Latein und Griechisch in Nordrhein-Westfalen (LGNRW - E-Journal)
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Die Heilpflanze des Jahres 2024 aus tierökologischer Sicht
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) wurde vom Naturheilverein Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2024 ausgerufen. Wirkstoffe wie Flavonoide und ätherische Öle, ein hoher Vitamin-C-Gehalt der Früchte sowie Gerb- und Mineralstoffe sind ursächlich für die Verwendung als Heilpflanze. Im folgenden Beitrag soll nicht die heilkräftige Wirkung des Holunders im Vordergrund stehen, sondern seine ökologische Bedeutung
Tropenkrankheiten wandern nordwärts
Die Bevölkerung gemäßigter Klimazonen blieb lange verschont von Tropenkrankheiten, denn Erreger und Überträger sind überwiegend an dauerhaft feuchtwarme Umweltbedingungen angepasst. Inzwischen ist das Klima im Norden aber einladender geworden und der Transport durch internationalen Handel, Tourismus und Migration kann Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten und deren Überträgerarten zusammenbringen. Bei der Krankheitsüberwachung und Prävention müssen daher nicht nur medizinische, sondern auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden
Female – male – diverse: Is it that simple?
Die Evolution der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung war und ist ein Motor der Evolution, da sie die für Anpassungen nötige Variabilität zwischen den Individuen generiert. Gegenüber asexueller Fortpflanzung hat sie aber den Nachteil, dass sie rechnerisch nur halb so viele Nachkommen produziert. Zudem führt sie zu evolutionären Konflikten zwischen den Geschlechtern. Diese Nachteile können nur durch den Vorteil der Erzeugung besonders hoher Variabilität aufgewogen werden. Individuen, die aus der sexuellen Reproduktion entstehen, zeigen daher überlappende morphologische Merkmale und Verhaltensweisen, die zudem von der Umwelt mitgeprägt werden. Auch eine Fluidität zwischen den Geschlechtern ist eine natürliche Konsequenz dieser Variabilität. Dieses Kontinuum der Unterschiede wird durch eine Kategorisierung in „männlich – weiblich – divers“ nicht reflektiert.The evolution of bisexual reproduction was and is the driving force behind evolution, as it generates the variability between individuals that is necessary for adaptation. Compared to asexual reproduction, however, it has the disadvantage that it only produces half as many offspring. It also leads to evolutionary conflicts between the sexes. These disadvantages can only be outweighed by the advantage of producing particularly high variability. Therefore, individuals arising from sexual reproduction show overlapping morphological characteristics and behaviour patterns, which are also influenced by the environment. Fluidity between the sexes is also a natural consequence of this variability. This continuum of differences is not reflected by a categorization into “male – female – diverse”
Moral and political dimensions of critical-democratic citizenship education: Enhancing social justice, a global orientation, and equity in schools and society
Wiel VeugelersLeiden: Brill, 2023, pp. 257, ISBN: 978-90-04-68544-4 (e-book), 978-90-04-68543-7 (Hardback Publication), 978-90-04-68542-0 (Paperback Publication
Language Related Beliefs as an Aspect of GSL Competence in Subject Teaching.: Documentation of and Reflection on a Learning Opportunity in the First Phase of Teacher Training
Im Beitrag wird der Einsatz von Fallvignetten in einem Seminar zum sprachsensiblen Fachunterricht, das im Sommersemester 2020 für angehende Lehrkräfte an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen durchgeführt wurde, dokumentiert und auf der Grundlage des Strukturmodells von DaZ-Kompetenz zum Reflexionsgegenstand gemacht. Als Teil einer Lerngelegenheit in der ersten Phase der Lehrerbildung zielen die im Seminar eingesetzten Fallvignetten auf die inhaltlichen Facetten „Sprachliche Vielfalt in der Schule“ und „Umgang mit Heterogenität“ innerhalb des DaZKom-Modells ab. Der Einsatz von Fallvignetten zur Vermittlung und Reflexion von DaZ-relevanten Inhalten wurde durch verschiedene Beiträge zum Projekt „BeliefsMatter“ angeregt. Ziel dieser Auseinandersetzung im Rahmen der Lehrveranstaltung war die Förderung von sprachbezogenen Überzeugungen, die einer fachunterrichtsrelevanten professionellen DaZ-Kompetenz entsprechen. Insbesondere sollten in Bezug auf sprachliche Vielfalt im Fachunterricht sprachsensible Überzeugungen gefördert werden. The article documents the use of case vignettes in a course on linguistically responsive subject teaching, which was held in the summer semester 2020 for prospective teachers at the Eberhard Karls University in Tübingen. Based on the DaZKom model – a model of professional competence regarding German as a Second Language (GSL) – the use of the case vignettes is reflected upon. As part of a learning activity in the first phase of teacher training, the case vignettes used in the seminar are aimed at the facets “linguistic diversity in school” and “dealing with heterogeneity” within the DaZKom model. The use of case vignettes to convey and reflect on GSL-relevant content was inspired by various contributions in the context of the project “BeliefsMatter”. The aim was to promote language related beliefs that correspond to professional competence regarding GSL. A special focus was on beliefs regarding the use of heritage languages in subject teaching.
