Persönlichkeitsrechte im Netz ein. Die Opfer digitaler Gewalt bräuchten darüber hinaus eine Stimme, ihnen müsse mehr Raum für ihre Erfahrungen gegeben werden, auf die dann natürlich auch von Gesetzesseite her entsprechend reagiert werden müsse.
Abschließend zeigt Chebli zehn ganz konkrete Schritte auf, was Menschen tun können, um das Internet für alle zugänglich zu machen und zu einem Ort zu gestalten, an dem diskutiert und debattiert werden kann, und wo Menschen einer friedlichen und freien Gesellschaft gerne zusammen kommen – vom simplen Eröffnen eines Kontos in einem Sozialen Netzwerk bis hin zu konkreten Anlaufstellen bei Hass und Hetze. Spannend ist das Buch für Medienpädagog*innen in Forschung und Praxis, da nicht nur Faktenwissen vermittelt wird, sondern durch die persönliche Geschichte Cheblis auch die Hintergründe der Opfer digitaler Gewalt sehr greifbar werden, woraus sich zahlreiche Handlungsbedarfe für die Medienpädagogik ergeben
MFG – Mit freundlichen Grüßen
Akronyme sind beliebt. Zu Beginn der Zeiten von Handys und Kurznachrichten fürchtete manch eine*r, dass die Sprache völlig verrohen könne, wenn in Zukunft nur noch mit Abkürzungen und Emoticons kommuniziert werden würde. Es kam, wie es kommen musste, die ‚Dystop*innen‘ lagen falsch: Kurz vor dem Untergang der Welt bzw. unserer wunderbaren (Schrift-)Kultur stiegen insbesondere die jungen Menschen auf Sprachnachrichten um. Seitdem besteht keine Notwendigkeit mehr, Nachrichten möglichst stark zu komprimieren. Schier endlose Nachrichten können übermittelt werden. Zum Glück sind Akronyme dennoch nicht vom Aussterben bedroht, haben sie doch eine weitere Funktion. Sie kennzeichnen In-Groups. Medienpädagog*innen scheinen dafür eine besondere Leidenschaft zu haben. Ich führe an dieser Stelle nur beispielhaft GMK, KbOM, GamM oder auch GAM auf, von JFF und merz ganz zu schweigen. Ist das Verwenden von Akronymen aber eigentlich ein bisschen 90er oder, einfacher gesagt, aus dem letzten Jahrtausend?
Gewiss nicht, wir sind völlig am Puls der Zeit. Spätestens seit Anfang dieses Jahres geht nämlich ein anderes, ein neues Akronym viral. Haben Sie schon von GNTM gehört? Bei aufmerksamer Beobachtung meines sozialen Nahraums kam mir dieses Kürzel immer wieder unter. Es dauerte etwas, aber irgendwann war die Nachrichtenlage eindeutig. Heidi Klum hatte eine Schar neuer Modelanwärter*innen gecastet. Eine neue Staffel von Germany‘s Next Topmodel ging an den Start. Und ich habe gelernt, dass junge Menschen heute nicht mehr Germany’s Next Topmodel, sondern eben GNTM schauen. Nun sind hier auf die Schnelle mindestens zwei mediale Einflüsse zu vermuten: Erstens: Insta-Hashtags setzen sich voll durch. Bevor man sich den Titel zur Lieblingsshow merken muss, merkt man sich einfach nur noch den Hashtag, bzw. eben das Akronym. Zweitens bieten diese Akronyme Kids die Möglichkeit, ihre Medienvorlieben vor Erwachsenen zu kaschieren: Dank umfangreicher, sozusagen lebenslanger, medienerzieherischer Maßnahmen sind sich diese Kids voll bewusst, dass Germany’s Next Topmodel bei vielen Eltern nicht so hoch im Kurs steht. Wenn sie sich nun für die nächsten Stunden abmelden, um in Ruhe den Bemühungen angehender Top-Models zuzusehen, dann wollen sie einfach ihre Ruhe haben und den Trash genießen. Auf Vorträge über problematische Rollenbilder, Informationen zu Scripted Reality oder den nach wie vor großen Werbemarkt für Shows zur Prime-Time habensie dann in etwa so viel Lust wie ich auf Heidi Klum. Und so sagen die Kids einfach, sie schauen GNTM statt eben ... (Sie wissen schon). Wir Eltern sind dann so damit beschäftigt, das Akronym zu entschlüsseln, dass keine Zeit für erzieherische Interventionen bleibt.
