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AbAG 2023 : Implementation of recent high court judicature within the law of descent
Diese Diplomarbeit befasst sich im Detail mit dem am 01.01.2024 in Kraft getretenen Abstammungsrechts-Anpassungsgesetz 2023. Ein besonderer Fokus wird dabei auf die Aufbereitung der VfGH Entscheidung G 230/2021, welche letztlich das AbAG 2023 angestoßen hat, gelegt. Der Verfassungsgerichtshof befasste sich in jener Entscheidung konkret mit der Verfassungsmäßigkeit des § 144 ABGB sowie von Teilen des § 145 ABGB. Im Mittelpunkt der Überlegungen stand dabei die Zulässigkeit des zwingenden Erfordernisses der Durchführung einer medizinisch unterstützten Fortpflanzung an der Mutter für die Begründung der „anderen Elternschaft“ bei weiblichen gleichgeschlechtlichen Paaren. Im Ergebnis hob der VfGH die genannten Bestimmungen, welche jeweils jenes Erfordernis vorsahen, wegen Verfassungswidrigkeit auf.Das AbAG 2023 stellt letztlich die Reaktion des Gesetzgebers auf die Aufhebung des § 144 ABGB dar und dient vorrangig der Neufassung jener Bestimmung. Im Rahmen des AbAG 2023 wird jedoch nicht nur das VfGH Erkenntnis G 230/2021 umgesetzt, denn es finden zudem zwei weitere höchstgerichtliche Entscheidungen betreffend die „Öffnung der Ehe und der eingetragenen Partnerschaft für alle“ sowie das „dritte Geschlecht“, Berücksichtigung. Auf welche Weise die Umsetzung jener drei höchstgerichtlichen Entscheidungen erfolgt und wie jene letztlich zu beurteilen ist, wird in dieser Diplomarbeit ausführlich erläutert. Da sich der Gesetzgeber jedoch nicht damit begnügte, die durch die zuvor angeführten VfGH Entscheidungen erforderlich gewordenen abstammungsrechtlichen Anpassungen vorzunehmen, sondern überdies die nicht-medizinisch unterstützte Fortpflanzung einführte, eröffnete sich neben der bereits beschriebenen Kernthematik dieser Diplomarbeit ein weiterer relevanter Themenkreis. Aufgrund der Tatsache, dass die nmuF tief in Strukturen des bisherigen Abstammungsrechts eingreift, war eine kritische Auseinandersetzung mit jener neuen, nicht unumstrittenen Rechtsfigur im Rahmen dieser Arbeit geboten. Die nicht-medizinisch unterstützte Fortpflanzung wird einleitend grundlegend erläutert. Im Rahmen einer detaillierten Analyse wird anschließend die mit der neuen Rechtsfigur in Zusammenhang stehende Vielzahl an Problemkreisen aufgezeigt. Im Gegensatz zur fast durchwegs positiven Beurteilung der Umsetzung der höchstgerichtlichen Entscheidungen im Rahmen des AbAG 2023, kommt die Arbeit in Bezug auf die nicht-medizinisch unterstützte Fortpflanzung zum Ergebnis, dass dem Unterlassen der Einführung der neuen Rechtsfigur in dieser Form der Vorzug zu geben gewesen wäre.This thesis deals with the Abstammungsrechts-Anpassungsgesetz 2023 (AbAG 2023), which came into force on January 1st, 2024. Particular focus is placed on the analysis of the Constitutional Court decision G 230/2021, which ultimately triggered the Abstammungsrechts-Anpassungsgesetz 2023. In that decision, the Constitutional Court specifically addressed the constitutionality of Section 144 and parts of Section 145 of the Austrian Civil Code. The focus of its considerations was the admissibility of the mandatory requirement that medically assisted reproduction be performed on the mother in order to establish “other parenthood” in female same-sex couples. As a result, the Constitutional Court repealed the aforementioned provisions, which each provided for this requirement, on the grounds of unconstitutionality.The AbAG 2023 ultimately represents the reaction of the legislature to the repeal of Section 144 of the Austrian Civil Code and primarily serves to rewrite that provision. However, the AbAG 2023 not only implements the Constitutional Court ruling G 230/2021, but also takes into account two further supreme court decisions concerning the “opening of marriage and registered partnership to all” and the “third gender.” This thesis explains in detail how these three supreme court decisions are being implemented and how they should ultimately be assessed.However, since the legislature did not content itself with making the adjustments to the law of descent that had become necessary as a result of the aforementioned Constitutional Court decisions, but also introduced non-medically assisted reproduction, another relevant topic arose in addition to the core topic of this thesis already described. Due to the fact that non-medically assisted reproduction deeply affects the structures of existing descent law, a critical examination of this new and controversial legal concept was necessary within the scope of this thesis. As an introduction, the non-medically assisted reproduction is explained fundamentally. A detailed analysis then highlights the multitude of issues associated with this new legal concept. In contrast to the almost entirely positive assessment of the implementation of the supreme court decisions within the framework of the AbAG 2023, this thesis concludes with regard to non-medically assisted reproduction that it would have been preferable not to introduce the new legal concept in this form.vorgelegt von Lisa Marie HawlicekDiplomarbeit Universität Graz 202
Prevention of burnout and resignation in pedagogymeaning-oriented consulting approaches through the healing power of singing
