merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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The Joy of Prompting
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ZIELGRUPPE Jugendliche und junge Erwachsene
ZIELE Das Projekt The Joy of Prompting1 wurde ins Leben gerufen, als KI die Schlagzeilen der Nachrichten prägte und die Jugendlichen im Umgang mit ChatGPT mindestens für die Hausaufgaben(-hilfe) vertraut waren. Das Projekt zielt darauf ab, junge Menschen zu befähigen, einen eigenen Standpunkt zur gesellschaftlichen Diskussion über KI zu entwickeln und gleichzeitig zu lernen, wie sie mit einer KI kommunizieren (prompten) können sowie eine Idee von möglichen (Un-)Fähigkeiten der KI-Anwendungen zu entwickeln. Angesichts der digitalen Bilderflut im Alltag der Jugendlichen geht es in dem Projekt auch darum, Jugendliche für Fragen nach der Aura eines Bildes (nach Walter Benjamin), der Reproduzierbarkeit eines Kunstwerks und des Urheberrechts zu sensibilisieren. Durch verschiedene digitale Methoden, Tools und KI-Programme wurden die Teilnehmenden selbst zu Akteur*innen: von Betrachtenden zu Medienhandelnde
Fragwürdige Gestalten, Fragwürdiges Gestalten
Wie Kinder zum Fragwürdig-werden-lassen von Technik einladen? Damit beschäftigte sich eine Entwurfsstudie, die zum Prototypen einer ‚fragwürdigen Gestalt‘ gelangte: In Form eines unscharf gestalteten Objekts fordert die fragwürdige Gestalt die Kinder auf, sich kniffligen Fragen der Technikentwicklung zu stellen – performativ, körperbasiert, als Interaktionspartner*in von Technik
Und gleich gehst Du live ...: Streaming, Twitch und Ansätze für die Medienpädagogik
In der Medienpräferenz junger Menschen sind Streamingdienste weiterhin hoch im Kurs. Das gilt auch für das Livestreaming, allen voran die Plattform Twitch. Twitch ist aber nicht nur eine beliebte Plattform, sondern auch ein Markt für Unternehmen und Streamende, die auch als Social Influencer*innen aktiv sind und plattformübergreifend agieren. Wie können medienpädagogische Interventionen dazu aussehen
It\u27s Okay!
In diesem Jahr liefen in der Sektion Generation deutlich weniger Filme als noch im Vorjahr. Jedoch war das GENERATION-Programm mit jeweils 17 Lang- und 17 Kurzfilmen vielfältig und ermöglichte spannende Exkursionen in die unterschiedlichsten Länder. Zu sehen waren Produktionen unter anderem aus Peru, Kanada, Madagaskar, Iran, den Philippinen, China, Südkorea und Deutschland. Neben teils schwächeren Beiträgen gab es auch ein paar Highlights, die das Niveau der diesjährigen BERLINALE insgesamt durchaus heben konnten. Beispielsweise der Debütfilm der südkoreanischen Regisseurin Kim Hye-young.
In starken Bildern und mit einem überzeugenden Cast erzählt It’s Okay! von der Schülerin In-young, die in der Seoul International Arts Company tanzt. Das Ensemble ist eine Elitetruppe des Landes und nur, wer den höchsten Ansprüchen der Trainer*innen gerecht wird, bleibt dabei. Zeitgleich mit einer Tanzaufführung verunglückt In-youngs alleinerziehende Mutter tödlich bei einem Verkehrsunfall. Mit dieser Exposition beginnt die Story um ein völlig verändertes Leben. In-young schafft es eine Weile, den Mitarbeiter*innen des Jugendamts aus dem Weg zu gehen und sich mit Verkäufen von Haushaltsgegenständen über Wasser zu halten. Als sie aber die Wohnung nicht mehr bezahlen kann, sucht sie im Gebäude der Tanzschule heimlich Unterschlupf. Dort wird sie ausgerechnet von der strengen Chefchoreographin Seol-ah entdeckt. Die anspruchsvolle und eigenwillige Künstlerin, die selbst einmal Star des Tanzensembles war, nimmt In-young widerwillig bei sich auf. Der Druck für die Choreographin und die jungen Tänzerinnen steigt, da eine Sonderaufführung zum 60-jährigen Jubiläum der Truppe bevorsteht. In-young wird indessen zur Zielscheibe ihrer Mitschüler*innen und erlebt Missgunst und Schikane. Die Zweckgemeinschaft des Mädchens mit ihrer Tanzleiterin stellt beide auf eine harte Probe. Allmählich profitieren sie aber von ihrer Unterschiedlichkeit und die gemeinsame Faszination für die Tanzkunst bringt ein unerwartetes Miteinander ins Spiel. In-young findet Wege und Gelegenheiten, offener mit der Trauer um ihre Mutter umzugehen, Seol-ah lernt zögernd Abstand von der Härte und Disziplin zu finden, die sie von sich selbst und anderen fordert.
