merz Zeitschrift für Medienpädagogik
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#79 - Partizipation und Digitale Medien | Fachredaktionstalk mit Dr. Susanne Eggert und Dr. Karin Knop
Medien spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung von Informationen, der Meinungsbildung und der Gestaltung von und Beteiligung an öffentlichen Diskursen. Das hat direkte Auswirkungen auf partizipative Prozesse.
Im Interview geht es darum, die Mechanismen zu verstehen, durch die Medien die Beteiligung der Menschen an gesellschaftlichen Prozessen beeinflussen. Außerdem geben Dr. Karin Knop und Dr. Susanne Eggert Einblicke, wie medienpädagogische Praxisprojekte dazu beitragen können, eine inklusive Partizipation zu fördern und Ungleichheiten bei Teilhabe- und Beteiligungsprozessen zu verringern.
Hier geht\u27s zu unserer neuen Ausgabe 25/1 Partizipation und digitale Medien
Aus der Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit: Ein Kommentar
Gaming hat sich zu einem bedeutenden Bestandteil der Offenen Kinder- und Jugendarbeit entwickelt. Der folgende Kommentar aus der Praxis beschäftigt sich mit dieser Entwicklung. In den angehängten Infoblöcken liefert der Autor Hinweise für weniger erfahrene Kolleg*innen
Im Zeichen globaler Bewegungspotenziale: Postdigitalisierung und Postmigration
Globale Bewegungspotenziale sind ein prägendes Merkmal der modernen Welt. Migration und Digitalisierung sind dabei eng miteinander verwoben: Digitale Netzwerke ermöglichen transnationale Kommunikation und Identitätsbildung, während Migration als Treiber der Digitalisierung fungiert. Im Beitrag wird untersucht, wie sich postmigrantische und postdigitale Konzepte überschneiden, welche Herausforderungen sich daraus ergeben und welche neuen sozialen Figurationen durch die Verknüpfung physischer und virtueller Bewegungen entstehen
#85 - Wie kann Bildung besser gelingen? | Madita Häntsch und Govinda Hiemer vom Podcast EduVisionairies
Wie kann Bildung besser gelingen? Dieser Frage widmet sich der Podcast Eduvisionairies, gehostet von Govinda Hiemer und Madita Häntsch. Die beiden haben es sich zum Ziel gesetzt, das Bildungwesen zu verändern und bringen in ihrem Podcast Menschen zusammen, die schon fleißig daran arbeiten.
Wir reden darüber, was Lernraumdesign bedeutet, wie der Raum für Lernende gestaltet sein sollte und welche grundlegenden Veränderungen nötig sind.
Podcast EduVisionairies
Lernraumvisione
Dark-Romance-Bücher zwischen Leselust und Moralpanik: Eine Orientierungshilfe für die pädagogische Praxis
Junge Frauen feiern in Online-Communitys gemeinsam ihre Bücherliebe. Besonders gefragt ist romantische Unterhaltungsliteratur. Dabei sind dunkle Liebesromane (Dark Romance) mit drastischen Sex- und Gewaltdarstellungen ein beliebtes und gleichzeitig umstrittenes Genre. Kritische Stimmen werfen den Büchern vor, toxische Beziehungen und nicht-konsensuellen Sex zu verherrlichen und fordern eine Altersfreigabe ab 18 Jahren. Zu Recht
Digitale Teilhabe älterer Menschen
87 Prozent der Menschen ab 60 Jahren – und damit sechs Prozent mehr als im Jahr 2021 – sind im Internet aktiv. Zu diesem Ergebnis kommt die SIM-Studie 2024 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs) und der Katholischen Hochschule Freiburg. Noch deutlicher zeigt sich der Anstieg in der Personengruppe ab 80 Jahren: Während 2021 etwa die Hälfte dieser Gruppe das Internet nutzte, sind es drei Jahre später bereits 62 Prozent.
Dieser Zuwachs zeichnet sich auch im Hinblick auf die digitale Medienausstattung ab: So besitzen 83 Prozent der älteren Menschen ein Smartphone (+ 11 %), 58 Prozent ein Tablet (+ 10 %) und knapp über die Hälfte einen Fernseher mit Internetanschluss oder Smart-TV (+ 9 %). Auch andere Geräte wie Laptops, Smartwatches, E-Book-Reader und Smart Speaker sind im Vergleich zum Jahr 2021 öfter in den Haushalten älterer Menschen zu finden. Weiterhin auf Platz 1 der Rankingliste ist das klassische Fernsehgerät (98 %; - 2 %).
Die Popularität des Fernsehers sowie das stark wachsende Interesse am Smartphone und Internet spiegeln sich in der Nutzungshäufigkeit und Informationssuche älterer Menschen wider: So wird das TV-Gerät von 94 Prozent und das Smartphone von 73 Prozent (fast) täglich genutzt. Möchten sich Menschen ab 60 über das aktuelle Weltgeschehen informieren, sehen sie in erster Linie fern (56 %) und/oder recherchieren im Internet (19 %). Suchen sie nach Informationen zu Gesundheit und Pflege, ist das Internet die am häufigsten genannte Informationsquelle.
