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Revisiting the nexus between poverty and health insurance through the lens of Universal Health Coverage in the Democratic Republic of Congo
This dissertation critically examines the progress and persistent challenges faced by the Democratic Republic of the Congo (DRC) in its pursuit of Universal Health Coverage (UHC), with a particular focus on financial risk protection, health outcomes, health insurance uptake, and the socioeconomic determinants that influence health insurance coverage. Employing a mixed-methods approach, the study analyses quantitative data from international and national sources, alongside qualitative insights derived from interviews and focus group discussions. The findings reveal that despite the DRC’s formal commitment to UHC, financial risk protection remains limited, with out-of-pocket expenditures disproportionately burdening the poorest households and health insurance coverage falling below 5%, primarily among wealthier, urban, and better-educated populations. Socioeconomic disparities, low levels of financial inclusion, and limited health literacy emerge as significant barriers to broader insurance uptake and equitable health outcomes. The research underscores the critical role of health insurance in advancing UHC, highlighting the need for increased government health spending, innovative and sustainable financing mechanisms, targeted subsidies, and enhanced financial and health literacy initiatives. The dissertation acknowledges limitations related to data quality, reliance on cross-sectional and self-reported data, and the scope of qualitative inquiry. It concludes by recommending future research employing longitudinal and mixed-methods designs to inform more effective policy interventions tailored to the needs of vulnerable groups in fragile health systems.Die vorliegende Dissertation untersucht kritisch die Fortschritte und anhaltenden Herausforderungen, mit denen die Demokratische Republik Kongo (DRK) auf ihrem Weg zur universellen Gesundheitsversorgung (Universal Health Coverage, UHC) konfrontiert ist. Im Mittelpunkt stehen dabei der finanzielle Risikoschutz, Gesundheitsoutcomes, die Inanspruchnahme von Krankenversicherungen sowie die sozioökonomischen Determinanten, die den Versicherungsschutz beeinflussen. Unter Anwendung eines Mixed-Methods-Ansatzes werden quantitative Daten aus internationalen und nationalen Quellen analysiert und durch qualitative Erkenntnisse aus Interviews und Fokusgruppendiskussionen ergänzt. Die Ergebnisse zeigen, dass trotz des formalen Bekenntnisses der DRK zur UHC der finanzielle Risikoschutz begrenzt bleibt. Insbesondere belasten Ausgaben aus eigener Tasche die ärmsten Haushalte überproportional, während die Krankenversicherungsquote mit weniger als 5 % vor allem unter wohlhabenderen, städtischen und besser gebildeten Bevölkerungsgruppen zu finden ist. Sozioökonomische Ungleichheiten, ein geringes Maß an finanzieller Inklusion sowie eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz erweisen sich als bedeutende Hürden für eine breitere Inanspruchnahme von Versicherungen und gerechtere Gesundheitsoutcomes. Die Forschung unterstreicht die zentrale Rolle von Krankenversicherungen für die Förderung der UHC und hebt die Notwendigkeit erhöhter staatlicher Gesundheitsausgaben, innovativer und nachhaltiger Finanzierungsmechanismen, gezielter Subventionen sowie verstärkter Initiativen zur Förderung finanzieller und gesundheitlicher Bildung hervor. Die Arbeit erkennt Einschränkungen hinsichtlich der Datenqualität, der Abhängigkeit von Querschnitts- und Selbstauskünften sowie des Umfangs der qualitativen Untersuchung an. Abschließend wird empfohlen, zukünftige Forschung mit Längsschnitt- und Mixed-Methods-Designs durchzuführen, um effektivere politische Maßnahmen zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse vulnerabler Gruppen in fragilen Gesundheitssystemen zugeschnitten sind
Untersuchungen zur Morphologie des Meatus acusticus externus im MRT und Darstellung möglicher Relationen zu Alter, Geschlecht, Größe, BMI und zu kieferorthopädischen Fehlstellungen
Der Meatus acusticus externus weist eine komplexe Morphologie mit großen interidividuellen Unterschieden auf. Obwohl die genaue Kenntnis über die Form wichtig für die Herstellung von Hörgeräten oder Gehörschutz ist, gibt es auf dem Gebiet noch wenig Forschung. Daher liefert diese Arbeit anhand einer großen Stichprobe der populationsbasierten SHIP-Studie Daten zu den Gehörgangsabmessungen und untersucht mögliche Einflussfaktoren. Hierzu wurden MTR-Aufnahmen von 1740 Gehörgängen im Bereich zwischen dem ersten und zweiten Knick des knorpeligen Anteils vermessen. Anschließend wurde der Einfluss von Geschlecht, Alter, Körpergröße, BMI und kieferorthopädischen Befunden auf die Größe des Gehörgangsquerschnitts untersucht. Im letzten Teil der Arbeit erfolgte eine dreidimensionale Rekonstruktion dreier exemplarisch ausgewählter Gehörgänge zur Visualisierung der individuellen morphologischen Unterschiede.
Die Ergebnisse zeigten eine durchnittliche Höhe von 8,62 mm rechts und 8,42 mm links. Die Breite betrug 4,08 mm rechts und 3,93 mm links. Dies führte zu einer berechneten Gehörgangsquerschnittsfläche von 28,63 mm2 rechts und 27,15 mm2 links. Männer hatten einen größeren Gehörgangsquerschnitt als Frauen. Im Alter nahm die Querschnittsfläche leicht ab. Der BMI korellierte leicht negativ mit dem Querschnitt, wobei die deskriptive Analyse große Querschnitte bei Probanden mit einem BMI am oberen Ende des Normalgewichts und mit leichtem Übergewicht zeigte. Hinsichtlich der Auswirkungen von kieferorthopädischen Fehlstellungen auf die Größe des Meatus gab es nur signifikante Zusammenhänge bei der Okklusion und dem linken Gehörgang und bei der sagittalen Schneidekantendistanz und dem rechten Gehörgang. Alle weiteren Befunde wirkten sich nicht signifikant auf die Gehörgangsgröße aus.
