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Jugend und Freundschaft in Zeiten sozialer Medien : inwiefern soziale Medien und digitale Kommunikation die Beziehungen Jugendlicher beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf ihre psychosoziale Entwicklung hat
Im Verlauf dieser Arbeit konnte festgestellt werden, wie vielschichtig der Zusammenhang zwischen sozialen Medien, Peerbeziehungen und der psychosozialen Entwicklung ist. Aufbauend auf dem Konzept der Entwicklungsaufgaben – mit besonderem Fokus auf die Identitätsentwicklung nach Erikson und Marcia – wurde erarbeitet, inwiefern soziale Medien und digitale Kommunikation die Beziehungen Jugendlicher beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf ihre psychosoziale Entwicklung hat. Ausgehend davon, dass die Identitätsentwicklung die zentrale Entwicklungsaufgabe des Jugendalters ist, wurde festgestellt, dass Peerbeziehungen bei diesem Prozess eine erhebliche Rolle spielen. Ein weiterer prägender Faktor innerhalb der Lebenswelt Jugendlicher machen heutzutage die sozialen Medien aus. Nahezu alle Jugendlichen nutzen ein Smartphone, primär um mit Freund:innen in Kontakt zu treten. Durch verschiedene Mechanismen wird die Nutzung sozialer Medien systematisch gefördert, zusätzlich spielen Akteur:innen wie Influencer:innen eine große Rolle. Verschiedene Merkmale wie zum Beispiel Asynchronität und Quantifizierbarkeit erschaffen eine einzigartige Online-Umgebung, die für Jugendliche äußerst attraktiv ist. Durch die Präsenz im Alltag, haben soziale Medien unweigerlich einen großen Einfluss auf die Beziehungen und die psychosoziale Entwicklung Jugendlicher. So konnte festgestellt werden, dass Jugendliche soziale Medien primär nutzen, um bestehende Offline-Freundschaften zu ergänzen und zu stärken. Allerdings ermöglichen sie es auch, das bestehende soziale Netzwerk zu erweitern, teilweise auch über geografische Grenzen hinaus. Insgesamt wird aber davon ausgegangen, dass soziale Medien im Sinne der Stimulationshypothese eher Offline-Beziehungen erweitern, anstatt sie zu verdrängen. Zudem verändert sich das Kommunikationsverhalten Jugendlicher mit ihren Peers durch die neuen Bedingungen und Möglichkeiten der Online-Umgebung. Bezogen auf die psychosoziale Entwicklung haben soziale Medien ebenfalls einen erheblichen Einfluss. So können durch neue Möglichkeiten einer gesteuerten Selbstpräsentation und Ansporn zur Selbstenthüllung durch soziale Unterstützung die intrapersonelle Identitätsenwicklung gefördert werden. Keine genauen Ergebnisse konnten bezüglich des Einflusses auf das Selbstkonzept gefunden werden. Auch die interpersonelle Identitätsentwicklung wird durch die sozialen Medien beeinflusst. So können Jugendliche durch die Publizität sozialer Medien Anerkennung erfahren und Feedback erhalten, und durch Online-Vorbilder wie zum Beispiel Influencer:innen Rollen explorieren. Letztere können allerdings auch negative Auswirkungen haben, indem sie als negative Vorbilder fungieren. Des Weiteren bieten soziale Medien neue Möglichkeiten für soziale Vergleiche, soziales Feedback und Selbstreflexion, die den Selbstwert positiv oder negativ beeinflussen. Außerdem schaffen die veränderten Kommunikationsmöglichkeiten neue Anforderungen in Beziehungen. Den Umgang damit erlernen Jugendliche allerdings mit der Zeit, wodurch der gesundende Umgang mit den Möglichkeiten der digitalen Kommunikation zu einem Teil der sozialen Entwicklung wird. Durch die neuen Möglichkeiten sozialer Medien entstehen auch neue Herausforderungen. So beeinflussen soziale Medien das Risikoverhalten Jugendlicher, bieten Raum für Cybermobbing und fördern die Angst, etwas zu verpassen. Zudem kann eine passive Mediennutzung negative Auswirkungen haben, eine selbstaffirmative aktive Nutzung dagegen eindeutig positive. Auswirkungen hat auch der Umfang des Medienkonsum. Nimmt dieser zu große Ausmaße an hat er negative Auswirkungen, wobei hier der soziale und entwicklungsbedingte Kontext eine große Rolle spielt. All dies stellt die Soziale Arbeit vor neue Herausforderungen. Es müssen fachlich reflektierte Rahmungen und Kompetenzen von Fachkräften gefördert werden, damit Jugendlichen eine angemessene Medienerziehung ermöglicht werden kann. Durch die Bearbeitung der Fragestellung konnte festgestellt werden, dass die psychosoziale Entwicklung Jugendlicher in einem Spannungsfeld zwischen sozialen Medien, Entwicklungsaufgaben und Peerbeziehungen stattfindet, sowie vielen Faktoren, die im Rahmen dieser Arbeit gar nicht näher beleuchtet wurden. Dadurch sind auch die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Themen dieser Arbeit deutlich komplexer, als zu Beginn vermutet, was teilweise zu Her ausforderungen bei der Bearbeitung der Fragestellung führte. Es wird deutlich, dass die hier dargestellten Zusammenhänge zwar einen ersten Einblick in die Thematik verschaffen, der Rahmen einer Bachelor-Thesis für die Komplexität des Themas kaum ausreicht. So wurde diese Arbeit unter anderem aus einer rein westlichen Perspektive, mit Quellen und Forschungen primär aus europäischen und nordamerikanischen Ländern geschrieben. Dies war eine bewusste Entscheidung, um den Rahmen zu halten, jedoch wäre weitere Perspektiven ebenfalls interessant in Betracht zuziehen. Welchen Einfluss hätten andere digitale Infrastrukturen oder andere gesellschaftliche Normen und Wertesysteme auf die Beantwortung der gleichen Fragestellung? Auch methodische