merz Zeitschrift für Medienpädagogik
Not a member yet
2802 research outputs found
Sort by
Queer im Netz: Editorial
Frauen* und Menschen mit homo- oder bisexueller Orientierung sind besonders häufig von Hass im Netz betroffen. Das verdeutlicht die repräsentative Studie Lauter Hass – leiser Rückzug. Wie Hass im Netz den demokratischen Diskurs bedroht, die im Februar 2024 veröffentlich wurde (NETTZ et al., 2024). Dabei zeigt sich, dass die sexuelle Orientierung und/oder geschlechtliche Identität häufig das Ziel von Online-Hass sind (ebd., S. 39). Die Studie bestätigt damit die Wahrnehmung vieler queerer Menschen, die sich in digitalen Räumen bewegen. Umso wichtiger ist die Auseinandersetzung medienpädagogischer Ansätze mit queeren Perspektiven.
Obwohl romantische, sexuelle und geschlechtliche Darstellungen in Medien sowie gesellschaftliche Aushandlungen eine lange Geschichte haben, haben sie sich in den letzten Jahren erheblich verändert und weiterentwickelt. Junge Menschen wachsen heute in eine Gesellschaft hinein, in der weitaus vielfältigere Lebensentwürfe sichtbar sind als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig sehen sie sich mit Polarisierungen, Unsicherheiten und Anfeindungen von Lebensentwürfen konfrontiert, die (scheinbar) außerhalb der gesellschaftlichen Norm liegen. Der kompetente Umgang mit Heterogenität ist daher mehr denn je Entwicklungsaufgabe Heranwachsender. Über zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland lassen sich laut Studien dem queeren Spektrum zuordnen, wobei der Prozentsatz bei der jüngeren Generation höher ist als bei der älteren (IPSOS 2023, S. 9 f.). Das bedeutet, dass statistisch in jeder Klasse oder Jugendgruppe mindestens eine Person queer ist. Queerness in der (Medien-)Pädagogik sollte daher längst eine Selbstverständlichkeit sein. Was das für die medienpädagogische Arbeit konkret bedeutet und vor welchen Herausforderungen die Bildungsarbeit allgemein steht, wird in diesem Themenschwerpunkt aufgegriffen.
Die Vielfalt der Lebensrealitäten in Bezug auf geschlechtliche Identifizierung sowie sexuelle und romantische Orientierung muss entsprechend in den Medien abgebildet werden. Dadurch können junge Menschen positive Identifikationsmöglichkeiten erhalten und enge Stereotype aufbrechen – dies ist natürlich nicht allein die Aufgabe der Medienpädagog*innen in der Kinder- und Jugendarbeit. Fachkräfte sollten jedoch zum Beispiel bei der Auswahl von Medienprodukten oder der Durchführung von (medien-)pädagogischen Praxisprojekten bezüglich geschlechtlicher Vielfalt sensibel und informiert vorgehen. Zugleich ist es wichtig, die kritische Medienkompetenz junger Menschen zu stärken, damit sie reflektiert mit den Medien umgehen können und sich nicht negativ beeinflussen lassen bzw. kompetent und differenziert mit stereotypen Medieninhalten oder queerfeindlichen Offerten umgehen lernen.
Welche Unterstützung erhalten junge Menschen im Hinblick auf ihre romantischen, sexuellen und geschlechtlichen Orientierungen (in den Medien) und mit welchen (neuen) Herausforderungen sind sie konfrontiert? Welche Entwicklungen und Herangehensweisen sind parallel innerhalb der medienpädagogischen Bildungsarbeit notwendig, damit junge Menschen bestmöglich in ihrem selbstbestimmten und individuellen Aufwachsen begleitet werden können?