ZusammenfassungGesang – eine Kunstform, die uns bewegt. Sie verzaubert uns, sie erhebt uns in höhere Sphären, wodurch wir eine gesunde Distanz zur belastenden Alltagswelt gewinnen können. Kaum ein Klang ist so energiegeladen wie jener der menschlichen Stimme. Diese zählt zu den größten akustischen Phänomenen, was sie auch zur Grundlage meiner Masterarbeit macht. Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen können wir unseren ganzen Organismus durch das Summen und Singen von Vokalen und Konsonanten in Schwingung versetzen.Erste Theorien über die Entstehung gesunder und gesprochener Laute wurden schon in der Antike aufgestellt. Vor vielen Jahrhunderten entwickelte der griechische Philosoph Platon dazu eine These: Einerseits bringen Gefühle wie Aggression, andererseits aber auch das Bedürfnis nach sozialer Harmonie den Menschen zum Singen. In Indien ist die heilende Wirkung des Singens – nämlich mit dem Rezitieren von Mantras, heiligen Urlauten – schon seit Jahrtausenden bekannt. Gesang spielte schon in den frühen Stunden der Menschheit eine zentrale Rolle: Zur Abschreckung von Raubtieren, zur Stärkung des Zusammenhalts zu den Mitmenschen in der Gesellschaft, sei es bei der Arbeit oder beim gemütlichen Zusammensitzen, bei religiösen Feierlichkeiten oder rituellen Anlässen. Die vorliegende Masterthesis beschäftigt sich mit der heilsamen Kraft des Gesanges und ihren „sinnorientierten Beratungsansätzen in der Prävention von Burnout und Resignation in der Pädagogik.“Dabei werden folgende Forschungsfragen behandelt:1.)Spielt der Gesang eine Rolle in der Prävention von Burnout und Resignation im pädagogischen Berufsfeld?2.)Welche gesundheitsfördernden und sinnstiftenden Potenziale birgt das gemeinsame Singen bzw. die heilsame Wirkung des Gesanges für Lehrkräfte im Schulalltag?3.)Wie kann der gezielte Einsatz von Gesang in Kombination mit sinnorientierten Beratungsansätzen nach Viktor E. Frankl zur Prävention von Burnout und Resignation bei Pädagog:innen beitragen?Meine Forschungsfragen basieren auf zahlreichen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken, die ich im Schulalltag gewonnen habe. Prävention spielt eine tragende Rolle, da vermehrte Krankenstände und chronischer Personalmangel häufig zu physischer und psychischer Erschöpfung und Resignation führen. In meinem theoretischen Teil der Arbeit möchte ich die Schwierigkeiten in Zusammenhang mit Burnout und Resignation aufzeigen. Pädagogische Fachkräfte stehen heutzutage täglich vor der Herausforderung, vielen, hohen Anforderungen gerecht werden zu müssen. Neben einem qualifizierten Unterricht und der Betreuung und Förderung von Schüler:innen kommen administrative Aufgaben, Digitalisierung, Zeitdruck und Stress sowie hohe Erwartungen von Direktor:innen, Eltern und Kolleg:innen hinzu. Das Ziel dieser Literaturarbeit ist, einen innovativen, praxisrelevanten Bezug zu schaffen, der die Möglichkeit bietet, diesen neuen Ansatz durch die heilsame Kraft des Gesanges in der Pädagogik einzuführen.AbstractSinging is an art form that profoundly moves and transforms us. It can be mesmerising, uplifting to our spirits and has the power to take our mind off the concerns of everyday life. Only very few sounds are as vibrant and full of energy as the human voice, which is considered one of the most remarkable acoustic phenomena. This observation serves as a basis for the present research, as humming and vocalising vowels and consonants can set the entire human organism into vibration.First theories about the origin of healthy and spoken sounds date back to antiquity. Many centuries ago, the Greek philosopher Plato already suggested that there is a wide variety of reasons for singing. More precisely speaking, emotional states, such as aggression on the one hand, or the human desire for social harmony on the other hand, can cause humans to sing. In India for example, the healing power of singing has been known for thousands of years; particularly, the chanting of mantras, sacred primordial sounds. In fact, singing has played a central role since the early stages of humanity. It not only served to deter predators, but also to strengthen social cohesion in the community. Singing was a crucial part of life integrated in daily work, at communal gatherings, or in the context of religious ceremonies and ritual occasions.This master’s thesis explores the healing power of singing and examines its potential within meaning-centred therapeutic and counselling approaches for the prevention of burnout and resignation in the field of education. The following research questions are addressed: 1.Does singing play a role in the prevention of burnout and resignation within the educational profession?2.What health-promoting and meaningful potentials can teachers explore in their daily school routine by implementing communal singing or by benefitting from the healing effect of singing? 