merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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JIM-Studie 2023
2023 waren Jugendliche im Durchschnitt 224 Minuten täglich online. Elementar war dabei vor allem die Nutzung von Messengern und Social Media. WhatsApp wird von 94 Prozent folgt von TikTok (59 %) und Snapchat (49 %). So lauten einige der Ergebnisse der Anfang Dezember 2023 veröffentlichten JIM-Studie. Weiterhin wurde ermittelt, dass jedes dritte Mädchen und jeder vierte Junge 2023 im Netz schon einmal sexuell belästigt worden sind. Besorgniserregend ist weiterhin, dass 23 Prozent der Jugendlichen im letzten Monat vor der Befragung ungewollt mit pornografischen Inhalten konfrontiert wurden. Zudem gaben 14 Prozent an, innerhalb des letzten Monats im Internet angefeindet oder beleidigt worden zu sein.
Wenn es um onlinebasierte Möglichkeiten geht, Serien, Sendungen und Filme anzusehen, ist die Nutzung von Netflix (63 %) gestiegen (2022: 50 %), während die Nutzung von YouTube (2023: 50 %, 2022: 53 %) fast gleich blieb. Es sind nach wie vor die beliebtesten Portale Jugendlicher.
Die JIM-Studie 2023 (Jugend, Information, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest ist eine Kooperation der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk. Dafür wurden in ganz Deutschland im Zeitraum vom 30. Mai bis 9. Juli 2023 insgesamt 1.200 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren befragt
KI-generierte Bilder, Texte und Videos erkennen
Was steckt hinter generativer KI und wie kann man sie erkennen? Wie kann die verantwortungsvolle Nutzung ihrer unendlichen kreativen Möglichkeiten gelingen? Und welche Tools können dabei helfen, KI generierte Werke von menschlichen zu unterscheiden? Im folgenden Text werden konkrete Hilfestellungen gegeben, deren Nutzung dazu beitragen kann, die Verbreitung von Fehlinformationen einzudämmen und faktenbasierte Debatten zu erleichtern
Who am AI? Ein KI-Workshop in Verbindung mit der Ausstellung human.error
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ZIELGRUPPE Schüler*innen der 7. bis 10. Klasse
ZIELE Die Jugendlichen entwickeln ein Verständnis für KI und lernen technische Möglichkeiten sowie den Umgang mit KI-Text-, Bild- und Animationssoftware kennen. Sie beschäftigen sich mit Chancen und Herausforderungen von KI auf individueller und gesellschaftlicher Ebene und erörtern Aspekte von Persönlichkeit und Privatsphäre. Gemeinsam diskutieren sie Themen, setzen sich mit Technik sowie Kunst auseinander und entwickeln eine kritische Medienkompetenz
Die Maschine KI - Herausforderung für eine subjektorientierte (Medien-)Pädagogik: Ein Gespräch mit Thomas Hickfang
Was kann KI und wie genau sehen ihre Unterstützungsleistungen aus? Wo-durch unterscheiden sich Maschinen bzw. das maschinelle Lernen von den generativen KI-Systemen, wie zum Beispiel ChatGPT? Warum ist die Vermenschlichung von KI problematisch und was sind die pädagogischen Implikationen ihres Einsatzes? Hierüber und über weitere Fragen sprechen Prof.Dr. Helga Theunert und Prof. Dr. Bernd Schorb mit Dr. Thomas Hickfang
Phänomenübergreifende Extremismusprävention mittels Gaming: Das Projekt Call of Prev
Das Potenzial des Gaming für die Bearbeitung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist in der Bildungsarbeit angekommen. Während im lebens-weltlichen Ansatz in den 2000er-Jahren noch auf traditionelle Jugendkulturen wie HipHop, Punk und Metal gesetzt wurde, bietet sich in den letzten zehn Jahren vermehrt der Bereich des Gaming an, um mit Jugendlichen interessengeleitet zu arbeiten – auch in der Extremismus Prävention. Im Artikel wird beschrieben, wie Extremist*innen Games einsetzen, warum sich der Einsatz von Games in der Prävention anbietet und welche konkreten Erfahrungen im Projekt Call of Prev gemacht wurden
Esposito, Elena (2024). Kommunikation mit unverständlichen Maschinen (Unruhe bewahren). Wien, Salzburg: Residenz Verlag, 96 S., 20,00 €.