Der durchschnittliche Meatus acusticus externus zeigte einen ovalen Durchmesser, jedoch wichen einzelne untersuchte Exemplare stark von den ermittelten Mittelwerten ab. Diese Ergebnisse wurden durch eine dreidimensionale Rekonstruktion eines durchnittlichen, eines runden und eines sehr schmalen Gehörgangs visualisiert.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Meatus acusticus externus eine spezielle und individell unterschiedliche Morphologie aufweist, welche abhängig von verschiedenen Parametern, wie beispielsweise dem Geschlecht oder der Körpergröße ist. Es ist daher sinvoll, bei der Anpassung von Gehörschutz, oder Hörgeräten immer die individuelle Gehörgangsform zu ermitteln
Mono- vs. Kombinationstherapie bei Patienten mit pulmonal arterieller Hypertonie
Diese Arbeit untersucht retrospektiv die Therapieentscheidungen bei Patienten mit pulmonal arterieller Hypertonie (PAH) in einem spezialisierten Zentrum. Im Fokus steht der Vergleich zwischen Mono- und Kombinationstherapie unter Berücksichtigung von Risikostratifizierung, Komorbiditäten und PAH-Phänotypen. Es zeigt sich, dass Patienten mit typischer PAH und geringer Komorbiditätslast häufiger eine Kombinationstherapie erhalten, während bei atypischer PAH mit multiplen Begleiterkrankungen eher eine Monotherapie gewählt wird. Die Ergebnisse spiegeln die Diskrepanz zwischen Leitlinienempfehlungen vom 2015 und klinischer Praxis wider und unterstreichen die Notwendigkeit einer individualisierten Therapieentscheidung
Prospektive klinische Kohortenstudie zu Langzeitergebnissen nach allogener Stammzelltransplantation
Jährlich erhalten in Deutschland über 3.000 Patienten eine allogene
Stammzellentransplantation. Insbesondere das Wissen über Langzeitüberlebende, sprich mehr als 5 Jahre nach allogener Stammzelltransplantation, ist sehr begrenzt.
Es bestehen Wissenslücken in Bezug auf urologische Probleme wie akute
Komplikationen, chronische Nierenerkrankungen und Infektionen. Eine akute
Komplikation der Transplantation ist die durch das BK-Polyomavirus
verursachte BKPyV-assoziierte Nephropathie, die Nierenversagen auslösen
kann. Dies wirft die Frage auf, welche Rolle das BK-Polyomavirus bei
Langzeitüberlebenden spielt. Vor diesem Hintergrund wurde der Zusammenhang urologischer Schwierigkeiten und die Identifizierung von Risikofaktoren für BK-Polyomavirus-assoziierte Erkrankungen beleuchtet.
Auch hinsichtlich der Männergesundheit, einschließlich Hypogonadismus als
endokriner Komplikation und der männlichen Sexualfunktion, gibt es nur
wenige Daten. Aus diesem Grund wurde in dieser Subgruppenanalyse besonderes Augenmerk auf urologische Beschwerden und Gesundheitsprobleme bei Männern gelegt. Ziel war es, Zusammenhänge, Risikofaktoren und die Auswirkungen dieser Gesundheitsprobleme auf die Lebensqualität zu beleuchten.
Zur Klärung dieser Fragestellungen wurde eine einarmige, prospektive, unizentrische, nicht interventionelle Studie durchgeführt. Diese wurde nach den ENTREQ-Richtlinien (enhancing transparency in reporting the synthesis of qualitative research) konzipiert. Die statistischen Analysen erfolgten mit der Software Social Sciences Version 26.0 (SPSS Inc., Chicago, IL, USA), wobei
ein p-Wert von <0,05 als signifikant galt.
Bemerkenswert war, dass die BKPyV-Virurie signifikant mit bestehendem chronischen Nierenversagen (p=0,019) und damit einhergehenden erhöhten
Nierenwerten (Kreatinin >100μmol/L (p1,11mg/L
(p=0,021)) in Verbindung stand. Bei allen fünf Patienten mit diagnostizierter
BKPyV-Virurie wurde zudem ein relativer oder absoluter Mangel an T4
Helferzellen festgestellt.
Das häufigste urologische Problem der männlichen Studienteilnehmer war die
schwere erektile Dysfunktion, die signifikant mit einer akuten GvHD assoziiert
war. Alle Patienten mit akuter GvHD zeigten auch Hautveränderungen. Bei der
Untersuchung der Lebensqualität männlicher Patienten stellten sich Schmerzen und Schlaflosigkeit als wesentliche Symptome heraus, die das
Wohlbefinden beeinträchtigten.
Trotz des prospektiven Charakters weist die Studie einige Einschränkungen
auf, insbesondere eine mögliche Selektionsverzerrung durch das
unizentrische Design und die geringe Stichprobengröße.
Besonders hervorzuheben ist, dass bei allen Patienten mit BKPyV-Virurie ein
Mangel an T4-Helferzellen vorlag. Dies unterstreicht den Bedarf an weiteren
Untersuchungen, um eine gezielte Therapie für die BKPyV-assoziierte
Nephropathie zu entwickeln.
Diese Studie liefert die ersten Daten über die Gesundheit von Männern bei
Langzeitüberlebenden nach allogener Stammzelltransplantation. Auch in
diesem Bereich gibt es noch Wissenslücken, die weitere
Forschungsbemühungen erforderlich machen, da urologische Probleme die
allgemeine Gesundheit beeinträchtigen können
The Role of Winter in Ecosystem Functioning of North-Eastern European Beech Forests
Ecosystems in the temperate, boreal and arctic zone are strongly shaped by seasonal cycles. For many organisms, the main challenge is to withstand the harsh winter conditions, for others, water availability during summer is more critical. The climatic extremes significantly drive individual performance, but also shape biogeochemical and ecological processes. Under climate change, the seasonal dynamics are significantly altered with considerable effects on ecosystem functioning. For European beech (Fagus sylvatica L.), which dominates natural forests over large parts of Europe, increased probability of summer droughts has raised widespread concerns about growth declines in European beech. Warming, however, is most pronounced during winter. This may have significant implications particularly in the temperate zone, where temperatures cross the critical ecological threshold of 0°C, shifting precipitation from snow to rain and reducing soil insulation. Furthermore, overall winter precipitation is increasing, with uncertain consequences for forest ecosystems. The rapid climatic changes of recent decades have high¬lighted that winter is understudied compared to the other seasons. This PhD thesis therefore aims to address crucial knowledge gaps in the understanding of winter in temperate broad-leaved forests. The investigations were carried out in European beech forests of north-eastern Germany and northern Poland along natural gradients in winter temperatures and winter precipitation. Thanks to the study design, the findings are realistic and allow for conclusions representable for large parts of the north-eastern distribution range of European beech.
