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Österr. Religionspädagogisches Forum / Rezension zu: Schweitzer, Friedrich u.a. (HG.): Interreligiöse Kompetenz für pädagogische Fachkräfte im Elementarbereich. Eine Interventionsstudie an Evangelischen Fachschulen in Baden-Württemberg, Münster: Waxmann 2024(= Glaube – Wertebildung – Interreligiosität: Berufsorientierte Religionsdidaktik 32).
Imaginationen künstlicher Menschen : Interdisziplinäre Perspektiven auf zeitgenössische Romane und Filme / von Anne-Kathrin, Reulecke / „Die Maschine beginnt zu berichten, als sei sie das Menschlichste überhaupt.“ : Willensfreiheit als Als-Ob-Erzählung in Martina Clavadetschers Die Erfindung des Ungehorsams
Philosoph:innen, Kognitions- und Neurowissenschaftler:innen sind sich keinesfalls darüber einig, ob der Mensch über einen freien Willen verfügt, noch, was dem Phänomen der Willensfreiheit überhaupt zuzurechnen ist und mit welchen Mitteln dies erforscht werden sollte. Dies scheint jedoch die meisten Menschen in ihrem Alltag kaum zu interessieren. Sie tun ganz einfach so, als ob der Mensch über einen freien Willen verfügte, auch wenn diese Frage nicht letztgültig geklärt scheint. Ähnlich argumentiert der Philosoph Hans Vaihinger in seinem Hauptwerk Die Philosophie des Als Ob, in dem er darlegt, dass metaphysische Ansichten nicht in einem logisch-objektiven Sinne wahr seien, sondern nur pragmatisch begründet werden könnten: Metaphysische ‚Wahrheiten‘ existierten nur im Sinne einer ‚nützlichen Fiktion‘. Martina Clavadetschers 2021 erschienener Roman Die Erfindung des Ungehorsams nimmt sich dieses Phänomens an, indem er – so die These dieses Aufsatzes – das Konzept der Willensfreiheit als Produkt von Als-Ob-Erzählungen präsentiert. Dabei liegt ein besonderer Fokus des Aufsatzes auf den Diegese-Ebenen, auf der Funktionen des Erzählaktes an sich sowie auf der dargestellten Aufhebung von binären Schemata wie der Dichotomie Mensch/Maschine.Philosophers, cognitive scientists and neuroscientists are in no way in agreement as to whether humans have free will, nor as to what can be attributed to the phenomenon of free will and by what means this should be researched. However, this seems to be of little interest to the majority of people in their everyday lives. They simply act as if humans have free will, even if this question does not seem to have been definitively clarified. The philosopher Hans Vaihinger argues similarly in his major work Die Philosophie des Als Ob, in which he explains that metaphysical views are not true in a logical-objective sense, but can only be justified pragmatically: According to him metaphysical ‘truths’ exist in the sense of a ‘useful fiction’. Martina Clavadetscher's 2021 novel Die Erfindung des Ungehorsams addresses this phenomenon by – according to the thesis of this essay – presenting the concept of free will as a product of as-if narratives. A special focus of the essay is on the levels of the story, the functions of the narrative act itself as well as the depicted sublation of binary schemes such as the human/machine dichotom
Numerical modeling of Mercury’s magnetosphere in preparation for BepiColombo : hybrid plasma simulations and ion flux diagnostics
Merkur, der innerste Planet unseres Sonnensystems, besitzt ein schwaches intrinsischesMagnetfeld – etwa 1% der Stärke des Erdmagnetfelds –, das mit dem Sonnenwind unddem darin eingebetteten interplanetaren Magnetfeld (IMF) wechselwirkt. Diese Wechselwirkungführt zu einer kleinen, aber hochdynamischen Magnetosphäre. Aufgrunddes im Vergleich zur Erde deutlich höheren dynamischen Drucks und des stärkerenIMF reagiert sie rasch auf Änderungen im Sonnenwind. Die besondere Umgebung desMerkur ist zudem durch das Fehlen einer Ionosphäre und einem großen, elektrischleitenden Kern geprägt, was magnetosphärische Prozesse wie Stromsysteme und Induktionseffektezusätzlich komplex gestaltet. Eine dünne Exosphäre, hauptsächlichbestehend aus Natrium-, Sauerstoff-, Wasserstoff-, Helium- und Kaliumatomen, wirddurch verschiedene Prozesse von der Oberfläche freigesetzt. Die Wechselwirkungenzwischen Oberfläche, Exosphäre und Magnetosphäre bilden ein sensibles, durch solareAktivität beeinflusstes System, dessen Dynamik ein zentrales Ziel der ESA/JAXA-MissionBepiColombo darstellt.Diese Arbeit stellt eine Methodik zur Anwendung des dreidimensionalen HybridcodesAdaptive Ion-Kinetic Electron-Fluid (AIKEF) zur Modellierung der globalen PlasmaumgebungMerkurs vor und erlaubt einen quantitativen Vergleich der Simulationsergebnissemit den in-situ-Messungen der BepiColombo-Mission. Eine