Esposito, Elena (2024). Kommunikation mit unverständlichen Maschinen (Unruhe bewahren). Wien, Salzburg: Residenz Verlag, 96 S., 20,00 €.
Mit dem Launch von ChatGPT 3.5 im November 2022 hat OpenAI ein disruptives Momentum erzeugt und einen gesellschaftlichen Diskurs über das Potenzial von KI-Technologien angeschoben. Die Diskussion um generative KI ist seitdem in weiten Teilen einem technizistischen Chancen-Risiken-Dualismus unterworfen. Auch in der Medienpädagogik geht es häufig um die Frage des kompetenten Umgangs mit KI, der die Chancen des Individuums angesichts dieser technologischen Evolution sichern soll.
Was bisher kaum hinterfragt wurde: Handelt es sich bei generativer KI um eine Medientechnologie? Elena Esposito konzentriert sich in ihrem Buch auf die Interaktion mit KI-Technologien und wirft die Frage auf, wie Menschenmit Maschinen kommunizieren können, die gelernt haben, als kompetente Kommunikati- onspartner zu agieren.
Im ersten Teil verwirft Esposito zunächst den Mythos der intelligenten Maschine: „Das offensichtlichste Problem ist, dass diese Maschinen zwar intelligent erscheinen, es aber nicht sind“ (S. 13). Von der Künstlichen Intelligenz lenkt Esposito den Fokus ihrer Ausführungen auf künstliche Kommunikation. Maschinen betrachtet sie als Teilnehmer an Kommunikationsprozessen. Den gesellschaftlichen Diskurs um generative KI vergleicht Esposito mit der Einführung der Schrift. Demnach befürchtete Platon, dass die Menschen ihre Erinnerungsfähigkeit verlieren, wenn das Memorieren der Schrift anvertraut würde. Esposito argumentiert jedoch, dass Platons Fehler darin bestand, „die Auswirkungen der Schrift zu bewerten, indem er sich auf die menschliche Intelligenz (die die Fähigkeit zu memorieren verliert) und nicht auf die Kommunikation (die es ermöglicht, viel mehr zu erinnern) bezog“ (S. 21).
Die Autorin zeigt daraufhin, dass die Entwicklung generativer KI-Systeme auf zwei Innovationen beruht. Erstens die Entwicklung selbstlernender Algorithmen, die weitgehend autonom funktionieren. Die zweite Innovation sind die großen Datenmengen (Big-Data), die unter anderem im partizipativen Web entstanden sind. Die Basis generativer KI liegt nach Esposito gerade in der Einsicht, die Funktionsweise der Algorithmen nicht an Vorstellungen über menschliche Intelligenz auszurichten. Maschinen können an menschlicher Kommunikation teilnehmen, weil sie weitgehend autonom durch Big Data lernen – und sich dem menschlichen Verstehen und der Kontrolle weitgehend entziehen.
In Anlehnung an Luhmann geht Esposito schließlich davon aus, dass Kommunikation nicht von der Fähigkeit zum intelligenten Handeln und Denken abhängt. Kommunikation gelingt, wenn sie Gedanken anstößt, Informationen produziert und Anschlusskommunikation ermöglicht. Auch für Künstliche Kommunikation ist demnach entscheidend, dass sie Informationen produziert, die für die menschliche Kommunikation bedeutungsvoll werden. Esposito bilanziert, dass Algorithmen kommunizieren können, „weil sie gelernt haben, die menschliche Intelligenz eigenständig zu nutzen, obwohl sie ihn nicht verstehen“ und „den menschlichen Input in verschiedenen Phasen ihrer Prozesse parasitär nutzen, um ihr eigenes Verhalten zu strukturieren und zu steuern“ (S. 41).
