Comparativ (E-Journal)
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A. K. Sandoval-Strausz / Nancy H. Kwak (eds.): Making Cities Global. The Transnational Turn in Urban History, Philadelphia 2018; Nicolas Kenny / Rebecca Madgin (eds.): Cities Beyond Borders. Comparative and Transnational Approaches to Urban History, Farnh
Georg Fischer: Globalisierte Geologie. Eine Wissensgeschichte des Eisenerzes in Brasilien (1876– 1914), Frankfurt am Main: Campus 2017, 328 S.
Turning Away from the Big Brother: China’s Search for Alternative Sources of Knowledge During the Sino-Soviet Split
In den ersten beiden Jahrzehnten der Volksrepublik China spielte die transnationale Wissenschaftszirkulation eine wichtige Rolle beim sozialistischen Wiederaufbau des Landes. In diesem Zusammenhang wurde die Modernisierung durch die Übersetzung und Weitergabe von sowjetischem Wissen vorangetrieben, insbesondere in Form der Zeitschrift Knowledge is Power (Zhishi jiushi liliang). In Anlehnung an den Stil und die Ideen seines sowjetischen Namensgebers Znanie – sila präsentierte sie jungen Arbeitern und Studenten die Vision von „morgen“ – der nahen Zukunft. Sie erschien seit dem Jahr 1956, als der Staat zum „Marsch in Richtung Wissenschaft“ aufrief, ein Slogan, hinter dem Chinas Bewusstsein für die eigene Rückständigkeit in Wissenschaft und Technologie stand. Frühere Forschung hat argumentiert, dass ideologische Kampagnen in den 1950er Jahren Chinas versuchten, die technologische und wissenschaftliche Abhängigkeit von der Sowjetunion zu verringern, aber die maoistische Neuformulierung der Rolle und Funktion von Wissenschaft in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre – unter Betonung der Notwendigkeit einer eigenständigen Entwicklung (duli zizhu de fazhan) – führte letztlich zu einer transnationaleren Ausrichtung von Wissenschaft und Technologie.In the rst two decades of the People’s Republic of China transnational science circulation played a signicant role in the country’s socialist reconstruction. In this context, modernization was pursued via translation and transfer of Soviet knowledge, most prominently in the form of the journal Knowledge is Power (Zhishi jiushi liliang). Following the style and ideas of its Soviet namesake Znanie – sila it presented the vision of “tomorrow” – the near future – for young workers and students. Starting its publication in 1956, it supported the state’s call for “marching towards science,” a slogan behind which was China’s awareness of its backwardness in science and technology. Earlier research has shown how ideological campaigns in 1950s China trie
On Parallel Tracks at Different Speeds: Historiographies of Imperial Russia and the Globalized World around 1900
Mit Blick auf die Geschichte Russlands im 19. Jahrhundert argumentiert dieser Artikel, dass weltregionale und globale Ansätze in der Geschichtsschreibung voneinander profitieren. Die Globalgeschichte benötigt quellengesättigte Untersuchungen von Räumen, in denen sich regionale und globale Aspekte verflechten. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten haben Historiker Russlands im 19. Jahrhundert und Globalhistoriker sich von vergleichbaren Imperativen leiten lassen: Russlandhistoriker dekonstruierten eine russozentrische Sichtweise der Vergangenheit Russlands, die die Vielfalt des Vielvölkerreiches verschleierte, während Globalhistoriker eine eurozentrische Lesart der Weltgeschichte überwanden. Der Artikel stellt zwei Fallstudien über die Fürstin Olga Aleksandrovna Shcherbatova und Fedor Fedorovich Martens in den Mittelpunkt, die Licht auf Russlands Teilhabe an der Entdeckung und Internationalisierung der Welt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert werfen.Elaborating on the history of nineteenth-century Russia, this article argues that world-regional histories and the global history approach benefit from each other. Global history has to be informed by source-based inquiries in spaces where the regional and the global meet. In the past three decades historians of nineteenth-century Russia and global historians have been affected by related imperatives: historians of Russia deconstructed a russocentric view of Russia’s past which veiled the diversity of a multiethnic empire while global historians reached out to deconstruct a eurocentric reading of world history. The article highlights case studies of Princess Olga Aleksandrovna Shcherbatova and Fedor Fedorovich Martens which shed light onto Russians‘ involvement in exploring and internationalizing the world in the late nineteenth and early twentieth century
German Agricultural Occupation of France and Ukraine, 1940–1944