A large-scale field experiment simulated winter climate change by excluding snow and adding precipitation to single mature target trees (Manuscript I and II). Various ecosystem processes were analysed along gradients of winter precipitation and soil temperature, achieved by both natural differences between the sites and experimental manipulation (Manuscript I). Wetter winters induced a positive effect of soil warming on net fine root growth during winter and aboveground tree growth was adjusted to long-term winter precipitation. Specifically, radial growth rates increased exponentially by 2.7% relatively to its actual value per mm long-term winter precipitation, what corresponds to 45 µm yr⁻¹ mm⁻¹ at intermediate growth rates. This suggests that increased winter precipitation could at least partially compensate for summer droughts. The importance of this effect is expected to increase with ongoing climate change. However, soil cooling as a consequence of decreased snow insulation is still a risk factor in cold-temperate forests, particularly during wetter future winters. Winter precipitation and soil temperatures also affected decomposition rates, suggesting community shifts in the microbiome, with uncertain feedbacks on primary production. Nitrate and sulfate availability increased during winter in response to more precipitation likely due to higher deposition rates (Manuscript II). More than 80% of additional nutrients, however, were leached within winter and therefore not available for plants during the growing season. Instead, the main ecological con¬sequences of these high leaching rates may be soil acidification and groundwater pollution.
Field monitoring of fine root length over two consecutive years (Manuscript III) assumed that winter was not the main challenge, presumably due to a lack of soil frost. Specifically, root length density was 40% higher at the beginning of winter and 51% higher at the end of winter compared to summer. Fine root length did not reduce neither increase over winter. Instead, dry summers posed a significant challenge for roots, and this even at the north-eastern edge of the species' distribution range. The drastic decrease in fine root length over the dry periods of the year and no trend towards deeper root growth are worrying signals in terms of climate change. Also, winter precipitation does not promote belowground growth during this time (Manuscript I). Quick compensatory growth after periods of fine root loss, however, demonstrates a strong ability to recover as soon as conditions become more favourable. The results highlight the immense seasonal variability in fine root length in temperate forests and indicate that fine root dynamics are less predictable than previously assumed.
This thesis also moved forward some methodological challenges in ecological research. Manuscript III includes the results of an experiment which showed that the AI RootDetector used for automatic analysis of the minirhizotron pictures was unaffected by changes in soil moisture. This confirms that the minirhizotron technique with artificial image analysis is a promising tool for belowground research. Manuscript IV provides a guideline for designing experiments in an appropriate and effective way. A literature study revealed that researchers have predominantly applied replicated designs for ecological experiments, even if the main goal of the study was to characterize the response pattern of underlying drivers. Advantages of gradient designs and corresponding analyses, as applied in Manuscript I, are outlined.
Overall, this PhD-thesis provides evidence that it is crucial to consider winter precipitation when modelling biogeochemical and ecological processes in temperate broad-leaved forests in times of climate change. Tree growth patterns suggest that wetter winters could enhance the ability of European beech to cope with climate change, at least in regions where soils get warmer. The root system remains vulnerable to winter soil cooling and to summer conditions, but the high seasonal variability in fine root length may be a possibility of beech to adapt to changing conditions.Ökosysteme in der gemäßigten, borealen und arktischen Zone sind stark durch jahreszeitliche Zyklen geprägt. Durch den Klimawandel werden die saisonalen Dynamiken deutlich verändert, mit erheblichen Auswirkungen auf die Funktionsweise von Ökosystemen. In Wäldern der gemäßigten Zone hat die zunehmende Sommertrockenheit Bedenken hinsichtlich Wachstumseinbußen ausgelöst, während die Bedeutung der winterlichen Veränderungen bislang deutlich geringer eingeschätzt wurde. Winterliche Erwärmung könnte jedoch insbesondere in der gemäßigten Zone bedeutende Folgen haben, wenn Temperaturen den kritischen ökologischen Schwellenwert von 0 °C überschreiten, Niederschläge von Schnee zu Regen übergehen und dadurch die Bodenisolierung abnimmt. Prognosen sagen voraus, dass neben der Erwärmung die Gesamtniederschlagsmenge im Winter zunimmt.
Ziel dieser Dissertation ist es, die Rolle des Winters in Laubwäldern der gemäßigten Breiten besser zu verstehen. Die Forschung fand in Buchenwäldern Nordostdeutschlands und Nordpolens statt und die Ergebnisse sind für weite Teile des nordöstlichen Verbreitungsgebietes der Rotbuche (Fagus sylvatica L.) repräsentativ. Ein großflächiges Freilandexperiment simulierte den winterlichen Klimawandel durch Schneeausschluss kombiniert mit erhöhter Regenwasserzufuhr an ausgewachsenen Rotbuchen (Manuskript I und II). Verschiedene Ökosystemprozesse wurden entlang von Gradienten des Winterniederschlags und der Bodentemperatur analysiert, die sowohl durch natürliche Unterschiede zwischen den Standorten als auch durch experimentelle Manipulation erreicht wurden (Manuskript I). Feuchtere Winter verstärkten den positiven Effekt der Bodenerwärmung auf das Feinwurzelwachstum, und das oberirdische Baumwachstum war an die langfristigen Winterniederschläge angepasst. Radiale Zuwachsraten stiegen exponentiell um 2,7 % pro Millimeter langfristigen Winterniederschlags, was 45 µm Jahr⁻¹ mm⁻¹ bei mittleren Wachstumsraten entspricht. Dies deutet darauf hin, dass erhöhte Winterniederschläge Sommertrockenheit teilweise kompensieren könnten. Kältere Böden durch weniger Schnee bleiben jedoch ein Risikofaktor in kalt-gemäßigten Wäldern, insbesondere in feuchteren Wintern. Winterniederschläge und Bodentemperaturen beeinflussten zudem die Zersetzungsraten, was auf Veränderungen in der Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaft schließen lässt, mit möglichen Rückkopplungen auf die Primärproduktion. Die Verfügbarkeit von Nitrat und Sulfat stieg im Winter mit zunehmenden Niederschlägen vermutlich infolge höherer Eintragsraten (Manuskript II). Allerdings wurden mehr als 80 % der zusätzlichen Nährstoffe bereits vor Beginn der Vegetationsperiode ausgewaschen. Die Folge hoher Auswaschraten sind Bodenversauerung und Grundwasserbelastung.
Feinwurzel-Analysen über zwei Jahre (Manuskript III) zeigten, dass der Winter nicht die größte Herausforderung darstellte, vermutlich aufgrund fehlenden Bodenfrosts. Die Wurzellängendichte war zu Winterbeginn um 40 % und zum Winterende um 51 % höher als im Sommer und veränderte sich im Laufe des Winters kaum. Dürreperioden im Sommer führten dagegen zu einer erheblichen Belastung, und dies selbst am nordöstlichen Rand des Verbreitungsgebietes der Art. Der drastische Rückgang der Feinwurzellänge während der Trockenheit ist im Hinblick auf den Klimawandel ein alarmierendes Signal, zumal diese Tendenz nicht nur an der Oberfläche, sondern bis in 50 cm Tiefe beobachtet wurde. Starkes kompensatorisches Wachstum nach Trockenphasen zeigt jedoch eine hohe Regenerationsfähigkeit, sobald die Bedingungen wieder besser sind. Die Ergebnisse verdeutlichen die enorme saisonale Variabilität und geringe Vorhersehbarkeit der Feinwurzeldynamik.
