merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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    Eine moderne medienpädagogische Fachzeitschrift ist unverzichtbar: Ein Gespräch mit den beiden merz-Herausgeberinnen

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    Seit Mai 2025 ist Susanne Eggert gemeinsam mit Kathrin Demmler Herausgeberin der merz. Im Interview sprechen sie darüber, wie sie gerne ihre merz lesen, wie sie die Zeitschrift in Zukunft prägen und ihre gemeinsame Arbeit gestalten wollen

    Zwischen Aufklärung und Verantwortung: Ein Podcast über digitalen Kinderschutz

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    SOSDigital (2025). Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum. Podcast. Verfügbar auf gängigen Podcast-Plattformen, kostenfrei. Der Podcast Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum schafft eine sachliche und fundierte Gesprächsplattform, die Orientierung bietet. Produziert wird er im Rahmen des Projekts SOSDigital, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Träger ist der Kinderschutzverein Innocence in Danger e. V. Moderiert wird der Podcast von Julia von Weiler, Psychologin und Geschäftsführerin von Innocence in Danger. In jeder Folge spricht sie mit Expert*innen aus Wissenschaft, Praxis, Strafverfolgung und Kinderschutz. Im Zentrum steht dabei stets die Frage: Was können pädagogische Fachkräfte konkret aus Forschung und Erfahrung lernen, um Kinder und Jugendliche besser zu begleiten und zu schützen? Thematisch deckt der Podcast eine breite Palette ab – von Täter*innenstrategien auf Social-Media-Plattformen über Schutzkonzepte in Schule und Jugendhilfe, rechtlichen Hürden bei der Strafverfolgung bis hin zu medienpädagogischen Präventionsansätzen. Auch digitale Phänomene wie Cybergrooming, der Einsatz von KI im Kinderschutz oder traumasensible Kommunikation mit Betroffenen werden differenziert aufgearbeitet. Die Folgen erscheinen in unregelmäßigen Abständen und zeichnen sich durch einen hohen fachlichen Anspruch, klare Sprache und einen verantwortungsvollen Zugang zu sensiblen Kinderschutzthemen aus. Julia von Weiler gelingt es, komplexe Themen verständlich und zugänglich zu machen, ohne an Tiefe zu verlieren. Besonders hervorzuheben ist der reflektierte Umgang mit Sprache, Bildern und Begriffen. Kontinuierlich wird hinterfragt, wie über digitale Gewalt und Schutz gesprochen werden kann, ohne zu verharmlosen – und ohne zu schockieren. Damit ist der Podcast nicht nur ein fundiertes Informationsangebot, sondern auch ein Beispiel verantwortungsvoller Kommunikationsethik im Kinderschutz. Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum richtet sich an Fachkräfte in Bildung, Sozialarbeit und Medienpädagogik ebenso wie an Eltern, politische Entscheidungsträger*innen und andere Interessierte. Der Podcast gibt keine einfachen Antworten – aber eröffnet differenzierte Perspektiven. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Kinderschutzes im digitalen Raum: verantwortungsvoll, klug und praxisnah. https://sosdigital.info/podcast

    Bildung des Narrativen: Transdiziplinäre Perspektiven auf intermediales Erzählen [in] der Postdigitalität

