Publikationsserver der Leopoldina
Not a member yet
1046 research outputs found
Sort by
Die Krankenhausreform für eine wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung nutzen
Das Gesundheitssystem in Deutschland soll es ermöglichen, alle Patientinnen und Patienten zur richtigen Zeit und am geeigneten Ort bestmöglich so zu behandeln, wie es ihrem medizinischen Bedarf und dem jeweils anerkannten Stand der Wissenschaft entspricht. Diese wissenschaftlich fundierte Patientenversorgung erfordert eine exzellente Forschung, deren Ergebnisse rasch in der medizinischen Praxis umgesetzt werden. Auf diesen Aspekt macht die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in der Ad-hoc-Stellungnahme „Die Krankenhausreform für eine wissenschaftlich fundierte Gesundheitsversorgung nutzen“ aufmerksam. Darin plädieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für eine zentrale Rolle der Universitätsmedizin bei der Bildung und Koordination von forschungsbasierten Versorgungsnetzwerken
Kernfusion: eine Option für Energiesicherheit und Klimaschutz in Deutschland?
Voraussichtlich in der zweiten Jahrhunderthälfte könnte die Kernfusion eine wesentliche Rolle für die Energieerzeugung spielen. Wenn dies eine realistische Option sein soll, müssten bereits jetzt wichtige wissenschaftliche, regulatorische und technologische Voraussetzungen geschaffen werden
Künstliche Intelligenz als religiöses Problem?: Ein Beitrag zur politologischen Aufklärung
Künstliche Intelligenz (KI) gilt heute als eine Schlüsseltechnologie des frühen 21. Jahrhunderts. Die rasanten Entwicklungen in den Informations- und Kommunikationstechnologien haben die moderne Kontingenzerfahrung vertieft und fordern gegenwärtig das menschliche Welt- und Selbstverstehen heraus. Ausgehend von der erkenntnisleitenden These, dass die spätmoderne Gesellschaft mit der Rede von KI jene sich wandelnden Bedingungen ihrer eigenen Möglichkeit reflektiert, geht der Beitrag der Frage nach, inwieweit dies als ein religiöses Problem gefasst werden kann. In einem ersten Schritt wird dazu der KI-Begriff einer differenzorientierten Analyse unterzogen, welche den Menschen im blinden Fleck des KI-Diskurses ausfindig macht. Mit der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns wird der weiteren Betrachtung eine Heuristik zugrunde gelegt, die Religion als ein soziales System mit der Funktion einer Transformation des allgemeinen Problems unbestimmbarer Kontingenz in gesellschaftliche Bestimmtheit spezifiziert. Sodann werden anhand des KI-Begriffs die von den Informations- und Kommunikationstechnologien aufgeworfenen sachlichen, sozialen und zeitlichen Einheitsfragen und ihre diskursive Bewältigung rekonstruiert. Im Ergebnis erscheint die Schlüsseltechnologie an der Position Gottes und damit fähig, das unlösbare Grundproblem wachsender Kontingenzerfahrung zu einem lösbaren religiösen Spezialproblem zu wenden,Today, Artificial Intelligence (AI) is regarded as a key technology of the early 21st century. The rapid development of information and communication technology has deepened the modern experience of contingency and, therefore, it challenges human self-perceptions as well as conceptions of the world. Based on the leading thesis that late modern society reflects on these changing conditions of its own possibility by broaching the issue of Artificial Intelligence, the article poses the question, to what extent this fact can be interpreted as a problem of religion. First, a differenceoriented analysis of the term “artificial intelligence” reveals modern man in the blind spot of the discourse. Second, a systems theory perspective supplies a heuristic foundation that specifies religion as a social system which deals with the common problem of indeterminable contingency by its conversion into societal determination. Finally, artificial intelligence is reconstructed as late modern society’s discursive coping with the technologically induced questions of its factual, social, and temporal unity. As a result, artificial intelligence seemingly takes the position of God. Hence, it turns the unsolvable problem of rising contingency into a solvable special problem of religion
KI – Kapriolende Intelligenz – Kapriolende Information
1955 erschien der Sammelband Automata Studies, und im gleichen Jahr erging der Antrag zur Förderung des Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence an die Rockefeller-Stiftung. Beide Ereignisse stehen am Beginn der seither diskutierten Interpretationsschwierigkeiten des Begriffs „Artificial Intelligence“. Mit Blick auf die Geschichte der Nachrichten- bzw. Informationstheorie wird klar, dass schon der Begriff intelligence verschiedene Bedeutungen hatte, und erst nach der Einführung des Begriffs information als neue Grundgröße für Kommunikationstheorie und -technik dominierte für intelligence die Bedeutung als kognitive Fähigkeit. Zu diesem Intelligenzbegriff wurden in der Psychologie des 20. Jahrhunderts Theorien und Messverfahren entwickelt, die in der Definition des „Intelligenzquotienten“ (IQ) gipfelten. Die von dem Psychiater und Kybernetiker W. R. Ashby in den Automata Studies veröffentlichte Arbeit projiziert keine (künstliche) Intelligenz in den Computer, sondern sieht in ihm einen „Intelligenzverstärker“. Diese Interpretation von „Artificial Intelligence“ wurde in dem gleichnamigen Forschungsfeld allerdings nicht weiter beachtet.In 1955, the anthology Automata Studies was published, and in the same year, the Rockefeller Foundation received an application for funding the Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence. Both events mark the beginning of the difficulties in interpreting the term “Artificial Intelligence” that have been discussed ever since. Looking at the history of intelligence and information theory, it becomes clear that the term intelligence already had various meanings, and it was only after the introduction of the term information as a new basic variable for communication theory and technology that the meaning of intelligence as a cognitive ability became dominant. In 20th century psychology, theories and measurement methods were developed for this concept of intelligence, culminating in the definition of the “intelligence quotient” (IQ). The work published by the psychiatrist and cyberneticist W. R. Ashby in Automata Studies does not project (artificial) intelligence into the computer, but sees it as an “intelligence amplifier”. However, this interpretation of “Artificial Intelligence” was not given further attention in the research field of the same name
Leopoldina 2022
Der Monitoring-Bericht der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften über das Jahr 202
Die ungerechte Pandemie: COVID-19 und gesundheitliche Ungleichheiten
This talk will examine the implications of the COVID-19 pandemic for health inequalities. It outlines historical and contemporary evidence of inequalities in pandemics – drawing on international research into the Spanish flu pandemic of 1918, the H1N1 outbreak of 2009, and the recent international estimates of socio-economic, ethnic and geographical inequalities in COVID-19. It then examines how these inequalities in COVID-19 are related to existing inequalities in chronic diseases and the social determinants of health, arguing that we are experiencing a syndemic pandemic. It then explores the potential health consequences of the COVID-19 economic crisis. The talk concludes by reflecting on the longer term measures needed to ‘build back better’ and ensure that the COVID-19 pandemic does not increase health inequalities for future generations.Dieser Vortrag befasst sich mit den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf gesundheitliche Ungleichheiten. Beleuchtet werden historische und aktuelle Erkenntnisse über Ungleichheiten bei Pandemien, gestützt auf die internationale Forschung zur spanischen Grippepandemie von 1918, den H1N1-Ausbruch von 2009 und die jüngsten internationalen Schätzungen der sozioökonomischen, ethnischen und geografischen Ungleichheiten bei COVID-19. Wir untersuchen, wie diese Ungleichheiten bei COVID-19 den bestehenden Ungleichheiten bei chronischen Krankheiten und den sozialen Gesundheitsfaktoren gegenüberstehen. Es wird argumentiert, dass wir eine syndemische Pandemie erleben. Des Weiteren werden die möglichen gesundheitlichen Folgen der COVID-19-Wirtschaftskrise erörtert. Der Vortrag schließt mit Überlegungen zu den längerfristigen Maßnahmen, die für einen verbesserten Wiederaufbau erforderlich sind, damit die gesundheitlichen Ungleichheiten für künftige Generationen nicht zusätzlich durch die COVID-19-Pandemie verstärkt werden
Die Bedrohung der sprachlichen Vielfalt
Es gibt überraschende Parallelen zwischen der Bedrohung der biologischen und der Bedrohung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt. Die menschlichen Sprachen, und damit auch die kulturellen Unterschiede, schwinden dabei noch schneller als die biologischen Arten. Der Artikel stellt die gemeinsamen Ursachen dieses Schwundes dar. Er beschreibt exemplarisch den Tod einer Sprache (Lonwolwol in Vanuatu) und zeigt anhand von Beispielen auf, was kleine und bedrohte Sprachen uns über die Spannbreite der möglichen menschlichen Sprachen und damit über die Sprachfähigkeit selbst lehren können. Dabei werden insbesondere auch Resultate eigener Forschung zu der Sprache Daakie (Ambrym, Vanuatu) dargestellt. Der Artikel geht auf die Diskussion in der Sprachwissenschaft zur Dokumentation und Erhaltung von kleinen Sprachen ein und beschreibt die Forschungs- und Archivierungsmethoden, die in der Sprachwissenschaft entwickelt wurden.There are surprising parallels between the endangerment of biological diversity on the one hand, and the endangerment of linguistic and cultural diversity on the other. Human languages, and cultural differences attached to it, vanish even faster than biological species. The article discusses the common causes of this loss. As an example, it describes the death of a small language (Lonwolwol in Vanuatu) and illustrates what small and endangered languages can teach us about the range of possible human languages, and about the human language faculty in general. A special focus is laid on the language Daakie, spoken on the island Ambrym in Vanuatu, based on original research of the author. The article also summarizes the discussion in linguistics on the complex issue of documentation and stabilization of small languages and illustrates the research methods and archiving facilities that have been developed in linguistics