Im zweiten Teil des Buches geht die Autorin der Frage nach, was sich ändert, „wenn wir nicht mehr von der Vorstellung von künstlicher Intelligenz und der Konkurrenz zwischen menschlicher Intelligenz und der Leistung von Maschinen ausgehen, sondern von der Vorstellung von Kommunikation und Partnerschaft zwischen Algorithmen und Menschen“ (S. 55). Probleme mit Künstlicher Kommunikation sieht Esposito beispielsweise dort, wo Maschinen Vorhersagen treffen, Menschen darauf angewiesen sind, die Funktionsweise von Algorithmen zu verstehen oder das Weltgeschehen durch Künstliche Kommunikation vermittelt wird. Am Ende des Buches macht Esposito schließlich deutlich, dass die Folgen des Wandels durch generative KI wie bei der digitalen Transformation nicht vorhersehbar sind.
Esposito entwickelt in ihrem Buch einen distanzierten und betont gelassenen Blick auf generative KI. Allein diese Leistung ist begrüßenswert, da der gesellschaftliche Diskurs seit der ChatGPT-Disruption gleichermaßen durch fantastische Utopien und zerstörerische Dystopien geprägt wurde. Die Rezeption von Espositos Werk fordert uns dazu auf, Distanz zu nehmen und die Dinge durch eine die analytische Brille zu betrachten.
Die Einsicht, dass generative KI „weder intelligent noch dumm“ (S. 54-55) ist und trotzdem kommuniziert, verweist auf einen Wandel der sozialisatorischen Relevanz von Medien insgesamt. Für die Medienpädagogik rückt die grundlegende Frage in den Fokus, inwiefern es sich bei den generativen KI-Technologien überhaupt um Medien handelt. Wenn man davon ausgeht, dass Technologien wie ChatGPT oder Stable Diffusion an Kommunikation teilnehmen, sind sie vielmehr als soziale Akteure zu betrachten. In Sozialisationsprozessen können diese Maschinen als eigenständige Instanzen analysiert werden, mit denen Individuen kommunizieren. Die medialen Eigenschaften von KI-Technologien liegen in den selbstlernenden Algorithmen begründet, die Daten verarbeiten, Informationen autonom in ihre Funktionsweise integrieren und Output generieren. Für die Medienpädagogik erscheint damit die Wechselwirkung zwischen maschinellem Lernen und individuellen Entwicklungsprozessen relevant. Inspiriert durch Espositos Ausführungen stellt sich beispielsweise die Frage, wie sich Maschinen zu kompetenten Kommunikationspartnern entwickeln können, die bedeutende Funktionen in der (Medien-)Erziehung von Kindern und Jugendlichen übernehmen.
Eric van der Beek ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Lehre an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg
Pertsch, Sebastian (2023). Vielfalt. Das andere Wörterbuch. Duden. 272 S., 28 €.
Unsere Gesellschaft verändert sich stetig und wird immer vielfältiger. Diese Tendenz bringt auch Sprache als Spiegel des gesellschaftlichen Wandels ans Licht. Aber (sprachliche) Veränderungen stoßen nicht bei allen auf Akzeptanz, sondern lösen oft emotionale, manchmal sogar polemische Diskussionen aus. Jedoch hat Sprache Macht und beeinflusst, wie wir denken und die Welt wahrnehmen. Es bedarf deshalb einer stärkeren Sensibilisierung über den Hintergrund und die Verwendung neuer Wörter. Dies sollte jedoch empathisch geschehen, um möglichst viele Menschen zu erreichen.