3.In what ways can the purposeful use of singing, combined with meaning-centred therapy and counselling approaches based on Viktor E. Frankl’s logotherapy, contribute to the prevention of burnout and resignation among educators?My research questions are based on numerous personal experiences and impressions gained in daily school life. Prevention emerges as a key concern, as the educational sector faces increasing levels of sick leaves and chronic staff shortages that often lead to physical and psychological exhaustion as well as resignation. The theoretical part of this work examines the challenges associated with burnout and resignation in the teaching profession. Modern educators daily face the challenge of meeting various requirements. Apart from providing high-quality teaching and supporting the holistic development of students, teachers are also confronted with administrative tasks, digitalisation processes, time pressure, and stress – as well as high expectations from principals, parents, and colleagues.The overarching aim of this literature-based thesis is to propose an innovative and practice-oriented approach that emphasises the potential of integrating the healing power of singing into educational settings as a preventive resource against burnout and resignation.Irene Klara FischerMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc
Can I see what you are feeling? - Nonverbal synchrony in the perception of the initial psychotherapeutic consultation
Nonverbale Synchronie gilt als bedeutsamer Wirkfaktor in sozialen Interaktionen sowie in therapeutischen Prozessen, da sie den Aufbau und die Aufrechterhaltung von Beziehungen unterstützt. Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss interpersoneller nonverbaler Synchronie auf die Wahrnehmung eines psychotherapeutischen Erstgesprächs durch unbeteiligte Beobachter*innen zu untersuchen. In einem experimentellen Design wurden 130 Proband*innen (91 Frauen / 39 Männer; Durchschnittsalter: 32 Jahre) randomisiert entweder einer Videobedingung mit oder ohne synchrone Bewegungen der Therapeutin und Patientin zugeordnet. Anschließend bewerteten sie die wahrgenommene Kompetenz und Empathie der Therapeutin sowie die Qualität der therapeutischen Allianz. Entgegen den Hypothesen zeigte sich kein signifikanter Gesamteffekt der Synchronie auf die genannten Wahrnehmungsdimensionen. Die synchronen Bewegungen wurden jedoch zuverlässig erkannt, und sowohl die Therapeutin als auch die Patientin wurden unabhängig von der experimentellen Bedingung positiv beurteilt. Explorative Analysen legten nahe, dass individuelle Merkmale der Beobachter*innen – etwa Wohlbefinden oder emotionale Kompetenz – stärker zur Eindrucksbildung beitragen als die experimentell manipulierte nonverbale Synchronie. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die positiven Effekte nonverbaler Synchronie vor allem in der unmittelbaren Interaktion wirksam werden, sich jedoch nicht direkt auf die Fremdwahrnehmung übertragen lassen.Nonverbal synchrony is considered an important factor in social interactions and therapeutic processes, as it supports the establishment and maintenance of relationships. The aim of this study was to investigate the influence of interpersonal nonverbal synchrony in the perception of an initial psychotherapeutic consultation by uninvolved observers. In an experimental design, 130 participants (91 women / 39 men; average age: 32 years) were randomly assigned to either a video condition with or without synchronous movements between the therapist and patient. They then rated the perceived competence and empathy of the therapist as well as the quality of the therapeutic alliance. Contrary to the hypotheses, there was no significant overall effect of synchrony on the aforementioned perception dimensions. However, the synchronous movements were reliably recognized, and both the therapist and the patient were rated positively regardless of the experimental condition. Exploratory analyses suggested that individual characteristics of the observers – such as well-being or emotional competence – contribute more strongly to the formation of impressions than the experimentally manipulated nonverbal synchrony. The results indicate that the positive effects of nonverbal synchrony are primarily effective in direct interaction, but cannot be directly transferred to the perception of others.vorgelegt von Lena FischerMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc
Withdrawal of nationality as a counter terrorism measure : Austrian citizenship law in the light of European law
Der Entzug der Staatsangehörigkeit erlebt angesichts der Bedrohung durch den globalen Terrorismus eine Renaissance. Vor dem Hintergrund, dass diese Maßnahme zunehmend als Instrument der Terrorismusbekämpfung eingesetzt wird, stellt sich die Frage, inwieweit der nationalen Souveränität in diesem Bereich Schranken gesetzt sind. Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit den europarechtlichen Grenzen des Entzugs der Staatsangehörigkeit aufgrund terroristischer Aktivitäten. Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung der maßgeblichen Vorgaben der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) sowie des Unionsrechts. Neben der Darstellung der vertraglichen Grundlagen kommt der Analyse der einschlägigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) und des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH) zentrale Bedeutung zu. Die gewonnenen Erkenntnisse werden anhand der österreichischen Rechtslage praktisch angewendet. Insbesondere werden die §§ 33 Abs 2 und 3 Staatsbürgerschaftsgesetz im Hinblick auf ihre Vereinbarkeit mit der EMRK und dem Unionsrecht bewertet.The practice of depriving individuals of their nationality is experiencing a resurgence in response to the threat of global terrorism. Given that this measure is increasingly being used as a counter-terrorism instrument, the question arises as to what extent national sovereignty is limited in this area. This thesis deals with the limits imposed by European law on the withdrawal of nationality due to terrorism-related activities. It focuses on examining the relevant provisions of the European Convention on Human Rights (ECHR) and EU law. In addition to outlining the treaty framework, the analysis places particular emphasis on the relevant case law of the European Court of Human Rights (ECtHR) and the Court of Justice of the European Union (CJEU). These findings are subsequently applied to the Austrian legal context. Special attention is given to §§ 33 (2) and (3) of the Austrian Citizenship Act, which are examined in light of their compatibility with the ECHR and EU law.vorgelegt von Lena Romana KreutzerEnthält Literaturverzeichnis auf Seite 98-105Diplomarbeit Universität Graz 202
Toward Binding Corporate Accountability : Cocoa Production in Ghana and Côte d’Ivoire and the Role of EU Legal Instruments
Diese Arbeit besteht aus sechs Kapiteln, welche sich mit der völkerrechtlichen Haftung transnationaler Unternehmen (TNKs) für Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Kinderarbeit in der Kakaoproduktion in Ghana und Côte d’Ivoire, befassen.Das erste Kapitel („Einleitung“) beschreibt den Einfluss, den TNKs infolge ihrer globalen wirtschaftlichen Aktivitäten ausüben. Es behandelt das Phänomen der Kinderarbeit weltweit sowie im westafrikanischen Kontext, mit Fokus auf Ghana und Côte d’Ivoire, und definiert den Forschungsrahmen. Abschließend folgt eine Analyse des Menschenhandels in Subsahara-Afrika mit besonderem Augenmerk auf erzwungene Kinderarbeit. Es illustriert ebenso die Verbindung von Menschenhandel und Kinderarbeit im Agrarsektor.Das zweite Kapitel („Internationaler und regionaler Rechtsrahmen“) beginnt mit einer historischen Darstellung der Entwicklung des internationalen Rechts zum Schutz der Kinderrechte. Es gibt einen Überblick über zentrale Ereignisse, welche zu einer breiteren Debatte über die Notwendigkeit ihres Schutzes führten, und nennt wichtige Persönlichkeiten des Diskurses. Im Hinblick auf Kinderarbeit werden Kinderrechte unter dem Aspekt des Arbeitsrechts betrachtet. Danach analysiert das Kapitel die wichtigsten internationalen Rechtsinstrumente zum Schutz von Kinder- und Arbeitsrechten: das IAO-Übereinkommen Nr. 138 über das Mindestalter (1973), das IAO-Übereinkommen Nr. 182 über die schlimmsten Formen von Kinderarbeit (1999), die UN-Kinderrechtskonvention (1989) sowie die Afrikanische Charta über die Rechte des Kindes (1999). Abschließend werden die Überwachungsmechanismen der beiden zuletzt genannten Instrumente (der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes sowie der Afrikanische Expertenausschuss) behandelt.Das dritte Kapitel („Die Regulierung der Europäischen Union“) analysiert rechtliche Entwicklungen im Rahmen der EU-Bemühungen zur Bekämpfung von Zwangsarbeit sowie die Einführung von Sorgfaltspflichten für europäische Unternehmen. Es beginnt mit der Beschreibung zweier Initiativen zur Förderung nachhaltiger Kakaoproduktion: die Initiative für nachhaltigen Kakao und die Allianz für nachhaltigen Kakao. Danach werden die Verordnung über Zwangsarbeit und die EU-Richtlinie über unternehmerische Sorgfaltspflichten vorgestellt, ihre Stärken und Schwächen beleuchtet und die Notwendigkeit einer breiteren völkerrechtlichen Diskussion über Unternehmensverantwortung bei Menschenrechtsverstößen betont.Das vierte Kapitel („Das Konzept und die Konzeptionen der völkerrechtlichen Persönlichkeit im Kontext von TNKs“) beginnt mit der Darstellung des Konzepts der völkerrechtlichen Persönlichkeit und dessen praktischer Bedeutung. Deren Anerkennung ist entscheidend für die Diskussion um die völkerrechtliche Haftung von TNKs. Das Kapitel stellt fünf Konzeptionen vor, unter welchen die TNKs jeweils kurz subsumiert werden: die Staatenexklusiv-, Anerkennungs-, individualistische, formale und Akteurskonzeption.Das fünfte Kapitel („Völkerrechtliche Persönlichkeit von TNKs?“) präsentiert drei Argumente für die Existenz einer solchen internationalen Persönlichkeit von TNKs. Erstens hätten TNKs Merkmale, wie sie im Gutachten des Internationalen Gerichtshofs im Fall „Reparations for Injuries“ (1949) festgestellt wurden. Zweitens argumentiert das Kapitel, dass sie über internationale Persönlichkeit durch implizite staatliche Anerkennung verfügen. Drittens wird argumentiert, dass sich TNKs sich unter der Akteurskonzeption als internationale Personen qualifizieren lassen. Weiters werden völkerrechtliche Verpflichtungen von TNKs und Mechanismen zu deren Durchsetzung dargestellt. Abschließend wird der Ausblick sowie Diskussion über die möglichen künftigen Entwicklungen in diesem Zusammenhang dargestellt.Das sechste Kapitel ist Conclusio.This work is constituted of six chapters, which discuss the international legal liability of transnational corporations (TNCs) for breaches of human rights in the context of