merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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Editorial: Wo guter Rat nicht teuer ist
Menschen suchen in der Regel Rat, wenn sie in einer herausfordernden Situation oder Problemlage selbst keine geeigneten Lösungsmöglichkeiten sehen:
„Also betrifft das Überlegen die Dinge, die zumeist begegnen, die ungewiss sind, wie sie herauskommen, und bei denen unbestimmt ist, wie man handeln soll. Bei den großen Sachen nehmen wir Berater dazu, da wir uns selbst misstrauen und uns nicht für fähig halten, allein zu entscheiden.“ (Aristoteles, Eth. Nic 1112b, zit. n. DBSH 2002, S. 6)
Die hinzugezogenen Berater*innen sind dabei in ihrer Form so alt wie vielfältig. Neben der besten Freundin und dem guten Nachbarn im Privaten gibt es spezifische sozialprofessionelle und therapeutische Angebote. Auch die Medien bieten zahlreiche Möglichkeiten, sich in herausfordernden Situationen Rat einzuholen. Ratgeberliteratur, Rollenvorbilder in Serien und YouTube-Tutorials stellen hier unzählige massenmediale Angebotsformen dar. Nicht zuletzt werden (Massen-)Medien genutzt, um den Zugang zu individueller Beratung zu erleichtern. Insofern erscheint es konsequent, in dieser Ausgabe die Chancen von Social Media und Messengern für die Beratung aufzugreifen. Doch zuvor soll das Spektrum von (medialen) Ratgebern und Beratung differenziert werden.
Der Rat aus den Massenmedien
Der sicherlich bekannteste mediale Ratgeber ist das 1788 erschienene Buch Über den Umgang mit Menschen von Adolph Knigge. Wenngleich Knigge damals eine eher soziologische Aufklärungsschrift im Sinn hatte (Quelle Wikipedia), gilt uns das Buch heute vor allem als Benimm-Ratgeber. Das erste explizite Ratgeberbuch veröffentlichte der Schotte Samuel Smiles 1859. Mit seinem Titel Self-Help brachte er einen bis heute andauernden Prozess der boomenden Ratgeberliteratur ins Rollen, der sich unter anderem darin zeigt, dass der Spiegel eine eigene Bestsellerliste für die Kategorie ‚Ratgeber Leben & Gesundheit‘ führt. Die aktuell größte Bekanntheit dürften die Aufräum-Ratgeber von Marie Kondō erlangt haben. Wem Bücher zu teuer und zu dick sind, die*der findet auch in Zeitschriften Rat. Ein Beispiel zum Thema Gesundheit und Sexualität ist Dr. Sommer aus der Jugendzeitschrift BRAVO.
Der Zeitschriftenmarkt ist thematisch breit gestreut und wenngleich die Zeitschriften nicht als Ratgeber per se gelten, bieten doch die meisten ihren Leser*innen eine gewisse Orientierung und umfassen darüber hinaus in der Regel eine Kategorie, in der Fragen der Leser*innen beantwortet werden. Rat findet sich also nicht nur in Medien, die als solche deklariert sind. Ein weiteres Beispiel dafür sind Filme und Serien. Viele Menschen nehmen Schauspieler*innen bzw. von ihnen verkörperte Rollen als Vorbilder für bestimmte Lebenssituationen. Vorausgesetzt, dass diese lebensnah sind und ein diverses Rollenangebot umfassen. In der Serie GZSZ beispielsweise sind immer wieder queere Handlungsstränge integriert und im Sommer 2020 konnten die Zuschauer*innen den Outing-Prozess von Moritz Bode erleben. Jay Shetty formuliert dies sehr treffend: „So we’re often thrown into relationships with nothing but romantic movies and pop culture to help us muddle through“. Shatty ist der Autor des Ratgebers 8 Rules of Love, mit dem er im Jahr 2023 auf World Tour ist. Den Zuschauer*innen verspricht er im Rahmen seiner Show „a journey of finding, keeping, and even letting go of love. Including live meditations, experiments, and demonstrations“. Hier bekommt das Ratgeben also nochmal eine ganz neue interaktive massenmediale Form. Wer es audiovisuell etwas passiver mag, schaut sich Videos auf Tiktok, Instagram oder YouTube an. Dass sowohl Marie Kondō als auch Dr. Sommer inzwischen im Internet vertreten sind, ist keine Frage. Nicht nur auf YouTube hat Marie Kondō mit @MarieKondoTV einen eigenen Kanal und wer „aufräumen + kondo“ bei YouTube eingibt, findet nahezu unendliche viele weitere Videos, in denen erklärt wird, warum Ordnung für die Psyche wichtig ist, wie man ausmistet und wie Dinge richtig verstaut werden. Dr. Sommer ist natürlich ebenfalls mit @DrSommerTV auf YouTube vertreten und beantwortet auf der Webseite www.bravo.de gesundheit in klassischer Manier ‚Spannende Sex-Fragen‘. Die Selbstbeschreibung lautet hier: „Das Team ist beratend tätig und unterstützt bei Themen wie Pubertät, sexuelle Identität, Beziehungen, physische und psychische Gesundheit, Liebe, Sexualität und Entwicklung. Dennoch ersetzt unsere Beratung nicht den Besuch bei Facharzt, Anwalt oder Psychologen [sic!]. Hast du eine Frage an unser Team? Schreib uns unter: [email protected]“.
Hinter dem massenmedialen Rat stehen einerseits Lai*innen mit entsprechender Erfahrung oder solche, die sich ihr Wissen autodidaktisch angeeignet haben und dieses weitergeben wollen. Andererseits finden sich hier auch Professionelle, also Praktiker*innen, die ihre Praxiserfahrungen weitergeben wollen oder Wissenschaftler*innen, die ihre Erkenntnisse einer breiten Gruppe zukommen lassen wollen und daher auf populärwissenschaftlicher Ebene öffentlich agieren.
Individuelle Beratung
Individuelle Beratung kann ebenfalls als Lai*innen- oder professionelle Beratung stattfinden und bietet auf unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation und mittels unterschiedlicher Techniken (z. B. zuhören, Verständnis zeigen, Perspektiven darlegen, Ratschläge erteilen, pragmatische Tipps geben, Sachverhalte erklären, Informationen bereitstellen, psychotherapeutisch intervenieren) Erkenntnispotenzial, Orientierungsangebot und Hilfestellung für die persönlichen Herausforderungen. Laut Nando Belardi haben jedoch gesellschaftliche Veränderungen sowie ansteigende Komplexität und Unsicherheit eine Zunahme des professionellen Beratungsbedarfs bewirkt (vgl. Belardi 2011, S. 41). Zugleich stellt Belardi eine „Therapeutisierung der Gesellschaft“ fest (ebd., S. 43), weshalb im Folgenden zunächst eine Abgrenzung von Lai*innen- und professioneller Beratung bedeutsam erscheint, bevor auf die Merkmale sozialprofessioneller Beratung eingegangen wird.