Ungesagtes
Das diesjährige Junge Akademie Magazin setzt sich unter dem Titel „Ungesagtes“ mit Aspekten wissenschaftlicher Arbeit auseinander, die – weil sie in der Regel als nicht vereinbar mit einem Ideal objektiver Wissenschaft gesehen werden – im Forschungsalltag gar nicht, selten oder auf nur verhaltene Weise zum Ausdruck kommen. Oft genug bleibt der Einfluss solcher „ungesagten“ Aspekte auf die Arbeit von Wissenschaftler*innen, auf den Erkenntnisprozess und letztlich auf die wissenschaftlichen Ergebnisse ungesehen oder mindestens unterschätzt. Die Rede ist von all dem, was wir üblicherweise als „subjektiv“ begreifen und was das forschende Subjekt als solches in die wissenschaftliche Arbeit mit hineinträgt: eigene Ansichten und Werte, die unausgesprochen auf die Art des Umgangs mit bestimmten Themen und Gegenständen wirken, Glaubensvorstellungen, die einem von der Forscherin oder dem Forscher als getrennt geglaubten „Privatsubjekt“ unterstellt werden, Emotionen, die als jeder noch so leidenschaftlichen Wissenschaftspraxis fern begriffen werden, oder auch Aspekte wie Kreativität, die eher mit künstlerischer als wissenschaftlicher Praxis assoziiert werden. Aber natürlich sind abseits der subjektiven Dimension von Wissenschaft subtile Prozesse in ihrem Einfluss auf menschliches Verhalten auch als Forschungsthema interessant. Und eben zwischen diesen beiden Polen spannen sich die Artikel des vorliegenden Magazins auf. Dass die sechs Beiträge am Ende teils ganz andere Aspekte des Ungesagten beleuchten, liegt in der Natur der Sache: Die Auswahl derjenigen Themen, die unter diesem Schlagwort als relevant für die eigene Arbeit oder für die eigene Fachdisziplin erachtet werden, ist eben selbst wieder subjektiv. Viola Priesemann blickt in ihrem Text auf die Kultur öffentlicher Wissenschaftsdebatten im Kontext der COVID-19-Pandemie und sieht im offenen, interdisziplinären Diskurs, der auch schwierige Fragen nicht ausspart, einen Weg, medial inszenierte Schaukämpfe zu umgehen. Julia Gurol wirft einen kritischen Blick auf die Asymmetrien, die in der Wissensproduktion zwischen dem Globalem Norden und Süden bestehen und stellt fest, dass diese noch zu selten in den derzeitigen Debatten über einen nachhaltigeren Wissensbetrieb reflektiert werden. Sebastian Hellmeier wiederum nimmt sich mit dem Peer-Review-Verfahren ein anderes vieldiskutiertes Thema vor und stellt fest, dass trotz des immer problematischen Faktors Mensch und der sonstigen Schwächen der Methode eine Alternative dazu nicht in Sicht ist. Garvin Brod geht in seinem Text dem Konzept der Überraschung nach und beobachtet, dass trotz der Beliebtheit des Konzepts in psychologischen Theorien dessen subjektives Korrelat gar nicht so einfach messbar ist. Simon Wolfgang Fuchs fragt nach den Legitimationszwängen, unter denen die wissenschaftliche Arbeit hinsichtlich der ihr zu Grunde liegenden Interessen und Motivationen steht: Geht Wissenschaft auch ohne „intellectual scaffolding“? Und Mira Sievers schließlich gibt im Gespräch Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit einer Theologin – im Umgang mit Glaubensfragen und dem „Unsagbaren“. Auf der Posterseite des Magazins findet sich diesmal ein berühmtes philosophisches Diktum. Das Poster spielt auf grafische Weise mit der Idee des Zeitlichen in Bezug auf Ungesagtes: Nicht alles wird zu jeder Zeit nicht gesagt. Und es greift den Gedanken des Raumes auf, der sich im Ungesagten öffnet – Raum, der auf ganz unterschiedliche Weise gefüllt werden kann
Organisatorische Voraussetzungen der Notfallvorsorge für Kulturgüter
Feuer, Wasser, Erdbeben, Umweltkatastrophen, bewaffnete Konflikte und andere Ereignisse können Kulturgüter in wenigen Augenblicken zerstören oder so schwer beschädigen, dass sie auf lange Zeit nicht mehr genutzt werden können oder sogar gänzlich verloren sind. Ein Notfall oder gar eine Katastrophe sollte niemals auf unvorbereitete Akteure treffen. Die Besonderheit im Fall von Kulturgütern ist, dass es nicht nur darum geht, das Schadensereignis selbst zu bekämpfen, sondern auch darum, die Kulturgüter möglichst unversehrt zu bergen. Dafür müssen die Kulturgut bewahrenden Einrichtungen mit anderen Organisationen wie z. B. der Feuerwehr eng zusammenarbeiten. Dieses Diskussionspapier legt das Wissen aus der Organisations- und Katastrophenforschung zur zuverlässigen Bewältigung von Notfallsituationen dar und beschreibt davon ausgehend die organisatorischen Voraussetzungen, die für eine effektive Notfallvorsorge für Kulturgüter hierzulande unabdingbar sind