Geschichten über Jugendliche, die den Tod von Eltern bewältigen müssen oder über die Konkurrenz in Leistungssportgruppen gibt es viele. Dennoch sticht der Film durch ein fein austariertes Verhältnis von Tragik und Humor sowie überzeugende Schauspieler*innen hervor. Gleichzeitig gibt er interessante Einblicke in die koreanische Gesellschaft. Der Story kann man vielleicht vorwerfen, dass es Inyoung nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter eigentlich viel schwerer haben müsste und sie sich erstaunlich besonnen und beinahe fröhlich den Schwierigkeiten in ihrem Leben stellt. Doch genauer betrachtet ist die Inszenierung sehr konsequent: Die Hauptfigur wird als unglaublich stark charakterisiert, obwohl auch gezeigt wird, wie In-young hadert und immer wieder neu Kraft tanken muss. Das Mädchen tritt mit einer beneidenswert offenen und positiven Grundhaltung auf und hat einen ‚eisernen‘ Willen. Wie sonst könnte sie sich in der Elitekompanie der staatlichen Tanzschule behaupten und die Energie für die harten Proben und Trainingseinheiten aufbringen. Inyoung ist eine Identifikationsfigur, die auch Rückschläge erleidet, wenn sie beispielsweise in ihrem nächtlichen Versteck in der Tanzakademie entdeckt wird oder den Mobbingattacken der Mittänzerinnen ausgeliefert ist. Der Plot spielt dabei behutsam auch mit märchenhaften Momenten, die den Film besonders machen. Jede*r kann sich ein Beispiel an diesem fröhlichen und starken Mädchen nehmen. Die Intensität der Geschichte wird durch eine gradlinige Fokussierung auf wenige Hauptprotagonist*innen verstärkt. Neben In-young und Seol-ah sind dies die beiden einzigen Vertrauenspersonen des Mädchens: ihr gleichaltriger Schulfreund aus Kindertagen, Do-yoon, der ein großer Fan von In-young ist, aber auch den Neid der anderen Tänzerinnen auf In-young zieht. Und der junge Apotheker Dong-wook, der In-young immer wieder aufzuheitern vermag und in einem entscheidenden Moment ihrer Einsamkeit für sie Unterstützung holt. In einer Szene, als sich Dong-wook und die Tanzchoreographin Seol-ah begegnen, kann er Inyoungs innere Verfassung in wenigen Worten beschreiben: „Parting is quick for those who leave, but it never ends for the ones left behind.
Nicht nur die fulminanten Tanz- und Akrobatikszenen sorgen für spannende Unterhaltung, sondern auch die Achterbahnfahrten im Gefühlsleben der Hauptfiguren. Vor diesem Hintergrund begründete die Kinderjury der BERLINALE auch die Vergabe des Gläsernen Bären an It’s Okay! als besten Film in der Kategorie Kplus.
Markus Achatz ist Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge, Leiter des Bereichs Bildung im Deutschen Jugendherbergswerk Landesverband Bayern und nebenbei als freier Journalist, Filmrezensent, Musiker und DJ aktiv.
