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Transformative Science for Sustainable Development: Science 20 Communiqué, G20 India 2023
This statement was prepared by the National Academies of Sciences of the G20 states under the leadership of the Indian National Science Academy INSA to provide scientific advice to the G20 Summit of Heads of State and Governments in India in 2023. Ahead of the G20 Summit on 9-10 September 2023 in New Delhi, India, the National Academies of Sciences of the G20 countries, under the leadership of the Indian National Science Academy (INSA), have published a joint statement. Under the overarching theme of “Transformative Science for Sustainable Development”, the academies recommend concrete actions to address challenges in clean energy, holistic health, and the connection between science, society and culture.Diese Stellungnahme wurde von den Nationalen Akademien der Wissenschaften der G20-Staaten unter Federführung der Indian National Science Academy INSA zur Beratung des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefinnen und -chefs der G20 Staaten in Indien im Jahr 2023 erarbeitet. Im Vorfeld des Gipfeltreffens der G20-Staaten am 9.-10. September 2023 in Neu-Delhi/Indien haben die Wissenschaftsakademien der G20-Staaten unter Federführung der Indian National Science Academy (INSA) eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Unter dem Oberthema „Transformative Wissenschaft für eine nachhaltige Entwicklung“ empfehlen die Akademien konkrete Maßnahmen zu Herausforderungen bei sauberer Energie, ganzheitlicher Gesundheit sowie der Verbindung von Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur
Die Zukunft der Ernährung in Europa: Interdisziplinäre Perspektiven
Krieg, Klimawandel und Artensterben stellen massive Herausforderungen dar – und zwar für absolut lebenswichtige Aspekte: Für die Versorgung der Weltbevölkerung mit Nahrung. Diese Bedrohung ist spätestens seit den durch die Pandemie und den russischen Angriffskrieg unterbrochenen oder eingeschränkten Lieferketten für große Teile der Bevölkerung spürbar geworden. Hinzukommen – als Folge des Klimawandels – Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Überflutungen. An vielen Orten brechen die Erträge der landwirtschaftlichen Produktion ein. Wenn schon heute das stabile Wirtschafts- und Gesellschaftsgefüge ins Wanken gerät, welche Instabilitäten haben wir dann für die Zukunft zu befürchten? Unter dem Titel „Die Zukunft der Ernährung in Europa: Interdisziplinäre Perspektiven“ diskutiert diese Frage ein interdisziplinäres Autor*innen-Team der Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit. Der Beitrag basiert zum Teil auf den Aktivitäten einiger Mitglieder der Jungen Akademie im Salon Sophie Charlotte der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 21. Mai 2022
Imitatoren des Menschlichen: Eine Historie der stereotypen Reproduktion von assistierender Weiblichkeit in Design und Technologie
Seit Jahrhunderten träumt die Menschheit von Robotern und Künstlicher Intelligenz (KI). Endlich im KI-Zeitalter angekommen, finden wir aber bei KI-Anwendungen oft nur klischeebehaftete Imitationen des Menschlichen, die Geschlechterstereotype reproduzieren. Ausgehend von der Annahme, dass stereotype Repräsentationen von Geschlecht bei intelligenten smarten Assistentinnen und Assistenten (IPAs) das Ergebnis eines Gendering-Prozesses sind, haben wir den historischen Diskurs anhand dreier Berufe analysiert, die in der allgemeinen Wahrnehmung als weiblich aufgefasst werden. Dadurch konnten wir einen Prozess der Feminisierung identifizieren, innerhalb dessen Berufe wie Typistin oder Telefonistin als weiblich konnotiert wurden. Gleichzeitig fand ein Prozess statt, in dem Elektrizität in die Haushalte einzog und eine bewusste Vermarktung von elektronischen Haushaltsgeräten, verbunden mit einer Idealisierung der „elektrischen Hausfrau“, stattfand. Dadurch wurden Vorstellungen von assistierender und domestizierter Arbeit mit Ideen zu Geschlecht verbunden. Diese Verbindung wurde durch Berufe wie Sekretärin, Personal Assistant oder in der Care-Arbeit reproduziert – und dadurch zum diskursiven Fundament, auf dem bei der Entwicklung weiblicher Personas von KI-Anwendungen wie Amazons Alexa oder Apples Siri aufgebaut wurde. Die Konsequenz ist, dass sich IPAs Stereotype und Klischees über weibliche Arbeit bedienen und Tech-Unternehmen davon profitieren.Mankind has dreamt about robots and Artificial Intelligence (AI) for centuries. Now that we have finally arrived in the age of AI, we find AI applications riddled with clichés, trying to imitate a human representation of female personas. Instead, their stereotype display of gender