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    Kramer, Michaela, Riettiens, Lilli, Schütze, Konstanz & Vollmert, Christina (Hrsg.). Bildung des Narrativen. Transdisziplinäre Perspektiven auf intermediales Erzählen [in] der Postdigitalität. kopaed. 433 S., 24,80 €. Erzählungen bilden die Grundlage dafür, wie Menschen die Wirklichkeit gemeinsam konstruieren, erfahren und Möglichkeiten der Weltgestaltung wahrnehmen. Der Sammelband Bildung des Narrativen. Transdisziplinäre Perspektiven auf intermediales Erzählen [in] der Postdigitalität widmet sich diesen kleinen und großen Narrativen in ihrer Verflechtung mit digitalen Medien. Die Beiträge stammen aus künstlerischer und pädagogischer Praxis sowie aus Disziplinen wie der Erziehungs-, Kunst-, Medien- und Politikwissenschaft und ermöglichen eine transdiziplinäre Perspektive auf Narrative und ihre „Vielschichtigkeit“ (S. 15). Auch die Herausgeberinnen vereinen unterschiedliche wissenschaftliche Hintergründe. Die im Titel adressierte Bildung des Narrativen verstehen sie bewusst doppeldeutig: Einerseits als Entwicklung von Erzählungen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft prägen, andererseits in bildungstheoretischer Tradition im Sinne der Aushandlung von „Selbst- und Weltverhältnissen“ (S. 13) mit und in Narrativen. In der Einleitung betonen die Herausgeberinnen eine machtkritische Perspektive auf Narrative im Anschluss an postkoloniale und queerfeministische Theorien. Die zentralen Fragen des Bandes beziehen sich darauf, wie sich Narrative im Kontext der Postdigitalität wandeln, welche Geschichten in, über und durch Medien erzählt werden, welche Ziele Narrative verfolgen und welche Machtpositionen entscheiden, wer welche Geschichten erzählen kann (S. 11).  In acht Kapiteln widmen sich verschiedene Autor*innen unterschiedlichen Aspekten der Bildung des Narrativen. Die ersten drei Kapitel eröffnen mit Perspektiven auf Narrationen in ihrem Verhältnis zu gesellschaftlichen Transformationen, Selbsterzählungen sowie in der Konstruktion von Normalität und damit auch auf ihre Relevanz in gesellschaftlichen Prozessen. Aus den versammelten Beiträgen geht hervor, dass Machtpositionen in Narrativen ausgehandelt und reproduziert werden, aber auch, dass digitale Räume das Potenzial bergen, tradierte Narrative zu dekonstruieren und neue Normalitäten zu schaffen. Dabei wird deutlich, dass auch das ‚Selbst‘ nie ohne die ‚Anderen‘ und die gesellschaftlichen Strukturen, in denen es entsteht, erzählt werden kann. Aufbauend auf diesen einführenden Kapiteln untersuchen die nächsten beiden Kapitel Erzählungen (aus und) über Vergangenheit und Zukunft sowie deren narrativ-mediale Gestaltung. Besonders im Fokus stehen mediale Erzähltechniken und ihr historischer Wandel. Mit dem Aufkommen Künstlicher Intelligenz wird sichtbar, wie Zukunftsnarrative menschliche Agency und historisch gewachsene Machtverhältnisse verhandeln.  Die folgenden beiden Kapitel ermöglichen Einblicke in die audio-visuellen Dimensionen des Narrativen, die speziell in Social Media und mit KI zusehends an Bedeutung gewinnen und Ausdrucksformen und Verhandlungen menschlicher Kreativität erweitern. Dabei prägen sich Ästhetiken, Objekte, Klänge und Narrative wechselseitig. Im abschließenden Kapitel Reflections reflektieren Beiträge den Band selbst: den Begriff des Narrativen, persönliche Narrative und Workshops zu Narrativen. Hervorzuheben ist die Reflexion von Heudorfer über die Aufnahme studentischer Beiträge in den Sammelband, die den wissenschaftlichen Diskurs um Narrative aus ihrer Forschungspraxis erweitert. Das Erforschen und Reflektieren von Narrativen, Erzählungen und Geschichten stellt ein Kernelement human- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen dar. Die Herausgeberinnen schaffen es, über eine transdiziplinäre Perspektive Narrative in ihrer wissenschaftlich-disziplinären, medialen und menschlichen Verwobenheit darzustellen und innovative Ansätze der Erforschung von Narrativen zu versammeln. Dies zeigt sich auch an verschiedenen im Band vertretenen Vorschlägen für neue Forschungs- und Praxisansätze, wie der Global Care Education von Leeker & Schütze, den Internet Aestetics von Heuser & Vollmert oder dem methodologischen Vorschlag zur Analyse narrativer Transmedialität von Nieser. Auch die machtkritische Perspektive stellt eine Stärke des Bandes dar, die im Kontext der Postdigitalität und sich stetig wandelnder Erzählungen und Urheber*innenschaft(en) verdeutlicht, dass Narrative nicht losgelöst von ihren Entstehungs- und Transformationskontexten sowie Produzent*innen betrachtet werden können.  Die Breite der Perspektiven auf Narrative zieht jedoch in Teilen des Bandes eine Unschärfe mit sich: Es fehlt ein abschließender Beitrag, der die verschiedenen Stränge des Bandes in Bezug auf die leitenden Fragestellungen einordnet. Zudem werden zu Beginn eines jeden Kapitels weitere Fragen aufgeworfen, welche die thematischen Schwerpunkte der Kapitel widerspiegeln, aber von den Lesenden neben den übergreifenden Fragestellungen des Bandes ein hohes Maß an Anschlussfähigkeit fordern. Der Sammelband ermöglicht interessierten Forschenden eine differenzierte Perspektive auf Narrative und bietet Ansätze ihrer Erforschung im Kontext der Postdigitalität an. Gleichzeitig rufen die Beiträge auch zur Teilhabe und Demokratisierung der Bildung des Narrativen auf und bieten damit verschiedene Ansatzpunkte für die medienpädagogische, politisch-bildende und künstlerische Praxis.