Language-Sensitive Textbook Analysis in the Context of the Scaffolding Approach: A Learning Activity
Dieser Beitrag stellt eine Lerngelegenheit vor, die die diagnostische Kompetenz zukünftiger Lehrkräfte aller Fächer im Sekundarstufenbereich auf der Grundlage von Lehrwerkstextanalysen fördern soll. Konkret werden gemäß des Makro-Scaffolding-Ansatzes (vgl. z.B. Beese et al., 2014; Gibbons, 2015) im Rahmen der Bedarfsanalyse Lehrwerksmaterialien in Bezug auf allgemeine Kriterien der Textqualität sowie im Hinblick auf sprachliche Herausforderungen auf der lexikalisch-semantischen, syntaktischen und textlinguistischen Ebene analysiert. Aufgrund ihrer Bedeutsamkeit in der schulischen Praxis als Medium des Lehrens und Lernens ist der reflektierte Umgang mit Lehrwerken und ein vertieftes Verständnis ihrer sprachlichen Herausforderungen ein wichtiger Aspekt der didaktischen Kompetenz zukünftiger Lehrkräfte. Die im Rahmen des Artikels vorgestellte Lerngelegenheit verfolgt das übergeordnete Ziel, auch Studierende mit geringen linguistischen Vorkenntnissen und in nur begrenzt zur Verfügung stehender Zeit an einen reflektierten Umgang mit Unterrichtsmaterialien (wie Lehrbuchtexte, Aufgabenstellungen etc.) heranzuführen. Die Verortung im DaZKom-Modell liegt daher im Bereich der Didaktik und fokussiert die didaktischen Entscheidungen und somit die Lehr-/Lernprozesse.This article presents a learning task that intends to enhance prospective secondary school teachers’ diagnostic competences on the basis of analyzing respective teaching material. Following Gibbon’s (2015; cf. also Beese et al., 2014) macro-scaffolding approach, teaching material is analyzed focusing on general criteria of text quality as well as considering challenges at the lexico-semantic, syntactic and text-linguistic level. Given their significance as a medium of teaching and learning in actual teaching practice, the knowledge of how to reflectively use textbooks in the classroom and to understand the language challenges related to textbooks is an essential aspect of teachers’ diagnostic competence. This learning task is especially designed for students with only basic linguistic knowledge to help them acquire this reflexive knowledge in a limited amount of time. Within the DazKom model the task reflects the dimension didactics and focuses on pedagogical decision-making processes which are related to teaching and learning processes
Developing Competencies in German as Second Language via Reflection of Everyday Myths about Multilingualism and Second Language Acquisition
Der Beitrag befasst sich mit mehrsprachigkeitsbezogenen Vorannahmen und Alltagsmythen und ist den Facetten „Zweitspracherwerb“, „Sprachliche Vielfalt“ und „Umgang mit Heterogenität“ des DaZKom-Strukturmodells zuzuordnen. Es wird eine Lerngelegenheit für zwei Seminarsitzungen vorgestellt, die zur Auseinandersetzung mit den Vorstellungen zur Mehrsprachigkeit und zum Zweitspracherwerb anregt, welche Studierende zu Beginn ihres Studium mitbringen. Ausgehend von dem eigenen mehrsprachigen Selbstverständnis wird über die von der Autorin entwickelte Methode des „Sprachen-Kopf-Portraits“ ein Reflexionsanlass geschaffen, der den Studierenden ihre eigene Mehrsprachigkeit bewusst machen soll. Die darauffolgende Beschäftigung mit Alltagsmythen sensibilisiert hinsichtlich Fragen, die sich in der Arbeit mit Schüler*innen, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, stellen können. Die Aufgabe hat eine wertschätzende und kompetenzorientierte Sicht auf Mehrsprachigkeit zum Ziel. The paper deals with multilingualism-related assumptions and everyday myths and is classified under the aspects of second language acquisition, linguistic diversity and handling heterogeneity of the GSL structural model. A learning opportunity for two seminar sessions is presented, which encourages the discussion of the ideas about multilingualism and second language acquisition that students bring along at the beginning of their studies. Starting from their own multilingual self-concept, the method of the “language-head-portrait” developed by the author creates an occasion for reflection, which should make the students aware of their own multilingualism. The following examination of common myths raises awareness of questions that may arise when working with students who acquire German as a second language. The task aims to develop an appreciative and competence-oriented view of multilingual competences.
