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Diversity as equal opportunities – A cultural policy framework for a heterogeneous performing arts scene
Public Pay Study 2025: Executive Director Pay in State-Owned Enterprises, Perspectives for Digital Governance und Sustainable Pay Structures (P-Pay)
Die Vergütung von Top-Managementmitgliedern öffentlicher Unternehmen ist ein zentraler Faktor für nachhaltige Daseinsvorsorge und Vertrauen in den Staat. Die Top-Managementvergütung gilt als Kristallisationspunkt einer guten Unternehmensführung und besitzt besondere Bedeutung im Wettbewerb um die fachlich und persönlich besten Besetzungen als Unternehmenslenker:innen und maßgebliche Gesellschafts- und Demokratiegestalter:innen für den öffentlichen Sektor. Kontroverse öffentliche Debatten und intensive Mediendiskussion unterstreichen die anhaltende Relevanz, Aktualität und Dringlichkeit dieses Themas. Die als Langfristvorhaben konzipierte, jährlich erscheinende Public Pay Studie untersucht aktuelle Muster bei der Höhe, Ausgestaltung und Offenlegung der Top-Managementvergütung öffentlicher Unternehmen und zeigt Perspektiven für nachhaltige Vergütungsstrukturen und digitale Governance auf. In Deutschland ist sie die einzige frei verfügbare Studie dieser Art und liefert eine einzigartige Informationsgrundlage. Untersucht werden 10.650 Top-Managementmitglieder aus 7.181 öffentlichen Unternehmen der Städte über 30.000 Einwohner:innen, der Landkreise sowie von Bund und Ländern. Identifiziert wurden Vergütungsdaten von 2.079 Personen aus 1.148 öffentlichen Unternehmen für das aktuell einheitlich verfügbare Geschäftsjahr 2023. Zur Ermittlung der Vergütungsentwicklung im Vergleich zum Vorjahr wurden für möglichst aussagekräftige Befunde nur die in beiden Geschäftsjahren 2023 und 2022 im Sample vertretenen Top-Managementmitglieder betrachtet. Die Entwicklung der Gesamtdirektvergütung beträgt 2,1 % (Median). Bei 22,9 % der Top-Managementmitgliedern ist die Vergütung niedriger als im Vorjahr, bei 77,1 % konstant oder höher. Die überwiegende Mehrheit (42,0 %) weist einen Anstieg zwischen 0 % bis 5 % auf; 13,5 % einen Rückgang zwischen 0 % bis 5 %. Im hohen Vergütungsbereich gab es einen Vergütungsanstieg von 2,3 %; im niedrigen Vergütungsbereich dagegen keinen Anstieg. Im obersten Vergütungsbereich sank die Vergütung deutlich seltener als in den unteren Vergütungsbereichen. Im Vergleich zwischen Frauen und Männer ist die Gesamtdirektvergütung pro Kopf im Median bei den in beiden Jahren im Sample vertretenen weiblichen Top-Managementmitgliedern um 2,5 %, bei den männlichen um 2,0 % gestiegen. Die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung pro Kopf (Median) liegt bei 172.000 Euro, allerdings mit substanziellen Unterschieden zwischen Branchen und Unternehmensgrößenklassen. Insgesamt 39,7 % der Top-Managementmitglieder erhalten eine Vergütung unter 150.000 Euro. Eine Vergütung zwischen 150.000 bis 300.000 Euro erhalten 43,3 %. Über 300.000 Euro erhalten 13,4 %; 3,6 % erhalten eine Vergütung über 500.000 Euro. Branchenübergreifend erhalten Frauen personenbezogen eine durchschnittliche Vergütung von 149.000 Euro und Männer 177.000 Euro. In den Branchen „Stadtwerke, Energie- & Wasserversorgung“ (256.000 Euro) und „ÖPNV/Verkehr & Transport“ (187.000 Euro) liegt die Vergütung höher als z. B. in der Branche „Gesundheits- & Sozialwesen“ (117.000 Euro). Dies erklärt sich auch über die in den Branchen sehr unterschiedlich großen Unternehmen; jedoch bestehen auch bei gleichgroßen Unternehmen unterschiedlicher Branchen Vergütungsunterschiede. Bei Sparkassen liegt die Vergütung mit 402.000 Euro nach wie vor am höchsten. Übergreifend unterstreichen die Befunde die Notwendigkeit von klaren Regelungen zu den Ausgestaltungskriterien von Vergütungen und für eine faktenorientierte Vergütungsentscheidung. Jedoch zeigt die Studie, dass die hierfür sehr relevanten Kodizes guter Unternehmensführung – sog. Public Corporate Governance Kodizes (PCGKs) – nach wie vor selten eingeführt werden. Zudem bestehen