Nicola Döring führt grundlegend in das Themenfeld Queerness in der Medienpädagogik ein. Sie legt relevante Zahlen und Fakten geschlechtlicher Vielfalt in der Gesamtbevölkerung in Deutschland und speziell bei Kindern und Jugendlichen sowie Repräsentation von Queerness und Straightness in Sozialen Medien dar. Zudem diskutiert Döring das Spannungsfeld zwischen zunehmender Akzeptanz und Sicherbarkeit vielfältiger geschlechtlicher Identitätsentwürfe und sexueller Orientierungen als auch einer ansteigenden Queerfeindlichkeit sowie der Artikulation in den Medien. Beides muss in der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Menschen berücksichtigt werden. Im Gespräch mit der Wissenschaftlerin Katrin Degen und dem Oberbürgermeister von Neubrandenburg Silvio Witt geht Katharina Jäntschi der Frage nach, warum Queerfeindlichkeit für rechtsextreme Akteur*innen als Feindbild heutzutage prädestiniert ist – obwohl einige rechte Akteur*innen selbst dem nicht-heteronormativen Spektrum zuzuordnen sind. Besonderer Schwerpunkt liegt hier auf Analysen der Onlinekommunikation, derer sich die Neue bzw. Extreme Rechte bedient, und die spezifischen Möglichkeiten des Internets und insbesondere der Sozialen Medien nutzt. Annika Spahn erläutert in einem umfassenden Glossar wesentliche Begriffe rund um Queerness. Dies bietet eine Orientierung für alle, die mit den vielfältigen Begrifflichkeiten weniger vertraut sind oder mehr zu einzelnen queeren Vokabeln erfahren wollen. Zudem verdeutlicht das Glossar die Dynamik des Queerness-Felds und wie historische Kämpfe durch bestimmte Begrifflichkeiten transportiert werden können. Folke Brodersen und Katharina Jäntschi gehen auf die Praxis einer queersensiblen (Medien-)Pädagogik ein. Mit der Grundhaltung, dass Jugendarbeit immer queere Jugendarbeit ist, und ausgehend von eigenen Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen beleuchten sie praxisnah verschiedene Voraussetzungen, Ziele, Prämissen und Haltungen für kompetente, queersensible Jugendarbeit.
Patrick Wolf, Queerbeauftragter des Bayerischen Jugendrings, und Kathrin Demmler, Direktorin des JFF, gehen in einem Gespräch mit Katharina Jäntschi auf Herausforderungen der veränderten Anforderungen im Hinblick auf geschlechtliche Vielfalt in der Jugendarbeit und Medienpädagogik ein. Dies betrifft nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch die tätigen Pädagog*innen. Gemeinsam eruieren sie, wie diese teils herausfordernden Veränderungen gelingend angegangen werden können.
Die Drehbuchautorin Lily Ringler reflektiert meinungsbasiert die Bedingungen für queere Repräsentation in Bewegtbildmedien. In ihrem Plädoyer setzt sie sich für mehr Diversität queerer Akteur*innen in fiktionalen Angeboten ein. Dabei geht sie auf Fallstricke wie Queerbaiting und Stereotypisierung ein und beleuchtet aktuelle Beispiele wie die Serie Heartstopper. Ringler analysiert kritisch die derzeitigen, stark begrenzten Repräsentationen innerhalb von Mainstream-Angeboten mit queerem Figureninventar. In Steckbriefen werden drei Projekte mit ihren unterschiedlichen Ansätzen queerer Medienpädagogik vorgestellt. Queere Games – QUEER THINGS Dates (Medienzentrum München) hat die Münchner queere Community in einem offenen Format in den Austausch über queere Repräsentation und Figuren in Computerspielen gebracht. Gemeinsam mit Fachkräften hat das Projekt Fierce! – Potentiale queerer JugendMedienArbeit (ComputerProjekt Köln e. V.) unter anderem Bedarfe für queere Jugendarbeit eruiert. 2024 steht im Zeichen der Durchführung konzipierter Fortbildungen sowie der Erstellung von Info-Material. Beim dritten Projekt Que(e)r durch Berlin und Brandenburg (JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis) wurden gemeinsam mit queeren Jugendlichen Medienprodukte erstellt und so die eigene Handlungsfähigkeit sowie Medienkompetenz gestärkt. Dieses Themenheft soll Zuversicht unter Fachkräften generieren und zeigen, dass diese unterschiedlichen Zugänge und Perspektiven auf das Thema Queerness in der Medienpädagogik einen bedeutenden Beitrag leisten können. Das Anliegen ist es, nicht nur Interesse zu wecken, sondern auch Sicherheit zu vermitteln, das Thema Queerness in der eigenen (medien-)pädagogischen Praxis mitzudenken – sei es durch explizite Projektarbeit, als ständige Begleitung oder als selbstverständliche Willkommenskultur für queere junge Menschen.