Akteurkonstellationen im Mehrebenensystem wissenschaftlicher Weiterbildung: Entwurf eines empirisch fundierten Modellierungsansatzes unter Bezug auf Analysekonzepte der Educational Governance
Der Beitrag skizziert eine Modellierung von Akteurkonstellationen im Mehrebenensystem wissenschaftlicher Weiterbildung, die im Kontext einer explorativen Untersuchung konzipiert wurde. Intention dabei war es, näheren Aufschluss zu (impliziten) hochschulischen Selbstverständnissen und Prämissen in Bezug auf die Zielgruppe beruflich Vorqualifizierter bei kurzformatigen (ingenieur-)wissenschaftlichen Weiterbildungsangeboten zu gewinnen.
Aufgrund besonderer regulatorischer Rahmenbedingungen erfordert die Konzeption solcher Angebote neben hochschulinternen Abstimmungen häufig auch eine Verständigung mit externen Stakeholdern. Dabei sind Hochschulen mit teils widersprüchlichen Anforderungen und Interessenlagen konfrontiert, sodass sich die Governance wissenschaftlicher Weiterbildung als ein Agieren vielfältiger hochschulinterner und -externer Akteure, teils auf unterschiedlichen Hierarchieebenen, charakterisieren lässt.
Vorliegende Analysekonzepte der (Educational) Governance-Forschung erlauben jedoch nur eine je ausschnitthafte Strukturierung der hierzu gewonnenen Erkenntnisse. Gleichwohl bieten ihre Modellierungen von Akteurkonstellationen und Mehrebenensystemen wichtige Anknüpfungspunkte für das vorliegende Modell. Es kann daher gewissermaßen als deren Fusionierung verstanden werden, um der Komplexität hochschulischer Governance im Kontext (kurzformatiger) wissenschaftlicher Weiterbildung gerecht werden zu können.
Inklusionssensible Lektüre im Lateinunterricht. Ein Materialkonzept zu Seneca, ep. 16
In diesem Beitrag, der aus der Unterrichtspraxis entstanden und auf diese bezogen ist, wird verdeutlicht, dass lateinische Lektüre so inklusionssensibel materialisiert werden kann, dass unterschiedlich diagnostizierte Bedarfe in den typischen Phasen des Lateinunterrichts (Texterschließung, Übersetzung, Interpretation) auf dem Weg des zielgleichen Lernens qua varianter Methodik (Binnendifferenzierung, Erleichterungs-/Ersatzmaßnahmen) als Potenziale verstanden begünstigt werden können. Das hier vorzustellende Material problematisiert Senecas epistula 16 und ist die überarbeitete Version einer ursprünglichen Fassung, die basierend auf theoretischen Forschungserkenntnissen an die inklusiven Anforderungen einer empirisch zu begleitenden Lerngruppe gestaltet wurde. Nach der Reflexion aller am Prozess Beteiligten (Schüler*innen, Lehrkraft und Forscher*innen) fungiert das hier vorzustellende Material als Endprodukt des Forschungsprozesses, das zugleich die Erkenntnis mit sich bringt, je nach Lerngruppe und deren spezifischen Bedarfen flexibel adaptiert werden zu können. Ferner kann dieses Material als Folie für die Gestaltung weiterer Lektüren oder zur Reflexion über bisher eingesetzte Materialien verwendet werden, um den lateinischen Lektüreunterricht zukünftig inklusionssensibel arrangieren zu können