Grenzen spielten eine große Rolle. So entstanden viele der zitierten Studien auf Grundlage von selektiven Stichproben oder Selbstberichten, wobei Ergebnisse verzerrt werden können. Allgemein wären deutlich mehr Langzeitstudien notwendig gewesen, um differenziertere Ergebnisse zu garantieren, ein Punkt, auf den auch die Autor:innen der hier zitierten Studien häufig aufmerksam gemacht haben. Allerdings sind bisher wenig Langzeitstudien zu diesem Thema vorhanden. Weiterhin ließ sich die gesamte Komplexität sozialer Medien im Kontext dieser Arbeit nur begrenzt darstellen. Der Fokus wurde bewusst auf Aspekte sozialer Medien gelegt, die im Zusammenhang mit Peerbeziehungen und der psychosozialen Entwicklung Jugendlicher stehen, also den für die Fragestellung relevanten Themen. Dadurch wurden aber auch wichtige Chancen und Risiken sozialer Medien gar nicht erst thematisiert. Ein Beispiel wäre die Rolle die unter anderem Fake News im Rahmen sozialer Medien im Bezug auf Jugendliche spielen. Auch dies wäre zukünftig ein interessanter Forschungsansatz, zum Beispiel im Bezug auf die Meinungsbildung und politische Bildung Jugendlicher, die ebenfalls eine Rolle in der Entwicklung spielen. Für zukünftige Forschungen ergeben sich aus dieser Arbeit einige Perspektiven, die offen geblieben sind. So ist zwar die Auswahl an Forschungen zu den Auswirkungen sozialer Medien auf Aspekte der psychosozialen Entwicklung Jugendlicher sehr beeindruckend, sie weißt aber auch Lücken auf. So konnten für diese Arbeit wenige Quellen gefunden werden, die sich explizit mit den Auswirkungen auf die soziale Entwicklung Jugendlicher beziehen. Es stellt sich die Frage, inwiefern zum Beispiel die Sozialkompetenz von Jugendlichen durch die veränderte Umgebung innerhalb sozialer Medien unter anderem durch das Transformation Framework beeinflusst wird. Wie beeinflusst zum Beispiel die Cue-Abwesenheit den Umgang mit und das Erleben von Gefühlen für Jugendliche? Tiefergehende Forschungen in diesem Bereich könnten zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen sozialer Medien führen. Wie bereits erwähnt fehlen insgesamt ausreichend Langzeitstudien zu diesem Thema, die weitere Erkenntnisse liefern könnten. Auch langfristige Auswirkungen im Lebenslauf wären im Laufe der Zeit interessant zu erforschen. Allerdings befinden sich die digitale Umgebung und soziale Medien in ständiger Entwicklung und verändern sich, langfristige Forschungen müssten sich an diese Umstände anpassen.
Zusammenfassend soll am Ende dieser Arbeit festgehalten werden, dass die Rolle sozialer Medien im Alltag Jugendlicher nicht unterschätzt werden darf. Vielmehr muss sie verstanden werden und darauf in der Arbeit mit Jugendlichen aufgebaut werden. Diese Arbeit hat einen Einblick ermöglicht, welche Rolle soziale Medien und Peerbeziehungen im Zusammenhang miteinander in der psychosozialen Entwicklung Jugendlicher spielen. Dabei ist es zwar wichtig, sich der Risiken bewusst zu sein, aber auch Chancen nicht außen vor zu lassen. Desjarlais bezeichnete soziale Medien als ein „tool for socialisation“. Mit dieser Betrachtung sollte versucht werden, soziale Medien als ein Werkzeug zu betrachten, dessen Nutzung gelernt werden muss, aber bei guter Nutzung neue Möglichkeiten bietet, wenn diese nur richtig verstanden werden
Paulo Freire und die Pädagogik der Unterdrückten : eine kritische Analyse und Untersuchung der Übertragbarkeit in den Kontext der Sozialen Arbeit in Deutschland
Schauen wir abschließend auf die Frage zurück, welche Impulse die Pädagogik der Unterdrückten der Sozialen Arbeit in Deutschland heutzutage geben kann, zeigt sich ein durchaus differenziertes Bild. So gilt es bei dieser Frage die verschiedenen Ebenen von Freires Werk anzuerkennen und zu untersuchen, welche Impulse aus welcher jeweiligen Ebene gezogen werden können. Sowohl in den Grundannahmen über Menschenbild und Gesellschaftsanalyse, in den erkenntnistheoretischen Grundannahmen und in den konkreten Vorstellungen von Praxis können Aspekte gewinnbringend übertragen werden. Dennoch kann bei keinem dieser Aspekte die konkrete gesellschaftliche Formation außer Acht gelassen werden, in dem die jeweiligen Personen sich bewegen. Je konkreter die Aspekte sind, die übertragen werden sollen, je detaillierter gilt es auch, diese an den Kontext anzupassen. Mit Blick auf die in dieser Arbeit vorgestellten Praxisansätze ist festzuhalten, dass sie aus der Freire Lektüre ein Bild von den Adressat*innen ihrer Arbeit ziehen, dass auf Selbstbestimmung und der Fähigkeit das eigene Leben zu gestalten baut. Hieran orientiert sich auch das jeweilige Verständnis der Rolle der Professionellen in dieser Beziehung. Gerade in Zeiten der neoliberalen Ausrichtung Sozialer Arbeit, in der häufig ökonomisch argumentiert wird und die Menschen lediglich einen Umgang mit den immer schlechteren Verhältnissen finden sollen, ist die Haltung Freires nicht die Menschen zu verändern, sondern mit ihnen gemeinsam die unterdrückerische Wirklichkeit eine zwar sehr grundlegende, aber dadurch nicht weniger wichtige Haltung und ein sehr aktueller Impuls für die Soziale Arbeit. Dabei dürfen jedoch nicht die Leerstellen von Freires Pädagogik ignoriert werden. Diese markieren viel mehr Aufgaben, die es zu bearbeiten gilt, um eine echte Pädagogik der Unterdrückten zu entwerfen, die auch die verschiedenen Ausprägungen von Diskriminierung innerhalb der Gruppe der Unterdrückten anerkennt und