eigens entwickelte Methodeermöglicht die Berechnung von omnidirektionalen und auf das Sichtfeld (FOV)beschränkten differentiellen Ionenenergieflüssen. Ein zentrales Ziel ist die Bewertungihrer Genauigkeit sowie die Identifikation von Einschränkungen durch Modellannahmenund numerische Auflösung. Zudem wurde ein Simulationskatalog für zwölf repräsentativeSonnenwind- und IMF-Bedingungen erstellt, der die Trajektorien aller Merkur-Flybyssowie saisonale Orbitphasen der Raumsonden MPO und Mio abdeckt. Der Datensatzumfasst Magnetfelddaten und Ionenenergiespektren für Protonen und Natriumionen.Die Simulationen reproduzieren zentrale Strukturen der Magnetosphäre, darunterBugstoßwelle, Magnetopause, Stromsysteme und das Plasmamantelgebiet, und stimmenweitgehend mit den Beobachtungen der Teilchenspektrometer überein. Vergleiche mitFOV-Spektren verdeutlichen die Bedeutung ausreichender Phasenraumauflösung imModell.Die entwickelten Methoden und der Simulationskatalog bilden eine Grundlage für zukünftigeModell-Daten-Vergleiche am Merkur und Interpretation der BepiColombo-Daten.Diese Arbeit leistet einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Hybridmodellierung in derplanetaren Plasmaphysik und unterstützt laufende sowie kommende Missionsanalysen.Mercury, the innermost planet of our solar system, possesses a weak intrinsic magneticfield – about 1% the strength of Earth’s – that is interacting with the solar wind andits embedded interplanetary magnetic field (IMF). This interaction results in a smallyet highly dynamic magnetosphere, which responds rapidly to upstream conditions dueto the significantly higher solar wind dynamic pressure and stronger IMF at Mercurycompared to Earth. Mercury’s unique environment is also characterized by the absenceof an ionosphere and the presence of a large, conducting core, adding complexity to itsmagnetospheric processes, including current systems and induction effects. A tenuousexosphere, composed mainly of sodium, oxygen, hydrogen, helium, and potassiumreleased from the surface by various processes, surrounds the planet. The interactionsbetween Mercury’s surface, exosphere and magnetosphere form a sensitive system influencedby solar activity, the dynamics of which are a central objective of ESA/JAXA’sBepiColombo mission.This thesis presents a methodology for utilizing the three-dimensional Adaptive Ion-Kinetic Electron-Fluid (AIKEF) hybrid code to model Mercury’s global plasma environmentand quantitatively compare simulation results to in situ measurements fromBepiColombo. A dedicated post-processing technique was developed to compute omnidirectionaland field-of-view (FOV) constrained differential ion energy fluxes fromAIKEF simulations. A key objective is to assess the accuracy of modeled differentialion energy fluxes and identify limitations related to model assumptions and resolution.Moreover, a simulation catalog was generated for twelve representative solar wind andIMF conditions, encompassing the trajectories of all Mercury flybys and seasonal scienceorbit phases of the MPO and Mio spacecraft. The dataset includes magnetic field dataand ion energy spectra for protons and sodium ions.The simulations capture key magnetospheric features, such as the bow shock, magnetopause,tail current sheet, plasma mantle, and low-latitude boundary layer, showingstrong agreement with in situ signatures from particle spectrometers. Comparisons withFOV spectra highlight the importance of sufficient phase-space resolution in the model.The resulting methods and simulation catalog offer a validated framework for interpretingBepiColombo data and establish a foundation for future model–data comparisons atMercury. This work advances hybrid modeling in planetary plasma science and supportsongoing and upcoming mission analyses.Daniel TeubenbacherDissertation Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc
A legal and rhetorical analysis of the charges and Cicero's defense in the case Pro Caelio
