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Die COVID-19-Pandemie: Lehren für Global Public Health
Die COVID-19-Pandemie hat eine weltweite Krise ausgelöst, die u. a. Millionen von Toten forderte, für ökonomische Verwerfungen sorgte und Gesundheitssysteme – selbst in ressourcenstarken Ländern wie Deutschland – an Kapazitätsgrenzen brachte. Bezogen auf das Gesundheitssystem ist die COVID-19-Pandemie jedoch eher eine Public-Health-Krise als dass sie die ambulante und stationäre Gesundheitsversorgung in Deutschland im Ganzen überforderte, denn die Infektionsschutzmaßnahmen verhinderten mit lokalen und temporären Ausnahmen eine Überlastung der Gesundheitsversorgung. In diesem Zusammenhang wird zunehmend von einer Resilienz der Gesundheitssysteme gesprochen, einem Begriff, der ursprünglich im Katastrophenschutz Verwendung fand (Haldane,De Foo et al. 2021, Haldane, Jung et al. 2021). Da die COVID-19-Pandemie jeden Erdteil, jedes Land und jede Kommune weltweit getroffen hat, ist eine vergleichende Analyse einzelner nationaler Gesundheitssysteme ein hervorragender Startpunkt für einen Lernprozess, um die Welt zukünftig krisenfester zu gestalten (El Bcheraoui et al. 2020). In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf das Pandemiegeschehen und dessen Bewältigung in Deutschland mit einem Fokus auf das Robert Koch-Institut (RKI), Deutschlands Nationalem Public-Health-Institut, und ziehen daraus auch Rückschlüsse für die Globale Gesundheit. Dies ist jedoch nur eine Momentaufnahme, denn eine abschließende Bewertung erfordert eine ausführliche Evaluierung. Ebenso sind die langfristigen Auswirkungen noch nicht vollständig sichtbar, weshalb einige Schlussfolgerungen als vorläufig zu betrachten sind.The COVID-19 pandemic triggered a global crisis, which, among other things, caused millions of deaths, economic upheaval and brought health systems – even in resource-rich countries like Germany – to the limits of their capacity. With regard to the healthcare system, however, the COVID-19 pandemic is more of a public health crisis than overwhelming outpatient and inpatient healthcare in Germany as a whole, because infection control measures, with local and temporary exceptions, prevented healthcare from being overloaded. In this context, there is increasing talk of health systems resilience, a term originally used in civil protection (Haldane, de Foo et al. 2021, Haldane, Jung et al. 2021). Since the COVID-19 pandemic hit every continent, every country and every municipality worldwide, a comparative analysis of individual national health systems is an excellent starting point for a learning process to make the world more crisis-proof in the future (El Bcheraoui et al. 2020). This article focuses on the pandemic and its management in Germany with a spotlight on the Robert Koch Institute (RKI), Germany’s National Public Health Institute, and also draws conclusions about global health. However, this is only a snapshot because a final assessment requires an elaborate evaluation; besides long-term effects are not yet entirely visible. Therefore, some conclusions may be tentative
Roboter-Hausfrauen und Vorstadt-Cyborgs: Gender und KI in Die Frauen von Stepford (1975 und 2004)
Im Roman Die Frauen von Stepford (1972, engl. Orig.: The Stepford Wives) werden emanzipierte Frauen von ihren Ehemännern durch willfährige Roboter-Kopien ersetzt. Bereits 1975 kam unter der Regie von Bryan Forbes die erste Verfilmung in die Kinos und avancierte zu einem Kultfilm. 2004 lieferte der Regisseur Frank Oz eine erneute filmische Inszenierung des Stoffs. Ob die Kernaussage der Frauen von Stepford eine feministische oder doch eine verkappt patriarchalische ist, wird ambivalent diskutiert, sehen doch der Roman wie auch Forbesʼ Film für die weiblichen Protagonistinnen kein gutes Ende vor. Der vorliegende Aufsatz möchte unter Bezugnahme auf theoretische Ansätze (u. a. von Mulvey, Butler und Haraway) untersuchen, wie beide filmischen Adaptionen Geschlecht inszenieren, welche Genderkonzepte aufgerufen und in welchen Bedeutungszusammenhängen sie kontextualisiert werden. Es sollen Akzent- und Bedeutungsverschiebungen zwischen Erstverfilmung und Remake aufgedeckt werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, wie beide Filme das Verhältnis von Technik, insbesondere den Topos des künstlichen Menschen, und Gender reflektieren und inwiefern dies ein relevanter Faktor für die jeweilige Bedeutungsproduktion des Films ist. Dabei soll illustriert werden, dass die Erstverfilmung unter Bezugnahme