merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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Digitale Transformation – ethische Probleme und mögliche Lösungen: Kirchschläger, Peter G. (2024). Digitale Transformation und Ethik. Ethische Überlegungen zur Robotisierung und Automatisierung von Gesellschaft und Wirtschaft und zum Einsatz von “Künstlicher Intelligenz”. Baden-Baden: Nomos. 574 S., 39,00 €.
Beim Nachdenken über Digitalisierung und die damit aufgeworfenen ethischen Fragen hantieren wir mit großen gesellschaftlichen Zusammenhängen, die täglich in zahlreichen Unternehmen, Beziehungen und unserem Alltag der smarten Anwendungen in unzählbar vielen verschiedenartigen Formen auftauchen. Es scheint kaum möglich, diesen vielfältigen Wandel greifbar zu machen. Kirchschläger beschreibt die Entwicklungen, indem er davon spricht, dass die Technologie ethische Prinzipien respektieren müsse (S. 49), dass die Ethik die Technologie auch einschränken könne und Ethik und Recht Gefahr liefen, ständig von der Technologie überholt zu werden (S. 7). Mit großen abstrakten Schlagworten sortiert er in seinem Werk die vielen Verstrickungen und teils neuartigen ethischen Fragestellungen, die sich durch die zahlreichen technischen Neuerungen stellen. Die Einteilung des Buches ist sehr übersichtlich und ermöglicht es, gegebenenfalls nur bestimmte Themengebiete gezielt nachzuschlagen. Die ersten Kapitel widmen sich der Klärung des Verhältnisses von Ethik und Technik allgemein sowie deren Verhältnis zueinander. Darauffolgend behandelt Kirchschläger bestimmte technische Transformationsprozesse und die gesellschaftlichen und ethischen Problemstellungen. Zum Schluss folgen die normativen Vorschläge des Ethikers dazu, wie die Zukunft gestaltet werden kann. Erschwert wird das Verständnis durch die sprachliche Gestaltung. Insgesamt ist der Text mit vielen langen direkten Zitaten überfrachtet, deren vollständige Nennung häufig nicht nötig scheint. Teilweise wird die Nachvollziehbarkeit des Inhalts dadurch erschwert. Das ist besonders deshalb schade, da es von den inhaltlich guten und interessanten Anregungen und Vorschlägen (vor allem im letzten Teil des Buches) ablenkt. Nähere Betrachtung des Inhalts Durch die Erläuterung von Grundbegriffen sowie beteiligten Fachbereichen wird eine umfangreiche Grundlage für die spätere Analyse geschaffen. Dafür wird zunächst in einigen Grundzügen das Verhältnis von Ethik und Technologie herausgearbeitet. Hierbei wird Technik als dasjenige verstanden, was die Mittel schafft, wohingegen Ethik die Orientierung schafft. Um das große Schlagwort Technologie zu konkretisieren, werden bestimmte maschinelle Techniken vorgestellt, die zu einer Transformation führen. Roboter werden nach europäischer Norm als Mehrzweckmaschinen definiert, die automatisch und mit mehreren Freiheitsgraden ausgestattet sind. Künstliche Intelligenz wird neutral als datenbasiertes System bezeichnet. Die Digitale Transformation umfasst mehrere Bereiche wie: Automatisierung, Robotisierung, Maschinisierung, Digitalisierung und den Einsatz und Umgang mit datenbasierten Systemen bzw. Supersystemen (Kapitel 4.5). Bezüglich der Ethik benennt Kirchschläger das Prinzip Verantwortung als ein ethisches Instrument, welches eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt herstellt und auf einem Maßstab vor einer Instanz beruht. Angewandt auf die datenbasierten Systeme, sieht er drei menschliche Verantwortungsparadoxien, die sich ergeben. Erstens wird die Interaktion von Mensch und Maschine stark intensiviert (Es ist z. B. möglich, mit einem Smart-Kühlschrank über das Wetter zu plaudern). Doch – egal wie intensiv die Interaktion wird – die Verantwortung für die entstandenen Handlungen bleiben beim Menschen. Zweitens wächst die Verantwortung der Menschen für Systeme, obwohl diese immer weniger menschlichen Input brauchen. Drittens ist immer unklarer, wem die Verantwortung zuzuschreiben ist, da sich unter anderem durch einen komplexen Entwicklungs- und Nutzungsprozess die Verantwortung verstreut. Der wohl wichtigste Teil des Werks ist der Schluss: Hier geht es darum, konkrete Handlungsvorschläge aus den ethischen Überlegungen abzuleiten. Unter anderem schlägt Kirchschläger vor, die Internationale Agentur für datenbasierte Systeme (IDA) in die UN zu integrieren, um als „[…] zentrale zwischenstaatliche Plattform für die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit im Bereich der digitalen Transformation und der datenbasierten Systeme […]“ für Frieden und Sicherheit, Achtung der Menschenrechte und eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen. Dazu benennt er 30 Prinzipien, die diesen Zielen dienen sollen, darunter etwa: Datenbasierte Systeme dürfen nicht manipuliert werden und müssen die Autonomie des Menschen respektieren. Oder: Datenbasierte Systeme, die totalitäre Systeme und Diktaturen unterstützen sollen, müssen verboten werden. Außerdem schlägt er das Society-, Entrepeneurship-, Research-, Time-Modell (SERT) als Reaktion auf wegfallende Arbeitsplätze durch datenbasierte Systeme vor. Mit diesem Modell sollen ein gesichertes Grundeinkommen und ein soziales Engagement verbunden werden. Während ein bedingungsloses Grundeinkommen auch zu sozialer Isolation und Einsamkeit einiger Menschen führen könnte, würde dieses Modell dem Wegfall von Arbeitsplätzen mit einer sozialen Komponente begegnen. Insgesamt bietet diese Publikation einen guten Überblick über die ethischen Implikationen der digitalen Transformation und zahlreiche praktische Anregungen und Vorschläge, wie mit den ethischen Problemen umgegangen werden könnte, die durch Robotisierung und Automatisierung sowie bei der Nutzung von datenbasierten Systemen entstehen
75 Jahre JFF – Die Medien werden alt und ich auch
Woran merkt man, dass man alt wird: Man wird zu mehr Beerdigungen als zu Hochzeiten eingeladen, und beim Arztbesuch wird man nach Schilderung seiner Gebrechen dezent auf sein Geburtsdatum hingewiesen. Man fährt viel lieber Automatik statt Schaltung, geht nach 20 Uhr ungern aus dem Haus und braucht nach dem Aufstehen am Morgen eine Weile, bis man sich schmerzfrei bewegen kann. Man weiß nicht, was ein Swiftie ist, schaut noch analoges Fernsehen und muss jüngere Menschen um Hilfe bitten bei der Übertragung der Daten nach dem Neukauf eines Handys. Ein weiterer Gradmesser für das Älterwerden sind die vielen Jubiläen, zu denen man eingeladen wird. Nur ein kleiner Ausschnitt der diesjährigen Jubiläen: 25 Jahre Medienfachberatung Mittelfranken, 40 Jahre Medienzentrum Parabol, 75 Jahre JFF – Institut für Medienpädagogik. Jubiläen haben es so an sich, dass die Festredner*innen zurückschauen und die Entwicklung der letzten Jahre oder Jahrzehnte Revue passieren lassen. Die Festredner*innen bei Jubiläen, die mit Medienpädagogik zu tun haben, versuchen dabei gerne mit skurrilen technischen Erinnerungen zu punkten: Weiß noch jemand, was eine Diskette ist? Wer kann sich noch an Telefone mit Schnur erinnern? Daran, dass der Speicher einer Festplatte gerade mal 20 MB hatte und der Leseschreibkopf der Festplatte noch geparkt werden musste? Dass Raubkopie-Partys noch an der Tagesordnung waren und Texte mit einem Nadeldrucker nebst ziemlich fiesem Geräusch auf Endlospapier gedruckt wurden? Würde die Festrede von jungen Menschen gehalten, wäre das wahrscheinlich auch nicht anders. Denn