Katharina Jäntschi arbeitet als medienpädagogische Referentin in der Abteilung Praxis des JFF. Sie hat Soziologie und Gender Studies studiert. Ihre Schwerpunkte sind geschlechts- und queersensible medienpädagogische Praxis sowie demokratische Teilhabe und politische Bildung in der Medienpädagogik.
Das Heft entstand mit fachlicher Beratung von Mareike Schemmerling (JFF – Institut für Medienpädagogik) und Mina Mittertrainer (freie Geschlechterforscherin)
Blick über die Grenzen
Frühkindliche Medienbildung in der Kita unterscheidet sich in europäischen Kindergärten nicht grundsätzlich. Überall gibt es erste Ansätze, aber auch viele Bedenken und Berührungsängste. Um einen Einblick in die verschiedenen Konzepte zu bekommen, haben wir exemplarisch fünf Erfahrungsberichte aus dem europäischen Umfeld eingeholt. Angefangen von Deutschland, wo sich aufgrund der Kultur- und Bildungshoheit der Länder schon innerhalb eines Landes Unterschiede ausmachen lassen, über Italien, das durch ein Nord-Süd-Gefälle gekennzeichnet ist, bis hin zu Österreich und der Schweiz, die sich durchaus engagiert auf den Weg der digitalen Bildung mit den Jüngsten gemacht haben und schließlich Dänemark, das sicher am weitesten fortgeschritten ist. Grundsätzlich herrscht aber in allen euro-päischen Ländern noch große Skepsis, vor allem, was die Null- bis Dreijährigen betrifft. Müssen die denn wirklich schon mit Medien konfrontiert werden? Da gilt es noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten, denn auch die Jüngsten leben längst in einer von Medien geprägten Welt
An allem Schuld
Laut Bundeskriminalamt ist die Zahl der antisemitischen Strafen in Deutschland seit dem Überfall der Hamas auf Israel gestiegen. Umso wichtiger ist es, über Antisemitismus zu sprechen und aufzuklären. Es muss präventiv gegen Vorurteile und Stereotype vorgegangen werden, um selbst ver-stecktem Antisemitismus keinen Raum zu bieten. Die Website AN ALLEM SCHULD widmet sich auf eindrucksvolle Weise diesem sensiblen Thema. Bereits der gewählte Name reflektiert treffend die tief verwurzelte Schuldzuweisung an Jüd*innen, die ein zentraler Bestandteil antisemi-tischen Denkens ist. Häufig werden Jüd*innen fälschlicherweise für gesellschaftliche Ereignisse, wirtschaftliche Krisen und Ungerechtigkeiten verantwortlich gemacht. Diese Form der Schuldzuweisung dient dazu, auf komplexe soziale Probleme einfache Antworten zu liefern und stellt für manche Menschen einen simplen Ausweg dar. Durch die Identifikation konkreter Personen als Schuldige erhalten sie ein Ziel, an dem sie ihre Wut und ihren Frust auslassen können.