Hier setzt das Buch Vielfalt – Das andere Wörterbuch an. Der Fokus liegt auf Begriffen, welche die gesellschaftliche Vielfältigkeit widerspiegeln. Die Wörter sind eine ausgewählte Komposition aus diversen Lebensbereichen, welche im Kontext von Sprache thematisiert werden. Sollte man noch ,Behinderte’ sagen oder ist ,Menschen mit Behinderung’ angemessener? Diese und viele weitere Fragen werden aufgeklärt. 100 Begriffe werden nach der Definition des Dudens erläutert und zusätzlich durch die Perspektiven von 100 unterschiedlichen Autor*innen bereichert. Zu den Mitwirkenden gehören bekannte Persönlichkeiten wie Raúl Krauthausen, Ferda Ataman, Mario Sixtus, welche Expertise durch einen persönlichen und/oder beruflichen Bezug zum Thema haben. Die Erklärungen sind auf jeweils zwei Seiten knapp und verständlich gehalten, illustriert und trotz teils komplexer und schwieiger Thematiken leicht verdaulich gehalten. Weitere Beispiele für erläuterte Begriffe sind Blackfacing, Intersektionalität und Misogynie. Außerdem wird auf rund 1000 relevante Quellen sowie diverse Medientipps aufmerksam gemacht.
Das Wörterbuch ist für alle Menschen zu empfehlen, die ein grundlegendes Interesse an Sprache haben und sich adäquat zum gesellschaftlichen Wandel weiterbilden möchten, aber bei den stetigen Wortneuschöpfungen nicht mehr durchblicken oder sich noch nicht (genug) sensibilisiert fühlen. Allerdings werden insgesamt nur 100 Wörter erläutert, obwohl es viele weitere wichtige Begriffe gibt, die eine Erklärung verdient hätten. Dennochbietet es einen guten Überblick, durch welchen man sich auf neutraler Ebene ohne angehobenen Zeigefinger informieren und damit einen angenehmen Zugang zu neuen Themen gewinnen kann
Mendel, Meron (2023). Singularität im Plural. Kolonialismus, Holocaust und der zweite Historikerstreit. Weinheim/ Basel: Beltz Juventa. 240 S. 28,00 €.
Meron Mendel ist Historiker und Pädagoge. Als Direktor der Bildungsstätte Anne Frank sind die Vermittlungsarbeit und Erinnerungskultur zentrale Anliegen seines Wirkens – auch im Kontext digitaler Kultur. Er zählt zu den wichtigen und beachteten Stimmen, die sich klug und engagiert in den öffentlichen Diskurs einbringen. Die von ihm herausgegebene Publikation Singularität im Plural. Kolonialismus, Holocaust und der zweite Historikerstreit nähert sich aus unterschiedlichen Perspektiven den Kontroversen um das Gedenken an Kolonialismus und Holocaust vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher und politischer Konflikte. Um es vorweg zu sagen: Das Buch ist vor den Terroranschlägen vom 07. Oktober 2023 erschienen und damit fehlt natürlich eine direkte Bezugnahme auf die zunehmende Dynamik und Eskalation der medialen und öffentlichen Artikulationen der vergangenen Monate.
Im Zentrum der Publikation stehen Fragen und Positionen zu Erinnerungskultur, historisch-politischer Bildung sowie normative, pädagogische und erinnerungspolitische Perspektiven. Die Ausrichtung ist interdisziplinär: 18 Autor*innen aus den Geschichtswissenschaften, der Friedens- und Konfliktforschung, den Erziehungswissenschaften, der politischen Bildungsarbeit oder der Theologie haben am Band mitgewirkt. So gelingt insgesamt eine breite und vielfältige Zusammenschau von Perspektiven auf und zu den Kontroversen, die unter dem Schlagwort des zweiten Historikerstreits zusammengefasst werden. Der Blick der Publikation führt über den Tellerrand des bundesdeutschen Diskurses hinaus. Fünf Kapitel gliedern das Thema in die Unterpunkte. Das einführende Kapitel geht der Frage nach Kontinuitäten und Besonderheiten des zweiten Historikerstreits nach. Das zweite Kapitel stellt postmigrantische Realitäten in Deutschland und Anforderungen an die Erinnerungskultur in den Mittelpunkt. Das Holocaustgedächtnis im internationalen Vergleich mit Blick auf Polen, Israel und USA behandelt das vierte Kapitel. Ob das Wiedergutmachungsabkommen als Vorbild für Restitutionen dient, diskutiert das vierte Kapitel. Das letzte Kapitel vor einer abschließenden Reflexion behandelt die Genese, Inhalt und Zukunft des Postulats deutscher Staatsräson in Hinblick auf Israels Sicherheit.