zum Ausgangspunkt des eigenen Handelns macht. In der Überzeugung von der Gestaltungsfähigkeit der Menschen und der grundlegenden Herangehensweise der Pädagogik der Unterdrückten liegen für mich die wichtigsten Erkenntnisse aus der Lektüre von Freires Pädagogik. In der Rezeption dieser wird man häufig mit dem Eindruck konfrontiert, dass die Leistungen von Freires Bildungsarbeit zwar beeindruckend sind, aber dennoch in keiner Form für die Praxis im kapitalistischen Zentrum zu nutzen. Doch das grundlegende Axiom der Pädagogik der Unterdrückten in einer Analyse der bestehenden Unterdrückungsverhältnisse und der Frage wie diese progressiv, gemeinsam mit den Massen der Menschen überwunden werden können, scheint mir hoch aktuell. Gerade in den von Unsicherheiten geprägten Zeiten in denen wir Leben, in denen „der Kapitalismus seine eigenen politischen Grundlagen verschlingt“ (Fraser 2023), ist es von enormer Bedeutung Methoden zu entwickeln, die der angeblichen Alternativlosigkeit und dem Kapitalismus als „Ende der Ge-schichte“, etwas entgegenstellen können. Hierfür halte ich Freires Ansatz der Bewusstwerdung für relevant und die daran anknüpfenden Debatten für höchst aktuell. Diese Zielbestimmung fordert die Soziale Arbeit heraus sich mit ihren politischen Wurzeln und dem eigenen Mandat kritisch auseinanderzusetzen, wie auch schon Ronald Lutz zutreffend angemerkt hat (vgl. Lutz 2020, 72f.). In dieser Auseinandersetzung gilt es zu fragen, ob sich die Soziale Arbeit immer noch auf Seiten der Unterdrückten verordnet und wenn ja, wie sie sich in der aktuellen politischen Gemengelage auf ihre Seite stellen kann. Hierin gilt es meiner Meinung nach auch das Verhältnis zwischen Sozialer Arbeit und sozialen Bewegungen zu betrachten und auf momentan nicht genutzte Potenziale zu untersuchen. Außerdem bieten in meinen Augen auch die methodischen Überlegungen Freires und die daran anschließenden Gedanken von Lutz und Kunstreich Anregungen für die konkrete Praxis der Sozialen Arbeit. Hier wäre es meiner Meinung nach interessant Möglichkeiten von Kodierung/Dekodierung und dem Dialog, vermittelt durch die Welt in der Arbeit im lokalen Kontext zu untersuchen und weiterzuentwickeln. Sie bieten meiner Meinung nach spannende Ansätze, auch um mit Menschen in Diskussionen zu kommen, die sich beispielweise rechten Parteien zugewandt haben, oder sich in verständlicher Resignation von jeder Mitbestimmung abgewandt haben. Wie momentan sehr offensichtlich wird, können diese nicht durch „Schlagworte und Kommuniqués“ (Freire 1991, 51) überzeugt werden. Diesem Problem mit dialogischer Praxis begegnen ist sicherlich noch keine hinreichende Bestimmung einer Praxis, die diese Probleme lösen kann, aber meiner Meinung nach ein notwendiger erster Schritt, um dies überhaupt wieder denken zu können. So wird eine kritische Auseinandersetzung mit der Pädagogik Freires für die Soziale Arbeit auch eine Frage des eigenen Selbstverständnisses und des eigenen Mandats. Abschließend lässt sich somit für mich zusammenfassen, dass die Pädagogik der Unterdrückten auch heute noch ein Werk von großer Relevanz ist. Zwar ist es nicht möglich aus diesem klare Anweisungen zu übernehmen, aber wenn sich die Mühe gemacht wird Freires Forderung nachzukommen und ihn „neu zu erfinden“ steckt in den Grundüberlegungen und Überzeugun-gen immer noch enormes gesellschaftsveränderndes Potenzial. So scheint heute eine der größten Faszinationen und Potenziale von Freires revolutionärem Optimismus auszugehen (vgl. McLaren/Leonard 2004, 11).
Ich möchte diese Arbeit mit dem Appel schließen diese unbequeme Aufgabe nach Wegen zu suchen, die Gesellschaft gemeinsam mit den Unterdrückten zum besseren zu verändern, anzugehen. Hierfür kann es keine fertigen Konzepte und Wege geben, aber Werke wie die „Pädagogik der Unterdrückten“ können wichtige Wegweiser in diesem Suchprozess sein. Und auch wenn diese Wege und Methoden keine unmittelbaren Erfolge liefern, gilt es sich an Freires Optimismus ein Vorbild zu nehmen, denn: „Hoffnung besteht eben nicht darin, daß man die Arme übereinander schlägt und wartet. Solange ich kämpfe, werde ich von Hoffnung bewegt, und wo ich in Hoffnung kämpfe, kann ich warten.“ (Freire 1991, 75
Stigmatisierung von Migrant*innen in Deutschland
Die vorliegende Thesis verfolgt das Ziel, die Theorie der Stigmatisierung auf Migrant*innen in Deutschland anzuwenden und die daraus resultierenden Auswirkungen, insbesondere auf der strukturellen Ebene am Beispiel von Racial Profiling, anzuführen. Dies wurde anhand der kollaborativen Stadtteilforschung in Hamburg „Racist Profiling“ auf St. Pauli untersucht. Dafür wurde zunächst der Begriff der Stigmatisierung umfassend beleuchtet und anhand der Theorien von Erving Goffman und Manfred Hohmeier erläutert, sowie durch weitere wissenschaftliche Literatur ergänzt. Demzufolge beschreibt Stigmatisierung soziale Prozesse in denen Menschen aufgrund von Stigmata kategorisiert werden und entsprechende Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben bekommen. Es wurde deutlich, dass Menschen wegen bestimmten Merkmalen und den damit verbundenen Zuschreibungen diskriminiert werden und nicht wegen der tatsächlichen Persönlichkeit oder Verhalten der Person selbst (vgl. Goffman 2016, 10ff.; Hohmeier 1975, 6f.). Diese Merkmale sind nicht per se Stigmata, sondern werden in sozialen Prozessen von der Mehrheitsgesellschaft erst als solche definiert (vgl. Tröster/Pulz 2020, 