Hamburger Journal für Kulturanthropologie (HJK)
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Wissenschaftliches Arbeiten im Digitalen? Einleitung und Problemaufriss
Der tiefgreifende Wandel der Digitalisierung und damit zunehmenden Medialität auch im (Wissenschafts-)Alltag ermöglicht veränderte Prinzipien der Wissensproduktion und eine paradigmatische Neuausrichtung der Kulturanalyse. Die Einleitung eröffnet Perspektiven auf diesen Wandel und ordnet Spannungsfelder sowie Herausforderungen ein. Es wird danach gefragt, wie digitale Methoden den Forschungsprozess verändern. Die Beiträge des vorliegenden Bandes werden vorgestellt.The deep change of digitization and the interconnected mediality within the (scientific) everyday life enables changing perspectives of knowledge production and an paradigmatic realignment of cultural analysis. The introduction opens perspectives on this change, fields of tension and challenges. How do digital methods change the research process? The contributions of the issue are presented
Computergestützte ethnografische Datenanalyse (CEDA): Potenziale und methodische Affordanzen von QDA-Software in der ethnografischen Forschung
Der Beitrag diskutiert die Potenziale einer ›Computergestützten ethnografischen Datenanalyse‹ (CEDA), insbesondere mit Blick auf die Empirische Kulturwissenschaft / Kulturanthropologie. Er argumentiert, dass aus Qualitative Data Analysis Software (QDA-Software) spezifische methodische Affordanzen hervorgehen, die sich auf sowohl produktive als auch problematische Weise in den ethnografischen Forschungsprozess einschreiben können. Neben einer Diskussion verschiedener Dimensionen der computergestützten ethnografischen Datenanalyse spricht sich der Beitrag deshalb für eine breite Methodendebatte in diesem Feld aus, die eine Entwicklung kritisch-reflexiver Kompetenzen für den Umgang mit QDA-Software ermöglicht.This paper elaborates upon the potentials of ›computer-assisted ethnographic data analysis‹ (CEDA), paying particular attention to the discipline of Empirische Kulturwissenschaft / Cultural Anthropology. It argues that specific methodological affordances emerge from Qualitative Data Analysis Software (QDA software) that can inscribe themselves into the ethnographic research process in both productive and problematic ways. In addition to a discussion of various dimensions of computer-assisted ethnographic data analysis, the paper therefore argues for a broad methodological debate in the field that allows for the development of critical-reflexive competencies for using QDA software
Geschlecht und Sexualität, feministisch, queer …!? Ein Zwischenruf der Kommission Frauen- und Geschlechterforschung
Der Beitrag skizziert die Entwicklung von Gender und Sexualität als Forschungsfeld und -perspektive in der Empirischen Kulturwissenschaft/ Europäischen Ethnologie vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Neupositionierung der Kommission für Frauen- und Geschlechterforschung in der DGEKW.This paper outlines the development of gender and sexuality as a research field and perspective in the German speaking Cultural Anthropology / European Ethnology against the backdrop of the current repositioning of the Commission for Women\u27s and Gender Studies in the DGEKW
Mehr Sex an der Uni – ein Plädoyer
Der Beitrag ist ein kurzes Plädoyer für die (kultur-)wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Sexualität und weiteren identitätsstiftenden Praktiken an und in Universitäten.The paper argues in favor of sexuality studies in academia and advocates for more sex at and in universities
Queere Geflüchtete in Dänemark. Durchschreiten Heterosexueller Grenzgebiete
Queere Geflüchtete stehen beim Asylprozess vor der Herausforderung, multiple Grenzen innerhalb von ›Heterosexuellen Grenzgebieten‹ zu navigieren. Während sie sich im Asylverfahren ›outen‹ (müssen), treten sie anderenorts nicht als queer auf. Dieses Spannungsfeld untersuchte ich empirisch.Queer refugees face the challenge of navigating multiple borders within ›heterosexual borderlands‹ in the asylum process. While they (have to) ›come out‹ in the asylum process, they do not appear as queer elsewhere. I empirically investigated this tension
›Doing Gender‹ im Treppenhaus. Frau‑Sein im staatssozialistischen Rumänien und danach
Der Sozialismus hatte den Anspruch, nicht nur Klassen-, sondern auch Geschlechterunterschiede aufzulösen. Anhand der Analyse weiblicher Lebenswelten in einem post-sozialistischen Wohnblock in Bukarest in Rumänien zeigt der Aufsatz, inwiefern genderspezifische Rollenbilder und -muster in der Transformationsgesellschaft verstanden und gelebt werden.Socialism claimed to dissolve not only class but also gender differences. By analysing female everyday lives in a post-socialist apartment block in Bucharest, Romania, the essay shows to what extent gender-specific role models and patterns are understood and lived in the transformation of society