Manuskript IV liefert den methodischen Hintergrund für das Design ökologischer Experimente und beantwortet die Frage, wie eine begrenzte Gesamtzahl von Proben idealerweise für die Replikation im Vergleich zur Anzahl der beprobten Lokationen entlang eines Umweltgradienten genutzt werden sollte. Eine Literaturrecherche zeigte, dass überwiegend replizierte Designs verwendet werden, obwohl Gradienten-Designs, wie in Manuskript I angewandt, klare Vorteile bei der Quantifizierung von Reaktionen auf Umweltveränderungen bieten.
Diese Dissertation zeigt auf, dass Winterniederschläge bei der Modellierung biogeochemischer und ökologischer Prozesse in Laubwäldern der gemäßigten Zone im Kontext des Klimawandels eine entscheidende Rolle spielen. Die Reaktionsmuster des Baumwachstums deuten darauf hin, dass feuchtere Winter die Fähigkeit der Rotbuche verbessern könnten, mit dem Klimawandel umzugehen, zumindest in Regionen, in denen sich die Böden erwärmen. Das Wurzelsystem bleibt anfällig gegenüber niedrigen Bodentemperaturen im Winter und gegenüber den Sommerbedingungen, doch die hohe saisonale Variabilität der Feinwurzeln könnte es der Buche ermöglichen, sich an veränderte Bedingungen anzupassen
Mundgesundheitsbezogene Lebensqualität im Kontext kieferorthopädischer Behandlungen
Die vorliegende multizentrische klinische Querschnittsstudie thematisiert die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität in der Kieferorthopädie von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10–17 Jahren, anhand des COHIP-SF19 und angepassten OHIP-G5. Die Fragebögen sind validierte und international verwendete Instrumente zur Erfassung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Durch die breite Altersspanne der Kinder und Jugendlichen war es möglich die 2. Wechselgebissphase bis zur permanenten Dentition zu beleuchten. In dieser Altersspanne beginnt, unter Berücksichtigung der gesetzlich Versicherten, im Sinne des § 29, SGB V (§ 29, SGB V, 1988), die kieferorthopädische Therapie im Regelfall.
Die Korrelationsanalyse diente zum Vergleich beider Fragebögen in ihrer Gesamtheit und bezüglich ihrer Subdomänen. Überdies bestand die Intention darin, den OHIP-G5, der bereits zuvor als „off-label“ für Kinder und Jugendliche unter sechzehn Jahren in zahlreichen Studien verwendet wurde, im Falle einer Korrelation, zukünftig in die kieferorthopädische Praxis zu integrieren. Zudem wurde untersucht, ob die Parameter wie das Alter, das Geschlecht, die Dentition, der Behandlungsort, der Behandlungszeitpunkt, der Zahnfehlstellungsschweregrad oder die Untergruppen der KIG-Klassifikation einen Einfluss auf den COHIP-SF19 oder den OHIP-G5 haben. Ein besonderer Fokus lag hierbei in der Untersuchung, ob Unterschiede bezüglich kieferorthopädischer Praxen und der Universitätszahnklinik bestehen. In der Literatur konnte eine diesbezügliche Untersuchung bisher noch nicht gefunden werden.
Die Kinder und Jugendlichen füllten die Fragebögen (COHIP-SF19 und OHIP-G5) selbstständig in den Praxen oder der Universitätszahnklinik aus. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, im Falle eines Zeitmangels innerhalb der Einrichtung, den Fragebogen zuhause auszufüllen.
Des Weiteren wurden die Kinder und Jugendlichen durch den jeweiligen Behandler in der Einrichtung, anhand eines modifizierten Untersuchungsbogen nach EFAFU, befundet. Der umfangreiche Untersuchungsbogen diente zur Integration möglichst vieler Zahnfehlstellungen.
Zur Erhebung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden die Summenscores beider Fragebögen ermittelt. Mittel-, Minimal- und Maximalwerte, sowie die Streuung wurden für beide Fragebögen und das Alter berechnet. Darüber hinaus wurden prozentuale Häufigkeiten für die Antworten der Fragebögen, sowie für die zu untersuchenden Parameter ermittelt. Die Zusammenhänge der kontinuierlich normalverteilten Parameter wurden mittels t-Tests ermittelt. Für die kontinuierlichen nicht normalverteilten Parameter wurden Kruskal-Wallis-Tests durchgeführt. Der Chi²-Test nach Pearson diente zur Überprüfung der Zusammenhänge der kategoriellen Parameter. Die Parameter, die einen signifikanten Zusammenhang in den oben genannten Tests zeigten, wurden durch lineare multivariate Regressionsmodelle, welche durch potenzielle Confounder adjustiert wurden, nochmalig auf Zusammenhänge überprüft.
Insgesamt wurden 224 Studienteilnehmende untersucht. Davon waren 56 % weiblichen und 44 % männlichen Geschlechts. In der permanenten Dentition waren 74,11 % und in der 2. Wechselgebissphase lediglich 25,89 %. Insgesamt befanden sich 63,39 % in Behandlung der Universitätszahnklinik in Greifswald. In der Praxis von Dr. Müller in Greifswald befanden sich 29,64 % und in der Praxis von Dr. Eigenwillig in Brandenburg 7,14 %. Die meisten Probanden befanden sich mit 63,84 % in aktueller kieferorthopädischer Therapie. Der kieferorthopädische Versorgungsbedarf lag bei 56,70 %. Am häufigsten wiesen die untersuchten Probanden Zahnfehlstellungen in den KIG S mit Durchbruchsstörungen von 22,77 %, gefolgt vom Engstand in der Front mit 14,29 %, der sagittalen Stufe distal mit 13,39 % und dem Platzmangel von 12,95 % auf. Die Schmerzprävalenzen manifestierten sich als sehr gering. Eine unphysiologische Mundatmung konnte bei 4,91 % und eine habituelle Mundöffnung von 10,27 % der Probanden festgestellt werden. Zudem manifestierte sich eine subjektiv hohe mundgesundheitsbezogene Lebensqualität anhand der Gesamtsummenscores beider Fragebögen.
Die Ergebnisse der Korrelationsanalyse zeigten einen starken Zusammenhang der Gesamtsummenscores beider Fragebögen. Gleichzeitig korrelierte die social-emotional well-being Subdomäne und das Aussehen am stärksten mit dem COHIP-SF19 und dem OHIP-G5.