Zurück bleibt bei mir der Ohrwurm MFG, mit freundlichen Grüßen, und ich grüble darüber nach, warum das Interesse für Angebote wie GNTM ungebrochen ist, und warum diese Angebote, beinahe exotisch, noch linear zu festen Sendezeiten verfolgt werden
#52 – Social Media in der Beratung Teil 2: Carolin Boldt von juuuport.de über digitale Beratung von Jugendlichen
Unsere Reihe zu Social Media in der Beratung geht weiter mit Carolin Boldt, die als digitale Beraterin bei juuuport tätig ist. juuuport bietet Jugendlichen Hilfe bei Cybermobbing, WhatsApp-Stress & Co. Wir sprechen mit Carolin vor allem über ihre Arbeit, aber auch über die Probleme, die Jugendliche im Netz haben und mit denen sie zur Beratung bei juuuport kommen.
https://www.juuuport.de/beratung
Schädler, Sebastian (Hrsg.) (2023). BilderBildung. Medien und Politik: 5 Einführungen | 5 Ausführungen. Bertz + Fischer. 256. S., 18,00 €
Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann – dieser bekannte Aphorismus könnte Pate gestanden haben für das außergewöhnliche Buch, das Sebastian Schädler mit seiner BilderBildung vorgelegt hat. In zehn Essays in Text- und zehn in Bildform breitet der Politikwissenschaftler, Gestalt- und Sexualpädagoge montageartig seine Gedanken aus. Dabei versucht er mit diesem Wendebuch, Form und Inhalt zusammenzubringen und fordert zum Dekonstruieren heraus. Linearität und Logik sollen nicht als einzige Ordnungsformen anerkannt werden. Damit zielt der Autor auch formal mitten in den inhaltlichen Kern seines Vorhabens und richtet einen unüberhörbaren Appell an seine Leser*innen: Traut euch (neu und selbst) zu denken! Der Bedeutung von Bildern, auch Sprachbildern, kommt dabei eine, besser, die zentrale Rolle zu. „Ohne Bilder keine Bildung“ ist sein selbsterklärtes Motto. Schädler verankert sich in philosophischen, kunsthistorischen, gesellschaftspolitischen und linguistischen Diskursen und spinnt den Faden in praktische Handlungsfelder und damit in aktuelle Transformationsdebatten weiter. Beeindruckend dabei sind seine Themenvielfalt und das scheinbar mühelose Floaten inmitten theoretischer Denkgebäude verschiedener Jahrhunderte: Von Derrida über Rousseau, Dürer, Foucault, Barthes oder Flusser – immer verbunden mit einem persönlichen Blick des Autors. So stecken in BilderBildung unter anderem digitale Transformation und die Frage nach nicht-linearen Formen, bildungspolitische Ansätze und die Frage nach dem Systemclash, Genderdebatten und die Frage nach dem Perspektivieren, Influencing und die Frage nach der Bedeutung von Objektivität, Quantified self und die Frage nach der Authentizität der Entfremdung. Oder praktischer: Warum gelingt es dem Schulsystem so schwer, agil(er) zu werden? Wie verändert ein bildfokussiertes, digitales Mindset die politische Bildung? Warum ist sozial nicht gleich solidarisch oder emanzipatorisch? In Schädlers Werk finden sich zahlreiche mutige Denkkonstrukte, die Medienpädagogik und politische Bildung zum Diskutieren herausfordern.