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess gegen Marcus Caelius Rufus, welcher im Jahr 56 v. Chr., also in der späten Römischen Republik, stattfand. Dabei wird die juristische Ausgestaltung der Anklagepunkte untersucht, insbesondere im Hinblick auf die Anwendung der lex Cornelia de sicariis et veneficis und der lex Plautia de vi. Der Prozess fand vor einer quaestio de vi statt, beruhte jedoch inhaltlich teilweise auf Sachverhalten, die der lex Cornelia de sicariis et veneficis zuzurechnen waren, insbesondere der versuchte Giftmord an Clodia und die mutmaßliche Beteiligung an der Tötung des Gesandten Dio. Die Darstellung des Strafverfahrens vor einer quaestio perpetua sowie der politischen Rahmenbedingungen und der relevanten Personen des Verfahrens sollen zudem ein besseres Verständnis des Prozessgeschehens ermöglichen. In weiterer Folge wird die Rhetorik der Antike beleuchtet und ihr Einsatz durch Cicero in seiner Rede Pro Caelio analysiert, um die Forschungsfrage zu beantworten, inwieweit dieser die klassischen Überzeugungsmittel Ethos, Pathos und Logos in seiner Verteidigung angewendet hat, um die Geschworenen zu überzeugen. Die Untersuchung zeigt, dass Ciceros Verteidigungsstrategie weniger auf streng juristischer Argumentation als vielmehr auf einer gezielt eingesetzten, stellenweise beinahe theatralisch wirkenden Rhetorik beruht.This thesis examines the trial of Marcus Caelius Rufus, focusing on the legal structure of the charges brought against him during the late Roman Republic, particularly in relation to the lex Cornelia de sicariis et veneficiis and the lex Plautia de vi. Although the proceedings were conducted before a quaestio de vi, they were in part based on facts that would more appropriately fall under the lex Cornelia de sicariis et veneficis, especially the alleged attempted poisoning of Clodia and Caelius’ suspected involvement in the killing of the envoy Dio. An overview of the quaestio perpetua procedure, along with the political context and the individuals involved, is intended to provide a clearer understanding of the trial.The second part of the thesis explores ancient rhetoric and analyzes its use by Cicero in his speech Pro Caelio, in order to address the research question of how he employed the classical persuasive means of ethos, pathos, and logos in his defense strategy to sway the jury. The analysis shows that Cicero’s approach relied less on legal argumentation and more on a deliberate, at times almost theatrical use of rhetorical techniques.vorgelegt von Patrick RossmannEnthält Literaturverzeichnis auf Seite 70-74Diplomarbeit Universität Graz 202
The new liability for trees - a critical analysis
Wird durch einen herabfallenden Ast oder einen umstürzenden Baum ein Personen- oder Sachschaden verursacht, stellt sich für den Baumhalter die Frage, inwieweit er zur Haftung herangezogen werden kann. Die „Baumhaftung“ als Randthema des Schadenersatzrechts regelt diese Konstellationen. Bisher war die Baumhaftung als solche im ABGB nicht gesondert geregelt. Auf Schäden, die von Bäumen verursacht werden, wurde die Bauwerkshaftung nach § 1319 ABGB analog angewendet. Um ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen und Haftungsansprüche zu vermeiden, führten Baum- und Wegehalter vermehrt so genannte „Angstschnitte“ durch. Durch die in Haftungsängsten begründeten „Angstschnitte“ litt der Baumbestand in den vergangenen Jahren zusehends. Zum Schutz des Baumbestandes wurde eine eigene Norm für die Baumhaftung geschaffen. Der neue § 1319b ABGB ist die zentrale Norm für die Baumhaftung außerhalb des Waldes. Ziel der Arbeit ist eine umfassende Darstellung der neuen Baumhaftung nach § 1319b ABGB im Vergleich zur Bauwerkshaftung nach § 1319 ABGB analog. Anhand der einschlägigen Literatur und Judikatur werden die de lege lata geltenden Verkehrssicherungspflichten und Beweislastregeln des Baumhalters herausgearbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei die standortspezifischen Abwägungs- und Zumutbarkeitskriterien, die die Verkehrssicherungspflichten des Baumhalters konkretisieren, sowie der Einfluss ökologischer Aspekte unter dem Kriterium der Zumutbarkeit. Der neu geschaffene § 1319b ABGB ist keine Generalnorm für alle Baumschäden. Die Anspruchsgrundlagen unterscheiden sich je nach Kulturgattung und Schadensursache. Die Arbeit befasst sich daher auch mit Abgrenzungs- und Konkurrenzfragen zu anderen Anspruchsgrundlagen, wie etwa § 176 ForstG oder der Wegehalterhaftung nach § 1319a ABGB.When personal injury or property damage is caused by a falling branch or tree, the question arises as to the extent to which the tree owner can be held liable. Tree liability as a marginal topic of tort law regulates these constellations. Until now, tree liability as such has not been separately regulated in the ABGB (Austrian Civil Code). Damage caused by trees was covered by analogy by the building liability according to § 1319 ABGB. In order to fulfil their duty of care and to avoid liability claims, owners of trees and paths increasingly carried out so-called "fear pruning". In recent years, the tree population has suffered noticeably as a result of "fear pruning" due to liability fears. In order