In der folgenden adjustierten multivariaten Regressionsanalyse konnte lediglich ein signifikanter Zusammenhang der KIG M auf den COHIP-SF19 und der KIG T auf den OHIP-G5 bestätigt werden. Alle anderen Zusammenhänge erwiesen sich als nicht stabil und entfielen, wenn andere kieferorthopädische Kofaktoren mit einbezogen wurden. Demnach lag kein Unterschied zwischen den kieferorthopädischen Praxen und der Universitätszahnklinik vor. Für Lücken in der Front sowie im Seitenzahnbereich konnte ebenfalls kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden.
Anhand der Ergebnisse der vorliegenden Studie, im Vergleich zu den einerseits kongruenten, andererseits abweichenden Ergebnissen anderer Studien, spiegelt sich der komplexe Begriff der Lebensqualität mit seiner Multidimensionalität und seinem individuellen Charakter wider. Hinsichtlich einer patientenorientierten Zahnmedizin und kieferorthopädischen Behandlung liefern die Ergebnisse daher einen wertvollen Überblick und Grundlagen für weitere Untersuchungen
Die Interaktion transkriptioneller Aktivatoren mit Coaktivatoren der Hefe Saccharomyces cerevisiae im Kontext einer dynamischen Chromatinregulation
Die Dynamik der eukaryotischen Chromatinstruktur beeinflusst maßgeblich die Zugänglichkeit der DNA für die Transkriptionsmaschinerie, wobei Histone und DNA entweder direkt chemisch modifiziert werden oder die Position und Zusammensetzung der Nukleosomen moduliert wird. Chromatinremodellierungskomplexe wie SWI/SNF, RSC und INO80 sind für die Umstrukturierung des Chromatins verantwortlich, da sie ATP-abhängig Nukleosomen repositionieren und dadurch Promotorregionen zugänglich machen, sodass Transkriptionsstartstellen freigelegt werden, welche für die Initiierung der Transkription essenziell sind. Sie stehen dabei in direktem Kontakt mit den Transkriptionsaktivierungsdomänen (TADs) transkriptioneller Aktivatoren, wodurch es den Chromatinremodellierungskomplexen möglich ist, die Transkription spezifischer Gene über das Verschieben von Nukleosomen oder den Austausch von Histonvarianten zu regulieren. In dieser Arbeit wurde das komplexe Wechselwirken verschiedener Chromatinremodellierungskomplexe mit transkriptionellen Aktivatoren der Hefe Saccharomyces cerevisiae untersucht. Dabei standen insbesondere der Aktivator der Phospholipid-Biosynthese Ino2 und das humane Protoonkoprotein c-Myc im Fokus. Die beiden Aktivatoren ähneln sich in ihrer Struktur und sind zur DNA-Bindung auf ihre jeweiligen Partner Ino4 bzw. Max angewiesen. Es wurde gezeigt, dass der transkriptionelle Säuger-Aktivator c-Myc über seine beiden N-terminalen TADs auch Kontakt zu zahlreichen Coaktivatoren der Hefe aufnehmen kann. Obwohl c-Myc/Max eine signifikante Genaktivierung durch die Ino2/Ino4-Bindestelle ICRE („inositol/choline response element“) vermitteln kann, reicht diese nicht aus, um einen Verlust vonIno2/Ino4 in der Hefe zu kompensieren, trotz der Interaktion mit Hefe-Coaktivatoren. In dieser Arbeit wurde durch affinitätschromatographische GST-„Pulldown“ Untersuchungen gezeigt, dass sowohl die ATPase Swi2 als auch die Untereinheiten Swi1, Snf5 und Snf6 des Chromatinremodellierungskomplexes SWI/SNF mit beiden TADs von Ino2 wechselwirken können. Für Swi1, Swi2 und Snf5 wurden Aktivatorbindedomänen (ABDs) präzise kartiert. Diese redundanten Interaktionen erklären, weshalb die Deletion der ABD von Swi2 zu keinem Funktionsverlust des Komplexes führt. Ferner wurde durch Chromatin-Immunopräzipitation (ChIP) gezeigt, dass Swi2 in Abhängigkeit des Aktivators Ino2 an ICRE-haltigen Promotoren vorliegt. Da auch die Chromatinremodellierungskomplexe RSC und INO80 in der Lage sind, Nukleosomen zu verschieben, wurden etwaige Aktivatorkontakte der entsprechenden ATPasen Sth1 und Ino80 in dieser Arbeit genauer betrachtet. Für beide ATPasen konnten Kontakte zu Ino2 sowie zu weiteren Aktivatoren nachgewiesen und die verantwortliche ABD kartiert werden. Deletionsstudien zeigten, dass die ABDs beider ATPasen für die biologische Funktion der jeweiligen Komplexe essentiell sind, wenngleich nicht völlig ausgeschlossen ist, dass die Funktionsverluste auf fehlerhafter Assemblierung der Komplexe beruhen. Für Sth1 konnte durch den Austausch evolutionär konservierter basisch/hydrophober Aminosäuren ein ABD-Kernbereich identifiziert werden, der für die Funktion des Komplexes in vivo und in vitro essentiell ist. Bei Ino80 könnte der Funktionsverlust zudem auf die Überlappung seiner ABD mit anderen funktionellen Domänen (Bindung an DNA bzw. Actin) zurückzuführen sein.
Neben der Chromatinremodellierung ist auch die Modifizierung der Histone, z. B. die Histonacetylierung durch die Komplexe SAGA oder NuA4, ein zentraler Aspekt der Chromatindynamik. In dieser Arbeit wurde daher auch die Bindung von Ino2 an die strukturgebende Untereinheit Tra1 von SAGA und NuA4 untersucht. Tra1 ist in der Lage, über eine Solenoid-Struktur seiner repetitiv aufgebauten HEAT-Domäne Aktivatoren zu binden. Es wurde gezeigt, dass auch Ino2 an diese HEAT-Domäne bindet. Im Gegensatz zur Aktivatorbindung von Chromatinremodellierungskomplexen ist diese jedoch keiner spezifischen ABD im klassischen Sinne zuzuordnen, sondern stattdessen von einer Mindestanzahl an Repetitionen abhängig. Die HEAT-Domäne könnte daher als universelle Plattform für Aktivatorkontakte fungieren.
