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    Mehr Freiheit - weniger Regulierung: Vorschläge für die Entbürokratisierung des Wissenschaftssystems

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    Das deutsche Wissenschaftssystem ist mit einer wachsenden Regelungsdichte bei gleichzeitig real schrumpfenden Finanzmitteln konfrontiert. Dies wirkt sich nicht nur auf die Wissenschaftseinrichtungen insgesamt aus, sondern führt auch bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu erheblicher Frustration und Resignation. Auf den fünf Handlungsfeldern Bestehende Handlungsspielräume besser nutzen, Tendenzen der Freiheitseinschränkung entgegentreten, Berichts- und Kontrollpflichten reduzieren, Wettbewerb um Drittmittel neu ordnen und Auf Kernaufgaben fokussieren skizziert dieses Diskussionspapier die derzeitige Situation und stellt Handlungsoptionen für die Entbürokratisierung des Wissenschaftssystems vor. Letztere folgen zwei Leitideen: Erstens sollten von staatlicher Seite grundgesetzlich geschützte Besonderheiten von Wissenschaftseinrichtungen deutlich stärker als bisher berücksichtigt werden. Zweitens sollten sich Wissenschaftseinrichtungen stärker auf ihre Eigenverantwortung besinnen

    Begrüßung

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    Festliche Übergabe der Präsidentschaft vom XXVII. Präsidenten Gerald Haug an die XXVIII. Präsidentin Bettina Rockenbach: am 21. Februar 2025 im Festsaal des Hauptgebäudes der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Jägerberg 1, in Halle (Saale)

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    Der Band berichtet über den Wechsel im Präsidentenamt der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften vom XXVII. Amtsinhaber Gerald Haug (Amtszeit 2020–2025) zu Bettina Rockenbach, als XXVIII. Präsidentin erste Frau an der Spitze der 1652 gegründeten Naturforschervereinigung. Die Dokumentation des Festaktes am 21. Februar 2025 im großen Saal des Akademiehauptgebäudes auf dem Jägerberg in Halle (Saale) umfasst neben der Bilanz des scheidenden Präsidenten für die zurückliegende Amtszeit und der Antrittsrede der neugewählten Präsidentin mit dem Ausblick auf zukünftige Aufgaben und Ziele in Gesellschaftsberatung und Wissenschaftskommunikation auch die Ausführungen der Vertreter des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt zum erfolgreichen Wirken der Nationalakademie aus der Perspektive der Politik

    „Richtig“ oder „Falsch“: Dies sind die Alternativen in der Mathematik

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    Der Titel der Jahresversammlung „Regeln der Wirklichkeit, Regeln für die Wirklichkeit“ enthält zwei Begriffe: Regeln und Wirklichkeit, und zwei Varianten, wie man sie verbinden kann. Man könnte scherzhaft fortfahren: Wirklichkeit der Regeln, Wirklichkeit für die Regeln…Ich beschränke mich auf die Begriffe. „Wirklichkeit“ ist ein unscharf definierter Begriff. Die Mathematik hingegen setzt eindeutige Definitionen voraus. Sie arbeitet mit den Begriffen richtig und falsch. Wenn es in der Mathematik so etwas wie eine Wirklichkeit gibt, dann die Wirklichkeit ihrer Regeln. Diese sind in Axiomen und Theoremen ausgedrückt, gegen die man nicht argumentieren kann, und nach denen wir vorgehen. Die Regeln beruhen auf den Kenntnissen, die wir im Laufe der Geschichte der Mathematik angesammelt haben. Somit sind die Regeln selbst historisch geprägt: Die Mathematik bringt uns, wenn man so will, durch die Hintertür zurück in die Wirklichkeit der Geschichte.The title of the meeting “Rules of Reality, Rules for Reality” contains two concepts: rules and reality, and two variants: how we can combine them. We could continue the combining as a joke: reality of the rules, reality for the rules… In what follows we focus on the concepts themselves. The concept “reality” isn’t sharply defined. Mathematics, in contrast, poses unambiguous definitions and works with the concepts “correct” or “wrong”. If ever there is something like reality in mathematics, then it is the reality of its rules. These are expressed in axioms and theorems. We cannot argue with them, we proceed following them. The rules are based on the knowledge we have accumulated throughout the history of mathematics. So those rules are shaped by history. By this indirect route mathematics brings us back to the reality of history