Dieser Aufsatz vergleicht und vernetzt die nationalsozialistische landwirtschaftliche Ausbeutung von Frankreich und der Ukraine. Sie trägt zu unserem Verständnis der Prinzipien, Funktionsweise und Auswirkungen der Ernährungs- und Agrarpolitik im NS-Reich sowohl im Westen als auch im Osten bei. Wir befassen uns zunächst mit der allgemeinen Ernährungs- und Beschaffungspolitik des Dritten Reiches und wie sie sich auf die Völker und die Landwirtschaften in Europa unterschiedlich ausgewirkt hat: Wie haben die Nationalsozialisten eine Agrarpolitik für ihr ganzes Reich konzipiert, geplant und gestaltet? Wir zeigen, wie der Traum von einer autarken kontinentalen Wirtschaftsgemeinschaft („Großraumwirtschaft“), die Pläne zur Kolonisierung vor allem des Ostens, aber in geringerem Maße auch des Westens (der „Generalplan Ost“ in seinen verschiedenen Varianten) und der Wille, große Teile der sowjetischen Bevölkerung durch Hunger zu zerstören (der „Hungerplan“) sowohl in Visionen als auch in Umsetzungen miteinander interagierten. Zweitens vergleichen wir, wie deutsche Besatzer die landwirtschaftliche Ausbeutung in ihren wichtigsten landwirtschaftlichen Eroberungen durchführten. Wie haben deutsche Agronomen die Landwirtschaft der von ihnen dominierten Gebiete Ukraine und Frankreich verändert? Mit welchen Ergebnissen? Wir zeigen, dass sie sich in beiden Fällen in erheblicher Weise auf die existierenden Machtstrukturen stützten. Drittens unterstreichen wir die Zusammenhänge und Transfers zwischen diesen beiden Besatzungsregimen: die Praxis, Landarbeiter massenhaft umzusiedeln, um den Bedarf an Arbeitskräften in der Agrarproduktion zu decken, den Einsatz von deutschen „Landwirtschaftsführern”, die Tätigkeit der Landbewirtschaftungsgesellschaft Ostland sowohl in der besetzten Sowjetunion als auch im besetzten Frankreich und den Anbau der Gummipflanze Kok-sagyz.This paper compares and interconnects Nazi agricultural exploitation of Ukraine and France. It contributes to our understanding of the principles, workings, and implications of the food and agriculture policy in the Nazi empire both in the West and in the East. We are dealing first with the food and procurement policy of the Reich and how it diversely impacted peoples and agricultures in Europe: how did the Nazis imagine, plan, and craft an agricultural policy for their whole empire? Specifically we show how the dream of an autarkic continental economic community (“Großraumwirtschaft”), the plans to colonize mostly the East but to a lesser extent the West, too (the “Generalplan Ost” in its several variants), and the will to destroy large swathe of the Soviet population by starvation (the “Hungerplan”) interacted with one another both in visions and in implementations. Second, we compare how German occupants carried out agricultural exploitation of Ukraine and France, which were the main agricultural acquisitions of Nazi Germany. How did German agronomists set about to transform the agriculture of the countries they dominated? With what results? We show that both in the East and in the West they relied on existing administrative structures. Third, we underline connections and transfers between these two occupation regimes: the practice of forcibly and massively moving peasants to fit production needs, the institution of German agricultural managers to rule local farmers (“Landwirtschaftsführer”), the establishment of the Ostland farming company both in the occupied Soviet Union and occupied France, and the culture of the rubber-plant kok-sagyz
The Early Modern “Silk-Road”. The Role of European, Chinese, and Russian Trade Reassessed
Dieser Aufsatz untersucht den historischen und zeitgenössischen Ort des europäischen und asiatischen Handels im Kontext der sogenannten „Seidenstraße“. Der Erfolg und die Konkurrenz der heutigen chinesischen Wirtschaft wird als Ursache für die sinkende Bedeutung der westlichen Volkswirtschaften auf den Weltmärkten angesehen, aber die Realität ist und war in der Vergangenheit viel komplexer. War die Industrielle Revolution ein grundlegender Wendepunkt? Insbesondere in Zentralasien waren die institutionellen und wirtschaftlichen Beziehungen weitaus differenzierter, als man von der Vorstellung der „Seidenstraße“ als bloßer Ost-West-Transitroute annehmen könnte. In diesem Sinne betrachte ich die Zusammenhänge zwischen der maritimen und der Seidenstraße. Ich interpretiere die wachsende Präsenz Russlands auf den zentralasiatischen Märkten ab dem 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem chinesischen Vormarsch in Westasien. Die englischen Ambitionen und die englische Präsenz in Südasien (Indien) betrafen auch die zentralasiatischen Märkte und standen in direktem Wettbewerb mit der Expansion Russlands. Diese wirtschaftlichen und institutionellen Beziehungen haben die Geopolitik des 19. und 20. Jahrhunderts, in der sich das allgemeine Konzept der Seidenstraße entwickelte, tiefgreifend beeinflusst.This paper investigates the historic and contemporary place of European and Asian trade in the context of the so-called “Silk Road”. The success and the competition of the present-day Chinese economy is seen as the cause of the declining role of Western economies in world markets but the reality is and was much more complex in the past. Was the Industrial revolution a fundamental turning point? In Central Asia in particular the institutional and economic rapports were much more nuanced than one might be led to believe by the notion of the “Silk Road” as a mere route of East-West transit. It is with this in mind that I consider the rapports between the maritime road and the silk road. I interpret the growing presence of Russia in the Central Asian markets from the sixteenth century onwards in connection with the Chinese advance in Western Asia. The English ambition and presence in Southern Asia (India) was also concerned with central Asian markets and was in direct competition with Russian expansion. These economic and institutional rapports went on to have a deep influence on 19th and 20th century geopolitics, in which the general concept of the Silk Road developed