child labor in cocoa production in Ghana and Côte d'Ivoire.The opening chapter (“Introduction”) delineates the magnitude of influence TNCs possess in the contemporary world as a consequence of their worldwide economic activities. It explores the phenomenon of child labor on the global scale and within West Africa, focusing on Ghana and Côte d'Ivoire, and delineates the scope of the research. It concludes with an examination of human trafficking in Sub-Saharan Africa, with a particular focus on forced child labor. It also illustrates the interconnection between human trafficking and child labor in the agricultural sector. The second chapter (“International and Regional Legal Framework”) opens with a historical exposition of the evolution of the international legal framework concerning the rights of the child. It presents an overview of the events that led to a broader discussion of the necessity of protecting children's rights and identifies influential figures in this discourse. Given the focus on child labor, the chapter examines children's rights from the perspective of labor rights. It then analyzes the most significant international legal instruments protecting children's and labor rights: ILO Convention No. 138 – Minimum Age Convention (1973), ILO Convention No. 182 – Worst Forms of Child Labor Convention (1999), the UN Convention on the Rights of the Child (1989), and the African Charter on the Rights of the Child (1999). The chapter concludes with an analysis of the monitoring mechanisms established by the last two charters: the Committee on the Rights of the Child and the African Committee of Experts on the Rights and Welfare of the Child. The third chapter (“The Regulation of the European Union”) analyzes legal developments concerning the EU's efforts to combat forced labor and the establishment of due diligence legislation that outlines the responsibilities of European corporations. It begins with a description of two initiatives aimed at improving the sustainability of cocoa production: the Sustainable Cocoa Initiative and the Alliance on Sustainable Cocoa. It then delves into the provisions of the Forced Labor Regulation and the EU Corporate Sustainability Due Diligence Directive, examining their strengths and shortcomings, and argues for the necessity of a broader international legal discussion regarding responsibility for breaches of human rights provisions. The fourth chapter (“The Concept and Conceptions of International Personality in the Context of TNCs”) begins with a delineation of the concept of international personality and its practical ramifications. The establishment of international personality is essential for a meaningful discourse on TNC liability. The chapter then explores five distinct conceptions of international legal personality, briefly subsuming TNCs under each: the states-only conception, the recognition conception, the individualistic conception, the formal conception, and the actor conception. The fifth chapter ("International Personality of TNCs?") posits three arguments for the existence of an international personality of TNCs. First, it argues that TNCs incorporate elements of international personality established by the ICJ in the "Reparations for Injuries" advisory opinion (1949). Second, it posits that TNCs possess international character, based on implicit acknowledgment by states. Third, it argues that TNCs qualify as legal persons under the actor conception. It then discusses international legal obligations of TNCs and mechanisms to establish liability for breaches of these obligations. The chapter concludes with a discussion of possible future developments in this field.The sixt chapter ist Conclusio.presented by Ivan IlićDiplomarbeit Universität Graz 202
Precedent in Austria : legal-theoretical classification and practical pertinence of supreme court rulings
Den Entscheidungen des Obersten Gerichtshofes in Zivilrechtssachen kommt eine über den Anlassfall hinausgehende erhebliche Bedeutung zu. Es ist allgemein anerkannt, dass sich Gerichte in ihrer Entscheidungsfindung an einschlägigen höchstgerichtlichen Präjudizien orientieren und der ständigen Rechtsprechung einen maßgeblichen Argumentationswert zumessen. Während über den faktischen Stellenwert der Vorjudikatur somit Konsens vorliegt, gehen die Positionen zur Frage einer normativen Wirkung höchstgerichtlicher Präjudizien auseinander. Die in der Literatur vertretenen Ansätze bedienen das volle Spektrum von völliger Ablehnung rechtlicher Bedeutung bis Einordnung der höchstgerichtlichen Judikatur als gesetzesgleiche Rechtsquelle. Aktuelle akademische Auseinandersetzungen mit der Thematik sind in der österreichischen Rechtswissenschaft rar. Dabei hat die theoretische Erfassung des rechtlichen Charakters von Präjudizien erhebliche Relevanz für die Praxis. So betrifft sie die Frage, ob ein Gericht einschlägige Vorjudikatur bei der eigenen Entscheidungsfindung berücksichtigen muss und welche Anforderungen an ein Abgehen von einer etablierten Rechtsprechung gestellt werden. In der vorliegenden Arbeit wird deshalb der Frage einer normativen Bindungswirkung von Präjudizien des OGH in Zivilrechtssachen nachgegangen. Nach einer Analyse bestehender Theorien werden zentrale Argumente für und gegen die Anerkennung