in bereits vorliegenden PCGKs substanzielle Defizite bei den Regelungen, wie u. a. zu Vergleichsgruppen und nachhaltigen Vergütungsstrukturen. Bei der Einführung und Evaluation von PCGKs kann neben dem Deutschen Public Corporate Governance-Musterkodex (D-PCGM) der Expertenkommission auch auf die vorliegenden vielen lobenswerten Positivbeispiele in Gebietskörperschaften zurückgegriffen werden. Ein Schlüsselthema für Good Governance ist die anforderungsgerechte Erstellung einer Vergleichsgruppe für jede relevante Vergütungsentscheidung. Hier zeigt die Studie Perspektiven auf, wie diese Anforderung in der übergreifenden Diskussion um Digitalisierung und digitale Entscheidungsunterstützung durch eine anforderungsgerechte digitale Governance alltagsgerecht und mit realistischem Ressourcenaufwand zeitgemäß realisiert werden kann. Die Studienergebnisse bieten eine einzigartige Informationsgrundlage und einen fundierten Orientierungsrahmen zur Unterstützung von Vergütungsplanungen/-entscheidungen mit Vergleichsgruppen im Alltag. Für konkrete Vergütungsentscheidungen ist entsprechend einschlägigen Anforderungen, die Bildung einer sachgerechten Vergleichsgruppe erforderlich. Eine Vergleichsgruppe ist für die Festlegung eines Vergütungskorridors zu Beginn des Auswahlprozesses, für die Vertragsverhandlung im Rahmen des Bestellungsprozesses und den jährlichen Zielvereinbarungsprozess im Kontext variabler Vergütung erforderlich. Trotz anhaltender Diskussionen um Vergütungstransparenz legt auf kommunaler Ebene weiter nur jedes 5. Top-Managementmitglied (20,3 %) die Vergütung personenbezogen offen; auf Bundes-/Landesebene liegt der Wert weiter deutlich höher bei 47,0 %. Unter den Kommunen mit mindestens 5 öffentlichen Unternehmen haben in diesem Geschäftsjahr 7 Kommunen eine personenbezogene Vergütungsoffenlegungsquote von 100 %, was die Realisierbarkeit einer vollständigen Vergütungstransparenz verdeutlicht und positive Anknüpfungspunkte für andere Gebietskörperschaften liefert. Bei 5 Kommunen sind es mindestens 75 %, bei 32 Kommunen zwischen 50 - 75 %. Bei beachtlichen 242 Kommunen liegt dagegen weiterhin eine Vergütungsoffenlegung von 0 % vor. Mit einer personenbezogenen Vergütungsoffenlegung von 98,6 % weisen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die höchste Transparenz auf. Vergütungstransparenz bei Top-Managementmitgliedern öffentlicher Unternehmen ist essenziell für Vertrauen in den Staat und öffentliche Institutionen. Hier bestehen besondere Anforderungen und eine Vorbildfunktion. Die Befunde belegen, dass die Vergütung in struktureller Gesamtsicht nur bei sehr klaren Regeln offengelegt wird. Allerdings liegen aktuell immer noch nur in 7 der 16 Bundesländer/Stadtstaaten Transparenzgesetze vor. Zudem zeigt die Analyse, dass Regelungen in PCGKs auch zur Vergütungstransparenz weiter verbesserungsbedürftig sind, wie u. a. zur Offenlegung der Altersversorgung. Sehr deutlich zeigen die Ergebnisse, dass es sowohl gesetzlicher Regelungen als auch PCGKs bedarf, da gerade das Zusammenspiel der Regulierungsvarianten die größten Effekte für die politisch formulierten Ziele entfaltet. Zur Unterstützung der Praxis und zur Realisierung von Forschungszielen ist ein Zusammenwirken von universitärer Forschung mit wissenschaftlicher Methodenkompetenz und Praxiskompetenzen und -erfahrungen besonders relevant und chancenreich. Die Public Pay Studie ist die in Deutschland einzige frei verfügbare Studie dieser Art. Weiterhin liefert sie eine wegweisende Grundlage für weitere Reformentwicklungen bei Gesetzen und in PCGKs und für den gesellschaftlichen Diskurs. Übergreifend möchte die Studie zur Weiterentwicklung einer faktenbasierten und wertorientierten Entscheidungs- und Transparenzkultur im öffentlichen Sektor und Chancengerechtigkeit beitragen.The executive director pay in government-owned enterprises (GOEs) is a central factor for sustainable public service provision and trust in the state. It is regarded as the focal point of good corporate governance and is particularly important in the