»Sex ist voller Verletzungen«. Die religiöse Sexualmoral der protestantischen Freikirche ›Equippers‹
Wie werden Vorstellungen von Sex, Beziehung und Körperlichkeit im freikirchlich-protestantischen Kontext narrativ vermittelt? Bei den ›Equippers‹ verbinden sich Erzählstrukturen, mit scheinbar disparaten Lesarten der menschlichen sexuellen ›Natur‹, zu kohärenten und sozial anschlussfähigen Gefügen.How do contemporary, Protestant Churches narrate and communicate ideas of sex, relationships and corporeality? The ›Equippers‹ Church integrates supposedly ambiguous narratives of the ›nature‹ of human sexuality in a coherent and relatable story
… »schmuzzige Zotten und Possen«. Diskurse über Sexualitäten in Österreichs Tanzliedern im frühen 19. Jahrhundert
Bei den Erhebungen zum ›Volkscharakter‹ Anfang des 19. Jahrhundert wurden auch ›Nationallieder‹ gesammelt. Diese stellen Quellen zu den Themen Sexualität und Öffentlichkeit dar. Überliefert wurden tausende Texte aus bäuerlichen und kleinbürgerlichen Unterschichten, vor allem in kurzen Vierzeilern.In the 19th century data concerning ›Volkscharakter‹ was gathered and national folk songs were also collected. They represent themes like sexuality and publicity. More than a thousand texts from the lower rural and petit bourgeois orders survived, most of them are four-liners
Anthropology of Sex, Gender and Bodies. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Alltägliches (Gesamtausgabe)
Der Sammelband geht aus der 33. Studierendentagung der Deutschen Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft (DGEKW) »Sex.Sex.Sex. Kulturwissenschaftliche Höhepunkte & Abgründe« hervor, die ursprünglich für den Mai 2020 geplant, dann aber coronabedingt in das Jahr 2021 verschoben und vom 13.-16. Mai durchgeführt wurde. Anstatt einer Präsenzveranstaltung im Gängeviertel, einem autonomen Kunst- und Kulturviertel in der Hamburger Innenstadt, fand die Veranstaltung über vier Tage online statt. Die Veranstaltung ist mit 450 Teilnehmer*innen, über 19 Panels mit 2-3 Einzelvorträgen sowie 7 Workshops und Performances (und damit über 50 Präsentierenden) die größte Studierendentagung der DGEKW gewesen, die es bisher gab. In über 30 kleinen und große Beiträgen stellen die über 40 Autor*innen des Sammelbandes historisch-kulturwissenschaftliche, ethnografische, methodische und kulturtheoretische Perspektiven auf Sexualitäten, Körper und Geschlechter vor.The anthology emerges from the 33. student conference of the German Society for Empirical Cultural Studies (DGEKW) »Sex.Sex.Sex. Kulturwissenschaftliche Höhepunkte & Abgründe« which was originally planned for May 2020, but then postponed to 2021 due to Corona pandemic, and held May 13-16. Instead of a face-to-face event in the Gängeviertel, an autonomous arts and culture district in downtown Hamburg, the event took place online over four days. With 450 participants, over 19 panels with 2-3 individual presentations, and 7 workshops and performances (and thus over 50 presenters), the event has been DGEKW\u27s largest student conference to date. In over 30 small and large papers, the over 40 authors in the anthology present historical, ethnographic, methodological, and cultural theoretical perspectives on sexualities, bodies, and gender
›Revenge‹ as Affective Assemblages? Emotions, Narratives and Social Relationships from Ethnographic Perspectives
Der Aufsatz basiert auf einer ethnografischen Masterarbeitsforschung aus den Jahren 2020 und 2021, in der über 20 leitfadengestützte Interviews, informelle Gespräche, Zeitungsartikel und Populärkultur (Ratgeberliteratur, Podcasts und Forenbeiträge) analysiert wurden. Anhand ethnografischer Fallbeispiele wird rekonstruiert, wie das Assemblage-Konzept als fruchtbare kulturanalytische Perspektive genutzt werden kann, um die biografischen Rachegeschichten und ihre Argumentations-, Rechtfertigungs- und Plausibilisierungsstrategien zu deuten. Dieser Beitrag fragt also danach, wie sich die affektive Assemblage ›Rache‹ konstituiert und was dieser Forschungszugang für die empirisch-kulturwissenschaftliche Analyse von Emotionen und Affekte in sozialen Nahbeziehungen bieten kann, auch wenn diese beschädigt sind oder gar nicht mehr existieren.This paper is based on an ethnographic master\u27s thesis research from 2020 and 2021 for which more than 20 guided interviews, informal conversations, press material and popular culture such as advice literature, podcasts or blogs were analyzed. Ethnographic case studies are used to reconstruct how the assemblage concept can be utilized as a productive cultural analytical perspective to interpret the biographical revenge stories, narratives and argumentation strategies contained in them. This paper therefore asks how the affective assemblage ›revenge‹ emerges and what this research approach can offer for the analysis of emotions and affects in social relationshops in cultural anthropology even though they have been damaged and no longer exist