to protect the tree population, a separate tree liability law was created. The new § 1319b ABGB is the central standard for tree liability outside the forest. The aim of this work is to provide a comprehensive description of the new tree liability according to § 1319b ABGB in comparison to the building liability according to § 1319 ABGB. Based on the relevant literature and case law, the de lege lata traffic safety obligations and the burden of proof of the tree owner are elaborated. The focus is on the site-specific consideration and reasonableness criteria, which substantiate the tree owner's duty to ensure safety, as well as the influence of ecological aspects under the criterion of reasonableness. The newly created Section 1319b ABGB is not a general standard for all tree damage. The bases for claims differ depending on the type of cultural property and the cause of damage. The work therefore also deals with questions of delimitation and competition with other bases for claims, such as § 176 ForstG (Forestry Act) or the liability of path owners pursuant to § 1319a ABGB.Automatisch erstellte Titelanzeige – Daten nicht geprüftDiplomarbeit Universität Graz 202
Integrating social media into the learning process of nursing students to improve nursing education
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Rolle sozialer Netzwerkplattformen im Lernprozess von Pflegestudierenden und arbeitet deren Potenziale sowie Herausforderungen für die Pflegeausbildung heraus. Soziale Medien sind fest im Alltag von Studierenden verankert und bieten vielfältige Möglichkeiten zur Wissensver-mittlung, Vernetzung und interaktiven Zusammenarbeit. Dennoch besteht in derakademischen Pflegeausbildung Unsicherheit, wie diese Plattformen gezielt und didaktisch sinnvoll in den Unterricht integriert werden können.Zur Beantwortung dieser Frage wurde eine umfassende Literaturrecherche in Fachquellen und wissenschaftlichen Datenbanken durchgeführt. Dieses theoretisch-analytische Vorgehen ermöglicht es, aktuelle Erkenntnisse aus der Literatur zu bündeln und praxisnahe Empfehlungen abzuleiten.Die Ergebnisse zeigen, dass eine gezielte Integration sozialer Medien in die Pflege-ausbildung vielfältige Vorteile bietet. So ermöglichen soziale Netzwerkplattformenein flexibles, orts- und zeitunabhängiges Lernen, fördern interaktive und kollabo-rative Lernformen und erleichtern den Zugang zu aktuellen Informationen und Ex-pertenwissen. Gleichzeitig setzt die Nutzung sozialer Medien bei Lehrenden undLernenden Medienkompetenz voraus, um Inhalte kritisch zu bewerten und daten-schutzrechtliche sowie ethische Aspekte zu beachten. Zudem müssen Risiken wiedigitale Ablenkung und Fehlinformationen aktiv thematisiert werden. Es wird be-tont, dass klare Richtlinien und Schulungen für einen verantwortungsbewusstenEinsatz unerlässlich sind, um die Chancen digitaler Medien voll auszuschöpfen.Insgesamt kann die durchdachte Einbindung sozialer Netzwerkplattformen denLernprozess bereichern und die Pflegeausbildung zukunftsfähig gestalten.This Master's thesis explores the role of social networking platforms in the learningprocess of nursing students, highlighting both their potential and the challenges they pose for nursing education. Social media is firmly embedded in students’ everyday lives and offers diverse opportunities for knowledge transfer, networking, and interactive collaboration. However, there remains uncertainty in academic nursing education about how these platforms can be effectively and didactically integrated into teaching .To address this question, a comprehensive literature review was conducted usingacademic sources and scientific databases. This theoretical-analytical approach allows for the consolidation of current findings and the development of practical recommendations.The results show that the targeted integration of social media into nursing education offers numerous benefits. Social networking platforms enable flexible, location-and time-independent learning, promote interactive and collaborative learning methods, and facilitate access to up-to-date information and expert knowledge. At the same time, using social media requires media literacy among both educators and learners to critically evaluate content and consider data protection and ethical issues. Risks such as digital distraction and misinformation must also be actively addressed. The thesis emphasizes the importance of clear guidelines and training to ensure the responsible use of social media and to fully leverage their potential. Overall, the thoughtful integration of social networking platforms can enrich the learning process and help make nursing education more future-oriented.Antonijo AkrapMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc
Autonomy as social practice - sociality and revolution after Hegel
Die Dissertation arbeitet einen Grundgedanken in seiner Spannung heraus. Der Grundgedanke in seiner Spannung lautet auf die Formbestimmtheit der absoluten Befreiung des Subjektes in sozialen Praktiken und gegen soziale Praktiken. In 29 Schritten und 6 Kapiteln wird der Grundgedanke in seiner Gegenwendigkeit durchgeführt. Der Ertrag ist folgende begriffliche und begreifbare Einsicht. In der Spannung von idealistischen Radikalismus und materialistischen Extremismus spalten sich beide Positionen in sich auf und wissen sich auf ihr jeweils Anderes bezogen. Der idealistische Radikalismus formuliert die subjektphilosophischen Voraussetzungsstrukturen der reinen Aktkonstitution von Autonomie. Das wird mit Gramsci als "erster Akt seiner freien Initiation" beschrieben. Dagegen steht der materialistische Extremismus, er wiederum formuliert die materiellen Bedingungen dieser autonomen Aktkonstitution in seiner sozialen Bedingtheit. Die Pointe führt den folgenden Sachgrund aus: Das Subjekt wird in und durch seine Befreiung in einen es befähigenden Organisationsgesamt befähigt. In der Befähigung lernt es nichts Neues, es lernt nur, was es schon wusste, aber verdrängen musste: die sozialen Voraussetzungen seiner klassensklavischen Positionalität.Das Buch führt diesen Gedanken in seiner gegenwendigen Dialektik durch und versucht damit zwei Extreme zu vermeiden. Das eine Extrem ist das Extrem der Totalität. Hier würde das Subjekt in dem Organisationsgesamt, das es politisiert radikal integriert. Das andere Extrem ist das der Subjektivität. Hier würde das Subjekt gegen das Organisationsgesamt quietistisch und regressiv frei gestellt. Dagegen versucht die Dissertation eine freie Entlassung des Subjektes mit Anschluss an ein religiöses Modell von Hegel materialistisch zu deuten, sodass beides klar wird. Die Politisierung des Subjektes, in der sich die absolute Befreiung in und gegen soziale Praktiken darstellt, muss die regressiven Rückzugsgesten vermeiden, darin muss sie aber zugleich die Freistellung des Subjektes als Möglichkeit der Politisierung des Subjektes denken, die den Liberalismus in der liberalen Freiheit des Subjektes zum ersten Mal wirklich werden lässt. Im Konzept der absoluten Befreiung erfüllt sich dieser normative Anspruch und er gewinnt seine Bestimmtheit. Zugleich aber weist das Buch aus, dass es Momente der Regression bedarf, um Autonomie des Subjektes vollziehen zu können, sie sind beides: Effekt der Freistellung des Subjektes in modernen Gesellschaften und ihre Voraussetzung. Die Arbeit gibt eine emanzipatorische Deutung dieser Spannung: Sie lautet auf nichts anderes als die ABSOLUTE Befreiung des Subjektes IN sozialen Praktiken und die Befreiung des Subjektes im ABSOLUTEN GEGEN soziale Praktiken. Beides markiert eine Spannung, die es nicht zu überwinden, sondern zu vertiefen, ja zu intensivieren gilt.The dissertation works out a basic idea in its tension. The basic idea in its tension is the form determination of the absolute liberation of the subject in social practices and against social practices. In 29 steps and 6 chapters, the basic idea is developed in its opposition. The result is the following conceptual and comprehensible insight. In the tension between idealist radicalism and materialist extremism, both positions split into themselves and know themselves to be related to each other. Idealist radicalism formulates the subject-philosophical presuppositional structures of the pure act-constitution of autonomy. This is described by Gramsci as the “first act of his free initiation”. Materialist extremism, on the other hand, formulates the material conditions of this autonomous act constitution in its social conditionality. The point elaborates the following factual reason: The subject is empowered in and through its liberation into an organizational whole that enables it. In this empowerment, it learns nothing new, it only learns what it already knew but had to repress: the social preconditions of its class-slave positionality.The book carries out this idea in its reverse dialectic and thus attempts to avoid two extremes. One extreme is the extreme of totality. Here the subject would be radically integrated into the organizational totality that politicizes it. The other extreme is that of subjectivity. Here the subject would be quietistically and regressively set free against