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“A Goat that Belongs to the Whole Village Belongs to Nobody”: The Promise and Challenge of Health Systems Research: An Opinion Piece
Health systems comprise all the resources, actors and institutions related to the financing, regulation, and provision of activities whose primary intent is to improve or maintain health: They are a common pool resource from which society draws to achieve collective health goals. Health systems research (HSR) is an applied research field with the goal of gaining and using knowledge to improve the organization and functioning of this common pool resource. This knowledge is a valuable shared resource for multiple policy and landmark decisions and actions. Unfortunately, health systems research – like all common pool resources – faces the challenge that if it generates valuable applied knowledge for a variety of groups and stakeholders, it belongs to everyone and risks belonging to no one and being neglected. Despite acknowledgements of its importance and steady improvements and gains in recent years, the discipline remains relatively poorly understood, underfunded, and under-utilized. Common pool resources need to have shared agreements, assigned caretakers and advocates to ensure that they are nurtured, protected, respected, and equitably used by all. To make further progress in this for health systems, it is important to continue to strengthen the understanding of the field and its relevance. Consideration should also be given to allocating a small percentage of total program and research funding – whether at the global, national, or subnational level. This would generate more research capacity and knowledge that could be applied to gain insights, develop policy and implement approaches to enhance the organization and operation of health systems.Gesundheitssysteme umfassen alle Ressourcen, Akteure und Institutionen, die mit der Finanzierung, Regulierung und Durchführung von Aktivitäten, die der Verbesserung oder Erhaltung der Gesundheit dienen, in Zusammenhang stehen: Sie sind eine gemeinsame Ressource, aus der die Gesellschaft schöpft, um kollektive Gesundheitsziele zu erreichen. Die Gesundheitssystemforschung (HSR) ist ein angewandtes Forschungsgebiet mit dem Ziel, Wissen zu gewinnen und zu nutzen, um die Organisation und Arbeitsweise dieser gemeinsamen Ressource zu verbessern. Dieses Wissen ist eine wertvolle gemeinsame Ressource für vielfältige politische und wegweisende Entscheidungen und Maßnahmen. Leider steht die Forschung im Bereich der Gesundheitssysteme – wie alle gemeinsamen Ressourcen – vor der Herausforderung, dass sie, wenn sie angewandtes, wertvolles Wissen für eine Vielzahl von Gruppen und Interessengruppen generiert, allen gehört und Gefahr läuft, niemandem zu gehören und vernachlässigt wird. Trotz Anerkennung ihrer Bedeutung und stetigen Verbesserungen und Fortschritte in den letzten Jahren ist diese Disziplin nach wie vor relativ wenig bekannt, unterfinanziert und wird nicht ausreichend genutzt. Gemeinsame Ressourcen bedürfen gemeinsamer Beschlüsse, zugewiesener Verwalter und Interessenvertreter, um sicherzustellen, dass sie gepflegt, geschützt, respektiert und von allen gleichberechtigt genutzt werden. Um weitere Fortschritte für die Gesundheitssysteme zu erzielen, muss das Verständnis und die Bedeutung für diesen Bereich weiter verbessert werden. Es sollte auch in Erwägung gezogen werden, einen kleinen Prozentsatz der gesamten Programm- und Forschungsfinanzierung zuzuweisen – sei es auf globaler, nationaler oder subnationaler Ebene. Dies würde mehr Forschungskapazitäten und Wissen schaffen, das für die Gewinnung von Erkenntnissen, Entwicklung von Strategien und Umsetzung von Ansätzen zur Verbesserung der Organisation und Funktion von Gesundheitssystemen genutzt werden könnte
Internationalisierung im Fokus: Innenansichten aus dem deutschen Wissenschaftssystem : ein Debattenbeitrag