Die Website ist ein Projekt des BIW – Bildung in Widerspruch e. V. und präsentiert sich als umfassende Informationsplattform, die darauf abzielt, antisemitische Vorurteile zu durchbrechen und ein tieferes Verständnis für deren Ursprünge zu schaffen. Sie bietet Antworten auf zahlreiche Fragen, die man sich so noch nie gestellt hat. Gleichzeitig kann man sein Wissen über Antisemitismus vertiefen, um auch verdeckten Antisemitismus zu erkennen und etwas dagegen zu tun.
Strukturiert wird das Portal durch verschiedene Themenbereiche. In der Rubrik Antisemi…Was? dreht sich alles um das Wort Antisemitismus. Was versteht man darunter? Woher kommt Antisemitismus und wie kann man ihn erkennen? Wem nützt das antisemitische Denken und welche Aus-wirkungen hat das auf andere? Erschreckend ist zum Beispiel, dass jede*r vierte Deutsche antisemitische Ansichten teilt. Dieser Fakt und viele weitere können in den verschiedenen Tools recherchiert werden. Dazu zählen unter anderem Quiz, Expert*innenenvideos und diverse Audioinhalte. Individuelle Erfahrungsberichte junger Jüd*innen ergänzen die vielen Fakten.
Gerüchte, welche oft die Ursprünge von festgefahrenen Stereotypen und Vorurteilen sind, werden ebenfalls in einer eigenen Rubrik thematisiert. Besonders interessant ist hier die geschichtliche Auseinandersetzung mit weitverbreiteten Gerüchten und Vorurteilen gegenüber Jüd*innen. Auch Verschwörungen und Verschwörungstheorien spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle und bilden einen eigenen Themenbereich. In Verschwörungstheorien wird Antisemitismus oft verdeckt geäußert. Auf der Website wird über Begriffe und Schlagwörter aufgeklärt, die dafür benutzt werden. Ein Highlight in der Rubrik Verschwörung ist der Verschwörungsgenerator, bei dem eigene Verschwörungstheorien aufgestellt werden können und die elementaren Bestandteile einer Verschwörungstheorie erklärt werden. Hinzu kommt, dass man auch selbst in die Rolle des*der Verschwörungstheoretiker*in schlüpfen und in einem virtuellen Chat versuchen kann, andere von einer Verschwörungstheorie zu überzeugen.
Ebenfalls bieten die Themenbereiche Israel und Nazi-Vergangenheit interessante Einblicke und helfen beispielsweise, zwischen Kritik und (verstecktem) Hass zu unterscheiden und so Israel bezogenen Antisemitismus zu erkennen. In der Rubrik Jüdisches geht es um die Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur. Sie bietet einen positiven Gegenpol zu den negativen Stereotypen und trägt dazu bei, Klischees und Vorurteile zu durchbrechen.
Die geplante Veröffentlichung von Begleitmaterial und pädagogischen Handreichungen im Verlauf des Jahres 2024 unterstreicht die pädagogische Ausrichtung der Website. Die Materialien sollen die Möglichkeit bieten, das Thema Antisemitismus auch im schulischen Kontext zu behandeln und Schüler*innen eine vertiefte Auseinandersetzung zu ermöglichen. AN ALLEM SCHULD ist eine herausragende Initiative im Kampf gegen Antisemi-tismus. Es werden nicht nur fundierte Informationen vermittelt, sondern es wird auch zur aktiven Auseinandersetzung damit angeregt. Die interakti-ven Elemente wie Quiz, Videos, Audioaufnahmen und Erfahrungsberichte bieten nicht nur eine abwechslungsreiche Darstellung, sondern ermöglichen auch eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema.
Ausbaufähig ist sicher noch das Glossar, das bisher nur wenige Begriffe enthält. Eine Erweiterung könnte dazu beitragen, ein breiteres Verständnis für die verschiedenen Facetten von Antisemitismus zu fördern. Weiterhin wurde die FAQ-Sektion bisher noch nicht umgesetzt. Sie soll aber zeitnah ergänzt werden, um den Nutzer*innen eine umfassendere Informationsgrundlage zu bieten.
