Journal of Family Research
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Controversial Issues, Criteria, and Religion: A Radical Perspective on the Criterion Debate and some Remarks on Its Relevance for Religious Education
Dieser Text bietet eine radikale Perspektive auf die Kriteriendebatte und befasst sich mit ihrer Relevanz für den nichtkonfessionellen Religionsunterricht. Ich gehe davon aus, dass zwei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Anliegen im Mittelpunkt der Debatte stehen. Erstens geht es bei der Frage der Abgrenzung darum, wie zwischen kontroversen und nicht kontroversen Themen unterschieden werden kann. Zweitens geht es um die Frage des Unterrichts, bei der es darum geht, die normativen Konsequenzen der Abgrenzungsfrage für die Unterrichtspraxis zu formulieren. In Bezug auf die Frage der Abgrenzung argumentiere ich, dass sie vernünftigerweise nicht als ein Problem angesehen werden kann, das theoretisch gelöst und einmalig und für alle Zeiten durch theoretische Kriterien festgelegt werden kann. Die hartnäckige Annahme, dass man aus einem einzigen Kriterium ableiten kann, was in allen möglichen Fällen zu tun ist, ist ein hartnäckiges Problem, das den Fortschritt der Debatte behindert und verworfen werden sollte. Um die Debatte voranzubringen, wäre es sinnvoller, die Abgrenzung als eine fortlaufende praktische Tätigkeit zu betrachten, die je nach Kontext unterschiedlich verfolgt werden kann. In Bezug auf die Frage des Unterrichts spreche ich mich ebenfalls gegen die Vorstellung aus, dass es in der Bildung ein vorrangiges höchstes Gut gibt. Der Vorteil dieser Ablehnung besteht darin, dass sie Pädagogen die Freiheit gibt, eine Vielzahl von Bildungszielen und -erfahrungen zu verfolgen, ohne sie in eine einzige unveränderliche, allumfassende Vision einpassen zu müssen.This text offers a radical perspective on the criterion debate and deals with its relevance to nonconfessional religious education. I start with the assumption that two different but related concerns are at the core of the debate. First, the issue of demarcation concerns how to discriminate between issues that are and are not controversial. The second is the issue of teaching, which is concerned with spelling out the normative consequences of the demarcation issue for the practice of teaching. With regard to the issue of demarcation, I argue that it cannot reasonably be construed as a problem that can be solved theoretically, fixed once, and for all by means of theoretical criteria. The stubborn assumption that one can derive from a single criterion what ought to be done in all possible cases is a persistent problem that hampers the debate from making progress and ought to be discarded. To move the debate forward, it would make more sense to view demarcation as an ongoing practical activity that might be pursued differently depending on the context. Regarding the issue of teaching, I similarly argue against the idea that a prioritized highest good exists in education. The upside of rejecting this conclusion is that it provides educators with the freedom to seize upon a variety of educative aims and experiences without seeking to fit them into any one unchanging, all-embracing vision
Emancipation and Tradition — A Religio-Educational Determination of Their Relationship
Der Beitrag bestimmt das Verhältnis von Emanzipation und Tradition als zentrale, bislang jedoch unterbelichtete Problemstellung der gegenwärtigen kritisch-emanzipatorischen Religionspädagogik. Ausgangspunkt ist die These, dass eine tragfähige Begründung kritisch-emanzipatorischen Religionsunterrichts nur gelingt, wenn die epistemische und normative Leistung religiöser Traditionen für heutige Lernende explizit in den Blick genommen wird. Zur Klärung unterscheidet der Beitrag vier idealtypische Denkmodelle: (1) Emanzipation als Distanzierung von Tradition, (2) Emanzipation als Transformation von Tradition, (3) Emanzipation durch (Gegen-)Tradition und (4) Emanzipation in Tradition. Diese Modelle werden historisch verortet, systematisch profiliert und hinsichtlich ihrer Chancen, Grenzen und didaktischen Anschlussmöglichkeiten für religiöse Bildung diskutiert.The article identifies the relationship between emancipation and tradition as a key yet so far underexamined issue in contemporary critical-emancipatory religious education. It starts from the assumption that a robust justification of critical-emancipatory religious education can only succeed if the epistemic and normative contribution of religious traditions for today’s learners is made explicit and reflected upon. To clarify the debate, the article distinguishes four ideal-typical models: (1) emancipation as distancing from tradition, (2) emancipation as transforming tradition, (3) emancipation through a (counter-)tradition, and (4) emancipation within tradition. These models are historically situated, systematically elaborated, and discussed with regard to their opportunities, limitations, and didactic relevance for religious education
Introduction: Religion and Controversies in Schools
Religiöse Kontroversen sind ein konstitutives Merkmal einer superdiversen schulischen Lebenswelt in liberalen Demokratien. Sie artikulieren sich nicht nur in Debatten über geopolitische oder wissenschaftliche Fragen, sondern treten ebenso in alltäglichen schulischen Konflikten zu religiösen Symbolen, Gebet oder Sexualerziehung auf. Schule wird damit konfrontiert, zwischen dem Spannungsverhältnis weltanschaulicher Neutralität, religiöser Bedürfnisse und liberal-demokratischer Werte zu vermitteln.