Mendel, Meron (2023). Singularität im Plural. Kolonialismus, Holocaust und der zweite Historikerstreit. Weinheim/ Basel: Beltz Juventa. 240 S. 28,00 €
Die ‚neue‘ Schule als Technikutopie: Lehren und Lernen nach dem Speziesismus
Im Beitrag werden Visionen zu Bildungsprozessen in einer zukünftig weiter digitalisierten Welt entworfen. Vorrangig sollen Kompetenzen für unterschiedliche, auch nichtmenschliche Subjekte entworfen und systematisiert werden. Hierfür benennen wir zunächst Rahmenelemente des Lernorts Schule für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Darauf aufbauend entwerfen wir eine Matrix für Bildungsprozesse, mit der für diverse Variablen Prognosen künftiger Möglichkeiten und Grenzen imaginiert werden können
Onlinespiel gegen rechtsextreme Propaganda: Christlicher Jugendring Deutschland (CJD). Wo ist Romi? (2023). Onlinespiel, kostenlos, verfügbar im Internet.
Stimmen für rechte Parteien wurden in den letzten Jahren lauter, besonders auch unter jungen Menschen. Daher ist es von großer Bedeutung, über die Szene der Neuen Rechten aufzuklären und sich gegen rechtsextreme Propaganda zu rüsten. Das frei zugängliche Onlinespiel des Christlichen Jugendrings Deutschland (CJD) mit dem Titel Wo ist Romi? hat sich dieser Aufgabe angenommen. Die Erstellung wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von der Sozialbehörde Hamburg. Außerdem ist das Spiel Teil des Bundesprogramms Demokratie leben!. Es wurde für die Arbeit mit Jugendlichen ab der 8. Klasse konzipiert.
Für ein aufmerksames Bearbeiten der Aufgaben des Online-Spiels werden ungefähr 45 Minuten benötigt. Zusätzlich wird auf der Website kostenloses Begleitmaterial für medienpädagogische Fachkräfte zum Download zur Verfügung gestellt, welches sich aus tiefer gehenden Informationen, Entwürfen für Hausaufgaben und einem Glossar zusammensetzt.
Das Spiel basiert auf Erkenntnissen aus der Wissenschaft, dem Journalismus und von Beratungs- und Bildungsstellen. Die Charaktere und Handlungen sind frei erfunden. Besonders gefährlich macht die Neue Rechte, dass ihre Mitglieder gut digital vernetzt sind und menschenverachtende Inhalte und Ziele häufig nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, sondern viel mit Codes gearbeitet wird. Das Spiel gibt unter anderem Aufschluss darüber, warum Menschen sich der Szene anschließen. Spieler*innen lernen durch praktische Tipps, was sie tun können, wenn jemand in die rechte Szene gerät.
In einer Freundesgruppe von fünf Personen rutscht Romi in die rechtsextreme Szene ab. Nachdem sie besorgniserregende Videos in den Gruppenchat schickt, beginnen Lisa, Mo, Kim und Fred herauszufinden, wie sie Romi helfen können. Als Spieler*in hat man die detektivische Mission, die vier Freund*innen auf der Suche nach Lösungswegen zu begleiten. Die Aufgaben teilen sich in vier Bereiche ein: den Chat mit Romi durchzugehen, Informationen über die Neue Rechte Szene zu sammeln, Romis Social-Media-Aktivitäten zu checken und mit Expert*innen zu sprechen.