Besonders hervorzuheben ist die Einbindung praxisorientierter Ansätze. Die Rubrik Was tun gibt konkrete Handlungsempfehlungen für den Alltag, indem sie exemplarische Situationen vorstellt und den Nutzenden die Möglichkeit gibt, ihre Reaktionen zu reflektieren. Dies fördert ein proaktives Engagement gegen Antisemitismus. Durch die gelungene Kombination von inhaltlicher Tiefe, interaktiven Elementen und einer bedienfreundlichen Gestaltung erschafft das Projekt eine ansprechende Platt- form, um das Bewusstsein für Antisemitismus zu schärfen und konkrete Handlungs-impulse zu setzen.
https://an-allem-schuld.de  
"Wir sind schon ein bisschen in der Bambus-Zahnbürsten-Bubble": Aus den Forschungswerkstätten des Projekts \u27Das bewegt uns\u27
Was bewegt Jugendliche nach jahrelangen Einschränkungen durch die Corona- Pandemie, in einer Zeit, die von Kriegen und der Klimakrise geprägt ist? In diesem Forschungs-Praxis-Projekt erhalten Jugendliche eine Stimme und es wird deutlich, wo sie Unterstützung brauchen
Hartong, S. & Renz A. (2024). Digitale Lerntechnologien. Von der Mystifizierung zur reflektierten Gestaltung von EdTech. Bielefeld: transcript, 260 S., 30,00 €.
Hartong, S. & Renz A. (2024). Digitale Lerntechnologien. Von der Mystifizierung zur reflektierten Gestaltung von EdTech. Bielefeld: transcript, 260 S., 30,00 €.
Folgt eine neue Lernsoftware in der Schule den Logiken der Pädagogik oder denen der Technikunternehmen, die die Software entwickelt haben? Das Geschäftsmodell der Hersteller von Lernsoftware besteht in Datenerhebun- gen und der Schaltung von Werbeanzeigen.nSprechen wir dann noch von Lernsoftware (EdTech) oder besser von Werbesoftware (Ad-Tech)? Im Sammelband Digitale Lerntechnologien, herausgegeben von Hartong und Renz, konfrontieren die Autor*innen digitale Lerntechnologien mit solchen kritischen Überlegungen. Eine Besonderheit an diesem Sammelband sind kurze Interviews, welche die Herausgeber*innen mit Menschen aus der Praxis geführt haben. In diesen Zwischenspielen soll Stimmen Gehör geschenkt werden, die mit der praktischen Umsetzung von digitalgestützten Lernangeboten befasst sind, um eine möglichst lebensnahe Diskussion zu gewährleisten. Das Feld EdTech beschreiben die Herausgeber*innen als ein Werkzeug, dass primär Lehr- und Lerninhalte zugänglich machen und somit eine Erleichterung oder Unterstützung von Lernprozessen ermöglichen soll. Außerdem stellen sie fest, dass im Bereich EdTech unterschiedliche Schwerpunktsetzungen auf Pädagogik oder Technik vorliegen, was zu unterschiedlichen Zielvorstellungen und entgegengesetzten Interessen führen kann. Wie so oft wird hier wieder deutlich: Selten können mehrere Themenbereiche berührt werden, ohne dass hierbei Reibung entsteht. Der digitale Raum steht mit all den Möglichkeiten und Gefahren dem geschützten Raum der Schule gegenüber.
Die Herausgerber*innen beklagen eine Mystifizierung der Debatten um EdTech, bei der mit großen Begriffen wie Digitalisierung und globaler Gestaltung gearbeitet und so undeutlich wird, wovon eigentlich die Rede ist. Diesem Trend soll mit engem Praxisbezug und ausgewogenen Analysen entgegengestanden werden. Daher wird in diesem Buch anhand von konkreten Beispielen, wie Antolin, Lernmanagementsystem Hamburg (LMS-HH) oder Sofatutor eine Software- bzw. Plattformkritik vollzogen.