Individuelle Beratung in Form der Lai*innen-beratung findet nahezu überall in Gesprächen zwischen Freund*innen, Kolleg*innen oder Familienmitgliedern statt. Außerdem nehmen häufig Menschen in Dienstleistungsberufen wie Taxifahrer*innen, Friseur*innen, Physiotherapeut*innen oder Bartender*innen beratende Rollen für Menschen ein. Lai*innen-beratung ist somit eine alltägliche zwischenmenschliche und lebensweltlich eingebettete Kommunikationsform und umfasst das Erteilen von Ratschlägen, die Klärung von Problemen oder Anregungen zur Auflösung von Krisensituationen. Insbesondere in den zuvor genannten Dienstleistungsberufen erstreckt sich die Beratungshandlung meist nur auf Aspekte wie das Zuhören, Verständnis zeigen und Mut geben (ebd., S. 36). Die Beratenden können, müssen aber nicht, Erfahrung mit ähnlichen oder gleichen Problemlagen haben. Durch die Verbalisierung und den Austausch wer- den ein Problem oder eine herausfordernde Situation erhellt, die eigenen Ressourcen erkannt und möglicherweise neue Handlungsoptionen aufgedeckt. An ihre Grenzen kommt die Lai*innenberatung bei komplexen Situationen, denn die erteilten Handlungsvorschläge sind subjektiv und von den Sichtweisen und Interessen der Beratenden geprägt und nicht zwangsläufig zum Besten der Ratsuchenden. Mediale Formen der Lai*innenberatung finden beispielsweise in Internetforen und Chats statt. Hier treffen sich Gleichgesinnte, um miteinander Probleme oder Fragen zu erörtern. Unter Apfeltalk treffen sich beispielsweise Mac-Nutzer*innen und unter Ubuntuusers beraten und unterstützen sich Nutzer*innen des entsprechenden Linux-Betriebssystems. Durch Nachrichtenmeldungen haben einige spezifische Foren wie Suizid- oder Abnehm-Foren traurige Bekanntheit erlangt. In diesen Foren haben sich die Teilnehmer*innen gegenseitig hinsichtlich der effizientesten Selbstmord- oder Abnehmmethoden beraten.
Die professionelle individuelle Beratung muss in die psychotherapeutische und die sozialprofessionelle Beratung unterteilt werden. Im psychotherapeutischen Setting kann statt von Beratung auch von einer (Heil-)Behandlung ge- sprochen werden. Sie findet in psychotherapeutischen Praxen oder Kliniken statt. Die Ratsuchenden sind dementsprechend Patient*innen und die Beratenden sind ausgebildete psychologische oder medizinische Psychotherapeut*innen oder Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen. Der Zugang für die Patient*innen ist relativ hochschwellig und erfolgt über Ärzt*innen, Beratungsstellen oder durch eigenes Bemühen um einen Therapieplatz. Abhängig vom Vorliegen eines ärztlichen Gutachtens erfolgt die Finanzierung über Krankenkassen. Die Behandlung umfasst meist einen längeren, vielfach Jahre dauernden Zeitraum. Während in der Sozialen Arbeit auch Kontakte zu anderen Einrichtungen hergestellt und gegebenenfalls verschiedene Maßnahmen koordiniert werden, ist der*die Psychotherapeut*in die einzige professionell mit der*dem Patient*in arbeitende Person und die Form der Hilfeleistung besteht ausschließlich im Gespräch.
Hier soll es um die sozialprofessionelle Beratung im Kontext Sozialer Arbeit gehen. Sie stützt sich auf fundiertes fachliches Wissen, auf spezifische Theorien sowie auf Methoden der Kommunikation und Interaktion. Damit zielt sie auf einen aktiven Verständigungsprozess, der sich durch Nachfragen auszeichnet und oberflächliche Interpretationen und eine vorschnelle subjektive Sicht auf die Situation vermeidet (vgl. DBSH 2002, S. 6). Die sozialprofessionelle Beratung ist folglich gekennzeichnet „durch ihre systematische, kontrollierte Erkenntnisgewinnung und ein erlerntes, strukturiertes Vorgehen“ (Straumann 2001, S. 81). Der Umgang mit den vielfältigen Beratungsinhalten und -situationen setzt bei den Sozialarbeiter*innen folglich eine hohe fachliche Kompetenz sowie professionelle Flexibilität voraus, denn jede Beratungssituation erfordert die gleiche professionelle und sowohl in die Breite als auch in die Tiefe gehende Vorgehensweise, um den in der Regel komplexen Gegenstandsbereich adäquat im Sinne einer „ganzheitlichen Hilfe“ (DBSH 2002, S. 5) zu erfassen. Das Ziel sozialprofessioneller Beratung ist „eine situationsadäquate, kommunikativ vermittelte und vereinbarte Unterstützungshandlung zur Verbesserung der Einsichts-, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit von Einzelnen, Gruppen und Institutionen“ (vgl. DBSH 2002, S. 3). Die sozialprofessionelle Beratung umfasst mit der Leistungsberatung, der organisatorischen Beratung und der sozialpädagogischen Fallberatung, drei Beratungsformen. Die Leistungsberatung wird meist von Verwaltungsfachangestellten oder Sozialfachwirt*innen ausgeübt und umfasst vorwiegend das Informieren, das Auskunft geben sowie gegebenenfalls eine Wegweiserfunktion. Bei der organisatorischen Beratung handelt es sich genau genommen nicht um individuelle Beratung, sondern tendenziell eher um gruppenbezogene Beratungsgespräche, wie sie bei der Supervision, in Teamsitzungen, in Gremien, bei Hilfeplankonferenzen oder in Stadtteilkonferenzen. stattfinden. Unter sozialpädagogischer Beratung wird die fallspezifische Beratung verstanden, bei welcher sich Einzelne oder mehrere mit einem sozialpädagogischen Anliegen an die Sozialarbeiter*innen wenden. Sozialpädagogische Beratung sollte laut Belardi „den Betroffenen helfen, unerwünschte, aber eigentlich normale und manchmal sogar notwendige Probleme menschlicher Existenz zu meistern“ (Belardi 2011, S. 39). Häufig findet eine Beratung auf zwei Ebenen statt: Zum einen auf der Ebene, in der es um die Bearbeitung und Bewältigung einer akuten Aufgabe oder herausfordernden Situation geht. Zum anderen soll die*der Rat-suchende auf der zweiten, der pädagogischen Ebene befähigt werden, zukünftige herausfordernde Situationen weitgehend selbst lösen zu können. Daher bewegen sich Sozialarbeiter*innen bei der sozialpädagogischen Beratung auf einem Grat zwischen ‚systematische Lösung/Entscheidung vorgeben‘ und ‚Lösung selbst finden‘ bzw. ‚Entscheidung selbst treffen‘ lassen. Bei der Lösungs- und Entscheidungsfindung gilt es zu unterstützen, indem Handlungsalternativen aufgezeigt, Wissen vermittelt, Orientierung gegeben und Alternativen aufgezeigt werden. Unterstützung ist auch wichtig, wenn es darum geht, die Ursachen und Hintergründe zu erforschen und einzuordnen. Belardi weist dabei mit Nachdruck darauf hin, dass grundsätzlich eine Defizitorientierung zu vermeiden ist: „Die Ratsuchenden haben bis jetzt ihr Leben ohne fremde Hilfe gemeistert. Diese Fähigkeiten heißt es zu verstärken und nicht erst einmal in Frage zu stellen.“ (Belardi 2011, S. 45).