    Lasst mir mein Handy!

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    Ich weiß, Digital Detox ist das Gebot der Stunde, aber für mich ist es ehrlich gesagt ein Albtraum. Meine Morgenroutine? Ein doppelter Espresso, schwarz, und dazu herrliche 10 (bis 20) Minuten Instagram oder YouTube. Ja, ich weiß, ein pflanzenmilchbasierter Matcha Latte in Kombination mit 10 (bis 20) Minuten Yoga und/oder Meditation wäre wesentlich vorzeigbarer. Aber für mich gehören Smartphones zu den lustigsten, schlauesten und wahnsinnigsten Dingen, die wir Menschen so hervorgebracht haben. Warum sollte ich sie also freiwillig aus meinem Leben verbannen? Immer mal wieder denke ich trotzdem, angeregt durch Missionar*innen des Digital Detox in meinem näheren Umfeld, dass ich es mal wieder probiere, mich voll und ganz dem Leben um mich herum zu widmen, ohne mich dabei von einem Screen ablenken zu lassen. Aber das ist in erster Linie: langweilig. Warum aus dem Fenster vom 62er-Bus gucken, wenn ich stattdessen auch Videos vom Roten Teppich in Cannes, Snippets aus meinen Lieblingsserien, Kochvideos, Cityguides aus Paris oder London, Cartoons aus dem New Yorker oder Nachrichten sehen kann? Oder, na klar, auch lustige Tiervideos – zum Beispiel von einem Babypanda, der sich um einen Zeigefinger krallt – ich meine, ein Babypanda? Das kann mir die Elsenheimer Straße einfach nicht bieten. Warum den – ehrlicherweise – oft unspannenden bis nervigen Gesprächen anderer Leute in der Öffentlichkeit zuhören, wenn ich stattdessen auch Podcasts über die neuesten Kinofilme, Interviews mit Michelle Obama oder Aktuelles aus den Kaulitz Hills hören und dabei Tränen lachen kann? Ich meine, Leute! Interessiert ihr euch denn für gar nichts? Noch absurder wird das Ganze für mich im Urlaub – wer Urlaub mit Kindern kennt, weiß: Eskapismus lautet das Gebot der Stunde! Für mich ist das Zusammensein mit drei anderen Menschen – und das 24/7 – eine ziemliche Herausforderung. Und wenn ich mit Noise-Cancelling-Kopfhörern auf einen Screen gucke, habe ich zumindest kurz das Gefühl, erstens allein und zweitens woanders zu sein. Das heißt, bei jedem Urlaub reisen auch Filme, eine Serie und/oder ein tolles YouTube-Format mit (I mean – Actors on Actors von Variety oder die Criterion Closet Picks – welche Familienunterhaltung kann das bitte toppen?). Aber keine Sorge, nach so einer kleinen „Pause“ bin ich auch schon wieder dabei, in einem aufblasbaren Donut mit meinen Kindern um die Wette zu schwimmen oder für meinen Partner und mich einen Spritz an der Strandbar zu bestellen. Für mich schließt sich das einfach nicht aus, am Screen und präsent in meinem Leben zu sein.  Falls sich jetzt immer noch jemand sorgt, ja, auch ich sehe einen Sinn darin, dass die tägliche Bildschirmzeit nicht explodiert. Noch habe ich alles im Griff, denn meine Abendroutine sind: eine Magnesiumtablette und ein Buch