174). Dementsprechend müssen Stigmata immer im Kontext von historischen, gesellschaftlichen und strukturellen Machtverhältnissen gesehen werden. Stigmatisierung kann sich auf die individuelle Ebene als antizipiertes, erlebtes und internalisiertes Stigma auswirken. Sowohl die Stigmatisierungserfahrungen als auch die negativen Zuschreibungen, die mit einem Stigma einhergehen, können zu einer beschädigten Identität führen (vgl. Tröster/Pulz 2020, 175f.). Hierbei wurde kritisiert, dass eine pauschalisierende Unterstellung von einer beschädigten Identität die Betroffenen in eine abhängige, passive Rolle drängt und ihnen ihre Handlungsmöglichkeiten aberkennt (vgl. Major/Eccleston 2005, 71ff.). Auf der sozialen Ebene wurde darauf eingegangen, wie die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft stigmatisierte Individuen diskriminieren und sozial ausschließen (vgl. Goffman, 2016, 28f.; Major/Eccleston 2005, 63). Der soziale Umgang von Stigmaträger*innen hängt maßgeblich von der Visibilität des Stigmas ab. Diskreditierbare können die Information um ihr eigenes Stigma managen, indem sie dieses verschweigen oder nur gezielt offenbaren. Diskreditierte hingegen sind zwangsläufig mit den Auswirkungen ihres Stigmas konfrontiert und müssen die daraus entstehenden so-zialen Spannungen managen (vgl. Goffman 2016, 56ff.). Die vorliegende Thesis legt dar, inwiefern Stigmatisierung sich strukturell als Exklusion Stigmatisierter auf die gesellschaftlichen Teilhabe auswirkt. Des Weiteren legitimiert Stigmatisierung bestehende Macht- und Ungerechtigkeitssysteme, sowie sie Diskriminierungen und Ausbeutungen von Minderheiten unterstützt und reproduziert (vgl. Hohmeier 1975, 10ff.; Goffman 2016, 14; Tröster/Pulz 2020, 174). Anschließend wurde ein Überblick über Migration in Deutschland gegeben. Indem zuerst die unterschiedlichen Migrationsformen und – gründe aufgezeigt wurden, wurde verdeutlicht, wie vielfältig und komplex Migration ist (vgl. Oltmer 2020, 28ff.). Zudem wurde anhand der vier historischen Migrationsbewegungen nach dem zweiten Weltkrieg aufgezeigt (vgl. Kuhnt/Wengler 2019, 196f.), inwiefern Deutschland sich zu einer Migrationsgesellschaft entwickelt hat. Eine kurze Einführung in die Integration von Migrant*innen und die gesellschaftliche Teilhabe verdeutlichte, dass trotz fortschreitender Pluralisierung der Gesellschaft weiterhin soziale Unterschiede und Herausforderungen bestehen, was die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft betrifft (vgl. DeZIM e.V. 2025, 7). Aufgrund dieser Vielfältigkeit ist es nicht möglich, pauschal von einer Stigmatisierung von Migrant*innen zu sprechen (vgl. El-Mafaalani 2023, 489). Denn eine eigene Migrationsgeschichte oder ein Migrationshintergrund führt nicht zwangsläufig dazu, dass diejenigen von der Mehrheitsgesellschaft als abweichend wahrgenommen und dementsprechend behandelt werden (vgl. Treibel 2008, 298). Vielmehr hängt dies mit der Wahrnehmung der Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft von den Individuen zusammen. Migration stellt so nicht pauschal ein Stigma dar. Allerdings können rassifizierte Merkmale, die von der Mehrheitsgesellschaft mit rassistischen Stereotypen assoziiert sind, durchaus als Stigmata fungieren (vgl. El-Mafaaleni 2023, 489). Die Stigmatisierung und Diskriminierung hängen somit von den rassistischen gesellschaftlichen Stereotypen ab, und welche Eigenschaften den jeweiligen Individuen aufgrund der Stigmata zugeschrieben werden (vgl. Koikkalainen/Pyrhönen/Wahlbeck 2022, 309). Hierbei spielen mediale Darstellungen von Migrant*innen eine große Rolle. Der mediale und damit einhergehende öffentliche Diskurs über Migration ist häufig pauschalisierend, wissenschaftlich ungenau und negativ verzerrt. Migrant*innen werden medial vor allem in Sicherheits- und Bedrohungskontexten als Problem dargestellt. Dies beeinflusst, verfestigt und reprodu-ziert rassistische Stereotype (vgl. Koikkalainen/Pyrhönen/Wahlbeck 2022, 327f.). Abschließend wurde auf die Leitfrage der vorliegenden Arbeit eingegangen, inwiefern sich Racial profiling als strukturelle Stigmatisierung von Migrant*innen auswirkt. Racial Profiling be-schreibt polizeiliche Maßnahmen, die auf äußerlich wahrnehmbaren, rassifizierten Merkmalen beruhen (vgl. Textor 2023, 20). Dementsprechend beruht diese Polizeipraktik auf den rassistischen und stereotypisierenden Annahmen, dass die Herkunft eines Menschen und ein kriminelles Verhalten miteinander verknüpft sind (vgl. Golian 2019, 178). Menschen werden bewusst oder unbewusst aufgrund von Stigmata rassifiziert und ihnen wird damit einhergehend eine gewisse Kriminalität oder Illegalität zugeschrieben (vgl. Textor 2023, 20f.). Dies verdeutlichten und untermauerten die Ergebnisse der kollaborativen Stadteilforschung „Racist Profiling auf St. Pauli“ aus dem Jahr 2021. Dabei wurde festgestellt, dass PoCs in dem als polizeiliche Sonderrechtszone deklarierten Viertel St. Pauli von Polizist*innen gezielt und anlasslos kontrolliert wurden. Diese auf Stigmatisierungen beruhenden Kontrollen gingen oftmals mit rassistischen Äußerungen, sowie der Anwendung von Polizeigewalt einher. Die Befragten berichteten in diesem Zusammenhang von Gefühlen wie Angst, Scham, des Ausgeliefertseins, Entwertung, Verzweiflung und Enttäuschung über das Rechtssystem in Deutschland. Zusätzlich wurde die soziale Isolierung durch Racial Profiling thematisiert (vgl. Bogestede et al. 2021, GWA St. Pauli