einer normativen Wirkung von Präjudizien diskutiert. Basierend auf den daraus gewonnenen Erkenntnissen wird die These einer flexiblen Bindungswirkung aufgestellt. Im Spannungsfeld zwischen Rechtssicherheit und Einzelfallgerechtigkeit soll die konkrete Ausgestaltung der normativen Wirkung im Einzelfall mithilfe der Methode der Abwägung erfolgen. Ziel ist es, ein theoretisch tragfähiges und praxisnahes Modell für den sachgerechten Umgang mit der Vorjudikatur zu entwickeln, das der Gefahr einer mechanischen Rechtsanwendung entgegenwirkt, jedoch dem Bedürfnis nach einer stabilen Judikatur gerecht wird.Judgements of the Austrian Supreme Court of Justice in civil law cases have considerable significance even beyond the specific case in question. It is generally acknowledged that courts base their decisions on relevant supreme court precedents and that they accept the citation of established case law as a weighty argument. While there is consensus on the factual significance of precedents, opinions differ on the question of the normative force of supreme court rulings. The approaches represented in literature range from complete rejection of any legal significance to classifying precedents as a source of law equivalent to legislation. Current academic debates in Austrian jurisprudence on this topic are scarce. However, the theoretical understanding of the legal character of precedents is of considerable relevance to practice. It concerns the questions of whether a court must take prior judgements into account in its own decision-making and what requirements must be met in order to depart from established case law. This paper therefore examines the legitimacy and scope of normative force of precedents set by the Austrian Supreme Court in civil law cases. Following an analysis of existing theories, key arguments against and in favour of recognising a normative force of precedents are discussed. Building on these considerations, I propose the thesis of a flexible binding force of supreme court rulings. Between the conflicting principles of legal certainty and justice, the specific degree of the binding force in individual cases is to be determined using the method of balancing. The aim is to develop a theoretically sound and practical model for the appropriate handling of case law. This is crucial in order to reduce the risk of mechanical application of the law while at the same time accounting for the need of a stable jurisprudence.vorgelegt von Kerstin KasparDiplomarbeit Universität Graz 202
Which coping strategies were helpful in counseling regarding the topic of panic
Abstract (Deutsch)Diese Masterarbeit befasst sich mit Panikstörungen und der Frage, welche Bewältigungsstrategien hilfreich sein können. Panikstörungen beeinträchtigen das Leben vieler Betroffener erheblich, weshalb ein tiefergehendes Verständnis wirksamer Ansätze zur Unterstützung von Bedeutung ist.Die Untersuchung folgt einem qualitativen, explorativen Ansatz. Grundlage bilden leitfadengestützte Interviews mit acht Teilnehmerinnen sowie eine umfassende Auswertung einschlägiger Fachliteratur. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass vor allem Aufklärung über die Erkrankung, veränderte Denkweisen, Achtsamkeit und soziale Unterstützung in der Literatur als hilfreich beschrieben werden.Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass neben wirksamen Strategien vor allem der Abbau gesellschaftlicher Stigmata entscheidend ist. Niederschwellige Angebote in Psychotherapie und psychosozialer Beratung stellen hierfür einen wichtigen Ansatzpunkt dar, um Betroffenen frühzeitig Zugang zu Unterstützung zu ermöglichen.This master’s thesis deals with panic disorders and examines which coping strategies can be helpful. Panic disorders significantly affect the lives of many individuals, which makes a deeper understanding of effective approaches to support particularly important.The study follows a qualitative, exploratory approach. It is based on guided interviews with eight female participants as well as a comprehensive review of relevant literature. The findings indicate that education about the disorder, changed ways of thinking, mindfulness, and social support are described in the literature as especially helpful.The thesis concludes that, in addition to effective strategies, the reduction of social stigma is of central importance. Low-threshold access to psychotherapy and psychosocial counseling offers an important way to provide those affected with timely support.Marion KovacsMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc
On the vertical structure of the troposphere and its connection to the surface mass balance of Flade Isblink in Northeast Greenland