    Bytes und Geist: Ein Podcast zum Menschsein in der digitalen Gesellschaft

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    Bytes und Geist (2025). Bytes und Geist. Podcast, kostenlos, diverse Plattformen. Durch das Aufkommen immer neuer Technologien haben sich Kommunikationsformen, Bildungs- und Berufsmöglichkeiten sowie Werte und Normen stark verändert. Diese gesellschaftlichen Transformationen wirken sich auch auf den Menschen und dessen Selbstverständnis aus, und fordern neue medienethische Überlegungen. Was bedeutet heute Menschsein in einer digitalen Gesellschaft?  Dieser zentralen Frage gehen Christina Costanza, Studienleiterin für theologische Fortbildung, und Constantin Plaul, Theologieprofessor in Regensburg, im Podcast Bytes & Geist nach. Es geht um einen Dialog zwischen christlicher und humanistischer Medienethik, im Zuge dessen das Menschsein und die Digitalität miteinander in Verbindung gesetzt werden. In bislang sechs Podcast-Folgen begrüßen die beiden Hosts Expert*innen aus der Theologie, Philosophie und Medienwissenschaft, mit denen sie über die verantwortliche Gestaltung des Menschenseins in einer digitalen Gesellschaft diskutieren. Themenschwerpunkte der rund 45- bis 60-minütigen Episoden sind Verantwortung, Freiheit und Autonomie, digitaler Humanismus, Wissenschaftskommunikation, Künstliche Intelligenz und Posthumanismus.  Unter anderem postulieren Prof. Dr. Christian Schicha und Prof. Dr. Florian Höhne der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, dass sowohl Journalist*innen und Nutzer*innen als auch Online-Plattformen eine (Mit-)Verantwortung in der digitalen Medienwelt tragen (Folge 1). Aufgrund technischer Fortschritte können heute auch Nutzer*innen Inhalte produzieren. Plattformbetreiber wie Meta hingegen werden nicht politisch kontrolliert, sind nicht legitimationspflichtig und bieten damit Raum für zum Beispiel Desinformation. Prof. Dr. Toni Loh (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) erklärt, dass Begriffe wie Verantwortung, Menschenwürde und Freiheit in einer medial geprägten Welt neu gedacht werden müssen (Folge 6). Die Grenzen zwischen Maschine und Mensch verschwimmen zunehmend, der Mensch steht nicht mehr isoliert im Mittelpunkt des Diskurses. Positiv hervorzuheben ist die Wahl verschiedener Expert*innen, durch die diverse Perspektiven eingebracht werden. Auch wenn die Inhalte teils sehr komplex sind und ein genaues Hinhören voraussetzen, bieten sie wertvolle Impulse, die das eigene Verständnis und die Sichtweise auf das Menschsein erweitern können. https://open.spotify.com/episode/1PQcJJlI0Xwi0qhUcZuyz

    Keine.Erinnerungskultur: ,Alles, was du in der Schule garantiert nicht über Nazi-Verbrechen lernst.\u27