auf den Topos der Androiden gerade in ihrem radikal negativen Ausgang patriarchalische Machtstrukturen dekonstruiert, während die Neuverfilmung durch eine spezifische Funktionalisierung des Cyborg-Motivs vielmehr im postfeministischen Diskursfeld zu verorten ist und feministische Positionen relativiert.In the novel The Stepford Wives (1972) liberated women are replaced with compliant robots by their husbands. After the book was first adapted for the screen by Bryan Forbes in 1975, another movie adaptation, this one by Frank Oz, was released in 2004. Whether The Stepford Wives as a story is inherently based on a feminist quintessence or on the contrary on a patriarchal one, is a highly controversial matter: in the novel as well as Forbes’ movie the female protagonists meet a fatal end instead of successfully fighting back. With reference to specific gender theories (including Mulvey, Butler, and Haraway) this essay will explore how both movies adapt the story of the Stepford Wives and associate it with certain visualizations of gender relations. The question is, which gender concepts come into play and how they are embedded in structures of symbolic meaning. The main issue here is to reveal the differences between Forbes’ movie and Oz’ re-adaptation. A key aspect is the question of how each movie reflects the embodiment of technology (especially the trope of artificial humans/robots) and gender and how that plays into the level of symbolic meaning. I would like to illustrate that it is precisely the darkest possible ending of the first movie adaption and its radical negativity that deconstructs patriarchal power structures, whereas the re-adaptation from 2004 features a specific transformative interpretation of the cyborg-motive that locates it in postfeminist discourse and subverts feminist positions
Vernetzte Künstliche Intelligenz: Frühe bundesdeutsche KI-Forschung von den 1960er bis Ende der 1980er Jahre
Wir betrachten verschiedene Forschungsnetzwerke der Künstlichen Intelligenz (KI) in der Bundesrepublik von den 1960er bis Anfang der 1980er Jahre. Im Zentrum unserer Betrachtungen steht dabei – in Anlehnung an netzwerkanalytische Ansätze – die Vernetzung verschiedener Personen und Gruppen, die wir in Hinblick auf ihre Größe, Art und Stärke der Beziehungen und Organisation der Netzwerkstrukturen unterscheiden, um die vertikalen und horizontalen Wanderbewegungen von KI-Wissen nachzuvollziehen. Nach Karl Steinbuch (1917–2005) und den Forschungen in Karlsruhe wenden wir uns der bundesweiten Informatikförderung zu, um schließlich über die Entwicklung des Kommunikations- und Tagungsnetzwerkes der KI aus der Informatik heraus zur institutionellen Etablierung von Künstlicher Intelligenz in der Bundesrepublik zu kommen. Es zeigt sich dabei, dass die breite politische Top-down-Förderung der Informatik an bundesdeutschen Hochschulen wie ein Katalysator auf frühe Bottom-up-Initiativen der KI wirkte. Wo einzelne, wenn auch gut vernetzte, aber personenorientierte Forschungsgruppen scheiterten, machten die überregionalen, politisch und institutionell geförderten und bereitgestellten Strukturen eine Etablierung der KI möglich.We look at several research networks of Artificial Intelligence (AI) that developed in the Federal Republic of Germany between the 1960s and the early 1980s. Inspired by network analytic approaches we focus on the networks of people and groups, looking at their relative sizes, and the types and strengths of their structures. Thus, we reconstruct the vertical and horizontal movements of knowledge of AI. After Karl Steinbuchʼs (1917–2005) and others research at Karlsruhe we turn to the federal funding of computer science that set in in the late 1960s. Resilient AI research networks began developing within and next to computer science, establishing communication and conference networks, which ultimately led to the institutional establishment of AI in the late 1970s, early 1980s. We show that the political, (top-down) promotion of computer science at West German universities functioned as a catalyst for early bottom-up initiatives for AI. Where single research groups, which may have been well connected but were often too focused on single personas, failed, the transregional, politically and institutionally provided and supported networks allowed the establishment of AI in West Germany
Diagrammatik, Designphilosophie und Deep Learning: Eine Hypothese