Diese Arbeit beleuchtet die vielfältigen Interaktionen zwischen genspezifischen Transkriptions-faktoren und Coaktivatoren. Es wurde gezeigt, dass Ino2 über seine TADs sowohl die ATPasen verschiedener Chromatinremodellierungskomplexe als auch weitere Untereinheiten des SWI/SNF-Komplexes binden kann, während andere Transkriptionsfaktoren ihre Bindungspartner mannigfaltig variieren. Ferner zeigt diese Arbeit, dass saure TADs auch artübergreifend mit Coaktivatoren interagieren können, was auf flexible Bindungsmechanismen und variable Konformationszustände der TADs hinweist. Diskutiert wird derzeit, welche strukturellen und biochemischen Eigenschaften der TADs ihren Bindungscharakter bestimmen. Insgesamt unterstreicht diese Arbeit die hohe Plastizität der TADs sowie ihr vielgestaltiges Wechselwirken mit den ABDs der Coaktivatoren, was für die Regulation der Genexpression entscheidend ist.The dynamics of eukaryotic chromatin structure significantly affects the accessibility of DNA for the transcriptional machinery. Histones and DNA can be either chemically modified or position and composition of nucleosomes may be modulated. Chromatin remodelling complexes such as SWI/SNF, RSC and INO80 are responsible for chromatin restructuring by ATP-dependent repositioning of nucleosomes, thereby making promoter regions accessible and exposing transcriptional start sites which are essential for the initiation of transcription. These complexes directly interact with transcriptional activation domains (TADs) of transcriptional activators, allowing them to regulate the transcription of specific genes by shifting nucleosomes or exchanging histone variants.
This study investigated the complex interactions of various chromatin remodelling complexes with transcriptional activators in the yeast Saccharomyces cerevisiae. Particular attention was given to the phospholipid biosynthetic activator Ino2 and the human proto-oncogene c-Myc. These two activators are structurally similar and rely on their respective partners, Ino4 and Max, for DNA binding. It was demonstrated that two N-terminal TADs of mammalian activator c-Myc can also interact with yeast-specific coactivators. Although c-Myc/Max mediatessubstantial gene activation in yeast via the ICRE motif (inositol/choline response element) asthe binding site of Ino2/Ino4 and despite c-Myc interaction with yeast coactivators, bothmammalian proteins are unable to compensate for a loss of Ino2/Ino4.
Affinity chromatographic GST-pulldown studies performed in this work could demonstrate that the ATPase Swi2 as well as subunits Swi1, Snf5 and Snf6 of the chromatin remodelling complex SWI/SNF interact with both TADs of Ino2. Activator binding domains (ABDs) were precisely mapped for Swi1, Swi2 and Snf5. Such redundant interactions explain why SWI/SNF is still functional after deletion of the Swi2 ABD. Chromatin immunoprecipitation (ChIP) experiments finally revealed Ino2-dependent recruitment of ATPase Swi2 to ICRE-containing promoters.
Since chromatin remodelling complexes RSC and INO80 can also relocate nucleosomes, activator binding of the respective ATPases Sth1 and Ino80 was investigated in detail. Both ATPases could indeed contact Ino2 as well as additional unrelated activators and ABDs were mapped in both proteins. Deletion studies provided strong evidence that the ABDs of both ATPases are essential for the biological function of the respective complex. However, it cannot be excluded that the loss of function is due to faulty assembly of the complex. For Sth1, a core
region of the ABD essential for the function of the complex in vivo and in vitro was identified by site-directed exchange of evolutionary conserved basic/hydrophobic amino acids. For Ino80, the essential function of the ABD can be also explained by its overlap with distinct functional domains responsible for DNA binding or contacting actin.
In addition to chromatin remodelling, histone modification (such as histone acetylation by complexes SAGA or NuA4) is also an important aspect of chromatin dynamics. Therefore, the binding of Ino2 to the structural subunit Tra1 of SAGA and NuA4 was also investigated in this work. Tra1 can bind activators via a solenoid structure of its repetitive HEAT domain. It could be shown that Ino2 also binds to this HEAT domain. Unlike the activator binding of chromatin remodelling complexes, this binding is not attributed to a specific ABD in the classical sense but depends on a specific number of repeats. The HEAT domain may therefore act as a universal platform for activator contacts.
This study highlights the various interactions between gene-specific transcription factors and coactivators. It was shown that TADs of Ino2 can bind ATPases of various chromatin remodelling complexes as well as different subunits of the SWI/SNF complex, while other transcription factors vary their binding partners. Furthermore, this study demonstrates that acidic TADs can interact with coactivators across species, indicating flexible binding mechanisms and variable conformational states of TADs. The structural and biochemical properties of TADs determining their binding characteristics are currently being discussed. Overall, this work underscores the high plasticity of TADs and their diverse interactions with coactivators which are crucial for the regulation of gene expression
Investigating protective immune responses against SARS-CoV-2 infections in small animal models
During the SARS-CoV-2 pandemic, different viral variants emerged with distinct
transmissibility, pathogenicity, and immune evasion features. Although these traits
were reflected in the pandemic course, knowledge about immunity against the
emerging variants remained limited and lagged behind. Information about early
antiviral immunity mainly came from blood or tissue samples of individuals who died
from COVID-19, which cannot fully reflect local protective immune responses during
acute SARS-CoV-2 infections. This thesis utilized small animals to model COVID-19 in
humans and used it afterward to test mRNA vaccine efficacy. The aim was to gain
insights into early immune responses after SARS-CoV-2 infection and mRNA-induced
protective immunity in various tissues, which is challenging to accomplish in humans.
Publication I demonstrates that infection of K18-hACE2 mice with ancestral SARS-CoV-
2, Beta, or Delta VOC results in unique patterns of viral dissemination into the lungs
and distinct inflammatory responses within the first 5 days post-infection (DPI). The
Beta variant spread to the lungs earlier and caused higher levels of inflammatory
cytokines and more significant infiltration of innate immune cells than the ancestral
SARS-CoV-2. Adaptive immune responses were detected within 7 DPI and were
associated with lower viral burden, suggesting a potential role in clearing the infection.
The depletion of B and T cells allowed correlating viral clearance with virus-specific
antibody levels and T cell responses. While innate immune responses differed among
SARS-CoV-2 variants, adaptive responses developed similarly, suggesting a potential
target for pan-variant countermeasures. Publication II indicates that low-dose mixed
mRNA vaccines, containing half the amount of each monovalent vaccine, produce
similar levels of neutralizing antibodies and virus-specific T cells in the lungs, protecting
K18-hACE2 mice from lethal disease. The vaccination of Wistar rats showed that
bivalent vaccination can elicit neutralizing antibodies against different variants (e.g.,
BA1 and BA.5) that are not included in the vaccine formulation. The study suggests that
alternative vaccination strategies could generate cross-protective immunity, helping to
overcome immune evasion by SARS-CoV-2 variants. Publication III investigates
protective immunity against SARS-CoV-2 upon mRNA vaccination in a mouse model
with restricted B cell responses, commonly seen in vaccinated individuals with
immunodeficiencies. It demonstrates that T cells can compensate for the lack of serum
antibodies to prevent sublethal disease in mice. Serum antibody levels correlated with
reduced disease severity and mRNA vaccine-induced IgG limited viral replication in the
nasal conchae, indicating a potential role in protecting from virus transmission.