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    Siegert, Susanne. (2024). keine.erinnerungskultur. Kanäle auf Instagram und TikTok, kostenfrei. Die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus bleibt eine der zentralen Aufgaben der Bildungsarbeit. Doch wie lässt sich dieses Wissen für eine junge Generation zugänglich machen, die zunehmend durch digitale Medien geprägt ist? Hier setzen Susanne Siegerts Social-Media-Kanäle mit dem Titel keine.erinnerungskultur an. Sie nutzt die Plattformen Insta­gram und TikTok mit dem Ziel, Wissenslücken zu schließen und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zeitgemäß anzustoßen. Siegerts Arbeit verbindet fundierte Recherchearbeit mit einer niedrigschwelligen, zeitgemäßen Darstellungsweise. Ihre kurzen, prägnanten Videos behandeln zentrale Themen der NS-Zeit und machen die Geschichte auf anschauliche Weise greifbar. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung des Alltags in Konzentrationslagern. Anhand historischer Dokumente zeigt sie, wie Menschen unter den grausamen Bedingungen der Lager lebten, litten und starben, und übersetzt so abstrakte Zahlen in menschliche Schicksale. Darüber hinaus beleuchtet sie Aufstände und Akte des Widerstands und klärt über Mythen und Fehlinformationen zur NS-Zeit auf. Dabei bleibt sie stets faktenbasiert und bezieht sich auf verlässliche Quellen. Ebenso spricht sie über Täter*innen, Opfer und Widerstandskämpfer*innen aus der NS-Zeit und schafft so ein differenziertes Bild. Ein besonderer Aspekt von keine.erinnerungskultur ist die Brücke, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen wird. Siegert sensibilisiert beispielsweise für rechtsextreme Symbole, die einem aktuell im Alltag begegnen und erklärt ihre Ursprünge sowie deren Bedeutung, die sie bis heute tragen. Ihre Kanäle erfreuen sich großen Erfolgs: auf Instagram folgen ihr mehr als 109.000 Menschen, auf TikTok sogar über 201.000. Die Kommentare unter ihren Videos zeugen von einer großen Dankbarkeit der Rezipient*innen für Siegerts Arbeit und oft auch von Betroffenheit. Mit ihren Kanälen trägt Siegert somit zur Bildung und Sensibilisierung junger Menschen bei und stärkt eine aktive Erinnerungskultur sowie eine emotionale Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. In Zusammenarbeit mit dem Arolsen Archiv, dem weltweit größten Archiv zu NS-Verbrechen, präsentiert sie zudem Recherchen und gibt praktische Anregungen, wie man sich selbstständig mit der Geschichte auseinandersetzen kann. https://www.instagram.com/keine.erinnerungskultur

    Machine Learning und Mediensozialisation verschränkt betrachten: Häußling, Roger, Härpfer, Claudius & Schmitt, Marco (Hrsg.). (2024). Soziologie der Künstlichen Intelligenz. Perspektiven der Relationalen Soziologie und Netzwerkforschung. Bielefeld: transcript, 322 S., 40,00 €.