Im Spiel wird klar abgegrenzt, welche Inhalte real und welche nur fiktiv sind. Danach wird man durch den Onlinechat der Gruppe in die aktuelle Situation eingeführt. Anschließend wird beim Durchgehen des Chats mit Romi vermittelt, welche Aussagen auf rechtes Gedankengut hinweisen. Danach folgt das Sammeln von Informationen über die Neue Rechte, was im Rahmen eines YouTube-Videos stattfindet. Daran schließt sich der Social Media Check an, bei welchem man aktiv werden darf und Romis Profil und das ihrer Freund*innen unter die Lupe nimmt. Ein besonderer Fokus liegt darauf, woran man rechte Inhalte auf Profilen, in Bildern, Captions oder Kommentaren erkennen kann. Im letzten Abschnitt wird ein Chat mit einer Expertin eröffnet, welcher man (vorgegebene) Fragen stellen darf. Nachdem eine Aufgabe erledigt wurde, folgt ein Fazit, welches die wichtigsten Informationen kurz und knapp zusammenfasst. Die Reihenfolge der Aufgaben ist frei wählbar, auch können sie beliebig oft durchgespielt werden.
Das Spiel hat Potenzial zur Aneignung von neuem Wissen, welches nicht nur im Kurzzeitgedächtnis bleibt. Das wird durch die hohe Interaktivität ermöglicht, indem man sich detektivisch Informationen erarbeitet. Außerdem umfasst jeder Abschnitt mehrere Aufgaben, wodurch eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglicht wird. Die Vermittlung von Informationen in kleinen Happen trägt dazu bei, dass Spieler*innen nicht vom Input überfordert werden, sondern Wissen sukzessiv aufnehmen können. Zudem punktet das Spiel durch die Auswahl einer Frau als Protagonistin, denn im Stereotyp einer rechtsextremen Person sind häufig Männer verankert. Das trägt dazu bei, dass Stereotype aufgebrochen werden.
Auch die Sprache des Spiels passt zur anvisierten Zielgruppe, sie ist weder zu simpel noch zu komplex. Da es außerdem im Format eines Smartphones designt wurde, stimmt es mit der gewohnten Nutzeroberfläche von jungen Menschen überein, es ist also leicht und intuitiv zu bedienen.
Allerdings ist das Spiel an manchen Stellen unflexibel, denn es fehlen Wahlmöglichkeiten. Zum Beispiel können nur vorgegebene Instagram-Profile untersucht oder lediglich eine bestimmte Auswahl an Fragen an die Expertin gestellt werden. Darüber hinaus gibt es aber mit Sicherheit weitere Anliegen, die Nutzer*innen bewegen. Trotz dessen verfügt das Spiel über einen inhaltlichen Tiefgang, welcher viele Fragen beantworten sollte. Auf redaktioneller Ebene wurde gute Arbeit geleistet, denn hinter den Inhalten scheint tiefgründige Recherche zu stecken. Zum Beispiel das YouTube-Video im Abschnitt zu Informationen über die Neue Rechte umfasst zentrale Informationen und wurde ansprechend für die Zielgruppe gestaltet: schneller Schnitt, fließende Übergänge und eine junge Moderatorin. Wünschenswert wäre jedoch, dass es eine Vorspul- sowie Rückspul-Funktion und Geschwindigkeitsanpassung gäbe, wodurch man das Video an das eigene Lerntempo anpassen könnte. Untertitel würden außerdem die Barrierefreiheit erhöhen.
Wo ist Romi? Ist ein gutes Beispiel dafür, wie die multimediale Aufbereitung von Inhalten zur Weiterbildung beitragen kann. An das Ziel des Spiels – Jugendliche gegen rechtsextreme Propaganda resilienter zu machen – wird sich bei aufmerksamem Spielen gut angenähert. Das weiterführende Begleitmaterial könnte zudem Grundlage für Schulstunden oder Workshops zu diesem Thema sein.
https://wo-ist-romi.d