This thesis provides valuable insights into protective immune responses against
infection with various SARS-CoV-2 variants and upon mRNA vaccination and informs
about vaccination strategies to overcome immune escape. The numerous
experimental studies within this thesis are essential for characterizing emerging viral
variants and developing effective vaccines. These findings offer valuable insights that
can guide the development of effective countermeasures to combat immune evasion
by future SARS-CoV-2 variants.Während der SARS-CoV-2-Pandemie entwickelten sich verschiedene virale Varianten,
die unterschiedliche Übertragbarkeiten, Pathogenitäten und Eigenschaften zur
Immunflucht aufwiesen. Trotz der sich verändernden Merkmale der SARS-CoV-2
Varianten blieb das Wissen über die Immunität gegenüber diesen begrenzt und
entwickelte sich nur langsam weiter. Informationen zur frühen antiviralen Immunität
stammten überwiegend aus Blut- oder Gewebeproben von Personen, die an COVID-19
verstorben waren. Diese Daten reflektieren jedoch nicht vollständig die lokalen
Schutzreaktionen des Immunsystems während akuter SARS-CoV-2-Infektionen. Die
vorliegende Arbeit nutzte Kleintiermodelle, um COVID-19 beim Menschen zu
modellieren und untersuchte in diesen die Wirksamkeit von mRNA-Impfstoffen. Ziel
war es, Einblicke in frühe Immunreaktionen nach einer SARS-CoV-2-Infektion sowie in
die mRNA-induzierte Immunität in verschiedenen Geweben zu erhalten, was beim
Menschen schwer zu erfassen ist. Publikation I zeigt, dass die Infektion von K18-
hACE2-Mäusen mit dem ursprünglichen SARS-CoV-2 sowie den Beta- oder Delta-
Varianten zu einer unterschiedlichen viralen Ausbreitung in die Lunge und
verschiedenen Entzündungsreaktionen innerhalb der ersten fünf Tage nach der
Infektion führt. Die Beta-Variante breitete sich schneller in die Lunge aus, verursachte
höhere Spiegel an Entzündungsmediatoren und eine signifikante Infiltration von
angeborenen Immunzellen im Vergleich zum ursprünglichen SARS-CoV-2 (BavPat1).
Adaptive Immunantworten wurden innerhalb von sieben Tagen nach der Infektion
nachgewiesen und waren mit einer geringeren Viruslast verbunden, was auf eine
mögliche Rolle bei der Abwehr der Infektion hindeutete. Die Depletion von B- und TZellen
ermöglichte es, die Viruselimination mit virus-spezifischen Antikörpern und TZell-
Antworten zu korrelieren. Während die angeborenen Immunantworten zwischen
den SARS-CoV-2-Varianten variierten, entwickelten sich die adaptiven Antworten
ähnlich, was auf ein mögliches Ziel für Varianten-übergreifende Gegenmaßnahmen
hinweist. Publikation II zeigt, dass niedrig dosierte, bivalente mRNA-Impfstoffe, die
jeweils die Hälfte der Menge eines monovalenten Impfstoffs enthalten, vergleichbare
Titer an neutralisierenden Antikörpern und virus-spezifischen T-Zellen in der Lunge
erzeugen wie monovalente Impfstoffe und K18-hACE2-Mäuse vor tödlichen
Erkrankungen schützen. Die Impfung von Wistar-Ratten ergab, dass eine bivalente
Impfung neutralisierende Antikörper gegen verschiedene Varianten (z.B. BA.1 und
BA.5) hervorrufen kann, obwohl deren S-Protein nicht in der Impfstoffformulierung
enthalten ist. Die Studie legt nahe, dass alternative Impfstrategien eine
Kreuzimmunität erzeugen könnten, um die Immunflucht durch SARS-CoV-2-Varianten
zu überwinden. Publikation III untersucht den Schutz vor SARS-CoV-2 durch mRNA-Impfung in einem Mausmodell mit eingeschränktem B-Zell-Repertoire, wie es bei
Personen mit Immundefizienzen vorkommen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass TZellen
den Mangel an Serumantikörpern ausgleichen können, um subletale
Erkrankungen bei Mäusen zu verhindern. Serumantikörperspiegel korrelierten mit
einer verminderten Schwere der Erkrankung, und durch mRNA-Impfstoff induziertes
IgG begrenzte die Virusreplikation in den Nasenmuscheln, was auf eine mögliche Rolle
beim Schutz vor der Virusübertragung hinweist.
Diese Arbeit bietet wertvolle Einblicke in die Schutzreaktionen des Immunsystems
gegen verschiedene SARS-CoV-2-Varianten oder nach mRNA-Impfung. Die Dissertation
informiert über Impfstrategien zur Überwindung der Immunflucht durch neue
Virusvarianten. Die zahlreichen experimentellen Studien in dieser Arbeit sind
entscheidend für die Charakterisierung sich verändernder Virusvarianten und die
Entwicklung effektiver Impfstoffe. Die Erkenntnisse dieser Dissertation bieten wichtige
Grundlagen für die Gestaltung wirksamer Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung der
Immunflucht durch zukünftige SARS-CoV-2-Varianten
Wahrnehmung und Umgang mit Kindesmisshandlung und -vernachlässigung Eine Befragung von Lehrer*innen sowie Ärzt*innen
Die vorliegende Studie analysierte die Wahrnehmung und das Wissen von Ärzt*innen und Lehrer*innen bezüglich Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass beide Berufsgruppen regelmäßig mit solchen Fällen konfrontiert sind, jedoch erhebliche Unterschiede in ihrem Wissensstand, ihrer Ausbildung und ihrer Einschätzung der Schweigepflicht bestehen.
Diese Erkenntnisse lassen sich in mehrere Themenschwerpunkte unterteilen, die spezifische Aspekte der Problematik beleuchten.
Beide Berufsgruppen erkennen dringend die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und fordern die Integration von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung als festen Bestandteil in die berufliche Ausbildung sowie regelmäßige Weiterbildungen. Die Ergebnisse betonen die breite Unterstützung für die Implementierung klarer und allgemein gültiger Richtlinien im Umgang mit Verdachtsfällen.
Besonders auffällig sind die Unterschiede in der Selbstwahrnehmung des Informationsstands: Während ein Großteil der Ärzt*innen angibt, ausreichend informiert zu sein, zeigt sich bei den Lehrer*innen ein deutlich höherer Bedarf an zusätzlichen Informationen und Schulungen. Diese Diskrepanz unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Fortbildungsmaßnahmen, um die Handlungssicherheit und das Wissen zu verbessern. Ebenso werden Herausforderungen im Umgang mit der Schweigepflicht deutlich, die durch klare Richtlinien und Schulungen gelöst werden müssen.