Auf der Leseplattform Antolin werden für analog gelesene Bücher Quiz für Kinder angeboten, die das Leseverständnis abfragen sowie die Lesemotivation steigern sollen. Anhand von Befragungen und Untersuchungen zur Nutzung der Plattform stellte sich heraus, dass vor allem die Punktebewertung durch die Plattform einen Einfluss auf das Lernen hat. So ist einigen Kindern das Punktesammeln bei den Quiz besonders wichtig; das Gelesene rückt dabei in den Hintergrund. Der Einsatz solcher Quantifizierungsmethoden, die manchmal sogar in die Benotung einfließen, beeinflusst die pädagogische Zielsetzung.
Zum Lernmanagementsystem Hamburg merkt Brandau an, dass „im initialen Softwaredesign von LMS-HH […] durch technische und auch politisch-strategische Entscheidungen“ bestimmte Annahmen über Bildung und Schule stecken, die es bei einer kritischen Auseinandersetzung zu identifizieren und zu diskutieren gilt.
Nach diesen Fallbeispielen folgt ein Analysewerkzeug von Deny und Weich, mit dem Praktiker*innen selbst eine Lernsoftware analysieren können sollen. Hierfür schlagen sie die Medienkonstellationsanalyse nach Weich vor, bei der vier Bereiche zu berücksichtigen sind. Neben der Materialität des Mediums sollen das Wissen und die Praktiken, die für die Benutzung des Mediums notwendig sind, betrachtet werden; zudem der Inhalt bzw. der konkrete Text und die grafischen Elemente oder Töne. Zuletzt geht es um die Subjektposition, also die spezifischen Anforderungen und Handlungsmöglichkeiten, die ein Medium von den beteiligten Personen verlangt. Diese Elementgruppen kann man durchgehen, wenn man ein bestimmtes Medium analysiert. Hierbei wird man zur Spezifizierung angehalten und soll so eine konkrete App statt pauschal digitale Technologien insgesamt analysieren. Die Autor*innen gestehen zu, dass dies „auf der einen Seite anstrengend, komplexitätssteigernd und auch niemals abgeschlossen“ ist, jedoch klarer definiert wird, „was überhaupt Gegenstand der Reflexion ist“. Insgesamt gelingt es in den Beiträgen häufig, ein Für und Wider der digitalen Technologien darzustellen, ohne sich voreilig einem der beiden Lager anzuschließen. Somit ist der Sammelband für Praktiker*innen interessant, die ihre eigene Position überdenken wollen oder mit einem Team in einer Bildungseinrichtung arbeiten, in der die Fronten der Befürworter*innen und Gegner*innen von Digitalisie- rung verhärtet sind und eine Analyse etwa mithilfe der Medienkonstellationsanalyse für eine Versachlichung sorgen kann. Ungeachtet, ob man noch am Anfang der Einbindung von digitalen Geräten steht oder schon mittendrin ist – dieses Buch kann helfen, in die kritische Distanz zu treten, damit klarer wird, in welche Richtung es gehen soll
Letz, Malte & Lippok, Juliane (2024). Globales Lernen im Museum. Ein Praxisleitfaden. Bielefeld: transcript. Edition Museum. 130 S., 29,00 €.
Eine zentrale Frage der Medienpädagogik dreht sich darum, welche Medien mit welchen Methoden in der Bildung eingesetzt werden sollten. Um eine weitere Dimension kann man die Bildungsarbeit erweitern, indem man sich fragt, aus welcher Perspektive die eingesetzten Medien bestimmte Inhalte übermitteln sollen. Malte Letz und Juliane Lippok setzen genau hier mit ihrem Praxisleitfaden Globales Lernen im Museum an und zeigen Wege auf, wie die entwicklungspolitische Bildung durch Kooperation mit dem von Kolonialgeschichte geprägten Lernort Museum zu einer neuen globalen Perspektive gelangen kann.