e.V.). Racial Profiling stellt somit einen auf Stigmatisierung beruhenden Auswahlmechanismus dar (vgl. Niemz/Singelnstein 2022, 344). Durch diese diskriminierende Pra-xis werden stigmatisierende Stereotypen legitimiert und weiter reproduziert (vgl. Golian 2019, 177). Ein Rückbezug auf die Einleitung verdeutlicht die Relevanz des Themas. Die Stigmatisierung von Migrant*innen als „kriminell“ und „bedrohlich“ kann von politischen Akteuren auch gezielt genutzt und verstärkt werden. Der politische Diskurs, wie er etwa von der AfD geprägt wird, stellt Migration nicht nur als ein Problem dar, sondern erzeugt und legitimiert Stigmatisierungsprozesse aktiv (vgl. Fuchs et al. 2025 12f.). Wenn gesellschaftliche Vielfalt pauschal als Bedrohung dargestellt wird, entstehen Räume, in denen diskriminierende Praktiken wie Racial Profiling nicht nur möglich, sondern systematisch normalisiert werden. Diese Normalisierung von Ausgrenzung prägt das gesellschaftliche Bewusstsein und stabilisiert bestehende Macht- und Ungleichverhältnisse.
Abschließend ist anzumerken, dass nicht alle bestehenden sozialen Ungleichheiten und rassistische Strukturen alleinig auf Stigmatisierung zurückzuführen sind, sondern Stigmatisierung diese begünstigt und weiter produziert. Dennoch ist es wichtig, dass soziale Arbeit sich für eine Entstigmatisierung von Migrant*innen einsetzt. Dadurch, dass Stigmata gesellschaftlich defi-niert sind, können diese Definierungsprozesse von dem, was normentsprechend ist, beeinflusst werden. Hierfür ist zukünftig unter anderem eine realistische und wertfreie mediale Darstellung von Migrant*innen erforderlich, die zu einer Entstigmatisierung von diskriminierenden Stereotypen beitragen kann. Des Weiteren müssen privilegierte Mitglieder der
Mehrheitsgesellschaft sich den stigmatisierenden Strukturen bewusstwerden. Um eine gerechte Teilhabe in einer pluralistischen und vielfältigen Gesellschaft für alle Beteiligten zu ermöglichen, müssen sowohl diskriminierende gesellschaftliche Strukturen als auch die individuellen Verhaltensweisen auf der sozialen Ebene verändert werden. In diesem Kontext kommt der Forschung eine zentrale Rolle zu, da sie dazu beitragen kann, stigmatisierende Diskurse zu erkennen, ihre Auswirkungen auf Betroffene aufzuzeigen und Grundlagen für politische und gesellschaftliche Gegenstrategien zu schaffen
Erhöhung der Korrektheit des Zustands in Web-Frontends mit Strikten Übergängen
Frontend-Applikationen sind ein wesentlicher Bestandteil jeder Webapplikation und sind für Teile der Geschäftslogik und die UI verantwortlich. Steigende Anforderungen in Geschwindigkeit, Responsiveness und Features erhöhen die Komplexität enorm. Um einen Teil dieser Komplexität zu verwalten, kommen State Management-Lösungen zum Einsatz. Diese übernehmen wichtige Aufgaben wie beispielsweise das Data-Fetching, die Datentransformation und die Datenspeicherung. Fehler im State können daher einen verhältnismäßig großen Einfluss auf das Nutzererlebnis und das operative Geschäft haben. Damit Fehler und Defekte in diesem Bereich reduziert und schnell erkannt werden, wird eine strikte Erweiterung für State Management im Allgemeinen vorgestellt und mit dem normalen Ansatz verglichen. Eine Reduzierung der Fehleranfälligkeit sowie Verbesserungen in der Developer Experience, Lesbarkeit und Wartbarkeit werden als plausibel betrachtet, auch wenn diese Aspekte im Rahmen der Arbeit nicht definitiv nachgewiesen werden konnten.Frontend applications are an essential part of any web application and are responsible for parts of the business logic and the UI. Increasing demands for speed, responsiveness, and features significantly raise complexity. To manage part of this complexity, state management solutions are used. These handle important tasks such as data fetching, data transformation, and data storage. Errors in the state can, therefore, have a relatively large impact on the user experience and operational business. To reduce and quickly detect errors and defects in this area, a strict extension for state management, in general, is introduced and compared to the conventional approach. A reduction in error-proneness as well as improvements in developer experience, readability, and maintainability are considered plausible, even though these aspects could not be definitively proven within the scope of the study
Obdachlosigkeit und Gewalt : Erfahrungen, Umgangsformen und Hintergründe ; eine forschungsbasierte Ausarbeitung
Abschließend betrachte ich die theoretischen Grundlagen in Verbindung mit den dargestellten Forschungsergebnissen, um meine drei grundlegenden Forschungsfragen zu beantworten. Wie erleben Menschen ohne Obdach Gewalt in ihrem Alltag? Welchen Umgang finden sie damit? Welche Gründe lassen sich für diese Gewalttaten herausstellen? Die Interviewpartner:Innen charakterisieren die Begriffe Obdachlosigkeit und Gewalt unter bestimmten Aspekten aus ihrer alltäglichen Erfahrung heraus. Durch die Forschung lässt sich primär herausstellen, dass Menschen ohne Obdach das Leben als eine mehrdimensionalen Mangelerfahrung erfahren, was in dem ersten Kapitel dieser Arbeit benannt wurde. Ihr Alltag ist als Resultat diverser Prekarisierungsprozesse zu benennen und bringt viele Entbehrungen mit sich. So beschreiben sie unterschiedliche Aspekte von Krankheiten und Verletzungen, die schlechte eigene psychische Verfassung und den Konsum von Alkohol und Drogen, sowie die fehlende