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    Der Anspruch der Medienpädagogik besteht darin, die Souveränität und Selbstbestimmung angesichts der wachsenden Bedeutung von KI-Technologien zu sichern. Die Prämisse der Forschung ist, Prozesse der Mediensozialisation aus einer subjektorientierten Perspektive zu verstehen. Die wachsende Bedeutung von Technologien, die mit Machine-Learning-Algorithmen operieren, könnte diesen Anspruch nun herausfordern. Es stellt sich die Frage, wie Sozialisationsprozesse angemessen erforscht werden können, in denen Technologien ihre Funktionsweise ständig anpassen. Häußling, Härpfer und Schmitt stellen in ihrem Sammelband einen Ansatz vor, mit dem soziale und technologische Entwicklungsprozesse in ihrer Verschränkung analysiert werden. Der Band besteht aus neun Artikeln und einem Interview mit ChatGPT. Alle Beiträge orientieren sich am soziologischen Theoriegebäude von Harrison White, das 1992 unter dem Titel Identity and Control (Identität und Kontrolle) veröffentlicht wurde. Die zentrale Prämisse, die Whites relationale Soziologie mit dem Machine-Learning verbindet: Die Welt kann mit Mustern von Relationen beschrieben werden. In der Einleitung des Bandes setzen sich die Herausgeber mit den soziologischen Problemstellungen auseinander, die mit dem Machine-Learning verbunden sind. Machine Learning wird als eine „Unwissenheit bewahrende Aktivität“ (S. 15) beschrieben, deren Funktionalität sich beständig weiterentwickelt. Der andauernde Beta-Zustand wird aufrechterhalten, um die Technologien für die Komplexität und Unvorhersehbarkeit der sozialen Welt offen zu halten. Trainingsdaten werden deshalb vor allem in Realexperimenten gewonnen. In den lückenhaften Datensätzen eröffnet sich eine „Welt der Zufälligkeit“ (S. 16), in der neue Verhaltensmuster entstehen und erprobt werden. Aufgrund seiner Komplexität entzieht sich der Prozess des Machine Learnings jedoch dem menschlichen Verstehen. Die Frage der Verantwortung und Legitimation hinter Entscheidungen, die zum Teil erhebliche soziale und gesellschaftliche Konsequenzen haben, bleibt damit offen. An diese Problemstellungen anknüpfend entwickeln Häußling und Schmitt im zweiten Beitrag eine Skizze für eine Soziologie des Machine Learning. Die Autoren gehen in Anlehnung an Whites relationale Soziologie von der Prämisse aus, dass die soziale Welt in Netzwerken organisiert ist, die als Muster von Identitäten und Beziehungsstrukturen beschrieben werden können. In der modernen und digitalisierten Welt wächst die Komplexität dieser Netzwerke: „Regelmäßigkeiten, Strukturen und Muster sind die einzig verbliebenen Orientierungsgrößen, um sich in einer Welt des Heterogenen zurechtzufinden […].“ (S. 35). Technologien, deren Funktionsweise auf Machine Learning beruhen, haben die Funktion, Macht und Kontrolle in der komplexen Welt wiederzuerlangen. Die essenzielle Eigenschaft des Machine Learnings besteht darin, die Funktionsweise in verschiedenen sozialen Einbettungskonstellationen anzupassen. Damit dieses Switching gelingt, muss der Algorithmus dazu in der Lage sein, Kontextwechsel zu registrieren und angemessene Funktionsweisen zu entwickeln. Sogenannte Netzwerkdomänen (Netdoms) beschreiben Identitäten und Beziehungsstrukturen, die in konkreten sozialen Kontexten typisch sind und durch Machine Learning-Verfahren als Muster identifiziert werden. Beim Learning kann es jedoch zu einer Verhärtung dieser Muster kommen, die sich beispielsweise in stigmatisierenden und diskriminierenden Funktionsweisen äußern. Angesichts solcher Probleme ist die Steuerung von Machine Learning ein zentrales ethisches Anliegen. Aufgrund der Opakheit der Technologie können Kontrollprojekte lediglich auf der Seite des Inputs der Trainingsdaten und auf der Seite des Outputs von Entscheidungen realisiert werden. Zu beobachten ist die Tendenz, dass Machine-Learning-Technologien über verschiedene soziale Kontexte hinaus skaliert und umfassend in wesentliche gesellschaftliche Funktionsbereiche integriert werden. Erhebliche Konsequenzen für die Souveränität können nach Häußling und Schmitt entstehen, wenn Machine-Learning-Verfahren in Identitätsbildungsprozessen eine Rolle spielen: „Es kommt hier dann zu Realexperimenten mit Personen und ihrer jeweiligen Identität, über deren Konstruktion sie ein weiteres Stück ihrer Hoheit verlieren“ (S. 43). Der Sammelband ‚Soziologie der künstlichen Intelligenz‘ leistet einen wichtigen Beitrag, um die Entwicklung von digitalen Technologien in Wechselwirkung mit der Gesellschaft besser zu verstehen. Die Autor*innen entwickeln im Sammelband eine soziologisch fundierte Perspektive, die darauf verzichtet, vereinzelte (in-)kompetente Subjekte alternativlos gegenüber einer disruptiven technologischen Entwicklung zu positionieren. Mit der Orientierung an Whites relationaler Soziologie gelingt es vielmehr, die wachsende Bedeutung von Machine Learning und die technische Funktionsweise von KI aus ihrer gesellschaftlichen Einbettung heraus zu verstehen. Für die medienpädagogische Forschung sind diese Überlegungen theoretisch zu konkretisieren. Das Potenzial besteht darin, die Verschränkung von Sozialisationsprozessen und Machine Learning in der soziokulturellen Einbettung der Identitätsentwicklung besser zu verstehen. Aus einer solchen relationalen Analyse können sinnvolle medienerzieherische Ansätze entwickelt werden, in denen der normative Anspruch nach Souveränität und Selbstbestimmung in einer mediatisierten Gesellschaft eingelöst wird

    Digitale Ethik. Handbuch für Wissenschaft und Praxis: Grimm, Petra, Trost, Kai Erik & Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2024). Digitale Ethik. Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Baden-Baden: Nomos/ Verlag Karl Alber. 661 S., 69 €.