Ausgangspunkt ist für die Autor*innen der Ansatz des Globalen Lernens aus der entwicklungspolitischen Bildung. Mit diesem Ansatz sollen Verbindungen zwischen Globalem Norden und Globalem Süden in Museen sichtbar gemacht werden. Die so gewonnene Multiperspektivität soll einen nachhaltigen Umgang mit der Globalisierung, Digitalisierung, Klimawandel und wachsender Diversität vermitteln. Inhaltlicher Kern des Praxisleitfadens sind acht Perspektiven, die zu einer zielführenden Angebotsentwicklung im Rahmen einer solchen Bildungskooperation beitragen sollen. Die acht Perspektiven sind die Rahmenbedingungen, die Zielgruppe und das Bildungsformat, die Auswahl von Bezugsregionen des Globalen Südens, der Bezug zu den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen (SDG), Bezüge zum Museum, die Fachkräfte, eine Auswahl von Kernkompetenzen, die vermittelt werden sollen und die Gesamtorganisation. Darauf aufbauend werden Überlegungen zur Methodik und Evaluation des Globalen Lernens im Museum angestellt und bewährte Ansätze vorgestellt.
Globale Perspektiven in konkrete individuelle Lernsituationen einzubringen, ist der Versuch, das Universelle mit dem Individuellen zu verbinden. Durch das Aufzeigen der Bezugspunkte zwischen der global ausgerichteten entwicklungspolitischen Bildung und den methodischen Möglichkeiten des lokalen Museums gelingt den Autor*innen genau das.
Letz, Malte & Lippok, Juliane (2024). Globales Lernen im Museum. Ein Praxisleitfaden. Bielefeld: transcript. Edition Museum. 130 S., 29,00 €
#73 - Jugend, Medien, Krieg und Frieden Folge 2: Kinder und Krieg in den Medien mit Michael Gurt vom Flimmo
Krieg in den Medien ist für Kinder ein herausforderndes Thema. Warum Kinder trotzdem ein Recht auf Nachrichten haben und wie Eltern und pädagogische Fachkräfte sie unterstützen und begleiten können - darüber reden wir mit Michael Gurt vom Flimmo. Flimmo ist der Elternratgeber für TV, Streaming und YouTube und Michael ist der verantwortliche Redakteur vom Flimmo. Er hat viele gute Tipps für Eltern und Pädagog*innen zum Thema Kinder und Krieg in den Medien.
Zum Flimmo
Zu unserem aktuellen Heft - Jugend, Medien, Krieg und Friede
#65 – Medienpädagogik und Queerness Folge 1: Fachredaktionstalk mit Katharina Jäntschi
Medienpädagogik und Queerness - Repräsentation, Konflikt und Empowerment in digitalen Medienwelten
Wir wollen Zuversicht unter Fachkräften generieren und zeigen, dass unterschiedliche Zugänge und Perspektiven auf das Thema Queerness in der Medienpädagogik einen bedeutenden Beitrag leisten können. Dabei wollen wir auch Sicherheit vermitteln, das Thema Queerness in der eigenen (medien-)pädagogischen Praxis mitzudenken – sei es durch explizite Projektarbeit, als ständige Begleitung oder als selbstverständliche Willkommenskultur für queere junge Menschen.
Katharina Jäntschi, medienpädagogische Referentin am JFF Institut für Medienpädagogik stellt in dieser Folge ihre Sicht auf das Thema dar.
Hier geht\u27s zu unserer neuen Ausgabe 24/2 Medienpädagogik und Queerness
BeReal – Your friends for Real?
Die App BeReal ist für einige Jugendliche und junge Erwachsene fest in ihren Alltag integriert. Aber über welche Funktionalitäten verfügt die App? Gibt es (manipulative) Mechanismen (Dark Patterns), die die Nutzenden besonders in den Bann ziehen? Diese Fragen werden anhand einer explorativen Plattformanalyse analysiert und mit Mechanismen anderer Social Media-Apps verglichen
Kann die KI helfen?