It’s Okay
Südkorea 2023, 102 min, Regie: Kim Hye-young, Buch: Kim Hye-Young und Cho Hong-jun, Darstellende: Lee Re (In-young), Jin Seo-yeon (Seol-ah), Chung Su-bin (Na-ri), Son Suk-ku (Dong-wook), Lee Jung-ha (Do-yoon
Adeoso, Marie-Sophie; Berendsen, Eva; Fischer, Leo & Schnabel, Deborah (Hrsg.) (2024). Code und Vorurteil. Über Künstliche Intelligenz, Rassismus und Antisemitismus. Berlin: Verbrecher Verlag. 200 S., 20,00 €.
Adeoso, Marie-Sophie; Berendsen, Eva; Fischer, Leo & Schnabel, Deborah (Hrsg.) (2024). Code und Vorurteil. Über Künstliche Intelligenz, Rassismus und Antisemitismus. Berlin: Verbrecher Verlag. 200 S., 20,00 €.
Kann Künstliche Intelligenz die Demokratie und die Vielfalt der Gesellschaft gefährden? Wie trägt KI zu Diskriminierung und gesellschaftlichem Ausschluss bei? Mit diesen und vielen weiteren Fragen setzen sich die Autor*innen des vierten Bands der Edition Bildungsstätte Anne Frank in ihrem Buch Code und Vorurteil auseinander. Dies erfolgt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – zum Beispiel aus der Psychologie, der Kommunikationswissenschaft, der Kunst und der Informatik. In der Einleitung werden zum einen die Chancen erwähnt, wie KI zu einer gerechteren Gesellschaft beitragen kann. Zum anderen wird auch die Möglichkeit benannt, dass mit KI gesellschaftliche Ungleichheiten fortgeschrieben werden können. Somit verdeutlichen die Autor*innen von Beginn an die Vielschichtigkeit der Entwicklungen.
Im ersten Teil des Buches wird die Funktionsweise von KI-Systemen erläutert, was besonders für diejenigen, die sich zuvor nicht ausführlich mit dem Thema beschäftigt haben, den Einstieg erleichtert. Es werden die Unterschiede zwischen regelbasierten und lernenden Algorithmen sowie die Funktionsweisen von Automated Decision Making (ADM)-Systemen erklärt. Durch konkrete Fallbeispiele wird der Inhalt verständlich und zugänglich. Es wird deutlich gemacht, dass unbewusste Vorurteile, strukturelle Ungleichheit und Diskriminierung, die in der Gesellschaft verbreitet sind, sich auch in ADM-Systemen wiederfinden, da diese von Menschen ‚gefüttert‘ werden.
Im weiteren Verlauf werden die Gefahren des interaktiven Webs behandelt und es wird über Veränderungen durch Online-Umgebungen aufgeklärt. Zudem wird erklärt, was Large Language KI Models sind und warum KI antisemitische Hassrede nicht einordnen kann. Den Leser*innen werden auch Möglichkeiten zur Eingrenzung antisemitischer Hassrede im Netz aufgezeigt. Jedoch wird betont, dass Künstliche Intelligenz nicht aktiv gegen Rassismus vorgehen, sondern ihn lediglich durch Löschen und Kennzeichnen weniger sichtbar machen kann. Auch die Themen Augmented Reality Filter und Bildgeneration durch Künstliche Intelligenz werden besprochen. Es wird aufgezeigt, dass bei der Bildgenerierung der Hautton von Benutzer*innen verändert wird und Inhalte von Frauen automatisch in einer sexualisierten Weise wiedergegeben werden. Darüber hinaus tragen AR-Filter zur Reproduktion von Diskriminierung bei, indem stereotype Schönheitsideale durch ihre Verwendung verstärkt in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden. Es werden außerdem prädikative Algorithmen und algorithmische Prädiktionen behandelt und deren Auswirkungen erläutert. Anschließend wird die Rolle Künstlicher Intelligenz im Kontext ökonomischer Strukturen näher betrachtet.