    Regeln des Alltags: Kulturelle Aneignung von biometrischer Technologie in Indien

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    Die Einführung neuer Technologien wird oft als Zäsur erlebt und ist manchmal explizit mit dem Ziel verbunden, etwas zu verändern. Gerade deshalb eignen sich solche Innovationen besonders gut, um das Beharrungsvermögen kultureller Prägungen besser zu verstehen. Am Beispiel der Einführung eines neuen biometrischen Zeiterfassungssystems in einem indischen Medienunternehmen zeigt der vorliegende Text, wie die Klassenidentität der Redaktionsmitglieder den Umgang mit den neuen Geräten bestimmt. Diese lehnen die neue Routine zunächst kategorisch ab und akzeptieren sie erst, als nach schwierigen Verhandlungen ein eigenes Gerät in den Redaktionsräumen installiert wird. Die Gründe für die anfängliche Ablehnung sind vielfältig, liegen aber unter anderem in der Abneigung vieler höherer Angestellter, jeden Morgen mit ihren Fingern dieselben Geräte berühren zu müssen wie die Arbeiter, die sie als minderqualifiziert ansehen und deren Körper sie als unrein empfinden. Ein Exkurs in hinduistische Körpervorstellungen kann diese Abwehr erklären und zeigen, wie tradierte ästhetische Urteile und damit verbundene Körpererfahrungen die Akzeptanz von neuen Entwicklungen präfigurieren.The introduction of new technologies is often experienced as a rupture and is sometimes explicitly linked to a desire for change. Such moments of innovation therefore offer an opportunity to better understand how inherited habits shape the future. Using the example of the introduction of a new biometric time recording system in an Indian media company, this text shows how the class identity of the editorial staff shapes the perception of these new devices. After initially categorically rejecting the new routine, they only accepted it when, after difficult negotiations, their own machine was installed in the newsroom. The reasons for the initial rejection are manifold, but include the reluctance of many senior employees to have to touch the same equipment with their fingers every morning as the workers, whom they see as less qualified and whose bodies they perceive as unclean. An eleboration to Hindu concepts of the body can explain this reticence and show how traditional aesthetic judgments and the physical experiences associated with them prefigure the engagement with new developments

    Beethoven und die Gesetzlichkeit der ästhetischen Freiheit

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    In der abendländischen Musikgeschichte gilt Ludwig van Beethoven als der Innovator schlechthin, als der gewissermaßen paradigmatische Fall eines Ringens um ästhetischen Fortschritt und die vorbehaltlose Freiheit der Kunst. Seine beharrliche Bemühung um immer neue Wege der künstlerischen Formung und der Erschließung bisher unerhörter Bereiche des musikalischen Ausdrucks hat im 19. und im frühen 20. Jahrhundert die Maßstäbe für Generationen von Künstlern (und nicht nur Musikern) gesetzt. Als Inbegriff einer rücksichtslos realisierten künstlerischen Freiheit war Beethoven eine einflussreiche Identifikationsfigur des bürgerlichen Zeitalters. Bei näherem Zusehen zeigt sich jedoch, dass das wohlfeil unterstellte Phantasma von Freiheit, Rücksichtslosigkeit und souveräner Regelverachtung eher eine Ideologie denn eine zutreffende Idee markiert. Wie es kaum anders sein kann, gehorcht noch die radikalste Innovation in Beethovens kompositorischem OEuvre einer strikten Gesetzlichkeit, die überhaupt nur die Kohärenz seiner Kunst garantiert, die aber in ihrer Präzedenzlosigkeit und Autonomie jede tradierte Regelhaftigkeit transzendiert und daher jeweils im Einzelfall erst analytisch freizulegen ist. Es handelt sich – auch im Selbstverständnis Beethovens – um eine Gesetzlichkeit der Freiheit, die den Komponisten nicht zufällig als den Zeitgenossen Kants und Schillers ausweist. An konkreten Beispielen soll dies über signifikante Stationen von Beethovens Entwicklung hinweg demonstriert werden.In the history of Western music, Ludwig van Beethoven is regarded as the innovator par excellence, as the paradigmatic case of a struggle for aesthetic progress and the unconditional freedom of art. His persistent efforts to find ever new ways of artistic expression and to open up previously unheard-of areas of musical expression set the standards for generations of artists (and not just musicians) in the 19th and early 20th centuries. As the epitome of ruthlessly realized artistic freedom, Beethoven was an influential figure of identification in the bourgeois age. On closer inspection, however, it becomes clear that the well-supposed phantasm of freedom, ruthlessness and sovereign disregard for rules is more of an ideology than an accurate idea. As could hardly be otherwise, even the most radical innovation in Beethoven’s compositional oeuvre obeys a strict legality that only guarantees the coherence of his art, but which in its unprecedentedness and autonomy transcends any traditional regularity and must therefore first be uncovered analytically in each individual case. It is a matter – also in Beethoven’s self-image – of a legality of freedom, which not coincidentally identifies the composer as a contemporary of Kant and Schiller. This will be demonstrated using concrete examples from significant stages in Beethoven’s development

    „[W]eit roher als man sie jetzt zu bereiten weiß“: Die ‚komparatistische Methode‘ in der Vergegenwärtigung steinzeitlicher Vorwelt im 19. Jahrhundert