Schädler, Sebastian (Hrsg.) (2023). BilderBildung. Medien und Politik: 5 Einführungen | 5 Ausführungen. Bertz + Fischer. 256. S., 18,00
Wenn ich irgendwann mal später Kinder habe, was erzähl ich denen dann? Intergenerationale Weitergabe von ,Nachhaltigkeit\u27 am Beispiel der For-Future-Bewegung
Der empirisch ausgerichtete Beitrag behandelt die intergenerationale Weitergabe von ‚Nachhaltigkeit‘ in Familien der for-Future-Bewegung. Dabei wird diskutiert, inwiefern diese Weitergabe durch und in Medien (mit-)bestimmt ist. Anhand eines Kodierparadigmas zum Phänomen ‚nachhaltige Praktiken‘ werden die Bedeutung vom Nachhaltigkeitsverständnis der Akteur*innen sowie die Relevanz von Medien in Bezug zur nachhaltigen Praxis aufgezeigt.The empirically oriented article deals with the intergenerational transmission of sustainability in families of the for-Future-movement. Furthermore, it will be discussed in how far this transmission is (co-)determined through and within media. This is followed by a representation of the significance of an understanding of sustainability, as well as of media in relation to sustainable practices, being based on a defined coding paradigm
Orientations towards ai-assisted research practices
Wie nehmen ältere und jüngere Sozialwissenschaftler*innen den Einsatz von KIbasierten Sprachmodellen in der qualitativen Forschung wahr? Die Auswertung von Gruppendiskussionen zeigt, dass jüngere Forscher*innen eine größere Offenheit zeigen, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI neu zu definieren und der KI Handlungsfähigkeit zuzugestehen. Im Gegensatz dazu betonen ältere Forscher*innen die Wahrung der menschlichen Autonomie und Expertise und nähern sich der Integration von KI nur vorsichtig. Das Verständnis der Perspektiven von Forschenden unterschiedlicher Kohorten ist entscheidend für den Einbezug von KI bei gleichzeitiger Wahrung der humanen Grundlagen der Forschung. Eine fortlaufende Reflexion darüber, wie sich die Perspektiven zwischen den Kohorten unterscheiden, wird die Diskussionen über den Weg der KI in den Sozialwissenschaften beeinflussen.1
(1)This research paper is funded by dtec.bw – Digitalization and Technology Research Center of the Bundeswehr. dtec.bw is funded by the European Union – NextGenerationEU.This paper1 explores how younger and older cohorts of social science researchers view integrating artificial intelligence (AI) into qualitative research practices. Through interpreting group discussions, the study finds younger researchers display openness to redefining human-AI collaboration and granting agency to AI. In contrast, older researchers emphasize preserving human autonomy and expertise while cautiously approaching AI integration. Understanding researchers’ perspectives across cohorts is critical to incorporating AI while thoughtfully sustaining research’s human foundations. Ongoing reflection on how perspectives differ between cohorts will inform discussions on AI’s trajectory in social sciences.
(1)This research paper is funded by dtec.bw – Digitalization and Technology Research Center of the Bundeswehr. dtec.bw is funded by the European Union – NextGenerationEU
#49 – Für Demokratie, gegen Polarisierung. Impulse für die politische Medienbildung Teil 3: Niels Bauder über Aktive Medienarbeit mit politischen Inhalten
In unserer vorletzten Folge der Podcast Reihe zur Politischen Medienbildung begrüßen wir Niels Bauder, der mit seiner Kollegin Franziska Bausch das Projekt "Don't Stop Motion" ins Leben gerufen hat. Das preisgekrönte Projekt zeigt unter anderem, wie Medienprojekte marginalisierten Gruppen eine große Bühne für ihre Geschichten geben können und worin dabei Herausforderungen und Chancen liegen. Außerdem unterhalten wir uns darüber, wie wichtig der Austausch von Argumenten ist und wie Medien einen Anreiz dafür geben können. Wir freuen uns, euch mit diesem Projekt ein ganz besonderes Beispiel für die Verbindung von Aktiver Medienarbeit mit politischen Inhalten präsentieren zu können.