Trotz des Zuwachses digitaler Mediennutzung besteht weiterhin ein Defizit bei den digitalen Fähigkeiten: Die Befragten verfügen lediglich über grundlegende Kompetenzen. Diese eingeschränkten digitalen Fähigkeiten werden insbesondere bei der Suche nach gesundheitsbezogenen Informationen sichtbar.
Im Rahmen der Studie wurden 2.000 Personen ab 60 Jahren befragt.
https://mpfs.de/studie/sim-studie-202
Einsamkeit als Demokratiegefahr
Je einsamer junge Menschen sind, desto seltener gehen sie davon aus, durch ihr Handeln politische, gesellschaftliche und/oder soziale Veränderungen herbeiführen zu können. Sie sind im Vergleich zu nicht einsamen Gleichaltrigen grundsätzlich unzufriedener mit der Demokratie und haben ein geringeres Vertrauen in die Politik. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung der Bertelsmann Stiftung von 16- bis 30-jährigen Personen. Die Folge: Einsame junge Menschen engagieren sich weniger und sind anfälliger, sich politisch zu entfremden und zu radikalisieren. Einsamkeit stellt demnach sowohl für das einzelne Individuum als auch für die gesamte, in einer Demokratie lebende Gesellschaft eine Gefahr dar.
Etwa die Hälfte aller einsamen Befragten (49 %) fühlt sich mit seinen*ihren Ansichten und Werten (überhaupt) nicht durch Politiker*innen auf Bundesebene vertreten. 31 Prozent sehen das in Teilen so. In der Gruppe der nicht einsamen Personen liegen die Werte bei 35 und 46 Prozent. Ähnliche Tendenzen zeigen sich hinsichtlich des den Politiker*innen entgegengebrachten Respekts, der mit zunehmender Einsamkeit abnimmt: So respektieren 30 Prozent der stark einsamen jungen Menschen die Entscheidungsträger*innen voll und ganz, während es bei den nicht Einsamen 14 Prozent mehr sind.
Unabhängig vom Grad der Einsamkeit interessieren junge Menschen sich in etwa ähnlich viel für politische Themen. Allerdings vertreten einsame Befragte häufiger als nicht Einsame die Ansicht, Politiker*innen würden die Sorgen junger Generationen nicht ernst nehmen (76 % zu 61 %). Es wird deshalb davor gewarnt, diese Zielgruppe an populistisch-agierende Gruppierungen zu verlieren. Es sei wichtig, dass Politiker*innen auf einsame junge Menschen zugingen und ihnen das Gefühl von Anerkennung und sozialer Zugehörigkeit vermittelten.
Im Rahmen der Untersuchung wurden 2.532 16- bis 30-Jährige aus Deutschland zwischen dem 13. und 29. März 2024 online befragt.
https://www.bertelsmann-stiftung.d
Digital Memory in the \u27Era of the Creator\u27
Die digitale Erinnerung an den Nationalsozialismus wird zunehmend von neuen Akteur*innen geprägt. Diesen Paradigmenwechsel konzeptualisiert der Beitrag als ‚era of the creator‘. Anhand von Instagram-Projekten und TikTok-Accounts zeigt er auf, welche Chancen und Herausforderungen entstehen, wenn Geschichte zu ‚snackable content‘ wird und erinnerungskulturelle Institutionen zwischen pädagogischer Haltung und Reichweite navigieren müssen
Kritik, Kontrolle, Kapital - und was Bildung damit zu tun hat
Dander, Valentin; Grünberger, Nina; Niesyto, Horst & Pohlmann, Horst (Hrsg.) (2024). Bildung und digitaler Kapitalismus. Analysen – Kritik – Perspektiven. München: kopaed. 392 S., Open Access.
Die Digitalisierung hat Schulen, Hochschulen und Weiterbildung längst erreicht, über ihre ökonomischen und ideologischen Grundlagen wird jedoch selten diskutiert. Der Sammelband – herausgegeben von Valentin Dander, Nina Grünberger, Horst Niesyto und Horst Pohlmann – versammelt rund 30 Beiträge, die zeigen, wie eng Bildung mit kapitalistischen Strukturen verbunden ist und welche Alternativen möglich sind.
Die Autor*innen aus Erziehungswissenschaft, Soziologie, Medienpädagogik, Informatik und politischer Bildung entwerfen gemeinsam ein differenziertes Bild: Datafizierung, Plattformisierung und steuernde Algorithmen prägen Bildungspraxis und verstärken kapitalistische Muster. Statt pauschaler Kritik stellen die Autor*innen konkrete Fragen: Wie lässt sich Medienbildung gestalten, ohne ökonomischen Logiken unreflektiert zu folgen? Welche Verantwortung tragen Lehrkräfte, Hochschulen und bildungspolitische Akteur*innen? Die Beiträge bleiben teils sehr theoretisch, praktische Hinweise sind begrenzt.