Das Themenheft untersucht, wie solche Kontroversen in Bildungszusammenhängen verstanden und bearbeitet werden (können), indem es theoretische Reflexion, empirische Einsichten und didaktische Perspektiven zusammenführt. Ziel ist es, interdisziplinäre Perspektiven auf religionsbezogene Kontroversen zu bündeln und zu systematisieren sowie sie in ein internationales Forschungsfeld zu integrieren.Religious controversies are a constitutive feature of super-diverse school contexts in liberal democracies. They emerge not only in debates on geopolitical or scientific issues, but also in everyday school practices such as the use of religious symbols, prayer, or sex education, and thus confront schools with the task of mediating between ideological neutrality, religious needs and commitment to liberal-democratic values.This special issue explores how such controversies can be understood and addressed in educational contexts by bringing together theoretical reflection, empirical insight, and didactical perspectives. The aim is to consolidate and systematise the aforementioned interdisciplinary perspectives on religion-related controversies and to integrate them into an international field of research
Justification and Compromise in Contemporary Democratic Theory about Religion
Heutige Gesellschaften sind durch religiöse Vielfalt geprägt und regelmäßig mit Meinungsverschiedenheiten über den angemessenen Platz von Religion im öffentlichen Leben und die Aufgaben des Staates und der öffentlichen Institutionen konfrontiert. Im Beitrag wenden wir uns der Demokratietheorie zu und zeigen, wie sie Debatten über Religion und Möglichkeiten zum Umgang mit Konflikten um Religion bereichern kann. Wir argumentieren, dass zwei Ansätze der Demokratietheorie besonders geeignete Ausgangspunkte für dieses Unterfangen sind. Den einen bezeichnen wir als den „rechtfertigungsorientierten” Ansatz, den anderen als den „kompromissorientierten” Ansatz. Beide Ansätze haben sich in der Demokratietheorie als Antworten auf die allgemeinere Frage entwickelt, wie Demokratien mit einer Vielfalt von Standpunkten und Konflikten zwischen gegensätzlichen politischen Präferenzen umgehen sollten. Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass diese beiden Ansätze der Demokratietheorie unterschiedliche Wege im Umgang mit (religiöser) Vielfalt vorschlagen, die nicht als sich gegenseitig ausschließend betrachtet werden sollten, sondern als Möglichkeiten, demokratische Reaktionen auf Konflikte bezüglich Religion auf multimodale Weise zu gestalten. Die Anerkennung der Vielfalt demokratietheoretischer Ansätze ist daher von besonderer Bedeutung für systematische Versuche, die Beziehung zwischen Demokratietheorie und Religion zu analysieren.Contemporary societies are characterized by religious diversity and regularly face disagreements about the proper place of religion in public life and duties of the state and public institutions. In our contribution, we turn to democratic theory and show how it can inform debates about religion and possibilities to deal with conflicts over religion. Our claim is that two democratic theory approaches are especially suitable starting points for this endeavor. One we call the \u27justification\u27 centered approach, the other the \u27compromise\u27 centered approach. Both approaches have evolved in democratic theory as responses to the more general question of how democracies should legitimately deal with a diversity of viewpoints and clashes between opposing political preferences. Our goal is to show that these two democratic theory approaches propose different ways of dealing with (religious) diversity, which should not be seen as mutually exclusive, but as opportunities to shape democracy\u27s responses to conflicts about religion in a multi-modal way. Recognizing the diversity of democratic theory approaches is therefore of particular importance for systematic attempts to analyze the relation between democratic theory and religion
Shaping religious education for children: Opportunities for reflective engagement with challenges in the study of childhood education
Im vorliegenden Beitrag geht es um die Frage, wie die Auseinandersetzung mit Konzepten der religiösen Bildung und Erziehung im Studium der Kindheitspädagogik gestaltet werden kann. Religiöse Bildung in Kindertageseinrichtungen bringt auf verschiedenen Ebenen Herausforderungen mit sich, mit denen sich Studierende auseinandersetzen müssen. Insbesondere spielen hier auch biographische Bezüge eine Rolle und können den angemessenen Umgang mit religiösen Inhalten mit Kindern erleichtern, aber auch erschweren. Die seminarbegleitende Aufgabe der Erstellung einer Dialogbox kann dabei den Theorie-Praxis-Transfer ermöglichen und Reflexionsprozesse anregen. Inwieweit dies gelingt, wurde im Kontext einer explorativen Untersuchung erfasst, deren Ergebnisse im Beitrag vorgestellt werden.This article addresses the question of how concepts of religious education and upbringing can be incorporated into the study of childhood education. Religious education in daycare facilities presents challenges at various levels that students must address. Biographical references play a particularly important role here and can facilitate, but also complicate, the appropriate handling of religious content with children. The seminar assignment of creating a dialogue box can enable the transfer of theory into practice and stimulate reflection processes. The extent to which this is successful was examined in the context of an exploratory study, the results of which are presented in this article