competition for the best talent in terms of expertise and character as corporate leaders and key shapers of society and democracy for the public sector. Controversial public debates and intensive media discussion underline this issue's continuing relevance, topicality, and urgency. Designed as a long-term project, the annual Public Pay-Study examines current patterns regarding the level, design, and disclosure of executive director pay at GOEs and identifies perspectives for sustainable pay structures and digital governance. It is Germany's only open-access study for GOEs and provides a unique information base. The study examines 10,650 executive directors from 7,181 GOEs in cities with more than 30,000 inhabitants, counties, and federal and state governments in Germany. The study includes pay data of 2,079 executive directors from 1,148 GOEs for the financial year 2023. To determine pay developments compared with the previous year, only the executive directors represented in the sample in 2023 and 2022 were considered for getting the most meaningful findings. The total executive director pay per capita increased by 2.1 % (median) and 4.1 % (mean). Pay is lower year-on-year for 22.9 % of executive directors and constant or higher for 77.1 %. The vast majority (42.0 %) show an increase of between 0 % and 5 %; 13.5 % show a decrease of between 0 % and 5 %. In the high pay range, there is a 2.3 % increase in executive director pay; in the low pay range, however, there is no increase. In the highest pay range, the executive director pay falls considerably less often than in the lower pay range. When comparing women and men, the median total direct pay per capita raise by 2.5 % for female executive directors represented in the sample in both years and by 2.0 % for the male counterparts.The average total pay per capita is 172,000 euros (median), however with substantial differences between industries and company size classes. A total of 39.7 % of executive directors receive pay below 150,000 euros. Pay between 150,000 and 300,000 euros is received by 43.3 %. More than 300,000 euros are paid to 13.4 %; 3.6 % receive pay of more than 500,000 euros. Across public service industries, women receive an average compensation of 149,000 euros and men 177,000 euros. In the “Energy & Water Supply and Public Utilities” (256,000 euros) and “Traffic/Public Transport & Transportation” (187,000 euros) industries, pay continues to be substantially higher than in the “Public Health & Social Services” industry (117,000 euros), for example. This can be explained by the different sizes of GOEs in the public service industries; however, there are also substantial pay differences within public service industries, even among GOEs of comparable firm size. At savings banks, executive director pay remains highest at 402,000 euros.The findings underscore the need for clear regulations on criteria for pay and criteria-based pay planning and decision-making. However, the study shows that the highly relevant Public Corporate Governance Codes (PCGCs) are still rarely introduced and that there are substantial deficits in the recommendations in existing PCGCs, such as those on peer groups and sustainable pay structures. In addition to the German Public Corporate Governance-Modelcode (G-PCGM) of the Expert Commission, the introduction and evaluation of PCGCs can also draw on the many commendable positive examples available in public authorities. A key issue for the future and sustainable pay structures is the requirement-based creation of peer groups for pay decisions. Here, the study shows perspective on how this requirement can be realized in the overarching discussion about digitalization and digital decision support through requirement-based digital governance – shaping and managing the digital transformation – in a way that is appropriate to everyday life and can be realized in a timely manner with a realistic expenditure of resources. For concrete pay decisions, forming an appropriate comparison group is