Im Vordergrund sollten daher die Eigenbemühungen, Kompetenzen und Ressourcen der*des Ratsuchenden stehen, die unterstützt, gefördert und erweitert werden können, indem kleine realisierbare Teilschritte gemeinsam mit dem*der Ratsuchenden erarbeitet werden (vgl. Belardi 2011, S. 45) oder Informationen gegeben und Kontakt zu anderen Hilfestellen vermittelt werden. Basis sind in jeder Hinsicht eine kooperative und vertrauensvolle Beziehung und ein offenes Gespräch, das die*den Ratsuchenden zu einer bewussten Wahrnehmung der Situation bringt und die dazu führt, dass er*sie seine*ihre Verhaltensmuster, Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken, Einstellungen verändert. Die sozialpädagogische Beratung zeichnet sich dadurch aus, dass sie viele unterschiedliche und sich ergänzende Aspekte umfasst und keinen ausschließenden Charakter hat, sich also inhaltlich nicht nur auf einen Aspekt konzentriert (vgl. Belardi 2011, S. 34). Mediengestützte sozialprofessionelle Beratung im Allgemeinen und sozialpädagogische Beratung im Speziellen hat durch Corona neue Aufmerksamkeit erlangt. Beratungsangebote wie das Krisentelefon und die Telefonseelsorge sowie seit den 1990er-Jahren die Onlineberatung, die in der Regel per Chat oder E-Mail erfolgt, waren und sind stark nachgefragt. Um den Zugang zu Beratungsangeboten niedrigschwellig zu halten, werden zunehmend auch Social Media und Messenger in die sozialprofessionelle Beratung eingebunden. Dass das Wissen aus dem Feld der Telefon- und Onlineberatung aber nur bedingt auf die Nutzung von Social Media in der Beratung übertragen werden kann, zeigen die Beiträge des Themenschwerpunkts dieser Ausgabe.
Nichtmenschliche AI-Based Beratung
In aller Munde ist derzeit die auf künstlicher Intelligenz basierende Software ChatGPT (siehe Wütscher 2023 in dieser Ausgabe, S. 5) des US-Unternehmens OpenAI. Ein der Software implizierter Chatbot erzeugt in kürzester Zeit Texte unterschiedlicher Textsorten (u. a. Text- zusammenfassungen, Dankschreiben, Reden, Bewerbungen, Seminararbeiten, Projektkonzepte). Darüber hinaus soll ChatGPT in der Lage sein, nahezu menschliche Antworten auf Fragen aller Art zu verfassen und komplexe Sachverhalte einfach zu erklären. Allerdings zeigte der erste Test (eine Zusam-menfassung eines von mir selbstverfassten Buches zu erstellen) noch deutliche Schwächen. Es scheint plausibel, dass diese darin begründet liegen, dass der Inhalt des Buchs zwecks Analyse zunächst ins Englische übersetzt und dann für die Antwort/Zusammenfassung rückübersetzt wurde, weshalb beispielsweise statt des in sozialarbeiterischen Kontexten gebräuchlichen Begriffs „Einrichtungen“ nun „Unternehmen“ genutzt wird. Ein zweiter und dritter eigens für dieses Editorial gemachter Versuch, löste zunächst eine Warnmeldung aus. Die Antwort auf die Aussage, „mein Freund hat Schluss gemacht“, umfasste vier Sätze, die einem bestimmten Schema folgten: (1) verstehendes Verständnis inklusive Zusammenfassung der Anfrage, (2) Empathiebekundung, (3) Ratschlag, (4) Verabschiedung. Die ChatGPT-Antwort auf meine dritte Anfrage stellt sich ähnlich dar (siehe Abb.). Dass der Chatbot damit an seine Grenzen stößt bzw. die dahinterstehenden Verantwortlichen damit bewusst möglichen Schadenspflichtansprüchen vorbeugen wollen, ist nachvollziehbar. Positiv ist dennoch, dass ChatGPT den Ratsuchenden zunächst durch die Empathiebekundungen das Gefühl vermittelt, wahr-und ernstgenommen zu werden. Und es stellt sich die Frage, ob dies Sozialprofessionellen in ihrem stressigen Alltag auch immer so gut gelingt ... Im Hinblick auf die technologischen Entwicklungen daher als Schlusssatz ein altes Sprichwort leicht abgewandelt: „Kommt Zeit, kommen neue Beratungsformen.“
Die Themenbeiträge
Die Nutzung von Messengern ist vermutlich für die meisten Leser*innen ein alltägliches Phänomen und Teil ihrer medialen Alltagspraktiken, insofern eröffnet Petra Riesau, die sich in ihrem Beitrag mit den Besonderheiten und Herausforderungen der Messengerberatung beschäftigt, einen alltagsnahen Einstieg in das Thema. Anschließend analysiert Marc Witzel in Form einer theoretischen Annäherung Social Media als Räume für Beratung. Im Fokus steht die Gestaltung digitaler sozialpädagogischer Orte als professionelle Herausforderung. Wie sich das konkret in der Praxis gestaltet, beschreibt Julian Erdmann am Beispiel der Digital Streetwork. Wobei er den Blick auf die Grenzen/-losigkeit und die damit einhergehenden Entgrenzungen lenkt. Nachdem mit den ersten Beiträgen die besonderen Rahmenbedingungen für Beratungssettings mit Social Media beleuchtet werden, gehen die beiden folgenden Beiträge auf die Perspektiven der am Beratungsprozess direkt involvierten Personen ein: Laura Best hat die Akzeptanz der Videoberatung aus der Kli-ent*innen-Perspektive untersucht und stellt ihre Erkenntnisse zusammengefasst vor. Inse Böhmig und Jessica Ranitzsch beschreiben, warum es eine Kunst ist, digitale*r Berater*in zu sein und welche Fähigkeiten und Kompetenzen es dazu braucht. Den Abschluss der Themenbeiträge bildet ein Interview mit Warc Weinhardt, in dem er die zukünftigen Möglichkeiten und Perspektiven der (digitalen) Beratung diskutiert.
Abgerundet wird das Thema durch die Vorstellung des Instituts für E-Beratung an der TH Nürnberg und ein themenorientiertes Glossar. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen und hoffen, mit dem Themenschwerpunkt einige Denkanstöße liefern zu können.
1Der Beitrag bezieht sich auf die Publikation: Stix, Daniela C. (2021). Praxishandbuch. Beraten mit Social Media.Digitale Soziale Arbeit mit Jugendlichen. Weinheim: Beltz Juventa
Glossar
BLENDED COUNSELING Das Blended Counseling beschreibt eine hybride Beratungsform von Online- und Offline-Angeboten (Stix 2022, S. 23). Vereinfacht gesagt, wird die digitale Beratung mit der klassischen Face-To-Face-Beratung verknüpft bzw. kombiniert.