the organizational whole. In contrast, the dissertation attempts to interpret a free release of the subject in a materialistic way, following a religious model by Hegel, so that both become clear. The politicization of the subject, in which absolute liberation presents itself in and against social practices, must avoid the regressive gestures of withdrawal, but at the same time it must think of the liberation of the subject as a possibility of the politicization of the subject, which allows liberalism to become real for the first time in the liberal freedom of the subject. In the concept of absolute liberation, this normative claim is fulfilled and gains its definiteness. At the same time, however, the book demonstrates that moments of regression are necessary in order to achieve the autonomy of the subject; they are both an effect of the liberation of the subject in modern societies and its precondition. The work provides an emancipatory interpretation of this tension: it is nothing other than the ABSOLUTE liberation of the subject IN social practices and the liberation of the subject in the ABSOLUTE AGAINST social practices. Both mark a tension that must not be overcome, but rather deepened, even intensified.Marcus DöllerEnthält Literaturverzeichnis auf Seite 290-298Dissertation Universität Graz 2025Archivierung/Langzeitarchivierung gewährleistet AT-OeNB pdage
Classroom diversity : Pedagogical approaches of prospective german teachers with monolingual and multilingual backgrounds at the Secondary Level
Abstract Die vorliegende Masterarbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern sich pädagogische Herangehensweisen von lebensweltlich einsprachigen und lebensweltlich mehrsprachigen Lehramtsstudierenden im Fach Deutsch unterscheiden, wenn sie mit sprachlicher Heterogenität im Klassenzimmer konfrontiert sind. Im Zentrum der Untersuchung steht die Analyse individueller Einstellungen und Strategien im Umgang mit Mehrsprachigkeit anhand einer qualitativen Vignettenstudie. Die theoretische Grundlage bildet eine umfassende Auseinandersetzung mit Begriffen, Dimensionen und didaktischen Ansätzen der Mehrsprachigkeit sowie mit deren Bedeutung im österreichischen Bildungssystem. Empirisch wurden Studierende befragt, die hypothetische Unterrichtssituationen kommentierten, um Aufschluss über ihre Perspektiven und Handlungsmuster zu erhalten. Die Ergebnisse zeigen, dass lebensweltlich mehrsprachige Studierende tendenziell eine größere Sensibilität im Umgang mit sprachlicher Vielfalt aufweisen und häufiger ressourcenorientierte Ansätze verfolgen. Gleichzeitig wird deutlich, dass die universitäre Ausbildung noch nicht in ausreichendem Maße auf die Herausforderungen in sprachlich diversen Klassenzimmern vorbereitet. Die Arbeit liefert somit wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Lehrer*innenbildung, indem sie die Relevanz sprachlicher Biografien sowie die Notwendigkeit einer systematischen Verankerung mehrsprachigkeitsdidaktischer Kompetenzen im Curriculum betont.Tamara AkrapMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassungen in Deutsch und Englisc
A multi-space hierarchical model of timbre : psychological foundations, computational modeling, empirical testing, musical applications
Diese Dissertation untersucht die Wahrnehmung von Klangfarbe anhand eines neuartigen computergestützten Modells, welches auf psychoakustischen Prinzipien basiert. Dieses Modell ermöglicht Anwendungen in der Komposition, Orchestration, Instrumentation und im Sounddesign und bietet die Grundlage für die Darstellung einer Klangfarbenpalette.In Experiment 1 bewerteten 40 Psychologiestudierende (überwiegend Musik ausübende Personen) die Ähnlichkeit zwischen verschiedenen Klangstimuli und Referenzklängen, welche prototypische Timbre-Kategorien repräsentierten. Pro Teilnehmer wurden 225 Bewertungen erhoben. Diese Stimuli wurden anhand von 42 Klangfarbendeskriptoren, welche spezifische akustische Eigenschaften erfassen, aus der Timbre Toolbox (IRCAM) analysiert. Je nach Eigenschaft des Deskriptors erfolgte die Analyse in Zeitfenstern von 46–100 ms. Für jeden Deskriptor wurden der ursprüngliche Zeitverlauf sowie dessen erste und zweite zeitliche Ableitung berechnet. Daraus resultierten drei Zeitreihen pro Deskriptor. Aus jeder Zeitreihe wurden drei statistische Kennwerte (Minimum, Maximum und Median) extrahiert, was zu neun Kennwerten pro Deskriptor führte. Die deskriptive Analyse wurde mit den Ähnlichkeitsurteilen aus Experiment 1 korreliert; nur Kennwerte mit signifikanten Zusammenhängen wurden für die Modellierung weiterverwendet.Das