necessary for interaction with the public service industry profiles contained in the study following relevant requirements. A comparison group, is required to define a pay corridor at the beginning of the selection process for the contract negotiation as part of the appointment process and the annual target agreement process in the context of variable pay. Despite continuous discussions about pay transparency, every fifth executive director (20.3 %) on the municipal level discloses pay data on an individual level; at the federal/state level, the figure is considerably higher at 47.0 %. Among the municipalities with at least 5 GOEs, 7 municipalities have a disclosure rate of individualized pay data of 100 %, which illustrates the feasibility of complete transparency in this context and provides positive points of reference for other public authorities. Further 5 municipalities have a disclosure rate of at least 75 %, and 32 municipalities have a 50 – 75 % rate. In contrast, 242 municipalities disclose 0 % of executive director pay. With a personalized pay disclosure rate of 98.6 %, public broadcasters have the highest level of transparency. Pay transparency for executive directors of GOEs is essential for trust in the state and public institutions. There are special requirements in place as well as a role model function. The findings show that, from a structural overall perspective, pay is only disclosed if the rules are precise. However, transparency laws are still only in place in 7 of 16 German states/city-states. In addition, the analysis shows that the regulations in PCGCs also need further improvement regarding pay transparency, such as the disclosure of pension/retirement elements. The results show very clearly that transparency laws and PCGCs are needed, as the regulatory variants' interaction has the most substantial effect on the politically formulated goals. In order to support practice and realize research goals, the interaction of university research with scientific methodological competencies and practice competencies and experience is particularly relevant and promising. The Public Pay Study is the only open-access study for GOEs in Germany. It provides a unique information base for overarching orientation and compensation trends. Furthermore, it provides a groundbreaking basis for further reform developments in laws, PCGCs, and social discourse. Overall, the study aims to contribute to further developing a fact-based and value-oriented decision-making and transparency culture in the public sector and further equal opportunities
Das Militär als Friedensstifter: Zur audiovisuellen Selbstinszenierung der Bundeswehr im Einsatz für die UN-Friedenmission MINUSMA
In den vergangenen Jahrzehnten wirkte die deutsche Bundeswehr an mehreren bewaffneten Friedenseinsätzen mit, obwohl die deutsche Außenpolitik insgesamt von militärischer Zurückhaltung geprägt ist (vgl. Gareis 2021) und „massive Vorbehalte gegen die Beteiligung deutscher Soldaten an Kampfeinsätzen“ bestehen (vgl. Jacobs & Pötzschke 2021: 209). In Demokratien ist die Akzeptanz der Bevölkerung aber Grundvoraussetzung für (militärisches) Handeln (vgl. ebd., Jacobs 2019). Weil sie u. a. davon abhängt, wie gut die Bürger:innen über das Vorgehen der Streitkräfte informiert sind (vgl. Steinbrecher 2023), versucht die Bundeswehr die Öffentlichkeit möglichst umfassend über ihr Handeln zu informieren und die Meinungsbildung positiv zu beeinflussen (vgl. Virchow 2023). Aufgrund der geografischen Distanz ist die medienvermittelte Kommunikation von Auslandseinsätzen wie der Friedensmission MINUSMA von besonderer Bedeutung. Als fester Bestandteil der digitalen Medienlandschaft spielen dabei audiovisuelle Formate eine wichtige Rolle: Sie können zur Legitimierung militärischer Interventionen beitragen, den Ruf der beteiligten Akteure aber auch massiv beschädigen (vgl. Ballensiefen 2009).Trotz der wachsenden Bedeutung militärischer Akteure und deren öffentlichkeitswirksamer Kommunikation beschäftigen sich bislang wenig Forschungsarbeiten