Perception of positionality in religious education: Effects of a training module on the positionality skills of trainee religious education teachers in Hamburg
Die Studie untersucht die globalen Effekte eines Ausbildungsmoduls zur Förderung der Positionalitätsfähigkeit von Religionslehrkräften im Vorbereitungsdienst in Hamburg. Positionalität – verstanden als die Fähigkeit, die eigene religiöse Haltung im Unterricht transparent und reflektiert einzubringen – ist im religionspädagogischen Diskurs theoretisch und normativ weitgehend anerkannt, es fehlen bislang aber empirische Studien zu konkreten Maßnahmen, wie diese Kompetenz tatsächlich gefördert werden kann. Letzterem widmet sich die vorliegende Studie. Dazu wird ein Prä-Post-Design mit 104 Lehramtsanwärter:innen herangezogen, die ein dreiteiliges Online-Modul durchliefen. Das Online-Modul basiert auf dem Hamburger Positionalitätsmodell, das zur Auseinandersetzung mit Fragen der Zugehörigkeit, der Authentizität, der Repräsentation und der Dialogoffenheit anregt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Einschätzung der Teilnehmenden gegenüber Positionalität einer Lehrperson im Religionsunterricht bereits vor dem Modul weitgehend dem Ideal des RUfa 2.0 entsprach: Sie befürworteten eine transparente, nicht-überwältigende Positionierung der Lehrkraft und lehnten indoktrinierende Ansätze ab. Darüber hinaus veränderte sich die Wahrnehmung dieser Positionalität deutlich: Während vor dem Modul eine dichotome Unterscheidung zwischen dem Zeigen und Vermeiden von Positionalität dominierte, differenzierten die Teilnehmenden danach zwischen sprachlichen, performativen und kritischen Ausdrucksformen. Dies deutet auf ein geschärftes Problembewusstsein und eine reflexivere Haltung hin. Die Studie liefert damit erste empirische Hinweise darauf, dass gezielte Ausbildungsmodule die Positionalitätsfähigkeit fördern können – insbesondere in pluralen Unterrichtssettings wie dem RUfa 2.0.This study examines the effects of a training module designed to enhance the ability to take position of trainee religious education teachers in Hamburg. Positionality — understood as the ability to transparently and reflectively integrate one’s own religious stance into teaching — is widely recognized in religious pedagogy at both theoretical and normative levels. However, empirical studies on concrete measures to effectively promote this competence are lacking. This study addresses that gap. Using a pre-post design, 104 trainee teachers completed a three-part online module. The module is based on the Hamburg Positionality Model, which encourages engagement with questions of belonging, authenticity, representation, and openness to dialogue. The results show that participants’ attitudes toward positionality of teachers in religious education already largely aligned with the ideals of RUfa 2.0 before the module: They supported transparent, non-overwhelming positioning by teachers and rejected indoctrinating approaches. Furthermore, participants’ perception of positionality changed significantly: While a dichotomous distinction between displaying and avoiding positionality dominated before the module, afterward, participants differentiated between linguistic, performative, and critical forms of expression. This suggests a heightened awareness of the phenomenon and a more reflective stance. The study thus provides initial empirical evidence that targeted training modules can foster positionality competence
Christian-Islamic Religious Education through Team Teaching: Further development of local theories for interreligious didactics in the sense of Design Research
Im Beitrag wird der Forschungsfrage nachgegangen, welche Chancen und Herausforderungen die Lehrenden von religionskooperativen Unterrichtseinheiten (katholisch, evangelisch, islamisch) bezüglich des spezifischen Settings des Teamteachings erkennen. Ihre Perspektiven auf das Projekt, das in das Forschungsformat der Fachdidaktischen Entwicklungsforschung eingebettet ist, wurden in einer reflektierenden Gruppendiskussion nach den Unterrichtssequenzen erhoben. Die Ergebnisse zeigen unter anderem die Notwendigkeit vertrauensbildender Maßnahmen, gemeinsamer Zielklärungen sowie der Rollenklärung und -verteilung vor dem als sehr anspruchsvoll wahrgenommenen Teamteaching. Interkonfessionelle Unterschiede traten zugunsten interreligiöser Unterschiede in den Hintergrund.