DIGITALE BERATUNG Die digitale Beratung – häufig auch als Online-Beratung oder Internetberatung betitelt – bezeichnet die interaktive, internetbasierte psychosoziale Beratung zwischen einem*r Ratsuchenden und dem*r Online-Berater*in. Das heißt, die Beratung geschieht online. Zentrales Medium ist das Internet (Gehrmann 2014, S. 66). Erfolgen kann dies mithilfe verschiedener digitaler Tools, wie zum Beispiel per E-Mail, Chat oder über Foren.
DIGITALE TRANSFORMATION Die digitale Transformation beschreibt den technologischen Wandel (Beranek/Hammerschmidt et al. 2018, S. 9). Vereinfacht gesagt, bezeichnet es den Prozess des Einzugs digitaler Medien in den Alltag von Menschen, der nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche beeinflusst bzw. tangiert.
DIGITALES BERATUNGSSETTING Unter dem digitalen Beratungssetting werden allgemein die Rahmenmerkmale der Umgebung, Atmosphäre und ‚Räumlichkeit‘, in der die digitale Beratung stattfindet, verstanden.
FACE-TO-FACE-BERATUNG Unter der Face-to-Face-Beratung wird die klassische Methode der psychosozialen Beratung in Präsenz, das heißt, in direkter Interaktion vor Ort auch ‚Angesicht-zu-Angesicht‘ (Stix 2022, S. 23), verstanden. Sie bezeichnet allgemein eine soziale Interaktion zwischen einem*r ratsuchenden Klient*in und Berater*in, die gekennzeichnet ist durch Freiwilligkeit, zeitliche Begrenztheit und Situativität. Ziel dabei ist die Vermittlung von Wissen, Orientierung und Lösungskompetenz, sowie das gemeinsame Erarbeiten von Fertigkeiten, um letztlich aktuelle Probleme und Fragen zu bewältigen (vgl. Brem-Gräser 1993, S. 15)
IMMERSION bezeichnet das Eintauchen in und Erleben von einer virtuellen Realität (VR). Das heißt, der Fokus ist voll und ganz auf die VR gerichtet, wobei die eigene Person und die reale Umgebung ‚verloren gehen‘. Für die Beratung und Begleitung von Klient*innen in der Sozialen Arbeit kann die Herstellung einer immersiven Umgebung von potenziellem Mehrwert sein, da der Fokus nicht nur auf das Medium der virtuellen Realität gelenkt wird. Vielmehr können komplexe Wirkungszusammenhänge und Prozesse verstanden werden. Es geht also auch darum, was mit und in der virtuellen Realität gemacht wird bzw. welcher zusätzliche sinn- und gewinnbringende Beitrag entsteht.
REPLIKA, WYSA, DEPREXIS Die vollmediale, algorithmische Beratung, welche ohne menschliche Fachkraft und mithilfe von (Gesundheits-)Apps durchgeführt wird, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Replika, Wysa und Deprexis sind erste Beispiele, die bereits in der Praxis eingesetzt werden.
VIDEOBERATUNG ist eine Form der digitalen Beratung. Die Kommunikation zwischen räumlich getrennte*r Berater*in und Ratsuchenden findet dabei synchron über ein Videoübertragungssystem statt, welches bei Bedarf um textbasierte Kommunikation ergänzt werden kann (Engelhardt/Gerner 2017)
VIRTUAL-REALITY-/AUGMENTED-REALITY-TECHNOLOGIEN (VR/AR) Mithilfe von VR-Technologien wird versucht, eine virtuelle Welt zu kreieren, die möglichst echt und intensiv erlebt wird. Häufig werden dafür spezielle Brillen und Helme mit Displays eingesetzt (Stix 2022, S. 154). Die AR-Technologie wird oftmals für die Erweiterung der Realität genutzt, das heißt, Gegenstände werden lebensecht eingeblendet. Besonders VR-Technologien weisen ein großes Potenzial für Beratung und Begleitung von Klient*innen der Sozialen Arbeit auf
Filmfestival inmitten gesellschaftlicher Krisen - Berlinale 2023
Nach zwei coronabedingt veränderten Jahren wollten die Internationalen Filmfestspiele in Berlin wieder durchstarten und mit dem Motto ‚Let’s get together‘ zu alter bzw. neuer Form finden. Filmteams reisten aus aller Welt an und waren bei den Premieren anwesend. Besonders politisch wollte die Leitung unter Mariëtte Rissenbeek und Carlo Chatrian deutliche Zeichen setzen und insbesondere die Kunst – und den Film als Mittel der Kunst – in ihrer gesellschaftlich wichtigen Rolle hervorheben. Politische Krisen spiegelten sich sowohl in der Eröffnung als auch im Programm der Sektionen wider: beginnend mit dem Krieg in der Ukraine, über die schwierige Situation im Iran, bis hin zum Schicksal der Kurd*innen und der Belagerung von Sarajewo im Balkankrieg der 1990er-Jahre. Das aktuelle Zeitgeschehen kam bereits zum Festivalauftakt mit einer Live-Video-Zuschaltung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyi direkt in die Kinosäle. Kriegsgeschehen und gesellschaftliche Umbrüche sowie grundlegende gesellschaftliche Fragen dominierten das Festival. Das Angebot zeigte vielfach Widersprüchlichkeiten, Brüche und harte Realitäten auf. Geradezu als ‚Gegenbilder‘ zum Gewohnten waren einige Filme eine Demonstration von Sprachlosigkeit, indem sie Botschaften mal gänzlich und mal in Passagen ohne Worte transportierten.
SPRACHLOSIGKEIT ALS MITTEL DER KOMMUNIKATION
Survival of Kindness von Rolf de Heer„Nach dem Verlust der Vernunft kommt das Überleben der Freundlichkeit“ titelt der Film aus dem BERLINALE WETTBEWERB. Stille und Sprache als etwas Befremdliches dominieren hier. Eine absurd anmutende Welt, in der gesprochene Worte nicht verständlich, Geräusche jedoch wichtige Orientierungspunkte für das Überleben sind und ganz offenkundig Feindschaft vorherrscht. Die Protagonistin beginnt ihre Reise in Gefangenschaft und das Publikum folgt ihr bei ihrem Ringen um Freiheit auf ihrem Weg zurück in ihre Heimat, zu einer Zukunft, in der die Freundlichkeit noch existiert. In langen, intensiven Bildern durchwandert die Figur dabei die Umgebung, erlebt kurze zwischenmenschliche Begegnungen, entwickelt Achtsamkeit und Überlebenskunst. Die Bedrohung ist allgegenwärtig, ihre Hautfarbe ist der Verräter und kann nur mit Schminke und einer Gasmaske oberflächlich verborgen werden. Nur kurz erleben die Zuschauenden mit ihr so etwas wie eine Idylle, wenn sie etwa inmitten unberührter Natur an einem See sitzend ihr Gesicht in die Sonne hält. Das Ziel entpuppt sich als eine in eine Industrie-Wüste verwandelte Stadt in Feindeshand, die Heimat ist verloren und symbolisch verbrennt die Protagonistin eine Spielzeug-Flagge – ein Abschied. Erneut entkommt sie und macht sich auf den Weg. Nur einmal im Film kommt es zu einem echten Austausch von Worten zwischen der Protagonistin und einem anderen Mädchen. Beide sprechen unterschiedliche Sprachen, es gibt keine Untertitel für die Zuschauenden; somit sitzen alle im gleichen Boot. Es wird in dieser Szene deutlich, dass es auch ein Verständnis über Worte hinaus gibt. Der Rückweg der Protagonistin wird nicht mehr von steter Wachsamkeit überschattet. Am Ende sind es die unerfüllten Sehnsüchte und Vorstellungen, die das Geschehen steuern und noch ein letztes Mal Widerstand leisten. Survival of Kindness ist ein bildgewaltiger Film, der durch die Kameraführung und den Umgang mit Audio eine magnetisierende Dystopie entwirft und gleichzeitig den Fokus auf das Ungesagte und dessen ungeahnte Möglichkeiten lenkt.