Gletscher und Eiskappen (GIC) nördlich von 79 °N in Grönland trugen zwischen 2018 und 2021 60 % des gesamten Massenverlustes aller GIC in Grönland bei, was vor allem auf verstärkte Oberflächenschmelze in Reaktion auf steigende Lufttemperaturen zurückzuführen ist. Vertikale Lufttemperaturstrukturen der Atmosphäre modulieren den Energieaustausch an der Oberfläche und sind ein wichtiger Faktor für die Oberflächenmassenbilanz (SMB). Dennoch liegen nur wenige in situ Messungen in der Arktis vor. In dieser Arbeit wurden mit unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs) 130 vertikale Lufttemperaturprofile bis zu einer Höhe von 500 m über dem Boden über verschiedenen Oberflächen rund um die Villum Research Station (VRS) im Nordosten Grönlands gemessen. Die VRS liegt 5 km westlich der Flade Isblink Eiskappe (FIIC), der größten peripheren Eismasse Grönlands. Es zeigt sich eine gute Übereinstimmung zwischen den UAV-Temperaturprofilen und denen des Copernicus Arctic Regional Reanalysis (CARRA) Datensatzes über 13 Höhenlevel bis 500 m (mittlere absolute Differenz von 1 °C; r = 0.59), was die Verwendung von CARRA für eine detaillierte Prozessstudie ermöglicht. Bei der Analyse der täglichen CARRA Daten für Juni, Juli und August von 1991 bis 2024 kommt diese Studie zu dem Ergebnis, dass die Geländeoberflächeneigenschaften die Lufttemperaturschwankungen bis zu einer Höhe von etwa 100 m über dem Boden signifikant beeinflussen (p < 0.01). Eine K-means Clusteranalyse der vertikalen Lufttemperaturgradienten oberhalb von 100 m über dem Boden zeigt, dass diese Profile an der VRS unterschiedliche großräumige synoptische Bedingungen widerspiegeln. Der Einfluss der synoptischen Bedingungen auf die SMB von FIIC wird mithilfe des Modèle Atmosphérique Régional (MAR) analysiert. Insgesamt kam es seit 2015 zu einem Massenverlust von ca. 21 Gt, der durch steigende Sommerlufttemperaturen während verschiedener synoptischer Bedingungen verursacht wurde. Die stärkste Schmelzsaison mit einer SMB von -0.8 m Wasseräquivalent und einer Gleichgewichtslinienhöhe von 925 m (467 m über dem Durchschnitt) ereignete sich im Jahr 2023, verbunden mit häufigen synoptischen Bedingungen, die die Schmelze begünstigen.Glaciers and ice caps (GIC) north of 79 °N in Greenland contributed 60 % to the total mass loss of all GIC in Greenland between 2018 and 2021, driven largely by surface melt in response to rising temperatures. Vertical air temperature structures of the atmosphere modulate the surface energy exchanges and are an important factor in governing surface melt. Despite this importance, few in situ observations are available. 130 vertical air temperature profiles up to 500 m above ground were acquired using uncrewed aerial vehicles (UAVs) over different surface cover types around Villum Research Station (VRS) in Northeast Greenland. VRS is 5 km West of Flade Isblink ice cap (FIIC), the largest peripheral ice mass in Greenland. A robust agreement between the UAV temperature profiles and the ones of the Copernicus Arctic Regional Reanalysis (CARRA) data set over 13 height levels up to 500 m (mean absolute difference of 1°C; r = 0.59) is shown, which allows using CARRA for a detailed process study. Analysing daily CARRA data for June, July and August from 1991 to 2024, this study finds that surface properties control air temperature variability significantly (p < 0.01) up to approximately 100 m above ground. K-means clustering of vertical temperature gradients above 100 m reveals that those profiles at VRS reflect distinct large-scale synoptic conditions. The influence of the synoptic conditions on the surface mass balance (SMB) of FIIC was assessed using output from the Modèle Atmosphérique Régional (MAR). Overall, ice mass loss of approximately 21 Gt occurred since 2015, driven by rising summer air temperatures for all synoptic conditions. The most extreme melt season with a SMB of -0.8 m water equivalent and an equilibrium line altitude at about 925 m (467 m above average) occurred in 2023, associated with frequent synoptic conditions that favour melt.Jonathan FipperMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc
Processes of Conveying and Acquiring Historical Knowlege within the Context of the Permanent Exhibition "Why? National Socialism in Styria" by 14-year-old Students
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Vermittlung und Aneignung historischen Wissens im Rahmen der Dauerausstellung „Warum? Der Nationalsozialismus in der Steiermark“ durch Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 Jahren. Im Zentrum steht die Frage, wie Jugendliche in einem schulischen Exkursionskontext mit den komplexen Inhalten dieser Ausstellung umgehen und welche didaktischen wie gestalterischen Faktoren den Lernprozess beeinflussen. Ausgangspunkt ist die zunehmende Relevanz außerschulischer Lernorte wie Museen für die schulische Geschichtsvermittlung, insbesondere bei sensiblen Themen wie dem Nationalsozialismus.Zentrale These ist, dass museale Lernumgebungen – sofern sie altersgerecht konzipiert und didaktisch begleitet werden – nicht nur kognitive Aneignungsprozesse ermöglichen, sondern auch zur Entwicklung politischer Urteilsfähigkeit und historischer Verantwortung beitragen können. Methodisch basiert die Untersuchung auf einem autoethnografischen Ansatz, der qualitative Beobachtungen, Interviews, Reflexionen und Dokumentationen kombiniert. Dieser Zugang erlaubt eine tiefgehende Analyse sowohl aus der Perspektive der Lernenden als auch aus jener der begleitenden Lehrperson.Die Ergebnisse zeigen, dass die Ausstellung ein hohes Potenzial für historisches Lernen bietet, gleichzeitig jedoch sprachliche und inhaltliche Barrieren aufweist, insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit Deutsch als Zweitsprache. Die visuelle Gestaltung und die regionale Verankerung der Themen