Die Ergebnisse zeigen unter anderem die Notwendigkeit vertrauensbildender Maßnahmen, gemeinsamer Zielklärungen sowie der Rollenklärung und -verteilung vor dem als sehr anspruchsvoll wahrgenommenen Teamteaching. Interkonfessionelle Unterschiede traten zugunsten interreligiöser Unterschiede in den Hintergrund.The article addresses the research question of what opportunities and challenges the teachers of interreligious teaching units (Catholic, Protestant, Islamic) recognize regarding the specific setting of team teaching. Their perspectives on the project, which is embedded in the research format of Design Research, were gathered in a reflective group discussion after the teaching sequences. The results highlight, among other things, the necessity of trust-building measures, joint goal clarifications, and the clarification and distribution of roles prior to the team teaching, which was perceived as very demanding. Interconfessional differences receded in favor of interreligious differences
Epilogue: Religion and Controversies in Schools: A Global Field of Research
Dieser Beitrag skizziert ein globales Forschungsprogramm, das sich mit dem Thema dieser Sonderausgabe der Religionspädagogischen Beiträge beschäftigt: „Religion und Kontroversen in Schulen.“ Die Produktivität dieses Forschungsprogramms wird anhand einer exemplarischen Fallstudie veranschaulicht, der Demokratischen Republik Kongo. In diesem Kontext wird als potenzielles zukünftiges Forschungsthema die Rolle religiöser Faktoren beim Umgang von Lehrkräften mit Risiken und Bedrohungen wie Zensur beim Unterrichten von Kontroversen präsentiert. Damit verbindet der Artikel das Thema dieser Sonderausgabe mit der Schnittstelle zwischen Religion und demokratischen Gesellschaften und hebt insbesondere die Beziehung zwischen religiöser und politischer Bildung hervor.This contribution outlines a global research program focused on the theme addressed in this special issue of Religionspädagogische Beiträge: “Religion and Controversies in Schools.” The research program’s productivity is illustrated by an exemplary case study, the Democratic Republic of Congo. In this context, the role of religious factors in how teachers manage censorship, risks, and threats while teaching controversial issues is proposed as a potential future research topic. Thus, the paper connects this special issue’s theme with the intersection of religion and democratic societies, particularly highlighting the relationship between religious education and citizenship education
How to Deal with Reference Theories? Exemplary Reflections on Postcolonial Theories and Their Aporetic Impact on Religious Education
Dieser Artikel untersucht die Rezeption von Referenztheorien in der Religionspädagogik am Beispiel postkolonialer Theorien und fragt auf der Grundlage von Mirjam Schambecks kürzlich veröffentlichter Typologie dreier Rezeptionsarten, ob ihre Kriterien ausreichend sind, wenn Referenztheorien die axiomatischen Grundlagen der Religionspädagogik selbst in Frage stellen. Postkoloniale Theorien finden zunehmend Eingang in die Religionspädagogik, um Machtstrukturen, epistemische Gewalt und Marginalisierung aufzudecken, wobei ihre analytische und produktive Kraft zwar unbestritten ist, ihre oftmals unkritische Übernahme jedoch problematisch erscheint, insbesondere im Hinblick auf die Spannung zwischen Universalismus und Partikularismus. Eine subjektorientierte Religionspädagogik, die normativ auf Autonomie, Freiheit und universelle Gerechtigkeit ausgerichtet ist, gerät in Konflikt, wenn postkoloniale Theorien genau diese Universalien als eurozentrisch und hegemonial dekonstruieren. Letztlich zeigt die Analyse, dass die Religionspädagogik eine erweiterte Kriteriologie benötigt, die nicht nur die kohärente Adaption überprüft, sondern auch reflexiv die axiomatischen Tiefeneffekte der Theorieaufnahme selbst thematisiert. Es bedarf eines heterogenitätssensiblen, selbstreflexiven Universalismus, der Individualität anerkennt, ohne in epistemischen Relativismus zu verfallen, denn nur auf diese Weise kann eine kritisch aufgeklärte, subjektorientierte Religionspädagogik postkoloniale Perspektiven produktiv aufnehmen, ohne mit sich selbst in Widerspruch zu geraten.This article examines the reception of reference theories in religious education (RE) using the example of postcolonial theories and, based on Mirjam Schambeck’s recently published typology of three types of reception, asks whether