gefühlt ändert sich die Technik in Nanosekunden. Dies ist schön zu beobachten, wenn die Band AnnenMayKantereit bei einem Konzert ihren Hit Als ich ein Kind war anstimmt: Als ich ein Kind war, gab‘s kein Internet, Es gab keinen Bildschirm neben dem Bett, Das Telefon hatte ein Kabel , Und wenn ich Fernseh‘n schau‘n wollte, musste ich fragen, Die Post war gelb und keiner kannte DHL, Alles war so langsam oder eher nicht so schnell. Der Sänger und Kopf der Band, Henning May, ist gerade mal 32 Jahre alt. Noch jünger ist sein Publikum, das beseelt den Refrain Als ich ein Kind war, gab es kein Insta mitsingt und gleichzeitig das Konzert für eine Insta-Story filmt. Deshalb will ich zum Schluss nochmal richtig schön nostalgisch werden und in Erinnerungen schwelgen: Ach, wie schön war die Welt noch, als uns Wolfgang und Wolfgang im WDR- Computerclub (ab 1982) einmal in der Woche die Welt der Computertechnik erklärt haben. So beschaulich, so begreifbar und dank YouTube immer noch verfügbar. Deshalb: Einfach mal WDR-Computerclub eingeben und in eine Zeitreise starten. Die Sendungen bieten unendlichen Stoff für Festreden medienpädagogischer Einrichtungen
Kriegsthemen im Klassenzimmer: Im Gespräch mit einer Lehrkraft
Wie kann das Thema Krieg im Klassenzimmer angesprochen werden, wenn Schüler*innen hauptsächlich aus Familien kommen, die einer Kriegspartei angehören? Kerstin Handwerker ist Lehrerin an einem Gymnasium in einer Kleinstadt in Lahr/ Baden-Württemberg. In dieser Stadt wohnen viele Familien, die aus Russland eingewandert sind
Kinderfilm über Flucht und Freundschaft
Slava, der Hund (Spielfilm)
Die Geschwister Andryi und Alona müssen mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter vor dem Krieg in der Ukraine fliehen. In Hamburg kommt die Familie beim Ex-Freund der Mutter unter. Doch der Anfang in einem neuen Land ist schwer, vor allem weil der Familienhund Slava unterwegs verloren gegangen ist. Bei ihrer Suche nach Slava bekommen sie viel Unterstützung und können ihren Hund am Ende wieder in die Arme schließen. Mit viel Einfühlungsvermögen und einer Prise Zirkusmagie erzählt der Film von Flucht und Krieg aus der Sicht von Kindern. Kinder ab Mitte des Grundschulalters können sich in Alona und Andryi gut hineinversetzen und fiebern bei der Suche mit
#74 - Pädagogik | Technik | Utopie Folge 1: Fachredaktionstalk
Was braucht es in düsteren Zeiten? Utopien!
Utopien sind wichtig für den gesellschaftlichen Wandel. Sie lassen auf eine bessere Zukunft und die Überwindung von Missständen hoffen. Sie motivieren Menschen, das aus ihrer Sicht Richtige zu tun.
Auch medienpädagogisches Handeln steht in einem engen Verhältnis zu utopischem Denken, wenn es Menschen Möglichkeitsräume eröffnet, Gesellschaft mitzugestalten und neu zu denken. In Zeiten, die von vielen als Dauer- und Polykrise erlebt werden, können Utopien so der Ausbreitung von Resignation und Fatalismus entgegenwirken.
Im Talk erzählt uns Dr. Wolfgang Reißmann, was seine Motivation zu diesem Heft war, was er bei der Erstellung gelernt hat und warum Utopien unerlässlich für die Medienpädagogik sind bzw. warum auch die Medienpädagogik selbst eine Utopie ist.
Hier geht\u27s zu unserer neuen Ausgabe 24/5 Pädagogik | Technik | Utopie
MiniKIM 2023: Mehr smarte Geräte bei kleinen Kindern
23 Prozent der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren nutzen täglich mindestens ein smartes Gerät wie Handy, Tablet, Laptop oder Sprachassistent. Nimmt man Mediatheken, Streaming-Dienste, Computerspiele oder Apps dazu, sind es 44 Prozent der Kinder, die täglich digitale Angebote nutzen. Diese und weitere erste Ergebnisse der miniKIM 2023 wurden Ende April vorgestellt.