Das Wissenschaftssystem in Deutschland erlebt eine Phase rasanter Internationalisierung: Globale Vernetzung gilt als Voraussetzung, Merkmal oder Garant wissenschaftlicher Spitzenforschung. Forschung ohne internationalen Einfluss und Anschluss wirkt heute undenkbar und rückständig. Doch was genau verstehen die Akteure im System eigentlich unter Internationalisierung – studentische Mobilität und globalen Ideenaustausch, oder Wettbewerb um exzellente Forschende und Spitzenplätze in Rankings? Mitglieder der Arbeitsgruppe Internationalisierung der liefern mit „Internationalisierung im Fokus: Innenansichten aus dem deutschen Wissenschaftssystem“ einen Einblick in den Stand der Internationalisierung in Deutschland. Der Debattenbeitrag basiert auf Fokusgruppensprächen mit diversen Akteuren des deutschen Wissenschaftssystems und wird durch Kommentare von Studierenden und Forschenden und einer wissenschaftssoziologischen und historischen Einordnung des Themas ergänzt. Er zeigt divergierende Definitionen des Internationalisierungsbegriffs und verschiedene Umsetzungskonzepte auf, beleuchtet die Arbeitsweise und Zielsetzungen der Internationalisierungsbüros in deutschen Hochschulen und diskutiert die heutigen Grenzen und Hürden der Internationalisierung
Roundtables "International Perspectives on Evidence-based Policymaking" and "How to strengthen Evidence-based Policymaking? Strategic Positioning within Government" – Event Documentation: Initiative for Evidence-based Policymaking 2023
Artefaktwissen, Wissensartefakte und die Weisheit der Künstlichen Intelligenz: Wie maschinelles Lernen unser Verständnis von Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit herausfordert
Visionen der Künstlichen Intelligenz haben Hochkonjunktur und erstrecken sich auch auf eine automatisierte Wissensproduktion. Der Beitrag hinterfragt kritisch die zugrundeliegenden Narrative, die sich mit Verfahren des maschinellen Lernens von deduktiven zu induktiven Vorgehensweisen gewandelt haben. Auf der Basis einer Erkenntniskritik des maschinellen Lernens werden zentrale Bestandteile dieser neuen Form der Wissensgenese – Daten, lernende Algorithmen, Anwendung und die Leithypothese des Gesamtsystems – auf ihre theoretisch-konzeptionelle Vorannahmen und technisch-mediale Rahmenbedingungen hin untersucht. Deutlich wird dabei, wie in der KI-Entwicklung weitreichende epistemische Setzungen vorgenommen werden, die implizit bleiben und in ihren Auswirkungen nicht kritisch reflektiert werden. Der Beitrag zeigt auf, wie im mangelnden Bewusstsein dieser Präkonfigurationen Gefahren für die Verlässlichkeit und damit auch für die Vertrauenswürdigkeit der darauf aufbauenden Wissensgenese liegen – und wie darauf reagiert werden sollte.Visions of Artificial Intelligence are booming and amount to automated knowledge production. The paper critically questions the underlying narratives, which have changed from deductive to inductive approaches using machine learning methods. Based on a critique of machine learning, key components of this new form of knowledge generation – data, learning algorithms, application and the guiding hypothesis of the overall system – are examined in terms of their theoretical-conceptual assumptions and technical-media framework conditions. It becomes visible how farreaching epistemic propositions are made in AI development, which remain implicit and are not critically reflected in their effects. The contribution shows how the lack of awareness of these preconfigurations threatens the reliability and thus also the trustworthiness of the knowledge genesis based on them – and how to react to them
Wissenschaft in der Verlässlichkeitsfalle?: Praktiken der Konstruktion von Relevanz und Neutralität
Einerseits wird oft die Auffassung vertreten, die COVID19-Pandemie habe eine Krise der Wissenschaft aufgezeigt. Andererseits könnte es so sein, dass gerade die Corona-Pandemie die Wissenschaft als vertrauenswürdige Garantin verlässlichen Wissens erwiesen hat. Zeiten starker Verunsicherung verschärfen Diskussionen über Stellenwert und Verlässlichkeit wissenschaftlichen Wissens. Verlässlichkeit wird dabei nicht nur als epistemische Kategorie gesehen, sondern auch in ihren sozialen Aspekten betrachtet. Der Band versucht, in verschiedenen Perspektiven Standards der Verlässlichkeit konkurrierender Wissensbestände und Probleme der Glaubwürdigkeit vermeintlich sicheren Wissens zu analysieren. Für die aktuellen Herausforderungen hat wissenschaftliches Wissen eine herausragende Bedeutung, da mögliche Lösungen wissensintensive Ansätze erfordern. Die Beiträge greifen die Verlässlichkeit in der Vielfalt des wissenschaftlichen Wissens in interdisziplinären Zugängen und mannigfaltigen Kontexten auf
Structure and members 2023
Gesamtverzeichnis der Struktur und der Mitglieder der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschafte
Walter Ulbricht in der Villa Medusa: Zur ambivalenten Rezeption des Monismus in der DDR
Im 19. Jahrhundert stieg der Zoologe Ernst Haeckel (1834 –1919) zum populären Darwinisten und Popularisierer einer naturwissenschaftlichen Weltanschauung, dem Monismus, auf. In der DDR entstand eine intensive Auseinandersetzung mit dem Leben und Schaffen Haeckels, dessen Nachlass im Ernst-Haeckel-Haus in Jena aufbewahrt wurde. Besondere mediale Aufmerksamkeit erfuhr das Haeckel-Haus im Oktober 1960, als der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht (1893 –1973), die „Villa Medusa“ besuchte und seine tiefe Anerkennung für den Jenaer Zoologen zeigte. Dennoch hinterließ Haeckel für die Gedenkkultur der DDR ein ambivalentes Vermächtnis. Die Rezeption Haeckels in der DDR, so die These, bewegte sich zwischen ideologischer Vereinnahmung und Abgrenzung: Während man Haeckel als Popularisierer des Darwinismus und scharfen Kirchenkritiker würdigte, verwarf man seinen pantheistisch geprägten Monismus als philosophische Verirrung. Schließlich war seine Vorstellung einer Gott-Natur mit dem Staatssozialismus, Marxismus und Atheismus der DDR nur schwer vereinbar. Eine ähnlich ambivalente Rezeption in der DDR widerfuhr dem Chemiker, Nobelpreisträger und zeitweiligen Präsidenten des Monistenbundes Wilhelm Ostwald (1853 –1932). Prägend für die doppeldeutigen Lesarten Haeckels und Ostwalds in der DDR war, wie sich zeigen wird, Lenins Polemik Materialismus und Empiriokritizismus (1909).Ernst Haeckel (1834 –1919), the most charismatic figure of German Darwinism in the nineteenth century, received a broad and lively reception in the German Democratic Republic (GDR). In October 1960, head of the GDR state council Walter Ulbricht (1893 –1973) visited the Haeckel Museum and Archive in Jena and demonstrated his deep admiration for Haeckel, whose books he had known since teenage days. After Ulbricht’s visit a new edition of Haeckel’s 1899 bestseller The Riddle of the Universe appeared and a movie about Haeckel’s life and work was planned, yet never realized. However, Haeckel’s reception in the GDR remained ambiguous, as the contribution will argue: While historians celebrated him as a popularizer of Darwinism and a radical critic of the church in Wilhelmine Germany, his pantheistic notions of “Got nature” did not fit the state’s socialist and atheist agenda. To a certain extent, Haeckel’s monism remained bourgeois and unscientific. The same dynamic happened to Wilhelm Ostwald’s (1853 –1932) reception in the GDR, who had been president of the Monist League from 1911 until 1915. The reason for Haeckel’s and Ostwald’s ambiguous receptions in the GDR was Lenin’s polemic Materialism and Empirio-criticism (1909). In this book, Lenin rejected Ostwald’s energetic worldview as “reactionary” because it denied the existence of matter
Haeckels ambivalentes Vermächtnis
Der Zoologe Ernst Haeckel (1834–1919) aus Jena gehört zu den schillerndsten Akteuren der Biologiegeschichte. Im Fokus des Bandes steht die Rezeption seines vielfältigen Werkes zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Gesellschaften. Dabei werden unter differierenden Aspekten die Beziehungen zwischen Naturwissenschaften, insbesondere Evolutionsbiologie, Naturphilosophie und politischen Dimensionen in Haeckels Wirken aufgearbeitet. Die Beiträge untersuchen die Rezeptionsgeschichte des Haeckelschen Schaffens in der Zeit des Nationalsozialismus und unter den Bedingungen der DDR. Sie analysieren Haeckel als Opponenten sowohl des mystischen Spiritismus als auch des Neukantianismus im frühen 20. Jahrhundert oder beschäftigen sich mit der Popularisierung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse am Beispiel von Haeckels Publikationsstrategien. Zudem werden Dispute um Darstellungen und Bilder Haeckels und ihr Einfluss auf Biologielehrbücher in den USA nachgezeichnet
Brain organoids - model systems of the human brain: Statement