Multi-Space Hierarchical Timbre Model (MSHTM) integriert Konzepte aus der multidimensionalen Skalierung und der Theorie der Hinweisreizintegration (cue integration). Es geht davon aus, dass wahrgenommene Klangähnlichkeiten in drei distinkte akustisch-perzeptive Dimensionen zerlegt werden können: Relative Spectral Energy Distribution (RSED), Absolute Spectral Energy Distribution (ASED) und Temporal Energy Distribution (TED). Die Gesamtsimilarität zwischen zwei Reizen wird dabei als linear gewichtete Kombination ihrer Ähnlichkeiten innerhalb dieser drei Räume berechnet, wobei die Gewichtung die relative Bedeutung der jeweiligen Dimension für die Timbre-Wahrnehmung widerspiegelt.Das Modell besitzt eine hierarchische Struktur:•Ebene 1: Konzeptionelle Unterteilung des Timbres in die drei akustischen Haupträume (RSED, ASED, TED)•Ebene 2: Jeder Raum enthält psychoakustisch relevante und rechnerisch extrahierbare Deskriptoren•Ebene 3: Für jeden Deskriptor werden neun statistische Kennwerte berechnetZur Dimensionsreduktion wurde auf die neun Kennwerte jedes Deskriptors eine Hauptkomponentenanalyse (PCA) angewendet. Nur die erste Hauptkomponente wurde als Repräsentation jedes Deskriptors beibehalten und diente als Koordinate jedes Stimulus innerhalb des zugehörigen Timbre-Raums.In Experiment 2 bewerteten dieselben 40 Teilnehmenden die Ähnlichkeit von 675 Tonpaaren, die aus denselben Instrumentenproben wie in Experiment 1 stammten. Das MSHTM zeigte eine signifikant höhere Vorhersagekraft als MFCC-basierte Modelle. Es schnitt auch besser ab als physiologisch abgeleitete STRF-Modelle, lag jedoch leicht unter den modellbasierten STRFs, wobei ein direkter Vergleich aufgrund unterschiedlicher Stimulussets eingeschränkt war.Das Modell eröffnet neue Perspektiven auf die Wahrnehmung von Klangfarbe und bietet Anwendungspotenzial in der Entwicklung virtueller Instrumente, der musikalischen Informationsextraktion, der auditiven Kognitionsforschung sowie in kompositorischen und künstlerisch-gestalterischen Zusammenhängen.This dissertation investigates the perception of musical timbre using a novel computational model grounded in psychoacoustic theory and informed by systematic timbre categorization. The proposed model has applications in composition, orchestration, instrumentation, and sound design, and provides a perceptually informed foundation for constructing musically relevant timbre spaces.In Experiment 1, 40 psychology students (mostly practising musicians) rated the perceptual similarity between a set of musical sound stimuli and a collection of standard reference sounds. These reference sounds were chosen to represent prototypical timbre categories associated with specific instruments. A total of 225 similarity ratings was collected from each participant. The same stimuli were analyzed using 42 acoustic descriptors derived from the Timbre Toolbox (IRCAM), a framework for computing perceptually relevant features based on auditory and signal-processing models. Each descriptor captures a specific temporal or spectral property of the signal. Depending on the descriptor’s temporal resolution, analysis was performed over short-time windows ranging from 46 to 100 ms. For each descriptor, the raw time series as well as its first- and second-order temporal derivatives were computed, yielding three time series per descriptor. From each series, three statistical measures (minimum, maximum, median) were extracted, resulting in nine measures per descriptor. These measures were statistically compared to the perceptual ratings from Experiment 1, and only those showing significant correlations were retained for the modeling stage.The Multi-Space Hierarchical Timbre Model (MSHTM) incorporates principles from multidimensional scaling and cue integration theory. It assumes that perceived timbral similarity can be decomposed into three distinct auditory dimensions: Relative Spectral Energy Distribution (RSED), Absolute Spectral Energy Distribution (ASED), and Temporal Energy Distribution (TED). The overall similarity between two stimuli is computed as a linear weighted combination of their similarities within each of these three spaces, reflecting their relative contributions to timbre perception. The model architecture is structured as follows:•Level 1: Conceptual separation of the timbre domain into three acoustic subspaces (RSED, ASED, TED)•Level 2: Assignment of psychoacoustically and computationally relevant descriptors to each subspace•Level 3: Statistical representation of each descriptor based on nine temporal measuresTo reduce