Im zweiten Teil erfolgt eine umfassende Auseinandersetzung mit KI im Metaverse und wie sie dort die Demokratie gefährden kann. Anschließend wird der Missbrauch von KI durch Rechtsextremist*innen behandelt, die Propaganda und Desinformationen in den Algorithmus einpflegen. Es wird sich auch mit der Frage befasst, ob KI Verschwörungstheorien und Desinformation verstärkt und wie man mit Hilfe von KI Desinformation identifizieren kann.
Spannend ist das Kapitel Die Dividende der Lüge, das von einer KI generiert wurde, was aber erst ganz am Ende aufgelöst wird. Effekt dessen könnte sein, dass Rezipierende nach der Auflösung vermehrt Texte bezüglich ihrer ‚Echtheit‘ hinterfragen. Diese raffiniert gestaltete Passage wird mit gesellschaftskritischen Fragen abgerundet.
Im darauffolgenden Kapitel wird verstärkt auf die Rolle von KI im Kontext historischer Aufarbeitung eingegangen. Durch die Fähigkeit der KI, Videos sprechender Personen nur auf Basis von Bildern und Texten zu generieren, eröffnet sich die Möglichkeit, einen immersiven Zugang zur Geschichte zu erhalten. Problematisch wird dies laut Deborah Schnabel, Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank, bei „Rezipient*innen mit wenig Vorwissen und geringer Medienkompetenz, die diesen Videos in informellen Settings wie den sozialen Medien begegnen“ (S. 150).
Im dritten Teil der Publikation wird in einem Interview mit Filmemacherin und Autorin Hito Steyerl inhaltlich vertieft, dass gesellschaftliche Haltungen sich immer auch in der Künstlichen Intelligenz widerspiegeln. Demnach kann eine einfache Zensur von Vorurteilen nicht die Lösung sein. Stattdessen muss sich die Gesellschaft von Grund auf gegen Vorurteile immunisieren.
Im Kapitel Utopien für Milliardäre wird das Konzept des Effective Altruism erklärt. Hierbei handelt es sich um die Überzeugung, dass das Glück einer großen Anzahl potenzieller Menschen in der Zukunft das Unglück der gegenwärtigen realen Menschheit wert sei. Die Tech-Milliardär*innen, die in dieses Projekt investieren, erhoffen sich davon digitale Unsterblichkeit sowie KI-gestützten Wohlstand.
Zum Abschluss erfolgt in neun Thesen eine Zusammenfassung und es wird auf bestimmte Schwerpunkte noch einmal näher eingegangen. Dabei wird unter anderem der Schluss gezogen, dass KI zwar das Potenzial für eine bessere Zukunft biete, jedoch durch Kapitalismus und Ungleichheit geprägt sei. Es wird dafür plädiert, den humanistischen Anspruch an KI für alle zu stellen, auch wenn technische Aspekte eher den Tech-Expert*innen vorbehalten seien.
Code und Vorurteil spricht Leser*innen unabhängig von ihrem Vorwissen zum Thema KI an. Durch klare Erklärungen der Funktionsweisen und die Veranschaulichung zahlreicher Beispiele im Alltagskontext vermittelt es ein umfangreiches Wissen und ist eine Empfehlung für alle, die ihr Verständnis von Künstlicher Intelligenz vertiefen und den humanistischen Anspruch daran für alle geltend machen wollen
Macht. Unterbrechungen.
Zwischen den Jahren: Die Weihnachtsfeiertage sind vergangen, das neue Jahr hat noch nicht begonnen. Durchatmen. Es scheint so, als sei der übliche Lauf der Dinge unterbrochen. Alles ist anders. Doch selbst in dieser Zeit bleibt: Ich hänge an meinem Handy, scrolle durch Instagram oder warte ungeduldig darauf, nach drei Sekunden die Werbung auf YouTube überspringen zu können. Und noch immer weiß ich nicht, wohin meine Daten gehen und wer mit ihnen Geschäfte macht. Es wäre möglich, vieles anders zu machen, noch mehr zu wissen, mein Handeln öfter zu reflektieren und meiner kritischen Haltung konkrete Taten folgen zu lassen – kurzum, medienkompetent zu handeln. Anstrengend! Mehr wissen und öfter reflektieren: Das bekomme ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Institut für Medienpädagogik noch gut hin – mein Daily Business, sozusagen. Aber wirklich etwas anders zu machen, widerständig zu handeln – das scheint mir unmöglich oder zumindest zu anstrengend. Digitale Medien sind omnipräsent, durchdringen sämtliche Lebensbereiche. Und selbst zwischen den Jahren wird durch sie der übliche Lauf der Dinge spürbar: die Macht des Kapitalismus, die ständige Optimierung und Selbstdisziplinierung. Was also tun? „Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand“, schrieb Michel Foucault. Widerstand – ein großes Wort. Was bedeutet das?