and work degrades female work. Starting with the assumption that gendering processes produce stereotype reproductions of gender-work relations within intelligent smart assistants (IPAs), we analyzed the historic discourse surrounding occupations deemed “female” in general perception. This enabled us to identify a process of feminization, within which occupations such as typist or telephonist were labeled as “female”. Parallel to this, electricity began conquering private households and companies began to market electric domestic appliances. Thus, the ideal of an “electric housewife” began developing. Both developments in the job market as well as in the household fused perceptions about assisting and domestic work with ideas about gender together. This fusion then was reproduced over and over by occupations as secretary, personal assistant or through emotional labour and became a discoursive fundament for the development of female personas for IPAs like Amazon’s Alexa or Apple’s Siri. One of the ramifications is the ongoing representation of gender stereotypes by IPAs, of which tech companies profit
Legitimer und illegitimer Dissens: Zu einem aktuellen Problem der Wissenschaft(sforschung)
In vielen zäh verlaufenden Kontroversen, etwa um den Klimawandel, die grüne Gentechnik oder das Impfen, gilt dauerhafter Dissens in Form (pseudo-)wissenschaftlicher Gegenexpertise als zentrales Hindernis auf dem Weg zu einer fortschrittlichen Politik. Es häufen sich daher in der Wissenschaftsforschung die Versuche, Kriterien für die Unterscheidung zwischen legitimem und illegitimem Dissens zu finden, um auf diese Weise lästige und unproduktive Auseinandersetzungen mit normativ unliebsamen Gegenstimmen wirkungsvoll beenden zu können. In diesem Kontext haben sich inzwischen drei Argumentationslinien etabliert: Eine erste Variante setzt auf Metaexpertise, d. h., interdisziplinär zusammengesetzte Expertengremien sollen über die Grenze zwischen relevanten und irrelevanten Wissensansprüchen bestimmen. Eine zweite Variante setzt auf Partizipation, d. h., kleine Gruppen gut informierter Bürger sollen darüber urteilen, ob ein bestimmter Dissens öffentliche Aufmerksamkeit verdient oder nicht. Eine dritte Variante verwirft die Suche nach eindeutigen Kriterien und plädiert dafür, das Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken, um illegitimem Dissens die Resonanzgrundlage zu entziehen. Allen drei Varianten ist gemeinsam, dass sie an eine große, generalisierbare Lösung glauben. Konstruktives Dissensmanagement jedoch, so die Kernthese dieses Artikels, sollte nicht auf der Ebene des Wissens stehen bleiben und nur die epistemische Qualität von Tatsachenbehauptungen kritisch prüfen. Vielmehr gilt es, die normativen Prämissen der Kontrahenten, also die normativen Quellen ihrer spezifischen Ontologie und Methodologie, zu rekonstruieren, um lästigen oder ärgerlichen Dissens wirkungsvoll entkräften zu können.In many tenacious controversies, such as climate change, genetic engineering or vaccination, permanent dissent in the form of (pseudo)scientific counter-expertise is considered a central obstacle on the way to progressive politics. For this reason, attempts to find criteria for differentiating between legitimate and illegitimate dissent are becoming increasingly common in science and technology studies, in order to effectively end annoying and unproductive disputes with normatively disagreeable dissenting voices. In this context, three lines of argumentation have now become established: A first variant relies on meta-expertise, i.e., interdisciplinary panels of experts should determine the boundary between relevant and irrelevant knowledge claims. A second variant relies on participation, i.e., small groups of well-informed citizens should judge whether a particular dissent deserves public attention or not. A third variant rejects the search for unambiguous criteria and advocates strengthening trust in science in order to remove the basis for resonance from illegitimate dissent. What all three variants have in common is that they believe in a definitive, generalizable solution. Constructive dissent management, however, according to the core thesis of this article, should not stop at the level of knowledge and only critically examine the epistemic quality of knowledge claims. Rather, it is necessary to reveal the normative premises of the opponents, i.e., the normative sources of their specific ontology and methodology, in order to effectively invalidate cumbersome dissent
Verdientes und verspieltes Vertrauen: Gegen die Verkürzung der Wissenschaft auf ihre Verlässlichkeit