Zum Projekt: https://dontstopmotion.de/der-film
Aktive Medienarbeit als Vorbild: Handlungsorientierte Ansätze zur Förderung einer um digitaltechnische Dimensionen erweiterten Medienbildung
Wie Medien auch, ist (digitale) Technik dank ihrer prinzipiellen Offenheit und Plastizität grundsätzlich gestaltbar und bietet daher erfahrungs- und handlungsorientierte Zugänge geradezu an. Die Ansätze des produktiven Technikhandelns wie der des medienpädagogischen Makings ermöglichen aber nicht nur den kreativen Umgang mit digitalen Tools und Werkstoffen, sondern auch die kritische Reflexion des dabei Erlebten. Im Beitrag führen wir konzeptionell in das produktive Medien- und Technikhandeln ein und begründen anhand exemplarischer Einblicke in eine laufende qualitative Studie, warum diese von der Aktiven Medienarbeit inspirierten pädagogischen Ansätze die praktische Förderung einer um digitaltechnische Dimensionen erweiterten Medienbildung ermöglichen können
D21-Digital-Index 2022/23
Fünf Prozent der Bürger*innen gehören zur digitalen Mitte, die gut im digitalen Wandel mithalten kann. Zudem ist mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung der Meinung, dass die Digitalisierung positive Veränderungen mit sich bringt. Desinformation wird als größte Gefahr der Digitalisierung für die Demokratie angesehen. Das sind Ergebnisse des diesjährigen D21-Digital-Index, der die Entwicklung des Digitalisierungsgrades unserer Gesellschaft darstellt. Der Gesamtindex, der sich aus den Merkmalen Zugang, Kompetenz, Grundeinstellung und Nutzung zusammensetzt, liegt bei 57 von 100 Punkten. Die Hälfte der Befragten verfügt über digitale Basiskompetenzen, die Chancen formaler Bildungsangebote werden aber zu wenig genutzt. Die meisten Berufstätigen (61 %) glauben, dass sie von der Digitalisierung profitieren.
Der Hälfte ist die eigene freie Meinungsäußerung im Netz wichtiger als die Kontrolle von Inhalten auf beleidigende, demokratiefeindliche Äußerungen. 56 Prozent erwarten positive Auswirkungen der Digitalisierung auf die Demokratie, 20 Prozent sehen eine Gefahr in der Digitalisierung. Die Resilienz der Menschen im digitalen Wandel hängt vor allem von ihrer Fähigkeit ab, Veränderungen zu verstehen, sowie diese proaktiv anzunehmen. Derzeit trifft dies auf knapp zwei Drittel (64 %) zu.
Die repräsentative Studie der Initiative D21 wurde von Kantar durchgeführt. In persönlichen und Online-Interviews wurde die deutsche Bevölkerung ab 14 Jahren in Privathaushalten in einer Struktur- und Vertiefungsbefragung (n=29.198, n=6.087) erfasst. Die Befragungen fanden zwischen August 2021 und Juli 2022 statt.
www.initiatived21.de/d21index22-2
Gold, A. (2023). Digital lesen – Was sonst? Vandenhoeck & Ruprecht. 181 S., 23,00 €
Buch oder E-Book? Welchen Unterschied macht es, ob wir richtiges Papier in den Händen halten oder auf digitalen Endgeräten lesen? Es kommt ganz darauf an was, wie und warum wir lesen. Ein weiterer Einflussfaktor ist zudem das Alter der*des Lesenden, macht der Autor und Psychologieprofessor Andreas Gold in seinem Buch Digital lesen – Was sonst? deutlich. Die Publikation beantwortet die Frage nach notwendigen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Texten und wie Pädagog*innen, Lehrpersonen und Eltern den Erwerb dieser Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen unterstützen und fördern können. Von besonderer Bedeutung sind dabei die insgesamt 20 Handlungsempfehlungen zum Umgang mit digitalen Texten im Vorschul-, Schul- und Erwachsenenalter, die jeweils am Ende der Kapitel 3 bis 6 zu finden sind. Diese Kapitel orientieren sich am Lebensalter und damit am Entwicklungsstand der Kinder. Kapitel 3 und 4 beschäftigen sich damit, inwieweit die literale Sozialisation von Kleinkindern bzw. Kindern im Kindergartenalter durch elektronische Kinderbücher anders geprägt wird, als durch das Vorlesen im Printformat. In Kapitel 5 wird die Schule als Ort des Erwerbs von Lesekompetenz bezeichnet und es werden Optimierungschancen für Lernprozesse durch digitale Angebote und Lernhilfen aufgezeigt. Die letzten beiden Kapitel stellen allgemeine Veränderungen des Lesens und des Lesepensums in der digitalisierten Welt dar. Außerdem werden seine Potenziale sowie Herausforderungen zusammengefasst. Es bestehe ein dringlicher Forschungsbedarf bezüglich der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Lesepraxis im Allgemeinen und Folgen der Nutzung in Primarstufen der Schulen, so Gold. Die Publikation richtet sich an Eltern sowie Lehrpersonen, deren Ziel es ist, Heranwachsende zum Lesen zu motivieren und ihre Lesekompetenz zu fördern.
Gold, A. (2023). Digital lesen – Was sonst? Vandenhoeck & Ruprecht. 181 S., 23,00