Diagramme stehen heute nicht von ungefähr hoch im Kurs. Die KI-Forschung hat Fortschritte gemacht, die eine archäologische Verwandtschaft mit philosophischen Fragen und Lösungskonzepten aufweisen. Die logische Topdown-Modellierung von Künstlichen Intelligenzen (KI) in der Anfangsphase ist seit den 1970er Jahren einer fundamentalen philosophischen Kritik unterzogen worden, die in der Reaktion zu ihrer tieferen Einbettung in die menschliche Lebenswelt mithilfe empirisch-induktiver Datensätze führte. Was wir heute dagegen beobachten, stellt eine Neustrukturierung des Feldes in Aussicht, bei der Vermittlungsleistungen zwischen Begriff und Anschauung wie der kantische Schematismus oder Peirces diagrammatic reasoning in Zukunft eine wichtige Rolle spielen dürften. Dabei scheint ein wesentlicher Aspekt jedoch noch unterbelichtet: die Bedeutung des professionellen Designs für die Diagrammatik menschlichen Lernens und Lehrens. Abgesehen davon, dass jedes Diagramm schon ein Design ist, empfiehlt es sich auch umgekehrt, das digitale Design der Gegenwart als eine Diagrammatik unserer Lebenswelt zu begreifen, die nicht allein menschliche Handlungsvollzüge instruieren kann. Der Übergang von Smartness zu Intelligenz wäre demnach die Frage eines umfassenden Kommunikationsdesigns (KD). Künstliche Intelligenzen darin zu belehren, hieße, sie menschliches Lernen lernen zu lassen. Die Hypothese lautet demnach: Keine Künstliche Intelligenz wird ihren Namen verdienen, ohne ein anspruchsvolles Verständnis von Kommunikationsdesign auszubilden, kurzum: keine KI ohne KD.Diagrams are not popular by chance. Artificial Intelligence (AI) research has made advances that have an archaeological kinship with philosophical questions and concepts. The logical top-down modelling of AIs in the early stages has been subjected to a fundamental philosophical critique since the 1970s, which in response led to their deeper embedding in the human lifeworld with the help of empirical-inductive data sets. What we observe today, on the other hand, promises a restructuring of the field, in which mediation between concept and intuition, such as Kantʼs schematism or Peirceʼs diagrammatic reasoning, is likely to play an important role. However, one essential aspect still appears to be overlooked: the significance of professional design for the diagrammatics of human learning and teaching. Apart from the fact that every diagram is already a design, we might also gain from interpreting the digital design of the present as the diagrammatics of our lifeworld, which not only instruct solely human actions. The transition from smartness to intelligence would then be an issue of comprehensive communication design (CD). To instruct artificial intelligences in this would mean letting it learn human learning. The hypothesis is thus: No artificial intelligence deserves its name without developing a sophisticated understanding of communication design, in short: no AI without CD
Plausibilisierung wissenschaftsexterner Risikokommunikation zu Teilchenbeschleunigern des CERN und zu Atomkraftwerken, 1955 – 1965
Obwohl Ringbeschleuniger und Atomkraftwerke verschiedenartige Strahlenschutzprobleme aufweisen, gehen von beiden Risiken aus, die im Untersuchungszeitraum von Wissenschaftlern gegenüber Laien thematisiert und bewertet wurden. Wie konnten die Absender dieser Kommunikation Glaubwürdigkeit und Vertrauen bei Rezipienten erzielen? Glaubwürdigkeit entwickelt gerade bei prospektiven Schätzungen für Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadens eine besondere Bedeutung, war allerdings im Untersuchungszeitraum schwer zu erlangen. Wissenschaftler besaßen Wissenslücken zu Strahlenrisiken. Umgekehrt war Laien nach Abwurf der Atombomben bewusst: Strahlung ist gefährlich. Es wurden Medien der externen Kommunikation des CERN untersucht und mit populärwissenschaftlichen Printmedien verglichen, welche Wissenschaftler zur Risikobetrachtung von Kernkraft publizierten. CERNs Medien verwenden zur Plausibilisierung Statistiken, Berechnungen, technische Zeichnungen sowie Fotos und Filmsequenzen, welche die Strahlenschutzmaßnahmen zeigen. Wissenslücken wurden benannt. Quellen, die der Risikokommunikation zu Atomkraftwerken dienten, benennen Gefahren und kombinieren dies mit Entwarnungen. Eine Plausibilisierung, etwa in Form von Statistiken, fehlt. Die Autoren gingen mit emotionaler Gestaltung der Inhalte auf Ängste ein, die sie bei Rezipienten vermuteten. Wissenslücken wurden nicht benannt. Die Gründe für die Befunde sind vielschichtig. Ökonomische Interessen der Atomwirtschaft, die bei CERN so nicht vorhanden waren, spielten hier