Vertrauen ist eine soziale Kategorie, und Verlässlichkeit trägt technische Züge. Wer Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit von Wissenschaft dennoch gleichsetzt, traut der Wissenschaft nicht besonders viel zu. Während sich ihre Verlässlichkeit in einer Kultur der Vorhersage relativ leicht nachweisen lässt, kann Vertrauen verspielt und muss Vertrauen durch gute Taten verdient werden. Der Beitrag legt dar, wie die Forschung selbst zu einer Krise ihrer Vertrauenswürdigkeit beigetragen hat und wie sie Vertrauen wieder herstellen kann.Trust is a social category, and reliability is a technical virtue. If the trustworthiness of science is nevertheless reduced to its reliability, there is evidently not much that science deserves to be trusted for. In a culture of prediction, reliability can be ascertained fairly easily but trust can still be squandered and needs to be earned through good deeds. This contribution shows how research practices have themselves contributed to a crisis of trustworthiness, and how trust can be reclaimed
Ein öffentlicher Dialog zur Fortpflanzungsmedizin
Für die Verwirklichung eines unerfüllten Kinderwunsches stehen Verfahren der Fortpflanzungsmedizin zur Verfügung, die sich seit der Verabschiedung des Embryonenschutzgesetzes 1990 stetig weiterentwickelt haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine Novellierung des Embryonenschutzgesetzes oder gar ein gänzlich neues Fortpflanzungsmedizingesetz notwendig sind. Nicht nur in Fachkreisen werden Chancen und Risiken der Fortpflanzungsmedizin diskutiert, auch in der Gesellschaft gibt es klare Positionen und Gesprächsbedarf zu Themen wie künstlicher Befruchtung, Eizellspende oder Leihmutterschaft. Das Diskussionspapier „Ein öffentlicher Dialog zur Fortpflanzungsmedizin“ von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) wertet ein gemeinsam durchgeführtes Dialogprojekt aus, das Interessierte an der Fortpflanzungsmedizin in einem öffentlichen Online-Diskussionsraum ins Gespräch brachte
Delivering better health and well-being of older people through wisdom sharing and innovation: G7 Science Academies' Statement 2023
This statement was prepared by the National Academies of Sciences of the G7 states under the leadership of the Science Council of Japan to provide scientific advice to the G7 Summit of Heads of State and Government in Japan 2023. The proportion of the world’s population aged 65 or above is expected to increase from 10% to 16% by 2050. Entering this major demographic transition, there is a need to achieve a society in which an increasing number of people can enjoy health, well-being, and independence throughout their lifespans to the fullest extent. While it has been well established that maintaining an appropriate environment, physical activity, and social interactions is beneficial in reducing the likelihood of developing age-related diseases, our understanding of the underlying biological mechanisms is still insufficient to develop effective and personalized prevention strategies. This is one of the reasons that more investment is needed to promote aging science or “Geroscience”.Diese Stellungnahme wurde von den Nationalen Akademien der Wissenschaften der G7-Staaten unter Federführung des Science Council of Japan zur Beratung des G7-Prozesses im Jahr 2023 erarbeitet. Der Anteil der Weltbevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter wird voraussichtlich von derzeit 10 % auf 16 % im Jahr 2050 ansteigen. Zu Beginn dieses demografischen Wandels muss die Gesellschaft die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich immer mehr Menschen während ihres gesamten Lebens Gesundheit, Wohlbefinden und Unabhängigkeit erhalten können. Es sei bekannt, dass etwa körperliche Aktivität und soziale Kontakte die Wahrscheinlichkeit altersbedingter Krankheiten verringern, das Verständnis der zugrundeliegenden biologischen Mechanismen reiche jedoch noch nicht aus, um Präventionsstrategien zu entwickeln. Daher sind unter anderem Investitionen zur Förderung der Alter(n)s-Wissenschaften erforderlich
Urbane Gesundheitstransformationen in Asien
Seit etwa 30 Jahren vollziehen sich in den Staaten Asiens, wenngleich mit unterschiedlichen Dynamiken und Akteuren, tiefgreifende Transformationsprozesse, die speziell in den Städten und Megastädten massive Konsequenzen für die Gesundheit der Bevölkerungen haben. Die wichtigsten Transformationsprozesse werden nachfolgend zusammenfassend analysiert.For around 30 years, far-reaching transformation processes have been taking place in Asian countries, albeit with different dynamics and players, which have had massive consequences for the health of the populations, especially in cities and megacities. The most important transformation processes are summarized below