damit, wie die Bundeswehr ihr Vorgehen in Konfliktgebieten audiovisuell kommuniziert. Der Vortrag soll diese Forschungslücke schmälern und untersucht Facebookvideos der Bundeswehr, in denen die Beteiligung an der UN-Mission in Mali thematisiert wird. Zunächst möchte ich zeigen, welche Aufgabenfelder konkret vorgestellt und welche darstellerischen Mittel und Narrative dabei eingesetzt werden. Studien zur medialen Repräsentation von Streitkräften zeigten, dass das Handeln der Soldat:innen und der Einsatz als solcher positiv dargestellt, indem bspw. Kontrolle signalisiert, Szenen der Gewaltausübung vermieden und die Streitkräfte als Held:innen inszeniert werden (z. B. Novăcescu 2021, Shim & Stengel 2017, Wegner 2021). Dies bestätigt sich im hier untersuchten Material. Weiterhin ist ein hoher Grad an Personalisierung erkennbar und Risiken sowie Herausforderungen werden durchaus thematisiert: Allerdings werden sie weniger auf (potenzielle) Kampfhandlungen zurückgeführt als auf die Lebensbedingungen in Mali. Das weist darauf hin, dass die Videos einerseits Spannung erzeugen und damit die Aufmerksamkeit des Publikums gewinnen sollen und andererseits der (politischen) Zielsetzung, verteidigungspolitischen Maßnahmen ein „möglichst niedriges militärisches, d. h. ‚kriegerisches‘ Profil zu geben“ (Gareis 2021: 158) gerecht werden
Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht: Die gescheiterte Richterwahl von Brosius-Gersdorf und die politische Kultur
Grenzen der Perspektivvielfalt in der deutschen Berichterstattung über die UN-Friedensmission MINUSMA in Mali
Der Journalismus entwickelte sich in den vergangenen Jahren von einem eher linear angelegten Kommunikationsprozess, in dem Informationen von (politischen) Eliten über die Medien an ein breites Publikum vermittelt wurden, hin zu einem multilateralen, an dem verschiedene Akteure wechselseitig mitwirken (vgl. Neuberger 2020). Durch die Nutzung von Online-Plattformen bspw. kann prinzipiell jede:r Informationen und persönliche Erfahrungen bzw. Sichtweisen einbringen, auf welche Journalist:innen bei der Nachrichtenproduktion zurückgreifen können (vgl. Tandoc 2018). Durch das Internet können außerdem räumliche Grenzen überwunden werden und der Journalismus wird zunehmend transnational (vgl. Knüpfer & Entman 2018). Trotzdem greifen ‚westliche‘ Nachrichtenproduzent:innen nur selten auf Informationen afrikanischer Medienorganisationen zurück (vgl. Kasenally 2018) und afrikanische Akteure bleiben unterrepräsentiert (vgl. Asante 2013, Mükke 2013). Dies kann auf Nachrichtenfaktoren wie Konsonanz und Nähe zurückgeführt werden, die den Rückgriff auf kulturell verankerte Narrative und Vorstellungen sowie die Orientierung an nationalen Akteuren prädispositionieren (vgl. Strohmeier 2004). Zudem sinkt die Anzahl an Auslandskorrespondent:innen, weshalb immer weniger Informationen vor Ort aggregiert werden können (vgl. Engelhardt 2022). Weil darüber hinaus meist anlässlich von Kriegen oder Konflikten über Afrika berichtet wird (vgl. Ludescher 2023), wirken sich zusätzlich die aus dem Kriegsjournalismus bekannten Begrenzungen auf die Berichterstattung aus: Der Zugang zu militärischer Information und Kriegsgebieten bspw. ist oft limitiert (vgl. Jungblut 2020) und im Falle außenpolitischer Konflikte berichten Journalist:innen tendenziell zugunsten der Herkunftsnation und geben bevorzugt die Sichtweise der ‚eigenen‘ Regierung wieder (vgl. Bilke 2010). Dies grenzt die Perspektivvielfalt in der Berichterstattung über Konflikte in Afrika ein und begünstigt die Reproduktion stereotyper Darstellungen (vgl. Hänsch et al. 2018, Mamadouh 2022). Afrikanische Länder bzw. die dort lebenden Menschen werden oft als rückständig und schwach repräsentiert (vgl. Asante 2013, Said 2019) und damit eine ‚Hilfskonstellation‘ vermittelt, in der europäische Akteure „[…] als Handelnde dargestellt [werden], Personen aus Entwicklungsländern dagegen eher als passiv und hilflos“ (Wimmer 2003: 341, vgl. Said 2019). Da es vielen Europäer:innen an persönlichen Erfahrungen