Im toten Winkel von Ayşe PolatDer Film der kurdisch-deutschen Regisseurin Ayşe Polat (aus dem Nebenwettbewerb ENCOUNTERS) macht die sechsjährige Melek, die kaum spricht, deren Blick aber durch Mark und Bein geht, zu einer Schlüsselfigur einer Geschichte über Schicksal und Traumata kurdischer Familien in der Türkei. Im Thrillerformat erzeugt Polat mehrere filmische Ebenen: zum einen als Actionkrimi zwischen wütenden Attentaten, geheimnisvollen Überwachungen und Mystery-Elementen. Melek scheint hellseherische Fähigkeiten zu besitzen und weiß Dinge, die sie mit ihren sechs Jahren eigentlich nicht wissen kann. Zum anderen der Film-im-Film durch das Drehen einer Dokumentation der deutschen Filmemacherin Simone im Nordosten der Türkei. Drittens das Doku-Material, das Portrait der kurdischen Frau Hatice, die ihren Sohn verloren hat. Seit dieser vor rund 25 Jahren nicht mehr nach Hause gekommen ist, kocht Hatice jeden Freitag eine Suppe für ihn und verteilt sie im Dorf. Die Schaffung ‚imaginärer Denkmäler‘ ist der Antrieb für Simones Dokumentation und basiert gleichzeitig auf der wahren Begebenheit, dass insbesondere in den 1990er-Jahren eine Vielzahl an jungen Kurd*innen spurlos verschwand. Bis heute demonstrieren die sogenannten ‚Samstagsmütter‘ in Istanbul, um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Mit komplexen Perspektivwechseln zwischen den Fronten, geisterhaften Szenarien und nüchternen Überwachungsaufnahmen im ‚Blickwechsel‘ mit Melek, die als einzige die Kameras schon längst entdeckt hat, ist Ayşe Polat ein raffinierter Film gelungen. Sie schildert die Paranoia von Überwachung und Verfolgung und präsentiert gleichzeitig ein authentisches Sozialdrama.
VERLUST UND MEER
Sica von Carla SubiranaDie Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion interessiert auch die spanische Regisseurin Carla Subirana. Ihr Spielfilm Sica (Weltpremiere bei GENERATION 14plus) wurde an der Küste Galiciens mit Lai*innen aus der Region gedreht. Die 14-jährige Sica hat ihren Vater verloren, der mit einer Fischer-Crew im Meer ertrunken ist. Ständig sucht sie das Meeresufer nach ihm ab. Es heißt, es blieben sieben Tage, bis das Meer seine Opfer zurückbringe. Wenn sie bis dahin nicht kämen, tot oder lebendig, behalte das Meer sie für immer. Nach dem tragischen Ereignis muss Sica sich im Ort auf neue Art behaupten und ein schwerer Zyklon steht bevor. Die Story bewegt sich zwischen der Naturgewalt der Costa del Morte und dem Mikrokosmos eines ärmlichen Fischerdorfs. Ein ruhiger, teils poetischer Film mit beeindruckenden Hauptdarstellerinnen (Sica und ihre Mutter), der streckenweise die zwischenmenschlichen Beziehungen Sicas tiefer hätte inszenieren können.
Zeevonk von Domien HuygheDie Symbolhaftigkeit des Meeres durchzieht auch Zeevonk (Meeresleuchten), den Eröffnungsfilm und ein Highlight im GENERATION Programmsegment Kplus des belgischen Filme-machers Domien Huyghe. Auch hier ist ein Fischerboot auf dem Meer verschollen und die 12-jährige Lena und ihre beste Freundin Kaz haben ihre Väter darin verloren. In den erstenMinuten werden Lenas unbeschwerte Kindheit und ihre Liebe zum Meer und zu ihrem Vater eingeführt, ehe in einem jähen Szenenwechsel die Trauerfeier auf See den tragischen Tod der Seeleute ins Zentrum rückt. Lena sieht einen riesigen schwarzen Schatten unter dem Boot tauchen und ist überzeugt, dass ein Seeungeheuer für den Tod des Vaters verantwortlich ist. Auf dem Grat zwischen Kindheit und Erwachsenwerden erscheint Lena die mystische Variante des Monsters greifbarer, als den realen Tod des Vaters zu akzeptieren. Der Film konzentriert sich stark auf die Hauptprotagonistin, die beinahe wie im Wahn an der Idee der bösen Kreatur festhält. In diesem Sinne wird Zeevonk zu einer Fabel. Lenas Handeln wird egozentrischer und ungerecht gegenüber anderen, die ebenfalls mit Trauer und Verlust umgehen müssen. Dabei behält die Inszenierung Lenas Mutter, Geschwister sowie auch die beste Freundin Kaz und deren Familie immer im Auge. Das Meer in seiner Symbolik bleibt die unergründliche Konstante: mächtig, unbezähmbar, aber auch Lebensgrundlage der Fischerfamilien. Das Drehbuch haben Regisseur Domien Huyghe und seine Schwester Wendy gemeinsam geschrieben und den Verlust des eigenen Vaters in jungen Jahren autobiographisch einfließen lassen. Zeevonk ist ein eindrücklicher Jugendfilm, der verstärkt wird durch die schauspielerische Leistung von Saar Rogiers (Lena), den Soundtrack und die tolle Kameraarbeit von Anton Mertens.
TRAUERBEWÄLTIGUNG UND SINNSUCHESamsara von Lois PatiñoDer Abschied von geliebten Menschen, das Leben nach dem Tod, was passiert mit der Seele des Menschen ... In Samsara sind diese Fragen zentral und das Publikum darf das Sterben und die Wiedergeburt auf ungewöhnliche Weise begleiten. Eine alte Frau bereitet sich auf ihren Tod vor und ein Junge liest ihr gemäß eines Ritus’ aus einem Buch mit buddhistischen Lehren vor. In Gesprächen zwischen den beiden erfahren die Zusehenden etwas über den buddhistischen Übertritt, wie er in Laos verstanden wird; über den Weg sowie über die Wünsche der alten Frau für ihre Wiedergeburt. Als es soweit ist, kommt der Übertritt und für die Kinobesucher*innen ist es eine ungewöhnliche, experimentelle auditiv-visuelle Erfahrung. Ein spiritueller Film, der zugleich die Seh-gewohnheiten und die spirituelle Erwartung und Erfahrung des Publikums nutzt und damit spielt.