Brain organoids are tissue structures created in the lab, which imitate certain functions of the brain. As a simplified model system, they enable experimental access to questions surrounding the development and function of the human brain. In the statement “Brain organoids – model systems of the human brain”, published by the German National Academy of Sciences Leopoldina, scientists examine the opportunities to be found in this research area and whether it should be more strictly regulated for ethical or legal reasons. Organoids are tissue structures derived from stem cells, which grow three-dimensionally in vitro, i.e., outside the human body, and imitate the cellular architecture and specific functional aspects of an organ. Just like the human brain, brain organoids consist of nerve cells and glial cells that form supportive and protective tissue. “Brain organoids provide new insights into early brain development and the development of neurological and psychiatric diseases. They also enable study of the effects of drugs, toxins, germs or viruses on human brain cells and on brain development,” says Hans Schöler, Director of the Department of Cell and Developmental Biology at the Max Planck Institute for Molecular Medicine Münster, Member of the Leopoldina, and a spokesperson of the working group behind the statement. The paper examines how research on and with brain organoids can enable a deeper understanding of individual processes of the human brain. In addition, the researchers explain how brain organoid research will examine application-focused questions, such as the creation of developmental disorders that may lead to neurological and psychiatric diseases, the mechanism of viral infections, and new insights into neurodegenerative processes. At the same time, research on brain organoids raises various ethical and legal questions. For example, the question of whether or not to introduce an obligation to protect brain organoids has yet to be clarified. Most experts agree that any such right would only arise if brain organoids were to possess consciousness or sentience – a condition which the working group believes is not fulfilled. After all, brain organoids to date have not attained the density and complexity of human brains. In addition, the tissue structures lack “sensory impressions”. Sensitivity to pain, for example, is a complex process involving various areas of the brain. The statement rejects the proposition that highly developed brain organoids merit protective status similar to that of embryos. As brain organoids, unlike embryos, cannot develop into a whole organism or even a human being, similar protection to that provided for embryos in the German Embryo Protection Act cannot be derived from current law and is not constitutionally required. The authors conclude that, in the foreseeable future, research on and with brain organoids in vitro will not raise any ethical or legal questions requiring regulation. However, current limits to the potential development of brain organoids could possibly be overcome in the future thanks to developments in this field of research. In this case, the researchers recommend that established procedures of self-regulation within the scientific community should be used to assess and react to ethically, legally or socially relevant developments in this field at an early stage. The statement was developed by the interdisciplinary working group “Brain Organoids – Opportunities and Limitations”, and involved researchers from medicine, neuroscience, law, medical ethics, philosophy, and information science
Bewältigung systemischer Risiken in einem sich wandelnden Klima: Der Beitrag von Wissenschaft und Technologie zur Unterstützung sektorübergreifender Entscheidungsprozesse: [Arbeitsübersetzung]
Diese Stellungnahme wurde von den Nationalen Akademien der Wissenschaften der G7-Staaten unter Federführung des Science Council of Japan zur Beratung des G7-Prozesses im Jahr 2023 erarbeitet. Die Wissenschaftsakademien der G7-Staaten nennen in ihrer Stellungnahme drei große aktuelle Herausforderungen: die Folgen des anthropogenen (menschenverursachten) Klimawandels, die sozioökonomischen und gesundheitlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Diese drei aufeinandertreffenden und sich gegenseitig verstärkenden Krisen verdeutlichten, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Beim Klimaschutz gebe es derzeit erhebliche Defizite auf dem Weg zu den Pariser Klimazielen: sowohl bei den zugesagten Klimaschutzbeiträgen als auch bei der Umsetzung der erforderlichen Treibhausgasemissionsreduktionen. Notwendig sei ein rasches und entschlossenes Handeln, um multiple Krisenkonstellationen zu bewältigen und die Entwicklung resilienter Gesellschaften zu fördern