Möglichkeit, Eigentum an einem sicheren Ort aufzubewahren. Neben dem eben Genannten wird auch Einsamkeit als zur Normalität gehörig beschrieben, was für einige der Interviewten die Trennung von der Familie oder auch den Mangel von anderen tiefer verbindenden sozialen Kontakten und Freundschaften beinhaltet. In der Definition der Obdachlosigkeit, die von den Interviewpartner:Innen selbst getroffenen wurde, ist das Leben auf der Straße untrennbar mit Gewalt verbunden. So stehen sie zum Teil in einer dauerhaft lebensbedrohlichen Lage und sehen Gewalt als Teil ihrer Normalität. Deshalb wird das Überleben als einziges angestrebtes Ziel für jeden Tag benannt, was sehr komplex ist und weshalb die Notwendigkeit besteht, ein „Lebenskünstler“ zu werden. Außerdem erleben sie sich zum einen als aus der Gesellschaft ausgegrenzt und zum anderen als Teil von Gesellschaft, aber auf einer niedrigeren Ebene, also herabgesetzt gegenüber anderen. Dabei wird der Wunsch deutlich, dass man ihnen gegenüber mit einer Sichtweise der Gleichwertigkeit auf der Basis, dass sie in der Obdachlosigkeit menschliche Wesen bleiben, begegnet. In den Erzählungen der Betroffenen bestätigt sich die Annahme, dass sich Obdach-und Wohnungslosigkeit nicht strikt voneinander differenzieren lassen, da viele in einem ständigen Wechsel der Unterkunftsformen und Aufenthaltsorte stehen, was zu einer dauerhaften Verunsicherung führen kann. Bei der Definition von Gewalt in der Obdachlosigkeit lassen sich die verschiedenen Formen wie physische und psychische Gewalt, Schaden durch Unterlassung und strukturelle Gewalt in den Schilderungen der Betroffenen wiederfinden. Dazu passend werden beispielsweise Diebstahl, Stigmatisierung und Abwertung, körperliche Gewalt und auch gesellschaftliche und politische Verdrängungsdynamiken immer wieder geschildert. Eine Besonderheit darin liegt in der Wahrnehmung der ersten interviewten Person, die diese Aspekte nicht als Gewalt, sondern als schlechtes menschliches Verhalten einordnet, weil sie Erfahrungen mit schwerer Gewalt im Militär gemacht hat. Zu dem Erleben von Gewalt in dem Alltag obdachloser Menschen lässt sich feststellen, dass Gewalt im Leben der Befragten teilweise auch vor der Obdachlosigkeit eine Rolle spielte, beispielsweise bei Erfahrungen von Zwang und sexualisierter Gewalt im Kinderheim, der Familie, der Schule und von schwerer Gewalt in Einsätzen des Militärs. Dies könnte unter Umständen zu einer veränderten Wahrnehmung, psychischer Belastung und weiterer Gewalt, die beispielsweise durch Trauma-Reaktionen ausgelöst wird, führen. Die Interviewpartner:Innen berichteten alle, dass sie bereits Diebstahl in der Obdachlosigkeit erlebt haben, wobei das Handy, Bargeld und andere Gebrauchsgegenstände geklaut wurden und es deshalb als normal wahrgenommen wird. Jedoch wird es als schlimmster Fall bewertet, wenn die Ausweisdokumente gestohlen werden. Einige berichten von Beleidigungen, in denen sie sich von anderen obdachlosen Personen missverstanden gefühlt haben oder von Personen außerhalb des Milieus stigmatisiert wurden. Zur physischen Gewalt werden von einer Person mehrere lebensgefährlichen Situationen geschildert, beispielsweise durch Schläge auf den Kopf. Außerdem wurden Aspekte von angedrohter bzw. zu befürchtender Gewalt in den Interviews genannt, wie in bei den Erlebnissen in der Drückerkolonne von dem fünften Interviewpartner. Die Interviewte Sozialarbeiterin benannte bestimmte vulnerable Gruppen, nachdem sie sagte, dass alle in ständiger Gefahr sind, wenn sie auf der Straße leben. Insbesondere gefährdet davon, Opfer von Gewalt zu werden, sind dennoch drogensüchtige Personen, Menschen, die Gliedmaßen verloren haben, Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und weiblich gelesene Personen, vor allem bei sexualisierter Gewalt in der verdeckten Wohnungslosigkeit. Außerdem ist der Schlafsack ein gefährdender Faktor, der beim Schlafen die Möglichkeiten zur Verteidigung einschränkt. Bei der erfahrenen Gewalt wurde die strukturelle Gewalt durch die Sozialarbeiterin und beispielhaft bei den Betroffenen nahezu am tiefsten erläutert. Dabei spiegeln sich Missachtung und Stigmatisierung in Sichtweisen wieder, die Menschen ohne Obdach als zu nichts fähig oder ekelhaft bezeichnen. Besonders relevant ist die Kriminalisierung der Armut und die dadurch entstehende Illegalisierung der Überlebensstrategien, was bewirkt, dass bettelnde Menschen beispielsweise weiter verdrängt und unsichtbar gemacht werden. Obdachlose Personen werden zudem durch sozialpolitische und architektonische Maßnahmen verdrängt, was an den Erläuterungen zu Vorgehensweise der „Sicheren Allianz“ und zu defensiver Architektur in der Stadt Hamburg deutlich wird. Zu der Problematik der Verdrängung wird verdeutlicht, dass den ausgegrenzten Personen die Zugänge in jegliche Netzwerke der Gesellschaft zu großen Teilen versperrt werden und sie deshalb häufig nicht mehr in die klassischen Strukturen zurück finden. Die Gründe für die Obdachlosigkeit an sich lassen sich zum Teil auch dem Aspekt der strukturellen Gewalt zuordnen. Dabei besteht eine sehr individualisierende Sichtweise und die Schuld für die Problemlage wird den Einzelnen zugeschrieben, wie es bereits im 19. Jahrhundert der Fall war. Stattdessen sind vielmehr strukturelle Ursachen ausschlaggebend für die Obdach- und Wohnungslosigkeit, wie die Überforderung im Hilfesystem oder die Wohnungsknappheit und Diskriminierungen im