Zugegeben, in diesem Monat ist es mir bei den vielen Terminen nicht leichtgefallen, einen Text zu schreiben. In den kurzen Pausen zwischen Projekten und der nächsten Besprechung ist mir aber doch etwas eingefallen. Wie all meine Texte musste auch dieser durch die Endkontrolle bei der besten Ehefrau von allen. Sie war diesmal aber nicht zufrieden – vor allem mit ihrer Rolle im Text. Also habe ich angesichts der knappen Zeit die KI um Hilfe gebeten. Das ist dabei rausgekommen.
Wie schon mehrmals beschrieben, ist unsere kleine Hütte in der Fränkischen einer meiner Lieblingsorte. Nur mäßiger Internetempfang, kein TV und nur durch einen Holzofen zu beheizen. Ein Ort der Ruhe und Entschleunigung, weit weg von den Anforderungen des Alltags.
Mein Arbeitsplatz als Medienpädagoge ist auf digitale Infrastruktur angewiesen, was in unserer zunehmend vernetzten Welt nicht überrascht. Doch auch moderne Technik hat ihre Tücken. Kürzlich wurde in unserem Büro ein neues System zur Raumklimasteuerung eingeführt, das angeblich smarter und effizienter sein soll. Der große Vorteil: alles läuft automatisch. Die Realität? Naja, sagen wir, das System „lernt“ noch.
Heizkörper gibt es nicht mehr, Fenster lassen sich nur minimal kippen und die Temperatur wird von einer KI gesteuert. Es sollte bequem sein, doch stattdessen kämpfen wir oft mit stickiger Luft oder frostigen Temperaturen. Die Beschwerden mehren sich. Die Standardantwort lautet immer: „Das System braucht noch Zeit, um sich einzustellen.“ Bis dahin bleibt uns das sogenannte Zwiebelmodell: mehrere Kleidungsschichten übereinander, Wärmflaschen und Decken. Manche Kolleg*innen haben sogar kleine Heizlüfter mitgebracht – eine überraschend analoge Lösung für ein hochmodernes Büro.
Die technische Innovation hört beim Raumklima nicht auf. Das Gebäude ist so gebaut, dass kaum Mobilfunk- oder Internetverbindungen ins Innere dringen. In der Mittagspause kann man vor den großen Glasfassaden häufig Kolleg*innen beobachten, die ihre Handys durch das spaltbreite geöffnete Fenster nach draußen halten, um ein schwaches Signal einzufangen. „Hörst du mich? Hallo? Ich schick dir später eine Nachricht!“ – solche Dialoge sind an der Tagesordnung. Manchmal sieht man draußen vor der Tür kleine Grüppchen, die hektisch E-Mails versenden oder Telefonate führen, bevor sie wieder ins Funkloch verschwinden.
Während ich diesen Text schreibe, verabschiedet sich eine Kollegin in den Feierabend. Auf meinem Bildschirm ploppt sofort eine Nachricht auf: „Eva. Erledigt.“ Ein Moment der Stille breitet sich aus und ich bin in Gedanken in unserer Hütte und schaue hinaus in den Wald vor dem Fenster.
Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Natur, analogen Lösungen und gelegentlich digitalem Chaos, die den Alltag so lebendig macht.
Meine neue Mitarbeiterin KI merkt dazu noch an: Dieses Ende lenkt die Erzählung auf das Gefühl der Entschleunigung und verbindet es mit einem leicht humorvollen Blick auf die Herausforderungen moderner Technologie. Deine Frau und das Justizthema sind entfernt, und der Fokus liegt mehr auf einer allgemeinen Arbeitsumgebung und persönlichen Eindrücken.
Ich merke dazu an: Der Kern der Geschichte ist wahr, manches eine Mischung aus Phantasie und KI.
Klaus Lutz