eine ebensolche Rolle wie Ziele politischer Akteure, zu deren Unterstützung Wissenschaftler ihre Expertise zur Verfügung stellten – nicht zuletzt aus individuellen finanziellen Interessen.Although ring accelerators and nuclear power plants have various radiation protection problems, both produce risks which were addressed and evaluated by scientists to laymen during the investigation period. How could the senders of this communication gain credibility in recipients? Credibility is particularly important in prospective estimates of the probability of damage occurring, but was difficult to obtain during the investigation period because scientists had knowledge gaps on radiation risks. Conversely, laymen knew after the dropping of the atomic bombs: radiation can be extremely dangerous. This work examines media of CERN’s external communication and compares the content with popular scientific print media published by scientists to assess the risk of nuclear power. CERN’s authors used statistics, calculations, technical drawings, photos and film sequences showing radiation protection measures to create plausibility. Knowledge gaps were specified. Sources that used risk communication on nuclear power plants, name hazards and combine this with all-clear. Plausibility, for example in the form of statistics, is lacking. Knowledge gaps were not mentioned. The authors addressed the fears they suspected in recipients with an emotional design of the content. The reasons for the findings are complex. Economic interests of the nuclear industry, which were not present at CERN, played a role here as well as the goals of political actors, to whose support scientists made their expertise available – not least for individual financial interests
Drei Formen der Infragestellung der Bedeutsamkeit und Verlässlichkeit von wissenschaftlicher Expertise
Wissenschaftliche Expertise wird in unterschiedlichen Kontexten auf verschiedene Weise infrage gestellt. Ebenso variiert der Referenzrahmen, auf den sich die Infragestellungen beziehen. Im Text werden drei Formen der Infragestellungen unterschieden: (1.) im Kontext der Wissenschaften, hierbei werden Verlässlichkeit und Geltung des wissenschaftlichen Wissens hinterfragt, der Referenzrahmen für diese Art der Infragestellung bildet Wissenschaftlichkeit. (2.) im Kontext von Verwaltung und Politik, wo der Gebrauch der wissenschaftlichen Expertise für Entscheidungen kritisiert wird. Diese Kritik referiert im Allgemeinen auf eine nicht genügende sachliche Angemessenheit der wissenschaftlichen Expertise. (3.) im Kontext der Transformation zur Wissensgesellschaft, an der der Vorrang wissenschaftlichen Wissens und wissenschaftlicher Expertise gegenüber anderen Wissensformen und Argumenten beanstandet und damit die Referenz auf rationale Begründungen für politische und administrative Entscheidungen abgelehnt wird.Scientific expertise is questioned in different ways in various contexts. The frame of reference of these contestations varies, too. We distinguish between three forms of contestations: (1.) in the context of the sciences, where the reliability and validity of scientific knowledge is questioned; the frame of reference is scientificity. (2.) in the context of politics and policy, where the use of scientific expertise for decision-making is criticized. This critique refers to an insufficient problem-adequacy of scientific expertise. (3.) in the context of the transformation to a knowledge society, where the priority of scientific knowledge and scientific expertise towards other forms of knowledge and arguments is claimed. This kind of contestation rejects rational substantiation of political and administrative decisions in principle
“eine Propaganda der Liebe und des Lichtes…”: On the Reception of Haeckel’s Popularization of Science in California around 1900 : The San Francisco ‘Bohemians’ as Haeckel’s American Disciples