Wohnungsmarkt, was sich auch darin zeigt, dass kein gelingender Übergang von einer öffentlich-rechtlichen Unterkunft in eine eigene Wohnung geschaffen wird. Hinzu kommen die mangelhafte Versorgung von körperlichen und psychischen Erkrankungen und prekäre Arbeitsverhältnisse, die am Beispiel von der Arbeit an der Infrastruktur der Hafen City in Hamburg, die über den Schwarzmarkt organisiert wurde, erwähnt wurden. Anhand der Forschungsergebnisse wird bestätigt, dass bei der Gewalt in ihren verschiedenen Formen immer die Schädigung des Individuums im Zentrum steht. Die Verwirklichung des Potentials der Einzelnen wird durch die Strukturen oder andere Individuen begrenzt, sodass sich die Menschen ohne Obdach in ihren spezifischen Problemlagen befinden, obwohl das vermeidbar wäre. Im Sinn der zu Beginn der Arbeit angeführten wissenssoziologischen Perspektive ist zu betonen, dass Gewalt in bestimmten Fällen durch eine gelenkte Thematisierung staatlich legitimiert wird. Die strukturelle Gewalt gegen obdachlose Personen findet auch durch staatliche Instanzen ihre Ausführung, sodass sie aktiv gegen die Personen genutzt und akzeptiert wird. Noch weitergehend gesteigert, lässt sich feststellen, dass strukturelle ewalt gegen obdachlose Menschen gänzlich negiert wird, wenn man sie nicht als Grund für die Obdachlosigkeit betrachtet und stattdessen den Einzelnen die Schuld zuschreibt. Insgesamt entsprechen die beschriebenen Erfahrungen zu großen Teilen den statistisch festgestellten Verteilungen in der Betroffenheit von Gewalt. Alle der Interviewten berichteten generell von erlebter Gewalt und auch der Aspekt, dass weiblich gelesene Personen in der Obdachlosigkeit häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen sind, bestätigt sich in den Schilderungen aus dem zweiten Interview. Von Diskriminierungen und Abwertungen, die von Menschen außerhalb des Milieus ausgehen, wird in den Interviews nicht in dem Maße berichtet, wie es den Statistiken entsprechen würde. Als Umgangsformen mit der erlebten Gewalt zeigen die Betroffenen verschiedene interne und externe Reaktionen, sowie mit der Zeit erlernte Verhaltensweisen zum Selbstschutz. Intern reagieren die Interviewten zum Teil mit Gleichgültigkeit bei Diebstahl und andererseits mit wirklicher Betroffenheit und Kränkung im Fall von Stigmatisierungen, wobei man in dem Beispiel merken konnte, dass die erzählende Person darum gekämpft hat, intern ein positives Selbstbild aufrechtzuerhalten. Dagegen bestehen die externen Reaktionen im Ausweichen von Konflikten und der Flucht bzw. dem Zwang, ständig in Bewegung zu sein. Andere Personen zeigen vielmehr Reaktionen, die sich gegeneinander richten und sich in der konkreten Anwendung von Gewalt und Schuldzuweisungen untereinander ausdrücken. Die Verhaltensweisen zum Schutz vor Gewalt unterscheiden sich ebenso interpersonell. So halten sich manche lieber in Gruppen auf, während einer der Interviewten sehr betont, dass er allein unterwegs ist, um nicht die Kontrolle zu verlieren und Konfliktsituationen frühzeitig erkennen zu können, um sich aktiv davon zu entfernen. Ein anderer der Betroffenen betont die Notwendigkeit davon, das Verhalten des Gegenübers zu spiegeln, um Konflikte zu vermeiden. Auch das Hinzuziehen der Polizei und der Besitz eines Hundes werden als ausschlaggebend erwähnt. Ein letzter auffälliger bzw. kontroverser Schutzmechanismus ist die Anwendung von Gewalt, um unter den Menschen ohne Obdach einen gewissen Status zu erlangen und selbst nicht angegriffen zu werden, was von der ersten interviewten Person angewandt wurde. Bei den Hintergründen von der Gewalt gegen obdachlose Personen sind vor allem strukturelle und institutionelle Rahmenbedingungen im Fokus. So wirken sich die unzureichende Versorgung und das Entlassungsmanagement in den Krankenhäusern und Psychiatrien begünstigend auf erfahrene und auch ausgeübte Gewalt aus. Außerdem besteht eine sehr hohe Nachfrage in den Einrichtungen der Hilfe, während die finanziellen Mittel zugleich sehr begrenzt sind, sodass da ein extremer Konkurrenzkampf entsteht. Die Bedingungen in den Notunterkünften und auf dem Wohnungsmarkt verstärken das Konfliktpotential, auch unter dem Aspekt, dass Zugänge verweigert werden und eine große Perspektivlosigkeit besteht. So wird Gewalt eindeutig als Ausdruck von Hilflosigkeit und dem Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein, bezeichnet. Insgesamt bildet die strukturelle Gewalt also „das Fundament der Chancenungleichheit der Einzelnen innerhalb der Gesellschaft, durch die andere Gewaltformen sich überhaupt erst legitimieren“ (Galtung 1975, ind. zit. n. Benkel 2023, 12). In den Interviews werden vereinzelt Gründe für Gewalt, die von Menschen ohne Obdach ausgeht, genannt. Sehr häufig kommen dabei die Auswirkung von Alkohol und Drogenkonsum zur Sprache, sowie der Kampf ums Überleben, wenn man beispielsweise die Hintergründe von Diebstahl betrachtet. Zudem werden Konflikte genannt, die durch Schwierigkeiten in der Kommunikation miteinander entstehen, was auch in den Zusammenhang damit gestellt wird, dass einige der Personen ausschließlich Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung erlernt haben. Zu der Gewalt, die von Menschen außerhalb des Milieus der Obdachlosigkeit ausgeübt wird, ist die strukturelle Gewalt als Grundlage zu nennen. So prägen politische bzw. städtische Maßnahmen in der Art und Weise ihrer Ausführung das Menschenbild der Einzelnen