Sich digitalen Medien zu verweigern? Zivilgesellschaftlich für eine bessere Netzpolitik einzutreten? Auch das scheint mir unmöglich oder zumindest zu anstrengend. Es gibt „im Verhältnis zur Macht nicht den einen Ort der Großen Weigerung“, sondern „einzelne Widerstände: mögliche, notwendige, unwahrscheinliche, spontane, wilde, einsame, abgestimmte, kriecherische, gewalttätige, unversöhnliche, kompromissbereite, interessierte oder opferbereite Widerstände“.1 Mit Blick auf die alltägliche Allgegenwart spricht mich die Idee des unwahrscheinlichen, spontanen und wilden Widerstands besonders an. Es könnten störende Unterbrechungen sein. Nicht ästhetisiert als Digital-Detox-Maßnahme, nicht ritualisiert wie das Durchatmen zwischen den Jahren, und auch nicht selbstoptimierend, vernünftig oder gesund. Nein. Störende Unterbrechungen, wann immer ich es will, ohne Ankündigung, ohne Routine, ohne Anspruch an Ästhetik oder Selbstdisziplin. Mir gefällt die Idee, dass medienkompetentes Handeln auch wild sein kann. Es bedeutet nicht nur, etwas besser bedienen zu können, einen Algorithmus zu durchschauen oder kreative Umgangsweisen mit den verfügbaren Handlungsmöglichkeiten zu finden. Medienkompetenz heißt vielleicht auch, und das könnte immer wichtiger werden, störende Unterbrechungen zu schaffen. Wild
#72 - Jugend, Medien, Krieg und Frieden Folge 1: Fachredaktionstalk
Die Zunahme von Kriegen, Krisen und Konflikten erreicht uns meist direkt über digitale Medien. Die Inhalte beeinflussen die öffentliche Verhandlung der Geschehnisse oft in einer Weise, die eher Polarisierung fördert als eine kritische Meinungsbildung. Eine demokratische Auseinandersetzung mit Kriegen, Krisen und Konflikten wird erschwert. Statt dazu beizutragen, das Gegenüber zu verstehen, Emotionen der Gegenseite anzuerkennen, die eigene Position kritisch zu prüfen und sich für Handlungsoptionen auf Basis eines demokratischen Abwägungsprozess entscheiden zu können, begünstigen viele digitale Inhalte Feindbildkonstruktionen und Schwarz-Weiß-Denken.Gleichzeitig können sich gerade marginalisierte Gruppen über digitale Medien eine Öffentlichkeit schaffen. Diese Möglichkeit nutzen auch junge Menschen in den Krisen- und Kriegsgebieten, wenn sie ihren Alltag zeigen und damit die menschlichen Auswirkungen militärischer Auseinandersetzungen anschaulich machen.
Mit dieser Podcast Folge sollen vielfältige Denkanstöße gegeben und Impulse für eine strategische Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen in der medienpädagogischen Bildungsarbeit gesetzt werden. Es diskutieren Kathrin Demmler, Dr. Georg Materna und Selma Maglic vom JFF - Institut für Medienpädagogik und Dr. Ida Pöttinger von der International Association for Media Education IAME.
Hier geht\u27s zur neuen Ausgabe 24/4 Jugend, Medien, Krieg und Frieden
#70 – Medienpädagogik und KI Teil 3: Eva Berendsen von der Bildungsstätte Anne Frank über KI als Chance und Gefahr für die Demokratie
Ist KI mehr Gefahr oder mehr Chance für die Demokratie? Wie nutzen Demokratiefeinde KI und wie kann man mit KI dagegen vorgehen? Und wie sieht es mit Teilhabe aus? Eva Berendsen ist Leiterin des Bereichs Kommunikation / politische Bildung im Netz bei der Bildungsstätte Anne Frank und teilt ihr Wissen mit uns.