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    Anhand der Beforschung der Funde von Pfahldorfresten am Zürichsee Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Antiquar Ferdinand Keller und ihrer Rezeption lässt sich nachvollziehen, wie die Konstruktion von Vorstellungen der prähistorischen Vorwelt sich einer komparatistischen Methode verdankt: Wissen über die menschliche Tiefenzeit wird vor allem mit Hilfe der ethnologischen Analogie produziert. Sie ermöglicht es, die Reste der Vergangenheit zu interpretieren und steinzeitliches Leben zu vergegenwärtigen, indem man prähistorische und gegenwärtige ‚fremde‘ materielle Kultur nach einem Prinzip des analogischen Denkens vergleicht. Diese tradierte Analogiebildung produziert, wie hier historisch und epistemologisch untersucht wird, in mehrfachem Sinn Vergegenwärtigungen: Erstens kleidet sie die Vorwelt in jene gegenwärtige Lebenswelten ein, die ihr den einzigen möglichen Vergleich bieten. Zweitens vereinnahmt sie die Vergangenheit für jeweils aktuelle Bedürfnisse, beispielsweise eine Rückprojektion schweizerischer nationaler Identität in der Pfahlbauer-Vorgeschichte. Zudem jedoch ist die komparatistische Methode, drittens, ihrerseits Teil einer kolonialistische Praktiken unterfütternden Chronopolitik, die nicht-europäische Gesellschaften als lebende Beispiele evolutionär ‚primitiver‘ Zeiten versteht und in einer ewig steinzeitlichen Gegenwart verortet.As the antiquary Ferdinand Keller’s research on the finds of pile-dwelling remains at Lake Zurich in the midnineteenth century shows, the construction of conceptions of the prehistoric is based firmly on a comparative method: knowledge about the deep human past is produced primarily with the help of ethnological analogy. By comparing prehistoric and contemporary material culture, both understood to be equally ‘strange’ to the European beholder, the analogy facilitates the interpretation of remains of the past and it enables visualizations of Stone Age life. The following will look into the rich tradition and epistemological workings of this analogizing and show how it produces ‘representations’ in more than one sense: First, it clothes the distant past in the texture of the contemporary life worlds that are used for the comparative method. Secondly, the analogy is used to claim the prehistoric for current agendas, e.g., by projecting a sense of a national Swiss identity back into the lake-dweller-past. Furthermore, the comparative method is, thirdly, itself part of a chronopolitics, which, deeply involved with colonial practices, understands non-European societies as living representatives of evolutionary ‘primitive’ epochs and codifies them as living in a continuing ‘Stone Age present’

    Abschiedsrede

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    Gesetz(e): Regeln der Wirklichkeit – Regeln für die Wirklichkeit: Vorträge anlässlich der Jahresversammlung am 28. und 29. September 2023 in Halle (Saale)

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    Die Frage nach Gesetzen, nach Regelmäßigkeiten stellt nicht nur ein elementares Prinzip wissenschaftlicher Arbeit dar. Sie vermag es ebenso, die verschiedenen Bereiche der Wissenschaft in der Leopoldina in diesem Anliegen miteinander zu verbinden. Denn nicht nur der Naturforscher, auch ein Sozial- oder Geisteswissenschaftler ist daran interessiert, solche Ordnungen zu entdecken und zu definieren. Der Physiker sucht nach Naturgesetzen, ein Politologe, der Wahlforschung betreibt, fragt nach den Regelmäßigkeiten im Verhalten an der Wahlurne, die Prognosen ermöglichen, und auch ein Musikwissenschaftler, der den Personalstil eines Komponisten beschreiben möchte, fragt nach wiederkehrenden musikalischen Mustern in seinen Werken, um z. B. die ungewisse Autorschaft für eine Symphonie oder Sonate bestimmen zu können. Der Gesetzesbegriff aber ist zugleich durch einen tiefen Gegensatz geprägt, den wir durch den Untertitel für die Jahrestagung 2023 der Leopoldina kenntlich gemacht haben: Regeln der Wirklichkeit – Regeln für die Wirklichkeit.The question of laws and regularities is not only an elementary principle of scientific work. It is also able to connect the various fields of science in the Leopoldina in this concern. After all, it is not only natural scientists who are interested in discovering and defining such orders, but also social scientists and humanities scholars. The physicist searches for laws of nature, a political scientist who conducts election research asks about the regularities in behavior at the ballot box that make predictions possible, and a musicologist who wants to describe the personal style of a composer also asks about repeating musical patterns in his works in order, for example, to be able to determine the uncertain authorship of a symphony or sonata. At the same time, however, the concept of law is characterized by a profound contrast, which we have identified in the subtitle of the Leopoldina’s 2023 annual assembly: Rules of reality – rules for reality

    Structure and members 2025

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    Gesamtverzeichnis der Struktur und der Mitglieder der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschafte

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