Dancing Queen von Aurora GosséMina hat Spaß am Lernen, einen besten Freund, eine coole Großmutter und verständnisvolle Eltern. Als ein neuer, tanzbegeisterter Schüler auftaucht, ist sie voller Aufregung. Sie beginnt ebenfalls zu tanzen, koste es, was es wolle und wird dabei immer von ihrer Großmutter bestätigt. In ihrer Begeisterung weckt Mina auch bei ihrem besten Freund die Tanzfreude, verliert sich aber auch in ihren und den Ansprüchen anderer an sie. Auch hier ist ihre Großmutter diejenige, die Orientierung gibt. Am Ende macht Mina das Beste aus den Erfahrungen und gewinnt an Vielfalt, Nähe, Freundschaft und der Liebe zum Tanz. Der Film beleuchtet Themen des Erwachsenwerdens wie Eigen- und Fremd-Wahrnehmung, die Suche nach den eigenen Wünschen, das Streben nach äußerlichen Idealen, aber auch das Überwinden von Schwächen und Ängsten und die Wichtigkeit von Bezugspersonen, die Halt geben können. IhreOma hilft Mina beim Ausprobieren ihrer heimlichen Leidenschaft, bestärkt sie im Scheitern und im Dazugewinnen. Vor allem bestärkt sie Minas Weg der Selbstfindung. In klarer Erzählstruktur und mit viel Situationskomik entwickelt sich Minas Geschichte und die Liebe zur Großmutter kommt in einer bodenständigen Poetik zum Ausdruck. Ein Wohlfühl-Film mit glaubwürdiger Botschaft.
KAMMERSPIEL MIT KAKTUS
Adolfo von Sofía Auza Ein Kaktus ist nicht schön, aber sehr robust. Anders als die beiden jungen Filmfiguren, die sich an einer abgelegenen Bushaltestelle irgendwo im Nirgendwo begegnen. Momo sitzt mit ihrem Skateboard auf der einen Straßenseite. Am Bushäuschen auf der anderen Seite zischt ein Bus vorbei – der letzte für heute. Hugo hat ihn verpasst. Damit beginnt die Story von Adolfo der mexikanischen Regisseurin Sofía Auza. Die beiden unterhalten sich – zunächst über die Straße hinweg. Momo will zu einer Geburtstagsparty und ist gerade aus einer Rehaklinik zurück. Hugo hat einen Kaktus in der Hand und ist auf dem Weg zur Beerdigung seines Vaters. Alles, was er ihm vermacht hat, ist ein Zettel mit der Bitte, für Adolfo ein neues zu Hause zu finden: Adolfo ist der Kaktus. Wir begleiten Momo und Hugo durch die Nacht bis zum ersten Bus. Sofía Auza hat großartige Dialoge geschaffen. Die Ästhetik aus Licht, Farben und dem quadratischen Bildformat ist faszinierend. Ein Kammerspiel mit zwei sehr starken Charakteren und einer heimlichen Hauptrolle: dem Kaktus Adolfo. Die Geschichte ist warmherzig, manchmal sehr lustig und im nächsten Moment wieder nachdenklich und traurig. Sie könnte überall auf der Welt spielen. Im Zentrum stehen die Gefühle, Gedanken und Sehnsüchte der beiden Jugendlichen und die global gültige Sensibilität macht Adolfo zu einem ganz besonderen Film. Verdient erhielt er den Gläsernen Bären für den besten Film der 14plus-Jugendjury.
LEBEN(S)GESCHICHTE
Ha\u27mishlahat (Delegation) von Asaf Saban Auf Klassenfahrt – Freundschaften werden erforscht, neu gebildet, Grenzen ausgetestet. Nur geht es auch darum, Gedenkstätten des Holocaust zu besuchen und in geschichtliche Gräuel einzutauchen, die beinahe unvorstellbar sind. Ein Zeitzeuge reist mit, um aus erster Hand zu berichten, die Lehrer*innen haben klare Vorstellungen, wie sich dem Thema genähert werden soll; auch, welche Wirkung bei den Schüler*innen erwünscht ist. Die persönlichen Themen der Jugendlichen finden dazwischen statt. Ein Thema, das zunächst schwere Erwartungen weckt, wird hier mit der Unmittelbarkeit der Erfahrungen Jugendlicher verknüpft. Ein Freundes-Trio steht dabei im Mittelpunkt. Aus verschiedenen Perspektiven werden erste Liebe, Facetten von Freundschaft und die Auseinandersetzung mit einer zutiefst persönlichen Verfolgungsgeschichte thematisiert. Dabei suchen die Jugendlichen nach ihrer eigenen Weise, mit dem Geschehen umzugehen. So werden mit einem dramaturgischen Kniff Erwartungshaltungen unterlaufen und ein anderer Blickwinkel eröffnet sich. Der verwunderte Blick auf politisches Gebaren eines der Protagonisten, als er Verursacher und alleiniger Ehrengast einer Impromptu-Gedenkfeier wird, lässt auch das Publikum neu hinsehen und seine Suche besser nachvollziehen. Schauspielerisch stark zeichnen sich die Erfahrungsschritte in den Gesichtern der Protagonist*innen ab. Ein einfühlsamer Film über die jugendliche Welt und die Orientierungssuche unabhängig von den Erwartungen Erwachsener. Ein nachdrücklicher Film auch angesichts dessen, dass der israelische Produzent Yoav Roeh beim Screening auf die aktuelle, prekäre politische Lage in Israel hingewiesen hat
Kinderrechte im digitalen Raum
Die Rechte von Kindern in digitalen Handlungswelten müssen stärker berücksichtigt und durchgesetzt werden. Dies zeigt das White Paper des Forschungsverbunds Forum Privatheit auf, und liefert Antworten auf Fragen zu Privatheit und Kinderrechten unter Berücksichtigung von Forschungsperspektiven aus Medienpsychologie, Medienethik und Datenschutzrecht. Entwicklungen zur Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz bedürfen einer rechtzeitigen Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Problemlagen rund um ein Recht auf Privatheit von Kindern in digitalen Kontexten – so die Kernthese. Daran anknüpfend werden Forderungen hinsichtlich einer stärkeren Durchsetzung der Rechte von Kindern auf informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz, freie Persönlichkeitsentfaltung und Privatsphäre präsentiert. Es gilt, einige Herausforderungen zu berücksichtigen, etwa die Abwägung zwischen Partizipationsrechten von Kindern und Fürsorgepflichten von Eltern oder Lehrkräften. Die Autor*innen sprechen sich unter anderem für den Ausbau von Anreizsystemen für Datenschutz sowie von medienkompetenzfördernden Maßnahmen in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen und inklusive Partizipationsformen für Heranwachsende aus.