wurden als besonders zugänglich wahrgenommen, während textlastige und komplex formulierte Inhalte den Zugang erschwerten. Die Rolle der Lehrperson erwies sich als zentral, um Verständnisprozesse zu moderieren und individuelle Lernprozesse zu unterstützen.Die Arbeit schließt mit der Empfehlung, museumspädagogische Konzepte stärker auf heterogene Zielgruppen auszurichten, interaktive Elemente auszubauen und Lehrkräfte in ihrer Vermittlungskompetenz gezielt zu stärken. Damit kann die historische Bildungsarbeit im Museum nachhaltiger und inklusiver gestaltet werden.This master’s thesis explores the processes of conveying and acquiring historical knowledge within the context of the permanent exhibition "Why? National Socialism in Styria" by 14-year-old students. The central research question addresses how young learners engage with the complex content of the exhibition during a school excursion and which didactic and design-related factors influence their learning process. The study is grounded in the growing recognition of museums as extracurricular learning spaces, especially in the context of sensitive topics such as National Socialism.The core thesis posits that museum-based learning environments—if appropriately tailored to the target age group and accompanied by pedagogical support—not only facilitate cognitive learning processes but also promote the development of political judgment and historical responsibility. Methodologically, the study employs an autoethnographic approach combining qualitative observation, interviews, reflections, and documentation. This allows for an in-depth analysis from both the learners’ and the teacher’s perspectives.Findings reveal that while the exhibition holds significant potential for historical learning, it also presents linguistic and cognitive challenges, particularly for students learning German as a second language. Visual design elements and the regional contextualization of historical content were perceived as particularly accessible, while dense and complex textual content often posed barriers to understanding. The teacher’s role proved essential in guiding comprehension and supporting individual learning paths.The study concludes by recommending that museum education concepts be further adapted to diverse student groups, interactive elements be expanded, and teachers be better prepared in their didactic competencies. These measures would contribute to making historical education in museum contexts more inclusive and sustainable.vorgelegt von Antonia Maria ElmasMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsc
MSG-Symptom-Complex: Fact, Fiction or Nocebo?
Einleitung: Das MSG-Symptom-Komplex wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Randomisierte doppelblinde Studien zeigen, dass MSG gesundheitlich unbedenklich ist. Dennoch berichten manche Menschen von somatischen Beschwerden nach Konsum. Eine mögliche Erklärung sind Nocebo-Effekte.Methode: In einer randomisierten Studie im 2×2-Between-Subject-Design (N = 212) erhielten Proband*innen entweder eine Kapsel mit Schein-MSG oder eine Kapsel mit Stärke und führten anschließend eine Stress oder Entspannung auslösende Aufgabe aus. Somatische Symptome wurden vor und nach der Intervention erfasst. Zusätzlich wurden Krankheitsangst und Pessimismus erhoben.Ergebnisse: Die 2×2-ANOVA zeigte einen signifikanten Haupteffekt der Nocebo-Intervention: Teilnehmende der Schein-MSG-Gruppe berichteten mehr Symptome als die Kontrollgruppe. Weder die Aufgabenbedingung noch die Interaktion waren signifikant. In einer multiplen linearen Regression innerhalb der Schein-MSG-Gruppe sagten sowohl Krankheitsangst als auch Pessimismus höhere somatische Symptome vorher.Schlussfolgerung: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das MSG-Symptom-Komplex weniger medizinisch-toxikologisch, sondern vielmehr psychologisch zu erklären ist. Nocebo-Effekte, Krankheitsangst und Pessimismus prägen die Ausbildung von Symptomen maßgeblich.Introduction: The MSG symptom complex has been controversially discussed for decades. Randomized double-blind studies show that MSG is harmless to health. Nevertheless, some people report somatic complaints after consumption. A possible explanation are nocebo effects.Method: In a randomized 2×2 between-subject design study (N = 212), participants received either a capsule with sham-MSG or a capsule with starch and subsequently performed a task inducing either stress or relaxation. Somatic symptoms were assessed before and after the intervention. In addition, health anxiety and pessimism were measured.Results: The 2×2 ANOVA showed a significant main effect of the nocebo intervention: participants in the sham-MSG group reported more symptoms than the control group. Neither the task condition nor the interaction was significant. In a multiple linear regression within the sham-MSG group, both health anxiety and pessimism predicted higher somatic symptoms.Conclusion: The results suggest that the MSG symptom complex is to be explained less in medical-toxicological terms, but rather psychologically. Nocebo effects, health anxiety, and pessimism substantially shape the development of symptoms.vorgelegt von Richard KandlinMasterarbeit Universität Graz 2025Zusammenfassung auf Deutsch und Englisc