Die vorliegenden Ergebnisse legen nahe, dass weitere Forschung erforderlich ist, um verschiedene Aspekte der Kindesmisshandlung und -vernachlässigung tiefergehend zu untersuchen und praxisrelevante Erkenntnisse zu gewinnen. Zukünftige Studien könnten sich beispielsweise auf folgende Bereiche konzentrieren:
1. Effektivität von Schulungen und Weiterbildungen: Es wäre von großem Interesse, die langfristige Wirksamkeit von Schulungsprogrammen zur Früherkennung und Intervention von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung zu evaluieren. Dabei könnten verschiedene Schulungsformate und deren Einfluss auf das Wissen, die Selbstwahrnehmung und das Verhalten der Fachkräfte verglichen werden.
2. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und Netzwerkbildung: Eine vertiefte Untersuchung der Zusammenarbeit zwischen Ärzt*innen, Lehrer*innen und anderen Fachkräften im Kinderschutz könnte aufzeigen, wie Netzwerke effektiv gestaltet werden können, um die Identifikation und Unterstützung betroffener Kinder zu verbessern.
3. Einfluss externer Faktoren: Es wäre wichtig, externe Faktoren wie gesetzliche Rahmenbedingungen, kulturelle Unterschiede und sozioökonomische Einflüsse auf die Wahrnehmung und das Handeln bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung zu untersuchen. Dies könnte helfen, maßgeschneiderte Interventionen und Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln.
4. Langzeitfolgen und präventive Maßnahmen: Langfristige Studien zur Erfassung der Langzeitfolgen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung sowie präventiver Maßnahmen könnten Einblicke in die langfristigen gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen bieten und die Effektivität von Präventionsansätzen evaluieren.
Die Berücksichtigung dieser Aspekte könnte dazu beitragen, die Fachkräfte im Kinderschutz besser zu unterstützen, die Versorgung betroffener Kinder zu optimieren und langfristig positive Veränderungen im Umgang mit Kindesmisshandlung und -vernachlässigung zu fördern
Klinisch-anatomische Untersuchungen zur Treffgenauigkeit von Injektionen an die Tonsilla pharyngea unter besonderer Berücksichtigung des Geschlechtsdimorphismus – eine biometrische Studie basierend auf der Digitalen Volumentomografie (DVT)
Zusammenfassung
Die Neuraltherapie nach Huneke kommt als Intervention bei einem Störfeld in der Umgebung der Tonsilla pharyngea zum Einsatz. Trotz einer gut belegten Wirksamkeit dieser Therapie bei verschiedenen Indikationen ist diese Therapie mit Nebenwirkungen und Komplikationen assoziiert, die mit der Therapie in Verbindung gebracht wurden. Eine genaue Positionierung der für die Neuraltherapie verwendeten Kanüle an dem Störfeld ist erforderlich, um eine Injektion in das Foramen magnum zu verhindern und Nebenwirkungen zu vermeiden.
Das Ziel der vorliegenden Studie bestand deshalb darin, die Positionierung zweier Kanülen an die Tonsilla pharyngea anhand von Aufnahmen mit Digitaler Volumentomografie (DVT) zu evaluieren und mögliche Risikofaktoren für Komplikationen an dieser Einstichstelle zu identifizieren.
DICOM-Datensätze von 80 Probandinnen und Probanden, die an der Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Plastische Operationen der Universitätsmedizin Greifswald aufgrund von verschiedenen Indikationen angefertigt worden waren, wurden für die Verwendung in der Studie evaluiert. Alle Probandinnen und Probanden waren zum Zeitpunkt der Untersuchung älter als 18 Jahre. 35 Datensätze wurden aus der Untersuchung ausgeschlossen, weil im Untersuchungsgebiet nicht alle für die Messung notwendigen anatomischen Strukturen dargestellt waren, so dass 45 Datensätze final für die Untersuchung verwendet werden konnten.
Die DICOM-Datensätze wurden mit dem Digitalen Volumentomografen QR-DVT 9000 (NewTom Verona, Italien) in der Universitätsmedizin Greifswald mit einer Schichtstärke der für die Untersuchung relevanten Sagittalschnitte angefertigt und in den DICOM-Betrachter Horos (v1.1.7; © 2020 Horos Project) importiert. Zur Bestimmung der Kanülenlage wurden die Schädelmasse analysiert und mit den möglichen Einflussfaktoren Geschlecht und Alter korreliert.
In der Patientenkohorte konnten keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Mittelwerten der Epipharynxmaße festgestellt werden. Jedoch korreliert das Geschlecht signifikant mit der Epipharynxlänge und den folgenden Schädelmaßen: Gesichtshöhe (TFH), unterer Gesichtslänge (GBL), Schädelbasislänge (NBL) und der Strecke Proc. alveolaris Regio 11, 21 – Basion (ABL). Die Messtrecke d, also der Abstand zwischen der Einstichstelle und dem Basion, korrelierte für keine der beiden Kanülen signifikant mit dem Geschlecht. Die Schleimhautdicke k und die Messstrecke d unterschieden sich zwischen beiden Kanülen. Bei Verwendung der abgewinkelten Kanüle war die Strecke d im Mittelwert signifikant länger. Dies spricht dafür, dass die Verwendung einer abgewinkelten Kanüle die Sicherheit der Therapie erhöht. Zudem zeigte sich für beide Kanülen eine signifikante Korrelation zwischen dem Alter und der Messstrecke d sowie zwischen dem Alter und der Schleimhautdicke k an der Einstichstelle. Das Alter wurde als signifikanter Prädiktor, für die Schleimhautdicke k und die Messstrecke d, bei Verwendung beider Kanüle identifiziert.
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten darauf hin, dass die Verwendung einer abgewinkelten Kanüle für die Neuraltherapie nach Huneke an der Tonsilla pharyngea das Risiko einer Injektion in das Foramen magnum reduziert. Während die Kanülenlage nicht signifikant durch das Geschlecht des Patienten beeinflusst zu werden scheint, so nehmen sowohl die Strecke zwischen dem Basion und der Einstichstelle als auch die Schleimhautdicke mit dem Alter ab.
Die in dieser Studie ermittelten Ergebnisse sind für zukünftige Behandlungen an der Tonsilla pharyngea von Interesse und bestätigen, dass die hier verwendete Methode, bei richtiger Anwendung, sicher ist. Zur erfolgreichen Injektion des Lokalanästhetikums und der Untersuchung des Auftretens von Neuraltherapie-assoziierten Nebenwirkungen lässt sich die von uns entwickelte Methode nutzen und weiterentwickeln