Auf dieser Basis empfiehlt das Forum Privatheit eine ganzheitliche Bewertung rechtlicher und regulierender Maßnahmen mit Blick auf Folgewirkungen für die Rechte von Kindern in digitalen Handlungswelten. Als Voraussetzung wird die Ausweitung interdisziplinär ansetzender Langzeitstudien hervorgehoben, die gesellschaftliche Diskurse zur Thematik vorantreiben und Impulse für den Ausbau eines zukunftsfähigen Kinder- und Jugendmedienschutzes liefern können. Im Forum setzen sich Expert*innen aus sieben wissenschaftlichen Institutionen interdisziplinär, kritisch und unabhängig mit Fragestellungen zum Schutz der Privatheit auseinander. Das Projekt wird vom Fraunhofer ISI koordiniert.
www.forum-privatheit.d
Stichwort: ausge-X-t
Manch eine*r mag sich daran erinnern, 1991 hieß es aus aller Munde: „Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix.“ Und tatsächlich änderte sich quasi nichts! Das Rebranding kann also als internationale Erfolgsgeschichte angesehen werden.
Zu lang hingesehen hat wohl auch Elon Musk. Der umtriebige Unternehmer, über den sich die Fachwelt streitet, ob er nun ein etwas sehr zu reich geratener Dreijähriger in der dauerhaften Autonomiephase oder ein genialer Visionär ist, kaufte – nach endlosen Wendehalsbewegungen, die Belegschaft und Börsen mächtig aufschaukelten – im Oktober 2022 den Kurznachrichtendienst Twitter für 44 Milliarden US-Dollar und benannte ihn im Juli 2023 in X um. Twitter heißt jetzt X – sonst ändert sich nix? Schön wär’s! In seiner ersten Amtshandlung entließ Musk seine komplette Führungsriege und kündigte an, den Dienst zu einer „globalen Plattform für Redefreiheit“ machen zu wollen. Seither haben verschwörungsideologische und rechtstendenziöse Accounts Hochkonjunktur. X wird laut und lauter; was leidet, ist die Redefreiheit. Kurz darauf widmete er den blauen Haken (bisher das Zeichen eines verifizierten Accounts) um, und bot ihn zahlenden Abonnent*innen an. Im Juli 2023 konnten User*innen plötzlich nur mehr 600 Tweets pro Tag sehen; angeblich eine temporäre Notfallmaßnahme. Die Perlen der Krisen und unternehmerischen Fehlentscheidungen ergeben eine lange Kette, die zum Mühlstein um den Hals des Kurznachrichtendienstes zu werden droht. Und die Konkurrenz schläft nicht. Nachdem viele zunächst zu Mastodon auswichen, greift derzeit Bluesky Social an. Ausgerechnet der ehemalige Twitter-CEO Jack Dorsey sitzt hier im Verwaltungsrat. Twittern heißt jetzt wohl X-en. Wer mit seiner Brand ein eigenes Verb besaß und nun gegen einen von 26 Buchstaben austauscht, muss allerdings aufpassen, dass er nicht getilgt wird
Transparenz-Check der Medienanstalten: Umgang mit Fake News
Bis zu 37 Prozent der deutschen Bevölkerung sind sich in der Bewertung von Falschinformationen unsicher, 12 bis 20 Prozent halten diese sogar für glaubwürdig. Diese Ergebnisse des Transparenz-Checks der Medienanstalten legen nahe, dass mehr als ein Drittel der Befragten Unsicherheiten in Bezug auf das korrekte Erkennen und Identifizieren von Falschnachrichten aufweist.
Gemäß Medienstaatsvertrags der Länder sind die Landesmedienanstalten beauftragt, in ihrem Zuständigkeitsbereich die Erfüllung von Kennzeichnungs- und journalistischen Sorgfaltspflichten zu prüfen und Transparenz sicherzustellen. Mithilfe verschiedener Beispiele gekennzeichneter und nicht gekennzeichneter Social-Media-Inhalte sollte im Rahmen der Befragung ermittelt werden, ob Nutzer*innen Desinformationen als solche richtig erkennen, verstehen und einordnen können. Die Ergebnisse legen nahe, dass Kennzeichnungen bei der Identifizierung unglaubwürdiger Quellen eine wichtige Rolle spielen: Über die Hälfte der Befragten ordnet eine Falschinformation als solche ein, wenn sie klar gekennzeichnet ist; fehlt sie, werden Beiträge weniger häufig als unglaubwürdig eingeordnet.
Insgesamt lassen sich unterschiedliche Handlungsbedarfe ablesen. So kommt der Bericht zu dem Schluss, dass es zukünftig gilt, Falschinformationen-labels bekannter zu machen und die Nutzung alternativer Medienangebote zu fördern, um nicht nur die Informations- und Nachrichtenkompetenz der Bevölkerung zu stärken, sondern auch Regulierungsstrategien im Bereich Desinformation weiterzuentwickeln. Für die repräsentative Studie wurden über 3.500 Personen ab 16 Jahren befragt. Die Online-Befragung wurde vom Marktforschungsinstitut GIM im Auftrag der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) durchgeführt.
https://diemedienanstalten.d
Polarisierung der Gesellschaft? Wer gesellschaftliche Teilhabe und Empowerment fördern möchte, muss sich die Ungleichheit in den Strukturen ansehen
Polarisierte Gesellschaft und Krise der Demokratie? Liegen die Ursachen für Menschenfeindlichkeit und Demokratieskepsis nicht viel tiefer in den Strukturen sozialer Ungleichheit? Gerade Zugänge zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe sind oft voller Barrieren. Mangelnde Angebote beispielsweise von politischer Bildung, auch in Verbindung mit der Medienpädagogik, gehen schon in der Schule mit Exklusionsprozessen einher, während Zugänge einen positiven Effekt auf demokratische Einstellungen zu haben scheinen
Warum Jürgen Habermas nicht auf Twitter ist: Habermas, Jürgen (2022). Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Demokratie. Berlin: Suhrkamp. 108 S., 18,00 €.
Habermas, Jürgen (2022). Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und die deliberative Demokratie. Berlin: Suhrkamp. 108 S., 18,00 €.
Sechs Jahrzehnte nach Erscheinen seines erfolgreichsten Buchs veröffentlicht Habermas ein ‚Update‘ , das seine These vom Strukturwandel der Öffentlichkeit mit Blick auf das postdigitale Zeitalter reformuliert. Wie im ‚Alten Strukturwandel‘ argumentiert Habermas auch im ‚Neuen‘ zum einen zeitgeschichtlich. Und zum anderen normativ, wenn er aufzeigt, inwiefern der Medienwandel demokratische Meinungsbildungsprozesse qualitativ beeinflusst. Dazu gehört, dass er ideale politische Aushandlungsprozesse beschreibt, die oftmals als Blaupause für demokratische Öffentlichkeiten herangezogen werden. Beide Argumentationsstränge finden sich auch im aktuellen Buch, wobei der normative Teil etwas überzeugender scheint als die Zeitdiagnose.