gegenüber Menschen ohne Obdach. Ein weiterer Grund könnte die offene Konfrontation mit der Armut sein und eine daraus entstehenden Angst, selbst in diese Problemlage zu kommen, weil klar wird, dass das gesellschaftlich zugelassen ist. Daraus entstehen dann Dynamiken der Kriminalisierung und Stigmatisierung. Insgesamt fordern einzelne Aussagen der interviewten Personen, sowie die generelle Betrachtung der Ergebnisse dieser Arbeit eine Veränderung der Sichtweise auf obdachlose Personen und vor allem in der Versorgung von Hilfesuchenden heraus. Die interviewte Sozialarbeiterin appelliert so, dass die Soziale Arbeit aktiv anwaltschaftlich für die Betroffenen agieren muss, um die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zu verändern, bedürfnisorientiert zu arbeiten und der Individualisierung von Problemlagen entgegenzuwirken. Es sollen erneut Zugänge geschaffen werden, um der dauerhaften Ausgrenzung entgegenzuwirken
Emotionale Erfahrungen in der geburtshilflichen Kommunikation: Eine qualitative Sekundäranalyse zur Wirkung der TeamBaby-App
Hintergrund Viele Frauen nutzen während ihrer Schwangerschaft zur Unterstützung Schwangerschafts- Apps. Unklar ist jedoch ihre emotionale Wirkung auf die Nutzer:innen und die Rolle in der geburtshilflichen Kommunikation. Zu welchen Emotionen führt die Verwendung der Apps? Kann durch die Verwendung Prozesse bei den Nutzer:innen angeregt werden? Somit lautet die Forschungsfrage für diese Arbeit, welche positiven und negativen Emotionen beschreiben Nutzerinnen bei der Anwendung der TeamBaby-App im Kontext der geburtshilflichen Kommunikation und inwiefern spiegeln diese Erfahrungen Prozesse der Stärkung oder Verunsicherung wider?
Methode Mittels Sekundärdatenanalyse qualitativer Interviews über die App des TeamBaby-Projektes aus der Phase 3a, wurden 6 von 20 Interviews ausgewählt, welche eine hohe Dichte an Textstellen zu Emotionen sowie Aussagen zur Stärkung oder Verunsicherung aufweisen. Ausgewertet wurden diese nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring mit einer induktiven Kategorienbildung, Kodierregeln und Ankerbeispielen. Mithilfe von QCAmap wurde regelgeleitet kodiert und Intracoder-Übereinstimmungstest durchgeführt.
Ergebnisse Die Analyse identifiziert vier Hauptthemen: positive und negative Emotionen, Prozess der Stärkung und Verunsicherung. Nutzerinnen berichten von Zufriedenheit, Zuversicht und einem Gefühl von Sicherheit. Zugleich treten aber auch Unsicherheit, Überforderung und Ärger bei den Nutzerinnen auf, besonders bei Erstgebärenden. Ein Stärkungsprozess zeigt sich durch die Reflexion der eigenen Rolle, einem geförderten Bewusstsein für ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten sowie deren Kommunikation. Verunsicherung wird teils durch die Interaktion mit Gesundheitsfachkräften begünstigt und die situative Einzigartigkeit erschwert die Umsetzung der Methoden.
Fazit Die Anwendung von Schwangerschafts-Apps, wie die TeamBaby-App, verursachen sowohl positive als auch negative Emotionen bei der Verwendung. Durch einen Prozess der Stärkung kann die Kommunikation mit den Gesundheitsfachkräften verbessert werden. Verunsicherungen könnten jedoch weiterhin entstehen. Es ist wichtig im Bereich mHealth Gesundheitsanwendung stärker auf ihren emotionalen Einfluss zu überprüfen. Schlüsselbegriffe: Schwangerschafts-Apps, Emotionen, Stärkung, Verunsicherung, qualitative InhaltsanalyseBackground Many women use pregnancy apps for support during their pregnancy. However, their emotional impact on users and their role in obstetric communication remain unclear. What emotions does the use of these apps elicit? Can their use stimulate processes in users? The research question for this study is therefore: What positive and negative emotions do users describe when using the TeamBaby app in the context of obstetric communication, and to what extent do these experiences reflect processes of empowerment or insecurity?
Method Using secondary data analysis of qualitative interviews conducted via the TeamBaby project app in phase 3a, six out of 20 interviews were selected that contained a high density of text passages relating to emotions and statements about empowerment or insecurity. These were evaluated using Mayring's qualitative content analysis method with inductive category formation, coding rules and anchor examples. QCAmap was used for rule-based coding and intracoder agreement testing.
Results The analysis identifies four main themes: positive and negative emotions, as well as processes of empowerment and uncertainty, under which categories were formed. Users report satisfaction, confidence, and a feeling of security. At the same time, however, users also experience uncertainty, overwhelm and anger, especially first-time mothers. A process of empowerment is evident in the reflection on one's own role, a heightened awareness of one's needs and abilities, and communication about them. Uncertainty is partly exacerbated by interaction with healthcare professionals, and the uniqueness of each situation makes it difficult to implement the methods.
Conclusion The use of pregnancy apps, such as the TeamBaby app, evokes both positive and negative emotions. Communication with healthcare professionals can be improved through a process of empowerment. However, uncertainties may still arise. It is important to pay closer attention to the emotional impact of mHealth health applications