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    Eine der Grundfragen der Ethik ‚Was soll ich tun?‘ begegnet uns bei kleinen Alltagshandlungen täglich auch im Rahmen der Digitalen Ethik. Kurz ein Ticket für den Zug buchen, später ein Foto in der Cloud hochladen und dann mit Freund*innen über einen Kurznachrichtendienst verabreden. Sicher ist nicht jede Wischbewegung übers Handy eine moralisch relevante Handlung. Doch das Handbuch zeigt, dass die Digitalisierung die Handlungskoordinaten nahezu aller Bereiche von der Religion, über Freundschaft, bis hin zur Sicherheit oder Nachhaltigkeit verändert und die Ethik vor der Herausforderung steht, diese Koordinaten richtig zu deuten, um als Ratgeber durch die neuen digitalen Räume gute Handlungswege zeigen zu können. Ein fast schon aus unserem Sprachgebrauch verschwundenes Wort wie ‚Tugend‘ kann in Debatten über den Umgang mit Robotern überraschende Perspektiven eröffnen. Beispielsweise könnte man meinen, dass es in Ordnung sei, einen Pflegeroboter schlecht zu behandeln, weil dieser nicht empfindungsfähig ist. Die Tugendethik macht uns jedoch darauf aufmerksam, dass wir schlechte, weil untugendhafte gewalttätige Praktiken einüben, wenn wir Robotern Gewalt antun. Wie Beier et al. in ihrem Beitrag zeigen, können wir von tugendethischen Ansätzen aus der Antike eine Menge über unseren heutigen Umgang mit hochmodernen Technologien lernen. Das Handbuch thematisiert allgemeine ethische Konzepte bis hin zu einer angewandten Ethik, die ethische Fragen unter den praktischen Bedingungen der Digitalität behandelt. Die Beiträge decken dabei eine große Bandbreite ab: von tugendethischen und deontologischen über konfuzianische oder lateinamerikanische Ansätze. Darauffolgend werden Werte, Diskurse, Systeme und Technologien sowie Praxisfelder der Digitalen Ethik erschlossen.&nbsp

    Digital Detox– Abschalten im Urlaub

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    „Sonne im Gesicht, Italienisch im Kopf, Eis in der Waffel, Füße im Meer – wir sind angekommen im Urlaub an der Adria! Ich lege mein Smartphone für eine Woche zur Seite und befinde mich ganz im Hier und Jetzt. A presto e tanti saluti d‘Italia!” Mit einer Nachricht wie dieser verabschiede ichbmich jedes Jahr in den sommerlichen Digital Detox. Schon Wochen vorher steigt meine Vorfreude auf diese Auszeit. Denn damit entbinde ich mich jeglicher Erwartungen, Verpflichtungen und Zwänge, die mit dem Gerät verbunden sind. Eine Schulfreundin hat Geburtstag? Sie weiß, dass sie keinen Anruf von mir bekommt. Im örtlichen WhatsApp-Familienchat werden die Regeln nicht eingehalten? Die anderen Admins übernehmen. Ein wunderschöner Sonnenuntergang mit Flamingos am Himmel lädt zum Fotografieren ein? Das Bild speichere ich in meinem Kopf ab. Ich beobachte mich dabei, wie ich mein ­ Tempo verlangsame. Und nicht mehr so viele Dinge gleichzeitig tue. Ich lese. Ich suche Muscheln. Ich schaue in die Luft. Ich habe die Kinder im Blick. Ich unterhalte mich mit den Einheimischen. Mir ist ein bisschen langweilig. Das ist echt selten. Wie schön! Ich beobachte, wie die Menschen um mich herum ihr Smartphone nutzen. Mein Mann ist in die Nachrichten vertieft. Strandgäste telefonieren lautstark. Großeltern filmen ihre Enkel beim Planschen. Jugendliche hören Musik über die Bluetooth Box. Und unser befreundetes Pärchen stellt witzige Memes in unsere Urlaubsgruppe und kichert sofort los. Ab und zu fehlt mir mein Smartphone. „Was heißt nochmal Pflaster auf Italienisch?” frage ich mich auf dem Weg zum Strandaufseher. Der blutende Zeh unseres Kindes bedarf keiner Erklärung. Die Kinder haben eine großartige Sandburg gebaut. „Kannst du bitte ein Foto davon machen?” bitte ich unsere Freundin. Eines Morgens heißt es: „In welche Stadt wollen wir heute einen Ausflug machen?”. Fragt mich nicht, ich mache Digital Detox! Keine Internetrecherche in diesem Urlaub. Ich zwinge mich, loszulassen. Die anderen Erwachsenen dürfen das organisieren. Nach einer Dreiviertelstunde Fahrt in Richtung Klein-Venedig runzle ich die Stirn: „Sind das da hinten Gewitterwolken?”. Wir steuern direkt auf eine Regenfront zu. Es hat wohl niemand von uns die Wetter-App gecheckt? Klar, das mache sonst meistens ich! Vom Parkplatz aus schaffen wir es gerade noch, einen freien Tisch unter einer großen Markise einer Pizzeria am Kanal zu erwischen. Dort sitzen wir über zwei Stunden fest. Es ist irgendwie gemütlich, wie der Regen um uns herum vom Himmel strömt. Die Kinder spielen zwischen den Tischen. Ich gönne mir ein leckeres Tiramisu. Wann habe ich sonst mal Zeit für einen Nachtisch? Hach, schon toll, meine Digital-Detox-Woche. Auch wenn ich mir zugegebenermaßen manches davon ein klein wenig schönreden muss. ;-