dimensionality, Principal Component Analysis (PCA) was applied to the nine measures of each descriptor. Only the first principal component (PC1), accounting for the greatest variance, was retained as a representative score. Each sound stimulus was thus positioned in the multidimensional timbre space using a reduced set of descriptors while preserving perceptually relevant variance.In Experiment 2, the same 40 participants rated the similarity of 675 tone pairs from the same instrument samples used in Experiment 1. The MSHTM demonstrated significantly higher predictive power than MFCC-based models. It also outperformed physiologically derived STRF models but performed slightly below model-based STRFs, though direct comparison was limited by differing stimulus sets.The proposed model offers novel insights into timbre perception and holds promise for applications in virtual instrument design, music information retrieval, auditory cognition, and composition informed by perceptual constraints.eingereicht von Siavosh Banihashemi Bakk.art. MA MADissertation Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc
Towards an avalanche climatology in the European Alps based on simulated avalanche problems
Lawinen entstehen durch komplexe Wechselwirkungen zwischen Wetter, Gelände und Prozessen in der Schneedecke. Der Aufbau einer umfassenden Lawinenklimatologie wird durch den Mangel an zuverlässigen und langjährigen Lawinenaufzeichnungen erschwert. Die Studie stellt sich dieser Herausforderung und analysiert die räumliche und zeitliche Verteilung von vier zentralen Lawinenproblemen - Neuschnee, Triebschnee, Altschnee und Nassschnee - an 11 Standorten in den europäischen Alpen. Basierend auf gemessenen meteorologischen Daten von insgesamt 111 Wintern wurde die Schneedeckenentwicklung mit dem Modell SNOWPACK simuliert und anschließend mit dem AVAPRO-Algorithmus klassifiziert. Es zeigte sich, dass Nassschneeprobleme vor allem in tieferen Lagen und im Süden der Alpen am häufigsten auftraten, während Altschneeprobleme vor allem in höheren Lagen beobachtet wurden. Ein klarer Höhengradient konnte festgestellt werden: Der Beginn von Nassschneeproblemen verzögerte sich um etwa 7,8 Tage pro 100 Höhenmeter. Um klimatologisch ähnliche Regionen zu identifizieren, wurden die Ergebnisse mit bestehenden Lawinenklimatologien und clusterbasierten Ansätzen auf Simulationsbasis verglichen. Die Analyse deutet auf eine klimabedingte Verschiebung der Nassschneeproblematik in tiefere und mittlere Lagen hin. Ein Vergleich mit regionalen Lawinenlageberichten bestätigte eine gute Übereinstimmung bei der Erkennung von Nassschnee-, Altschnee- und Neuschneeproblemen, während Triebschneeprobleme weniger konsistent erkannt wurden. Diese Erkenntnisse bilden eine datenbasierte Grundlage für eine regionale Lawinenklimatologie und verdeutlichen die sich ändernden Muster der Schneedeckenstabilität im Kontext des Klimawandels.Snow avalanches result from complex interactions between weather, terrain, and internal snowpackprocesses. Building a comprehensive avalanche climatology has been challenging due to the scarcityof reliable long-term avalanche records. This study addresses this challenge by analysing the spatialand temporal distribution of four main avalanche problems — new snow, wind slab, persistent weaklayer, and wet snow — at 11 sites across the European Alps. Using measured data from 111 winterseasons to drive simulations with the SNOWPACK model, results were further analysed and classifiedusing the AVAPRO algorithm. Wet snow problems were most frequent, particularly at lower elevationsand in southern regions of the Alps, whereas persistent weak layers were more common at higheraltitudes. A clear altitudinal gradient was identified, with wet snow onset delayed by approximately 7.8 days per 100 m increase in altitude. To identify climatologically similar regions, these findingswere compared with traditional avalanche climate classifications and simulation-based clusteringapproaches, indicating a potential climate-driven shift toward increased wet snow occurrences atlower and mid-elevations. Validation against regional avalanche bulletins confirmed a good agreementin the detection of wet snow, persistent weak layer, and new snow problems, while detection of windslab problems remained less consistent. These insights provide a robust, data-driven basis for regionalavalanche climatology and highlight evolving patterns in snowpack stability under changing climaticconditions.author: Andreas WedenigEnthält Literaturverzeichnis auf Blätter 39-44Masterarbeit Universität Graz 202