Die Studie liefert Basisdaten zur Mediennutzung von Kindern im Alter zwischen zwei und fünf Jahren. Die Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs) in Kooperation mit dem Südwestrundfunk (SWR) wurde nach 2012, 2014 und 2020 nun zum vierten Mal durchgeführt. Insgesamt wurden 600 Haupterziehende von Zwei- bis Fünfjährigen zur Mediennutzung ihrer Kinder befragt. Die Medienausstattung der Haushalte hat sich seit der letzten Befragung deutlich verändert. So sind in den Haushalten wesentlich mehr Sprachassistenten verfügbar. Weiterhin haben inzwischen vier von fünf Familien mit Kleinkindern ein Streaming-Abo. Auch der direkte Zugang der Kinder zu smarten Geräten hat seit der letzten Befragung erheblich zugenommen. Mit einer Steigerung um 50 Prozent hat nun jedes fünfte Kind zwischen zwei und fünf Jahren ein eigenes Tablet zur Verfügung, bei den Vier- bis Fünfjährigen sind es fast ein Drittel (28 %). Jedes zehnte Kind im Alter von zwei bis fünf Jahren hat nach Angaben der Eltern bereits ein eigenes Handy oder Smartphone.
Studienleiter Thomas Rathgeb betonte bei der Präsentation der ersten Ergebnisse, dass die Familien mittlerweile eine sehr umfangreiche Medienausstattung hätten. Durch den Zugang kleiner Kinder dazu wachse auch die Verantwortung der Eltern, die Mediennutzung der Kinder zu begleiten und altersgerecht zu gestalten.
Die kompletten Studienergebnisse werden in Kürze veröffentlicht.
https://mpfs.d
Queerness in der Medienpädgaogik
Die Fülle geschlechtlicher und sexueller Identitäten ist in jüngster Zeit gesellschaftlich deutlich sichtbarer geworden. Insbesondere digitale Medien haben dazu beigetragen. Denn sie erlauben es, auch solche Identitäten umfassend öffentlich darzustellen, die in Massenmedien allenfalls am Rande vorkommen. Die Effekte sind zwiespältig: Mediale Sichtbarkeit von Queerness geht mit Empowerment, aber auch mit zunehmender Anti Queerness einher. Welche Herausforderungen ergeben sich aus diesen Entwicklungen für die medienpädagogische Arbeit
Safe Spaces für traumasensible Pädagogik gestalten: Anregungen für Lernräume im Kontext gesellschaftspolitischer Kontroversen
Fachkräfte, die in der allgemeinen pädagogischen Arbeit mit Kindern oder Jugendliche mit Fluchterfahrung zu tun haben, müssen gut vorbereitet sein und einen sicheren Ort bieten. Ein achtsamer, verlässlicher Umgang sowie humorvolle Momente können stabilisierend und entspannend wirken. Rituale vermitteln Sicherheit, klare Regeln und Strukturen schaffen angstfreie Räume. Die Förderung von Schutzfaktoren stärkt die Resilienz der Kinder und Jugendlichen, wodurch sie Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein entwickeln. Kreative Projekte fördern die Selbstwirksamkeit und einen optimistischen Blick in die Zukunft. Die Refugio Kunstwerkstatt arbeitet daran, einen sicheren Raum zu schaffen
Zukünftige Gestaltung Digitaler Bildung im Grundschulalter: Handlungsempfehlungen aus dem Projekt DiBiGa
Wie soll Digitale Bildung in Zukunft aussehen? Der Beitrag gibt konkrete Handlungsempfehlungen zur zukünftigen Gestaltung Digitaler Bildung im Grundschulalter auf Basis des Forschungsprojekts ‚DiBiGa – Zukunftsperspektiven Digitaler Bildung im Grundschulalter‘. Im Projekt wurden die Auswirkungen des pandemiebedingten Distance-Schooling untersucht und daraus bedarfsorientierte Empfehlungen abgeleitet
#71 – Medienpädagogik und KI Teil 4: Josephine Ballon von HateAid über die Regulierung von KI
HateAid ist eine gemeinnützige Organisation, die Opfern digitaler Gewalt unmittelbar Beratung und rechtliche Unterstützung bietet. Auch politisch ist das Team von HateAid sehr aktiv und setzt sich zum Beispiel dafür ein, dass es nicht mehr so erschreckend einfach ist, pornografisches Bild- und Videomaterial mit KI zu manipulieren bzw. zu erstellen, da die Auswirkungen für die Opfer immens sind. Wir sprechen dazu mit Josephine Ballon, Geschäftsführerin von HateAid