mit/in Afrika fehlt, beeinflussen die medial vermittelten Vorstellungen die Wahrnehmung besonders (vgl. Sickenberger 2021). Dennoch hat sich die Forschung in den letzten Jahren (abgesehen von wenigen Ausnahmen, z.B. Sickenberger 2021, Calatrava-García et al. 2023) kaum mit der (deutschen) Berichterstattung über Afrika befasst und insb. zur journalistischen Aufbereitung afrikapolitischer Entscheidungen europäischer Länder wurden kaum Erkenntnisse generiert. Zugleich wächst die Bedeutung Afrikas und der dortigen Entwicklungen, auch angesichts europäischer Debatten um Migration und mögliche neue ökonomische wie (sicherheits-)politische Partner (‚De-Risking‘). Eine kritische Auseinandersetzung mit journalistischen Berichten, welche die öffentliche Wahrnehmung und damit auch politisches Handeln beeinflussen kann (vgl. Bilke 2010), ist daher umso wichtiger.Der vorliegende Beitrag soll die Forschungslücke schmälern und untersucht dazu die Berichterstattung über die deutsche Beteiligung an der UN-Mission MINUSMA in Mali. Im Fokus steht erstens die Frage, inwiefern unterschiedliche (internationale) Perspektiven eingebracht und so geografische bzw. kulturelle Grenzen überwunden werden. Dazu wurde die Online-Berichterstattung von WELT und Süddeutscher Zeitung über die politischen Entscheidungen bzw. die Arbeit der deutschen Streitkräfte in Mali einer multimodalen Framing-Analyse (vgl. Moernaut et al. 2020) unterzogen. Es zeigt sich, dass der Bundeswehreinsatz zwar unterschiedlich geframed und positive wie negative Aspekte thematisiert werden, insb. Berichte und Kommentare aber vorwiegend auf den Aussagen deutscher Akteure beruhen. Akteure aus Mali bzw. anderen afrikanischen Ländern hingegen bleiben oft außen vor und die Berichterstattung daher weitgehend auf deutsche Perspektiven begrenzt. Dadurch wird insb. über den Konflikt zwischen Mali und den intervenierenden Staaten nur einseitig berichtet. Zweitens untersucht die qualitative Analyse, wie sich diese Perspektivbegrenzung auf die Darstellung der verschiedenen Akteursgruppen auswirkt, wobei festgestellt werden kann, dass häufig stereotype Vorstellungen reproduziert werden und sich eine Tendenz zur ‚Exotisierung‘ bzw. zum Othering (vgl. Mamadouh 2022, Said 2019) abzeichnet. LiteraturverzeichnisAsante, Molefi Kete (2013): The Western Media and the Falsifícation of Africa. Complications of Value and Evaluation. In: China Media Research 9 (2), S. 64–70.Bilke, Nadine (2010): Kriegsberichterstattung. In: Christian Schicha & Carsten Brosda (Hg.): Handbuch Medienethik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 442–453.Calatrava-García, Adolfo; Moreno-Mercado, José Manuel; García-Marín, Javier (2023): Towards European securitization press processes? A comparison of Sahel news coverage in Southern European countries. In: Journal of Contemporary European Studies 31 (4), S. 1206–1222.Hänsch, Valerie; Rieß, Johanna; Ritzer, Ivo (2018): Einleitung: Medialisierungen Afrikas. In: Hänsch, Valerie et al. (Hg.): Medialisierungen Afrikas. Baden-Baden: Nomos, S. 9–28.Engelhardt, Marc (2022): Das Verblassen der Welt. Auslandsberichterstattung in der Krise. Otto-Brenner-Stiftung. Arbeitspapier 53. Jungblut, Marc (2020): Kriegs- und Konfliktberichterstattung im digitalen Zeitalter. In: Borucki, Isabelle et al. (Hg.): Handbuch Politische Kommunikation. Wiesbaden: Springer, S. 1–14.Kasenally, Roukaya (2018): The Development of an Africa Narrative: Challenges and Opportunities. In: Hänsch, Valerie et al. (Hg.): Medialisierungen Afrikas. Baden-Baden: Nomos, S. 123–146.Knüpfer, Curd B.; Entman, Robert M. (2018): Framing conflicts in digital and transnational media environments. In: Media, War & Conflict 11 (4), S. 476–488. Ludescher, Ladislaus (2023): Vergessene Welten und blinde Flecken. In: Hektor Haarkötter & Jörg-Uwe Nieland (Hg.): Agenda-Cutting: Wenn Themen von der Tagesordnung verschwinden. Wiesbaden: Springer, S. 223–246.Mamadouh, Virginie (2022): Eurocentrism / Orientalism in news media. In: Paul C. Adams & Barney Warf (Hg.): Routledge handbook