Besonders hervorzuheben sind die Beiträge zu Künstlicher Intelligenz. Sie zeigen, dass datenbasierte Technologien zwar nützliche Werkzeuge sein können, zugleich aber neue Formen von Kontrolle erzeugen. KI erscheint nicht als kurzfristiger Trend, sondern als Ausdruck einer grundlegenden Umgestaltung von Bildung. Dieser Blick über Schlagworte hinaus macht den Band wertvoll für die medienpädagogische Debatte.
Bildung ist kein neutrales Feld, sondern Teil gesellschaftlicher Aushandlungen. In Zeiten digitaler Überwachung und ökonomischer Steuerung gewinnt die Forderung nach Solidarität, Teilhabe und Selbstbestimmung an Dringlichkeit. Der Sammelband ermutigt, kritisch zu reflektieren, über Alternativen nachzudenken und eigene Gestaltungsspielräume auszuloten.
Wer sich für die kritische Begleitung digitaler Bildungsprozesse interessiert, findet reichlich Impulse. Vielfalt und die wissenschaftliche Tiefe beeindrucken, die Sprache bleibt praxisnah. Der Band richtet sich an Hochschullehrende, Forschende, Lehramtsausbildende und bildungspolitische Entscheidungsträger*innen – kurz: an alle, die Bildung kritisch begleiten und gestalten wollen.
Bildung und digitaler Kapitalismus ist damit ein zentraler Beitrag in der Debatte um digitale Bildung, nicht nur als Organisations-, sondern als Grundsatzfrage von Demokratie, Gerechtigkeit und Teilhabe
Dinge als Medien im Migrationsalltag
Schachtner, Christina (2024). Dinge als Medien. Soziomediale Verstrickungen im Migrationsalltag. Bielefeld: transcript. Edition Medienwissenschaft. 223 S., 39,00 €.
Christina Schachtner widmet sich in ihrem Buch Dinge als Medien den Verflechtungen von Dingen, Medien und migrantischen Lebensrealitäten. Bereits im Einstieg reflektiert sie ihre persönliche Beziehung zu Gegenständen und bindet ihr Erkenntnisinteresse sowie ihren Forschungszugang biografisch ein.
Ein methodisch zentraler Aspekt ist ihre kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Othering. Sie benennt offen eigene Denkstrukturen, in denen sie „aufgrund defizitorientierter Erwartungen […] ein Anderssein unterstellt [hat], das nicht zutraf“ (S. 15). Diese Reflexivität verleiht der Studie erkenntnistheoretische Offenheit.
Die leitende These lautet: „Alle in dieser Studie einbezogenen Dinge sind Medien, aber nicht alle Medien sind Dinge“ (S. 18). Damit verortet sich die Arbeit im material-cultural turn und betont die Bedeutung materieller Artefakte als Träger kultureller und sozialer Sinnzuschreibungen. Medien erscheinen so als aktive Elemente im Alltag von Migrant*innen.
Schachtner nutzt Norbert Elias’ Konzept der Figurationen, um aufzuzeigen, dass Migrant*innen seit ihrer Kindheit in machtgeprägten Netzen aus Dingen, Medien, Menschen und Bedeutungen leben. In der Migration wandeln sich diese Geflechte, wobei Dinge als emotionale Anker, Erinnerungsträger und Zugehörigkeitssymbole wirken. Diese Transformationen betrachtet Schachtner auch durch Latours Konzept der Hybrid-Akteur*innen, das Dinge und Medien als Mitgestalter sozialen Handelns begreift. So richtet sie den Blick auf Übergangsorte, an denen sich kulturelle Ausdrucksformen, Kommunikationsweisen und Selbstbilder überlagern und neu formen.
Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Rolle der Musik, die in der Studie als Ausdrucksmittel für erlebte Diskriminierung sowie als Medium zur Herstellung neuer Bindungen an Orte und Menschen thematisiert wird. Die Autorin identifiziert insgesamt acht Erlebnis- und Handlungstypen im Umgang mit Dingen und Medien, durch die sie die Vielfältigkeit der Erfahrungsdimensionen im Migrationsalltag aufzeigt.
Die Studie basiert auf 25 Interviews mit einer diversen Gruppe von Migrant*innen und kombiniert strukturierte Gespräche mit einer Visualisierungsmethode, bei der Erfahrungen bildlich dargestellt werden. So entsteht ein vielschichtiger Zugang zur subjektiven Bedeutung materieller und medialer Praktiken. Schachtner verbindet theoretische Fundierung, empirische Analyse und biografische Reflexion anschaulich, wobei Beispiele die Konzepte in Alltagsbezüge einbetten