This article looks at the literary and cultural reception of Ernst Haeckel (1834 –1919) by American poets, writers, artists and scientists, who were all members of the San Francisco Bohemian Club. It pays particular attention to the San Franciscan architect and poet, Herman George Scheffauer (1876 –1927), who after a visit to Haeckel in Jena in 1904 became a friend and American disciple, documented in their unpublished correspondence. Scheffauer brought with him news that a new school of American poetry inspired by Haeckel’s writings on evolution and monism was emerging in California, where, as self-styled monist poets, they were attempting to combine poetry and science. George Sterling’s (1869 –1926) poem, ‘The Testimony of the Suns’, was acclaimed in a Californian literary magazine in 1904 as “the embodiment of Haeckelian philosophy”. The writer Jack London (1876 –1916) also sent one of his evolutionary novels to Haeckel. Scheffauer published articles and poems on Haeckel in America and Britain, as well as translating him. At the outbreak of WWI, when Haeckel dramatically severed all relations with England, Scheffauer remained his only loyal disciple living in London. In 1915 moving to Germany, with Haeckel’s assistance, he became the literary editor of a Berlin based newspaper for Americans, The Continental Times. As a later translator of Thomas Mann (1875 –1955) and with him co-editor of a literary project Romane der Welt (1927f.), he continued the Haeckelian role of popularising not only science but literature as well.Dieser Artikel befasst sich mit der literarischen und kulturellen Rezeption von Ernst Haeckel (1834 –1919) durch amerikanische Dichter, Schriftsteller, Künstler und einen Wissenschaftler, die alle Mitglieder des San Francisco Bohemian Clubs waren. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Architekten und Dichter Herman George Scheffauer (1876 –1927), der 1904 Haeckel in Jena besuchte und ein Freund und treuer Schüler wurde, was sich in ihrem bislang unveröffentlichten Briefwechsel niederschlägt. Scheffauer brachte die Nachricht mit, dass eine neue amerikanische Schule der Poesie, inspiriert von Haeckels populären Schriften über Evolution und Monismus, in Kalifornien entstanden sei, wo sie als selbsternannte monistische Dichter versuchten, Poesie und Wissenschaft zu verbinden. George Sterlings (1869 –1926) Gedicht ‚The Testimony of the Suns‘ wurde 1904 in einer kalifornischen Literaturzeitschrift als „Verkörperung der Haeckelschen Philosophie“ gepriesen. Auch Jack London (1876 –1916) schickte Haeckel einen seiner Evolutionsromane. Scheffauer veröffentlichte weiterhin Übersetzungen von Haeckels Schriften sowie Artikel und Gedichte über Haeckel sowohl in Amerika als auch in Großbritannien. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als Haeckel alle persönlichen Beziehungen zu England abbrach, blieb Scheffauer sein einziger treuer Schüler, der zu dieser Zeit in London lebte und schließlich 1915 nach Deutschland zog, wo er die literarische Redaktion der deutsch-amerikanischen Propagandazeitung The Continental Times aufnahm. Als späterer Übersetzer von Thomas Mann (1875 –1955) und Mitherausgeber des literarischen Projekts Romane der Welt (1927f.) setzte er die Haeckelsche Rolle der Popularisierung nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Literatur fort
Global Health. Von Gesundheitsleistungen über Klimawandel bis zu sozialer Gerechtigkeit: Vorträge anlässlich der Jahresversammlung am 23. und 24. September 2022 in Halle (Saale)
Globale Gesundheit ist ein Bereich der Lehre, Forschung und Praxis, der prioritär auf die Verbesserung von Gesundheit mit gleichem Zugang für alle Menschen weltweit zielt. Es ist bemerkenswert, dass vielfach die menschliche Gesundheit ausschließlich als Domäne der Medizin betrachtet wird, obwohl das psychische und physische Wohlbefinden unserer Mitmenschen zuallererst von Bildungsstand, Lebensstil, Entfaltungsmöglichkeiten und der Umwelt abhängt. Die Leopoldina hat die Gelegenheit ihrer Jahresversammlung genutzt, das breite Themenspektrum der Globalen Gesundheit wissenschaftlich beispielhaft darzulegen und zu diskutieren.Health is not just a medical issue, because it requires physical, mental and social well-being. Moreover, in a highly interconnected world, health is not a purely national affair. In addition to inadequate health systems or the spread of infectious diseases, human health is further threatened in many places around the world by environmental pollution, climate change, resource depletion as well as poverty and social inequalities. In 2022, the Leopoldina dedicates its Annual Assembly to the topic of Global Health. From 23–24 September, scientists come together in Halle (Saale) to discuss how social, economic and environmental risks to health can be dealt with and how living environments can be shaped in a way to promote health. The scientific coordination of the Annual Assembly 2022 is taken over by the veterinarian and microbiologist Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Senator of the Global Health Section, together with Prof. Dr. Susanne Hartmann and Prof. Dr. Thomas Mettenleiter