Ausgangspunkt der normativen Überlegungen ist, dass der demokratische Staat seine Legitimität daraus ableitet, dass alle Bürger*innen gleichberechtigt an politischen Entscheidungsprozessen teilhaben können. Habermas beschreibt diese Prozesse als Deliberation. Im Idealzustand besteht Deliberation aus fortdauerndem Dissens, einem wahrhaftigen Austausch von Argumenten und einer daraus folgenden politischen Entscheidung. Sollte sich diese nicht bewähren, kann die Deliberation von neuem beginnen. Realiter sieht es meistens anders aus. Deliberation ist eher ein Spektrum: Es gibt diffuse Themen und Argumentationen in der politischen Öffentlichkeit, aus der Meinungsbekundungen der Zivilgesellschaft entstehen können. Wirkliche Deliberation findet eher in parlamentarischen Ausschüssen statt. Im ‚Neuen Strukturwandel‘ reagiert Habermas auf Kritik, die die normative Idealisierung der Deliberation hinterfragt. Habermas verweist dafür auf die Unterscheidung zwischen Beobachter*innen und Teilnehmer*innen deliberativer Prozesse. Beo bachter*innen werden häufig Abweichungen vom Ideal aufzeigen können. Für die Teilnehmenden ist aber trotzdem wichtig, das Ideal als gemeinsame Orientierung aufrechtzuerhalten. Nur so können sie Kritik am Prozess formulieren und an seiner Realisation arbeiten. Habermas sieht Deliberation auch als ein Modell für die aktuellen Herausforderungen in pluralistischen Gesellschaften, wo es stark um wertebezogene und kulturelle Problemlagen gehe. Die Bereitschaft, sich in diesem Kontext auf deliberative Diskursformen einzulassen, könne helfen, Probleme verhandelbar zu machen.
Zentraler Raum der Deliberation ist die politische Öffentlichkeit. Ein entscheidendes Kriterium für deren demokratische Qualität ist, dass sie ausreichend sensibel gegenüber den Anliegen der Zivilbevölkerung reagiert. Dafür tragen Journalistin*innen, Politiker*innen und andere Expert*innen Verantwortung. Sie produzieren Medienbeiträge, in denen die Bevölkerung ihre Anliegen wiederfindet und mithilfe derer sie sich orientieren kann. Diese wichtige Funktion sieht Habermas in der Krise. Grund dafür sei die mittlerweile große Masse privater medialer Inhalte, die weder qualitativ an journalistische Stücke heranreichen noch gesellschaftspolitische Relevanz besitzen. Digitale Medien machten alle Bürger*innen potenziell zu Autor*innen, die diese neue Rolle aber erst noch erlernen müssten. Das gilt besonders für die Kommunikation auf privatwirtschaftlichen Plattformen. So habe es zwar durchaus einen Reiz, auf Twitter seine politische Botschaft kurzzufassen, dennoch gehe die Kommunikation dort eher in Richtung Narzissmus und Singularisierung. Allgemein sieht Habermas in Sozialen Medien einen „Sog zur selbstbezüglich reziproken Bestätigung von Interpretationen und Stellungnahmen“ (S. 85). Die für Deliberation so wichtige politische Öffentlichkeit zerfällt in seiner Argumentation in viele kleine Kommunikationskreisläufe, die sich gegenseitig weder rezipieren noch anerkennen. Damit biegt er ab in Richtung Echokammer und Filterblase als Kritikpunkte an Sozialen Medien.
Der ‚Neue Strukturwandel‘ hat das Potenzial, Habermas‘ Ideen zur deliberativen Demokratie und zur Relevanz von Öffentlichkeit breiten Fachkreisen (erneut) bekannt zu machen. Kritikwürdig ist die Engführung auf Filterblasen und Echokammern. Diese sind als Medienphänomene wesentlich umstrittene als Habermas erkennen lässt. Statt zunehmend mehr Gleiches zu sehen, bekommen die meisten Nutzer*innen digitaler Medien ein Mehr an Diversität. Das interpretiert Habermas aber in Richtung ‚Blasenbildung‘. Paradoxerweise vernachlässigt er dadurch bestehende Polarisierungstendenzen in der Gesellschaft, die sich online zwar zeigen, dort aber nicht entstanden sein müssen. Hinzu kommt, dass digitaler und gesellschaftlicher Wandel die Machtstrukturen verändern, auf denen die politische Öffentlichkeit lange Zeit fußte. Diese Dynamik wird durch Soziale Medien befördert, ist aber nicht genuin in ihnen angelegt. Etablierte Akteur*innen der politischen Öffentlichkeit erleben diesen Prozess als Krise. Es ist jedoch wichtig, diese Wahrnehmung nicht einfach zu übernehmen, sondern einzuordnen und zu prüfen. Darauf geht Habermas jedoch nicht ein. Trotz dieser Kritik ist das Buch als Einführung und auch als ‚Update‘ spannend zu lesen. Mit dem Ziel, dass es Deliberation und Debatte fördert, lässt sich ihm weite Verbreitung wünschen
#50 – Für Demokratie, gegen Polarisierung. Impulse für die politische Medienbildung Teil 4: Sawsan Chebli über Laut sein im Netz
Unsere 50. Folge - yeah! In unsere letzte Folge der Podcast Reihe zur Politischen Medienbildung haben wir Sawsan Chebli eingeladen, Politikerin und Autorin des Buches "Laut - warum Hate Speech echte Gewalt ist und wie wir sie stoppen können". Wir unterhalten uns nicht nur über ihr Buch, sondern auch darüber, wo in der Gesellschaft, in der Politik und im Bildungssystem die Aufgaben liegen, damit wir uns angstfrei im Netz bewegen können. Dabei geht es auch um das Potenzial Sozialer Medien bei der Stärkung der Demokratie
Stichwort: Fediverse
Fediverse, zusammengesetzt aus Federation und Universe, steht für ein Universum unabhängiger dezentraler Dienste, die sich in einer Föderation zusammengetan haben, um Inhalte untereinander auszutauschen. Fediverse ist somit ein dezentrales, offenes Soziales Netzwerk, das aus zahlreichen unterschiedlichen Plattformen und Diensten (genannt Instanzen) besteht. Es vereint nicht nur Alternativen zu den großen zentralen Netzwerken wie Facebook und Twitter, sondern setzt dabei auch auf quelloffene Software und freie Lizenzen. Das Netzwerk gibt es bereits seit 2008, zehn Jahre später rückte es mit der Einführung von Mastodon ins Rampenlicht – und erlebt seit der Twitter-Übernahme durch Elon Musk einen enormen Aufschwung. Allen, denen die maximale Kontrolle über eine gesamte Plattform, die dem zentralisierten Ansatz von Twitter oder Instagram inne liegt, nicht (mehr) sympathisch ist, bietet Fediverse mit seinem dezentralen Ansatz eine echte Alternative. Nutzer*innen haben die Möglichkeit, einfach teilzunehmen, oder auch eine eigene Instanz zu betreiben bzw. durch einen Host betreiben zu lassen. Da jede Instanz ihre eigenen Regeln aufstellen darf, ist eine zentrale Kontrolle der Inhalte bzw. zentrale Beeinflussung des Algorithmus nicht möglich. Somit wird Nutzenden keine undurchsichtige, gesteuerte Anordnung von Beiträgen präsentiert, sondern eine echte, und somit maximal transparente Zeitleiste. Da die Konten nicht zentral verwaltet werden, sind auch Datenklau bzw. Hackerangriffe schwierig.
Auch, wenn die vielen Möglichkeiten im Fediverse anfangs etwas überfordernd wirken; vielleicht ermöglichen sie uns neue Perspektiven und Impulse, die uns konventionelle Soziale Medien mit ihrer Struktur nicht (mehr) bieten können