of media geographies. London, New York: Routledge, S. 232–244. Moernaut, Renée; Mast, Jelle; Pauwels, Luc (2020): Visual and Multimodal Framing Analysis. In: Luc Pauwels & Dawn Mannay (Hg.): The SAGE Handbook of Visual Research Methods. London: SAGE, S. 484–499.Mükke, Lutz (2013): "Journalisten der Finsternis". In: Dulko, Elisabeth et al. (Hg.): Afrikabilder. Dokumentation einer Tagungsreihe zum Afrikadiskurs in den Medien und zum AlltagsRassismus in Deutschland. Bremen: Arbeit und Leben, S. 28–33.Neuberger, Christoph (2020): Journalismus und digitaler Wandel: Krise und Neukonzeption journalistischer Vermittlung. In: Otfried Jarren & Christoph Neuberger (Hg.): Gesellschaftliche Vermittlung in der Krise. Baden-Baden: Nomos, S. 119–154.Said, Edward W. (2019): Orientalism. Reissued in Penguin Classics. London: Penguin Books.Sickenberger, Fabian (2021): Afrikaperspektiven. Eine inhaltsanalytische Untersuchung der Tagesschau-Afrikaberichterstattung 1952–2018. Dissertation. Berlin: Logos.Strohmeier, Gerd (2004): Politik und Massenmedien: Eine Einführung. Baden-Baden: Nomos.Tandoc, Edson C. (2018): Journalism as Gatekeeping. In: Tim P. Vos (Hg.): Journalism. De Gruyter, S. 235–254.Wimmer, Jeffrey (2003): Das Ende der "Dritten Welt"? Ein Vergleich der Berichterstattung über Afrika in der deutschen Presse 1991 und 2001. In: ComSoc 36 (4), S. 337–352
Artificial Intelligence and Digital Human Autonomy - A framework of personal autonomy in the context of AI technology and a digitalised society [ Dissertation, Zeppelin Universität.]. ZUdoc | Zeppelin Research Documentation System and Repository.
Artificial intelligence (AI) technology has moved into the focus of public attention rather recently, having drastically changed everyday life as well as larger societal structures over the last two decades at least. The technology’s extensive transformative impact creates genuinely new ethical challenges. Nearly all areas of life, from social interaction over work to political participation, increasingly rely on digital processes where individual decisions and collective coordination are supported AI systems. That increasingly crucial role of AI technology has sparked an academic and professional debate tied to both technological and regulatory developments in the field, aiming at providing normative orientation and suitable governance mechanisms for AI technology and its application.The present thesis contributes to that AI ethics debate, in two main ways: It firstly conducts a somewhat explorative literature review of the extant AI ethics debate in its considerable breadth, providing a topography of thematic strands and developments as well as relevant contributing stakeholders. The overall approach of this thesis is transdisciplinary, understanding AI ethics as an essentially applied research field aiming at providing practically relevant normative orientation. In line with that approach, the thesis argues for a personal human autonomy framing perspective upon AI ethics, that is able to more fundamentally structure and relate the host of more particular extant normative contributions. Secondly, and in substantive response to that proposed autonomy framing perspective, the thesis outlines a normative conceptual framework of digital human autonomy. Digital human autonomy is understood as personal human autonomy in the more specific context of AI technology and its applications in social and societal interaction. As a transdisciplinary piece of applied ethics, the digital autonomy framework aims to providepractically relevant normative orientation by carving out interactions between personal autonomy, AI technology, and relevant AI governance mechanisms potentially able to support personal human autonomy in that context. The framework as a qualitative work of applied ethics is theoretically validated by reflection against another established AI ethics approach, and its highlighted relations to practical AI governance mechanisms are briefly further developed within the conclusion part of the thesis