    Der virtuelle Türsteher oder: Warten auf Horst

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    In meinem Alter hat man schon auf so vieles gewartet: auf den ersten Schultag, danach eigentlich nur noch auf den ersten Ferientag, auf die erste Liebe, auf den 18. Geburtstag, auf den Führerschein, das erste eigene Auto, die erste eigene Wohnung, den ersten Job … Auf manches warte ich noch bis heute: auf den Anruf des Bundestrainers, auf eine Einladung in eine Talkshow, auf einen Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste für meine Glossen. Inzwischen hat die Welt noch eine Person in mein Leben gebracht, auf die ich fast täglich warte: den Host – oder, wie ihn manche meiner Kolleginnen liebevoll nennen, den Horst. Diejenigen Leser*innen, die auch viele Online-Konferenzen mit Zoom machen, kennen ihn sicher auch. Da ich noch von der alten Schule geprägt bin, lebe ich auch in online-Zeiten nach dem Motto: „Fünf Minuten vor der Zeit ist die wahre Pünktlichkeit.“ Nur bin ich da meist mit meinem eigenen Spiegelbild allein und warte darauf, dass mir Horstdie Tür zum virtuellen Seminarraum öffnet. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit der Überlegung, dass es sehr schade ist, dass viele keine Lust haben, etwas früher online zu gehen, um die wirklich wichtigen Dinge im inoffiziellen Teil vorab zu klären. Aber jetzt heißt es erst mal: warten, bis Horst mich reinlässt. Mit länger werdender Wartezeit werde ich immer unsicherer, ob Horst mich auch wirklich bemerkt und mich hineinlässt. Ich weiß ja nicht, wer Horst heute ist: eine aufmerksame Person, die alle Anfragen im Griff hat? Jemand, der zwar seinen Zugang gestartet hat, aber wieder in die Küche gegangen ist, um sich einen Kaffee zu kochen? Oder will mich Horst bewusst nicht dabeihaben – oder noch nicht –, da noch illegale Absprachen zu meinen Lasten getroffen werden? Je länger ich warte, desto abstruser werden meine Phantasien. Als die Startzeit des Meetings genau erreicht ist, hat meine Geduld ein Ende. Ich greife zum Handy und schreibe eine WhatsApp an eine Person, von der ich weiß, dass sie auch im Meeting dabei ist, ob sie vielleicht schon ohne mich angefangen haben und ob sie Horst Bescheid sagen kann, dass er mich jetzt gefälligst reinlassen soll. Schnelle Antwort: „Bin noch nicht online. Ich komme gleich und sage Horst dann Bescheid.“ Zwei Minuten nach der vereinbarten Zeit ploppen dann immer mehr Gesichter auf dem Bildschirm auf – und Horst hat auch mich zugelassen. Immer dasselbe: die ganze Aufregung umsonst. Aber jedes Mal denke ich, man hat mich vergessen. Was da in meiner Kindheit wohl schiefgelaufen ist? Was ich aber auch nicht verstehe: dass ich dann oft selbst zum Horst werde und andere Personen in das Meeting hineinlassen kann. Das ist schon ein super Gefühl, mit einem Knopfdruck der Master zu sein. Im nächsten Leben werde ich deshalb auf jeden Fall ein Horst – ausgestattet mit der göttlichen Macht, Menschen zusammenzubringen, sie warten zu lassen oder sie auch ganz aus dem virtuellen Raum zu verbannen, weil sie einfach nur nerven. Klaus Lut

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