TikTok Report der BSAF
Buch Code und Vorurtei
Medienkompetenz und Spielkompetenz für die ‚Generation lebensunfähig‘
Der Generationenforscher Rüdiger Maas hat der jungen Generation das alarmierende Label „lebensunfähig“ attestiert – teilweise von „Helikopter-“ und „Curlingeltern“ überbehütet, mit digitalen Geräten aufgewachsen und unterhalten und vor Frustration und Langeweile geschützt (Maas, 2021; 2023). Das aktuelle Buch des Psychologen Jonathan Haidt (2024) trägt den Titel ‚Generation Angst. Wie wir unsere Kinder an die virtuelle Welt verlieren und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen‘. Wo lernen junge Menschen den kompetenten und achtsamen Umgang mit Medien? Wo lernen sie spielen und kreativ sein? Wie lernen sie, sich selbst zu spüren und mit negativen Gefühlen umzugehen, wie Langeweile und Frustration aus eigener Kraft auszuhalten und zu überwinden? Im Beitrag werden pädagogische Konzepte und Handlungsmöglichkeiten diskutiert, die sich für herausgeforderte Generationen eröffnen
Gestreamt, gelikt, flüchtig – schöne neue Kulturwelt? Digitalisierung und Kultur im Licht der Technikfolgenabschätzung: Ehrensperger, Elisabeth, Behringer, Jeanette, Decker, Michael, Droste-Franke, Bert, Heyen, Nils B., Sotoudeh, Mahshid & Weimert, Birgit (2024). Gestreamt, gelikt, flüchtig – schöne neue Kulturwelt? Digitalisierung und Kultur im Licht der Technikfolgenabschätzung. Baden-Baden: Nomos. 434 S., 59 €.
Welche Folgen hat Digitalisierung auf unsere Kultur? Der Wechsel in die virtuelle Welt wirft vielfältige Fragen für Gesellschaft, Demokratie und Staat auf, und stellt ganz grundlegend die Frage nach den Aneignungsweisen von Welt. Doch schafft der digitale Wandel tatsächlich völlig neue Produkte? Der Band greift diese Frage nach dem Neuen und seiner Anlegung im Alten auf. Er schließt an die Tagung des Netzwerks Technikfolgenabschätzung (NTA) an, die vom 14. bis 16. November 2022 in Bern stattfand. Auf der Tagung stand die Reflexion über die Auswirkungen von Digitalisierung auf Kultur im Fokus. Kultur ist dabei als Sammelbegriff zu verstehen, der sowohl Orte, Akteur*innen, kulturelle Formate und Ausdrucksformen als auch Vermittlungsinstanzen umfasst. Der Titel verknüpft die komplexen sozialen Phänomene Digitalisierung und Kultur und lotet deren Zusammenspiel aus. Die zahlreichen Beiträge werfen ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Folgen der Digitalisierung, insbesondere auf die Produktion und Vermarktung künstlerischen Schaffens, aber auch auf die Netzkultur im Allgemeinen. Die inhaltlichen Schwerpunkte greifen dabei jeweils einen spezifischen Aspekt der Digitalisierung auf und tragen so zur Gesamtdiskussion über ihre Auswirkungen auf Kunst, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft bei. Die Bereiche bewegen sich dabei um gesellschaftliche Transformation, Teilhabe, ökonomische Aspekte, Entscheidungsmacht und Kontrolle durch Algorithmen sowie Digitalisierung und Verantwortung. Die Beiträge sind somit als Bausteine für eine transdisziplinäre Auseinandersetzung mit Technikfolgen für Kultur zu verstehen. Die Publikation liefert damit einen breiten Überblick und ist insgesamt für Kulturschaffende zu empfehlen, die Interesse an einer Auseinandersetzung mit Digitalisierungsfolgen haben