her criteria are sufficient when reference theories challenge the axiomatic foundations of RE itself. Postcolonial theories are increasingly being received in RE to uncover power structures, epistemic violence, and marginalization. While their analytical and productive power is undisputed, their often uncritical adoption appears problematic, particularly with regard to the tension between universalism and particularism. A subject-oriented RE that is normatively oriented toward autonomy, freedom, and universal justice comes into conflict when postcolonial theories deconstruct these very universals as Eurocentric and hegemonic. Ultimately, the analysis shows that religious education needs an expanded criteriology that not only tests coherent adaptation, but also reflexively addresses the axiomatic deep effects of theory reception itself. What is needed is a difference-sensitive, self-reflexive universalism that recognizes particularity without falling into epistemic relativism. Only in this way can a critically-enlightened subject-oriented RE productively integrate postcolonial perspectives without contradicting itself
“Islam” in Controversy and the Violation of Sacredness as a Trigger Point
Während das Prinzip der Kontroversität als normatives Kriterium für demokratische Bildung gilt, sind gesellschaftliche Kontroversen im Allgemeinen und islambezogene Kontroversen im Besonderen ambivalent. Sie sind emotional aufgeladen, berühren häufig Identitätsfragen und entziehen sich der Kontrolle pädagogischer Akteure. Dies gilt insbesondere für islambezogene Kontroversen, die erst durch ihre gesellschaftspolitische Dimension zu Kontroversen werden. Gebetsräume, Kopftücher, Mohammed-Karikaturen oder der Nahostkonflikt sind unter anderem Kontroversen, die durch Partizipationsforderungen (z. B. Beten im säkularen Raum), konfligierende Deutungsmuster, Rechtfertigungsdruck, unterschiedliche Betroffenheiten sowie Stereotypisierungen und Rassismen zu Kontroversen werden. Der Beitrag bezieht sich auf die Ergebnisse der Studie „Der Islam“ in der Kontroverse, im Rahmen welcher Gruppendiskussionen mit Schüler:innen, Lehrpersonen und Eltern zu islambezogenen Kontroversen geführt wurden. Dabei konnten unterschiedliche Kontroversen, Triggerpunkte, Affekte sowie Typen der diskursiven Bearbeitung rekonstruiert werden. Der Beitrag beschäftigt sich spezifischer mit einer Frage, die sich im Laufe der Interpretation ergeben hat: Weisen islambezogene Kontroversen als religiöse Kontroversen eine besondere normative Struktur auf? Es wird die These vertreten, dass der Begriff der Sakralitätsverletzung, verstanden als eine Profanisierungserfahrung, ein besseres Verständnis religiöser Kontroversen ermöglicht. Diese These wird auf Grundlage der Interpretation des empirischen Datenmaterials und der Rekonstruktion dreier Typen der Sakralitätsverletzung verteidigt.While the principle of controversy is considered a normative criterion for democratic education, social controversies in general and Islam-related controversies in particular are ambivalent. They are emotionally charged, often touch on questions of identity and elude the control of pedagogical actors. This applies especially to Islam-related controversies, which only become controversial through their socio-political framing. Prayer rooms, headscarves, caricatures of Muhammad or the Middle East conflict are among the controversies that arise from demands for participation (e.g. praying in a secular space), conflicting interpretations, pressure to justify oneself, different degrees of concern, stereotyping and racism. The article is based on the results of the study "Der Islam" in der Kontroverse ("Islam" in Controversy), in the context of which group discussions with students, teachers and parents on Islam-related controversies were conducted. In the process, different controversies, trigger points, affects and types of discursive processing could be reconstructed. The article deals more specifically with a question that arose in the course of the interpretation: Do controversies related to Islam exhibit a particular normative structure as religious controversies? The article argues that the concept of a violation of sacredness, understood as an experience of profanation, allows for a better understanding of religious controversies. This thesis is defended on the basis of the interpretation of the empirical data and the reconstruction of three types of sacredness violation